Martin Luther

Weihnachtspostille 1522

Schriften,

10. I. 1. Band

 

 

 

 

 

 

D. Martin Luthers Werke

 

 

Kritische Gesamtausgabe

 

 

10. Band

Erste Abteilung

1. Hälfte

 

 

 

Weimar

Hermann Böhlaus Nachfolger 1910

 

 

 

__________

 

 

Bibliographische Angaben

 

 

Schriften, 10. I. 1. Band, Weihnachtspostille 1522

Luther, Martin 1483 –1546

 

 

Drescher, Karl

 

D. Martin Luthers Werke.

Kritische Gesamtausgabe. 10. Band. Erste Abteilung. 1. Hälfte

 

Weimar

Hermann Böhlaus Nachfolger 1910

 

x, 739 p.

 

 

[WA s. i]

 

Einleitendes Material

 

 

[Titelseite]

 

 

D. Martin Luthers Werke Kritische Gesamtausgabe 10. Band Erste Abteilung 1. Hälfte

 

 

 

 

Weimar

Hermann Böhlaus Nachfolger 1910

[WA s. iii]

 

Vorwort.

 

1910[WA s. iii]

Der vorliegende Band wurde noch unter der Amtsführung meines Vorgängers Professor Pietsch begonnen, Schwierigkeiten der Ausführung bei der besonders reichen Textüberlieferung sowie persönliche Behinderungen des Bearbeiters Professor Köhler-Zürich haben sein Erscheinen bis jetzt hinausgerückt. Für den Raum unseres Bandes war ursprünglich der Abdruck des ganzen Winterteiles der Kirchenpostille bestimmt, durch den Umfang der Lesarten mußte jedoch eine weitere Teilung des Bandes 10 1 und zwar in 10 1 1. und 2. Hälfte — uns nicht ganz erwünscht — vorgenommen werden. Die Mitverantwortung für die Lesarten in ihrer jetzigen Form muß ich ablehnen, ich hätte sie wesentlich vereinfachter gewünscht, wenn sie auch infolge der besonderen Überlieferung eingehender als sonst üblich verzeichnet werden sollten. Allein, als ich die Leitung der Lutherausgabe übernahm, war der Variantenapparat schon zum weitaus größten Teil vollendet, und Professor Köhler konnte sich nicht mehr entschließen, Änderungen vorzunehmen, nachdem seine Arbeit in der hier vorgelegten Art soweit vorangeschritten war (vgl. hierzu auch S. IX). In der Folge werden jedoch auch hier die Lesarten [WA s. iv] vereinfachter und unter Zusammenfassung der für den jeweiligen Lautstand allgemein giltigen Gesichtspunkte gegeben werden.

Die wiederum von Professor O. Brenner herrührenden germanistischen Erläuterungen sind diesmal in den Nachträgen zusammengefaßt.

Der zweite Teil des Bandes 101 wird zunächst den Rest unseres Textes, ferner die zu dem ganzen Winterteile gehörige Einleitung sowie die Bibliographie umfassen. Band 21 und 22 Unsrer Ausgabe sollen dann Sommerteil und Festteil der Kirchenpostille aufnehmen.

 

Berlin, April 1910.

Karl Drescher.

 

 

[WA s. v]

Inhalt.

 

1910[WA s. v]

Seite

Vorwort                                                                                                                                                                                                                                                                                 III

Einleitung                                                                                                                                                                                                                                                                               VII

Text                                                                                                                                                                                                                                                                                                       1

        Widmung Luthers an Graf Mansfeld                                                                                                                                                                1

        Ein klein Unterricht, was man in den Evangeliis suchen und gewarten soll   8

        Epistel zur Messe in der Christnacht, Tit. 2, 11 –15                                                                                         18

        Evangelium in der Christmeß, Luk. 2, 1 –14                                                                                                                                    58

        Epistel in der Früh-Christmeß, Tit. 3, 4 –7                                                                                                                                       95

        Evangelium in der Früh-Christmeß, Luk. 2, 15 –20                                                                                          128

        Epistel am Christtag, Hebr. 1, 1 –12                                                                                                                                                               142

        Evangelium in der hohen Christmesse, Joh. 1, 1 –14                                                                                        180

        Epistel am S. Stephans-Tage, Apg. 6, 8 –14                                                                                                                                   247

        Evangelium am S. Stephans-Tage, Matth. 23, 34 –39                                                                                                      270

        Epistel am S. Johannes-Tage, Sir. 15, 1 –6                                                                                                                                     289

        Evangelium am S. Johannes-Tage, Joh. 21, 19 –24                                                                                         305

        Epistel am Sonntag nach dem Christtage, Gal. 4, 1 –7                                                                                     324

        Evangelium am Sonntag nach dem Christtage, Luk. 2, 33 –40                                                   379

        Epistel am Neujahrstage, Gal. 3, 23 –29                                                                                                                                         449

        Evangelium am Neujahrstage, Luk. 2, 21                                                                                                                         504

        Epistel am Tage der heiligen drei Könige, Jes. 60, 1 –6                                                                                    519

        Evangelium am Tage der heiligen drei Könige, Matth. 2, 1 –12                                                 555

Nachträge                                                                                                                                                                                                                                                                              729

 

 

 

[WA s. vii]

 

Haupttext

Weihnachtspostille

 

 

 

 

Einleitung.

 

1910[WA s. vii]

Durch die Forschung von Gustav Bossert (Theol. Studien und Kritiken 1897: Die Entstehung von Luthers Wartburgpostille. Kritisch-historische Untersuchungen) ist nach dem Vorgange von Bertheau und v. Dommer endgültig festgestellt worden, daß von dem Winterteile der Lutherschen Kirchenpostille, umfassend die Predigten von Advent bis Epiphanien, die Serie der mit Weihnachten beginnenden Predigten (sogen. Weihnachtspostille) vor der Adventspostille bearbeitet und ausgegeben worden ist. Bossert erhob die Frage: “Soll in der Weimarer Ausgabe die Weihnachtspostille vor der Adventspostille gedruckt werden?”, und gab die Antwort: “vom Standpunkt des Interesses der historischen Forschung wird die Frage unbedingt bejaht werden müssen.” Aber er stellte sofort die andere Frage daneben: “Aber gibt es nicht noch andere Gesichtspunkte, welche berücksichtigt werden müssen und für Beibehaltung der Anordnung in allen Ausgaben mit Ausnahme der Urdrucke sprechen?” Nach sorgsamer Prüfung beider Fragen haben wir uns zur Bejahung der ersten entschlossen und der Geschichte damit ihr Recht gegeben; die “anderen Gesichtspunkte” erwiesen sich als solche wesentlich praktischer Art, die zurücktreten mußten hinter der grundsätzlichen Forderung chronologischer Anordnung. Freilich haben sie ihren Tribut dennoch verlangt und erhalten. Wir sahen uns bei dem Umfange der Kirchenpostille, dem starken Variantenapparate, den zahlreichen Anmerkungen genötigt, zu teilen; es konnten nicht Weihnachts- und Adventspostille nacheinander in einem Bande mit vorausgehender Einleitung geboten werden, die Weihnachtspostille allein beanspruchte einen Band. Wenn damit die Adventspostille einem zweiten Bande zugewiesen werden mußte, so ergab sich daraus die weitere Notwendigkeit, diesem zweiten Bande auch die Einleitung zuzuweisen; denn diese hatte den Entstehungsprozeß der ganzen Winterpostille vorzuführen, es ist unmöglich oder nur auf Kosten der Unvollständigkeit oder beständiger Wiederholung möglich, zur Weihnachts- und Adventspostille jeweilig eine besondere historische Einleitung zu schreiben, für Luther selbst ist die Winterpostille ein Ganzes gewesen, und er hat die Adventspostille nie aus dem Auge gelassen, als er die [WA s. viii] Weihnachtspostille schrieb. So wird der zweite Band mit der Adventspostille die Gesamteinleitung mit der Bibliographie (diese mit der Einleitung zu verbinden, empfahl sich u. a. auch um deswillen, weil die Einleitung auf die Bibliographie zurückgreifen muß) usw. bringen; zur vorläufigen Orientierung kann auf Bosserts Abhandlung verwiesen werden.

 

Zur Erläuterung der in vorliegendem Bande gebrauchten Siglen für die einzelnen Drucke sei folgendes bemerkt:

A = Urdruck d. h. der bei Johann Rhaw (alias Grunenberg) 1522 erschienene Druck der Weihnachtspostille allein. Er ist unserer Ausgabe zugrunde gelegt; wo im Texte von ihm abgewichen wurde, ist seine Lesart im textkritischen Apparate verzeichnet. Ergänzungen im Texte sind durch [ ] gekennzeichnet.

G bedeutet die weiteren Ausgaben Grunenbergs. Und zwar

G = die Ausgabe der Postille (Predigten von Advent bis Ostern) von 1525.

G = die Ausgabe der Postille (Predigten von Advent bis Ostern) von 1527.

G = die Ausgabe der Postille (Predigten von Advent bis Ostern) von 1528.

P = die Ausgabe der Postille (d. h. der alten Adventspostille, vgl. Bd. 7, 458 ff. und der Weihnachtspostille) von Adam Petri 1522.

F = die Ausgabe von Amandus Farckall 1523 (ihre Zusammensetzung ist die gleiche wie bei P).

Lo bedeutet die Ausgaben von Michael Lotther. Und zwar

Lo = die Ausgabe von 1525,

Lo = die Ausgabe von 1526,

Lo = die Ausgabe von 1528,

Lo = die eigenartige, stark selbständige Ausgabe von 1530,

Lo = die Ausgabe von 1531,

Lo = die Ausgabe von 1532,

Lo = die Ausgabe von 1533,

Lo = die Ausgabe von 1535.

Lo enthält die Advents- und die Weihnachtspostille; Lo, Lo, Lo, Lo, Lo, Lo und Lo enthalten die Predigten von Advent bis Ostern.

Lu bedeutet die Ausgaben von Hans Luft. Und zwar

Lu = die erste Ausgabe von 1528,

Lu = die zweite Ausgabe von 1528,

Lu = die Ausgabe von 1530,

Lu = die Ausgabe von 1532,

Lu = die Ausgabe von 1540,

Lu = die Ausgabe von 1543.

Sämtliche Ausgaben enthalten die Predigten von Advent bis Ostern.

Wi = die auf dem Titel ohne Angabe des Druckers als Wittenberger Druck gekennzeichnete Ausgabe von 1526, enthaltend die Predigten von Advent bis Ostern.

[WA s. ix]

W = die Ausgabe von Nikolaus Wolrab von 1544, enthaltend die Predigten von Advent bis Ostern.

K = die Ausgaben von Wolph Köpphel. Und zwar

K = die Ausgabe von 1527,

K = die Ausgabe von 1529,

K = die Ausgabe von 1531,

K = die Ausgabe von 1542.

Sämtliche Ausgaben enthalten die Advents- und Weihnachtspostille, als ersten Teil einer Postille “durch das gantz jar auß”.

S = die Ausgabe von Peter Seitz von 1535. Sie umfaßt die Predigten von Advent bis Ostern.

Stimmen sämtliche Ausgaben eines Verlegers in der Lesart überein, so ist nur das einfache Siglum (ohne beigefügte Ziffer) gesetzt; also z. B. Lo = sämtliche Drucke von Lotther (1 –8), Lu = sämtliche Drucke von Luft (1 –6), K = sämtliche Drucke von Köpphel (1 –4).

B bedeutet die lateinische Übersetzung der Postille von Martin Bucer 1525 und 1526. Sie ist in reichem Maße herangezogen worden, einesteils zur Erläuterung Luthers — sie vertritt hier stellenweise einen Kommentar — andernteils zur Kennzeichnung Bucers als Übersetzer.

Die Siglen α, β, a, b, c, d, e, f wurden verwandt für Sonderdrucke gewisser Abschnitte der Postille. So sind S. 88 ff. unter a —f die Drucke des “Gloria in excelsis deo” gemeint, S. 504. ff. unter α der Druck: “Auszlegung des Euangelij an des Newen Jares Tag. Luce am andern.” Breslaw 1523; S. 674 ff. unter α, β die Drucke: “Unterscheyd des rechten und falschen Gottesdiensts”; S. 725 ff. unter α der Druck: “Vonn dreyerley Weysze menschenlere zu meydenn.” Breslaw 1523.

Näheres über diese und die übrigen Drucke, sowie eine Charakterisierung der Bucerschen Übersetzung wird die Bibliographie bezw. Einleitung zum zweiten Bande bringen.

Der Lesartenapparat ist im vorliegenden Bande außerordentlich groß. Das erklärt sich einmal daraus, daß die Zahl der zu berücksichtigenden Drucke noch bei keiner der in unserer Ausgabe veröffentlichten Lutherschriften so groß war wie in der Postille, sodann daraus, daß ich mit der Kollationierung schon begonnen, ja, sie vielfach schon abgeschlossen hatte, als die vereinfachenden Bestimmungen in Bd. 12 und die sie weiterführenden in Bd. 102 (vgl. Bd. 18) erschienen. Eine Vereinfachung des schon wesentlich festgestellten Apparates nach diesen Grundsätzen erwies sich als untunlich. Überflüssige Arbeit ist nicht geleistet, es ist an der Hand des mitgeteilten Lesartenapparates ein sorgsames Bild der einzelnen Drucke zu gewinnen ermöglicht, zudem wird im zweiten, die Adventspostille bringenden Bande O. Brenner seine zusammenfassende Übersicht über die germanistische Eigenart der Drucke z. T. auch an dem Apparate dieses ersten Bandes erläutern.

Im einzelnen ist meine Kollation so angelegt: in der sogen. “Widmung” sind sämtliche oben angegebenen Drucke berücksichtigt, und zwar so eingehend, daß auch die Umlaute (z. B. konig] Koenig) notiert wurden; in dem “kleinen Unterricht” sind ebenfalls sämtliche Drucke berücksichtigt, aber ohne Angabe der Umlaute. In den Predigten selbst hingegen ist nur eine Auswahl von Drucken berücksichtigt, [WA s. x] nämlich P, F, G (die drei Drucke stimmen hier überein, benutzt wurde das Stuttgarter Exemplar von G), Lo, Lo.7.8, Lu, Lu, W; die übrigen Drucke sind zu unselbständig, um eine Berücksichtigung weiterhin zu rechtfertigen. Lu, W wurden separat gesetzt, weil Lu die von Luther selbst verbesserte, vielfach gekürzte Ausgabe von 1540 darstellt, deren Abweichungen besondere Beachtung verdienen. W wurde hinzugesetzt, da dieser Druck Lu folgt. In den Fällen, in denen die Bibelzitate von Lo oder auch anderer Drucke mit LuW übereinstimmen, wurden die betreffenden Siglen der Einfachheit halber LuW beigefügt. Stets wiederkehrende Eigentümlichkeiten der Drucke (wie z. B. die Umwandlung der Endung -ickeit (gerechtickeit) in -igkeit (gerechtigkeit), je statt ye usw.) wurden nicht angegeben; darüber wird die germanistische Einleitung Brenners berichten. Die Randbemerkungen (zumeist kurze Inhaltsangaben) einzelner Drucke wurden, weil unwesentlich, nicht berücksichtigt.

Auf die Anmerkungen habe ich besondere Sorgfalt verwandt; wenn es nicht gelungen ist, alle Rätsel zu lösen, so hat es wenigstens an Bemühung dazu nicht gefehlt. Einen Kommentar hatte ich nicht zu geben, sehr häufig diente, wie gesagt, B zur Erläuterung. Den Herren Professor D. Greving in Münster, Monsignore D. Nik. Paulus in München, D. Dr. G. Bossert in Stuttgart habe ich für freundliche Beihilfe zu danken. Nicht minder Herrn Professor Dr. Drescher für das, oft unter schwierigen Verhältnissen, stets gezeigte Entgegenkommen.

 

Zürich den 15. April 1910.

Walther Köhler.

 

 

 

[WA s. 1]

[Widmung Luthers an Graf Mansfeld]

Jhesus.

 

1522 [WA s. 1]

 

Dem Edlen und wolgepornenn herrnn, herrn Albrecht Graffen tzu Mansfellt, herrn tzu Schrappel unnd Helderungen &c. meynem gnedigenn Herrnn. Martinus Luther. Gnad und frid gottis. Amen. Der heylig konig Dauid, da er seynes kuniglichen stuels erben eynsetzen wollt, macht er eyn solch ordnung, das unter seynen kindern der iungist ßon nach yhm das reych gantz alleyn solt besitzen, damit das kunigreych Israel eynig und untzurtrennet bliebe. [1 Kön. 1, 30 ff.] Unnd wo des selbigen iungstenn ßons stam vorfiele, solt des nehisten iungsten [WA s. 2] bruders stam an seyn statt sitzen. Alßo macht er Salomonen seynen iungsten ßon fur allen andern tzum konig, und bleyb das konigreych ynn Salomonß stam [2. Kön. 11, 1 ff.] biß auff den konig Joas, tzu wilchs zeytten die wuetige konigyn Athalia, da ynn yhrem ßon Ochosias Salomons stam vorfallenn war, den gantzen stam Dauids vortilget, das nitt mehr bleyb denn der eynige funcke Joas, wunderbarlich [2. Sam. 5, 14, Luk. 3, 31] von gott behallten von dem stam Natan, Salomons iungster bruder, [2. Sam. 7, 12 ff.] umb Christus willen, der da war Dauid vorsprochen von seynem fleysch und blutt tzu kommen. Wie wol nu diße ordnung sich ansehen lessit als widderwertig [5. Mose 21, 15 –17] dem gesetz Mosi, wilchs dem erstenn ßon gibt die hirschafft ubir seyne bruder und tzwey stuck des erbes, ßo war es doch nit da wider, denn Dauids [2. Sam. 13, 1 ff.] erster ßon Ammon war schon erwurgt von seynem bruder Absalom, und ist vorursacht solch ordnung zu machen, das er sahe, wie sich seyn kinder umbs reych tzu beerben drungen, doch vil mehr umb Christus willen eyne figur zu bereytten, wilcher der recht Salomon unter allen gottis kindern der iungst und [Matth. 11, 11] kleynist ist, wie er selb sagt Matt. 11., das keyne grosser sey auffgestanden [WA s. 3] unter weybes kinden, denn Johannes der teuffer, aber der kleynist ym hymelreych ist grosser denn er; der selb kleynist ist alleyn Christus. Niemant ist yhe ßo tieff ernydrigt, Niemant hatt sich selb ßo seher vorkleynet als Christus, [Matth. 11, 29] daher auch er alleyn thar sagen: Lernet von myr, ich byn sanfftmutig und demutig von hertzen, wilchs wort hatt noch mag keyn heylige ymmer mehr sagen, noch die meysterschafft der demut und sanfftmutickeyt yhm tzu messen. [11. Kor. 11] Sie bleyben alle sampt schuler unter dißem meyster, alßo das auch S. Paulus, da er zu den Corinther spricht: Folget myr nach, setzt er bald hyntzu den rechten meyster, und spricht: gleych wie ich Christo nach folge, das er nit sich als Paulum, ßondern Christum yn sich und sich yn Christo furbildet. Darumb ist auch nu Christus erhaben und eyn konig gesetzt fur allen seynen brudern; [Ps. 45, 8] das sind wyr vnd alle Christen, wie Ps. 44. sagt: Deyn gott hatt dich gesalbet (das ist tzum konige geweyhet) fur allen deynen mitgenossen, und ist also die figur Salomonis ynn yhm erfullet, und nit alleyn erfullet, ßondern auch uns tzum exempel gesetzt, das wyr der Euangelischen lere hewbtstuck an allen ortten [Matth. 23, 12, = Luk. 14, 11] furgepildet sehen sollen, wilchs da ist, das Christus sagt: Wer sich demutiget, [WA s. 4] der wirt erhaben. Item: Wer do will unter euch der grossist seyn, der sey [Luk. 9, 48] der kleynist. Auch das Euangelium ist gantz nit mehr denn eyn historia von [1. Kor. 2, 2] dem kleynisten ßon gotis und von seyner vorkleynung, wie Paulus sagt. 1. Cor. 2: Ich hab mich unter euch nichts lassen duncken, das ich wisse, den Jhesum Christum und den selbigen gecreutzigt.

       Das hab ich, gnediger herr, darumb eyngefurt, das, syntemal ich myr furgenommen meynes geblutts lands herrn diß buch zuzuschreyben, nit seltzam wurd angesehen, das ich wider synnisch der welt nit an den eltisten M. G. herrnn, ßondern an dem iungsten beydes stammiß ansahe; denn es hatt die artt dißes buchs erfoddert, darynnen nit mehr denn das kleynist und iungist wirt ymer furgehalten, das ich auch die vorrehde yhm gleych stellet und ßo vil sichs leyden wolt nit ließe mißhallen.Da mit ich auch solch lere des Euangeli nit ynn wortten schweben, ßondern der selbigen tzum wenigsten eyn kleynis wercklin sehen ließe. Syntemal den grossen herren auff der wellt wol nott ist, die on unterlaß ynn yhrem forteyl und ansehen yhrer hohe und grosse faren, sie tzu weylen auch nach dem Euangelio yhres nachteyls und vorkleynung [WA s. 5] fur gott erynnern, wie wol sie nichts anders denn desselbigen wartzunehmen schuldig und durfftig sind fur allen andern. Ich solt auch wol lengist als eyn land kind mich gegen E. G. ertzeygt haben. Es ligt aber das Euangelium auch ym weg und, unangesehen menschen recht und gut duncken, spricht: Die [Matth. 19, 30, 20, 10] letzten sind die ersten, und die ersten sind die letzten. Auch ist den mißgonnern [Mar 10, 31, Luk. 13, 30] nit rawm tzu machen noch ursach tzu geben geweßen, als sucht ich meyn unnd der meynen eere am ersten. Syntemal ich die ernste lere des Euangeli furwendet, die nit leyden will sich selb am ersten suchen, ßondern, wie gesagt, sich selb nydrigen und vorachten.

       Und das yhe diße vorrhede allenthalben dem Euangelio gemeß sey, ist der schreyber auch eyn vorachtet und vordampte person. Ich bynn von gottis gnaden ynn des Bapsts bann und aller hohisten ungnaden, datzu yn grossem vormaledeyen und hasß seyner lieben iunger, das ich hoff, es stehe myr nit ubel an, ditz vorachte, kleyne, geringe buch des Euangeli von dem kleynisten, vorachtisten kind gottis tzu handelen, und die hohen, grossen, langen bucher des dreykronigen koniges tzu Rom tzu lassen, und ob myrs schon nitt wol anstund, Syntemal doch alle hohen schulen, stifft und kloester an den dreyen kronen hangen und das iungist kleynist buch, das Euangelium, ligen lassen, [WA s. 6] foddert unnd tzwingt die nott, das tzum wenigsten eyner des ungekroneten vorachten gottis ßon buch angreyffe, es gelinge yhm wol odder ubel. Es mag yhe nit gantz mißlingen, E. G. hatt gesehen die Bulla von Rom unnd das urteyll der Parrhißer, on allen tzweyffell auß ßonderlicher gottis ordnung beyde außgelassen, das die wellt greyffen sollt, wie mechtig die warheytt yhre feynde schenden unnd blenden kan durch eygene werck und wort der selbigen feynd. Meyn wuntsch ist nit geweßen, das sie alßo groblich narrenn unnd sich schendenn sollten, doch mag ichs wol leyden, der warheytt tzu gutt, das dem sprichwort gnug geschehe, das da nit ferne vom Euangelio lauttet: Die gelerten, die vorkereten.Es will das Euangeli an tag unnd beweyßen, das die weyßen narrenn, die narrenn weyße sind, unnd die man ketzer schillt Christenn sind, unnd die sich Christen rhumen, ketzer seyen. Das sag ich darumb G. H., das ich acht, E. G. musse odder werde meynett  halben auch villeicht sich eyn wenig rauchs beyssen lassen und von den hochgelarten klugenn iungernn des Bapsts hoeren, alß sey ich eyn schand unnd unehr E. G. hirschafft, das ist eyn gering gantz Euangelisch voracht asschen proddel; denn ßo genaw suchen die heyligen leut ursach tzu lestern und schmehenn, das sie auch ubir myr die frumen unschuldigen leutt tzu Sangerhußen der grentz halben nit [WA s. 7] haben muegen ungeschendt lassen, ßo es doch noch unuorurteyllet ist, ob Cuntz schmid odder der graw sperling erger ketzer oder katzen sey. Es ist Johannes Huß, Hieronymus von Prag und viel mehr ynn deutschen landen vorprennet, aber biß auff dißen tag noch nit eyn harbreyt ubirwunden. Es ist eyn leufftig prophecey vom Endchrist, das er die Christen soll mit fewr vorprennen, die muß alßo erfullet werden. Darumb wollt E. G. hie abermal gedencken des Euangelij, das es alles umbkeret und widdersynnisch gehet. Was sie schand heyssen, das ist ehre, was sie ehre heyssen, das ist schande, unnd die da vorprennen, [Matth. 5, 22] sind des fewris wirdig, und die vorprant werden, sind des [WA s. 8] gericht stuls wirdig, den werden sie auch am iungsten tag besitzen, denn wirt [Ps. 18, 27] offinbarlich ersehen werden, was da sey, das der prophet Ps. 17. sagt: Mit den vorkereten vorkeret sich auch gott. Weyll sie widdersynnisch faren unnd richten mit unrecht, ßo feret er auch unnd richtet widdersynnisch mit recht. Hie mit befilh ich E. G. und gantze hirschafft sampt allen liebhabernn des Euangeli ynn gottis gnaden, der sie fur menschen leren gnediglich behuten und auff gottlicher lere richtig und fest behallten wollt ynn freyem Christlichem glawben, Amen.

       Denn was ich mehr tzur vorrhede sagen wollt, das der brieff nit tzu lange wurde, hab ich gestellet ynn diße nehist folgende unterricht. E. G. wollt yhr meyn arme erbietung nit nach wirdickeyt, ßondernn nach gunst gefallen lassen. Geben ynn der wusten am tage sanct Elisabeth. 1521.

 

 

 

 

Eyn kleyn unterricht, was man ynn den Euangelijs suchen und gewartten soll. 1522

 

Es ist eyn starcke gewonheytt, das man die Euangelia tzelet und nennet nach den buchern, unnd spricht, es sind vier Euangelia, daher ists kommen, das man nit weyß, was .S. Paulus und Petrus ynn yhren Epistelln sagen, unnd wirt yhr lere gleych geacht alß tzusetze tzur lere der Euangelia, wie auch eyn prologus Hieronymi sich hoeren lessit. Darnach ist noch eyn erger gewonheytt, [WA s. 9] das man die Euangelia und Epistel achtet gleych wie gesetz bucher, darynnen man leren soll was wyr thun sollen, unnd die werck Christi nit anders denn alß exempel unß furgebildet werdenn. Wo nu diße tzwo yrrige meynungen ym hertzen bleyben, da mag widder Euangeli noch Epistel nutzlich unnd Christlich geleßen werden, bleyben eyttel heyden wie vorhynn.

       Darumb soll man wissen, das nur eyn Euangelium ist, aber durch viel Apostel beschrieben. Eyn iglich Epistel Pauli und Petri, datzu Actuum Luce, ist eyn Euangeli, ob sie wol nit alle werck und wort Christi ertzelen, ßondernn eynß kurtzer unnd weniger denn das ander begreyfft. Ist doch auch der grossen vier Euangelia keyniß, das alle wort unnd werck Christi begreyfft, ist auch nit not. Euangelium ist und soll nit anders seyn denn eyn rede oder historia von Christo, gleych wie unter den menschen geschicht, das man eyn buch schreybt von eynem kuenige odder fursten, was er than und geredt unnd erlitten hatt ynn seynen tagen, wilchs man auch mancherley weyß mag beschreybenn, eyner ynn die lenge, der ander ynn der kurtze. Alßo soll und ist das Euangeli nit anders denn eyn Chronica, historia, legenda, von Christo, wer der sey, was er than, geredt und erlitten habe, wilchs eyner kurtz, der ander lang, eyner ßonst der ander ßo beschrieben hatt. Denn auffs kurtzlichst ist das Euangelium eyn rede von Christo, das er gottis ßon und mensch sey fur unß worden, gestorben unnd aufferstanden, eyn herr ubir alle ding gesetzt. Szo viel nympt S. Paulus fur sich ynn seynen Epistelln und streycht das auß, lest anstehen alle die wunder und wandel, die ynn den vier Euangelijs geschrieben sind, und begreyfft doch gnugsam und reychlich das gantz vol [Röm. 1, 1 –4] Euangeli, wie das ym gruß ad Ro. klerlich unnd feyn tzu sehen ist, da er sagt, was das Euangelium sey und spricht: Paulus eyn knecht Jhesu Christi, [WA s. 10] beruffner Apostel und vorordeneter tzum Euangelio gottis, wilchs er tzuuor hatt vorsprochen durch seyne propheten ynn der heyligen schrifft von seynem ßon, der yhm geporn ist auß dem samen Dauid, nach dem fleysch, der da vorkleret ist eyn ßon gottis ynn der krafft nach dem geyst der heyligung auß der aufferstehung von den todten, der do ist Jhesus Christus unßer herr &c..

       Da sihestu, das das Euangelium eyn historia ist von Christo, Gottis und Dauids ßon, gestorben und aufferstanden unnd tzum herrnn gesetzt, wilchs da ist summa summarum des Euangeli. Wie nu nit mehr denn eyn Christus ist, ßo ist und mag nit mehr denn eyn Euangelium seyn. Weyl auch Paulus und Petrus nichts anders denn Christum leren auff vorgesagte weyße, ßo muegen yhre Epistell nichts anders denn das Euangelium seyn, Ja auch die propheten, die weyl sie das Euangelium vorkundigt und von Christo gesagt [Röm. 1, 2] haben, alß hie. S. Paulus meldet und yderman wol weyß, ßo ist yhr lere an dem selben ortt, da sie von Christo reden, nichts anders denn das ware lautter recht Euangelium, alß hetts Lucas oder Mattheus beschrieben, alß do [Jes. 53, 2 ff.] Isaias sagt ca. 53., wie er fur unß sterben unnd unßer sund tragen sollt, hatt er das lautter Euangelium geschrieben. Und ich sage fur war, ßo nit yemand dißen wahn vom Euangelio fasset, der wirt nymmer muegen ynn der schrifft erleucht werden noch den rechten grund ubirkomen.

       Zum andernn, das du nit auß Christo eynen Mosen machist, alß thu er nit mehr denn lere unnd gebe exempel wie die andern heyligen thun, alß [WA s. 11] sey das Euangelium eyn lere oder gesetz buch. Darumb solltu Christum seyn wort, werck und leydenn tzweyerley weyße fassen. Eyn mal alß eyn exempell dyr furgetragen, dem du folgen sollt und auch alßo thun, wie .S. Petrus [1. Pet. 4, 1, vergl. 2, 21] sagt .1. Pet. 4: Christus hatt fur unß gelitten, darynn uns eyn exempel gelassen; alßo wie du sihest, das er bettet, fastet, den leutten hilfft und liebe ertzeyget, ßo solltu auch thun dyr und deynem nehisten. Aber das ist das geringst vom Euangelio, dauon es auch noch nit Euangelium heyssen mag, denn da mit ist Christus dyr nichts mehr nutz denn eyn ander heylig. Seyn leben bleybt bey yhm und hilfft dyr noch nichts, und kurtzlich, die weyße macht keynen Christen, es macht nur gleyßner, es muß noch gar viel hoher mit dyr kommen. Wie wol itzt lange tzeyt ditz die aller beste weyße, dennoch seltzam geweßen ist zu predigen. Das hewbtstuck und grund des Euangelij ist, das du Christum tzuuor, ehe du yhn tzum exempel fassist, auffnehmist unnd erkennist alß eyn gabe und geschenck, das dyr von gott geben und deyn eygen sey, alßo das, wenn du yhm tzusihest odder hoerist, das er ettwas thutt odder leydet, das du nit tzweyffellst, er selb Christus mit solchem thun und leyden sey deyn, darauff du dich nit weniger muegist vorlassen, denn alß hettistu es than, ia alß werist du der selbige Christus. Sihe, das heyst das Euangelium recht erkennet, das ist, die ubirschwencklich gutte gottis, die keyn prophet, keyn Apostel, keyn engel hatt yhe muegen außreden, keyn hertz yhe gnugsam vorwundern unnd begreyffen, das ist das grosse fewr der liebe gottis tzu unß, dauon wirt das hertz unnd gewissen fro, sicher unnd tzufriden, das heyst den [WA s. 12] Christlichen glawben predigt. Dauon heyst solch predigt Euangelium, das lautt auff deutsch ßo viel, alß eyn froliche gute trostlich bottschafft, von wilcher bottschafft die Apostelln genennet werden tzwellff botten.

 

[Jes. 9, 6] Dauon sagt Isaias. 9: Eyn kind ist uns geporen, eyn ßon ist uns geben. Ist er uns geben, ßo muß er unßer seyn, ßo mussen wyr unß auch seyn [Röm. 8, 32] annehmen alß des vnßernn. Und Ro. 8: Wie hatt er unß nit alle ding sollen geben mit seynem ßon? Sihe, wenn du alßo Christum fassist alß eyn gabe dyr tzu eygen geben unnd tzweyffillst nit dran, ßo bistu eyn Christen, der glawbe erloset dich von ßunden, tod und helle, macht, das du alle ding ubirwindist. Ach, da kan niemant gnug von reden, da ist die klage, das solch predigt ynn der wellt vorschwigen ist, und doch alle tage das Euangelium gerumet ist. Wenn du nu Christum alßo hast tzum grund und hewbtgutt deyner selickeytt, Denne folget das ander stuck, das du auch yhn tzum exempel fassist, ergebist dich auch alßo deynem nehisten tzu dienen, wie  du sihest, das er sich dyr ergeben hat. Sihe, da gehet denn glawb und lieb ym schwanck, ist gottis gepott erfullet, der mensch frolich unnd unerschrocken tzu thun unnd tzu leyden alle ding. Drumb sihe eben drauff, Christus als eyn gabe nehret deynen glawben und macht dich tzum Christen. Aber Christus als eyn exempel ubet deyne werck, die machen dich nit Christen, ßondern sie gehen von dyr Christen schon zuuor gemacht.Wie ferne nu gabe und exempel sich scheyden, ßo fern scheyden sich auch glawbe und werck, der glawb hatt nichts [WA s. 13] eygens, ßondern nur Christus werck und leben, Die werck haben etwas eygen von dyr, sollen aber auch nit deyn eygen, ßondern des nehisten seyn.

       Darumb sihestu, Euangelium ist eygentlich nit eyn buch der gesetz und gepott, das von uns foddere unßer thun, ßondern eyn buch der gotlichen vorheyssungen, darynn er uns vorheyssett, anbeutt und gibt alle seyne gutter und wolthat yn Christo. Das aber Christus und die Apostoln viell gutter lere geben und das gesetz außlegen, ist tzu rechnen unter die wolthat wie eyn ander werck Christi, denn recht leren ist nitt die geringst wolthatt. Darumb sehen wyr auch, das er nit grewlich dringt und treybt, wie Moses thut ynn seynem buch und des gepots art ist, ßondern lieblich und fruntlich leret, sagt nur, was tzu thun und lassen sey, was den ubelthettern und wolthettern begegnen werd, treybt unnd tzwingt niemant, Ja auch ßo senffte [Matth. 5, 3. 5] leret, das er mehr reytzet denn gepeutt, hebet an und sagt: Selig sind die armen, Selig sind die sanfftmutigen &c.. Und die Aposteln brauchen auch gemeynicklich der wort: Ich vormane, ich bitte, ich flehe &c.. Aber Moses der spricht: ich gepiete, ich vorpiete, drewet und schreckt daneben mit grewlichem straffen und penen. Auß dißem unterrichten kanstu nutzlich die Euangelia leßen und horen.

       Wenn du nu das Euangeli buch auffthuist, lisest odder horist, wie Christus hie odder dahynn kommet odder yemandt tzu yhm bracht wirt, solltu da durch vornehmen die predigt odder das Euangelium, durch wilchs er tzu dyr kommet odder du tzu yhm bracht wirdist. Denn Euangeli predigen ist [WA s. 14] nichts anders, denn Christum tzu uns komen odder uns tzu yhm bringenn. Wenn du aber sihest, wie er wirckt unnd hilfft yderman, tzu dem er kommet unnd die tzu yhm brachtt werden, solltu wissen, das solchs der glawbe yn dyr wircke und er deyner seelen eben die selbige hulff und guette an beutt durchs Euangeli. Heltistu hie still und lessist dyr gutt thun, das ist, ßo du es glewbist, das er dyr wol thu unnd helff, ßo hastu es gewiß, ßo ist Christus deyn und dyr tzur gabe geschenckt; darnach ists nott, das du eyn exempel drauß machist und deynem nehisten auch alßo helffist und thuest, Seyest auch yhm [Jes. 40, 1. 2] tzur gabe und exempel geben, dauon sagt Isaias 40: Seytt getrost, seytt getrost meyn liebes volck, spricht ewr herr gott. Sagt yn das hertz Hierusalem und berufft sie, yhr ist vorgeben yhre sund, Eyn ende hatt yhr missethatt, sie hatt tzwiffach gutt empfangen von der handt gottis fur alle yhr sunde &c.. [5. Mose 21, 17] Diße tzwiffach gutter sind die tzwey stuck ynn Christo: Gabe und exempell, wilche auch sind bedeutt durch die tzwey stuck des erbteylls, die das gesetz Mosi tzu eygent dem ersten ßon, und durch vil ander figur.

       Wie wol es sund und schand ist, das mit uns Christen dahyn komen ist unnd wyr ßo unvleyssig ym Euangelio geweßen sind, das myrß nit alleyn nit vorstehen, ßondernn auch aller erst bedurffen, das man uns mit andern buchern und außlegung tzeyge, was drynnen tzu suchen und tzu gewartten sey. [WA s. 15] Syntemal die Euangeli und Epistel der Apostel darumb geschrieben sind, das sie selb solche tzeyger seyn wollen und uns weyßen ynn die schrifft der propheten und Mosi des allten testaments, das wyr alda selbs leßen und sehen sollen, wie Christus ynn die windel thucher gewicklet und yn die krippen gelegt sey, das ist, wie er ynn der schrifft der propheten vorfassett sey. Da sollt unßer studirn und leßen sich uben und sehen, was Christus sey, wo tzu er geben sey, wie er vorsprochen sey, und wie sich alle schrifft auff yhn tziehe, als er selb [Joh. 5, 46] sagt Johan. 5: Wenn yhr Mosi glewbetet, ßo glewbetet yhr auch myr, denn [Joh. 5, 39] von myr hatt er geschrieben. Item: forschet und suchet die schrifft, denn die [Röm. 1, 2] selbige ists, die von myr getzeugniß gibt. Das meynet sanct Paulus Ro. 1., da er ynn forn an ym gruß spricht, Das Euangeli sey von gott vorsprochen durch die propheten ynn der heyligen schrifft. Daher geschichts, das die Euangelisten unnd Apostel ymer dar uns ynn die schrifft weyßen unnd sprechen:  Alßo ists geschrieben. Item: das ist geschehen, das die schrifft der propheten [Apg. 17, 11] erfullet wurden &c.. Und Act. 17. da die Tessalonier das Euangeli mit aller lust horten, spricht Lucas, das sie haben ynn der schrifft gestudirt und [1 Petri 1, 10 –12] geforschet tag und nacht, obs alßo war were. Alßo da S. Petrus seyn Epistol schreyb, mitten ym anfang spricht er: Von dissem ewrem heyll habenn die [WA s. 16] propheten sich beforschet, die da von dißer gnad ynn euch geweyssagt haben und ersucht, auff wilche odder waßer tzeyt yhn tzeychete der geyst Christi, der ynn yhn war, und vorkundigt durch sie die leyden, ßo do sind ynn Christo, und die nachfolgende klarheyt, wilchen es auch ist offenbart, denn nit yhn selbs, ßondern uns haben sie solche ding dargethan, wilche itzt sind gepredigt unter euch durch den heyligen geyst, der vom hymel gesand ist, wilche ding auch die engel begeren tzuschawen. Was will hie mit S. Petrus, denn uns ynn die schrifft furen? als solt er sagen: wyr predigen und offenen euch die schrifft, durch den heyligen geyst, das yhr selbs mugt leßen unnd sehen, was [Apg. 3, 24 [!]] drynnen ist, unnd von wilcher tzeytt die propheten geschrieben habenn, wie er [Luk. 24, 45] auch sagt Act. 4: Von dissen tagen haben alle propheten geredt, von Samuel an, die da yhe geweyssagt haben. Drumb spricht auch Lucas Luc. ult., das Christus hab den Apostoln den vorstand auffthan, das sie die schrifft vorstunden. [Joh. 10, 2 ff.] Und Christus Johan. x. sagt: Er sey die thuer, durch yhn muß man eyngehn, und wer durch yhn eyngeht, dem thut uff der thuerwarter (der heylig geyst), [WA s. 17] das er findet weyde und selickeyt. Alßo das endlich war ist, wie das Euangeli selbs tzeyger und unterrichter ist ynn die schrifft, gleych wie ich mit dißer vorrede gerne das Euangelium tzeygen und unterricht geben wollt.

       Aber sihe tzu, wie feyn tzart frume kinder wyr sind; auff das wyr nit durfften ynn der schrifft studirn und Christum alda lernen, halten wyr das gantz allte testament vor nichts, als das nu auß sey und nichts mehr gelte, ßo es doch alleyn den namen hatt, das es heylige schrifft heyst, Und Euangeli eygentlich nitt schrifft, ßondern mundlich wort seyn solt, das die schrifft erfur truge, wie Christus und die Apostel than haben; Darumb auch Christus selbs nichts geschrieben, ßondern nur geredt hatt, und seyn lere nit schrifft, sonder Euangeli, das ist eyn gutt botschafft odder vorkundigung genennet hatt, das nit mit der feddernn, ßondern mit dem mund soll getrieben werden. Alßo faren wyr tzu und machen auß dem Euangeli eyn gesetz buch, eyn gepott lare, auß Christo eynen Mosen, auß dem helffer nur eynen lerer. Was solt nit gott vorhencken ubir solch thum vorkeret volck? Es ist billich, das er uns ynn des Bapsts lere unnd menschen lugen hatt faren lassen, da wyr seyne schrifft liessen faren und an statt heyliger schrifft eyns lugenhafftigen narren und boßen schalcks Decretales lernen musten. O wollt gott, das bey den Christen doch das lautter Euangeli bekant were, und diße meyne erbeyt nur auffs schrifft kein nutz noch nott wurde, ßo were gewiß hoffnung, das [WA s. 18] auch die heylige schrifft widder erfur keme ynn yhre wirdickeytt. Das sey gnug tzur vorrhede und unterricht auffs kurtzist gesagt, ynn der außlegung wollen wyr mehr davon sagen. AMEN.

 

 

 

 

 

Jhesus.

Die Epistell czu der Meß ynn der Christnacht. [Tit. 2, 11 –15] Ad Citum ij.

 

1522[WA s. 18]

Es ist erschynen die gnad gottis und unßers seligmachers fur allen menschen unnd leret uns, das wyr sollen absagen dem ungottlichen weßen und weltlichen begirdenn, das wyr nuchternn, rechtfertig und gottlich leben ynn dißer welt, und warten der seligen hoffnung und tzukunfft der klarheyt des grossen gottis und unßers seligmachers Jhesu Christi, wilcher sich selb hat fur uns gegeben, auff das er uns erloßet von aller ungerechtickeyt unnd reynigette yhm eyn erb volck, das da emsig were tzu gutten wercken. Solchs predige und ermane ynn Christo Jhesu unßernn herrnn.

 

[Neh. 4, 16 ff.] Es ist geschrieben ynn dem buch Nehemie .4., da sie Hierusalem widder baweten, das sie mit eyner hand bawettenn, ynn der ander hand eyn schwerdt hetten umb der feynd willen, die den baw hyndernn wolten; das legt [Tit. 1, 9.] S. Paulus ad Tit. 1. alßo auß, das eyn Bischoff, pfarrer odder prediger soll mechtig seyn ynn der heyligen schrifft tzu leren und vormanen, datzu auch den widdersprechern tzu weren; Alßo das man das wort gottis brauche ynn [WA s. 19] zweyer weyß, alß des brots und als des schwerds, tzu speyssen und tzu streyten, tzu frids und tzu kriegs tzeytten, und alßo mit eyner hand die Christenheyt baw, bessere, lere, speyße, mit der andernn dem teuffel, den ketzernn, der wellt widderstand thue. Dan wo nit wehre ist, da hatt der teuffel die weyde bald vorterbet, wilcher er gar feynd ist. Drumb wollen wyr, ßo gott gnade gibt, die Euangelia auch der massen handellnn, das wyr nit alleyn unßer seelen drynnen weyden, sondernn auch die selben alß eynen harnisch leren anthun und damit fechten wider alle feynde, auff das wyr mit weyde und wapen gerust seyn.

       Zum ersten leret S. Paulus ynn dißer Epistelnn, was Titus und eyn iglicher prediger dem volck predigen sol: Nemlich Christum und nichts anders, das das volck erkenne, was Christus sey, warumb er kummen sey, und was [Tit. 2, 11] er uns fur frucht geschafft hatt, und spricht: Es ist erschienen die gnad gottis &c.., das ist, sie ist offenbart und vorkleret.Wie ist das tzugangen? Durch die Apostell und yhre prediger ist sie vorkundigt yn aller wellt, denn ehe Christus aufferstund, war sie nach vorporgen und Christus alleyn ym Judischen land wandelt noch unuorkleret; Aber nach seyner auffart hatt er [Joh. 16, 14] den heyligen geyst geben, von dem er tzuuor gesagt. Johan. 16.: Der geyst der warheyt, den ich senden wird, der wirt mich vorkleren. Ist nu die meynung des apostels: Christus ist kummen, nit das er alleyn fur sich selb [WA s. 20] hie auff erden wandellt, sondernn uns tzu gutt; drumb hatt ers auch nit bey und yn yhm bleyben lassen noch behalten, sondernn nach seyner auffart lassen vorkundigen, predigen, sagen, offentlich ynn aller wellt fur yderman solch seyne gutte und gnade. Auch solch offenbarung und vorkundigung nit thun lassen, das alleyn dabey bleybe und nur eyn rede odder gehoere sey, sondernn frucht bringe ynn uns. Denn es ist eyn solch offenbarung und vorkundigunge, die uns weyßet, das wyr sollen absagen, vorsachen und ablegen allis, was ungottlich ist, und alle yrdische weltliche lusten oder begirden, und also hynfurt eyn nuchtern, rechtfertig, gotlich leben fueren.

 

[Tit. 2, 11.] Der recht text hatt also: Es ist erschienen die heylwerttige gnade gottis &c.. Damit er der welt und menschen gnade vordampt, als die do sey schedlich, vordamlich und untuchtig, will dadurch uns tzu begirden der gotlichen gunst und gnaden raytzen und uns leren vorachten menschlich gunst unnd gnaden. Denn wer gottis gnaden und gunst haben will, der muß sich aller [Matth. 10, 22.] ander gnaden und gunst erwegen, wie er selb sagt Matt. 10: yhr werdet umb [Ps. 53, 6.] meynis namens willen von allen menschen gehasset werden, Und Ps. 52.: Gott hatt yhr gepeyn tzurstorett, die denn menschen gefallen wollen. Und Paulus [Gal. 1, 10.] Gal. 1.: Wenn ich denn menschen hett bißher wollen gefallen, ßo were ich nit [Tit. 2, 11.] Christus knecht. Drumb wo die heylpar gnade gottis erscheynd und vorkundigt wirt, da muß die schedlich gnade der menschen vorschwigen und vortunckelt [WA s. 21] werden, und wer ihne will erkennen und schmecken, der muß dieße vorachten und vorgessen.

 

[Tit. 2, 11] Er spricht, sie sey fur allen menschen erschynen oder vorkundigt; [Mark. 16, 15] denn Christus Marci ul. befalh, sie solten das Euangelium yn aller welt allen [Kol. 1, 23.] creaturen predigen, und auch Paulus an vil ortten, sonderlich Col. 1., sagt: Das Euangelium, das yhr gehoert habt, ist gepredigt fur allen creaturn, die unter dem hymel ist, das ist, es ist offentlich gepredigt, das alle creatur hetten muegen hoeren, viel mehr alle menschen; denn tzuuor predigt Christus alleyn ym Judischen land, und die heyligen schrifft war nur bey den Jueden, wie [Ps. 76, 1 ff., Ps. 148, 14] der 75. und .147. psalm sagt. Aber darnach ists frey außgelassen und ihm [Ps. 19, 5] keyn ortt bestympt, sondernn wie der .18. ps sagt: Inn alle land ist außgangen yhr stymme, und ynn alle ort der welt yhre wort; das ist von den Apostelnn gesagt.

       Mochst aber sagen: ist doch das nit geschehen zu der Apostel tzeyt, ist doch deutschland bey acht hundert iaren nach den Apostelnn bekeret worden, und itzt newlich viel inseln und land funden, wilchen nichts bißher ynn funffzehenden hundert iaren erschienen ist von solcher gnaden?2 Antwort: der [WA s. 22] Apostel redt von der artt deß Euangelium; denn es ist eyn solch prediget, die alßo angefangen ist und datzu verordnet, das sie ynn alle welt kummen solt, und zu der Aposteln zeyt schon ynß groste und beste teyl der welt kummen war. Aber vorhin ist kein predigt der art angefangen noch vorordnet; denn das gesetz Mosi war vorfasset ynß iudissche volck allein. Drumb weyl das meyste dran geschehen was und vollend geschehen must, wie es dennoch geschicht, so nennet es die schrifft alß sey es geschehen; denn die schrift hat ein weiß zu reden, die hyest Synecdoche fast gemein, das ist, wen man von eynem gantzen ding redet, des nur eyn stuck alßo ist . Alß das Christus drey tag und drey nacht ym grab sey gelegen, so er doch nur eynen tag, zwo nacht, [Matth. 23, 37.] und zwey stuck von zweyen tagen drynnen lag. Alßo spricht er Matt. 23., Hierusalem steynige die propheten, ßo doch eyn groß teyl frummer leut drynnen [WA s. 23] waren. Alßo spricht man, die geystlichen seyn geytzig, ßo doch viel frummer unter ihn sind, und ist eyn fast gemeyne weyß yn allen sprachen also reden, ßonderlich in der heyligen schrifft. Also ist das Euangelium zu der zeyt allen creaturn prediget; denn es ist ein solch predigt, die fur alle creaturen tzu kummen außgangen, angefangen und vorordent ist. Auff die weyße mocht eyn furst sagen, wenn seyn botschafft abgeferttigt an seynem hoff und hinnauß auff die straß kummen ist: die botschafft ist dahyn, zu dem oder zu dem, so sie doch noch nit gar dahyn ist. Alßo hatt gott seyn Euangelium auch fur allen creaturn lassen außgehen, obß wol nit ßo bald allis geschehen. Drumb [Ps. 19, 5.] hatt der prophet Ps. 18. nemlich gesagt: In alle land ist außgangen yhre stym, spricht nit: in alle land ist sie schon kummen, ßondernn: sie ist auff dem wege und gaht auß yn alle landt. Alßo meynt Paulus auch, es werd gepredigt und werd offenbar on unterlaß fur allen menschen, unnd ist schon auff der ban und geschehen, doch nit gar.

 

[Tit. 2, 11] Zwey stuck leret uns solcher gnad erscheynen, als hie S. Pau. sagt: entsagen dem ungottlichen weßen und weltlichen lusten, die mussen wyr [WA s. 24] vorkleren. Das wortlin Impietas, das der Apostell auff kriechis nennet Asebia, unnd auff hebreichs heysset Resa, kan ich mit keynem deutschen wort erlangen, drumb hab ichs genennet eyn ungotlich weßen, wiewol auch das latinisch unnd krichisch nit erlangt gnuglich das hebreisch. Denn Resa heyst eygentlich die sund, das man got nit ehret, das ist, das man yhm nit glewbt, trawet, furcht sich, yhm nit ehr gibt, yhn nit lessit walden und eyn gott seyn; yn wilcher sund wol tieff sticken die groben euszernn sunder, aber viel tieffer die weyssen, heyligen, gelerten, geystlichen, die fur der welt und yhn selbs frum seyn, auff yhre werck bawen, kurtzlich, alle, die nit auff die blosse gutte und gnade gottis sich ergeben und leben, sind alle Impij, ungottlich, ob sie gleych fur grosser heylickeyt todten auffweckten, Junpfrawen und aller tugent voll weren. Ich mocht gernn, das man sie nennet gnadloß oder glawbloß menschen; wolan, wyr wollen sie nennen gottloß, denn darumb spricht Paulus, [Tit. 2, 11.] das die heylwertig gnade sey erschienen den gnadloßen menschen, auff das sie gnadreich unnd gottreich wurden, das ist, das sie gott glawben, trawen, furchten, ehren, lieben und lobe, unnd alßo das ungotlich weßen ynn eyn gotlich weßen kereten.

       Denn was were es nutz, das die heylwertige gnade gottis erschiene, ßo yemand durch etwas anders furnehm frum tzu werden odder gottlich weßen [WA s. 25] tzu furen? Szo hie s. Paul. sagt, sie sey darumb gepredigt und offenbart, das [Tit. 2, 12.] wyr nit durch uns noch auß uns selb, sondernn durch sie sollen absagen dem ungottlichen weßen und hinfurt gottlich leben; darumb schmeht niemand dieselb gnad hoher, widderspricht auch solcher erscheynung niemant grewlicher denn die gleyßner und gotloße  heyligen, die nit wollen yhr ding lassen nichts, sund und vordampt seyn, finden noch viel guttis ynn yhn selbs und wircken on gnad viel vordienste nach yhrer gutten meynung, alß sie dunckt. Aber got will keyn werck gut achten, ist auch nit gutt, das er selb nit ynn uns wirckt durch sein gnade; darumb das er derselben viel wircke ynn uns allen, [Tit. 2, 11] und unßere werck auffhoeren, hatt er seyn heylwertige gnade fur allen menschen offenbart.

       Szo ist nu das erst boeß stuck aller menschen, das sie gotloß, heylloß, gnadloß seynn, darynn begriffen wirt tzum ersten das glawbloß hertz, darnach alle gedancken, wort, werck und gantzes leben, das auß unnd ynn solchem glawbloßen hertzen gefuret wirt, das der mensch, yhm selb gelassen, nur auß naturlichem vormuegen und vornunfft lebt unnd wandlet, wilchs doch ßo schon und groß etwan gleysset, das auch die rechten heyligen nitt so gleyssenn. Aber darynnen suchen sie nur yhr eygenthun, muegen auch nit got tzu ehren leben und wandelnn, ob sie gleych sich des rumen, stellen und duncken lassen mehr denn die rechten heyligen, dauon die schrifft viel sagt; denn es ist gar eyn großweytleufftig, doch seher subtiel ubel solch gotloß gnadloß weßen, das die, ßo drynnen wandellnn, nymer muegen erkennen, glewbens auch nit, ßo mans [WA s. 26] [Ps. 32, 2.] yhnen sagt, das der prophet Ps. 31. nennett es nit eynn vornunfftig, weltlich, fleyschlich, sondernn eyn geystliche list, die nit alleyn die vornunfft, ßondernn auch den geyst des menschen betreugt. Und kurtzlich, man muß es mehr glawben denn fuelen; denn ßo gott seyn gnad lest vorkundigen allen menschen, das sie sollen absagen dem gottloßen weßen, muß man yhm glawben, als dem, der unser hertz baß erkennet denn wyr, und bekennen, wenn nit unser ding gotloß, vordamlich were, ßo wurd er gnade nit lassen außschreyen solchs tzu wenden. Es were eyn narr, der eyn ertzney gebe dem, der nit krang were. Drumb muß gott tzu eynem narren werden fur denen, die nach yhrem guttduncken und fuelen wollen glawben, das alle yhr ding gotloß, vordamlich unnd seyner heylwertigen gnaden durfftig sey, das gar schrecklich [Matth. 21, 32 ff.] ist. Drumb spricht er Matt. 21: Wie die ubirsten priester, gelerten und geystlichen nitt haben geglawbt johanni dem tauffer, der sie hieß buße thun, aber sie wolten von keyner sund wissen. Alle propheten sind hirob erwurgt, das sie das volck umb diße sund strafften, aber niemand wolt yhn glauben, meynet niemant, das solch sund ynn yhn were; denn sie richten nach yhrem fuelen und duncken und wercken, nit nach gottis wort und gericht, das er durch die propheten furtrug.

 

[Tit. 2, 12.] Drumb setzt S. Paul. hie gar ein wacker wort auff kriechiß: Pedefusa, [WA s. 27] das heyst unterweyßen, wie man die kinder unterweyset, von neweß an, das sie vorhyn nie gehort noch erkennet haben, wilch auch nit nach yhrer vornunfft, ßondernn nach dem wort des vatters sich richten, was derselb ihn nutzlich oder schedlich deuttet, das halten sie alßo, glawben und folgen yhm. Aber den vorstendigen und grossen tzeygt man ursach an, das sie mit der vornunfft begreyffen, was nutz oder unnutz. Solche kinder will auch tzu schuelernn haben die heylwertige gnad gottis, das, obs uns nit dunckt, doch yhr glewben sollen, das unßer weßen gotloß und vordamlich sey, und alßo die gnad empfahen [Matth. 18, 3.] unnd yhr folgen. Darumb spricht wol Christus Mat. 18.: Werdet yhr nit umkeret und gleych wie die iungen kinder, so muegt yhr nit eyngahn yn das [Jes. 7, 9.] hymelreich. Und Isaie. 7.: Wo yhr nit glewbt, ßo muegt yhr nit bestehen. [Tit. 2, 11. 12.] Alßo erscheynet die gotliche heylwertige gnade, nit alleyn uns tzu helffen, ßondernn leret auch uns erkennen, das wir yhr durffen, dieweyl sie mit yhrem erscheynen antzeygt, das alle unßer weßen ungottlich, gnadloß, vordampt [Ps. 119, 29 ff.] sey; daher bitt ßo fast der Ps. 118., das gott yhn wolt seyn gericht, seyn gesetz, seyn gepot leren, auff das er ia nit nach seynem gutduncken und fuelen [5. Mose 12, 8.] wandlet, wie das got vorpotten hat Deut. 12.: Du solt nit thun, was dich recht dunckt.

 

[Tit. 2, 12] Das ander boß stuck ynn menschen nennet er die weltlichen begirden, begreyfft darynn alle das unordige weßen, das eynn mensch gegen sich selb [WA s. 28] und seynen nehisten füret, gleych wie das erst das gotloße weßen begreyfft, alle unordnung gegen got. Sihe aber tzu, wie dapffer auch diße wort gesetzt sind: Begird, weltlich; denn weltlich nennet er sie, das er alle boße begird begreiff, es sey der gutter, lust ehre, gunst, und als, was die weltt haben mag, daryn sich eyn mensch vorsundigen mag mit begirden. Auch ßo spricht er nit, das wyr sollen absagen den weltlichen guttern oder yhrem brauch; die gutter sind gut und gottis creaturn, ßo mussen wyr yhreß diensts geprauchen tzu essen, trincken, kleydernn und andere noddurfft, ist der auch keynis vorpotten,  ßondernn die begirde derselben, das ankleben, der anhang, das ist [Tit. 2, 13.] vorpotten, dem mussen wir absagen; denn dasselb fueret uns ynn alle sund widder uns selb und unßernn nehisten.

       Auch wirt damit aber der gotloßen gleyßner weßen vordampt, wilch, ob sie wol ynn schaffs kleydernn gahn und etwa boß that lassen anstehen auß furcht der schand oder helle peyn, ßo sticken sie doch voller boßer begirden des guts, der ehre, der gewalt; Und ist kein mensch, der diß leben ßo fast liebt, den todt so seher furcht und so gernn hie auff dißer welt bleybt, alß dieselben; noch achten sie solcher weltlichen begirden, daryn sie ersoffen sind, nicht, thun vil werck nur vorgebens. Es ist nit gnug hie alleyn die weltlichen werck oder wort abzuthun, es sollen die weltlichen begirden abseyn, das wir dißes lebens und allis, das drynnen ist, nur brauchen und seyn nit achten, nur hynauß [WA s. 29] [Tit. 2, 13.] gedencken yn ihenis leben, wie dan folget in dißer epist., das wir warten sollen der zukunfft &c..

       Hie sehen wir aber, das die gnad gots offenbart, wie alle menschen voller weltlicher begirde sticken, ob gleych etlich dieselben mit gleyßen bergen. Denn wenn yemand derselben on were, ßo durfft die gnad nit offenbart seyn worden, durfft auch nit heylwertig seyn, solt auch nit allen menschen erschienen seyn, auch nit weyßen, das solch begirden abtzulegen seyen; denn wer sie nit hat, darff sie nit ablegen, den trifft auch dißer spruch Pauli nit. Er muß auch keyn mensch seyn, ßo ist yhm die gnad auch nit nodt nach nutz, darff yhm nit erscheynen. Was mag er denn seynn? an tzweyffel ein teuffel, ewig vordampt mit aller seiner heilickeit und reinickeit. Wiewol, wenn sie alle weltlich begird bergen, so muegen sie doch die nit bergen, das sie gernn yn dissem leben bleyben, ungern sterben, damit sie antzeygen, wie gnadloß sie seyn und alle yhr weßen gotloß und welltsuchtig sey, noch sehen sie nit yn solch yhren gnadloßen ferlichen geprechen.

 

[Tit. 2, 12.] Er spricht auch: Wyr sollen absagen oder entsagen; damit er vil nerrischer weyß abethut, die durch menschen erfunden sind frum zu werden.Denn ettlich lauffen yn die wusten, etlich yn kloster, etlich sondernn sich von den leutten und geben fur mit leyplicher flucht dem ungotlichem weßen und weltlichen [WA s. 30] lusten entlauffen. Etlich mit marternn und vorterbung des leybs, das sie ihm mit hunger, durst, wachen, kleydernn, erbeyt haben mehr zuthan, denn die natur tragen kundt; ia, wenn das gotloßen weßen und weltliche begirde weren an des hauß wand gemalet, so mochstu drauß lauffen, oder weren in den rotten rock gestrickt, szo mochstu yhn auszthun und ein grawen anthun, odder wuchßen dyr ynn denn haren, ßo mochstu dich lassen bescheren und eyn platten machen, odder werenn ynß brott gepacken, ßo mochstu wurtzell dafur essenn. Nu sie aber ynn deym hertzen sticken und dich durch unnd durch besitzen, wo wiltu hyn lauffen, dahyn du dich nit mitnehmist? Was wiltu anthun, da du nit unterbleybist? Was wiltu essen und trincken, da du nit bey seyest? Kurtzlich, Was wiltu thun, da du nit selbst seyest, wie du an dyr selbst bist? Lieber mensch, die großt reytzung ist ynn dyr und must von dyr [Jak. 1, 14.] selbs am ersten lauffen und fliehen, wie s. Jacob sagt: Eyn iglicher sundigt von seyner selbs begirden gereytzet und vorfurtt.

       Darumb ists nit die meynung, das man alleyn die eußerlich ursach tzu [Tit. 2, 12.] sundenn fliehe, sondernn, wie hie S. Paulus sagt: Abgesagt soll es seyn, das die begirdenn ynn uns getodtet werden, ßo mag uns keyn eußerlich reytzung schaden; das ist recht geflohen. Szo die nit getodtet werden, ßo hilfft keyn fliehen eußerliche reytzunge. Ja, wyr mussen bleyben mitten unter den reytzungen und alda leren durch die gnad absagen den begirden und gotloßen weßen, wie [WA s. 31] [Ps. 110, 1.] der Ps. 109.: Du sollt hirschen odder obligen mitten unter deynen feynden, streyt, nit fliehen, erbeyt, nit ruge muß hie seyn, sollen wyr die kron erwerben. Szo leßen wyr von eynem alltuatter, der mocht ym kloster nit bleyben fur unleyden der reytzungen, gedacht ynn der wusten mitt frid gott tzu dienen; da er nu drynnen war, fiel yhm eyn mal seyn wasserkruglin umb; Er richts widder auff, es fiel aber umb, da wart er tzornig und tzuwarff den krug auff eyntzelen stucken, da schlug er ynn sich selb. Sih, sprach er, Ich kann mit mir alleyn nit frid haben, nu sihe ich, das ynn myr der geprechen ist, und hynn widder ynß kloster, gab sich ynn leyden der reytzung, und leret hynfurt nit mit fliehen, ßondernn mit absagunge die weltlichen begirdenn dempffen.

 

[Tit. 2, 12.] Weytter tzeygt er, wie wyr leben sollen nach abgesagtem gotloßen weßen und weltlicher begirden, und spricht, das wyr nuchtern, rechtfertig, gottlich leben auff dießer welt. Wie gar eyn feyn gemeyn regel und leben gibt er allen stenden gemeß und ebenn. Richtet keyne secten auff, macht keyn unterscheyd unter  den menschen, wie die menschenlere thun. Das erst ist nuchterkeyt, darynnen er allis begreyfft, was den menschen betrifft gegen yhm selbs zu thun, wilchs stett darynnen, das er seynen eygen leyb casteye und woll tziehe. Unßer text nennet solchs allen enden Nuchterkeyt, das S. Paulus [WA s. 32] sophron nennet auff kriechisch, wilchs nitt alleyn nuchterkeytt, ßondernn messickeytt heysset ynn allem wandel des leybs odder fleyschiß, alß da ist: essen, trincken, schlaffen, kleydernn, wortten, gesicht, geperdenn, wilchs man auff deutsch nennet eyn erber leben und eyn woll getzogen mensch, das sich ynn allen solchen stucken weyß feyn messig, tzuchtig und tapffer tzu hallten, das nit der mensch eyn wild, frech, frey, unordig weßen fuere, ynn fressen, sauffen, [Tit. 2, 3. 4] schlaffen, wortten, gesicht, und geperdenn. Alßo spricht er auch droben, das die allten matron sollen die iungen weyber leren und tzihen tzu solcher erberkeyt und redlickeyt.

       War ists, das fressen, sauffen und voll seyn solchs erber leben am aller meysten hyndert und vorstoret, widerumb nuechternn seyn eyn groß fodderung und hulff datzu ist. Denn ßo bald der mensch tzu voll ist, mag er nymmer bey yhm selb bleyben, werden alle funff synn wild und ungetzogenn, wie die erfarung leret, das, wenn der bauch voll speyß und tranck ist, ßo ist das maul auch voll wort, die oren voll lust tzu horen, die augen voll lust tzu sehen, der gantz leyb fawl, schlefferig und unlustig oder alltzu wild und wust, und alle gelid gleych auß der tzucht und vornunfft getretten und keyn regiment [Tit. 2, 12] noch maß mehr da ist. Darumb ists nit gantz ubel ynn unßerm text vorlatinischt: Nuchterkeyt, denn auch ynn kriecher sprach Asotos unnd sophron gegen ander lautten, wie ym deutschen vollerey und messickeytt. Auch wenn man das latin recht ansihet, ßo heyst sobrius nit alßo nuchternn, das man des morgens nichts gessen odder getruncken habe, Szondernn sobrius und ebrius sindt auch gegen ander, wie ym deutschen trunckenheyt odder vollerey und [WA s. 33] nuchterkeyt. Auch wir deutschen den nuchtern heyssen, der nit truncken odder voll ist, ßondern feyn bey yhm selbs und messig, ob er gleych gessen und truncken hat.

       Nu sihe, was der Apostell fur gutt werck lere; er heysset nit wallen, lauffen, vorpeutt nit disse odder disse speyß, leret nit solch odder solch kleyder tragen, nit den odder den tag fasten, wie die thun, die durch menschen gesetz sich selbs außschiessen und yhr geystlich gutt leben ynn verstellung der kleyder, der speyß, der hahr, der tag grundenn, wollen damit frum seyn, das sie nit ynn gemeyner weyß faren mit kleydernn, stetten, speyssen, tzeytten, geperden, und haben eynen rechten namen ym Euangelio, das sie Pharisei, die außgeschossen [Ps. 80, 14] oder abgesonderten [heissen], Wilch der prophet Ps. 79. nennett Monios, das heyst: eyn sonderling, das heyssen sie fur wilde sew, die alleyne und sonderlich geht; wyr wollen sie hynfurt auch sonderlinge nennen, das man sie erkenne muege. Sie vorwusten auch grewlich den gottis weynberg, wie derselb [Ps. 80, 9 ff.] psalm klagt; denn solch pharisei und sonderlinge mit yhren auffsatzen und ßonder erwelten eygnen kleydernn, speysen, tagen, geperden, gleyssen seher und tzihen leychtlich den hauffen von der rechten straß auff yhre wege, das, wie [Matth. 24, 24] Christus sagt, auch die außerweleten nit fur yhn bleyben muegen.

       Drumb last unß hie lernen von S. Paulo, das keyn speyße, keyn tranck, [WA s. 34] keyn farbe, keyn kleyd, keyn tag, keyn geperde vorpotten noch bestympt ist, ßondern ist alles frey yderman, nur das man nuchtern und messig sich [Tit. 2, 12] drynnen hallt. Nit seyn die ding vorpotten, (wie droben gesagt,) ßondern die unordnung, der ubirfluß, der mißprauch ist vorpotten. Wo aber ist eyn ßonderung und außtzihen der speyß, kleyder, stett, tage, da seyn gewißlich menschengesetz, und ist die Euangelisch Christliche lere und freyheyt nit, und wirt tzuletzt nur heucheley und gleyssen drauß, werden doch nit messig noch nuechternn. Drumb brauch alliß dings auff erden, wilchs, wenn und wo du [Tit. 2, 12] wilt, und danck gott, wie S. Paulus leret, hutt dich nur fur ubirfluß, unordnung, mißprauch odder untzucht ynn denselben, ßo gehistu die rechte strasse; laß dich nit yrren, das heylige vetter haben orden und secten eyngesetzt, solch und solch speyß und  kleyder tragen, ßo und ßo than. Sie habens nit than, sich außtzußondern fur andernn, sie weren sonst nit heylig, ßondernn es hatt yhn ßo wol gefallen, und yhr messickeyt daryn geubt; ube du sie auch, warinn du willt, und bleybe frey, bind dich nit an solche weyßen und weßen, alß seyen es rechte wege eynß gutten lebens; denn du wirst eyn ßonderling und vorleurist die gemeynschafft der heyligenn, da hutt dich fur mit vleyß fasten muß man, wachen muß man, erbeytten muß man, gering kleyder tragen muß man. &c.. Aber thu das, wenn dich dunckt deyn leyp tzu casteyen und messigen bedarff, setze nitt benante tag odder stett datzu, ßondern thu es, [WA s. 35] wilchen tag es die nodt und messickeyt foddert, das heyst denn recht fasten und ist alle tag gefastet, und den welltlichen begirden absagen; ßo leret das Euangelium, das ist des newen testaments volck.

 

[Tit. 2, 12.] Das ander, das wyr ym leben seyn sollen rechtfertig, da wirtt aber keyn werck noch tzeyt bestympt und außgeßondert, das yhe die gottis strasse frey und gemeyn bleybe, unnd wirt alliß heymgestellet ynn eyniß iglichen eygen auffsehen, das er recht thu, frey, wenn, wo, und wilchem sichs begibt zu thun. Denn ynn dißem stuck leret S. Paulus, wie wyr unß gegen [Matth. 7, 12] unßerm nehisten hallten sollen, dem seyn wyr gerechtickeyt schuldig, die steet ynn den tzweyen, das wyr yhm thun, was wyr wollten von yhm unß than haben, und lassen, was wyr von yhm wollen gelassen habenn, das ist, ßo wyr yhm keyn schaden noch leyd thun an seynem leybe, weybe, kinden, freunden, gutt, ehren und allem, das seyn ist, widderumb yhm helffen und beystehen, wo wyr sehen, das er unßer darff, mit leyb, gutt, ehre, und allem, das unßer ist; denn gerechtickeyt ist, das man thut eym yeden, was yhm gepurt. O wie eyn kleyn wortt ist das, und ßo weytt umb sich greyfft, o wie wenig [Tit. 2, 11. 12] wandeln disenn weg der gerechtickeyt, die doch ßonst wol leben!4 Alle ding thun wyr, on solchs, was die heylwertig gnade unß offenbart und weyßet tzu thun.

       Diß stuck muß man alßo außbreytten, das auch unßer feynd durch den nehisten vorstanden werde. Aber dießer weg ist gantz vorwachßen, viel mehr denn der weg der messickeytt, wiewol auch derselb durch speyß, kleyder, geperd, prangen ßo ubirschwencklich und mehr denn ubirflussig eyngerissen gantz vorwustet ist und ungebenett ligt, effen und nerren unß doch dieweyl mit [WA s. 36] rosenkrentzen, mit kirchen und lehen stifften, mit meß hoeren, mit feyern und unßer eygen wercklin, da got nichts von gepotten hatt. O herr gott, [Jes. 5, 14.] wie weyt hatt die hell den rachen auffgethan, alß Isaias 5. sagt, und wie eng ist die hymelthur worden durch die vorfluchten lere und fundle der ßonderlingen und phariseen! Die maler sind propheten, tzeygen unwissend an, wie die sach itzt steht, sie malen die hell eyn weytt offnen trachenmaul, unnd die hymelthur tzugeschlossen . O wehe des bildiß! Darumb darffstu nit fragen, was du thun sollt eußerlich: sihe auff deynen nehisten, da wirstu tzu thun finden, wenn deyner tausent weren. Vorfure dich nur selb nit, denck nur nitt, das du mit beten und kirchen gehen odder stifften und gedechnißen wirst gen hymel kummen, ßo du fur deynem nehisten fur ubirgehist; gehist du hie fur yhm ubir, ßo wirt er dortt ym weg ligen, das du must widder fur der hymelpfortten ubirgehn, wie der reych [Luk. 16, 19 ff.] man, der den Lasarum ließ liegen fur seyner thur. O wehe unß pfaffen, [WA s. 37] Monichen, Bischoffen und Bapst, was predigen wyr? was leren wyr? wie [Matth. 15, 14., Luk. 16, 39] fueren wyr das arm volck von der straß?! Eyn blind furet den andernn, fallen [Tit. 2, 15] beyde ynn die gruben. Solch ding sollt man leren, wie auch S. Paulus am end der Episteln sagt.

 

[Tit. 2, 12] Das dritte stuck, das wyr gottlich leben, das leret, wie wyr unß gegen gott hallten sollen, ßo seynn wyr volkommen geschickt gegen unß selb, gegen unßern nehisten, gegen gott. Nu wie droben gnug gesagt ist, Impietas sey das ungottlich, gnadloß, gotloße weßen, Alßo ist widderumb pietas das gottlich, gnadreich, glewbichß weßen, das stett ynn dem, das man gott traw, alleyn auff seynn gnade baw, keynn werck nitt achte, es werd den von yhm ynn unß mit gnaden gewirckt, das er ynn  unß alßo erkennett, dadurch geehret, gerumbt, gelobt, und geliebt werde. Und stett kurtzlich ynn den tzweyen, [Ps. 34, 9 10, Ps. 147, 11] das wyr yhn furchten und yhm trawen, wie Ps. 33. und. 146 singt: Gott hat eyn wolgefallen ubir die, die yhn furchten und trawen auff seyne barmhertzickeyt. Die furcht ist, das wyr glewben, all unßer ding sey eyn ungottlich weßen, wie unß seyner gnaden erscheynen tzeygt, darumb wyr unß fur yhm furchten und auß solchem weßen eylen tzu kummen und hynfurt dauor unß hueten. Die traw ist, das wyr nit tzweyffelln, er woll unß gnedig seyn und [WA s. 38] gottlich, gnadreich menschen machen. Sihe, alßdenn lest der mensch gott den tzawm, ergibt sich yhm tzu eygen, thutt nichts auß yhm selber, lest gott ynn yhm walden und wircken, das alle seyn sorg, furcht, bitten und begird ist on unterlaß, das yhn yhe gott nit laße seyn selbs werck und leben fueren, wilchs er erkennett gotloß und tzornß werd seyn, ßondernn wolt yhn regieren und ynn yhm mit gnaden wircken; davon wechst denn eyn gutt gewissen, lieb und lob tzu gott. Sihe, das heyssen pij, gottreyche, gnadreiche menschen, die nit ynn vornunfft noch natur, ßondernn alleyn ynn gottis gnaden wandelnn und trawen, alltzeytt furchten, das sie ia nit erauß fallen ynn yhr vornunfft, eygen dunckel, gutte meynung, und selb erdachten werck; [Ps. 119] dauon hat Dauid den gantzen Ps. 118. macht, da alle verß dasselb bitten, der doch wol hundert sechs unnd siebentzig sind, ßo groß liegt an dießem gottlichen wege. Unnd ßo ferlich stellet yhm nach die natur, vornunfft und menschen lere, das niemant gnugsam sich furchten und hutten kan.

       Sihe, alßo foddert gott nit von dyr kirchen pawen, wallen, stifften, meßhoeren, diß oder das, Szondernn eyn solchs hertz und leben, das ynn seynen gnaden geht und sich furcht fur andernn wegen und leben, die außer der gnaden gahn. Nit mehr kanstu yhm geben, denn das ander gibt er allis [Ps. 50, 7 –15] dyr, wie er spricht Ps. 49.: O Israel, meynstu, das ich nach deynen gaben [WA s. 39] unnd opffernn frage, ists doch vorhynn meyn alliß, was ynn hymel und erden ist, das ist meyn dinst, das du mich lobist und gebst myr deyn gelubd, ruffist mich an ynn deynen nodten, ßo will ich dyr helffen, ßo ehristu mich, alß sollt er sagen: du hast myr gelobd, ich soll deyn gott seyn, das hallt auch, laß mich ynn dyr wircken, wirck du nichts eygenß, laß mich dyr helffen ynn deynen notten, vorsihe dich alliß dings tzu myr, das ichs gar alleyn thu, was du lebist, ßo kanstu mich und meyn gnad erkennen, lieben und loben, das ist die recht straß tzur selickeyt, ßonst, wenn du selbist wirckist, ßo lobistu dich auch selbiß und achtist meyn nit, lessist mich nit deyn gott seyn, wirst trewloß und brichst deyn gelubd &c.. Sihe, das ist der rechte gottis dienst, datzu man keyner glocken, keyner kirchen, keyneß geseß noch tzyerd, keyner lichte noch kertzen, keyner orgelln noch gesang, keyniß gemelds noch bildiß, keyner taffellnn noch altar, keyner blatten noch kappen, keyniß reuchernn noch bsprengen, keyner proceß noch creutzgangß, keiniß ablaß noch brieffs bedarff. Denn das sind alliß menschen fundle und auffsetz, die gott nit acht, und den rechten gottisdienst mit yhrem gleyssen vordunckeln. Es darff nur eynerley, des Euangeli, das man das wol treybe, und darauß solchen gottis dienst dem volck bekand mache, das ist die rechte glock und orgelln tzu dießem gottis dienst.

 

[Tit. 2, 12] Er spricht auch, wyr sollen alßo leben auff dießer wellt. Zum ersten: Darumb, das nit mit wercken sey außgericht, es soll das gantz leben alßo [Matth. 10, 22; 24, 13, Mark. 13, 13] seyn, dieweyl wyr hie seyn, denn wie Christus sagt: wer do bleybt bestendig biß anß ende, der wirtt selig. Es thun wol etlich tzuweylen etwas, Aber [WA s. 40] das leben ist nit da, weret auch nit biß anß ende. Zum andern: Das niemant seyn gutt leben spare biß nach dissem leben oder ynn den todt; denn hie auff dissem leben muß geschehen, was wyr ynn ihenem leben sollen gewartten. Nu vorlassen sich viel auff das fegfewr und leben biß anß end, wie sie lustet, wollen darnach mit vigilien und seelmessen yhn helffen, sie sollenß wol ynnen werdenn. Es were derhalben gutt, das das fegfewr nie erkennet were; Es legt wol ßo viel guts nyder, macht viel kloester, stifft, pfaffen unnd munich, damit disse drey stuck deß Christlichen lebenß starck vordruckt werden, ßo doch nichts vom fegfewr hatt gepotten nach gesprochenn, und geb gott, das nit gantz odder das mehrteyll triegerey sey! Denn  was gott nit setzt, ist aller dinge ferlich antzunehmen und drauff bawen, ßo wyr kaumet bleyben kunden, wenn wyr auff gottis satzung bawen, die doch nit [Tit. 2, 12.] wancken kan; furwar dißer spruch Pauli stost hartt widder das fegfewr, dieweyl er will auff dißer wellt wol gelebt haben, das ich nit gern wollt eyn solchen stoß an meynem glawben leyden. Nit das ichs fegfewr noch tzur tzeyt leugne, ßondern das es ferlich ist tzu predigen, dieweyl gottis wortt und schrifft nichts dauon sagt, obs gleych an ihm selb war sey.

       Aber vill mehr sagt er darumb: ynn dißer wellt, anzuzeygen die krafft der heylwertigen gnaden gottis, das die wellt ßo boeß ist, das eyn gotlich mensch gleych alleyn, on exempel, wie eyn roß unter den dornen leben muß unnd von yhr allerley ungluck, vorachten, schand unnd sund leyden. Alß sollt er sagen: wer nuchternn, rechtfertig, gotlich leben will, der muß sich [1. Mose 13, 12. 13] erwegen aller feyndschafft und das kreutz an sich nehmen; Muß sich nit [WA s. 41] lassen yrren, ob er gleych allein, wei Loth tzu Sodoma und Abraham ynn Canaan, unter eyttelln, vollen, truncken, untzuechtigen, ungerechten, falschen, ungotlichen menschen sollt leben. Es ist die wellt und bleybt wellt, der muß er sich eußernn unnd widdersinnisch leben, sie straffen ynn yhren welltlichen begirden. Sich, das heyst mitten ym schenckhawß nuchternn, mitten ym boßen hawß tzuchtig, mittem ym tantzhawß gotlich, mitten ynn der mordgrubenn gutlich leben. Solch wellt macht denn diß leben enge unnd vordrießlich, das der mensch wunscht, schreyet und rufft nach dem tod unnd iungsten tag und warttet desselben mit grossem sehnen, wie folget. Eyn solch schwere leben muß die gnade furen. Natur unnd vornunfft ist hie vorlorenn.

 

[Tit. 2, 13] Und wartten der seligen hoffnunge.

Da tzeygt er an eyn rechten unterscheyd eyniß gotlichen lebenß von allen andern leben, dabey eyn iglicher mag fulen, wie nah oder fern er sey von eynem gnadenreychen leben. Tret ertzu alle, die do wol leben, und last unß fragen, ob yhn diße wortt gefallen, ob sie ßo geschickt seyn, das sie wartten des iungsten tags, und ob sie nit alleyn denselben fur eyn treglich, ßondernn auch fur eyn selig ding achten, des mit hohen begirden und trostlicher tzuuorsicht tzu hoffen sey. Ists nitt war, das alle menschlich natur fur dem tag sich entsetzt? Ists nit war, wenß an yhn lege, ßo wollten sie der tag keme nymmer mehr? und tzuuor die gleyßnenden heyligen.Wo ist [WA s. 42] denn nu die natur? wo ist die vornunfft? wo ist der frey wille, den sie ruemen tzum guten geneygt unnd krefftig?1 Warumb fleugt er dann unnd entsetzt sich nit alleyn fur dissem guttenn, ßondernn auch fur der gottis ehre und [Tit. 2, 13] selickeyt, die der Apostell hie nennet eyn selige hoffnung, darynn wyr selig sollen werden? Was hyndert yhn hie denn, das er hie mit beschlossen wirt, er fur eyn gottloß, gnadloß, vordamlich leben, das er doch außer ansehenß disses tags nit will lassen boß und ungotlich seyn? Was ist ungottlicher, denn widder gottis willen streben? Strebt aber der nit widder gottis willen, der dissen tag, darynnen gottis ehre soll offinbar werden, fleugt und nit mit lieb und lust warttet?

       Darumb schaw drauff, wer dißes tags nit begerd, mitt lieb und lust nitt warttet, der ist nit ynn eynem gottlichen leben, wenn er gleych todten auffweckt; ßo mochstu sprechen: Ja, ßo wurden wenig menschen ynn eynem rechten leben seyn, tzuuor die ßonderlinge und geystlichen, die mehr den tag und tod fliehen denn alle andere. Das ist, das ich droben gesagt hab, wie dieselben ßonderlinge nur sich und andere von der rechte ban furen unnd gottis wege vorstoren. Denn hie sihet man klar, wie gar nichts die vornunfft und natur vormag mit allen yhren wercken, denn gott nur widderstreben, unnd wie nodt sey die heylwertig gnade, das unßer werck abfallen und gott alleyn ynn unß wircke, das wyr alßo auß unß und unßerm gnadloßen weßen kummen ynn eyn ubirnaturlich, gnadreich, gotlich leben, das sich nit alleyn nitt furchte fur dissem tag, ßondernn auch desselben mit freuden und vorlangen sehenlich und trostlich wartte, wie dauon droben ynn des andernn sontags [WA s. 43] Euangelio ist weytter gesagt. Sihe, das leret unß nit die natur noch  [Tit. 2, 11] vornunfft, ßondern die erscheynend gottis gnade. Sihe, dieselb macht nit alleyn, das wyr den welltlichen begirden absagen, ßondern auch, das wyr eyn grewel an yhn haben, von yhn tzu seyn begeren und des gantzen lebenß ubirdrussig werden, datzu eyn gotlich weßen anricht ynn unß, das wyr ynn aller tzuuorsicht tzu gott mitt freuden bitten unnd hoffen seyne tzukunfft. Alßo soll es gethan seyn umb unß.

 

[Tit. 2, 13] Nu laß unß die wort bewiegen.Er nennet es eyn selige hoffnung; das setzt er gegen dißem elenden unseligen leben, darynnen nit mehr denn alle ungluck, fahr unnd sunde unß iagen und marttern, ßo wyr wollen frum seyn, das billich allis, was hie ist, unß soll vordrießlich seyn und solch [Tit. 2, 12] hoffnung stercken, allß denn auch denen geschicht, die sich redlich uben, nuchtern, rechtfertig, unnd gotlich tzu leben. Denn die wellt leydet sie nitt [Röm. 5, 3 —5] lange, mussen allen leutten ungenehm seyn, wie Paulus Ro. 5. sagt: Wyr lassen unß die vorfolgung eyn kostlich ding seynn und rumen unß derselben; denn wyr wissen, das die voruolgung ist nutz, die gedult zu leren, die gedult aber macht unß bewerdt, die bewerung aber macht unß hoffen, die hoffnung lest unß nit tzu schanden werden. Alßo stehen unßer augen tzugethan fur den welltlichen, sichtlichen dingen und hoffen gegen die ewigen, unsichtlichen dingen; das macht allis die gnade durch das Creutz, dareyn unß bringt das gotlich leben, das der wellt unleydlich ist.

[WA s. 44]

 

 

 

[Tit. 2, 13] Und die czukunfft der clarheytt.

Die tzukunfft nennet S. Paulus Epiphaniam, das ist, erscheynung [Tit. 2, 11] odder offinbarung, wie er droben die gnade erscheynen und offinbart gesagt hat: Epephane &c.. Drumb ist das wortlin tzukunfft nitt gnugsam ym latin. Denn der Apostell will eyn unterscheyd machen dißer letzten tzukunfft von der ersten. Die erst ist gewest ynn demut und vorachtung, das yhn auch wenig erkennet haben, unnd ist der wellt nitt weytter denn ym glawben durchs Euangelium offenbart worden. Er ist noch ymer vorporgen. Aber am iungsten tag wirt er erscheynen ynn heller offenbarer klarheyt und ehre, das seyne klarheyt unnd ehre wirtt allen creaturn offinbar seyn und ewiglich also offinbar bleyben. Denn der iungist tag wirt eyn ewiger tag seyn, wie er am ersten augenblick erscheynet, da wirts allis offen stehenn, alle hertzen, alle ding; das heyset er die erscheynung seyner klarheyt oder seyner ehre, da wirt man nymmer predigen noch glewben, da wirt yderman sehen unnd fulen, [Tit. 2, 13] wie am hellen tage, alle ding. Drumb spricht er auch: Des grossen gottis. Nit das etwa eyn ander gott sey, der do kleyn sey, ßondern, das got biß an den tag noch nit ertzeygt hatt seyne groesse, seyne Maiestet, seyn glorie, seyne klarheyt; itzt sihet man yhn ym Euangelio unnd glawben, das ist, eyn kleyn eng gesicht, da ist got kleyn und wenig begriffen. Aber dann wirt er sich sehen lassen nach seyner groesse und Maiestett. [WA s. 45]

 

[Tit. 2, 12] Das seyn trostliche wort allen, die do nuechtern, rechtfertig, gotlich leben; denn er spricht, die klarheyt werd nitt seyn unßers feynds oder richterß, ßondern unßerß seligmacherß Jhesu Christi, der unß alßdann volkomlich wirt selig machen und auch darumb den tag hallten und ßo groß erscheynen will, das er unß erloße vonn dißer wellt, darynnen wyr ßo viel leyden mussen umbs gutten lebens und seynen willen. Auff das wyr, angesehen solche tzukunfft und groß ehrlich erloßen, deste kecker und troestlicher der wellt vorfolgung, marter, schand, schaden und todt ertragen mugen und bestendiger ym gotlichen leben beharren, mit vorlassen und trotzen auff solchen seligmacher Jhesum Christum. Widderumb schrecklich seyn die wort den wellthertzen und gotloßen menschen, die nit wollen der wellt vorfolgung umbs gotlichen lebens willen leyden, ßondern wollen hie leben mit friden und alßo frum seyn, das yhn niemant soll feynd oder schweer seyn. Aber die rauchloßen, frechen, vorstockten menschen achten dieße wort nit, fulen sie auch nitt, dencken auch nitt an den tag tzu kummen, die lauffen wie die tollen thier, blind und unbedacht, ynn dißen tag und abgrund der hellenn. Mochtist nu fragen: Wie komme ich den tzu solchem gotlichen weßen, das ich des tags alßo muge wartten, dieweyl meyn natur und vornunfft solchs fleugt und nitt vormag? Da merck nu, was da folgett:

 

[Tit. 2, 14]  Wilcher hat sich selb fur unß geben.

Denn darumb sind die ding dyr ßo groß vorgelegt, das du musist erkennen und bekennen deyn unmugen, an dyr selbs gantz und gar vorzweyffelln, [WA s. 46] und alßo ynn rechtem grund und warheyt gedemutigt, dich erkennen, wie du nichts seyest, ungotlich, gnadloß, heyloß leben furist; sihe, die demutigung leret die erschienen gnad durchs Euangelium, und dieselb demut macht dich recht gnadgyrig und heylsuchtig; wo aber solch demutig gnadgyrickeyt ist, da ist der gnaden die thur auffgethan, da bleybt sie nit aussen, wie S. Petrus sagt [1. Pet. 5, 5] .1. Pe. 5.: Gott widersteht den hohmutigen und gibt seyn gnad den demutigen, [Matth. 23, 12 Luk. 14, 11 18, 14] und Christus viel mal ym Euangelio gesagt hat: wer sich erhebt, der wirt gedemutiget, wer sich demutigt, der wirt erhohet &c.. Drumb wirt dyr nu [Tit. 2, 11] das selig Euangelium furgehallten unnd lessit dyr die heylwertig gnade leuchten und erscheynen, was du weytter thun sollt, das du nit vortzagist; dann das ist das Euangelium, das ist das liecht und erscheynen der gnad, das der Apostell hie sagett, nemlich, das Christus sich selb hatt fur unß gebenn .&c.. Drumb hore tzu, das Euangelium, thu auff deyns hertzen augen [Tit. 2, 11] unnd laß die heylwertig gnade erscheynen, dich erleuchten und leren, wie du thun sollt; das ist die predigt, die fur alle menschen vorkundigt ist, wie er droben sagt, und alhie vorkleret sich selb, was die erschienen gnad sey.

       Denn du sollt den yrrthum weytt von dyr thun, das du meinist, du horist nit das Euangelium, wenn du die Epistell S. Pauli horist odder S. Peters; laß dich den namen Epistell nit yrren. Es ist das bloß Euangelium [WA s. 47] allis, was S. Paulus ynn seynen Epistelln schreybt, wie erß selb nennet Ro. 1. und .1. Cor. 4. Ja, ich thar sagen, das ynn S. Paulß Epistell das Euangelium [Röm. 1, 15. 16, 1. Kor. 4, 1] klerer und liechter ist, denn ynn den vier Euangelistenn. Denn die vier Euangelisten haben Christus leben und wort beschrieben, wilche doch nitt vorstanden sind biß nach der tzukunfft des heyligen geysts, der yhn vorkleret, [Joh.16,13.14] wie er selb sagt. Aber S. Paulus schreybt nichts von dem leben Christi, druckt aber klar auß, warumb er kummen sey, und wie man seyn brauchen soll.

       Was ist das Euangelium anders, denn die predigt, das Christus hab sich selb geben fur unß, das er unß erloeßet von sunden, das alle, die das glewben, sollen gewißlich auch ßo erloeset seyn. Und alßo an yhn selbs vortzweyffelln, sich nur alleyn an Christo hallten und auff yhn vorlassen; wilchs ist gar eyn liepliche, trostliche rede, geht auch wol eyn ynn solch an yhn selb vortzagte hertzen. Drumb heyst Euangelium auff deutsch eyn susse, gutte, gnedige bottschafft, die eyn betrubt, erschrocken hertz erfrewet und erhebt.

       Drumb sihe nu tzu, das du nur glewbist, das war sey, was der Apostell durchs Euangelium dyr sagt: Nemlich, das Christus sich selb fur dich geben hatt, das er dich erloßet von aller ungerechtickeyt und macht dich reyn zu eynem eygen erbe. Hie folgt tzum ersten, das du must glewben und bekennen, das alle deyn weßen sey unreyn und ungerecht, außer Christo unnd ynn dyr selb, must natur, vornunfft, kunst und frey will lassen nichts seyn, sonst wurdistu diß Euangelium lugenstraffenn. Denn Christus nach lautt des [WA s. 48] [Matth. 9, 13] Euangeli hatt sich nitt geben fur die gerechten und reynen. Were gerechtickeyt und reynickeyt da geweßen, Warumb sollt er sich dafur umbsonst geben haben? Es were eyn nerrisch geben geweßenn. Zum andern, mustu auch glewben, das war sey, er hab sich fur dich geben, das durch seyn geben deyn unreynickeit und unrechtickeyt soll abthan werden, und du durch yhn reyn und gerecht werdenn. Glewbistu das, ßo wirckt derselb glawb sollichs allis; Denn seyn geben fur dich mag auff keyn anderß weyße dich reynigen und [Apg. 15, 9] recht machen, denn durch solchen glawben, wie S. Peter sagt act. 15.: Durch den glawben macht er die hertzen reyn; drumb sihestu auch, das man dyr Christum nitt gibt ynn die hand, legt yhn nitt ynn den kasten, steckt dyr nitt ynn bußen, gibt dyr ynn nitt ynß maul, ßondern man tregt dyr yhn fur, alleyn mit dem wort und Euangelij, unnd hellt yhn durch deyn oren fur deyn hertz, und beutt dyr yhn an, alß denen, der fur dich, fur deyn unrechttickeyt, fur deyn unreynickeyt sich geben hat; drumb kanstu yhn auch mitt keynem andern, denn mit dem hertzen auffnehmen, das thustu wenn du auffthuist unnd sprichst mit hertzen, ya ich glewb es fey alßo. Sihe alßo geht er durchs Euangeli zu  den oren eyn ynn deyn hertz und wonet alda durch deynen glawben, da bistu denn reyn und gerecht, nit durch deyn thun, ßondernn durch den gast, den du ym hertzen durch den glawbenn hast empfangen. Sihe, wie reych kostlich gutter das sind. [WA s. 49]

       Wenn nu solch glawb ynn dyr ist, und du nu Christum hast ym hertzen, darffistu nitt dencken, das er bloeß, arm kumme. Er bringt mit sich seyn leben, geyst, und allis, was er ist, hat und vormag. Drumb spricht S. Paulus, das der geyst werd geben umb keyner werck willen, ßondern umb solchs Euangelium willen; wenn das kumpt, ßo bringts Christum, Christus [2. Tim. 1, 9 10] bringt mit sich seynen geyst, da wirtt denn der mensch new und gotlich, allis, [Tit. 3, 5] was er denn thut, ist wol than. Er geht auch nit mussig; denn der glawb ruget und feyrt nit, thut und redt von Christo on unterlaß, ßo wirtt denn die wellt erweckt wider yhn, die wills nit horen noch leyden; da geht denn das creutz an, unnd das Creutz macht denn diß leben vordrießlich und den [Tit. 2, 11] iungisten tag begirlich. Sihe, das ist das Euangelij und erscheynen der heylwertigen gnade gottis.

       Wie mag nu eynem solchen hertzen der iungist tag unnd sterben erschrecklich seyn? wer will yhm thun, ßo der grosse got und seligmacher Jhesus Christus, des der iungist tag ist, auff seyner seytten und fur yhn stett, mit aller seyner klarheyt, große, maiestet und macht? Es ist nit eyn ander, der den iun[g]sten tag wirtt hallten, denn eben der, der sich selb fur unß geben hatt; ßo wirtt er yhe sich selb nit leugnen und wirt bekennen, er hab sich selb fur deyn sund geben, wie du glewbist. Was will denn die [WA s. 50] sund thun, wenn der richter selb bekennet, er hab sie weggenummen durch sich selbs? Wer will da anklagen? wer will den richter urteyllenn? wer will yhn ubirwinden? Er gillt mehr denn untzelich wellt mit allen sunden; wenn er nit sich selbs, ßondern etwas anderß hett dafur geben, ßo mocht man sich dennoch viel vorsehen; was will aber nu schrecken, ßo er sich selb dafur geben hat? Es must ehe er selb vordampt werden, ehe die sund sollt den vordamnen, fur den er sich geben hatt. O groß gewisse sicherheyt ist hie! Es ligt nur am glawben, das der fest sey und nitt wancke, Christus wirtt freylich nitt wancken, Er ist fest genug. Drumb sollten wyr den glawben wol treyben und uben mit predigen, wircken und leyden, das er bewerdt und fest wurd; denn die werck werden hie nitt helffen, der boß geyst wirt auch nur den glawben anstossen, weyß wol, das gar daran ligt. O, das wyr unßer gutter nit erkennen und das Euangelij mit der heylwertigen gnade gottis lassen ßo liegen ym finsternisse! Wehe abermal euch Bapst, Bischoff, Pfaffen und munich, was macht yhr ynn der kirchen und auff den Cancelln! Wollen nu die wortt ynn ßonderheyt bewiegenn.

 

[Tit. 2, 14] Das er unß erloßett.

Er hatt sich selb geben, nit fur sich, ßondern fur unß, tzu erloeßen; ßo ists gewiß, das wyr gefangen geweßen sind; wie seyn wyr denn ßo frech und undanckbar und geben dem freyen willen und vornunfft der natur nach so [WA s. 51] viel?! Sagen wyr, das etwas ynn unß nit gefangen sey ynn sunden, ßo thun wyr eyn schmach seyner gnaden, die unß erloeßet hat nach lautt des Euangeli. Wer kan etwas guttis thun, der ynn sunden und unreynickeyt gefangen ligt? Es scheynet wol gutt seyn unßer ding, aber es ist nitt gutt ynn der warheyt, odder das Euangelium muß liegen mit Christo.

 

[Tit. 2, 14] Von Aller unrechtickeytt.

Unrechtickeyt nennet er Anomias, das ist eygentlich alliß, was nit nach dem gesetz gottis gaht, und begreyfft beyde ubirtrettung, des geysts und leybs, des geysts durch das gotloße weßen, das impietas heysset, des leybs durch die welltlichen begirden; drumb setzt er datzu: Aller, das er beyde, leybs unnd seel sund und unrecht begreyff, das Christus unß gar unnd gantz erloeße; das ist gesagt gegen die werckheyligen und ßonderlinge, die erloeßen sich selb und andere durch gesetz oder yhre vornunfft und freyen wille von etlichen unrechtickeytten, das ist, die eußern werck lassen und weren sie wol durch gepott, peyn, straff, oder lohn und genieß, aber das ist der schawm von der ungerechtickeyt, das hertz bleybt dennoch voll ungotlichs gnadloß weßens und welltlicher begirden, unnd sind widder an leyb noch seel gerecht. Christus aber durch den glawben erloeßet von aller ungerechtickeyt, macht unß wider [WA s. 52] frey zu leben gotlich und hymlisch, das wyr fur gefenckniß der ungerechtickeyt nit vormochten.

 

[Tit. 2, 14] Und reynigett yhm.

Die sund thut tzween schaden, den ersten, das sie unß gefangen nimpt, das wyr nichts gutts thun noch erkennen noch wollen mugen, berawbt unß alßo der freyheyt, des liechts unnd der krafft. Darauß folgett ßo bald der ander schad, das wyr vom gutten alßo vorlassen, nichts denn eyttell sund [2. Mose 1, 8 ff.] unnd unreyniß mussen wircken und dem hellischen Pharao seyn land tzu Aegypten bawen mit sawr schwerer erbeytt. Wenn nu Christus kumpt durch den glawben, ßo erloeßet er unß von dem gefenckniß Aegypti, macht unß frey, gibt krafft gutts zu thun; das ist der erst gewynn. Darnach ist die gantz ubung unßerß lebenß, das wyr die unreynickeyt des gnadloßen, welltlichenn weßens außfegen auß leyb unnd seel, das diß gantz leben biß ynn den tod sey nit anderß denn eyn reynigung. Denn der glawb, ob er unß wol erloeßet auff eyn mal von aller schuld des gesetzs und macht unß frey, ßo bleyben doch noch ubrig boeße neygung yn leyb und seel, gleych wie der stanck und kranckeyt vom gefenckniß; damit erbeyt sich der glawb, allis gantz zu reynigen, [Joh. 11, 43. 44] gleych wie ym Euangelio Joan. 11. Lasarus wart mit eyner stym vom tod erweckt, aber das todtentuch und bindten must man darnach auch abethun, [Luk. 10, 34. 35] und der halbtod mensch, den der Samaritan vorpand und heymbracht, must ym stall eyn weyl liegen und gantz gesund werdenn. [WA s. 53]

 

 

[Tit. 2, 14] Eyn Erbvolck.

Das wortlin periusion heysset etwas eygenß, wie eyn ßonderlich eygen erbgutt odder habe besessen wirtt. Denn gottis volck wirtt ynn der schrifft gottis erbgutt genennet, das, wie eyn hawßuatter seyn erbgut erbeyt, ubet und bessert, alßo Christus auch durch den glawben unßer erbherr, treybt und erbeyt unß, das wyr teglich besser unnd fruchtparer werdenn. Sihe, alßo macht der glawb unß nit alleyn frey von sunden, sondern auch Christo tzum eygen erbgutt, des er sich alß des seynen annympt und beschutzt. Wer mag unß denn schaden, ßo eyn solcher grosser gott unßer erbherr ist?

 

[Tit. 2, 14] Das da Emsig were tzu gutten wercken.

Das wir seyn erbgut seyn, ist gesagt gegen das gotloße weßen, das wyr aber sollen emsig seyn ynn gutten, ist gesagt gegen die welltlichen begirden; alßo das wyr durch eyn gotlich weßenn und leben seyn eygen erbe seyn und durch nuchternn und rechtfertig leben gutte werck thun, durchs erb yhm dienen, durch gute werck unßernn nehisten und unß, doch ehe eyn erb, den gutt werck; denn gutt werck geschehen nit on eyn gotlich weßen, und spricht, wyr sollen emsig seyn, zelote, das ist, das eyner den andern ymer furtzukummen unnd ubirwinden gedenckt mit gutt thun, alß wollten wyr unß drumb tzancken und dringen, wilcher dem andernn und yderman am ersten unnd meysten kund gutt thun; das heyst eygentlich zelote. Wo seyn die itzt? [WA s. 54]

        

 

[Tit. 2, 15] Solchs solltu predigen und vormanen.

O herr gott, eyn nutzlich befelh ist der, das man solch ding, wie diß Epistell geleret hat, nit alleyn predigen, ßondern auch ymmer anhallten, vormanen, erwecken sollt, das volck tzum glawben unnd rechten gutten wercken furen. Es muß ymmer angehallten seyn und vormanet, ob wyrß schon wissen, auff das gottis wortt ym schwanck gehe. O Bapst, Bischoff, Pfaffen, Munich, das last euch befolhen seyn, die yhr itzt die kirchen mit fabelln und menschenleren ubirschuttet hatt! Wie habt yhr ßo ubrig viel tzu predigen, wenn yhr nit mehr denn diße Epistell und yhren ynnhallt predigt unnd ymmer vormanet und treybt. Es ist eyn Christlich leben gantz wol hyrynn vorfasset. [Tit. 2, 15] Solchs solltu predigen und vormanen, unnd keyn anderß, helff gott AMEN.

 

[Röm. 12, 7.8] Merck, das eynß predigerß ampt tzwey werck hatt, leren und vormanen; leren die, die es nitt wissen, vormanen die es wissen, das sie nitt abnemen, fawl werden odder umbfallen, ßondernn fortt faren widder alle anfechtungen.

 

 

Der harnsch dißer Epistell.

 

 Zum ersten streyt man durch diße Epistell ubir dem artickell, das on gnade keyn gutt werck mug geschehen, und alle menschlich weßen sund sey. [Tit. 2, 11] Das beweret sich alßo, das er spricht, Die gnad sey erschienen; ßo ist gewißlich tzuuor keyn gnad da geweßen; ist keyn gnad da, ßo ist gewißlich [WA s. 55] eyttell tzorn da; darauß volgt, das on gnad nichts gutts, ßondernn eyttel ungnad und tzornn ynn unß sey.

 

[Tit. 2, 11] Item, das er spricht: die heyllwertig gnade, tzeygt an, das auch schon vordampt sey und on heyl unnd hulff allis, was on gnade ist. Wo ist denn hie der frey wille? wo sind menschentugent, vornunfft und gute meynung? Allis on heyll der gnade, allis vordampt, sund und schand fur gott, obs gleych fur unß und den menschen gleysset kostlich.

 

[Tit. 2, 11] Das dringt noch aller herttist, das er sagt: allen menschen, keynen außgenummen; ßo muß gewiß tzuuor, ehe das Euangelium erkennet wirtt, eyttell [Eph. 2, 3] ungnad da regiert haben ynn allen menschen, wie er sagt, Ephe. 2.1: Wyr waren vorhynn auch des tzornß kinder, wie die andernn &c.. Alßo stopfft hie der Apostell das maul unnd stost mit gutem harnisch tzuruck alle, die da yhr vornunfft, werck, gute meynung und frey willen, das naturlich licht &c.. on gnad rumen, unnd lest keynen menschen on vorterben seyn; das sind alle impij, ungotliche, gnadloß, gotloße menschenn.

 

[Tit. 2, 12] Weytter spricht er, das allen menschen darumb sey erschienen die gnad, das sie absagen sollen dem ungottlichen weßen und welltlichen lustenn. Wer mag fur dem harnsch bestehen? was folget hierauß anderß, denn das on die gnade gottis alle unßer ding ungotlich weßen, welltlich luste sey? Denn were ynn yemand etwas gotlichs weßens und geystlichs lust, ßo durfften [WA s. 56] nit alle menschen absagen dem ungottlichen weßen und welltlichen lusten, were auch nit not der gnaden noch yhrß heyliß erscheynung. Sihe, alßo muß man die schrifft inn harnsch weyß furen widder die falschen lerer, den glawben nit alleyn tzu brauchen ym leben, ßondern auch offentlich tzu schutzen und vorfechten widder yhre yrthumb.

       Darumb mussen hie ernyderligen alle gleyßner, alle geystlichen, ob sie gleych sich tzu tod fasten, beten, wachen, erbeytten. Es hilfft allis nitt, ungotlich weßen, welltlich lust bleyben da, ob sie wol von schanden wegen sich decken unnd bergen, ist doch das hertz nitt gutt; denn ßo es werck, kleyder, kloster, fasten, betten thun kund, sollt er billich gesagt haben: Es ist erschienen eyn gepett oder eyn fest, odder eyn wallfartt, odder eyn orden, odder diß oder [Tit. 2, 11] das werck, das unß lere gotlich tzu werdenn. Neyn, neyn, der keynß. Szondern die heylwertige gnad ist erschienen, Die, die, die alleyn thuts, unnd sonst nichts.

       Darauß leichtlich ist tzuuorstehen, wie ferlich, vordamlich sind die menschengesetz, orden, secten, gelubden unnd dergleychen. Denn es sind allis werck, und nit gnaden, furen doch mit yhrem scheyn alle wellt ynn yrthumb, yamer und nodt, das sie der gnaden und des glawbens vorgessen und durch solch yrthum meynen frum und selig tzu werdenn.

       Alßo, das eyn Ander leben sey nach dissem lebenn, streyttet, das er [Tit. 2, 13] sagt, wyr sollen wartten auff die selige hoffnung und erscheynen der klarheytt des grossen gottis, darauß klerlich bewerd wirtt, das die seel unsterblich sey, ya auch der leyb widderkummen muß, wie wyr ym glawben betten: Ich glewb eyn offirstand des fleyschß und eyn ewigs leben.

[WA s. 57]

 

        

 

Item, das Christus auch warer gott sey.

 

[Tit. 2, 13] Streytt, das er sagt: Des grossen gottis und unßers seligmacherß Jhesu Christi, tzeygt an, das der do kummen soll ynn der klarheyt des iungsten tags, sey eyn grosser gott und unßer seligmacher Jhesus Christus.

       Unnd ob yemant hie eyn loch durchbrechenn wollt unnd dem vatter tzueygen, das er vom grossen gott sagt, ßo behellt doch das widder, das die erscheynung und klarheytt gemeyn ist dem grossen gott und unßerm seligmacher Jhesu Christo. Wenn er aber nitt war gott were, wurd yhm sollch  glorie und klarheytt des grossen gottis nit auch tzugelegt; dieweyll es denn eyn klarheytt, eyn glorie, eyn werck des grossen gottis und unßers seligmachers, [Tit. 2, 13] muß er auch eyn got mit dem grossen gott seyn. Denn er spricht durch [Jes. 42, 8, 48, 11] Isaiam mehr denn eyn mall: Meyn glorie will ich keynem andern geben, und gibt sie doch hie Christo; so muß Christus keyn ander, denn got sey, der gottis ehre tzu eygen hatt, unnd doch nitt eyne person mit dem vatter.

 

[Tit. 2, 15] Item mocht auch hie wider die menschen lere streytten, das S. Paulus spricht: Szollch ding soll man predigen und vormanen; denn sollt ettwas anderß haben predigt worden, hett erß auch billich angetzeygt. Aber itzt meynen unßere Bischoff und Bepst, wenn sie es ynn die bucher und auff [WA s. 58] papyrn zeddelln schreyben lassen, haben sie gnug than; dennocht yhr eygen gepott, ßo sie mit eygener stymme das Euangelium on unterlaß predigen und treyben sollten. O Wehe yhnen!

 

 

 

 

 

[Luk. 2, 1 –14] Das Euangelium ynn der Christmeß. Luce. ij.

 

1522[WA s. 58]

 

Es ist außgangen eyn gepot von dem Keyßer Augusto, das vortzeychnett wurd der gantz erden kreyß, und dieselb vortzeychniß ist die erst geweßenn tzur tzeytt, da Cyrenius ym land Syrien pfleger war, und haben sich yderman auffgemacht sich zuuorzeychen lassen, eyn iglicher ynn seyne stadt. Unnd Joseph hatt sich auch auffgemacht von Gallilea auß der stadt Nazareth, ynn das [WA s. 59] Judisch land, ynn die stadt Dauid, die do heyst Bethlehem; denn er war von dem hawß und geschlecht Dauid, auff das er sich vortzeychen ließe mit Maria seyner vortraweten hawsfrawenn, wilche gieng schwanger. Und ist geschehen, alß sie da waren, sind erfullet die tage, das sie sollt geperen, und hatt gepornn yhren ersten sohn, und hat yhn ynn tuchle gewickellt und gelegett ynn eyn krippen, denn sie hattenn keynen andernn rawm ynn der herberge. Und es waren hirtten ynn derselbenn gegend, die waren ym feld und wartteten auff die wartt der nacht, ubir yhre hurtte, und nempt war, der Engell gottis stund hartt ubir yhnen, und die klarheytt des herrnn umbleuchtet sie, unnd sie sind erschrocken fur grosser furcht, und der Engell sprach tzu yhnen: yhr sollt euch nitt furchten! Nempt war, ich vorkundige euch eyne grosse freud, die do alliß volck habenn wirdt; denn es ist euch heutte gepornn der seligmacher, das ist, Christus der herr, ynn der stadt Dauid; unnd das habt euch tzum tzeychen: yhr werdet finden das kind eyngewickellt und gelegt ynn eyn krippenn; und alßbald ist vorsamlet mit dem Engell die menge der hymlischen heerscharen, die haben gott gelobt und gesagt: Ehre sey gotte ynn den allerhohisten, und frid auff erden, den menschen eyn wolgefallen.

 

[Hag. 2, 7. 22] Es ist geschrieben Hagei .2., das gott spricht: Ich will  bewegen hymel unnd erden, wenn do kummen wirtt, des alle leudt begerenn; das ist heutt erfullet, da haben sich die hymel bewegt, das ist die engell, die ym hymel sind, unnd mit gesang gott gelobt, und die erde, das ist, die menschen auff erdenn, das sich yderman auffgemacht hatt, unnd ist eyn reyssen gewest, da ynn eyn [Luk. 2, 3] statt, hie ynn eyn statt, ym gantzen land, wie das Euangelium sagt, doch nitt eyn schedlich, blutige emporunge gewest, ßondernn eyn fridlich, wilche gott, der eyn gott des frids ists, erreget hat. Ist auch nit tzuuorstehen, das alle landt auff gantzem erdpodem sich alßo bewegt haben, ßondernn alleyn, was ynn der [WA s. 60] Roemer gewallt war, das dißer kreyß soll bedeutten nur den kreyß Roemischis reychs, wilchs noch nitt die helfft des gantzen erdpodenß unter yhn hatte. Datzu ist keyn land der massen bewegt wie das Judische land, wilchs war ordenlich geteylet ynn die geschlecht Israel, wiewol tzu der tzeyt das geschlecht Juda am meysten ym land ware, nachdem die tzehen geschlecht Israel, ynn Assyrien gefurt, außen blieben.

 

[Luk. 2, 3] Dieße beschreybung ist die aller erst geweßen, spricht S. Lucas; denn [Matth. 17, 24 ff.] ym Euangelio Matt. 17. und mehr ortten findt man, das sie hatt alßo geweret fur unnd fur, das sie auch von Christo den tzinßpfennig fodderten, [Matth. 22, 17 ff., Luk. 23, 3] auch yhn mit demselben vorsuchten Matt. 22., darzu am tage seyniß leydens drob vorklagten, alß hett er vorpotten, denselben tzinßpfennig zu geben; denn die Juden gaben yhn ungern und mochten solch beschreyben und Keyßers gepott ubel leyden, gaben fur, sie weren gottis volck und frey vom Keyßer, und hatten groß disputation drob, ob sie schuldig weren yhn tzu geben, musten doch, unnd kundten sich mit gewallt nit schutzen. Drumb hetten sie Christum gern ynn die disputation tzogen und ynn der Roemer gewallt bracht; ßo ist nu ditz beschreyben nichts anderß geweßen, denn eyn gemeyner auffsatz ynn allen landenn, das man ierlich von eynem iglichen hewbt hatt eyn pfennig geben, und die amptleut, die solchs und ander tzoll und tzinß eynnahmen [WA s. 61] und auffhuben, heyssen publicani, die man deutschet: offenberliche sunder, aber nit recht.

 

[Luk. 2, 1. 2] Merck, wie gewiß der Euangelist seyn rede setzt, das die gepurtt Christi sey geschehen tzu Keyßer Augustus tzeytten unnd da Cyrenius hewbtman was Roemisches reychs, ym land Syrien, wilchs Syrien land das Judisch land eyn stuck ist, alß Osterreych eyn stuck des teutschen lands ist, und ist geschehen ynn der aller ersten beschreybung, das dißer tzinßpfenning tzuuor nie ist geben, denn eben da Christus sollt gepornn werdenn, damit er angetzeygt, wie seyn reych gar nichts sollt welltlich seyn noch ubir weltlich hirschafft weltlich regiern, ßondern sich, seyn elternn, derselben unterwirfft, und weyl er eben die erste beschreybung trifft, lest er solchs keyn tzweyffell bleyben; denn hett er wollt das ynn eyn tzweyffell stellen, ßo hett er mugen hernach ynn eyner andernn beschreybung geporn werden, das man hett mocht sagen, es were on geferr und tzufellig, on ßonder bedencken geschehen. Auch wo er hett wollt nit unterthan seyn, hett er mocht tzuuor außer derselben beschreybung geporn werden. Nu aber alle seyne werck eyttell kostlich lere seyn, lessit sichs hie nit [WA s. 62] anders wenden noch lencken, denn das er auß gotlichem rad und fursatz nit welltlich regiern, ßonderm unterthan seyn will, und das ist der erst puff yn des Pabsts regiment unnd aller der seynen, das sich mitt Christus reych reymet, wie nacht und tag.

       Das Euangelium ist ßo klar, das nitt viel außlegens bedarff, ßondern es will nur wol betracht, angesehen und tieff tzu hertzen genummen seyn. Und wirt niemant mehr nutz dauon bringen, denn die yhr hertz still hallten, alle ding außschlahen und mit vleyß dreyn sehen, gleych wie die ßonne ynn eynem stillen wasser gar eben sich sehen lessit und krefftig wermet, die ym rauschenden lauffenden wasser nit alßo gesehen werden mag, auch nitt alßo wermen kan. Drumb willtu hie auch erleucht und warm werden, gottlich gnade und wunder sehen, das deyn hertz entprant, erleucht, andechtig und frolich werde, ßo gang hynn, da du stille seyest und das bilde dyr tieff ynß hertz fassest, da wirstu finden wunder ubir wunder; doch anfang und ursach tzu geben den eynfeltigen, wollen wyr desselben eyn teyls furbilden, mugen darnach weyter hyneynfaren.

       Zum ersten: Sihe, wie gar schlecht und eynfelltig die ding tzugehen auff erden, und doch ßo groß gehallten werden  ym hymel. Auff erden gehet es alßo tzu: Da ist eyn arm, iungis weyble, Maria, tzu Nazareth, gar nichts geacht unnd unter den geringistenn burgeryn der statt gehallten, da wirtt niemant gewar des grossen wunder, das sie tregt; sie schweygt auch still, nympt sichs nichts an, hellt sich fur die geringste ynn der stadt, sie macht sich auff mit yhrem hawßherrnn Joseph, haben villeycht keyn magd noch knecht, [WA s. 63] ßondernn er ist herr und knecht, sie fraw unnd magd ym hawß, haben alßo das hawß lassen stehen odder andernn befolhenn. Nu laß seyn, sie haben eynen esell gehabt, darauff Maria gesessen sey, wiewol das Euangelium nichts dauon sagt und glewblich ist, sie sey zu fussen gangen mit Joseph. Denck, wie sie unterwegen ynn herbergen voracht geweßen, die doch wirdig war, das man sie mit gulden wagen und aller pracht gefurtt hette. Wie viel seyn wol der grossen herrnn weyber unnd tochter tzu der tzeyt geweßen inn guttem gemach und grossem ansehen, dieweyll hie diße gottis mutter, mitten ym winter, tzu fussen, mit schwerem leyb ubir fellt reysset; wie ungleych gaht es tzu! Nu ists yhe mehr denn eyne tagreyße geweßenn von Nazareth ynn Gallileen biß gen Bethlehem ym Judischen land, sie haben yhe fur Jherusalem ubir reyssen oder durchhyn mussen. Denn Bethlehem ligt von Jherusalem gegen dem mittag, Nazareth gegen mitternacht.

 

[Luk. 2, 7] Da sie nu gen Bethlehem kummen, tzeygt der Euangelist, wie sie die allergeringstenn, vorachtisten sind geweßen, sie haben yderman mussen rewmen, biß das sie ynn eynen stall geweyssett mit dem vihe eyn gemeyn herberg, gemeyn tisch, gemeyn kammer und lager haben mussen annehmen. Indeß manicher boßer mensch ym gasthawß oben angesessen, sich hat eynen herrn ehren lassen. Da merckt nach erkennet niemant, was ynn dem stall gott wirckt, [WA s. 64] lessit die grossen hewßer, kostlich gemach leer bleybenn, lessit sie essen, trincken unnd guten mutt habenn, aber dißer trost unnd schatz ist yhn vorporgen. O wilche eyn finster nacht ist ubir dem Bethlehem das mal geweßen, die eyniß solchen liechts nit ist ynnen wordenn, wie tzeygt gott an, das er ßo gar nichts acht, was die wellt ist, hat und vormag, widderumb die wellt beweyst auch, wie gar sie nichts erkennet noch achtet, was gott ist, hatt unnd wirckt! Sihe, das ist das erst bild, damit Christus die wellt tzuschanden macht, alliß yhr thun, wyssenn und weßen unß furwerfflich antzeygt, das yhr groste weyßheyt sey narrheytt, yhr bestis thun sey unrecht, yhr grostis gutt sey nur unfall. Was hatte Bethlehem, da es Christum nit hatte? was [Luk. 2, 7] habenn sie itzt, die tzu der tzeytt gnug hatten? was gepricht itzt Maria und Joseph, ob sie tzu der tzeytt nitt rawm hatten, eyne nacht fuglich tzu schlaffenn?

       Es haben etlich hie das wortlin diuersorium glosiert, alß sollts heyssen: eyn offentlich gassengewelb, da ydermann durchgeht und gemeyn esell da stunden, meynen, Maria hab keyn herberg nit ubirkummen; das ist nit recht. [Luk. 2, 7] Der Euangelist will antzeygen, das Joseph unnd Maria haben darumb inn den stall mussen weychen, das sie ynn der herberg und ym gemach, da die gest ynnen pflegen tzu seyn, keynen rawm haben gehabt, alle gest sind ynn [WA s. 65] der herberg vorsorgt geweßen mit gemach, speyß und lager, on ditz arm volck hatt mussen enhyndernn ynn eynen stall kriechen, da die thier ynnen pflegen tzu seyn. Denn ditz wortt diuersorium, das Lucas katalyma nennet, ist nitt anderß, denn eyn gemach fur die geste, wie das erweyst wirtt auß dem wortt [Luk. 22, 11] Christi Luce .22, Da er die iunger sandte das abendessen tzu bereytten und sprach: Geht hynn und sagt dem hawßwirt: der Meyster lest dyr sagen, wo ist katalyma, (das ist) das gasthawß, da ich mein osterlamp esse mit meynen iungernn?; alßo auch hie haben Joseph unnd Maria ym katalyma, ym gasthawß, nit rawm gehabt, denn nur ym stall, ym hoff desselbigen hawßwirts, der auch nitt wirdig ist geweßen, das er eynen solchen gast hette recht herbergenn und ehren mugen. Es ist nit gellt noch gewallt da geweßen, drumb haben sie ym stall bleyben mussen. O wellt wie toll, o mensch wie blind bistu!

       Aber die gepurtt ist noch erbermlicher, das sich solch eynß iungen weybs, die yhr erst mal geperen sollt, niemand hatt erbarmett, niemand yhren schwangern leyb tzu hertzen nommen, niemand angesehen, das sie ynn frembden ortten nit hatt das aller mynste, das eyner kindpetterynn nodt ist. Szondernn  alda on alle bereyttung, on liecht, on fewr, mitten yn der nacht, ym finsternn alleyn ist, niemand beutt yhr eynigen dienst ann, wie man doch naturlich pflegt schwangernn weybern, da ist yderman voll unnd toll ynn der herberg, eyn geschwurm von gestenn auß allen ortten, das sich dießes weybs niemand annnympt. Ich acht auch, sie hab sich selb nitt ßo bald vorsehen [WA s. 66] yhrer gepurtt, sie were sonst villeicht tzu Nazareth bliebenn. Nu denck, was mugens fur tuchle geweßen seyn, da sie yhn eynwickellt, villeicht yhr schleyer odder was sie hatt mugen emperen an yhrem leybe; das sie aber ynn Josephs hoßen sollt yhn gewickellt haben, alß man tzu Ache weyßet, das lautt alltzu lugerlich und leichtfertig. Es sind fabelln, der wol mehr ynn aller wellt sind. Ists nu nit allis ungelegen dingk, das Christus ym kallten wintter, ym frembden lande, ubir fellt, ßo vorachtlich und ßo armlich geporn wirtt?

       Es disputirn auch etlich, wie diße gepurt geschehen sey, alß sey sie des kinds geneßenn ym gepett, ynn grosser frewden, ehe sie es ynnen worden ist, on allen schmertzen. Wilcher andacht ich nit vorwerffe, villeicht umb der eynfelltigen willen alßo erfundenn, aber wyr sollen bey dem Euangelio bleyben, das do sagt, sie habe yhn geporn, und bey dem artickell des glawbens, [WA s. 67] da wyr sagen: der geporn ist von Marien der iungfrawen. Es ist keyn triegerey hie, ßondern, wie die wort lautten, eyn warhafftige gepurtt. Nu weyß man wol, was geperen sey, und wie es tzugehe. Es ist yhr eben geschehen wie andernn weybernn, mit gutter vornunfft und mit tzuthun yhrer glidmaß, wie sich tzur gepurtt tzymet, auff das sie seyn rechte naturliche mutter, unnd er yhr naturlich rechter ßon were. Drumb hatt yhr leyb seyn naturlich werck nitt gelassen, die tzur gepurtt gehoeren, on das sie on sund, on schand, on schmertzen unnd on vorserung geporn hatt, wie sie auch [1. Mose 3, 16] on sund empfangen.Der fluch Eue ist nit ubir sie gangen, der da lautt: ynn schmertzen solltu deyn kindern geperen, ßonst ist yhr geschehen aller maß, wie eym geperend weyb geschicht. Denn die gnad tzurpricht nit, hyndertt auch nit die natur noch yhre werck, ya sie bessert und foddert sie, gleych wie auch naturlicher weyß yhn mitt millich auß yhren brusten geneeret hatt, on allen tzweyffell nit frembd milch, oder durch ander gelidt, denn die brust yhm geben, wilch doch ubirnaturlich von gott mit milch on vorseerung und unreynickeyt erfullet sind, wie wyr von yhr singen: ubere de coelo pleno.Das red ich darumb, das wyr unßers glawben grund haben unnd Christum lassen seyn [WA s. 68] eynn naturlich mensch, aller massen wie wyr, und yhn nichts ßondernn an der natur, on wo es die sund und gnad betrifft. Natur ist an yhm unnd seyner mutter reyn geweßen, ynn allen glidenn, ynn allenn wercken der glider. Ist auch keyn weyblich leyb noch gelid yhe on sund zu seynem naturlichen werck kummen, on alleyn ynn dißer eynigen iungfrawen, da hatt gott eyn mal die natur und yhr werck tzu ehren gesetzt. Wyr kunden Christum nit ßo tieff ynn die natur und fleysch tzihen, es ist unß noch troestlicher. Darumb [Luk. 2, 7] was nit widder die gnad ist, soll man seyner und seyner mutter natur gar nichts ablegen; der text stett klar alda und spricht, sie hab yhn geporenn, und [Luk. 2, 11] er ist auch gepornn, sagen die Engell.

       Wie hett gott seyne gute großlicher mocht ertzeygenn, denn das er sich so tieff yn fleysch und blutt senckt, das er auch die naturlich heymlickeyt nit voracht und die natur an dem ort auffs aller hohist ehret, da sie ynn Adam und Eue ist am aller hohisten tzu schanden wordenn, das hynfurtt auch das nu gottlich, ehrlich und reyn ist, das ynn allen menschen das ungotlichst, schamlichst und unreynist ist. Das sind rechte gottis wunder werck. Wie hett er auch stercker, krefftiger unnd reyner bild der keuscheyt mocht unß furlegen, denn diße gepurtt? wie gar fellt doch dahynn alle boße lust, alle boße gedancken, wie starck sie ymmer sind, wenn wyr nit mehr thun, denn tzusehen dißer gepurtt und bedencken, wie die hohe Maiestet ßo mit gantzem ernst, ßo mit ubirschwencklicher lieb und gutte wirckt und tzuschaffen hatt ynn dem weyblichen fleysch unnd blutt dißer iungfrawen. Es gibt keyn weybiß bild eynem Man solche reyn gedancken, alß diße iunpfraw, widderumb auch keynn [WA s. 69] manß bild eynem weyb, alß diß kind. Eyttell zucht und reynickeyt quillet auß dißer gepurtt, wie man sie ansihet, ßo man anderß der gotlichen werck drynnenn warnympt.

       Was geschicht aber ym hymel ubir dißer gepurt? Alßo voracht sie ist auff erdenn, ßo hoch unnd tausent mal mehr ist  sie geehret ym hymel; wenn eyn Engel vom hymel dich unnd deyne werck lobete, ists nit war, du nemist es fur aller wellt lob und ehre?1 achtist, du mochtist nit gnug demutt und vorachtung dafur tragen; was ist denn das fur eyn ehre, das alle Engel ym [Luk. 2, 13. 14] hymel fur freuden sich nit enthalten mugen, brechen auß und lassen sich auch arme hirtten auff dem feld horen, predigen, loben, singen und schutten auß yhr freude ubirmessiglich?! Was ist aller der zu Bethlehem frewd und ehr geweßen, ia aller kunig und herrnn auff erden, gegen dißer frewd und ehre, denn nur eyn solcher unflatt und grewel, des niemand gerne gedenckt, wenn er diße frewd unnd ehre ansihet?! Sihe, wie gar ubirreychlich ehret gott, die do vonn menschen vorachtet und gernn voracht werdenn. Da sihestu, wo [1. Sam. 4, 4, 2. Kön. 19, 15, 1. Chron. 14, 6, Ps. 80, 2, Jes. 37, 16] seyn augen hynnsehen, nur ynn die tieffe unnd nydrigung, wie geschrieben stett: Er sitzt ubir Cherubim und sihet ynn die tieffe oder abgrund. Die Engel kundten auch keyne fursten noch gewelltigen finden, ßondernn die ungelereten leyen und aller nydrigisten leutt auff erden. Mochten sie nit die hohenpriester, die gelereten tzu Hierusalem, ansprechenn, die doch viel von gott unnd Engelln wissen tzu sagen? Neyn, es musten die armen hirtten wirdig seyn, solch groß gnad und ehre zu habenn im hymel, die auff erden [WA s. 70] nichts waren. Wie gar furwirfft doch gott was hoch ist, und wyr tobenn und rasen nit denn nach eyttler hohe, auff das wyr ya nit ym hymel zu ehren werdenn, ymer unnd ymer tretten wyr gott auß seynem gesicht, das er unß yhe nit ansehe ynn der tieffe, da er alleyn hynnsihet.

       Das sey gnug tzur ursach der betrachtung fur die eynfeltigen. Eyn iglicher trachte bey sich selb weytter. Alle wort sind eyttel fewr, machen das [Jer. 23, 29] hertz warm, ßo sie yemand nur dreynn fasset, wie er spricht Hiere. 23: Meyne wortt sind wie das fewr. Unnd wie wyr sehen, die artt gotlicher wortt ist, das sie unß gott unnd seyne werck leren erkennen, nur dahynn gericht, das ditz leben nichts sey. Denn alß er nit lebet nach dißem leben unnd nicht hatt gutter, ehre unnd gewallt tzeytlichs lebens, ßo acht er yhr auch nitt, ßo redt er auch nit dauon, ßondern leret nur das widerspiel, wirckt auch widdersinnisch, sihet dahynn, da die wellt sich von keret, leret, das sie fleugt, hebt auff, das sie liegen lest. Und wiewol wyr ungern solch werck gottis leyden und nit wollen das gutt, ehre und leben alßo begeben, ßo muß doch ßo seyn. Denn da wirt nit anderß auß, got leret und thut nit anderß, wyr mussen unß nach yhm lencken, er wirtt sich noch unß nit lencken. Auch wer seyn wortt, solch seyn werck, solch seyn trostung nitt achtet, hatt gewißlich keyn gutt tzeychen der selickeyt an yhm. Wie mocht er lieblicher antzeygt haben, wie gnedig er sey allen nydrigen, vorachten auff erdenn, denn ynn dißer armen gepurtt, da sich die Engel von frewen, und sie niemant denn den armen hirtten kund thut?

       Nu wollen wir auch sehen, was unß fur mysteria, heymliche ding, ynn dießer historien furgelegt werdenn. Zwey furnemlich werden ynn allen mysterijs angetzeygt, das Euangelium und der glawb, das ist, was man predigen, was man glewben, wer die prediger und wer die tzuhoerer seyn sollen; das wollen wyr hie auch sehen.

[WA s. 71]

 

 

Das erst.

Ist der glawb, wilcher billich ynn allen wortten gottis tzum erst erkennet werden soll. Derselb glawb ist nit alleyn, das du glewbist, diße historien sey war, wie sie lauttet. Denn das hilfft nichts, weyll all sunder, auch die vordampten, das glewben. Von dem glawben leret die schrifft und gottis wort nicht, es ist eyn naturlich werck on gnaden. Sondern das ist der recht gnadenreych glawb, den gottis wortt und werck foddert, das du festiglich glewbist, Christus sey dyr geporn, und seyne gepurt deyn sey, dyr tzu gutt geschehen. Denn das Euangelium leret, das Christus sey umb unßer willen geporn und alle ding umb unßer willen gethan und geliden, wie hie der Engel auch [Luk. 2, 10. 11] sagt: Ich vorkundige euch eyne große frewde, die do haben werden alle leutt; denn heut ist euch geporn eyn seligmacher, der ist Christus der herr. Inn dißen wortten sihestu klar, das er unß geporn ist.

 

[Luk. 2, 10] Er spricht nit schlecht hynn, Es sey Christus geporn, sondern: Euch, Euch ist er geporn. Item spricht nit: vorkundig ich eyn freud, ßondern: Euch, Euch vorkundige ich ein große freud. Item wilche freud wirt nit ynn Christo bleyben, ßonder allen leutten. &c.. Dißen glawben hatt nit, mag auch nit haben yrgent eyn vordampter odder boßer mensch. Denn das ist der  recht grund aller selickeyt, wilcher Christum und das glewbige hertz alßo voreynigt, das allis gemeyn wirtt, was sie haben auff beyden seytten. Was haben sie aber?

       Christus hatt eyn reyne, unschuldige, heylige gepurtt. Der mensch hatt [WA s. 72] [Ps. 51, 7] yn unreyne, sundige, vordampte gepurtt, wie Dauid Ps. 50. sagt: Nym war, Ich byn ynn sunden gepildet ynn mutterleybe, und meyn mutter hatt mich ynn sunden empfangen. Derselben mag nit geholffen werdenn, denn durch die reyne gepurtt Christi. So kan die gepurtt Christi leyplich nitt außgeteylet werden, wurd auch nichts helffen; drumb wirt sie geystlich, durchs wortt außgeteyllt yderman, wie hie der Engel sagt, das alle, die do festiglich glewben, sie sey also yhm geben, dem soll seyne unreynige gepurtt nit schaden; das ist die weyße und maß reyn tzu werdenn von unßer elenden Adamß gepurtt. Darumb hatt Christus wollen geporn werdenn, auff das wyr durch yhn [Joh. 3, 3 ff.] anderweytt gepornn wurden, wie er sagt, Joan. 3. Wilchs geschicht durch [Jak. 1, 18] solchen glawben, wie Jacob .1. sagt: Er hatt unß williglich geporn durch seyn wortt der warheytt, das wyr anheben seyn new Creatur tzu seyn. Sihe, alßo nympt Christus tzu sich von unß unßer gepurtt und vorsenckt sie ynn seyner gepurtt und schenckt unß die seyne, das wyr darynn reyn und new werden, alß were sie unßer eygen, das eyn iglicher Christen mag sich dießer gepurtt Christi nitt weniger frewen und ruhmen, denn alß were er auch, gleych wie Christus, leyplich von Marien gepornn. Wer das nit glewbt odder tzweyffellt, der ist keyn Christen.

       O, das ist die große frewd, da der Engel von sagt. Das ist der trost und die ubirschwenglich gutte gottis, das der mensch sich (ßo er das glewbt) [WA s. 73] solchs schatz mag rumen, das Maria seyn rechte mutter, Christus seyn bruder, Gott seyn vatter sey. Denn die ding sind alle war unnd geschehen, ßo wyr sie glewben; das ist das hewbtstuck und hewbtgutt ynn allen Euangelien, ehe denn man lere der gute werck drauß nympt. Christus muß fur allen dingen unßer und wyr seyn werden, ehr wyr tzu den wercken greyffen. Das geschicht nu nit denn durch solchen glawben; der leret die Euangelia recht vorstehen, er begreyfft sie auch am rechten ort. Das heysset Christum recht erkant, dauon wirtt das gewissen frolich, frey und tzufridenn, darauß wechst lieb und lob gegen gott, alß der solch ubirschwencklich gutter unß umbßonst geben hatt ynn Christo. Da folgt denn eynn recht williger mutt tzu thun, lassen und leyden allis, was gott wol gefellet, es sey am leben odder sterben, wie ich [Jes. 9, 6] viel mal gesagt hab. Das meynet Isaias .9.: Eyn kind ist unß gepornn und eyn ßon ist unß gegeben. Unß, Unß, Unß geporn und unß gegeben. Darumb sihe tzu, das du auß dem Eueangelio nit alleyn nehmist lust von der historien an yhr selbs. Denn die besteht nit lang. Auch nit allein das exempell; denn das hafftet nit on den glawben, ßondernn sihe tzu, das du die gepurtt dyr zu eygen machist unnd mit yhm wechßlist, das du deyner gepurtt loeß werdist unnd seyne ubirkomist, wilchs geschicht, ßo du alßo glewbist, ßo sitzistu gewißlich der iunpfrawen Marien ym schoß und bist yhr liebes kindt. An dem glawben hastu tzu uben unnd tzu bitten, weyl du lebist, kanst yhn nymmer gnugsam sterckenn. Das ist unßer grund und erbgutt, darauff denn die gutten werck tzu pawen sind.

       Wenn nu alßo Christus deyn worden ist, und du durch yhn ynn solchem glawben bist reyn worden, hast deyn erb und hewbtgutt empfangen, on allen [WA s. 74] deynen vordienst, wie du sihest, ßondern auß lautter gottis liebe, der seynß ßonß gutt und werck dyr tzu eygen gibt. Da folgt nu das Exempel gutter werck, das du deynem nehisten auch thuist, wie du sihest, das dyr Christus than hat. Hie leren sich nu die gutten werck selbist; denn sag an, was hatt Christus fur gutte werck? Ists nicht war? das sie alltzumall darumb gutt seyn, das sie dyr tzu gutt geschehen sind, umb gottis willen, der yhm befolhen hatt, solche werck dyr tzu gutt wircken, und alßo ist Christus dem vatter darynn gehorsam gewest, das er unß geliebt und gedienet hatt. Alßo nu du satt und reych bist, hastu keyn gepot mehr, darynn du Christo dienest unnd gehorsam seyest, denn das du alle deyne werck dahynn richtist, das sie deynem nehisten gutt und nutzlich seyn, gleych wie Christus werck dyr [Joh. 13, 34] gutt und nutz seyndt. Darumb sprach er am abentessen: Das ist meyn gepot, das yhr euch liebet, wie ich euch geliebt habe. Sihestu hie, dz er unß geliebt und alle seyne werck unß gethan. Darumb, das wir  widderumb nit yhm, (denn er darffs nicht ) ßondernn unßerm nehisten auch alßo thun sollen; das ist seyn gepott, das ist unßer gehorsam, alßo macht der glawb, das Christus unßer ist, unnd seyne liebe macht, das wyr seyn sind. Er liebt, ßo glewben wyr, da wirt eyn kuch auß.Widerumb, unßer nehister glewbt und warttet unßer lieb, ßo sollen wyr auch yhn lieben und nitt lassen umbßonst unßer begeren noch wartten. Es ist gleych eynß wie das ander, Christus hilfft unß, so helffen wir unßerm nehisten, und haben alle gnug.

       Hirauß merck nu selber, wie fernn die auß der strassen gangen sind, die gutte werck haben gepunden an steyn, holtz, kleyder, essen, trincken. Was hilffts deynen nehisten, ob du eyne kirchen von lautter gollt bawen kundist? [WA s. 75] was hilfft yhn der grossen unnd vielen glocken klang? was hilfft yhn das groß gleyssen und geperden ynn den kirchen mit meßgewand, heylthum, silbernn bild und gefeß? was hilfft yhn viel liecht brennen und reuchern? was hilfft yhn viel gedone, gemurmel, gesang von vigilien und messen? Meynstu, das gott sich mit glockenklang, kertzenrauch, golltgleyssen und des gleychen geschwurmiß wirtt lassen tzalen? Er hatt dyr des keyniß gepotten, ßondernn ßo du deynen nehisten sihest yrren, sundigen, nodt leyden an leyb, gutt odder seelen, Da, da soltu tzufaren, allis ander lassen faren und dem helffen mit allem, das du bist unnd hast, kanstu nitt mehr, das du doch mit wortten und gepett helffist. Denn also hatt dyr Christus than und exempel geben, dyr auch alßo tzu thun. Sihe, das sind die tzwey stuck, daryn sich eynn Christen uben soll, eyniß gegen Christo, das er denselben wol ynn sich tzihe unnd durch den glawben yhm tzu eygen mach, kleyde sich ynn Christus gutter und baw kecklich drauff. Das ander gegenn seynem nehisten, das er sich tzu dem sencke unnd laß denselbenn auch alßo ynn seynenn gutternn waldenn, wie er ynn Christus guttern wallet. Wer diß tzwey stuck nitt ubet, den hilfft nichts, ob er sich zu todt fastet, martert, brennen ließ unnd alle [1. Kor. 13, 1 –3] wunder thet, wie S. Paulus leret .1. Cor. 13.

       Das ander mysterium odder heymlich lere ist, das ynn der kirchen nitt mehr denn das Euangelium soll gepredigt werdenn. Nu leret das Euangelium nit mehr denn die tzwey vorigen stuck, Christum und sein Exempell, zweyerley gutter werck, Die eynen Christi eygen, dadurch wyr ym glawben selig werden, Die andernn unßer eygen, dadurch unßerm nehistenn geholffenn wirt. Und wer anderß leret denn das Euangelium, der vorfuret, unnd wer das [WA s. 76] Euangelium nit nach dissen tzweyenn stucken leret, der vorfuret noch serer unnd ist erger denn yhener, der on Euangelium leret, darumb das er gottis wortt [2. Kor. 2, 17 4, 2] schendet und vorteusschet, wie S. Paulus ubir etlich klagt. Nu hatt solche lere die natur nitt mugen selb erfinden, mag auch noch nitt erdencken aller menschen witz, vornunfft und weyßheyt. Denn wer wollt auß yhm selb erforschen, das der glawb ynn Christo unß mit Christo eyniß macht unnd alle gutter Christi unß tzu eygen gibt? Wer wollt auch erdencken, das keyne werck gutt sind, denn nur die an unßern nehisten gelegt, odder doch dahyn geordenet werden? Die natur leret nit mehr, denn noch den wortten der gepott hynn wircken. Drumb fellt sie auff yhr eygen werck, das der mit stifften, der mit fasten, der mit kleydernn, der mit wallen, eyner sonst, der ander ßo, meynet die gepot tzurfullen, und sind doch nit mehr, denn eygen erleßne, unnutze werck, davon niemand geholffen wirtt, wie itzt leyder alle wellt vorblendet, yrrgaht durch menschen lere und werck, das der glawb und die liebe mit dem Euangelio vorgangen ist. Darumb ist das Euangelium unnd seyn vorstand eyn gantz ubirnaturlich predigt und liecht, das nur Christum antzeygt.

 

[Luk. 2, 9] Das ist bedeutt tzum ersten darynn, das nit eyn mensch dem andern, ßondern eyn Engel vom hymel kam und den hirtten dieße gepurtt Christi vorkundigt, keyn mensch wuste etwas davon. Zum andern bedeutt auch die mitternacht, inn wilcher Christus geporn ist, damit er antzeygt, das alle wellt finster ist ynn seyner tzukunfft, und keyn vornunfft Christum erkennen kan. Es muß vom hymel offenbartt werdenn. Zum dritten deuttet das das liecht, wilchs die hirtten umbleuchtet, tzu leren, das gar eynn ander liecht denn alle [Luk. 2, 9] vornunfft hie seyn muß, und S. Lucas spricht hie nemlich: Gloria dei, die [WA s. 77] glorie gottis hab sie umbleucht, nennet dasselbe liecht eyn gloria odder ehre gottis. Warumb das? Nemlich das mysterium zu ruren und antzutzeygen die artt des Euangelij. Denn dieweyl das  Euangelium ein hymlisch liecht ist, das nit mehr denn Christum leret, ynn wilchem gottis gnade unß geben unnd unßer ding gar furworffen wirtt, ßo richtet es nur gottis ehre auff, das niemant hynfurt sich rhumen eynigs vormugenß kan, sondern muß gott die ehre geben unnd yhm den rhum lassen, das seyn lautter liebe unnd gute sey, das wyr durch Christum selig werden. Sihe, der gotlich rhum, die gotlich ehre ist das liecht ym Euangelio, das unß vom hymel umbleuchtet, durch die Apostelln und yhre folger, die das Euangelium predigen; denn der Engel ist an statt geweßen aller prediger des Euangelij, und die hirtten an statt aller tzuhoerer, wie wyr sehen werden. Darumb mag das Euangelium keyn ander lere neben sich leyden; denn menschen lere ist yrdisch liecht, ist auch menschenn glori, richtet auch menschen rhum unnd lob auff, macht vormessene seelen auff yhr eygen werck, da das Euangelium auff Christum, gottis gnade und guette, sich vormessen, auff Christum rhumen und trotzen leret.

       Item tzum vierden bedeutt das der name Judea und Bethlehem, darynn Christus hatt wollen gepornn werdenn. Judea heyst auff deutsch bekentniß odder dancksagung, alß wenn wyr bekennen, loben und dancken gott, das alle unßer gutter seyne gaben sind. Eyn solcher bekenner und lober heyst Judeus. Solcher Juden kunig ist Christus, wie seyn reym laut: Jhesus [Matth. 27, 37] nazarenus rex iudeorum. Alßo sagen wyr auch auff deutsch von eynem [Luk. 23, 38, Joh. 19, 19] danckparn odder undanckbarn: Er erkennet sich doch, Er erkennet es nit. &c..2 [WA s. 78] Alßo ist angetzeygt, das keyn lere solch bekentniß mache, denn alleyn das Evangelium, das Christum leret.

       Item Beth heyst eyn hawß, lehem heyst speyß oder brot, Bethlehem eyn brotthawß, und die statt hatt den namen darumb gehabt, das sie ynn eynem gutten fruchtparn land gelegen, kornreych geweßen ist, das sie gleych der umbliegend stet eyn kornhawß geachtet wartt, wie wyr eyn solch statt heyssen eyn schmaltzgruben, und vortzeytten hieß sie Ephrata, das ist fruchtpar, beyde namen von eyner ursach, das sie eyn fruchtpar, kornreychen boden hatte. Damit ist nu bedeutt, das on das Euangelium eyttell wusteney ist auff erden, auch keyn gottis bekentniß noch dancksagung. Wo aber das Euangelium und Christus ist, da ist das kornreyche Bethlehem und das danckpar Judea, da hatt ynn Christo yderman gnug, und da ist eyttell dancksagung gotlicher gnaden. Aber menschen lere dancken yhn selber, lassen dennoch durr landt unnd todlichen hunger da bleyben. Es wirtt yhe keyn hertz satt, es hore denn Christum recht predigenn ym Evangelio, da kumpt er gen Bethlehem und findet yhn, da kumpt er auch und bleybt ynn Judea unnd danckt seynem gott ewiglich, da wirt er fatt, da hatt gott auch seyne lob und bekentniß, und außer dem Euangelio nichts denn undanck, und wyr nichts denn hunger sterben.

       Aber auffs klerist tzeygt der Engel mit seynen wortten das Euangelium, und das sonst nichts tzu predigen sey inn der Christenheytt, nympt an sich [Luk. 2, 10] das ampt unnd wortt dem Euangelio gemeß und spricht: Euangeliso, spricht nit: ich predige euch, ßonder: eyn Evangelium sage ich euch, ich bynn eyn [WA s. 79] Euangelist, meyn wortt eyn Euangelium. Szo heyst Euangelium, wie droben gesagt ist ym Aduent, eyn gutte, froliche botschafft, wilchs soll seyn die predigt ym newen testament. Wovon lautt denn das Euangelium? Hor tzu; [Luk. 2, 10] er spricht: Eyn grosse frewde vorkundige ich euch, meyn Euangelium sagt von [Luk. 2, 11] eyner grossen frewd. Wa ist die? Hor weytter: Euch ist geporn eyn seligmacher, Christus der herr, tzu Bethlehem, ynn der statt Dauid. Sihe da, was daß Euangelium sey, nemlich eyn frolich predigt von Christo, unßerm seligmacher. Wer den recht predigt, der predigt das Euangelium und eyttell frewde; was mag eyn hertz grosser frewde horenn, denn das Christus yhm tzu [Luk. 2, 11] eygen geben wirtt? Er spricht nit alleyn: Christus ist geporn, ßondern eygent unß seyne gepurtt und spricht: Ewr seligmacher. Alßo leret das Euangelium nit alleyn die geschicht und historien Christi, ßondernn eygent und gibt sie allen, die da dran glewben, wilchs auch (wie droben gesagt ) die rechte eygentlich artt ist des Euangeli. Was hulffs mich, das er tausent mal geporn were und myr das teglich wurd gesungen auffs lieblichst, wenn ich nit horen sollt, das myr dasselb gellte und meyn eygen seyn sollt?!3 Wenn die stym klingt, wie heymlich und ubel sie klingt, ßo horet meyn hertz mit frewden tzu,  das dringt durch unnd klingt hertzlich wol. Were nu ettwas anderß tzu [WA s. 80] predigen, wurd es der Euangelische Engel unnd Englischer Euangelist haben auch beruret.

 

[Luk. 2, 12] Weytter spricht er: Das werd yhr zum tzeychen haben, yhr werdet das kind finden eyngewicklet unnd ynn eyn krippen gelegt. Die tuechle sind nit anders denn die heylige schrifft, darynnen die Christliche warheyt gewickellt ligt, da findt man den glawben beschrieben. Denn das gantz allte testament hatt nitt anderß ynn sich denn Christum, wie er vom Euangelio gepredigt ist. Drumb sehen wyr, wie die Apostelln auß der schrifft tzeugniß furen und beweren damit allis, was von Christo tzu predigen und tzu glewben ist. Szo [Röm. 3, 21] spricht Paulus Ro .3., das der glawb Christi, durch wilchen wyr rechtfertig werden, sey betzeugt durch das gesetz und die propheten, und er selb Christus nach seyner aufferstand offenet er yhn die schrifft und tzeygt, wie sie von yhm [Matth. 17, 3 [!]] sagt. Item auff dem berge thabor Matt. 16., da er sich vorkleret, stunden die tzween, Moses unnd Elias, bey yhm (das ist, das gesetz unnd prophetenn) [Luk. 2, 12] alß seyn tzween tzeugen, seyn zeychen, die auff ihn weyßen. Drumb spricht wol der Engel, das tzeychen, dabey man yhn kenne, seyn die tuchel. Denn es ist keyn ander getzeugniß auff erden der Christlichen warheytt, denn die heyligen schrifft. Demnach auch Christus untzurteylicher rock bedeutt die schrifft des newen testaments, wilch ynn seynem leyden außgeteylet und vorspielet wartt, [WA s. 81] das bedeutt, wie der Bapst, der widderchrist, wurde die Euangelia nit leugnen, doch alßo tzureyssen und damit kauckellnn durch falsche glossen, das Christus nitt mehr drynnen erfunden wurde. Denn die vier kriegsknecht, die den herren kreutzigeten, sind figurn geweßen aller Bischoff und lerern, ynn vier ortten der wellt, die das Euangelium tzureyssen, Christum und seynen glawben todten mitt yhren menschenleren, alß denn nu der Bapst mit seynen Papisten lengist hatt vollnbracht.

       Szo sehen wyr, das auch das gesetz und propheten nitt recht geprediget noch erkennet werdenn, wyr sehenn denn Christum drynnen gewicklet. War ists, es scheynet nit, das Christus drynnenn sey, die Juden sehen yhn auch nitt drynnenn. Es sindt unanseheliche, geringe tuchle, schlechte wortt unnd vonn geringenn eußerlichenn sachenn scheynen sie reden, das sichs von yhm selb nit lest erkennen, ßondern das new testament, das Euangeli, muß antzeygen, [Luk. 2, 10. 11] offenen und erleuchten, wie gesagt ist. Es muß tzuuor das Euangelium gehoert werdenn und des Engels erscheynen und stym geglewbt werdenn. Hetten die hirtten nitt von den Engellnn gehoeret, das Christus alßo da lege, wenn sie yhn tausent unnd aber tausent mal hetten angesehen, weren sie dennoch nit darauß ynnen worden, das Christus das kind were. Alßo spricht [2. Kor. 3, 14 ff. [!]] S. Paulus .2. Cor. 4: Das gesetz bleybt finster und tzugedeckt fur den Juden, biß das sie tzu Christo bekeret werden. Denn Christus muß tzuuor ym Euangelio gehortt werden, alß denn sihet man, wie feyn das gantz allt testament auff yhn alleynn stymmet und reymet sich ßo lieblich, das der mensch sich muß ynn glawben gefangen geben, und wirtt ynnen, wie war das [Joh. 5, 46] sey, das Christus Joan. 5. sagt: Moses hatt von myr geschrieben, wenn yhr [WA s. 82] demselben glewbtet, ßo glewbtet ihr auch myr. Darumb last unß hutten fur allen leren, die Christum nit leren. Was willtu mehr wissen? was darfftu mehr? ßo du Christum dermassen weyssist, wie droben ist gesagt, das du durch yhnn gegen gott ym glawben und gegenn deynem nehisten ynn der liebe wandelst und thuest deynem nehisten, wie er dyr than hatt, das ist yhe die gantze schrifft auffs kurtzist begriffenn, das nitt mehr wortt noch bucher, ßondernn nur alßo leben unnd thun darff.

 

[Luk. 2, 12] Er liegt ynn der krippen. Sihe da, das du yhe gewiß seyest, es soll nichts denn Christus gepredigt werdenn inn aller wellt. Was ist die krippen anderß, denn die vorsamlung des Christenvolcks ynn den kirchen zur predigt?; wyr seind die thier zu dißer krippen, da wirtt unß Christus furgelegt, davon wir sollen unßer seelen speyßen, das heyst tzur predigt furen; wer tzur prediget gehet, der gaht zu dißer krippen, ya, es mussen aber predigt seyn von Christo. Denn nit alle krippen haben Christum, auch nit alle predigt leren den glawben, ya, es war nur eyne krippen tzu Bethlehem, da dißer schatz ynnen lag, und war datzu eyn ledige, vorachte krippen, da ßonst keyn futter ynnen war. Alßo die prediget des Euangelium ist ledig vonn allen  andern dingen, hatt unnd leret nit mehr denn Christum; leret es aber etwas anders, ßo ist schon nymmer Christus kripple, ßondern der reyssigen hengst krippen, voll tzeytlicher lere von leyplichem futter. Das man aber sehe, wie Christus ynn den tuchlen betzeychne den glawben ym allten testament, ßo wollen wyr etlich exempel antzeygen.

 

[Matth. 8, 4] Wyr leßen Matt. 8., da Christus den außsetzigen reyniget, das er tzu [WA s. 83] yhm sagt: gang hyn, tzeyg dich dem priester und opffer deyn opffer, das Moses gepotten hatt, yhn zu eynem getzeugniß. Hie hoeristu, das Moses gesetz sey den Juden geben tzu eynem getzeugniß odder tzeychen, wie auch hie der Engel sagt. Nemlich, das solchs gesetz etwas anderß bedeutte, denn sich selb. Was? Christus ist der priester, alle menschen sind geystlich aussetzig umb des unglawbens willenn; wenn aber wyr ynn yhn glewben, ßo ruret er unß mit seyner handt, gibt und legt seyne werck auff unß, dadurch werden wyr reyn und gesund, on allen unßern vordienst, ßo sollen wyr unß yhm ertzeygen, das ist danckpar seyn und bekennen, das nit durch unßer werck, ßondernn durch seyn gnade wyr frum worden seyn alßo seyn wyr denn gegen gott recht gericht, datzu sollen wyr unßer gabe opffernn, das ist, das unßer dargeben unßerm nehisten, demselben auch wol thun, wie unß Christus than hatt; das heyst denn Christo gedienet unnd geopffert dem rechten priester; denn es geschicht umb seynen willen, und yhm zu lieb und lobe. Sihistu hie, wie feyn Christus und der glawb ynn der schlechten schrifft und figur gewicklet ist?3 da greyffistu, das Moses mit dem gesetz nur eyn getzeugnis unnd deuttung auff Christum geben hat. Dermassen soll man das gantz allt testament vorstehen unnd es lassen seyn dieße tuchle tzu eynem tzeychen, die Christum außweyßen und bekentlich machenn.

       Item, das der Sabbat ßo streng gepotten war, unnd keyn werck drynnen sollt geschehen, weyßet, das nit unßer werck, ßondernn Christus werck ynn unß [WA s. 84] seyn sollen; denn, wie gesagt, nit unßer, ßondernn Christus werck machen unß selig. Nu seyn dieselben zweyerley, alß droben angetzeygt. Eynerley, die Christus personlich on unß gethan hatt, wilchs sind die hewbtwerck, darynn wyr glewben; die andern, die er ynn unß wirckt gegen den nehisten ynn der liebe, das die ersten mugen heyssen die abentwerck, die andernn die morgenwerck, [1. Mose 1, 5. 8. 13., 19. 23. 31] und werd alßo abend und morgen eyn tag, wie Gen̄. 1. geschrieben stett. Denn die schrifft hebt den tag am abent an und endet yhn am morgen; das ist, der abend mit der nacht ist die erste helffte, der morgen mit dem tag ist die ander helfft des gantzen naturlichen tags. Nu wie die erst helfft ist finster, die ander liecht, alßo die ersten werck Christi sind unßer ym glawben vorporgen, aber die andernn der liebe sollen erauß an tag kummen, dem nehisten offentlich ertzeygt werden. Sihe, ßo ist der gantz Sabbat gefeyret unnd geheyligt. Sihistu aber, wie feyn hie ynn dißem tuchle Christus ligt? wie feyn tzeygt das alte testament den glawben und liebe ynn Christo unnd seynen Christen. Nu wie die kindewindel sind gemeynicklich tzweyerley, eyniß aussen, grob, wollen tuch, das ander ynnwendig, leynen, subtiler. Das wollen grob eußerlich tuch sind die figurn, die itzt ertzelett sindt auß dem gesetz. [Jes. 7, 14] Aber die leynen sind die spruch der propheten, on figur gesetzt, alß der Isaie .7: Nempt war, eyn iunpfraw wirtt schwanger seyn unnd geperen eynen ßon, der soll heyssen Emanuel, unnd dergleychen, wilch auch nit von Christo vorstanden [WA s. 85] wurden, wenn sie das Euangelium nit antzeygt und Christum drynnen weysset.

       Alßo haben wir die tzwey, den glawben und das Euangelium, angetzeygt, das dieselben unnd nichts anderß soll gepredigt werdenn ynn der Christenheytt. Nu laß unß sehen, wer die prediger unnd schuler seyn sollen. Die prediger sollen Engel seyn, das ist gottis boten, und eyn hymlisch leben furen, alltzeyt mit gottis wortt umbgahn, das sie yhe nitt menschenlere predigen. Es ist gar eyn unfuglich ding, gottis bote tzu seyn und nit seyne botschafft [Luk. 2, 9] werben. Angelus aber heyst eyn bote, und Lucas nennet yhn hie Angelus domini, gottis bote. Es ligt auch mehr an der botschafft, denn an seynem leben; furt er eyn boß leben, ßo schadet er yhm selb, bringt er aber eyn falsche botschafft fur gottis botschafft, ßo vorfuret er und schadet yderman, der yhm zuhoret, und macht abgotterey ym volck, das sie lugen fur warheyt, menschen fur gott ehren unnd den teuffel an gottis statt anbeten. Drumb keyn grewlicher plag,  yammer, ungluck auff erden ist, denn eyn prediger, der gottis wortt nit prediget, der itzt leyder alle wellt voll ist, und meynen doch, sie thun wol und seyn frum, und ist nit anderß yhr weßen, denn seel morden, gotlestern, abgotterey auffrichten, das yhn viel seliger were, sie weren dieweyl reuber, morder unnd die ergistenn buben geweßenn, ßo wisten sie doch, das sie ubel tethen; aber nu gehen sie unter dem priesterlichen, Bischofflichen, Pebstlichen, geystlichen namen unnd scheyn dahynn und sind nur reyssende wolff ynn schaffskleydern, das gutt were, yhr predigt wurde von niemand gehoret. [WA s. 86]

 

[Luk. 2, 8] Die schuler sind hirtten, arm leut auff dem felldt; hie hellt Christus [Matth. 11, 5] was er sagt Matt. 11: Den armen wirt das Euangelium gepredigt, und [Matth. 5, 3] Matt. 5: selig sind die armen, denn das hymelreych ist yhr. Hie sind keyne gelereten, keyne reychen, keyne gewelltigen; denn solch volck nympt das Euangelium nitt auff; das Euangelium ist eyn hymlischer schatz, will nitt bey sich leyden eynen andernn schatz, kan sich ynn dem hertzen nit vortragen mit eynem yrdnischem gast. Drumb wer eyniß lieb hatt, muß das ander faren lassen, wie [Matth. 6, 24] Christus Matt. 6. sagt: yhr kund nit tzugleych gott und dem Mammon dienen. Das tzeygen die hirtten an, damit das sie ym fellt unter dem hymel, nit ynn hewßen, funden werdenn, kleben noch hafften nit an tzeytlicher habe; datzu ynn der nacht sind sie ym fellt, das sie voracht, unbekant seyen der wellt, die do schlefft ynn der nacht und am tage gernn wandellt und sich sehen lessit. Aber die armen hirtten gehen ynn yhrem werck bey der nacht; das sind alle die nydrigen, die ein arm, voracht, unansehelich leben furen auff erden und nur unter dem hymel wonen, ynn gottis gewallt, die sind des Euangeli begriffig. Das aber nemlich hirtten sind, bedeutt, das niemand das Euangelium yhm alleyn horen soll, ßondernn eyn iglicher dem andernn sagen, der seyn nitt weyß denn wer fur sich selb glewbt, der hatt gnug und soll hynfurtt sehen, wie er andere auch tzu solchem glawben und erkentniß bringe, und alßo eyner des andernn hirtten sey, weyde yhn und wartte seynn auff dißer wellt, ynn der nacht dißes lebens. Es erschreckt auch der Engel tzum ersten die [WA s. 87] hirtten. Denn die natur entsetzt sich zum ersten, wenn sie ym Euangelio horet, das alle unßer ding nichts und vordampt sey fur gott, und lest nit gern yhr guttdunckel und vormessenheyt faren.

       Nu hallt eyn iglicher sich selb gegen das Euangelium unnd sehe, wie nah odder fernn er von Christo sey, wie es umb yhn stehe ym glawben und lieben. Viel seynt yhr, die mit trewmender andacht entzundet werden, wenn sie solch armut Christi hoeren, tzornen fast mit den Burgernn tzu Bethlehem, straffen yhre blindheyt unnd undanckparckeyt, meynend, wenn sie da geweßen weren, wollten grossen dienst dem herrnn und seyner mutter ertzeygt und nit ßo erbermlich lassen tzugehen haben. Aber sie sehen nit neben sich, wie viel yhr nehisten umb sie seyen, die wol durfften yhrer hulff, die sie doch lassen gehen unnd bleyben, wie sie sein. Wer ist auff erden, der nit arm, elend, kranck, yrrige odder sundige menschen umb sich habe? Warumb ubet er denn hie nit seyne liebe? warumb thut er denen nit, wie yhm Christus than hatt? Es ist erlogen und falsch, das du meynist, du wolltist Christo viel guttis than haben, ßo du es dießen nitt thuest. Wenn du zu Bethlehem werist geweßen, du hettist sein eben ßo wenig geachtet alß die andernn; ya, weyl er nu erkleret ist, wer er sey, ßo willtu dienen; wenn er nu keme und legt sich ynn die krippen, ließ dyr sagen, er were es, von dem du ßo viel itzt weyssist, ßo [Luk. 16, 19 ff.] mochtistu was thun, aber tzuuor hettistu es nit than. Wer dem reychen man ym Euangelio auch gesagt hette, wie groß der arm Lasarus tzukunfftig seyn wurd, das erß gewiß were geweßen, er hette yhn nit ßo lassen ligen und vorterben. Alßo wenn deyn nehister das itzt were, das er werden soll tzukunfftig, und lege denn fur dyr, ßo wurdistu seyn wol wartten, aber nu das [WA s. 88] nit ist, schlechstu es alles ynn den wind und kennist deynen herrn yn deynem nehisten nicht, thust yhm nit, wie er dyr than hatt. Drumb lest dich gott auch blind werden, durch Bapst und falsche prediger betriegen, das du an holtz und steyn, papyr und wachß gibst und vorleurist das, damit du deynem nehisten wol hettist mugen helffenn.

 

 

[Auslegung des englischen Gesangs Gloria]

 

[Luk. 2, 14] Zuletzt mussen wyr auch den Englischen gesang handelln, den wyr ynn der meß teglich habenn: Gloria in excelsis deo. &c.. Dreyerley ordenen sie ynn dißem gesang: Die Ehre, Den friden, Das wolgefallenn odder gutten willen. Die ehre  geben sie gott, den frid der erden, das wolgefallen den menschen. Der gute will oder wolgefallen mocht vorstanden werden von dem gotlichenn gutten willen und wolgefallen, den er hat ubir die menschen durch Christum. Aber wyr wollenß lassen bleyben bey dem gutten willen, den die menschen auß dießer gepurtt haben, wie denn auch die wortt gebenn, die alßo [Luk. 2, 14] lautten: anthropis eudokia, hominibus beneplacitum. Das erst ist die Ehre gottis; da soll man auch anheben, auff das gotte ynn allen dingen der rhum und die ehre geben werd, alß dem, der alle ding thutt, gibt unnd hatt, das niemand yhm selb etwas tzuschreybe oder sich eynigs dings annehm. Denn die ehre gepurtt niemant, denn alleyn gotte, lessit sich nitt mit yemand teylen odder gemeyn machen. Die ehre hatt Adam durch den boeßen geyst gestolen unnd yhm selb tzugeeygent, das alle menschen drob ynn ungnaden seyn mit yhm, und ist auch noch ynn allen menschen ßo tieff gewurtzellt, das keyn laster ßo tieff inn yhm ist, alß die ehrsucht. Niemant wil nichts seyn odder mugen, [WA s. 89] yderman gefellet yhm selb wol, daher denn aller yammer, unfrid unnd krieg auff erdenn kompt. Die Ehre hatt Christus gott erwidder bracht, damit das er unß geleret, wie alle unßer ding nichts sey denn eyttel tzorn und ungnad fur gott, das wyr unß ynn keynen weg rhumen noch unß selb drynnen wolgefallenn mugen, ßondernn furchten unnd schemen mussen, alß ynn der grossisten far und schande, das alßo unßer ehre und selbgefallen tzu poden gestossen und gantz nichts werde, unnd wyr fro werden, das wyr yhr ßo loß werden, das wyr yn Christo mugen erfunden und behallten werden, wie gesagt ist.

 

[Luk. 2, 14] Das ander ist der frid auff erdenn. Denn tzugleych, wie do muß [Spr. 13, 10] unfrid seyn, wo gottis ehre nit ist, wie Salomon sagt: inter superbos, unter den hochfertigen, ist alltzeytt hadder, alßo widerumb, wo gottis ehre ist, da muß frid seyn. Warumb sollten sie haddernn, wenn sie wissenn, das nichts yhr eygen ist, ßondernn alles was sie seyn, haben und vormugen, ist gottis, den lassen sie damit waldenn und benugen daran, das sie eynen gnedigen gott haben; wer do weyß, das allis seyn ding nichts ist fur gott, der acht seyn auch nit fast, gedenckt auff eyn anderß, das fur got etwas sey, das ist Christus. Darauß folget, das, wo ware Christen sind, da mag keyn streyt, hadder, [Jes. 11, 9] unfrid unter seyn. Wie Isaias .11. vorkundigt und spricht: Sie werden nitt eyner den andern todten noch beschedigen auff meynem heyligen berge (das ist. [WA s. 90] [Jes. 11, 9] ynn der Christenheyt); folgt die ursach: Denn es ist die erden voll erkentniß gottis, das ist, dieweyl sie gott erkennen, das allis seyn ist und unßer ding [Jes. 2, 4] nichts, ßo konnen sie wol frid haben unternander. Wie auch derselb Isaias c. 2. sagt: sie werden yhr schwerd wandelln ynn pflugscharen und yhr spieß ynn sichlen. Sie werden hinfurtt nit gegenander das schwerd auffheben noch tzum streytt sich uben. Darumb heyst unßer herr Christus eyn kunig des frides und ist bedeuttet durch den kunig Salomon, wilcher auff deutsch heist fridreych das er unß frid macht ynnwendig gegen gott ynn unßerm gewissen durch den glawben auff sich gebawet und außwendig gegen den menschen, inn leyplichem wandel, durch die liebe, das alßo durch yhn allenthalb frid sey auff erdenn.

 

[Luk. 2, 14] Das dritte ist der gutte wille der menschenn. Hie heist nit der gutte wille, der do gutte werck wirckt, ßondern das wolgefallen und fridlich hertz, das yhm lessit allis gefallen, was yhm widderferet, es sey gutt odder boße. Denn die Engell wisten wol, das der frid, dauon sie singen, sich nit weytter streckt, Denn unter die, ßo ynn Christum warhafftig glewben; dieselben haben gewißlich unternander frid. Aber die wellt und der teuffel haben keyn ruge, [Joh. 16, 33] lassen yhn auch keyn frid, vorfolgen sie biß ynn den tod, wie Christus Joan. 16. [WA s. 91] sagt: ynn myr sollt yhr frid haben, ynn der wellt werdet yhr gedreng habenn. Darumb war es den Engelnn nit gnug, tzu singen den frid auff erdenn, [Luk. 2, 14] ßondernn auch den wolgefallen der menschen, das ist, das sie es yhn allis lassen wolgefallen, loben und dancken gott, dunckt sie recht und gutt seyn, wie gott mit yhn feret und faren lessit. Murmelln nit, stehen feyn gelassen und willig ynn gottis willen, ya, weyl sie wissen, das gott allis thutt und schafft, den sie doch durch Christum haben ym glawben tzum gnedigen vatter ubirkummen, ßo rhumen sie und frewen sich, wenn sie voruolget werden. Wie [Röm. 5, 3] S. Paulus Ro. 5. sagt: wyr rhumen und prangen ynn den voruolgungen. Es deucht sie allis das beste seyn, was yhn begegnet, auß ubirfluß des frolichen gewissens, das sie ynn Christo haben. Sihe, eyn solchen gutten willen, wolgefallen, guttduncken ynn allen dingen, sie seyen gutt odder boße, meynen [Luk. 2, 14] die Engel alhie ynn yhrem gesang. Denn wo der gutte will nit ist, da bleybt nit lang fride. Er legt auch alle ding auffs ergist auß, macht alltzeytt das ubel groß und auß eynem unfall tzween. Drumb wie es gott mit yhn macht, [Ps. 18, 27] ßo gefellet es yhn nit und wollens anders haben, ßo geschicht denn das Ps. 17: Herr got, mit dem, der allis fur außerwelt hellt, machstu es auch außerwelt [WA s. 92] (das ist der solchen wolgefallen hatt ynn allen dingen, den lessistu widderumb dyr unnd allen gefallen), aber mit dem vorkeretenn vorkeristu dich auch, das, wie yhm du und alle deyn thun und schaffen nichts gefellet, alßo gefellet er dyr und alle dem deynen widder nicht. Von dem gutten willen sagt Paulus [Röm. 15, 2[!], 1. Kor. 9, 22[!]] .1. Cor. 3: thut vleyß, das yhr yderman gefallet, wie ich yderman gefalle. Wie geschicht das? wenn du dyr alle ding lessist gutt seyn und gefallen, ßo gefellistu widderumb yderman. Es ist eyn kurtz regel: willtu niemant gefallen, ßo laß dyr niemant gefallen; willtu yderman gefallen, ßo laß dyr yderman gefallen, ßo fern doch, das du gottis wort nit drob lessist; denn da horet alles gefallen und misfallen auff; was aber on nachlassung gottis wortt mag nachgelassenn werden, das laß, auff das du gefellig seyest yderman, und laß dichs gutt duncken fur gott, ßo hastu dißen gutten willen, da die Engell von singenn.

       Auß dißem gesang mogen wyr lernen, was die Engel fur Creatur seyn; laß faren, was die naturliche meyster dauon trewmen, hie sind sie also abgemalet, das sie nit baß mugen abgemalet werden, das auch yhr hertz und gedancken hie erkennet werdenn. Zum ersten ynn dem, das sie mit frewden gott die ehre tzusingen, tzeygen sie an, wie sie voll liecht und fewr sind. Erkennen, wie alle ding gottis allein sind, geben ihn selbs nichts, mit grosser brunst tragen sie die ehre alleyn dem tzu, des sie ist. Drumb wie du woltist dencken von eynem demutigen, reynen, gehorßamen, gottlobenden und frolichem hertzen ynn got, ßo denck von den Engellenn, und das ist das erst, damit sie [WA s. 93] gegen gott wandellnn. Das ander ist die liebe gegen unß, gleych wie wyr droben geleret seyn tzu thun. Hie sihestu, wie gunstig, große frund sie unß seyn, das sie nitt weniger unß gonnen, denn yhn selbs, frewen sich auch unßers heylß ßo fast, alß yhreß eygens, das sie furwar ynn dißem gesang unß eyn trostlich reytzung geben des besten tzu yhn tzuuorsehen, alß tzu den bestenn frunden. Sihe, das ist recht die Engel nit nach yhrem weßen, damit die Naturlich meyster on alle frucht umbgahn, ßondernn nach yhrem inwendigsten hertz, mut und sin vorstanden, das ich nit weiß, was sie seyen, ßondern was yhr hochstis begird unnd stettigis werck ist, da sihet man yhn ynß hertz. Das sey gnug von dem Euangelio. Was Maria, Joseph unnd Nazareth bedeutte, ist ym Euangelio Luce .1. tzu sagenn.

 

Der Harnsch dießes Euangeli.

In dießem Euangelio ist der artickel des glawbens gegrund, da wyr sagen: Ich glewb ynn Jhesum Christum, der gepornn ist von Marien, der iungfrawen. Denn ob derselb artickel wol an mehr ortten der schrifft gegrundet ist, doch an keynem ort so klerlich und reychlich. S. Marcus sagt nit mehr, denn das Christus eyn Mutter habe, desselben gleychen auch S. Joannes, sagen beyde nichts von der gepurtt. S. Matth. sagt, er sey geporn [WA s. 94] von Marie tzu Bethlehem, lest es auch alda bleyben, on das er die iunpfrawschafft Marie herlich predigt, wie wyr hoeren werden tzu seyner tzeyt. Aber Lucas beschreybt sie klerlich und vleyssiglich. Sie ist vortzeytten auch yn den [1. Mose 22, 10] Patriarchen und propheten vorkundigt, alß da gott zu Abraham sagt Gen̄. 22.: ynn deynem samen sollen gebenedeyet werden alle volcker der erden. Item tzu [Ps. 89, 4. 5, 132, 11] Dauid Ps. 88. und .131.: Gott hatt Dauid eyn eyd geschworen ynn der warheytt unnd wirt yhm nit feylen: von der frucht deyneß leybß will ich eyn kunig machen auff deynem thron; aber das sind finstere spruech gegen dem Euangelio.

       Item, sie ist auch ynn vielen figurn bedeutt; Alß ynn der mandelruten Aaron, die da blueett ubirnaturlich, ßo es doch eyn durr holtzstecken war [4. Mose 17, 8] Numeri 17. Alßo Maria, frembd von aller naturlichen und fleyschlichen blutt, safft, krafft und wercke hatt ubirnaturlicher weyß doch eynen warhafftigen naturlichen son, sie, eyn naturlich Mutter, geporn, gleych wie die Rute  auch naturliche mandell trug und eyn naturliche Rute bleyb.

 

[Richt. 6, 37. 38[!]] Item, durch das fell Gedeon Judic .7., wilchs von hymeltaw feucht wartt und das land trocken bleyb und der viel mehr, die itzt nit nodt sind tzurtzelen. Auch die figur streyttenn nicht, ßondernn sie schmucken den glawben; denn es muß tzuuor geglewbt und gegrundt seyn, ehe ich glewbe, das die figur [WA s. 95] datzu diene. Nu ligt an dißem artickel viel, das wyr ynn der anfechtung unß ihn yhe nit nemen lassen; denn der Boße geyst fichtet nichts ßo hartt an alß den glawben. Drumb mussenn wyr gerustet seyn und wissen, wo derselb yn der heyligen schrifft gegrundet sey, unnd seyn anfechtung dahynn weyßen; ßo ist sie schon matt, denn widder gottis wortt kan er nicht bestehen.

       Es sind auch viel sittlicher lere ym Euangelio, alß von der demut, gedullt, armut und der viel mehr, aber die sind gnugsam berurtt, gehoren auch nit tzum streytt, denn es sind fruchte des glawbenß und gutte werck.

 

 

 

 

Zu der frue Christmeß Epistell Pauli Cit .iij. Tit 3, 4-7

 

1522[WA s. 95]

 

[Tit. 3, 4 –7] ES ist erschynen die freuntlicheytt und leuttselickeyt gottis, unßers seligmacherß, und hat unß nit nach den wercken der gerechtickeyt, die wyr than haben, ßondernn nach seyner barmhertzickeyt selig gemacht, durch das bad der widdergepurtt und vornewrung des heyligen geystes, wilchen er ynn unß reychlich außgossen hatt, durch Jhesum Christum, unßern seligmacher, auff das wyr durch desselben gnade gerechtfertigett erbe seyn des ewigen lebens ynn der hoffnung.

 

Diße Epistell leret und treybet eben das wyr am end des Euangeli gesagt [Luk. 2, 14] haben vonn dem wolgefallen odder gutten willen, desselben gleychen auch die liebe tzu dem nehisten, und ist die summa: Warumb sollten wyr das nit thun, ßo unß zuuor gott hatt alßo than, fur dem wyr weniger wirdig warenn solcher gutter, den keyn mensch fur unß ist. Wie nu got sich freuntlich und leuttselig tzu unß gestallt hatt, seyne barmhertzickeytt unß tzu gebenn, alßo [WA s. 96] last unß den andernn auch thun, ob sie gleych nit wirdig sind; seyn wyr doch, ihn gleich, auch unwirdig geweßen. Das aber die Epistell deste baß vorstanden werde, mussen wyr den eyngang und ursach solcher rede wissen. Hartt tzuuor [Tit. 3, 1 –3] spricht er alßo tzu Tito seynem iunger: Vormane sie, das sie den hirschafften und ubirckeytten unterthan, yhrenn ordenungen gehorßam unnd denselben tzu allen gutten werck bereydt seyn, das sie niemandt lesternn, nit streyttig seyen, ßondern yhn lassen allis gefallen und alle senfftmutickeytt ertzeygen gegen alle menschen. Denn wyr sind auch weyland geweßen unuorstendige, ungehorsame, yrrige diener unßer eygen manicherley begirdenn und wollusten, haben ynn boßheytt und neydt gewandellt, feyndselige unternander gehasset. Nu aber erschynen ist die fruntlickeytt .&c.. Hie sihistu, das Sanct Paulus unß hellt gegen got und die menschen, will, das wyr den ubirn gehorsam, den andern freuntlich seyn sollen, unangesehen, ob sie boeß, blind, yrrige leutt seyn, ßondernn sollen das yhn fur gutt haben und unß ihn gefellig machen und eynen gutten willen drynn haben, angesehen, das unß gott ßo than hatt, da wyr auch waren, wie sie itzt seynn.

 

[Tit. 3, 4] Das wortle: Erschynen ist gnugsam droben yn der vorigen Epistell außgelegt, das es bedeut die offenbarung des Euangeli, dadurch Christus [WA s. 97] erschynen ist ynn aller wellt, wiewol man die Epistell auff die gepurtt Christi tzeucht, da ligt nit viel an. Er braucht hie nit das wortle gnade, wie droben, ßondernn tzwey liebliche andere wortt, fruntlickeytt und leuttseligkeytt, schreybt er dem gnedigen got zu. Das erst heyst auff kriechisch Chrestotes und ist das freuntlich, lieblich wandelln eynß gutigen lebens, das yderman gern mit demselben menschen umbgaht unnd seyn geselschafft fast ßueß yderman tzu gunst und lieb reytzet, der die leutt wol leyden kan, niemant voracht, niemant mit sawren, hartten, seltzamen geperden oder weyßen voriagt, mag yderman tzuuorsichtlich umb yhn seyn tzu yhm  gahn und mit yhm handelln, gleych wie die Euangeli Christum abemalen unter den leutten, der yderman fruntlich ist, niemant voracht, niemant vorsagt unnd gantz schlachtig, merb und genietig ist. Alßo hatt sich gott auch durchs Euangelium unß ertzeygt, gantz lieblich und fruntlich, yderman bereytt, niemant voracht, alle unßer untugent unß tzu gutt halltet, niemant voriagt mit strengheyt. Denn es ist eyttel gnade da vorkundigt, ynn wilcher er unß tregt und mit unß umbgehet auffs aller fruntlichst, mit niemant feret nach seynem vordienst und wirdickeytt. Das ist die tzeyt der gnadenn, da mag yderman zu dem thron seyner [Hebr. 4, 16, Ps. 34, 6] gnaden gehen mit aller tzuuorsicht, alß heb. 4. geschrieben steht. Und Ps. 33: [WA s. 98] Nahet euch tzu yhm und last euch erleuchten, ewr angesicht werden sich nit schemen, das ist, er wirtt euch nit umbsonst bitten und kummen, oder mit scham leer heymgehen lassenn.

       Das ander heyst Philanthropia, menschenlieb, gleych wie geytz mocht [2. Sam. 1, 26] gelltlieb heyssen und Dauid .2. Re. 1. frawenbegird nennet frawenliebe. Alßo nennen die naturlich meyster etlich thierer menschenlieber odder leuttselig, alß da sind die hund, pferd, delphin. Denn dieselben thier haben naturlich lust und lieb tzu den menschen, thun sich auch tzu yhn und dienen ihn gern, alß hetten sie vornunfft und vorstand gegen dem menschen. Eyn solchen namen unnd lieb eygent hie der Apostell unßerm gott, und hatt tzuuor [5. Mose 33, 2. 3] auch than Moses. Deutro. 33., da er von gott sagt: Inn seyner hand ist eyn feurigs gesetz, er hatt seher geliebt die leutt, das die meynung sey: Gott hat sich ym Euangelio nit alleyn freuntlich ertzeygt, der yderman umb sich leyden und annehmen wolle, ßondernn widderumb hellt er sich auch zu yhn, sucht bey yhn zu seyn, beutt yhn seyn gnade und fruntschafft an; das sind yhe tzwey sueße, trostliche wort von unßerm gott, das er seyne gnade anbeutt unnd unß nachleufft, datzu auffs lieblichst auffnympt alle, die sich tzu yhm nahen unnd seyn begeren. Was soll er mehr thun? Nu, sihe, warumb das Euangelium heysse eyn trostlich, liebliche prediget von gott ynn Christo. Was mocht [WA s. 99] lieplicherß gesagt werdenn, den solche wortt, eynem sundigen, elenden gewissen? o das unß der teuffel durch des Bapsts gesetz solch lautter gottiswortt alßo gar iamerlich vordruckt hatt!

       Man muß aber die tzwey wort frey und gemeyn lassen und nit eyn unterscheyd der person unter den menschen machen, das solch gotlich fruntlicheyt und leuttseligkeytt nitt auß unßerem vordienst oder ansehen, ßondern alleyn auß seyner barmhertzickeyt herkumme und treffe allis das, das eyn mensch heyst, es sey wie gering es wolle; denn gott liebt nitt die person, ßondernn die natur, und heysset nit personselig, ßondern leuttselig, auff das yhm seyn ehre gantz bleybe unnd niemant sich seyner wirdickeytt rhume, niemant sich seyner unwirdickeyt entsetze, ßondernn eyner wie der ander sich troste auff die unuordiente gnade, die er ßo freuntlich, leuttseliglich anbeutt und gibt. Denn sollt yrgent eyn ansehen odder person wirdig geweßen seyn, weren es billich die, die do werck der gerechtickeyt than hatten. Nu furwirfft dieselben Paulus [Tit. 3, 5] am meysten und spricht: Nit nach den wercken der gerechtickeytt, die wyr than haben. &c.. Wie viel weniger wirtt solch erschynen seyn umb deyner weyßheyt, gewallt, adel reychtumb und deynes gelben hariß willen! Es ist grosse gnade. Es ist aber auch blosse gnade, die allen rhum und ehre dempfft und nur gottis ehre auffricht, der sie den unwirdigen umbsonst geben hatt.

       So leret nu diße Epistel abermal die tzwey stuck, glawben und lieben, odder wolthatt von gott empfahen und wolthatt dem nehisten ertzeygen, wie denn die gantz schrifft die zwey treybet, und eyniß on das ander nitt seyn mag. [WA s. 100] Denn wer do nit festiglich glewbt solcher gnaden gottis, der ertzeygt es gewißlich auch gegen seynen nehisten und ist fawl, hynlessig, demselben woltzuthun; yhe fester aber ymand glewbt, yhe fleyssiger unnd williger er ist, seynem nehisten tzu helffen; alßo treybt der glawb die liebe, und liebe mehret den glawben. Daher sehen wyr, wie gar nichts wyr ym glawben gahn, die wyr mit anderem wircken, denn wolthun dem nehistem, vormessen frum und selig tzu werdenn. Erfinden teglich ßo viel newer werck und lere, das wyr tzuletzt nichts mehr wissen vonn rechtem gutem leben, ßo doch alle Christlich lere, werck und leben kurtz, klarlich, ubirflussig begriffen ist ynn den zweyen stucken GLAWBEN UND LIEBEN, durch wilch der mensch tzwischen Gott unnd seynem nehisten gesetzt wirt alß eyn mittell, das da von oben empfehet und unten widder außgibt unnd gleych eyn gefeß oder rhor wirt, durch wilchs der brun gotlicher gutter on unterlaß fließen soll ynn andere leutt. Sihe, das sind denn recht gottformige menschen, wilche von gott empfahen allis, was er hatt, ynn Christo, und widderumb sich auch, alß weren sie der andern gotte, mit wolthaten [Ps. 82, 6] beweißen; da geht denn der spruch Ps. 81: Ich hab gesagt, yhr seyt Gotter und kinder des allerhochsten allesampt. Gottis kinder sind wyr durch den glawben, der unß erben macht aller gottlichen gutter. Aber gotte synd wyr durch die liebe, die unß gegen unßernn nehisten wolthettig macht; denn gottlich natur ist nit anderß denn eytell wolthettickeyt und, alß hie. S. Paulus sagt, [WA s. 101] [Tit. 3, 4] freuntlickeyt und leutselickeyt, die yhr gutter ynn alle creatur ubirschwenglich außschuttet teglich, wie wyr sehen.

       Nu sihe tzu, das du diße wortt lassist dyr gesagt seyn, das gottis freundlicheyt und leudselickeytt offenbart und yederman angepotten ist, und du auff diße wort deynen glawben bawist, teglich daran ubist und sterckist, on allen tzweyffel dafur haltest, es sey alßo, und gott sey und wolle dyr frundlich und leudselig seyn; ßo ist er dyr gewißlich alßo, magist alßdann bitten und begeren mit aller zuuorsicht, was du wilt, was dich dringt, was dyr und andernn nodt ist; wo du aber nit alßo glewbist, were es viel besser, du hettist es noch nie gehoeret; denn mit dem unglawben machstu dieße thewre, trostliche, gnadreiche wort tzur lugen, stellist dich damit, alß achtistu sie nit fur warheyt, wilchs gar eyn hohe, groß gottis unehre und mißbieten ist, das freylich keyn großere sund von dyr geschehen mag. Glewbistu aber, ßo ists nitt mueglich, das dauon deyn hertz nitt sollt fur freuden ynn gott lachen, frey, sicher und muetig werden. Denn wie mag eyn hertz trawrig odder unlustig bleyben, das da nit tzweyffellt, Gott der sey yhm fruntlich und hallte sich gegen yhm als eyn gutter frund, mit dem er sich alß mit yhm selbs alliß dings wol vormuege? Es muß solch freud und lust folgen; folget es aber nit, ßo ist gewißlich der glawb noch nit recht da. Und das heyst der Apostell [Gal. 3, 2] tzun Galatern den heyligen geyst empfahen ynn und durchs Euangelium; denn das Euangelium ist ßo eyn lieplich predigt von gottis gnaden unnd sussickeyt, das es den heyligen geyst mit sich bringt ym horen und predigen, gleych wie der sonnen glantz naturlich die hitze mit sich bringt. Wie mocht aber S. Paulus lieblicher susser wort gesetzt haben? Ich thar sagen, das ich ynn der gantzen schrifft nit lieblicher wort hab geleßen von gottis gnaden geredt denn [WA s. 102] [Tit. 3, 4] diße tzwey, Chrestotes und Philanthropia, darynn die gnade also abgemalet ist, dz sie nit allein sund vorgebe, ßondernn auch bey uns wone, freunklich mit unß umbgehe, willig ist tzu helffen und urbuttig tzu thun allis, was wyr begeren muegen, alß von eynem gutten willigen freund, tzu dem sich eyn mensch alliß gutten vorsihet und sich gantz wol vormag. Erdenck dyr alßo eynen gutten freund, ßo hastu eyn bild, wie sich gott gegen dyr yn Christo erbeutt, und ist dennoch solchs bild noch gar geringe, solch ubirreyche gnade furtzubilden.

       Wenn du nu alßo glewbist unnd frolich bist ynn gott, deynem herrnn, lebist nu unnd bist satt ynn seyner gnaden, hast was du haben sollt, — Was wiltu nu auff erden machen ynn dißem leben? Du must yhe nit mussig gehen. Ja, es lessit dich solch lust und lieb gegen gott nit rugen. Szondernn du wirst hitzig und begirig tzu thun allis, was du nur wistist, daran du solchem freuntlichen holtseligen gott lob, ehre und danck thettist; da ist keyn unterscheytt mehr der werck, da sind alle gepot auß, da ist keyn tzwang noch drang, eyttell frolicher wille und lust woltzuthun, es sey das werck gering odder kostlich, kleyn oder groß, kurtz oder langk. Zuuor begeristu, das solch erkentniß gotlicher gnaden ander leutt auch hetten. Darumb ßo bricht deyn lieb auß, thut yederman was sie kan, predigt und sagt solche warheytt, wo sie kan, furwirfft alliß, was nach dießer lere nit gepredigt odder gelebt wirt. Sihe, ßo mag denn der teuffel und die wellt solchs nit hoeren noch sehen, will yhr ding von dyr unfurworffen haben, hengt sich an dich allis, was do groß, geleret, reych und gewelltig ist, machen dich tzu eynem ketzer und tollen menschen. Sihe, ßo kumpstu denn gleych wie deyn herr Christus umb der warheytt willen an das kreutz  unnd must auffs eußerst geschendt werdenn, [WA s. 103] leyb, leben, gutt, ehre unnd frund allis ynn die fahr setzen, biß das sie dich von yhn auß dißem leben treyben ynß ewig leben, noch mustu ynn dem allen frolich seyn, dasselb allis gern dulden und fur gut haben, yhn widderumb freuntlich seyn, alletzeyt gedencken, das du tzuuor auch, wie sie itzt seyn, fur gott geweßen bist. Wilchs denn solcher glawbe und liebe auch gewißlich thut. Sihe; das ist eyn recht Christlich leben, das do andern thut, wie yhm got than hatt.

 

[Tit. 3, 5] Das druckt hie der Apostell auß, da er spricht, die frundlicheit gottis sey uns nit erschynen und selig gemacht umb unßer gerechtickeyt willen, alß sollt er sagen: Seyn wyr unwirdig geweßen und doch auß barmhertzickeyt auffgenummen unnd gottis wollthat mit grossem unuordienst unnd ßunden empfangen, —Warumb sollten wyr denn sparen unßer wolthat alleyn denen, die es umb uns vordienen oder wirdig seyn? Neyn nit alßo, ßondernn gottis kinder last unß seyn unnd eben unsernn feynden und ubelthetthernn wolthun, wie gott unß, seynen feynden und ubelthetthern, than hatt und noch thut. [Matth. 5, 44 –4] Das sagt auch Christus Matth. 5: Liebet ewr feynde, auff das yhr seydt kinder ewriß hymlischen vatterß, der seyne sonne lessit auffgehen ubir die gutten [WA s. 104] und boßen und lessit regnen ubir die yhm dancken unnd nit dancken; denn ßo yhr nur ewr freund liebt, was werdet yhr fur eynen lohn haben? thun doch das auch die publican und sunder. Und mercklich furwirfft S. Paulus unß [Tit. 3, 5] nit alleyn der boßen werck halben, Szondern spricht: nit nach den wercken der gerechtickeyt, die wyr than haben; das meynet er von denen wercken, die wyr fur gutt haben gehallten, wilchs ist eyn gerechtickeyt fur unßern und der menschen augen antzusehen unnd macht unß doch nur ungeschickter tzu gottis gnaden, dieweyl sie an yhn selbs falsch seyn, und wyr daruber datzu thun, machen eyn tzwyfalltige ßund drauß, das wyr sie vor gutt achten unnd drauff vorlassen, wilchs gott gar seher erbittert. Alßo erbittern unß unßer feynd auch am meysten, die do unrecht haben und doch yhr dinck wollen fur recht erstreytten widder unß; dennoch sollen wir nit yhn vorsagen woltzuthun, gleych wie unß gott ynn gleychem yrthumb, da wyr auch narren waren, ließen unß duncken, es were wolthan was wir thetten, auß lautter barmhertzickeit than hatt; wie er nu unß nit nach unßer vormeynter gerechtickeyt than hatt, Alßo sollen wyr widderumb yhnen auch nit thun nach yhrem vordienst odder unuordienst, ßondernn auß lautter lieb und umbsonst, nur yhnen tzu helffen, den danck und lohn nit bey yhn, ßondernn bey gott gewartten.

       Das sey gnug von der gantzen summa der Epistell. Nu last unß sehen die wort, die er braucht tzu solcher gnaden preyßung und außreden. Zum Ersten hebt er sie so hoch, das er auch alle unßere gutte werck und gerechtickeyt [WA s. 105] furwirfft; denn wyr sollen nit dencken, das er eyn schlecht ding furwerffe mit den wortten, ßondernn das aller beste, das eyn mensch auff erden thun mocht, nemlich die gerechtickeyt. Wenn alle menschen yhr grosten vleyß thetten nach der hohsten vornunfft, weyßheyt, freyen willen wirckten, wie wyr denn leßen von etlichen heydnischen meystern und fursten große tugent und weyßheyt, die alle wellt preysset mit schrifften und wortten, alß Socrates, Traianus und dergleychen, Dennoch ist solch weyßheit und tugent nichts fur gott, denn eytell sund und vordamlich, darumb das sie nit geschicht ynn gottis gnaden, das ist, derselb mensch erkennet got nit, ehret yhn auch damit nit, meynet, er hab solchs auß seynem vormugen than, wilchs niemant denn die gnade ym [Phil. 3, 4 –8] Euangelio leret. Alßo rhumet sich auch S. Paulus, das er tzuuor hab gewandellt ynn eynem unstrefflichen leben ubir alle seyne gleychen, meynet auch, er thet recht, das er die Christen voruolgt, die solchs guttis leben furwurffen. Aber darnach spricht er, da er Christum erkennet, Er achte solche seyne gerechtickeyt wie den katt unnd unflatt, auff das er ya muege erfunden werden nit ynn solcher seyner gerechtickeytt, ßondernn ynn Christo und ym [Kol. 2, 1 ff., Gal. 1, 10 ff.] glawben, wie das alliß Colos. 2. und Gal. 1. weytter er betzeugt. Darumb legt er hie darnyder allen rhum des freyen willenß, alle menschlich tugent, gerechtickeyt und gutte werck, beschlewst, es sey alliß nichts  und eytell vorterben, es gleyße, wie groß es ymer mag, ßondernn alleyn die gnade gottis muß selig machen unnd macht auch selig alle, die solchs glewben unnd yhr begeren ynn rechtem bekentniß yhriß eygenß vorterbens und nichtickeyt. [WA s. 106]

       Szo mussen wyr nu der schrifft gewonen, die do tzwo gerechtickeyt setzt. [Tit. 3, 5] Eyne menschliche gerechtickeyt, wie sie hie s. Paulus nennet und viel mehr ortten. Die ander eyne gottliche gerechtickeyt, das ist die gottliche gnade, wilch uns rechtfertiget durch den glawben, wie hie .S. Paulus außdruckt [Tit. 3, 7] unnd sagt am end dießer Epistelln alßo: auff das wyr durch seyne gnade gerechtfertiget erbe seyn des ewigen lebens; da sihestu, das gottis gnade unßer gerechtickeyt ist, die auch darumb gottis gerechtickeit heysset, das er sie uns [Röm. 1, 17] auß gnaden gibt und unßer wirt, das wyr sie empfahen. Alßo sagt er Ro. 1.: Im Euangelio wirt geprediget von der gotlichen gerechtickeyt, das dieselb sey durch den glawben, wie da geschrieben stet: Der gerechtfertige wirt leben durch [1. Mose 15, 6] seynen glawben. Item, alßo stett auch Gen. 15.: Abraham hatt got geglawbt, und derselb glawb ist yhm tzu gerechtickeyt gerechnet, alßo das die schrifft beschleust, das niemant fur gott gerechtfertig ist, denn wer do glewbt, wie itzt [Hab. 2, 4] gesagt und von S. Paulo antzogen ist auß Abacuc. 2: Der gerecht wirt leben durch seynen glawben, das glawb, gnade, barmhertzickeyt, warheyt eyn ding sey, das got ynn uns durch Christum und seyn Euangelium wirckt, Wie [Ps. 25, 10] p̄s 24. steht: Alle gottis wege sind barmhertzickeyt und warheyt. Gottis wege sind aber, darynnen wyr wandellnn unnd er ynn uns, wenn wyr seynen gepotten folgen; dieselbige wege mussen alle ynn gottlicher barmhertzickeyt und

[WA s. 107] warheyt gehen unnd nit ynn unßerm vormugen odder krefften, wilcher wege [Jes. 55, 9] seynd eyttel tzorn und falscheyt fur gottis augen. Wie er sagt Isaie 55: Alß hoch der hymel ist ubir der erden, ßo hoch sind auch meyne wege ubir ewre wege, alß sollt er sagen: Ewer gerechtickeyt ist yrdenisch und nichts, yhr musset ynn meyner hymlischen gerechtickeyt wandellnn, sollt yhr selig werden.

 

[Tit. 3, 5] Er hat uns nach seyner barmherczickeyt selig gemacht.

Wie muegen die wort bestehen, die do lautten, alß seyen wir schon selig?1 Seyn wyr nit noch auff erden ym iamer? Antwort: Es ist darumb also geredt, das die krafft gottlicher gnade und die artt des glawbens wurd außdruckt tzuwidder den yrrigen werckheyligen, die durch yhre werck die seligkeyt, alß were sie noch fernn von yhn, holen und erlangen wollen. Nit alßo; Christus hatt unß auff eyn mal selig gemacht ynn tzweyerley weyße. Zum ersten, er hatt alliß than, was datzu gehort, das wyr selig werden. Nemlich die sund, todt und helle ubirwunden und vortilget, das nichts mehr datzu von yemand tzu thun ist. Zum andernn, das er solchs alleß ynn der tawff hatt uns allen geben, das, wer do glewbt yn Christum, das er solchs than habe, der hatts gewißlich alßo bald yn dem augenblick alles, und sind alle seyn sund dahyn mit dem tod unnd helle, das er nichts mehr bedarff tzur selickeyt, denn solchs glawbens. Sihe, ßo ubirschwencklich reychtumb schuttet gott ubir unß ynn der tauffe, das er auch die werck auffhebt, damit die [WA s. 108] narren vormessen den hymel gewynnen und selig werden. Neyn, lieber mensch, du must den hymel haben und schon selig seyn, ehe du gutte werck thuist; die werck vordienen nit den hymel, ßondernn widderumb der hymel, auß lautter gnaden geben, thutt die gutten werck dahynn, on gesuch des vordienstis, nur dem nehisten tzu nutz und got zu ehren, biß das der leychnam auch von sunden, todt und hell erloßet werde. Drumb alle das leben, das eyn recht glewbiger Christen furet nach der tauffe, ist nit mehr, denn eyn wartten auff die offenbarung der selickeyt, die er schon hatt.

       Er hatt sie gewißlich gantz, aber doch ym glawben vorporgen; derselb glawb, wenn der abethan were, ßo were sie offenbarlich ynn yhm, wilchs [1. Joh. 3, 2 [!]] geschicht ym leyplichen sterben, wie .1. Johan. 2. stett: Lieben bruder, wir seyn schon itzt gottis kinder, aber es ist noch nit offenbar, was wyr seyn werden; wenn er aber kumpt, ßo wissen wyr, das wyr yhm gleych werden seyn. Und alle, die dieße hoffnung ynn yhn haben, die heyligen sich on unterlaß, gleych wie er heylig ist.

       Darumb laß dich die wirckheyligen nit vorfuren, die den glawben furachten, setzen deyne seligkeyt weytt fur dich  und treyben dich mit wercken sie zu holen. Neyn, lieber mensch: Sie ist yn dyr ynnewendig, ist schon allis geschehen, [Luk. 17, 21] wie Christus sagt Luce. 17.: Das reych gottis ist bynnen euch. Darumb ist das ubrig leben noch der tawff nichts anders, denn eyn harren, wartten und vorlangen, das da offenbartt wird, das yn unß ist, und das wyr das begreyffen, [WA s. 109] [Phil. 3, 12] das unß schon begriffen hatt, wie S. Paulus Phil. 3. sagt: Ich folge, auff das ich muge das ergreyffen, darynnen ich von Christo ergriffen byn, das ist, das ich doch sehe, was wyr fur gutter ynn dem schreyn des glawbens geben seyn. Es ist nygernn und yhm vorlangt, tzu sehen seynen schatz, den yhm [Phil. 3, 20. 21] die tauff ynn dem glawben geben und vorsiglet hatt. Alßo spricht er auch daselbist: unßer wandel ist schon ym hymel, von dannen wyr auch gewartten des seligmecherß Jhesu Christi, der unßern vorachtlichen leychnam widder mach [Gal. 4, 9] auffs new, gleych seynem vorklereten leychnam. Item tzun Galatern .4., das er hatte gesagt: Ihr habt nu gott erkennet, widderrufft er die wortt unnd spricht: ya, yhr seytt von gott erkennet, ßo es doch beydes war ist, doch mit unterscheydt; wyr sind von gott erkennet und schon begriffen, aber wyr erkennen unnd begreyffen yhn noch nit. Denn unßer erkentnis ist noch ym glawben zugedeckt und vorschlossen.

 

[Röm. 8, 24. 25] Alßo sagt er auch Roma. 8: Wyr sind schon selig, doch ynn der hoffnung, das ist, wyr sehens noch nit; denn wer do sihet (spricht er), der hoffet nitt, ßo wyr aber hoffen des, das wyr nit sehen, ßo wartten wyr seyn mit gedullt. [Luk. 12, 35. 36] Item, ßo spricht auch Christus Luce. 12.: Last ewr lenden begurttet seyn, und habt brennende lampen ynn ewren henden, und seyt gleych den knechten, die [WA s. 110] da wartten auff yhren herrnn, wenn er heymkumpt von der wirttschafft, auff das, wenn er kompt und anklopfft, das sie yhm behend auffthun. Item ßo [Tit. 2, 12. 13] hat auch S. Paulus ynn der vorigen Epistell Tit. 2. gesagt: Wyr sollen nuchtern, rechtfertig und gotlich leben auff dießer wellt und wartten der offenbarung der klarheytt des grossen gottis und unßerß seligmacherß Jhesu Christi. Sihe, die spruch unnd dergleychen bezeugen alle, das wyr schon selig sind gemacht, das ein Christen mensch nit sich soll noch wercken umbsehen, dadurch er selig muege werden. Denn solcher wahn und lere vorblenden yhm seyn Christlich augen, vortilgen yhm den rechten vorstand des glawbenß, unnd [Tit. 3, 5] reyssen yhn auß dem wege der warheyt und selickeyt, das heyst hie: Er hat [Tit. 3, 7] unß selig gemacht nach seyner barmhertzickeyt. Und am end der Epistelln, das wyr seyn erbe des ewigen lebens ynn der hoffnung. Erben seyn wyr, doch vorporgen ym glawben, und wartten derselben offinbarungen ynn des hoffnung. Solchs wartten aber und ubrigs leben nach der tauff geschicht darumb, das er durch unß den leyp castey, die krafft seyner gnaden beweyße ym streyt widder das fleysch, wellt und teuffel, und doch das alliß endlich darumb, das er durch unß unßernn nehisten nutz schaffe und sie auch tzu dem glawben durch unßer predigen und leben bringe. Denn ob er das wol mocht durch die engel thun, will erß doch durch uns menschen thun, auff das der glawbe bleybe unnd lieplich tzugehe; denn es wurd keyn glawbe da bleyben, wenn die Engel sollten on unterlaß bey unß wandelln; so ists auch nit so lieblich, alß durch die natur, die unß gleich ist, der wyr gewanet und sie erkennen. Szollten [WA s. 111] wyr auch alle nach der tawff ßo bald ynn hymel genomen werden, wer wollt die andernn bekeren unnd tzu gott bringen mitt wortten und guttem exempell?

       Daher ists nit tzweyffell: Es sey des teuffels und Endchrists wundertzeychen; tzeychen das wyr ßo viel auff das fegfewr wenden und mit vorgessen solchs glawbens vormessen unß mitt wercken dafur behueten odder erauß loßen gerad alß were die selickeytt unß noch nit geben und musten sie durch eynen andernn weg, denn durch den glawben ubirkummen, das wyr doch sehen, wie es widder alle schrifft unnd christlich weßen streyttet. Denn wer die selickeyt nit auß lautter gnaden empfehet fur allen gutten wercken, der wirt sie freylich ßonst nymer empfangen. Und wer seyne gutte werck tzu seynem eygen nutz wendet, yhm selb und nit seynem nehisten damit tzu helffen, der thut schon keyn gutt werck; denn es ist alliß glawbloß da und eyttell schedlich yrthum unnd vorfurung, das ich wollt, das fegfewr were noch nie erfunden odder were yhe nit auff die Cantzel kummen, es thut altzu grewlichen schadenn solcher  Christlicher warheyt und rechtem glawben. Nu hats der teuffel dahynn bracht, das alle stifft alle kloester, alle meß, alle gepet, gar nahend alleyn ynß fegfewr wircken, datzu mit solcher gifftiger meynung, das man durch die werck den sachen helffen und die seligkeyt holen will. Daruber denn der tawff und des glawbenß reychthum muß vorfinstertt unnd tzuletzt auß Christen lautter heyden werdenn. O Herr gott des grewliß! Man sollt die Christen leren, wie Christus und S. Paulus, das sie nach der tawff oder absolution sich nit anderß hielten, denn alß die alle stund tzum tod bereytt wartteten auff die offenbarung yhrer empfangen selickeyt; ßo gibt man yhn durch des [WA s. 112] fegfewriß vorlassen eyn fawl sicherheytt, das sie dencken, nur diß leben sparen und vortzihen biß an das todtbett, da wollen sie denn rew und leyd haben und mit stifften, seelmessenn und testamenten yhn auß dem fegfewr helffen; sie werdens aber wol ynnen werdenn. Folgett:

 

[Tit. 3, 5] Durch das bad der widdergepurtt unnd vornewerung des heyligenn geystis.

Wie gar mit vollen wortten preysset er die gnad gottis ynn der tawff unß geben! Nennet die tawff eyn badt, da nitt alleyn fueß oder hend, ßondernn der gantz leyb gereyniget wirt; alßo auch die tawff macht den menschen gantz auff eyn mal reyn und selig, das tzu dem hewbtstuck und erbe der selickeytt nichts mehr nodt ist, denn solcher glawbe ynn solche gottis gnade, auff das es yhe lautter gnade, on werck unnd vordienst, sey, das wyr selig werdenn, und alßo bestehe ynn unß ewiglich reyn lieb, lob, danck und ehre gotlicher barmhertzickeyt, on allen rhum oder wolgefallen eygenes vormugens oder tzuthun, wie gnugsam und offt gesagt ist. Menschen gerechtickeyt ist nitt eyn solch badt, ßondernn nur eyn wasschen der kleyder und gefeß, wie [Matth. 23, 25] von den gleyssennern Matt. 23. geschrieben ist, dadurch sie nur eußerlich fur den menschen und yhn selb reyn scheynen, aber ynnewendig voll, voll unflatt [Tit. 3, 5] bleybenn. Alßo nennet er das bad nit eyn leyplich badt, ßondernn eyn badt der widdergepurtt, das eyn solch bad sey, das nitt obenhynn die hawtt wassche und den menschen leyplich reynige, ßondernn seyn gantz natur umbkere [WA s. 113] und wandelle ynn eyn ander natur, das die erst gepurtt, vom fleysch geschehen, vorstorett werd mit allem erbe der sundenn und vordampnis. Damit aber außgedruckt wyrtt, das unßer heyl auff eyn mal unß geben wirt und nit mit wercken tzu holen ist. Denn gepurtt gibt nit alleyn eyn glid, hand odder fueß, ßondernn das gantz leben, den gantzen menschen, der nit darumb wirckt, das er geporn werde, sondern darumb und tzuuornn geporn wirt, das er wircken muge. Alßo machen unß die werck nit reyn, frum noch selig, ßondern wyr tzuuor reyn, frum und selig, thun die werck frey dahyn gott tzu ehren, dem nehisten tzu gutt.

       Sihe, das heyst die lautter erkenttniß der blossen gnaden gottis. Da leret nu der mensch sich und gott erkennen, gott loben, sich vorachten, auff got sich trosten, an yhm selb vorzweyffelln. An wilcher lere fast sehr hyndern, die mit gesetzen, gepotten und werck die leut treyben und wollen selig machen. Weytter, das diß bad und diße widdergepurt noch klerlicher werd vorstanden, [Tit. 3, 5] thut er datzu und spricht: Vornewerung, das eyn new mensch, new artt, new Creatur da werd, die da gantz anderß gesynnet, anderß liebt, anderß lebt, [Gal. 6, 15] redt und wirckt denn vorhyn. Wie er auch Gal. 6. sagt: ynn Christlichem stand gilt nichts, widder beschnytten noch unbeschnytten seyn, (das ist: keyn werck des gesetzs), ßondern eyn new Creatur, alß sollt er sagen: Es wirtt sich nit also mussen flicken und pletzen, mit wercken, hie und da. Es muß gantz eyn new hawtt da werden und die natur vorwandellt werden, alßdenn [WA s. 114] [Joh. 3, 3] folgen die werck von yhn selber. Von der gepurtt sagt auch Christus Joan. 3: Wer nitt anderweytt gepornn wirt, der mag nit sehen das reych gottis. Hie sehen wyr auch, das die werck nit thun wollen, die person muß selbs und gantz heran, sterben und ynn eyn ander weßen kummen, wilchs geschicht durch die tauff, ßo wyr glewben; denn der glawb ist diße vornewrung. Denn es werden auch die vordampten anderweytt gepornn werden am Jungsten tag, aber das ist eyn gepurt on vornewrung; sie werden unreyn seyn,  wie [Tit. 3, 5] sie hie geweßen sind ym allten Adamß lebenn. Drumb ist ditz eyn bad, eyn widdergepurtt, die do new menschen macht. Von der gepurtt hatt die schrifft viel rede an viel ortten. Denn gott nennet seyn eygen wortt unnd Euangelium [Jes. 46, 3] matricem und vuluam, Isaie. 46: Horet mich, yhr ubrigen von Israel, die yhr getragen werdet ynn meynem utter odder unter meynem hertzen, wie die weyber sagen von yhrem kindtragen. Wer nu glewbt ynn solch Euangelium, der wirt ynn gottis utter empfangen und geporn. Dauon eyn ander mal mehr. Das sind nu allis solch wortt, wie wyr sehen, die die werck und menschlich vormessenheyt ynn den gepotten nydderschlahen und die artt des glawbens klerlich abemalen, das der mensch auff eyn mal die gnad gantz empfehet und selig gemacht wirtt, das nitt die werck datzu kummen, ßondernn folgen sollen.

       Gleych alß wenn gott auß eynem dorren bloch eyn newen grunenden bawm mechte, der alßdenn seyn naturliche frucht truge. Es ist gar eyn groß [WA s. 115] starck, mechtig unnd thettig ding umb gottis gnade, sie ligt nit, wie die trawmprediger fabuliern ynn der seelen und schlefft odder lessit sich tragen, wie eyn gemallt brett seyne farbe tregt. Neyn, nit alßo, sie tregt, sie furet, sie treybett, sie tzeucht, sie wandellt, sie wirckt allis ym menschen und lessit sich wol fulen und erfaren; sie ist vorporgen, aber yhr werck sind unuorporgen, werck unnd wortt weyssen, wo sie ist, gleych wie die frucht unnd bletter des bawmß artt unnd natur außweyßen. Darumb wirtt tzu wenig und tzu gering von yhr gepredigt, ßo man yhr nitt mehr gibt, denn das sie die werck schmucke und helffe vollnbringen, wie die Sophisten Thomas, Scotus und das volck yrren und vorfuren. Sie hilfft nit alleyn die werck thun, sie thutts alleyn, ia, nit alleyn die werck, sie wandellt und vornewet die gantz person, und yhr werck ist viel mehr, wie sie die person endere denn wie sie die [Tit. 3, 5] werck der person vollnbringe. Sie will eyn badt, eyn widdergepurtt, eyn vornewrung machen, nitt alleynn der werck, ßondernn des gantzen menschenn. Sihe, das heyst frey unnd voll von der gnade gottis predigt. Denn Paulus spricht nit hie, das unß gott hab selig gemacht durch werck, sondern mit [Tit. 3, 5] vollem mund schut er auß: durch eyn widdergepurtt unnd eyn vornewrung. Es gillt nitt flickens mit wercken. Es gillt gantz umbkeren die natur. Darumb geschichts auch, das die, ßo recht glewben, mussen viel leyden und sterben, auff das die gnad yhr art und kegenwerttickeyt beweyße. Sihe, dauon sagt Dauid [Ps. 111, 2] Ps. 110: Die werck gottis sind groß und ersucht noch alle yhrem willen. Wer sind diße seyne werck? wyr sind sie, yn der tawff gemacht durch seyn [WA s. 116] gnade, wyr seyn große werck, new werck, new gepornn; denn es ist groß dinck, das eyn mensch ßo schnell selig wirdet, laß vonn sunden, todt unnd hell ewiglich. Darumb spricht er: sie sind ersucht noch alle yhrem willen odder begerenn. Das gott damit erfunden hatt und thut allis, das eyn mensch begeret. Was be[ge]ret aber eyn mensch mehr, denn selig tzu seyn, von sunden, todt und helle erloßet seyn?

 

[Tit. 3, 5] Zuletzt nennet er das badt die widdergepurtt, die vornewrung des heyligen geystis, das yhe volkomlich außgedruckt werd die grosse und krafft der gnaden. Alßo eyn groß dinck ist ditz badt, das das keyn creatur, sondern der heylig geyst machen muß. Ey, wie gar furwirffistu, heyliger .S. Paul., den freyen willen, die gutten werck und die grossen vordienst der hofferttigen heyligen, wie hoch setzistu unßer selickeyt und machist sie doch ßo nahe bey unß, ia ynn unß, wie bloß und lautter predigistu die gnad! Darumb wirck hynn, wirck her, den menschen tzuuor newen unnd die person endernn, ist nitt [Tit. 3, 5] muglich, denn durch das badt der widdergepurt, des heyligen geystis; das sihet man auch wol an den wirckheyligen, wie keyn unleydlicher, hohmutiger freueler, unglewbiger geyster sind, denn eben sie; denn es sind ungeprochene, unuornewette, vorstockte, vorharte, vorbliebene menschen ynn yhrem allten Adam, wilchen sie mit yhren gutten wercken decken und schmucken und keyn vorenderung yhrer boßen natur, ßondernn nur der eußernn werck haben. O, das ist eyn gifftig volck und fur gott ynn grossen ungnaden, ob sie wol ynn seynem schoß [Joh. 3, 5] sitzen vormeynend! Alßo stympt nu hie S. Paulus mit Christo Johann. 3, [WA s. 117] Da er diß badt alßo nennet: wer nit anderweytt geporn wirt auß dem wasser und heyligen geyst, der mag nit eyngehen ynn gottis reych. Hie horistu: das [Tit. 3, 5] wasser, das ist das badt, du horist: anderweyt geporn  werden, das ist, die widdergepurt und vornewrung, unnd den geyst, den hie S. Paulus außdruckt, den heyligen geyst. Und ist hie tzu mercken, das der Apostell von dem sacrament der firmelung nichts weyß; denn er leret, der heylig geyst werd [Joh. 3, 5] ynn der tawff geben, wie auch Christus leret, ia, ynn der tawff werden wyr [Apg. 8, 17 u. ö] auß dem heyligen geyst gepornn. Wyr leßen wol ynn Act. Apostolorum, das die Apostelln yhr hend legten auff die hewbt der getawfften, das sie den heyligen geyst empfingen, wilchs sie tzu der firmelung tzihen, ßo dasselb darumb geschah, das dieselben den heyligen geyst yn offentlichem zeychen empfingen und mit viel tzungen reden mochten, das Euangelium tzu predigen. Aber dasselb ist tzeytlich abgangen und nit mehr blieben denn der gleychen ordnung odder weyhen tzum priester- oder predigerampt, wie wol auch dasselb ym mißprauch grewlich gehet. Dauon eyn ander mal.

 

[Tit. 3, 6] Wilchen er ubir uns reychlich außgossen hatt durch Jhesum Christum, unßern seligmacher.

Sihe, der heylig geyst ist nitt alleyn geben, ßondern außgossen, nit alleyn außgossen, ßondern reychlich außgossen; der Apostell kan die gnade und yhr werck nit groß gnug machen, und wyr leyder machen sie ßo geringe gegen [WA s. 118] unßere gutten werck. Es were eyn schmach gottis und seynis heyligen geystis, das er yhn solt reychlich außgießen uber unß, und solt noch ettwas von uns und auß uns gesucht werden, damit wyr rechtfertig unnd selig wurden, als weren solch gottlich ubirschwencklich werck nit gnugsam datzu. Szo hett auch Sanct Paulus tzu mild geredt und were billich luegen zustraffen. Aber nu redt er mit solchen vollen trefflichen worten dauon, das es klar ist. Es muege niemant tzu viel sich auff solch bad und widdergepurtt vorlassen, es ist noch mehr da. Niemant ßo viel glauben, er hatt noch mehr da. Und eben darumb von gott solch groß gutter ynn das wortt und glawben gefassett sind, das die natur dießes lebens nitt tragen noch begreyffen mocht, ßo sie solltenn bloß dargeben werdenn; und zugleych auch, wenn sie anheben bloß tzu werdenn, muß der mensch sterben und diß leben lassen, das er gantz vorsincke und vorschwind ynn die reychthumb, die er itzt ym glawben, alß bey eynem kleynen zipffell, ergriffen hatt. Sihe, ßo gar ubirflussig sind wyr on alle werck gerechtferttigett und geseligett, ßo wyrß nur glewben. Drumb spricht auch S. Peter [2. Petri 1, 4] 2. Pet. 1: Durch Christum sind unß große und kostlich ding geben, das wyr mitgenossen werden gottliches weßens; spricht nit: sie werden unß geben [Joh. 3, 16] werdenn, ßondern: sie sind unß geben. Und Christus Johann. 3: Szo lieb hatt gott die wellt gehabt, das er seynen eynigen ßon fur sie geben hatt, auff das alle, die ynn yhn glewben, nitt vorterbett, ßondernn haben das ewige [WA s. 119] leben. Sihe da, sie haben das ewige leben alle, die da glewben, ßo sind sie gewißlich gerecht und heylig, on alle yhre werck, und die werck datzu nichts thun, ßondernn es ist eyttel bloße gnade und barmhertzickeyt da reychlich ubir unß außgossen.

       Mochtist aber sprechen: wie geht denn das tzu, das so offt ynn der schrifft gesagt wirtt, das, die do gutt thun, werden selig?! Alß Christus [Joh. 5, 29 [!]] Johan. 6 1: Die da gutts than haben, werden erfurgehen tzu der ufferstehung des lebens. Und die da ubel than haben, tzu der ufferstehung des gerichtis. [Röm. 2, 7] Unnd Paulus Ro. 2: Ehr und lob allen, die do guttis thun, tzornn und ungnad allen, die do ubel thun, und dergleychen ubir die maß viel mehr. Anttwortt: Wie sollt es tzugehen? Nit anderß, denn wie die wort lautten on alle gloß: wer wol thut, der wirt selig, wer ubel thutt, der wirtt vordampt. Das macht aber den yrthum, das man gutte werck urteylet nach dem eußern ansehen; das thutt die schrifft nit, wilche leret, das niemant guttis thun mag, er sey denn selb zuuor gut; so wirt er nit durch gutte werck gutt, ßondern [Tit. 3, 5] werck die werden durch yhn gutt. Er wirt aber gutt durch diß badt der [Matth. 7, 18] widdergepurtt unnd sonst ynn keynen weg. Das meynet Christus Matt. 7: Keyn boeßer bawm tregt gutte frucht, und keyn gutter bawm tregt boeße frucht. [WA s. 120] Darumb macht den bawm entwedder gutt odder boeße, ßo werden die fruecht auch darnach. Das ist wol war, das die werckheyligen thun werck, die da gleych seyn den wercken der newgepornn menschen, ya, sie gleyssen tzuweyllen mehr denn yhener gutten  werck; sie betten, fasten, geben, stifften, wallen und [Matth. 7, 15] wandelln fast scheynbar, aber Christus nennet es schaffskleyder, unter wilchen reyssende wolff gehen; denn yhr keyner ist grund ym hertzen demuetig, mild, [Matth. 7, 16. 20] sanfft und gutt, wilchs sie auch beweyßen, wenn man sie trifft und yhr werck vorwirfft, da geben sie denn yhr naturliche rechte frucht, dabey man sie erkennet, alß da sind freuel urteyl, ungedult, eygenwille, hallstarckeyt unnd affterrede, mit vielen andernn boeßen stucken. Darumb ists war: wer wol thutt, der wirtt selig, das ist, seyn seligkeyt wirt offinbar werden, aber er thet nit guts, wenn er nit schon selig were ynn der new gepurt. Darumb die schrifft nennet solch leutt ettwan nach yhrem eußern wandell ynn gutten wercken, ettwan nach yhrem ynwendigem weßen, wilchs solchen eußern wandel gutter werck treybett, unnd spricht, sie seyen schon selig des ynnerlichen weßens halben und werden selig, wenn sie wol thun, das ist: ßo sie bestendig bleyben, wirt yhr selickeyt offinbar werden. Drumb die gutten werck, die noch ynn der allten gepurt und Adamß weßen geschehn, sind die der Apostell ynn dißer [Tit. 3, 5] Epistel furwirfft und spricht: Nit nach den wercken der gerechtickeit, die wyr than haben &c.. Es sind gutte werck, aber nit fur gott, der die personlich gutte [WA s. 121] [Mose 4, 4. 5] ansihet und darnach die werck. Wie er Gen̄. 4. erst Abel und alßodann seyn opffer ansahe, und erst von Cain und alßdann auch von seynem opffer sich wandt, wilchs doch nach eußerlichem ansehen eben ßo wol eyn opffer unnd gutt dinck ware als Abels opffer.

 

[Tit. 3, 6] Er setzt auch mercklich dartzu: Durch Jhesum Christum, unßernn seligmacher, damit er unß unter Christo behallt, wie die iungen hunlin unter der [Matth. 23, 37] gluckhennen. Denn alßo spricht er selb Mat. 23: O Hierusalem, wie offt hab ich wolt samlen deyne kinder, wie eyn glockhenne yhr kuchle samlet unter yhre flugel, und du hast nit gewolt. Hyrynnen die art des rechten lebendigen glawbenß wirt geleret; der ist alßo gethan, das nit gnug ist tzur seligkeyt, ob du ynn gott glewbist, wie die Juden und viel andere thun, wilchen er auch widderumb viel guttis thutt und groß gaben gibt tzeytlich, Szondernn durch Jhesum Christum mustu ynn gott glewben. Zum ersten nit dran tzweyffellnn, er sey deyn gnediger gott und vatter, hab dyr alle sund vorgeben und dich selig gemacht ynn der tawff.

       Zum andern doch daneben wissen, das solchs allis nit umbsonst odder on gnugthun seyner gerechtickeyt geschehe; denn der barmhertzickeyt und gnade ist keyn rawm ubir unß und ynn unß tzu wircken, odder unß tzu helffen ynn ewigen guttern und selickeyt; der gerechtickeyt muß tzuuor gnug geschehen sey[n], auffs aller volkomlichst, wie Christus sagt Matt. 5: Nit der kleynist [WA s. 122] buchstab, auch nit das kleynist tuttel wirtt von dem gesetz vorgehen, es muß alliß geschehen. Denn was man von gottis gnaden und guttickeytt sagt, muß alliß vorstanden werdenn alleyn auff die, ßo do erfullen seyn gepot auff das aller reynist, wie er sagt Miche. 2., da die Juden sich yn got viel vormassen [Micha 2, 7] und sprachen alltzeytt: frid, frid. Item: Sollt gott ßo tzornig seyn? sollt seyn guttiger geyst also von unß abgeprochen seyn? &c.. Anttworttet er: Ja, ich rede guttis nur von denen, die do recht wandellnn. Darumb mag niemant tzu der reychen gnade gottis kummen, er habe denn gottis gepotten auffs aller eußirst gnuggethan.

       So ist nu gnugsam gesagt, das unßere werck nichts seyn fur gott, unnd wyr nit das geringest gepott ynn eynem werck erfullen mugen, wie viel weniger wyr seyner gerechtickeyt gnugthun mugen, das wyr seyner gnaden wirdig werden. Dazu ob wyr schon ßo krefftig weren, alle seyne gepott tzu hallten unnd seyner gerechtickeytt allenthalben gnugtzuthun, dennoch weren wyr dadurch nit wirdig seyner gnaden und selickeyt, er were sie auch unß nitt schuldig tzu geben, ßondernn mocht solchs alliß von unß foddernn alß schuldigen dienst von seyner creaturn, die yhm tzu dienen vorpflichtet ist. Was er aber [Luk. 17, 7 —10] daruber gibt, eyttel gnade unnd barmhertzickeyt ist. Ditz hatt Christus Luce. 17. klerlich geleret, da er alßo spricht ynn eyner gleychniß: wilcher ist unter euch, der eyn ackerknecht odder hirttenknecht habe, ßo er von dem feld kumpt, das [WA s. 123] er ßo baldt tzu yhm sage: gang hynn, setz dich zu tissche, ßondern er spricht also zu yhm: bereytte myr das abendmal, schurtz dich und diene myr, biß ich geessenn und getruncken habe, darnach solltu auch essen und trincken. Danckt er auch demselben knecht, das er gethan hat, was yhm befolhen ist? Ich meyniß nicht. Alßo yhr auch, ob yhr alliß thettit, das euch gepotten ist, so sagt: wyr sind unnutze  knechte, wyr haben than, was wyr schuldig tzu thun geweßen sindt. Szo denn nu denen auß gnaden und nit auß pflichten wirt der hymel geben, die do alliß thun, was sie schuldig sind tzu thun, Und auch solchen menschen (ob sie yrgend weren) nit auß vordienst, ßondernn auß [Matth. 19, 17 [!]] gottlicher gnediger tzusagung der hymel geben wirt, Wie er vorspricht Matt. 16: Willtu eyngehn ynß leben, ßo hallt die gepott, — was wollen wyr denn mit unßernn elenden gutten wercken unß vormessen, preyssen dieselben ßo fast, alß weren sie von yhrer natur und nit auß lauter gottis vorsprechen und gnedigem tzusagen wirdigk des hymelreychs?

       Darumb hatt unß gott geben tzum ersten eynen menschen, der fur unß alle der gotlichen gerechtickeyt aller ding gnugthet. Zum andernn auch durch denselben menschen solch gnade und reychtumb außgeusset, auff das, obwol wir solch gnade umbsonst und on vordienst, ia, mit grossen unuordienst und unwirdickeyt empfahen, ßo ist sie unß doch nit umbsonst, noch on wirdigen [Röm. 5, 17 ff.] vordienst geben. Szondernn, als S. Paulus Ro. 5. leret: Gleych wie wyr durch [WA s. 124] Adam ynn der naturlichen gepurt on unßer vordienst und eygen vormirckung ynn die sund kummen, die unß angeporn wirt, Alßo widderumb ynn der widdergepurt on unßer vordienst und eygen wircken durch Christum ynn die gnade und selickeyt kummen. Darumb ist der heylig Apostel ßo vleyssig an allen ortten, wo er die gnade und den glawben predigt, datzu setzen: durch Jesum Chistum; auff das nit yemand eynher plumpe 1 und sprech: ia, ich glawbe ynn gott und laß dabey bleyben. Neyn, lieber mensch, du must alßo glawben, das du wissist, wie und durch wilchen du must glewben, das gott von dyr will haben aller seyner gepott erfullung unnd gnugthuung seyner gerechtickeyt, ehe er deynen glawben auffnympt tzur selickeyt, und ob du gnugthun mochtist, dennoch nur auß gnaden, nit auß pflicht der selickeytt wartten sollist, das deyn stoltzirn unnd vormessenn tzu poden ernyderlige fur gottis augen. Sihe, datzu dienet nu Christus, durch wilchen dyr solch gnade unnd selickeyt geben wirt, alß durch denen, der an deyner statt und fur dich allem gotlichem gepott unnd seyner gerechtickeyt gnugthan hatt ubirflussig, datzu er auch wirdig ist, das durch yhn auch die gnad unnd selickeyt dyr geben werde. Das heysset denn eyn rechter Christlicher glawb.

       keyn glawb gnugsam seyn on Christlichen glawben, wilcher ynn Christum glewbt und allein durch Christum, und sonst nit, empfehet alle diße tzwey stuck. Nemlich: gnugthuung gottlicher gerechtickeytt unnd gnade [Röm 4, 25] odder schanckung der ewigen selickeytt. Alßo spricht Paulus Ro. 4: Christus [WA s. 125] ist ubirgeben umb unßer sund und aufferstanden umb unßer rechtfertigung willen. Nit alleyn die sund abtzulegenn und gottis gepott erfullen, sondern, auch, das wyr wirdig durch yhn wurden, gerecht und der gnaden kinder zu [Röm. 3, 25] seyn. Item Ro. 3: Gott hatt unß Christum furgesetzt tzu eynem gnadenthron durch denn glawben ynn seynem blutt. Nitt alleyn den schlechten glawben, ßondernn ynn seynem blut, damit er ynn unßer person gnugthan hatt und alßo unß worden ist eyn thron der gnaden, das wyr beyderley empfahenn, ablaß und gnad, on unßer kost und muhe, aber nit on Christus kost und muhe. Darumb mussen wyr unß unter dießer gluckhennenn flugel schmucken unnd nit ynn eygenß glawbenß vormessenheytt außflihen, der kuchelwey wyrt unß sonst schwind fressen. Es muß nitt durch unßer gerechtickeytt, sondernn, alß ich offt gesagt, yn Christus selbeygener gerechtickeytt, unß dargepreyttett tzu eynem tabernackel und fittich, unßer selickeytt bestehen. Denn unß glawb unnd allis, was wyr haben mugenn auß gott, ist nitt gnugsam, ya, es ist nitt rechtschaffen, es thu sich denn unter die flugel dießer gluckhennen und glewb festiglich, das nitt wyr, ßondern Christus fur unß gottis gerechtickeyt gnugthun mag und than habe, und nit umb unßers glawbens willen, ßondern durch Christus willen unß gnade und selickeyt geben werde, das alßo allenthalben lautter gnade gottis erkennet werde ynn Christo und durch Christum unß zugesagt, erworben und geben. Das meynet er, da [Joh. 14, 6] er sagt Joan. 6: Niemant kumpt zum vatter, denn alleyn durch mich, und ym gantzen Euangelio thutt er nit mehr, denn zeugt unß auß unß und in sich, breyttet seyne flugel auß  unnd locket unß unter sich. Das will auch S. Pau. am end dießer Epistell, da er spricht:

[WA s. 126]

 

 

[Tit. 3, 7] Auff das myr gerechtferttiget durch desselben gnade Erbe seyn des ewigen lebens inn hoffnung.

Er spricht nitt: durch unßernn glawben, ßondernn; durch desselben Christus gnade, das ist, das Christus alleyn fur gott ynn gnaden ist, allen gottis willen than unnd das ewige leben vordient. Nu er aber das nit fur sich, ßondern fur unß than hatt, ßo sollen alle, die ynn yhn glewben, seyn alßo hoch genießen, das durch yhn und seyne gnade sie allis das than geachtet werden was Christus fur sie than hatt. Sihe, wilch eyn reych unaußsprechlich ding ist der Christliche glawbe, wilch groß unbegreyffliche gutter er bringt allen glewbigen! Darauß last unß lernen, wilch eyn kostlich predigt das Euangelium sey, darynn solchs gepredigt wyrtt, unnd was die fur schaden thun und seelen vorterben, die das Euangelium schweygen, und gesetz, werck, ya, yhr eygen menschenlere predigenn. Drumb hutt dich fur falschen predigen, ya, auch fur falschem glawben, bleyb nit auff dyr selb oder auff deynem glawben, kreuch inn Christum, hallt dich unter seyne flugel, bleyb unter seynem deckel, laß nit deyn, ßondern seyne gerechtickeyt unnd seyne gnad deyn deckell seyn, das du [Tit. 3, 7] nit durch deyne empfangene gnade, sondern, wie alhie S. Pau. sagt, durch [Ps. 91, 4] seyne gnade eyn erbe seyist des ewigen lebens. Alßo sagt auch Ps. 90: Er wirtt dich mit seynen schuldern ubirdecken und unter seynen flugeln wirtt [WA s. 127] [Hohel. 2, 14] deyne hoffnung bestehen. Und ynn Canti. spricht er: Meyne brawtt ist eyn tawbe, die do nistet ynn den loechernn des felßen unnd ynn den maurklufften, das ist, ynn Christus wunden wirtt die seel behallten. Sihe, das ist der rechte Christliche glawbe, der nit ynn und auff yhm selber, wie die Naturlichen Sophisten dauon trewmen, ßondern yn Christum kreucht und unter yhn [Tit. 3, 7] unnd durch yhn behallten wirtt.

       Das wyr erbe sind des ewigenn lebenß ynn der hoffnung, ist gnugsam droben gesagt, wie die gnad on alle werck alliß gibt auff eynmal, selickeyt, erbe &c.., doch ynn der hoffnung; denn es ist noch tzugedeckt biß ynn den todt, da werden wyr sehen, was wyr ym glawben empfangen und besessen haben.

 

 

Der harnsch dißer Epistell.

Dieße Epistell streyttet starck unnd mit außgedruckten wortten widder alle gerechtickeyt und gutte werck menschlicher vornunfft, vormuegen und freyen [Tit. 3, 5] willen. Die wort sind klar, da er spricht: Nit auß den wercken der gerechtickeyt, die wyr than haben, ßondernn nach seyner barmhertzickeyt hatt er uns selig gemacht &c.. Unnd tzwar alle wortt streytten widder dieselben gerechtickeyt; denn er gibts gantz und gar dem bad der widdergepurt, der vornewrung, dem heyligen geyst, Jhesu Christo und seyner gnad &c.. Wie mag fur solchen donnerschlegen noch bestehen yrgend eyne vormessenheyt ynn uns?

       Darumb laß gleyssen alle welltliche und geystliche recht, laß scheynen aller pfaffen, muench, Nonnen stand, laß leuchten aller bidderman und weyben erbirß leben, wie es mag, laß sie gleych todten auffwecken, ist nit der [WA s. 128] glawbe da ynn Christo, ßo ists schon nichts. Noch vorblendet unnd vorfurett solch gleyssen die gantze wellt und vortunckellt unß die heyligen Euangelia und Christlichen glawben. Alß wenig nu helffen tzur selickeyt alle werck der thieren odder handwerck der menschen, ßo wenig helffen auch die obgenanten scheynende [Matth. 7, 15] werck und stende der menschen. Ja, sie hyndernn datzu auffs aller schedlichst. Drumb huett dich fur den wolffen ynn den schaffskleydernn und lern dich an Christum hallten ynn eynem rechten, freyen glawben.

 

 

 

 

 

Das Euangelium ynn der frue Christmesß. [Luk. 2, 15 –20] Luce. ij.

 

1522[WA s. 128]

       Die menschen, die hirtten, haben unternander geredt: last unß gehen biß gen Bethlehem und sehen das wort, das da geschehen ist, wilchs got der herr gewirckt unnd unß kundgethan hatt. Und sind eylend kummen und haben funden beyde, Mariam und Joseph, und das kindt gelegt ynn eyn krippenn; und alß sie das gesehen, haben sie kund gemacht die rede, die tzu yhnen geschehen war von dem kindt, unnd alle, die es hoereten, haben sich vorwundert der rede, die von den hirtten yhn gesagt wurden. Maria aber hatt alle dieße rede behallten und sie ynn yhrem hertzen bewegt. Und die hirtten sind widderumb kerett, haben gott geehret unnd gelobt ynn allen dingen, die sie gehoeret und gesehen haben, wie dann yhn gesagt war.

[WA s. 129]

 

 

       Das Euangelium ist fast leycht auß des vorigen außlegen tzuuornehmen; denn es tzeygt an eyn exempell und voltzihung der lere, die ym vorigen Euangelio geben ist, da die hirtten gethan und gefunden haben, wie yhnen von den Engellnn gesagt ist. Drumb hellt das Euangelium ynnen, was die folge und frucht sind des worts gottis, und wilchs die tzeychen sind, dabey man erkennet, ob das wort gottis ynn unß haffte und gewirckt habe.

       Das erste und das hewbt-stuck ist der glawbe; denn wo diße hirtten nitt hetten dem Engel glewbt, weren sie nit gen Bethlehem gangen, hetten auch der dinger keyniß than, die von yhn ym Euangelio ertzelet werden. Das aber yemand mocht sagen: Jha, ich wollt auch wol glewben, wenn myrß eyn engel alßo vom hymel vorkundiget, ist nichts geredt; denn wer das wortt an yhm selb nit auffnympt, der nympts nymmer mehr auff umb der prediger willen, wenn yhm gleych alle engel predigten. Und wer eß auffnympt umb des predigerß willen, der glewbt nit dem wortt, auch nit ynn gott durchs wortt, ßondernn er glewbt dem prediger unnd ynn den prediger. Drumb bestehet seyn glawb auch nit lange. Wer aber dem wort glewbt, der achtet nit, wer die person ist, die das wort sagt, unnd ehret auch nitt das wortt umb der person willen, ßondern widderumb die person ehret er umb des wortts willen, setzt ymer die person ubir das wortt, und ob die person untergienge odder gleych vom glawben viele und anderß predigete, ßo lest er ehe die person, denn das wortt faren, bleyt auff dem, das er gehort hatt. Es sey person, es kumme person, es gehe person, wie und wenn es mag und will. [WA s. 130]

       Das ist auch der recht unterscheyd des gottlichen glawbens und menschlichen glawbenß: Das der menschlich glawbe hafftet auff der person, glewbt, trawt und ehret das wortt umb des willen, der es sagt. Aber der gottlich glawb widderumb hafftet auff dem wortt, das gott selber ist, glewbt, trawt und ehret das wortt nitt umb des willen, der es gesagt hatt, ßondern er fulet, das ßo gewiß war ist, das yhn niemant dauon mehr reyssen kan, wenß gleych derselb prediger thett; das wirtt beweysset an den Samaritanen [Joh. 4, 42] Joan. 4.: Da sie tzum ersten von Christo gehortt hatten das heydnische weyble unnd auff yhr wortt tzu Christo auß der statt gangen, da sie yhn selb hoereten, sprachen sie tzu dem weyb: Nu glewben wyr nit mehr umb deyner rede willen. Denn wyr erkennen nu selbs, das ditz ist der wellt heyland. Widderumb alle, die do Christo glewbten umb seyner person unnd seyner wundertzeychen willen, die vielen alle ab, da er gecreutziget wart. Alßo ists itzt und altzeyt geweßen. Das wortt fur sich selbs, on alles auffsehen der person, muß dem hertzen gnugthun, den menschen beschliessen und begreyffen, das er gleych drynn gefangen fulet, wie war und recht es sey, wenn gleych alle wellt, alle Engel, alle fursten der hell anderß sagten, ya, wenn gott gleych selb anderß sagt, alß er tzuweylen vorsucht seyn außerweleten [1. Mose 22, 1 ff. 32, 24 ff.] und stellet sich, alß wollt er anderß, denn er vorhyn gesagt hat; wie dem Abraham geschach, da er seynen son Isaac geheyssen wart tzu opffern, und [2. Sam. 15, 14 ff.] Jacob ynn seynem kampff mit dem Engel, und Dauid, da er voriagt wartt von Absalom, seynem ßon. &c..

[WA s. 131]

       Dießer glawb bestehet, ynn leben und sterben, ynn hell und hymel, unnd mag yhn keyn ding umbwerffen. Denn er  steht auff dem bloßen wortt mit vorachtung alle personen. Solchen glawben haben diße hirtten auch [Luk. 2, 15] gehabt; denn sie fallen tzu und hangen ßo gar am wortt, das sie der Engel vorgessen, die es yhn gesagt haben; sprechen nit: last unß gehen unnd sehen das wortt, das unß die Engel kundtthan haben, ßondernn: das unß gott kundthan hatt, der Engel ist schon ßo bald vorgessen, und nur das wortt [Luk. 2, 19] gottis gefasset. Desselben gleychen spricht Lucas ym text von Marien, das sie hab ynn yhrem hertzen die wortt behalten und bewogen, on tzweyfell hat sich nichts lassen anfechten die geringe person der hirtten, ßondernn hatt es alliß fur gottis wortt gehallten. Nit alleyne sie, ßondernn auch die andernn alle, die solche rede von den hirtten hoereten und sich vorwundertten, wie der text [Luk. 2, 18] sagt. Alle haben sie nur an dem wort gehangen. Und wiewol das eyn weyße ist der hebreischen sprach, das, wenn sie von eynem geschicht sagt, spricht [Luk. 2, 15. 17] sie: Wollen sehen das wort, wie hie Lucas redet, Darumb das die geschicht ynn die wortt gefasset und dadurch kundgemacht werdenn, ßo ists doch auch darumb alßo vorschafft von gott, das der glawbe wurd außgedruckt, wilcher an dem wortt hanget und auff das wortt sich ergibt, das von der geschicht gesagt wirt. Denn Christus leben und leyden, wo es nit ynn das wort vorfasset were, daran der glawbe hafften muge, were es keyn nutz geweßenn, dieweyll alle, die es sahen mit augen, keyn frucht dauon empfiengen odder gar wenig.

[WA s. 132]

 

Das ander stuck: Die eynmutickeytt des geystis. Denn das ist die artt des Christlichen glawbens, das er die hertzen eyniß macht, das sie eyniß sinnes [Ps. 68, 7] und eyniß willenß sey, wie Ps. 67. dauon gesagt ist: Gott der herr, Christus, [Ps. 133, 1] unßer gott macht eynmutige woner ym hawß, unnd Ps. 132: Ey, wie feyn und lustig ists, das die bruder eyniß mittenander wonen. Von der eynickeyt [Röm. 12, 16, 1. Cor. 12, 4 ff. Eph. 4, 3 [!]] des geysts redet S. Paul an viel ortten, Ro. 12. 1. Cor. 12. und Ephe. 5. Da er sagt: seyt yhe vleyssig, das yhr eyniß sinnes, eyniß willenß seydt. Solch eynickeyt ist nit muglich außer dem glawben. Denn eym iglichen gefellet seyne weyße wol, drumb ist das land (wie man sagt) narren voll. Das sihet man ynn der erfarung, wie die orden, stend und secten unternander tzurteyllet sind. Eyn iglicher achtet, seyn orden, seyn stand, seyn weßen, seyn werck, seyn furnehmen sey das beste und der rechte weg tzum hymel, voracht den andern unnd nympt sich seyn nit an; Wie wyr sehen itzt unter den pfaffen, Munchen, Bischoffen und allem, was geystlich ist. Aber die eynen rechten glawben haben, die wissen, das es gar am glawben ligt, darynnen stymmen sie eyntrechticklich. Drumb teylen und uneynigen sie sich umb keyniß eußerlichen stands, wandels odder wercks willen. Es ist yhnen allis gleych, wie mangerley es auch sey, was eußerlich ist. Alßo sind hie die hirtten eyniß [WA s. 133] [Luk. 2, 15] synneß, eyniß willens, reden unterander eyne meynung, eynerley wortt, und sprechen: last uns gehen &c..

       Das dritte ist demutt, das sie sich erkennenn alß menschen. Drumb [Luk. 2, 15] setzt der Euangelist hyntzu und spricht: Die menschen, die hirtten &c.. Denn der glawb leret alßo bald, das allis, was menschlich ist, sey nichts fur gott. Drumb vorachten sie sich unnd hallten nichts von yhn selbs, wilchs ist ware, grundliche demutt und seyneß selbs erkennen. Die demutt bringt denn mit sich, das sie nichts fragen nach allem, das da groß und hoch ist ynn der wellt, und hallten sich tzu den geringen, armen, vorachten menschen. Wie Paulus [Röm. 12, 16] Ro. 12. leret unnd spricht: Sehet nit nach dem, das do hoch ist, ßondernn [Ps. 15, 4] haltet euch tzu denen, die da geringe sindt. Wie auch Ps. 14. sagt: Der gerechte vorachtet den vorechter und ehret die gotfurchtigen. Auß dem allen folgt denn frid; denn wer do nichts achtett alliß, was eußerlich und groß, der lesset es leychtlich faren und tzanckt mit niemant drumb. Er fuelet wol eyn bessers ynwendig ym glawben seyneß hertzen. Man findet auch woll eynmuetigkeyt, frid und demutt unter den mordernn, offentlichen ßundernn, auch unter den gleyßnernn; Es ist aber eyn eynickeyt des fleysches und nit des geysts, wie [Luk. 23, 12] Pilatus unnd Herodes mitteynander eynß wurden, gegenander frid und demutt [WA s. 134] [Ps. 2, 2] hatten. Auch die Juden, wie Ps. 2. sagt: Es sind die kunige der erden und fursten mitteynander eyniß worden widder Christum. Alßo ist auch der Bapst, Munch und pfaffen eyniß, wenn sie widder gott streben sollen, die doch sonst eyttell secten unternandern sind. Drumb heyst ditz eyn eynmuettigkeyt, demut  und frid des geystis, das sie ist ubir und ynn geystlichen dingen, das ist ynn Christo.

       Das vierd ist liebe tzum nehisten und seynß selbs vorachtung; das [Luk. 2, 16] beweyßen die hirtten, das sie yhr schaff lassen und gehen hynn, nit tzu den hohen und grosse herrnn tzu Hierusalem, nit tzu den radtsherrnn tzu Bethlehem, ßondernn tzu dem armen hewfflin ym stall, ertzeygen und hallten sich tzu den nydrigen, on tzweyffell willig und bereytt, tzu dienen und thun, was von yhn begerd wurd. Wer der glaub nit da geweßen, sie wurden nit ßo von den schaffen gangen unnd das yhre haben ligen lassen, tzuuor ßo es yhn die engel nit gepotten hatten; denn sie thetten es auß freyem willen und [Luk. 2, 15. 16] eygem radt, wie der text sagt: sihe haben mitteynander dauon geredt und sind eylends kommen, ßo doch der Engel yhn nichts befalh, nit vormanet, nicht ried, ßondernn tzeygt yhn nur an, was sie findenn wurden, ließ ynn yhrem freyen willen, ob sie gehen und suchen wollten. Alßo thut die liebe auch, die hatt keyn gepot, sie thut von yhr selb alle ding, eylet und seumet [WA s. 135] nit, ist yhr gnug, das yhr nur tzeygt wirt, sie darff und leydet keynen treyber. Ach dauon were viel tzusagen! Alßo sollt eyn Christlich leben gehen freywillig ynn der liebe, seyn selb und des seynen vorgessen, nur auff unnd tzu dem [Phil. 2, 4 [!]] nehsten gedencken unnd eylen, wie .S. Paulus Ephe. 5. sagt: Niemant sehe [Gal. 6, 2 [!]] an, was seyn ist, ßondernn was des andernn ist, Und Gal. 5: Eyn iglicher trage des andernn burden, und alßo werdett yhr erfullen das gesetz Christi. Aber nu hatt der Bapst mit seynen Bischoffen unnd pfaffen die wellt voll gesetz unnd tzwangs gemacht, und ist nichts mehr itzt ynn aller wellt, denn eyttel treyben und engisten, keyn freywilliger orden odder stand mehr, wie denn vorkundigt ist, das die lieb vorleschen solt, und die wellt mit menschen lere vorderbet werden.

       Das funfft ist frewd, wilche sich ertzeygt ynn de wortten, das man gernn dauon redet und hoeret, das der glawbe ym hertzen hat empfangen. Alßo hie die hirtten schwetzen mitteynander frolich und freuntlich von dem, das sie gehoertt und gleubt hatten, und machen fast viel wort, alß wollten sie [Luk. 2, 15] unnutz schwetzen; sie haben nit gnug, das sie sagen: last uns gehen gen Bethlehem und sehen das wort, das da geschehen ist, thun dazu und sagen: Wilchs gott gethan hatt unnd unß kund gethan; ists nit eyn ubrig geschwetz, das sie sagen: das da geschehen ist, das gott gethan hatt? Hetten sie es doch wol mit kurtzen worten geredt: Alßo last unß sehen das wort, das gott alda than hat. Aber die freud des geystis geht alß ubir mit frolichen worten, [WA s. 136] und ist doch nichts ubrig, ia, noch alleß tzu wenig, unnd kunnen es nit ßo [Ps. 45, 2] erauß schutten, wie sie gernn wollten, wie Ps. 44. sagt: Meyn hertz schluckt erauß eynn guttis wort, alß sollt er sagen: Ich wollts gern erauß sagen, ßo kan ich nit. Es ist grosser, denn ichs sagen kann, das meyn sagen kaumet [Ps. 35, 28 [!] 71, 24] eyn schlucken ist; daher kompt die rede Ps. 50. und an mehr ortten: Meyn tzung wirt eraußhupffenn deyn gerechtickeyt, das ist, mit freuden und [Ps. 119, 171] sprungen dauon reden, singen und sagen &c.. Und Ps. 118: Meyn lippen werden dyr eyn lob eraußschewmen, gleych wie eyn siedend topffenn quillet und schewmet.

       Das sechst, das sie mit der that folgen; denn alß S. Paulus sagt 1. Cor. 3: [1. Kor. 4, 20 [!]] Gottis reich stett nit ynn wortten, ßondernn ynn der thatt. Alßo [Luk 2, 15. 16] hie die hirtten sagen nit alleyn: last uns gehen und sehen, ßondernn sind auch gangen, Ja, sie thun mehr, denn sie sagen; denn der text spricht: Sie sind eylend kummen, das ist yhe mehr denn schlecht gehen, wie sie sich vorsprochen hatten. Alßo thut der glawb unnd die liebe altzeyt mehr, denn er sagt, und yhr ding ist alliß lebendig, schefftig, thettig und ubirflussig. Alßo soll eyn Christen wenig wortt und viel that machen, wie er denn gewißlich thut, ßo er eyn recht Christen ist. Thut er aber nit alßo, ßo ist er noch nit eyn recht Christen.

       Das siebend ist, das sie frey bekennen unnd offentlich predigen das wortt, das yhn gesagt war von dem kind; wilchs ist das hohist werck ym Christlichen leben, daran man muß wagen leyb und leben, gutt und ehre; denn recht glewben unnd wol leben heymlich und bey yhm selbs, fichtet der [WA s. 137] boeß geyst nit ßo hart an. Aber wenn man will erauß faren und dasselb außpreytten, bekennen, predigen und lobenn, auch den andernn tzu gutt, das [Luk. 2, 17] mag er nit leydenn. Drumb spricht Lucas alhie, das sie nit alleyn kommen sind und gesehen haben, ßondern haben auch  vorkundigt von dem kindt, was sie gehoeret hatten auff dem feld, nit alleyn fur Marien unnd Joseph, ßondernn fur yederman. Meynstu nit, das yhr viel geweßen sind, die sie fur narren unnd unsynnige leutt gehallten habenn, das sie sich unterstunden, alß grob ungelerte leyen tzu reden von Engelischem gesang unnd prediget? Wie sollt ytzt der eyner empfangen werden, ßo er fur Bapst, Bischoff unnd gelerten furbrecht solch mehre, ia viel geringerß? Aber die hirtten voll glawbens unnd freud waren gernn nerrisch fur den menschen umb gottis willen. Alßo thut eyn Christenmensch auch; denn es muß gottis wortt fur narrheyt und yrthum gehallten werden auff dißer wellt.

       Das acht ist Christliche freyheyt, wilche an keyn werck gepunden ist, ßondernn alle werck gleych sind eynem Christen, wie sie yhm furkummen; denn diße hirtten lauffen ynn keyn wußten, tzihen keyn kutten an, bescheren keyne blatten, wandelln widder kleytt, tzeytt, speyß, tranck, noch keyn außerlich werck, gehen widder an yhr hurtten, dienen gott ynn demselben. Denn eynn Christlich weßen steht nit ynn eußerlichem wandel, es wandellt auch den menschen nit nach dem eußerlichen stand, ßondernn nach dem ynnerlichen, das ist, es gibt eyn ander hertz, eyn andernn mutt, willen und synn, wilcher eben die werck thut, die eyn ander on solchen mutt und willen thutt; denn eyn [WA s. 138] Christen weyß, das es gar am glawben ligt; drumb geht, steht, ysset, trinckt, kleydet, wirckt, wandellt er wie ßonst eyn gemeyn man ynn seynem stand, das [Luk. 17, 20.21] man nit gewar wirt seyniß Christenthumß, wie Christus sagt Luce. 17: Das reich gottis kumpt nit mit eußerlicher weyße unnd leßt sich nit sagen: Sihe hie odder da, ßondern das reych gottis ist ynn ewrem ynwendigsten. Widder diße freyheyt streyt der Bapst und der geystlich stand mit yhren gesetzen und erweleten kleydernn, speyßen, gepeten, stetten und personen, fangen sich selb und yderman mit solchen seelstricken, da sie die wellt mit erfullet haben, wie S. Antonius ym gesicht sahe; denn sie meynen, es lige an yhrem weßen und wercken, das man selig werde, nennen ander leutt welltliche, ßo sie selb woll sieben mal welltlich sind, seyntemal yhr ding alliß ist menschenwerck, dauon gott nichts gepotten hatt.

       Das neund und letzt ist gott loben und dancken; denn keyn werck konnen wyr gott widdergeben fur solch seyne gutte und gnade, on das lob und den danck, wilchs auch alßdenn von hertzen geht und nit viel orgelln, glocken unnd plerren bedarff. Der glawb leret wol solch lob und danck, wie hie von den hirtten geschrieben ist, das sie sind wider zu yhrer hurtten gangen mit lob und danck, sindt fast wol tzufriden, ob sie nit reycher worden sind, ob sie nit hoher geehret, nit besser essen unnd trincken, nit besser handwerck treyben mussen. Sihe, alßo hastu ynn dißem Euangelio abgemallt eynn recht [WA s. 139] Christlich leben tzuuor nach seynem eußerlichem weßen, das es außwendig nichts odder gar wenig scheynet fur den leutten, ia, yrthum und narrwerck ist fur dem mehrer teyl, aber ynnwendig ist es eyttel liecht, freud und selickeyt. [Gal. 5, 22] Daher sihet man nu, was der Apostel meynet, da er Gal. 5. die frucht des geystis ertzehlet und spricht: Die frucht des geystis (das ist die werck des glaubenß) sind lieb, freud, fried, guttickeyt, leutseligkeyt, gedult, traw, sanfftmuetickeyt, keuscheytt; da wirt gar kein person, tzeyt, speyß, kleyder, stet odder dergleychen erleßen menschenwercke ertzelet, wie wyr ynn der papisten leben sehen schwermenn.

       Was aber sey Christum finden ynn solchem armutt, und was bedeutte seyn kindwindel und krippen, ist ym vorigen Euangelio gesagt, das seyn armut lere, wie wyr yhn sollen finden ynn unßerm nehsten, dem geringsten und durfftigen. Und seyn windel sey die heyligen schrifft, das wyr ym wircklichen leben sollen unß tzu den durfftigen hallten, ym studirn und schawlichen leben nur tzur schrifft, auff das Christus alleyn der man sey beydes lebenß und an allen enden fur unß lige. Aristoteles, Bapsts und aller menschen bucher soll man meyden oder alßo leßen, das wyr nit der seelen besserung darynnen suchen, ßondernn die tzeyt unnd diß leben damit ube, wie man eyn handwerck odder welltlich recht lernt. Aber das ist nit vorgebenß geschehen, das .S. Lucas Mariam fur Joseph unnd sie beyd fur dem kindle [Luk. 2, 16] setzt, spricht: Sie haben funden Mariam, Joseph und das kindle ynn der [WA s. 140] krippen. Nu ist droben gesagt, Maria sey Christliche kirche, Joseph der kirchen diener, alßo da seyn sollten die Bischoff und pfarrer, wenn sie predigeten das Euangelium. Nu wirt die kirch furgetzogen den prelaten der kirchen, [Luk. 22, 26[!]] wie auch Christus sagt Luce. 21: Wer unter euch der grosser seynn will, soll der unterist seyn. Wiewol das nu itzt umbkeret ist, das auch nit wunder ist, weyl sie das Euangelium furworffen unnd menschengeschwetz erhoht haben. [Luk. 2, 19] Die Christlich kirche behellt nu alle wort gottis ynn yhrem hertzen unnd bewigt dieselben, hellt sie gegennander und gegen die schrifft. Darumb wer Christum finden soll, der muß die kirchen am ersten finden. Wie wollt man wissen, wo Christus were und seyn glawbe, wenn man nit wiste, wo seyn glawbigen sind? und wer ettwas von Christo wissen wil, der muß nit yhm selb trawen noch eyn eygen bruck ynn den hymel bawen durch seyn eygen vornunfft, ßondernn tzu der kirchen gehen, dieselb besuchen und fragen.

       Nu ist die kirch nit holtz und steyn, ßondernn der hauff Christglewbiger leutt, tzu der muß man sich hallten und sehen, wie die glewben, leben und leren; die haben Christum gewißlich bey sich, denn außer der Christlichen kirchen ist keyn warheytt, keyn Christus, keyn selickeyt. Darauß folgt, es sey unsicher und falsch, das der Bapst odder eyn bischoff will yhm alleyn geglewbt haben und sich fur eynen meyster außgibt; denn dieselben yrren alle und muegen yrren. Aber yhr lere soll dem howffen unterthan seyn. Was sie [WA s. 141] leren, soll die gemeyn urteyllen und richten, demselben urteyl soll man gestehen, auff das Maria ehe denn Joseph funden werd, die kirch den [Luk. 2, 19] predigern furgetzogen werd; denn nit Joseph, ßondernn Maria behelt diße wortt ynn yhrem hertzen, bewigt und hellt sie tzusammen odder gegenander. [1. Kor. 14, 29. 30] Das hatt auch der Apostel .1. Corin. 14. geleret, da er sagt: Eyner odder tzween sollen außlegen die schrifft, Die andernn sollen richten, und wo dem sitzenden wirt ettwas offinbart, soll der erste schweygen. Aber itzt ist der Bapst mit den seynen tyrannen wurden, haben solch Christlich, gottlich, Apostolisch ordnung umbkeret, gantz eyn heydnisch unnd pitagorische weyße auffbracht, das sie muegen sagen, lulaffen unnd alfentzen, was sie wollen, soll sie niemant richten, niemant eynreden, niemant sie heyssen schweygen. Und damit haben sie auch den geyst gedempfft, das man bey yhn widder Maria noch Joseph noch Christum findet, ßondernn eyttel raddten, meuß, otternn unnd schlangen yhrer vorgifftigen leren und heuchlerey.

       Diß Euangelium ist nit fast eyn streytt Euangelium; denn es leret Christliche sitten unnd werck, grundet nit die stuck des glawbenß ßo offentlich, wiewol ynn den mysterijs, wie itzt ertzelet ist, es starck gnug were; aber mysteria streytten nit, es mussen offentliche spruch seyn, die klerlich die artickel des glaubens antzeygen.

[WA s. 142]

 

 

[Hebr. 1, 1 –12] Die Epistell der hohen messen am Christag auß Heb. prima.

 

1522[WA s. 142]

GOtt, der vortzeytten manchmal und mancher weyße hat geredt durch die propheten tzu den veternn, der hatt tzuletzt ynn dissen tagen geredt tzu unß durch seynen ßon, wilchen er gesetzt hatt tzu eynem erben aller creaturn, durch wilchen er auch gemacht hat die wellt. Wilcher ist eyn glantz seyner klarheyt und eyn bildtzeychen seynes weßens, unnd tregt alle ding durch das wort seyner krafft, und hatt gemacht eyn reynigung unßer sund durch sich selb. Sitzt nu tzu der rechten der maiestet ynn der hohe, ßo viel besser worden denn die Engell, ßo viel er gar eynen andernn namen fur yhnen ererbt hatt. Denn tzu wilchem Engel hatt er yhemalß gesagt: Du bist meyn Szon, ich habe dich heutte geporen? Und abermals: Ich werd seyn vatter seyn, und [WA s. 143] er wirtt meyn ßon seyn. Und da er abermal eynfurett den erstgeporn ßon ynn diße wellt, spricht er: Es sollen yhn anbeten alle gottis Engel. Von den Engelln sagt er wol: Er macht seyn Engel geyster und seyne diener fewrflammen. Aber von dem ßon: O gott, deyn kunigstuel bestehet von wellt tzu wellt, das scepter deynes reychs ist eyn scepter der richtickeyt. Du hast die gerechtickeyt lieb gehabt unnd gehasset die ungerechtickeyt. Darumb hatt dich deyn gott got gesalbet mit dem oele der freuden fur deynen miterben. Unnd: O gott, du hast ym anbegynn das erdreich gegrundt, und die hymel sind deyner henden werck. Sie werden vorgehen, aber du wirst bleyben, und sie werden alle vorallten wie eyn kleyd, und wie eyn gewand wirstu sie wandelln, unnd sie werden sich wandlen lassen. Du aber bist derselbe, und deyne iar werdenn nit ende haben.

 

Das ist eyn starcke, mechtige und hohe Epistell, die da hoch herferett und treybt den hohen artickel des glawbens von der gottheyt Christi, unnd ist eyn glewbwirdiger wahn, sie sey nit sanct Pauls, darumb das sie gar eyn geschmuckter rede furt, denn S. Paulus an andernn ortten pflegt. Ettlich meynen sie sey S. Lucas. Ettlich S. Apollo, wilchen S. Lucas rumet, wie [Apg. 18, 24] er ynn der schrifft mechtig sey geweßen widder die Juden, Act. 18. Es ist yhe war, das keyn Epistel mit solchen gewallt die schrifft furet alß diße, das eyn trefflicher Apostolischer man geweßen ist, er sey auch, wer er woll. Nu diße Epistel thut nitt mehr denn grundet und foddert den glawben von der [WA s. 144] gottheit Christi, wie ich gesagt habe, das fast keyne ortt der Biblie ßo krefftig denselben artickel drauff dringt; drumb mussen wyr drauff bleyben und sie von stuck tzu stuck handellnn.

       Zum ersten ist des Apostols meynung die, das er die Judenn gernn hett tzum Christlichen glawben brachtt, dringt sie warlich hart, wie wyr hoeren werden, das sie nit muegen leugnen, Christus sey warer gott. Szo er aber nu Gott unnd gottis ßon ist und hatt unß nu selb gepredigt, selb fur unß gelitten, ßo foddert es die nodt und billickeyt, das wir nu viel mehr yhm [Hebr. 1, 1] glewben. Szo die veter vor tzeytten glewbt haben, da er nur durch die propheten redte. Alßo hellt er gegenander die prediger unnd schueler, die vetter unnd unß, das sind die schueler, die propheten und Christum, das sind die prediger, unß predigt der Szon der herr selbs, Den vettern predigten die knecht. Szo nu die veter den knechten glewbt haben, wie viel mehr hetten sie dem herrnn selb glewbt? Und ßo wyr dem herrnn nit glewben, wie viel weniger hetten wyr den knechten glewbt, unnd treybt alßo eyns durchs ander, das unßer unglawb gar grewlich geschendt wirt gegen der vetter glawben. Widderumb der vetter glawb gar hoch geehret gegen unßerm glawben. Unnd [Hebr. 1, 1] das mehret noch sehrer unßer schand, das gott tzu den vettern nit eyn mal, ßondernn viel mal, nit eynerley weyße, ßondernn mancherley weyß geredt, und [WA s. 145] sie dennoch alle mal, alle tzeyt glewbt haben. Und wyr durch solch exempel nit bewegt werden, auch eyn mal dem herrnn selbs tzu glewben. Sihe, alßo gehet er mit gewalltigen reden eynher, die Juden tzu bekeren; dennoch halffs nit.

 

[Hebr. 1, 1] Manch mal und mancher weyß.

Diße tzwey wort meyniß dunckens haben den unterscheyd, das manch mal sich dahynn tzihe, das viel propheten geweßen sind nach eynander, und nit alle prophecien durch eynen propheten noch auff eyne tzeyt geschehen sind. [Hebr. 1, 1] Mancher weyß aber gehoere dahynn, das auch durch eynen propheten, schweyg denn durch viele, Gott hatt geredt, itzt anderß, itzt ßo, itzt sonst. Alß tzuweyllen hatt er durch klare wortt außgedruckt, tzuweylen durch bild unnd [Hes. 1, 5 ff. Jes., 32, 1 u. ö. 11, 1, 4, 2] gesichten. Alß Ezechiel die vier Euangelisten durch die vier thier beschriben hatt. Item Isaias tzuweylen sagt er klerlich, Christus werd eyn kuenig seyn. Darnach nennet er yhn eyn Rute unnd blume vom stam Jesse. Item eyn hohe frucht der erden, und ßo fort an, ist durch mancherley weyß von Christo [2. Mose 12 –14] geredt. Ubir das ist auch mancherley weyß darauff gedeuttet, das er dem volck Israel auch tzeytlich tzu helffen anderß und anderß sagt; denn es war eyn ander weyß, da er sie durch Mosen auß Aegypten furet, Aber eyn ander, da er sie durchs roette mehr furet. Anderß, da er Dauid streytten hieß und ßo fortt. Es ist nit eynerley, ßondernn mancherley wortt geweßen, wie denn die werck auch anderß unnd anders waren. Aber der glawb war dennoch ymmer eynerley durch alle mal unnd alle weyße.

       Wie gar feyn und sanfft tzeucht und ladet er die Juden ynn dem, das [WA s. 146] er die vetter furhellt und die propheten und denselben gott. Denn die Juden hallten gar fest an den vetern, propheten und gott, der vor tzeytten tzu [Hebr. 1, 1] yhnen geredt hatt. Wollen aber yhm nu nit glewben und nit tzu hertzen nemen, das gott nit eyn mal, ßondernn viel mal, nit eyner weyße, ßondernn mancher weyße geredt hatt den vettern, wie sie wol wissen und bekennen mussen. Aber nu er aber eyn ander mal und auch auff eyn ander  weyße redet, wollen sie nit glawben. Auff diße weyße hatt er tzuuor nie geredt, wirt auch nymer der weyß reden. Drumb die weyße tzu reden, die sie gern hetten, wirt nymer geschehen. Syntemal er nach nie keyn mal vortzeytten hatt auff die weyße geredt, die von yhnen furgeben were; den das hyndertt den glawben und gottis werck. Man muß yhm befelhen tzeyt, person und [Hebr. 1, 2] weyßen tzu reden und nur auff den glawben gedencken. Drumb spricht er wol: Zu Letzt; denn da wirtt keyn ander weyß tzu predigen kummen fur dem iungsten tage. Es ist das letzte mal und die letzten weyße, die er willn hatt tzu reden, hat das selbige eynige wort befolhen und hynder sich gelassen, tzu [1. Kor. 11, 26] predigen biß anß ende, wie Paulus sagt. 1. Cor. 11: Szo offt yhr ditz brot esset und dißen kilch trinckt, sollt yhr den todt des herrnn vorkundigen, biß [Hebr. 1, 2] das er komet. Auch sperret er tzu yhr iaffen mit dem, das er sagt: yn dißen [WA s. 147] tagen, das sie nit durffen iaffen auff andere tzukunfftige tage. Sie sind schon hie, die tage, darynn das letzte mal und letzte weyße tzu reden ist angangen.

 

[Hebr. 1, 2] Durch seynen szon.

Da hebt er an den letzten lerer, redner, Apostoln, Christum tzu preyssen und alßo tzu preyssen, das er yhn mit starcker festgrundiger schrifft beweyße eyn naturlichen gottis ßon unnd herrnn alle ding. Und hie sollen wyr eynmal recht Christum erkennen leren, wie sichs mit ym hallt ynn beyden naturn gotlicher und menschlicher, darynnen viel yrren unnd eyns teyl fabeln treyben auß seynen wortten, die sie der gottlichen natur geben, wilch doch der menschlichen natur gepurn, blenden sich selb ynn der schrifft; denn ynn Christus wortten ist das grost auffsehen, wilche der gottlichen, wilche der menschlichen natur tzustehen, ßo sind sie alle leycht und klar. Aber ehe wyr das thun, mussen wyr tzuuor die frag hoeren, ßo ettlich tzu myr mochten sagen: Soll ditz die letzte predigt seyn, Was sagt man denn von Elia und Enoch, das sie kommen sollen widder den Endchrist? Anttwortt ich: Von der tzukunfft Elie hang ich tzwischen hymel und erden und wancke viel stercker dahynn, das er leyplich nit werde kummen, fechte doch nit hart da widder, ich laß glewben odder nit glewben, wer do will, ich weyß wol, das .S. Aug. an eynem ortt sagt, Es sey allen Christen fest eyngebilldet die tzukunfft Elie unnd des Endtichrists. Aber ich weyß auch wol, das keyne schrifft furhanden [WA s. 148] [Mal. 4, 5] ist, die dasselb betzeuge; denn das Malachias .4. von Elia tzukunfftig sagt, [Luk. 1, 17] dringt der Engel Gabriel Luce .1. auff Johannem, den teuffer, und noch viel [Mark. 9, 13] stercker Christus Marci .9., da er sagt alßo: Aber ich sag euch, Elias ist schon kommen, unnd sie haben yhm than, was sie gewollet, wie denn von yhm [Mal. 4, 5] geschriebenn. Szo denn Johannes der Elias ist, von dem geschrieben ist, alß hie der herr sagt, ßo ist die schrifft Malachie schon erfullet; denn es sagt [Mark. 9, 12] keyne mehr von Elia tzukunfft; das aber der herr hart dauor sagt: Elias, wen er kompt, wirt er alle ding widderbrengen, mag wol alßo sich vorstehn lassen, alß hab der herr Elias ampt ertzelet auff die weyß: Ja, ich weyß wol, das Elias soll erst kommen und allis erwidderbringen. Aber er ist schon kommen und hatts than. Dißen vorstand foddert, das er ßo bald auff solch Elias tzukunfft und ampt sagt von seynem leyden, und wie geschrieben ist vom ßon des menschen, das er viel leyde und vorachtet werd. Sollt das nach Elia geschehen, mußt er yhe tzuuor kommen seyn. Drumb weyß ich gar nichts mehr von Elia tzukunfft. Es were denn, das seyn geyst, das ist, das gottis wort widderumb wurd erfurbracht, wie sichs itzt anlesset; denn das der Bapst der Endchrist sey mit dem Turcken, ist myr keyn tzweyfel mehr, glewb was du willt.

       Nu, das wyr widder auff Christum komen, ist tzu glewben festiglich, das Christus sey warer gott und warer mensch, und tzuweylen redet die schrifft [WA s. 149] und er selb alß eyn pur mensch, tzuweylen alß eyn pur gott; alß da er sagt [Joh. 8, 58] Johan. 8: Ehe Abraham wartt, byn ich, das ist von der gottheyt gesagt. [Matth. 20, 23 [!]] Aber da er sagt Matt. 22. tzu Jacob und Johanne: Es ist nit meyn, das ich euch gebe tzu sitzen tzur rechten hand oder tzur lincken hand, das ist von der pur menscheyt geredt, gleych alß dieselb yhr am creutz nit helffen mocht, wie wol ettlich hie groß kunst wollen beweyßen mit yhren finstern außlegen, das sie den ketzern begegnenn. Alßo ist das auch der mensch Christus, da er [Joh. 14, 28, Matth. 23, 37] sagt: der vatter ist grosser denn ich, Johan. 14. Item Mat. 23: Wie offt hab ich wollen deyne kindle samlen wie eyn glucke  unter yhre flugell. Item [Mark. 13, 23] Marci. 13: Von dem tage weyß niemand, widder die Engel noch der ßon, ßondernn alleyn der vater. Ist nit nodt hie die gloße:3 der ßon weyß nit, das ist, er wilß nit sagen. Was thut die gloße? Die menscheyt Christi hat eben wie eyn ander heylige naturlich mensch nitt altzeyt alle ding gedacht, [WA s. 150] geredt, gewollt, gemerckt, wie ettlich eynen allmechtigen menschen auß yhm machen, mengen die tzwo natur und yhr werck ynn eynander unweyßlich; wie er nit alletzeyt alle ding gesehen, gehoeret, gefulet hatt, ßo hatt er auch nit alle ding mit dem hertzen alle tzeytt angesehen, ßondernn, wie yhn gott gefurtt hatt und yhm furbracht, voller gnade und weyßheytt ist er geweßen, das alliß, was yhm furkommen ist, hatt er konnen urteylen und leren. Darumb das die gottheyt, die alleyn alle ding sihet und weyß, ynn yhm personlich und kegenwertig war. Und endlich alles, was von Christus nydrung unnd erhohung ist gesagt, soll dem menschen tzugelegt werden; denn gottlich natur mag widder genyddert noch erhohet werden.

 

[Hebr. 1, 2] wilchen er geseczt hat zu eynem erben aller ding. Das ist nach der menscheyt geredt; denn wyr mussen glewben, das Christus nit alleyn ist nach der gotheytt ubir alle ding, ßondernn auch nach der menscheyt, alßo das Christo dem menschen alle creatur unterthan und unterworffen sind. Er schafft alle ding alß eyn gott, aber alß eyn [Ps. 8, 7] mensch schafft er nichts, und sind yhm doch alle unterthan, wie Dauid Ps. 8. sagt: Alle ding hastu yhm unter die fuß worffen &c..

Alßo ist Christus unßer gott unnd unßer herr; alß eyn gott schafft er unß, als eynem herrnn dienen wyr yhm, und er hirscht ubir unß. Alßo ynn dißer Epistel denckt der Apostel von yhm alß eynem waren gott und herrnn aller dinge zu reden; denn obwol die tzwo natur unterschieden sind, ßo ists doch eyne person, das alliß, was Christus thut odder leydet, hatt gewißlich gott than unnd gelieden, wiewol doch nur eyner natur dasselb begegnett ist. Alß ym gleychniß: Wenn ich sage von eynem vorwundten beyn eynß menschen, sprech ich: [WA s. 151] der mensch ist wund, ßo doch seyn seel odder der gantz mensch nit wund ist, ßondernn eyn stuck seynß leybs, darumb das leyb und seel eyn ding ist. Wie ich nu von leyb und seel reden muß unterschiedlich, alßo auch von Christo. Item, es ist nitt ubel gered, wenn ich sprech: Ich kenne die Sonne nit ynn der nacht, ßo ich sie doch mit der vornunfft wol kenne, aber nit mit den augen. Alßo weyß Christus nichts vom iungsten tag und weyß yhn doch woll &c..

 

[Hebr 1, 2] Durch wilchen er hat die welt gemacht.

Sie da, das ist derselb ßon, der eyn erb ist aller dinger gesetzt nach der menscheyt, unnd doch durch yhn gemacht alle wellt, alß durch eynen gott; eyne person, tzwo natur, tzweyerley werck; eyn Christus, aber tzweyerley artt.Hie gehen die hohen wortt an.

       Es ist yhe klar, das der Apostol rede von dem ßon, der eyn erbe gesetzt und durch yhn alle wellt gemacht ist. Ist denn alles durch yhn gemacht, ßo muß er selb nit gemacht seyn. So folgt yhe klarlich, das er warer gott sey; denn allis, was nit gemacht ist und ist doch ettwas, das muß gott seyn. Widderumb allis, was gemacht ist, das muß creatur und nit gott seyn; denn es hatt seyn weßen nit von yhm selber, ßondernn von dem, derß gemacht hatt. Aber nu sind alle ding durch Christum gemacht, unnd er ist durch keyniß gemacht; ßo hatt er gewißlich seyn weßen von und ynn yhm selbs unnd von keynem gemachten ding, auch von keynem mecher.

       Weytter, ßo er denn eyn ßon ist, ßo mag er nit alleyn seyn, er muß eynen vater haben, unnd ßo gott durch yhn die wellt gemacht hatt, ßo muß derselb gott, der durch yhn die welt gemacht hat, nit der seyn, durch wilchen [WA s. 152] er gemacht hat. Alßo folgt, das tzwo person seyen mussen, der vatter und ßon unterschiedlich, und doch, dieweyll die gottlich natur nur eyn ist unnd nit mehr denn eyn gott seyn mag, ßo schleust sichs, das Christus mit dem vatter eyn warer gott ist, ynn eynem gottlichen weßen, eyn schepffer unnd mecher der wellt, unnd keyn unterscheyd nit da ist, denn das er der ßon und yhener der vater ist, unnd er nit gemacht vom vatter, wie die wellt, ßondernn yn ewickeyt geporn seyn muß, nit kleyner denn der vater,  ßondernn ynn alle weyß und maß yhm gleych, on das er vom vatter und der vatter nit von yhm gepornn ist. Ob das nu die vornunfft nit begreyff, wie es tzugehe, muß sie sich ynn diße wortt und dergleychen gefangen geben unnd glewben; denn wo es begreyfflich were nach der vornunfft, ßo were keyn glaube da; denn es ist [Hebr. 1, 2] klar, das diße wort von tzweyen sagen, da er spricht: Gott hatt durch yhnen die welt gemacht; ßo ists auch klar, das der muß gott seyn, der nit gemacht, ßondernn allis durch yhn gemacht ist. Wie aber das seyn mag, redet nitt und mag die schrifft nitt außreden, es muß glewbt werdenn.

 

[Hebr. 1, 2] Nu behellt die schrifft die weyße, das sie spricht, die wellt sey durch Christum und vom Vatter und ym heyligen geyst geschaffen, wilchs alliß seyn ursach hatt; wiewol nit gnugsam erforschlich noch außsprechlich, doch eyn wenig antzufuren, braucht sie solcher weyß darumb alßo tzu reden, das angetzeygt werde, wie nit der vater von dem ßon, ßondern der ßon von dem vater das gottlich weßen habe, und der vater die erst ursprunglich person ynn der gottheyt [Hebr. 1, 2] sey. Drumb spricht sie nit, das Christus hab die wellt durch den vatter gemacht, ßondernn der vatter durch yhn, das der vatter die erst person bleybe, und von yhm, doch durch den ßon, alle ding kome. Auff solch weyß redet [WA s. 153] [Joh. 1, 3, Kol. 1, 16] auch Joh. 1: Alle ding sind durch yhn gemacht. Und Col. 1: Alle ding [Röm, 11, 36] bestehen durch yhn und ynn yhm. Und Ro. 11: Alle ding auß yhm, durch [Hebr. 1, 2] yhn und ynn yhm. Nu sihestu, wie feyn sich die wortt reymen, das er yhn eyn erben nennet nach der menscheyt; denn wem solten alle gottis gutter billicher tzu erb geben werden, denn dem, der do ßon ist? Er hatt alle gutter odder creatur mitt dem vatter tzugleych geschaffen, aber nu er auch mensch ist unnd ßon, beerbett er sie auch umb des willen, das er ßon ist, unnd ist nu eyn ßon ynn beyden naturn; wo aber herkompt solch weyße tzu reden, werden wyr ym Euangelio horenn.

 

[Hebr. 1, 3] Wilcher da ist eyn glancz seyner klarheyt: und eyn bild seynes weßenß.

Hie druckt er auß, ßo viel es muglich ist, mit ettlichen gleychnißnen, wie Christus eyn ander person denn der vater und doch eyn eyniger warhafftig naturlich gott sey, aber die deutschen unnd latinischen wortt erlangen nit die [Hebr. 1, 3] kriechßen wort des Apostelß gnugsam. Eyn solchen glantz nennet er yhn, der da außgeht von der klarheyt des vatterß, alß da ist die auffgehend morgenrodt von der sonnen, wilcher die gantzen ßonnen mit sich und bey sich hatt und nit eyn stuck des glantzis, ßondernn der gantze glantz der gantzen ßonnen, von der ßonnen leuchtend und an der ßonnen bleybend. Auff das alßo mit eynem wort werd vorstanden die gepurt die eynickeyt der natur, die unterscheyd [WA s. 154] der person; denn Christus wirt on unterlaß ewiglich geporn vom vatter, geht ymer auß, wie die ßonne am morgen, und nitt am mittag odder abent. Unnd ist ia nit der vatter nach der person, wie der glantz nit ist die ßonne, und ist doch bey dem vatter und ynn dem vatter, widder tzuuor noch darnach, ßondernn gleych ewig mit yhn und ynn yhn, wie der glantz tzugleych mit und ynn und an der ßonnen ist.

 

[Hebr. 1, 3] Auch ßo nennet er hie die klarheyt des vatters doxa; das heyst eygentlich ehre odder glorie, darumb das die gottlich natur eyttel gloria und ehre ist, alß die alliß von yhr selbs, nichts von yemand hat, sich von yhr selb ruemen und ehren mag. Nu spricht er, Christus sey eyn gantzer scheyn, eyn voller glantz seyner ehren, das ist, das er auch ynn sich selb die gantz gottheytt hat und alles des sich ruemen und gloriernn mag, des der vatter, on das er vom vatter unnd der vater nit von yhn solchs hatt. Er ist der außgehend glantz der vetterlichen ehre, das ist, er ist eyn geporner gott und nit der geperende got, doch voller und gantzer gott, wie und alß der vatter. Sihe, solch weyße tzu reden gepraucht die schrifft nit von den heyligen, die auch wol gottis ehre [Hebr. 1, 3] sind, das ist, gott tzu ehren gemacht und geschaffen. Aber hie, da er fagt, Christus sey eyn scheyn der vetterlichen ehre, tzwingen die wort dahyn, das die vetterlichen ehre sey ynn demselben glantz, sonst hieß es nit seyner ehren glantz, unnd was soll ich sagen? Diße wort wollen mehr mit dem hertzen vorstanden, denn mit tzungen oder feddernn außgedrukt werden.  Sie sind an yhn selbs klerer denn alle gloß und yhe mehr man sie glosiert, yhe finsterer sie [WA s. 155] werden. Das ist die summa dauon: ynn Christo ist die gantz gottheyt, und yhm gepurt alle ehre alß eynem gott, doch das er dieselb nit von sich selb, ßondern vom vatter habe; das ist ßo viel gesagt: tzwo person, eyn got. Denn vom heyligen geyst redet er an dißem ortt nit, wilcher auch leychtlich glewbt wirt, wenn der mensch ßo weyt bracht wirt, das er tzwo personen mag fur eynen gott hallten.

 

[Hebr. 1, 3] Die ander gleychniß, das er yhn nennet eyn bild oder tzeychen seynes weßens. Ich muß doch urlaub nemen, grob und deutlich tzu reden. Wenn nach eynem menschen wirt eyn bild gemacht, ßo ist dasselb bild nit eyn bild des menschlichen weßens oder natur; denn es ist nit eyn mensch, ßondern steyn odder holtz, und ist eyn bild des steynernn odder hultzen weßens nach dem menschen gemacht. Wenn ich aber kund des menschen weßen nehmen, wie der topffer den than und drauß eyn bild machen, das tzugleych des menschen bild were und auch menschlich weßen odder natur ynn sich gantz begriffe, Sihe, das were eyn weßenlich bild odder eyn bild des menschlichen weßens.Solch bild ist ynn keyner creatur denn alle bilder, die da gemacht werden, synd eyniß andernn weßens und natur, denn das, des bild sie sind. Aber alhie ist der ßon eyn solchs bild veterlichs weßens, das das vetterlich weßen ist das bild selbs, unnd wenn sichs alßo tzimete tzu reden, das bild ist auß dem veterlichen weßen gemacht, das es nit alleyn dem vater gleych und ehnlich ist, ßondernn auch seyn gantzes weßen und natur vollicklich ynn sich begreyfft. Wie auch vom glantz der glorien tzu sagen ist, das der glantz auß der ehren gemacht ist und nit alleyn yhr gleych ist, ßondernn gantz und naturlich ynn sich hatt, das glantz und ehre eyn ding sey. [WA s. 156]

       Nu sihe, wie ich sage von eynem menschen bild: das ist eyn hultzen odder steynen bild, Alßo sag ich: Christus ist eyn gottern bild, das, ßo war alß iheniß bild holtz ist, ßo war ist ditz bild gott; drumb nennet yhn sanct. [Kol. 1, 15 [Hebr. 1, 3]] Paulus eyn bild des lebendigen unsichtlichen gottis.

       Nu, ym hultzen bild feylet diße volkomenheyt; denn obs woll eyn hultzen bild ist, ßo ists doch nit des holtzs bild, ßondernn des menschen, tzeygt auch nit das holtz, ßondern den menschen an. Widderumb, ob der mensch wol ym holtz gepildet wirtt, ßo ist er doch nit holtz, und seyn weßen ist etwas anderß denn das weßen, darynn seyn bild ist, unnd ynn allen creaturn ist das bild eynß andern weßen, den der, deß bild es ist, und ist keyn bild des weßens tzufinden. Aber alhie ist das bild unnd der, des bild es ist, eyniß weßens, on das der vater nit eyn bild ist; denn er nit vom ßon oder nach dem ßon, ßondernn der ßon von dem vater unnd nach dem vatter gepildet ist ynn eynem eynfelltigen, naturlichen, gottlichen weßen. Solch volkommenheytt feyllt auch an der ßonnen unnd yhrem glantz. Denn die Sonne hatt eyn eygen klarheyt fur sich selbs, der glantz auch fur sich selbs, obwol der glantz von der ßonnen das seyne hatt. Aber alhie ist der glantz alßo der klarheyt, das auß der klarheit (das ich alßo sage) der glantz gemacht odder genaturt ist, und die klarheyt gantz weßenlich der glantz selb ist, on das der glantz nit von sich selb, ßondernn von der veterlichen klarheyt alßo genaturt ist.

 

[Heb. 1, 3] Nu sihe, noch sind die wort an yhn selbs klerer denn diße außlegung. Es lauttet ia klar gnug, das er sagt: Eyn bild seyniß weßens, Eyn scheyn seyner ehre, ßo der mund darnach hie still schweygt und das hertz drauff [WA s. 157] dencken lessit, unnd ist die hebreisch weyß alßo tzu reden: pauperes sanctorum .i. pauperes sancti. Virtus dei, idest virtus deus. Sic Character substantie, idest character substancia subsistens et ipsemet deus. Sic splendor glorie, idest splendor gloria ipsa. Wie die latinischen das wol fassen mugen, aber den deutschen und eynfeltigen sey gnug, das, wie sie eyn bild des gollts nennen, darumb das es auß gollt gemacht ist, alßo sollen sie auch Christum eyn bild gottis des vatters nennen, darumb das er gantz von gott und auß gott genaturt ist und außer yhm keyn gott ist, on das er solch gottheyt und bild vom vatter alß der ersten person hatt und beyde eyn gott sind, Und das hie feylet ynn der creatur; denn das guldne bild tzeygt nit seyn gollt natur, ßondernn eyn frembd natur des menschen. Drumb obs wol eyn gulden bild  ist, ßo ists doch nit eyn bild des gollts eygen weßen; denn golt must man mit eynem andernn bild tzeygen, alß durch geele farbe odder ßonst mit ettwas, das nit gollt ist. Aber hie ist das bild auch das weßen selbs, des bild es ist, und darff keyniß andernn bildeß denn seyneß weßenß. Hie ist glawbe nodt und nit viel scharffs spiculirn, die wort sind klar, gewiß unnd starck gnug. Wilchem diße wortt nit sagen die gottheyt Christi, dem wirts niemant sagen. Er nennet yhn auch nit eyn schlecht, gemeyn bild, ßondern caracter, das ist eyn eygen bild, das niemant anderß eben, gleych wie die controfeyten bild sind. Alßo auch nit eyn gemeynen glantz, ßondernn apaugasma, eyn eygentlichen scheyn, der sonst niemant eben sey, denn der klarheyt, dauon er außgeht.

[WA s. 158]

 

 

Unnd er tregt alle ding durch das wortt seyner krafft.

 

[Hebr. 1, 2. 3] Das ist das dritte mal, das er Christum eynen gott predigt. Er hatt gesagt tzum ersten, Alle wellt sey durch yhn gemacht, darnach, er sey eyn gottern glantz unnd gottern bild; hie spricht er, das er alle ding trage; tregt er alle ding, ßo ist er nit getragen und ettwas uber alle ding, das muß gott seyn alleyn. Das tragen aber ist, das er alle ding erneeret unnd enthellt, alß das nitt alleyn durch yhn alle ding gemacht, wie droben gesagt, ßondernn auch alle ding ynn yhm bleyben und enthallten werden, wie S. Paulus [Kol. 1, 16 [!]] Collos. 2: Alle ding bestehen durch yhn und ynn yhm &c.. Unnd gar eyn [Hebr. 1, 3] feyn wortt braucht er, das er sagt: Er trage, treybt und iagt noch rumort nit.Er tregt senffte und lest alle creaturn seyner senfften gute genießen, [Weish. 8, 1] wie auch Sap. 8. geschrieben ist: Die weyßheyt gottis reychet von eynem end tzum andernn krefftlich und beschickt alle ding sussicklich und senfftlich.

 

[Hebr. 1, 3] Was aber das sey, das er sagt: durch das wort seyner krafft, bynn ich nit gewiß. Wenn eyn mensch alßo sagte, ßo sprech ich: er yrrete, darumb das Christus das wort selbs ist, wie wyr ym Euangelio hoeren werden unnd er keyn wortt hatt, dadurch er wirke. Wenß ynn des vaters person geredt were, ßo stymptet es mit der schrifft fast wol; denn der vatter hatt durch [Ps 33, 6] seyn wortt alle ding gemacht, tregt auch ynn demselben alle ding, wie Ps. 33. sagt: Die hymel sind durch das wort gottis gemacht. Ich wil hie meyn vorstand gefangen geben, eynem andern und bessernn den rawm lassen, nit mehr denn meyn dunckel sagenn. Er mag villeicht darumb ßo sagen, das er die person menge ynn eyne gottheyt, dieweyl sie eyn gott sind und ditz ynn [WA s. 159] der person des vatters sage. Sintemal, was gott thutt, eyn iglich person thut. Alßo tregt gott alle ding durch seyn wort, wilcher gott warhafftig auch Christus unnd dasselb wort ist. Solch schwind wechßel der personen [Ps. 2, 6. 7] sind wol mehr ynn der schrifft, alß Ps. 2: Ich hab meynen kunig vorordnet auff meynem heylige berge. Ich wil das gepott predigen, das gott hatt tzu myr gesagt: du bist meyn ßon &c.. Alhie ist das erst stuck ynn der person des vatters von Christo gesagt und das ander yn der person Christi vom vatter, und sind die person gewandelt ynn eyner rede umb des willen, das [Hebr. 1, 3] eyn gott ist beyde person. Alßo mag auch alhie geschehen, das er eyn bild gottis ist, sey von Christo gesagt. Das er aber alle ding trag durch seyn wort, sey vom vatter gesagt ynn eyner rede hynn, on unterscheyd, darumb das beyde person eyn gott sind on unterscheyd.

       Gefellt das nit, mag ich alßo dencken, das durchs word werd vorstanden alß viel alß eyn thatt oder geschicht, wie ym nehsten Euangelio Lucas von [Luk. 2, 15] den hirtten sagt: Last uns gehen gen Bethlehem unnd sehen das wortt, das [Hebr. 1, 3] da geschehen ist, das ist die geschicht unnd thatt, die da geschehen ist. Alßo mocht hie der synn seyn, das Christus alle ding tregt durch das wort seyner krafft, das ist durch die that seyner krafft; denn durch das thun seyner krefft alle dinck erhallten werden unnd alliß, was da ettwas ist und vormag, das dasselb nit von sich selb, ßondernn auß der thettige krafft gottis alßo sey unnd vormuege. Und alßdenn ist abermal hie die krafft und das wortt nit tzu scheyden, ßondernn das wort und die krafft ist eyn dinck, nit anderß denn ßo viel gesagt als eyn thettigs oder krefftigis wort, das die krafft sey das [WA s. 160] weßen und natur des worttis, das ynn allen dingen wirckt; doch hie fare und folge eyn iglicher, wie er will und kan.

 

[Hebr. 1, 3] Und hatt gemacht eyn reynigung  unßer sund durch sich selbs.

Da trifft er das Euangelium recht; denn alliß, das von Christo gesagt mag werden, hilfft unß nit, biß das wyr hoeren, wie es allis sampt unß tzu gutt unnd nutz gesagt wirt. Was were es nodt, unß tzu predigen, wenn es umb seynen willen alleyn geschehen were? Aber nu gillt es gar und gantz unß unnd unßer selickeyt; drumb last uns hie mit freuden tzuhoeren, es sind [Hebr. 1, 2. 3] liebliche wort ubir alle maß. Der Christus, der ßo groß ist, eyn erbe aller ding, eyn glantz gottlicher ehren, eyn bild gottliches weßens, der da alle ding tregt, nit durch frembd krafft noch hulff, ßondernn durch seyn eygen thatt und krafft, Kurtzlich, der es gar alleyn allis sampt ist, der hatt unß gedienet, seyne liebe außschuttet und eyn reynigung unßer sunden tzugericht. Er spricht: unßer, unßer sund, nit: seyner sund, nit: der sundenn der unglewbigenn; denn wer solchs nit glewbt, dem ist die reynigung vorgenbeß und nicht tzugericht. Und dieselbigen reynigung hatt er nitt tzugericht durch unßern freyen willen, vornunfft odder krefft, nit durch unßere werck, nit durch unßer rew odder puß — denn das ist alliß nichts fur gott — ßondernn durch sich selb. Wie durch sich selb? Nemlich, das er unßer sund auffgenommen am heylig kreutz, wie [Jes. 53, 6. ff] Isaias sagt .c. 53. Aber das ist auch noch nit gnug, ßondernn auch alßo durch sich selb, das, wer da glewbt ynn yhn, das er solchs fur unß than [WA s. 161] hatt, durch und umb desselben glawbenß willen wonet er selb ynn unß und reynigett unß teglich durch seyn selbs eygen werck alßo, das tzur reynigung der sunden nichts mag helffen oder gethan werden, denn alleyn Christus selbs. Nu mag er nit ynn unß seyn noch solch reynigung durch sich selbs wircken, denn nur ynn unnd durch den glawben.

       Horet nu tzu, yhr welltvorfurer und blindenleytter, Bapst, Bischoff, pfaffen, Munch, gelereten, yhr unnutzen schwetzer, die yhr leret die sund reynigenn durch menschenwerck und gnugthun fur die sund, gebt ablaßbrieff und vorkeufft ertichte reynung der sund, hie hoeret yhr, das keyn reynigung der sund sey ynn den wercken, ßondernn alleynn ynn Christo unnd durch Christum selbs. Nu mag er yhe durch keyn werck ynn unß bracht werdenn, [Eph. 3, 17] ßondernn alleyn durch den glawben, alß .S. Paulus sagt Ephe. 3: Christus wonet ynn ewerm hertzen durch den glawben. Szo muß gewißlich war seyn, das reynigung der sund sey der glawbe, und wer da gleubt, das Christus yhm seyn sund reynige, der ist gewißlich gereyniget durch denselben glawben [Apg. 15, 9] unnd sonst ynn keynem weg. Drumb spricht wol .S. Petrus Act. 15: Er macht yhr hertzen reyn durch den glawben. Wenn dißer glawbe tzuuor da ist, und solch reynigung durch Christum selbs geschehen, denn last unß gutte werck thun, die sund hassen und rewen; denn sind die werck gutt, aber tzuuor dem glawben sind sie keyn nutz unnd eyttel falsch vortrawen unnd tzuuorsicht; denn die sund ist alßo eyn groß ding, und yhr reynigung kost alßo viel, das [WA s. 162] eyn solch hohe person, wie Christus hie gepreysset wirt, muß selb datzu thun und durch sich selb reynigen; was sollt denn ynn solchen grossen sachen vormuegen unßer arm und nichtigeß thun, die wyr creaturn, datzu sundige unnd untuchtige vordorbene creaturn sind?; das were doch eben alß wenn yhm yemand furnehm mit eynem außgeleschten brand hymel unnd erden vorprennen. Es muß ßo groß tzalung der sund hie seyn, alß gott selbs ist, der durch die sund beleydigt ist.

 

[Hebr. 1, 3.4] Und sitzt czu der rechten hand der Maiestet ynn der hohe, Szo viel besser wurden denn die Engele, ßo viel er eynen andernn namen fur yhnen ererbt hatt.

Das ist nach der menschlichen natur gesagt, ynn wilcher er auch der sunden reynigung tzugericht hatt, doch das dennoch war sey, es hab gottis Son than, unnd die person nit yemand scheyde umb der scheydung der naturn. Alßo ists auch war, das gottis ßon sitzt tzu der rechten hand der Maiestet, wiewol das alleyn nach der menscheytt geschicht; denn nach der gottheytt ist er auch selb die eynige Maiestet mit dem vatter, tzu wilcher rechten hand er sitzt. Doch wollen solch weyße tzu reden izt lassen, alß die da finster ist, unnd bey des texts rede bleyben, die da klerer ist. Zu der rechten hand der Maiestet sitzen, ist gewißlich der Maiestet gleych seyn. Drumb, wo Christus wirt beschrieben, das er tzur rechten gottis sitzt, da wirt grundlich bewerett, das  er warer gott sey. Sintemal gott ist niemand gleych, denn gott selber; drumb das der mensch Christus wol wirt gesagt, er sitze tzur rechten gottis, [WA s. 163] [Ps. 110, 1 [!]] ists doch ßo viel gesagt, er sey warer gott, wie der Ps. 10: Gott hatt gesagt tzu meynem herrnn: Sitze tzu meyner rechten hand &c.., das ist: Er hatt tzu Christo gesagt, der eyn mensch ist: Sey myr gleych, das ist: du sollt nit alleyn eyn mensch, ßondernn auch gott erkennett werden, wie denn alhie der Apostel [Hebr. 1, 13, Ps. 8, 7] dißen spruch desselben psalmen auch eynfuret. Item Ps. 8: Du hast yhm unter die fuß geworffen alle die werck deyner hend, das ist: du hast yhn dyr gleych gemacht, nit das er nu aller erst angefangen hab gott tzu seyn, ßondernn das der mensch vorhyn nit ist gott und gott gleych geweßen; denn tzugleych er angefangen mensch tzu werden, hatt er auch angefangen gott tzu seynn, unnd alßo redet die schrifft gar viel fuglicher von Christo denn wyr und wickelt die person ßo feyn ynn die natur unnd scheydet widderumb die natur das wenig sind, die es recht vorstehen, und ich selb offt ynn dißenn und dergleychen spruchen geyrret habe, das ich der natur habe tzugeeygent, was der [Phil. 2, 6. 7] person gepurt und widderumb. Alßo Philip. 2: Ob er wol war ynn der gottlichen form, hatt er doch nit gedacht, er habs geraubt, das er got gleyche war, ßondern hatt sich desselben geeußert, nit alß eyn gott, ßondernn alß eyn knecht geperdet, wiewol dißer spruch finster ist. Nu das wyr widder auff den text komen; Hie hebt der Apostel an grund der schrifft auß dem alten testament tzu fueren und beweyßen, das Christus gott sey; denn bißher hatt er seyne wort unnd meynung gesagt auß der schrifft getzogen und spricht, [Hebr. 1, 4] Christus sey gar viel besser wordenn denn die Engel, denn er ist gott worden und hatt eynen vielen andern namen denn sie ererbt; das ist alliß gesagt der meynung, das der mensch Christus hab angefangen, got zu seyn und sey vorkleret und kund worden, das er gott sey.

[WA s. 164]

 

[Heb. 1, 5] Czu wilchem Engel hat er yhe eynmal gesagt: du bist meyn Szon, ich hab dich hewte geporenn?

[Ps. 2, 7] Der spruch stett ym andernn psalm; drumb, auff das es klar werd, wie er von Christo gesagt sey, wollen wyr den psalmen gantz ertzelen, der lautt [Ps. 2, 1 –12] alßo: Warumb emporen sich die leutt und die volcker tichten unnutz ding? Die kůning der erden richten sich auff, und die fursten samlen sich widder gott und seynen Christum. Last unß tzureyßen (sprechen sie) yhre band und von unß werffen yhre last. Der ym hymel wonet, wirt yhr lachen, und gott wirt yhr spotten. Alßdenn wirt er mit yhn reden ynn seynem tzornn, und ynn seynem grym wirt er sie erschrecken. Und ich hab meynen kuenig geordnet auff meynen heyligen berg Zion. Ich will vorkundigen, was do vorordnet ist, Gott hat tzu mir gesagt: Du bist meyn ßon, ich hab dich hewte gepornn, foddere von myr, ßo will ich dyr geben die heyden tzu eynem erbe unnd die end der erden tzu deyner besitzung. Du sollt sie brechen mit eyner eyßern rutten, und wie eyns topffers faß solltu sie tzuknyrsen. Unnd nu, yhr kuenige, seyt weyße, unnd yhr richter der erden last euch unterweyßen, dienet gott ynn [WA s. 165] furchten und frewet euch ynn tzitternn. Kusset den ßon, auff das er nit tzornig werd, und yhr nit vorderbet auff dem wege; denn so da wirt emprennen seyn tzorn eyn wenig. Selig sind alle, die ynn yhn vortrawen. Hie sihet man klar, das er Christum nennet, widder wilchen die Juden mit Pilato, [Ps. 2, 7] Herodes und ubirsten fursten der priester tobeten; tzu dem spricht er: du bist meyn ßon &c..

       Dißem spruch entlauffen die Juden mit wilden gloßen, unnd dieweyl sie nit muegen leucken, das dißer psalm sage von eyner person, der eyn kuenig sey und Christus, das heyst eyn gesalbter, sprechen sie, er rede von Dauid, der auch eyn Christus was; denn sie nennen alle kuenige Messias odder Christus, das ist, gesalbete. Aber es besteht nit yhr ding; denn Dauid hat noch nie die heyden gehabt, unnd seyn reych hatt nit gereycht biß an die end der erden, wie von dißem kuenig der psalm sagt. So ist auch tzu keynem eynigen menschen [Ps. 2, 7] ynn der schrifft gesagt: du bist meyn ßon. Ob sie aber schon bekennen, der psalm sey von dem Messia gesagt, ßo haben sie noch tzwo außflucht; denn sie hallten, derselb Messias soll noch kommen und sey nicht dißer Jhesus Christus, datzu, ob er wol gottis ßon genennett werd, sey er drumb nit gott; [Ps. 82, 6] denn auch Ps. 81. geschrieben stett tzu allen gottis kindernn gesagt: Ich hab gesagt, yhr seyd gotter unnd  kinder des allerhohisten, und an viel ortten [1. Mose 6, 2. 4, Ps. 89, 7, Matth. 5, 9 45, 1. Joh. 3, 1. 2. 10, Rö. 8, 14. 16 u. ö.] der schrifft werden die heyligen genennet gottis kinder, alß Geenbar;. 6, Ps. 88. Matt. 5, 1. Johan. 3. Und Paulus heyst und an allen ortten gottis kinder, drumb nennen wyr yhn auch eynen vatter unnd sagen: vater unßer &c.. [WA s. 166]

       Was wollen wyr hietzu sagen? Sollen wyr den Apostel ßo lassen stecken, alß der nicht gutt, klar grund der schrifft auffbringe? das were nit [Ps. 2, 7] feyn. Zum ersten, das dißer Jhesus der man sey, von dem der psalm redet, beweyßet die erfarung; denn es ist alßo erfullet und ergangen. Er ist von den kuenigen unnd fursten vorvolgt. Sie haben yhn wollt vortilgen unnd sind tzu spott drob worden, sie sind auch vordorben, wie er hie sagt. Szo ist er yhe ynn aller wellt fur eynen herrnn geachtet, das keyn kuenig fur yhm odder nach yhm weytter und breytter regierett odder regirn kan. Szo denn die erfullung mit dem psalmen stympt, lest er sich nit tzwingen auff eynen andernn. Das er aber got sey, obwol ander heyligen auch gotter und gottis [Heb. 1, 5] kinder genennet werdenn, beweyßet der Apostel starck gnug damit, das tzu keynem Engel, schweyg denn eynem menschen, ynn ßonderheytt gesagt sey: du bist meyn ßon; drumb muß das eyn ßonderlicher ßon seyn, ubir alle menschen unnd engel; denn weyl er yhn nit ynn gemeyn mit andernn eynen ßon nennet, ßondernn tzeucht yhn auß allen, muß er hoher seyn denn keyn ander. Nu mag er nit hoher seyn denn die Engel, er sey denn gott warhafftig, weyl die engel das hohist sind. Ubir das, alle ander kinder gepiert er durch mittel, [Jak. 1, 18] wie .S. Jacobus sagt: Er hat uns gutwillig geporn durch seyn wort, und die Engel hatt er auch geschaffen unnd nit geporn. Aber dißen ßon schafft er nit, ßondernn on alle mittel durch sich selbs gepiert er yhn und spricht: [Ps. 2, 7] Ich, ich selb, durch mich selb hab dich hewte gepornn, wilchs er tzu keynen mehr gesagt hatt. Diße eynige, personlich geperung beschleüßt ein naturliche [1. Chron. 22, 10, Ps. 2, 7] gepurt; denn er spricht wol .1. Paralip. 22. von dem Salomo: Er soll meyn [WA s. 167] ßon seyn, ßonderlich aber doch nit tzu yhm: du bist meyn ßon, ich hab dich geporn, ßondernn Dauid hatt yhn geporn, aber dißen hatt niemant denn gott selber geporn.

 

[Ps. 2, 7] Auch spricht er: hewte, das ist: ynn der ewickeyt; es ist yhe nit muglich, das eyn leypliche gepurt auff eynenn tag geschehe, wie wyr sehen ynn den menschen unnd allen thieren. Aber auff das er diße gepurtt ßonderete, setzt er hewte datzu, das gott seyn ßon auff eynmal gepiert ewiglich und geht tzugleych seyn gepurt und eyn ßon haben, spricht nit: vor eynem iar hab ich dich gepornn, ßondernn: eben itzt, da du meyn ßon bist, hab ich dich gepornn; drumb muß es eyn ubirschwencklich gepurtt seyn ynn der hohen natur, die niemand begreyffen mag.Es stett auch Osee. 11. geschrieben, das gott spricht: [Hos. 11, 1] Auß Aegypten hab ich meynen ßon geruffen, wilchs da lauttet, alß sey es eyn ßon, wie dißer psalm redet, unnd die Juden sagen doch, es sey von dem volck [Matt. 2, 15] Israel gesagt. Aber .S. Mattheus tzeugt es auch auff Christum, aber es sey wie yhm sey, ßo find man keynen spruch, da tzu eyner person sey gesagt [Ps. 2, 7] ßonderlich: du bist meyn ßon, schweyg denn tzu eynem kunig unnd ßo grossem kunige, viel weniger find man, das er sag: Ich selb hab dich gepornn, unnd hewte hab ich dich geporn. Drumb ists starck gnug unnd klerlich bewert auß dißem psalm, das Jhesus sey dißer Christus und gottis warer naturlicher ßon. [WA s. 168]

       Hieneben ist mit ßonderm vleyß tzu mercken, das der Apostell auff die schrifft der massen pocht, das, wo nit ettwas drynnen ist gesagt, das dasselb [Hebr. 1, 5] nit sey tzu hallten; denn wo das nit were, ßo schluß seyn rede nichts, da er sagt: tzu wilchem Engel hatt er yhe mal gesagt &c.. Denn es mochten die Juden sagen: hatt erß nit gesagt ynn der schrifft, ßo mag man es dennoch wol sagen, Es ist nit alliß ynn der schrifft gesetzt. Nu er aber will, das, was die schrifft nit gibt, nicht tzu halltenn sey, sollen wyr auch alßo alle ander lere vorwerffen, unnd das dienet widder des Bapsts unnd Papisten freuel, die da unuorschampt widder dissen Apostel furgeben, man muß mehr dings hallten denn die schrifft habe. Und ßo man sagt: Es sey nit yn der schrifft, drumb solls nit gelten, soll nit schließen, machen damit dißen grund des Apostels matt, viel mehr denn Juden, auff das sie iha yhr Concilia, lerer und hohen schulen eynfuren; da hutt dich fur und sey gewiß, es ist alliß und ubrig ynn der schrifft, was tzu hallten ist. Was aber nit drynnen ist, da solltu [Hebr. 1, 5]  tzu sagenn, wie hie der Apostel: Wenn hatt gott yhe eyn mal das gesagt?

       Und aber:

 

[Hebr. 1, 5] Ich wil seyn vater seyn, und er soll meyn ßon seyn.

Dißen spruch haben sie auch matt gemacht, alß weren sie nur darumb lerer, das sie die schrifft matten sollten, und sagen, das dißer spruch habe [WA s. 169] tzween vorstand, eynmal sey er von Salomon tzuuorstehen, alß eyner figurn Christi, das andermal von Christo. Aber wenn das tzugelassen wirt, das die schrifft nit besteht auff eynem eynfeltigen synn, ßo streyt sie schon nymer; [1. Chron. 22, 10] muegen die Juden drauff bleyben, es sey von Salomon gesagt, wie wyr bekennen, ßo ligt der Apostel aber mit guttem scheyn ym sand unnd schleußt nichts.1 [Ps. 2, 7, Hebr. 1, 5] Drumb ists festiglich tzu hallten, das es alleyn von Christo gesagt ist, unnd eben wie der vorige spruch eynen ßonderlichen ßon beschreybe ubir allen andernn ßonen, das auch nit tzu den Engelln solchs gesagt sey, schweyg den tzu Salomon, wie hie der Apostel sagt, und sey eyn name, der viel anderß und besser sey denn der Engel, alß er auch hie sagt, das es ynn keynen weg muge Salomon tzugelegt werden. Nu es ist unß nit gnug, das wyr dem Apostell glawben, wyr sind schuldig tzu beweyßen, das er schließlich und mit klarem grund das bewere, alß er furgenummen habe. Darumb ist tzu wissen, das dißer spruch [2. Sam. 7, 14, Ps. 89, 27. 28] ist genommen auß 2. Reg. 7. und Ps. 88., wilchs sind prophetische bucher, und an denselben orttern wirt nur von Christo gesagt, nit von Salomon. Aber [1. Chron. 22, 10] .1. Paralip. 22., das eyn historisch buch ist, da wirtt von Salomon alleyn gesagt: Ich will seyn vatter seyn, unnd er soll meyn ßon seyn. Nu ists auch [Ps. 89, 27. 28] bey den Juden bekentlich, das Ps. 88. von dem rechten Christo sagt: Er wirt [WA s. 170] mich nennen: Meyn vater bistu, und ich will yhn den hohisten kuenig machen. Item: Wer mag gleych seyn gotte unter den ßonen gottis? das ist: unter den ßonen gottis ist eyner, der eyn Gott ist, unnd yhm keyn gleycher.