Martin Luther

Weihnachtspostille 1522

Schriften,

10. I. 1. Band

 

 

 

 

 

 

D. Martin Luthers Werke

 

 

Kritische Gesamtausgabe

 

 

10. Band

Erste Abteilung

1. Hälfte

 

 

 

Weimar

Hermann Böhlaus Nachfolger 1910

 

 

 

__________

 

 

Bibliographische Angaben

 

 

Schriften, 10. I. 1. Band, Weihnachtspostille 1522

Luther, Martin 1483 –1546

 

 

Drescher, Karl

 

D. Martin Luthers Werke.

Kritische Gesamtausgabe. 10. Band. Erste Abteilung. 1. Hälfte

 

Weimar

Hermann Böhlaus Nachfolger 1910

 

x, 739 p.

 

 

[WA s. i]

 

Einleitendes Material

 

 

[Titelseite]

 

 

D. Martin Luthers Werke Kritische Gesamtausgabe 10. Band Erste Abteilung 1. Hälfte

 

 

 

 

Weimar

Hermann Böhlaus Nachfolger 1910

[WA s. iii]

 

Vorwort.

 

1910[WA s. iii]

Der vorliegende Band wurde noch unter der Amtsführung meines Vorgängers Professor Pietsch begonnen, Schwierigkeiten der Ausführung bei der besonders reichen Textüberlieferung sowie persönliche Behinderungen des Bearbeiters Professor Köhler-Zürich haben sein Erscheinen bis jetzt hinausgerückt. Für den Raum unseres Bandes war ursprünglich der Abdruck des ganzen Winterteiles der Kirchenpostille bestimmt, durch den Umfang der Lesarten mußte jedoch eine weitere Teilung des Bandes 10 1 und zwar in 10 1 1. und 2. Hälfte — uns nicht ganz erwünscht — vorgenommen werden. Die Mitverantwortung für die Lesarten in ihrer jetzigen Form muß ich ablehnen, ich hätte sie wesentlich vereinfachter gewünscht, wenn sie auch infolge der besonderen Überlieferung eingehender als sonst üblich verzeichnet werden sollten. Allein, als ich die Leitung der Lutherausgabe übernahm, war der Variantenapparat schon zum weitaus größten Teil vollendet, und Professor Köhler konnte sich nicht mehr entschließen, Änderungen vorzunehmen, nachdem seine Arbeit in der hier vorgelegten Art soweit vorangeschritten war (vgl. hierzu auch S. IX). In der Folge werden jedoch auch hier die Lesarten [WA s. iv] vereinfachter und unter Zusammenfassung der für den jeweiligen Lautstand allgemein giltigen Gesichtspunkte gegeben werden.

Die wiederum von Professor O. Brenner herrührenden germanistischen Erläuterungen sind diesmal in den Nachträgen zusammengefaßt.

Der zweite Teil des Bandes 101 wird zunächst den Rest unseres Textes, ferner die zu dem ganzen Winterteile gehörige Einleitung sowie die Bibliographie umfassen. Band 21 und 22 Unsrer Ausgabe sollen dann Sommerteil und Festteil der Kirchenpostille aufnehmen.

 

Berlin, April 1910.

Karl Drescher.

 

 

[WA s. v]

Inhalt.

 

1910[WA s. v]

Seite

Vorwort                                                                                                                                                                                                                                                                                 III

Einleitung                                                                                                                                                                                                                                                                               VII

Text                                                                                                                                                                                                                                                                                                       1

        Widmung Luthers an Graf Mansfeld                                                                                                                                                                1

        Ein klein Unterricht, was man in den Evangeliis suchen und gewarten soll   8

        Epistel zur Messe in der Christnacht, Tit. 2, 11 –15                                                                                         18

        Evangelium in der Christmeß, Luk. 2, 1 –14                                                                                                                                    58

        Epistel in der Früh-Christmeß, Tit. 3, 4 –7                                                                                                                                       95

        Evangelium in der Früh-Christmeß, Luk. 2, 15 –20                                                                                          128

        Epistel am Christtag, Hebr. 1, 1 –12                                                                                                                                                               142

        Evangelium in der hohen Christmesse, Joh. 1, 1 –14                                                                                        180

        Epistel am S. Stephans-Tage, Apg. 6, 8 –14                                                                                                                                   247

        Evangelium am S. Stephans-Tage, Matth. 23, 34 –39                                                                                                      270

        Epistel am S. Johannes-Tage, Sir. 15, 1 –6                                                                                                                                     289

        Evangelium am S. Johannes-Tage, Joh. 21, 19 –24                                                                                         305

        Epistel am Sonntag nach dem Christtage, Gal. 4, 1 –7                                                                                     324

        Evangelium am Sonntag nach dem Christtage, Luk. 2, 33 –40                                                   379

        Epistel am Neujahrstage, Gal. 3, 23 –29                                                                                                                                         449

        Evangelium am Neujahrstage, Luk. 2, 21                                                                                                                         504

        Epistel am Tage der heiligen drei Könige, Jes. 60, 1 –6                                                                                    519

        Evangelium am Tage der heiligen drei Könige, Matth. 2, 1 –12                                                 555

Nachträge                                                                                                                                                                                                                                                                              729

 

 

 

[WA s. vii]

 

Haupttext

Weihnachtspostille

 

 

 

 

Einleitung.

 

1910[WA s. vii]

Durch die Forschung von Gustav Bossert (Theol. Studien und Kritiken 1897: Die Entstehung von Luthers Wartburgpostille. Kritisch-historische Untersuchungen) ist nach dem Vorgange von Bertheau und v. Dommer endgültig festgestellt worden, daß von dem Winterteile der Lutherschen Kirchenpostille, umfassend die Predigten von Advent bis Epiphanien, die Serie der mit Weihnachten beginnenden Predigten (sogen. Weihnachtspostille) vor der Adventspostille bearbeitet und ausgegeben worden ist. Bossert erhob die Frage: “Soll in der Weimarer Ausgabe die Weihnachtspostille vor der Adventspostille gedruckt werden?”, und gab die Antwort: “vom Standpunkt des Interesses der historischen Forschung wird die Frage unbedingt bejaht werden müssen.” Aber er stellte sofort die andere Frage daneben: “Aber gibt es nicht noch andere Gesichtspunkte, welche berücksichtigt werden müssen und für Beibehaltung der Anordnung in allen Ausgaben mit Ausnahme der Urdrucke sprechen?” Nach sorgsamer Prüfung beider Fragen haben wir uns zur Bejahung der ersten entschlossen und der Geschichte damit ihr Recht gegeben; die “anderen Gesichtspunkte” erwiesen sich als solche wesentlich praktischer Art, die zurücktreten mußten hinter der grundsätzlichen Forderung chronologischer Anordnung. Freilich haben sie ihren Tribut dennoch verlangt und erhalten. Wir sahen uns bei dem Umfange der Kirchenpostille, dem starken Variantenapparate, den zahlreichen Anmerkungen genötigt, zu teilen; es konnten nicht Weihnachts- und Adventspostille nacheinander in einem Bande mit vorausgehender Einleitung geboten werden, die Weihnachtspostille allein beanspruchte einen Band. Wenn damit die Adventspostille einem zweiten Bande zugewiesen werden mußte, so ergab sich daraus die weitere Notwendigkeit, diesem zweiten Bande auch die Einleitung zuzuweisen; denn diese hatte den Entstehungsprozeß der ganzen Winterpostille vorzuführen, es ist unmöglich oder nur auf Kosten der Unvollständigkeit oder beständiger Wiederholung möglich, zur Weihnachts- und Adventspostille jeweilig eine besondere historische Einleitung zu schreiben, für Luther selbst ist die Winterpostille ein Ganzes gewesen, und er hat die Adventspostille nie aus dem Auge gelassen, als er die [WA s. viii] Weihnachtspostille schrieb. So wird der zweite Band mit der Adventspostille die Gesamteinleitung mit der Bibliographie (diese mit der Einleitung zu verbinden, empfahl sich u. a. auch um deswillen, weil die Einleitung auf die Bibliographie zurückgreifen muß) usw. bringen; zur vorläufigen Orientierung kann auf Bosserts Abhandlung verwiesen werden.

 

Zur Erläuterung der in vorliegendem Bande gebrauchten Siglen für die einzelnen Drucke sei folgendes bemerkt:

A = Urdruck d. h. der bei Johann Rhaw (alias Grunenberg) 1522 erschienene Druck der Weihnachtspostille allein. Er ist unserer Ausgabe zugrunde gelegt; wo im Texte von ihm abgewichen wurde, ist seine Lesart im textkritischen Apparate verzeichnet. Ergänzungen im Texte sind durch [ ] gekennzeichnet.

G bedeutet die weiteren Ausgaben Grunenbergs. Und zwar

G = die Ausgabe der Postille (Predigten von Advent bis Ostern) von 1525.

G = die Ausgabe der Postille (Predigten von Advent bis Ostern) von 1527.

G = die Ausgabe der Postille (Predigten von Advent bis Ostern) von 1528.

P = die Ausgabe der Postille (d. h. der alten Adventspostille, vgl. Bd. 7, 458 ff. und der Weihnachtspostille) von Adam Petri 1522.

F = die Ausgabe von Amandus Farckall 1523 (ihre Zusammensetzung ist die gleiche wie bei P).

Lo bedeutet die Ausgaben von Michael Lotther. Und zwar

Lo = die Ausgabe von 1525,

Lo = die Ausgabe von 1526,

Lo = die Ausgabe von 1528,

Lo = die eigenartige, stark selbständige Ausgabe von 1530,

Lo = die Ausgabe von 1531,

Lo = die Ausgabe von 1532,

Lo = die Ausgabe von 1533,

Lo = die Ausgabe von 1535.

Lo enthält die Advents- und die Weihnachtspostille; Lo, Lo, Lo, Lo, Lo, Lo und Lo enthalten die Predigten von Advent bis Ostern.

Lu bedeutet die Ausgaben von Hans Luft. Und zwar

Lu = die erste Ausgabe von 1528,

Lu = die zweite Ausgabe von 1528,

Lu = die Ausgabe von 1530,

Lu = die Ausgabe von 1532,

Lu = die Ausgabe von 1540,

Lu = die Ausgabe von 1543.

Sämtliche Ausgaben enthalten die Predigten von Advent bis Ostern.

Wi = die auf dem Titel ohne Angabe des Druckers als Wittenberger Druck gekennzeichnete Ausgabe von 1526, enthaltend die Predigten von Advent bis Ostern.

[WA s. ix]

W = die Ausgabe von Nikolaus Wolrab von 1544, enthaltend die Predigten von Advent bis Ostern.

K = die Ausgaben von Wolph Köpphel. Und zwar

K = die Ausgabe von 1527,

K = die Ausgabe von 1529,

K = die Ausgabe von 1531,

K = die Ausgabe von 1542.

Sämtliche Ausgaben enthalten die Advents- und Weihnachtspostille, als ersten Teil einer Postille “durch das gantz jar auß”.

S = die Ausgabe von Peter Seitz von 1535. Sie umfaßt die Predigten von Advent bis Ostern.

Stimmen sämtliche Ausgaben eines Verlegers in der Lesart überein, so ist nur das einfache Siglum (ohne beigefügte Ziffer) gesetzt; also z. B. Lo = sämtliche Drucke von Lotther (1 –8), Lu = sämtliche Drucke von Luft (1 –6), K = sämtliche Drucke von Köpphel (1 –4).

B bedeutet die lateinische Übersetzung der Postille von Martin Bucer 1525 und 1526. Sie ist in reichem Maße herangezogen worden, einesteils zur Erläuterung Luthers — sie vertritt hier stellenweise einen Kommentar — andernteils zur Kennzeichnung Bucers als Übersetzer.

Die Siglen α, β, a, b, c, d, e, f wurden verwandt für Sonderdrucke gewisser Abschnitte der Postille. So sind S. 88 ff. unter a —f die Drucke des “Gloria in excelsis deo” gemeint, S. 504. ff. unter α der Druck: “Auszlegung des Euangelij an des Newen Jares Tag. Luce am andern.” Breslaw 1523; S. 674 ff. unter α, β die Drucke: “Unterscheyd des rechten und falschen Gottesdiensts”; S. 725 ff. unter α der Druck: “Vonn dreyerley Weysze menschenlere zu meydenn.” Breslaw 1523.

Näheres über diese und die übrigen Drucke, sowie eine Charakterisierung der Bucerschen Übersetzung wird die Bibliographie bezw. Einleitung zum zweiten Bande bringen.

Der Lesartenapparat ist im vorliegenden Bande außerordentlich groß. Das erklärt sich einmal daraus, daß die Zahl der zu berücksichtigenden Drucke noch bei keiner der in unserer Ausgabe veröffentlichten Lutherschriften so groß war wie in der Postille, sodann daraus, daß ich mit der Kollationierung schon begonnen, ja, sie vielfach schon abgeschlossen hatte, als die vereinfachenden Bestimmungen in Bd. 12 und die sie weiterführenden in Bd. 102 (vgl. Bd. 18) erschienen. Eine Vereinfachung des schon wesentlich festgestellten Apparates nach diesen Grundsätzen erwies sich als untunlich. Überflüssige Arbeit ist nicht geleistet, es ist an der Hand des mitgeteilten Lesartenapparates ein sorgsames Bild der einzelnen Drucke zu gewinnen ermöglicht, zudem wird im zweiten, die Adventspostille bringenden Bande O. Brenner seine zusammenfassende Übersicht über die germanistische Eigenart der Drucke z. T. auch an dem Apparate dieses ersten Bandes erläutern.

Im einzelnen ist meine Kollation so angelegt: in der sogen. “Widmung” sind sämtliche oben angegebenen Drucke berücksichtigt, und zwar so eingehend, daß auch die Umlaute (z. B. konig] Koenig) notiert wurden; in dem “kleinen Unterricht” sind ebenfalls sämtliche Drucke berücksichtigt, aber ohne Angabe der Umlaute. In den Predigten selbst hingegen ist nur eine Auswahl von Drucken berücksichtigt, [WA s. x] nämlich P, F, G (die drei Drucke stimmen hier überein, benutzt wurde das Stuttgarter Exemplar von G), Lo, Lo.7.8, Lu, Lu, W; die übrigen Drucke sind zu unselbständig, um eine Berücksichtigung weiterhin zu rechtfertigen. Lu, W wurden separat gesetzt, weil Lu die von Luther selbst verbesserte, vielfach gekürzte Ausgabe von 1540 darstellt, deren Abweichungen besondere Beachtung verdienen. W wurde hinzugesetzt, da dieser Druck Lu folgt. In den Fällen, in denen die Bibelzitate von Lo oder auch anderer Drucke mit LuW übereinstimmen, wurden die betreffenden Siglen der Einfachheit halber LuW beigefügt. Stets wiederkehrende Eigentümlichkeiten der Drucke (wie z. B. die Umwandlung der Endung -ickeit (gerechtickeit) in -igkeit (gerechtigkeit), je statt ye usw.) wurden nicht angegeben; darüber wird die germanistische Einleitung Brenners berichten. Die Randbemerkungen (zumeist kurze Inhaltsangaben) einzelner Drucke wurden, weil unwesentlich, nicht berücksichtigt.

Auf die Anmerkungen habe ich besondere Sorgfalt verwandt; wenn es nicht gelungen ist, alle Rätsel zu lösen, so hat es wenigstens an Bemühung dazu nicht gefehlt. Einen Kommentar hatte ich nicht zu geben, sehr häufig diente, wie gesagt, B zur Erläuterung. Den Herren Professor D. Greving in Münster, Monsignore D. Nik. Paulus in München, D. Dr. G. Bossert in Stuttgart habe ich für freundliche Beihilfe zu danken. Nicht minder Herrn Professor Dr. Drescher für das, oft unter schwierigen Verhältnissen, stets gezeigte Entgegenkommen.

 

Zürich den 15. April 1910.

Walther Köhler.

 

 

 

[WA s. 1]

[Widmung Luthers an Graf Mansfeld]

Jhesus.

 

1522 [WA s. 1]

 

Dem Edlen und wolgepornenn herrnn, herrn Albrecht Graffen tzu Mansfellt, herrn tzu Schrappel unnd Helderungen &c. meynem gnedigenn Herrnn. Martinus Luther. Gnad und frid gottis. Amen. Der heylig konig Dauid, da er seynes kuniglichen stuels erben eynsetzen wollt, macht er eyn solch ordnung, das unter seynen kindern der iungist ßon nach yhm das reych gantz alleyn solt besitzen, damit das kunigreych Israel eynig und untzurtrennet bliebe. [1 Kön. 1, 30 ff.] Unnd wo des selbigen iungstenn ßons stam vorfiele, solt des nehisten iungsten [WA s. 2] bruders stam an seyn statt sitzen. Alßo macht er Salomonen seynen iungsten ßon fur allen andern tzum konig, und bleyb das konigreych ynn Salomonß stam [2. Kön. 11, 1 ff.] biß auff den konig Joas, tzu wilchs zeytten die wuetige konigyn Athalia, da ynn yhrem ßon Ochosias Salomons stam vorfallenn war, den gantzen stam Dauids vortilget, das nitt mehr bleyb denn der eynige funcke Joas, wunderbarlich [2. Sam. 5, 14, Luk. 3, 31] von gott behallten von dem stam Natan, Salomons iungster bruder, [2. Sam. 7, 12 ff.] umb Christus willen, der da war Dauid vorsprochen von seynem fleysch und blutt tzu kommen. Wie wol nu diße ordnung sich ansehen lessit als widderwertig [5. Mose 21, 15 –17] dem gesetz Mosi, wilchs dem erstenn ßon gibt die hirschafft ubir seyne bruder und tzwey stuck des erbes, ßo war es doch nit da wider, denn Dauids [2. Sam. 13, 1 ff.] erster ßon Ammon war schon erwurgt von seynem bruder Absalom, und ist vorursacht solch ordnung zu machen, das er sahe, wie sich seyn kinder umbs reych tzu beerben drungen, doch vil mehr umb Christus willen eyne figur zu bereytten, wilcher der recht Salomon unter allen gottis kindern der iungst und [Matth. 11, 11] kleynist ist, wie er selb sagt Matt. 11., das keyne grosser sey auffgestanden [WA s. 3] unter weybes kinden, denn Johannes der teuffer, aber der kleynist ym hymelreych ist grosser denn er; der selb kleynist ist alleyn Christus. Niemant ist yhe ßo tieff ernydrigt, Niemant hatt sich selb ßo seher vorkleynet als Christus, [Matth. 11, 29] daher auch er alleyn thar sagen: Lernet von myr, ich byn sanfftmutig und demutig von hertzen, wilchs wort hatt noch mag keyn heylige ymmer mehr sagen, noch die meysterschafft der demut und sanfftmutickeyt yhm tzu messen. [11. Kor. 11] Sie bleyben alle sampt schuler unter dißem meyster, alßo das auch S. Paulus, da er zu den Corinther spricht: Folget myr nach, setzt er bald hyntzu den rechten meyster, und spricht: gleych wie ich Christo nach folge, das er nit sich als Paulum, ßondern Christum yn sich und sich yn Christo furbildet. Darumb ist auch nu Christus erhaben und eyn konig gesetzt fur allen seynen brudern; [Ps. 45, 8] das sind wyr vnd alle Christen, wie Ps. 44. sagt: Deyn gott hatt dich gesalbet (das ist tzum konige geweyhet) fur allen deynen mitgenossen, und ist also die figur Salomonis ynn yhm erfullet, und nit alleyn erfullet, ßondern auch uns tzum exempel gesetzt, das wyr der Euangelischen lere hewbtstuck an allen ortten [Matth. 23, 12, = Luk. 14, 11] furgepildet sehen sollen, wilchs da ist, das Christus sagt: Wer sich demutiget, [WA s. 4] der wirt erhaben. Item: Wer do will unter euch der grossist seyn, der sey [Luk. 9, 48] der kleynist. Auch das Euangelium ist gantz nit mehr denn eyn historia von [1. Kor. 2, 2] dem kleynisten ßon gotis und von seyner vorkleynung, wie Paulus sagt. 1. Cor. 2: Ich hab mich unter euch nichts lassen duncken, das ich wisse, den Jhesum Christum und den selbigen gecreutzigt.

       Das hab ich, gnediger herr, darumb eyngefurt, das, syntemal ich myr furgenommen meynes geblutts lands herrn diß buch zuzuschreyben, nit seltzam wurd angesehen, das ich wider synnisch der welt nit an den eltisten M. G. herrnn, ßondern an dem iungsten beydes stammiß ansahe; denn es hatt die artt dißes buchs erfoddert, darynnen nit mehr denn das kleynist und iungist wirt ymer furgehalten, das ich auch die vorrehde yhm gleych stellet und ßo vil sichs leyden wolt nit ließe mißhallen.Da mit ich auch solch lere des Euangeli nit ynn wortten schweben, ßondern der selbigen tzum wenigsten eyn kleynis wercklin sehen ließe. Syntemal den grossen herren auff der wellt wol nott ist, die on unterlaß ynn yhrem forteyl und ansehen yhrer hohe und grosse faren, sie tzu weylen auch nach dem Euangelio yhres nachteyls und vorkleynung [WA s. 5] fur gott erynnern, wie wol sie nichts anders denn desselbigen wartzunehmen schuldig und durfftig sind fur allen andern. Ich solt auch wol lengist als eyn land kind mich gegen E. G. ertzeygt haben. Es ligt aber das Euangelium auch ym weg und, unangesehen menschen recht und gut duncken, spricht: Die [Matth. 19, 30, 20, 10] letzten sind die ersten, und die ersten sind die letzten. Auch ist den mißgonnern [Mar 10, 31, Luk. 13, 30] nit rawm tzu machen noch ursach tzu geben geweßen, als sucht ich meyn unnd der meynen eere am ersten. Syntemal ich die ernste lere des Euangeli furwendet, die nit leyden will sich selb am ersten suchen, ßondern, wie gesagt, sich selb nydrigen und vorachten.

       Und das yhe diße vorrhede allenthalben dem Euangelio gemeß sey, ist der schreyber auch eyn vorachtet und vordampte person. Ich bynn von gottis gnaden ynn des Bapsts bann und aller hohisten ungnaden, datzu yn grossem vormaledeyen und hasß seyner lieben iunger, das ich hoff, es stehe myr nit ubel an, ditz vorachte, kleyne, geringe buch des Euangeli von dem kleynisten, vorachtisten kind gottis tzu handelen, und die hohen, grossen, langen bucher des dreykronigen koniges tzu Rom tzu lassen, und ob myrs schon nitt wol anstund, Syntemal doch alle hohen schulen, stifft und kloester an den dreyen kronen hangen und das iungist kleynist buch, das Euangelium, ligen lassen, [WA s. 6] foddert unnd tzwingt die nott, das tzum wenigsten eyner des ungekroneten vorachten gottis ßon buch angreyffe, es gelinge yhm wol odder ubel. Es mag yhe nit gantz mißlingen, E. G. hatt gesehen die Bulla von Rom unnd das urteyll der Parrhißer, on allen tzweyffell auß ßonderlicher gottis ordnung beyde außgelassen, das die wellt greyffen sollt, wie mechtig die warheytt yhre feynde schenden unnd blenden kan durch eygene werck und wort der selbigen feynd. Meyn wuntsch ist nit geweßen, das sie alßo groblich narrenn unnd sich schendenn sollten, doch mag ichs wol leyden, der warheytt tzu gutt, das dem sprichwort gnug geschehe, das da nit ferne vom Euangelio lauttet: Die gelerten, die vorkereten.Es will das Euangeli an tag unnd beweyßen, das die weyßen narrenn, die narrenn weyße sind, unnd die man ketzer schillt Christenn sind, unnd die sich Christen rhumen, ketzer seyen. Das sag ich darumb G. H., das ich acht, E. G. musse odder werde meynett  halben auch villeicht sich eyn wenig rauchs beyssen lassen und von den hochgelarten klugenn iungernn des Bapsts hoeren, alß sey ich eyn schand unnd unehr E. G. hirschafft, das ist eyn gering gantz Euangelisch voracht asschen proddel; denn ßo genaw suchen die heyligen leut ursach tzu lestern und schmehenn, das sie auch ubir myr die frumen unschuldigen leutt tzu Sangerhußen der grentz halben nit [WA s. 7] haben muegen ungeschendt lassen, ßo es doch noch unuorurteyllet ist, ob Cuntz schmid odder der graw sperling erger ketzer oder katzen sey. Es ist Johannes Huß, Hieronymus von Prag und viel mehr ynn deutschen landen vorprennet, aber biß auff dißen tag noch nit eyn harbreyt ubirwunden. Es ist eyn leufftig prophecey vom Endchrist, das er die Christen soll mit fewr vorprennen, die muß alßo erfullet werden. Darumb wollt E. G. hie abermal gedencken des Euangelij, das es alles umbkeret und widdersynnisch gehet. Was sie schand heyssen, das ist ehre, was sie ehre heyssen, das ist schande, unnd die da vorprennen, [Matth. 5, 22] sind des fewris wirdig, und die vorprant werden, sind des [WA s. 8] gericht stuls wirdig, den werden sie auch am iungsten tag besitzen, denn wirt [Ps. 18, 27] offinbarlich ersehen werden, was da sey, das der prophet Ps. 17. sagt: Mit den vorkereten vorkeret sich auch gott. Weyll sie widdersynnisch faren unnd richten mit unrecht, ßo feret er auch unnd richtet widdersynnisch mit recht. Hie mit befilh ich E. G. und gantze hirschafft sampt allen liebhabernn des Euangeli ynn gottis gnaden, der sie fur menschen leren gnediglich behuten und auff gottlicher lere richtig und fest behallten wollt ynn freyem Christlichem glawben, Amen.

       Denn was ich mehr tzur vorrhede sagen wollt, das der brieff nit tzu lange wurde, hab ich gestellet ynn diße nehist folgende unterricht. E. G. wollt yhr meyn arme erbietung nit nach wirdickeyt, ßondernn nach gunst gefallen lassen. Geben ynn der wusten am tage sanct Elisabeth. 1521.

 

 

 

 

Eyn kleyn unterricht, was man ynn den Euangelijs suchen und gewartten soll. 1522

 

Es ist eyn starcke gewonheytt, das man die Euangelia tzelet und nennet nach den buchern, unnd spricht, es sind vier Euangelia, daher ists kommen, das man nit weyß, was .S. Paulus und Petrus ynn yhren Epistelln sagen, unnd wirt yhr lere gleych geacht alß tzusetze tzur lere der Euangelia, wie auch eyn prologus Hieronymi sich hoeren lessit. Darnach ist noch eyn erger gewonheytt, [WA s. 9] das man die Euangelia und Epistel achtet gleych wie gesetz bucher, darynnen man leren soll was wyr thun sollen, unnd die werck Christi nit anders denn alß exempel unß furgebildet werdenn. Wo nu diße tzwo yrrige meynungen ym hertzen bleyben, da mag widder Euangeli noch Epistel nutzlich unnd Christlich geleßen werden, bleyben eyttel heyden wie vorhynn.

       Darumb soll man wissen, das nur eyn Euangelium ist, aber durch viel Apostel beschrieben. Eyn iglich Epistel Pauli und Petri, datzu Actuum Luce, ist eyn Euangeli, ob sie wol nit alle werck und wort Christi ertzelen, ßondernn eynß kurtzer unnd weniger denn das ander begreyfft. Ist doch auch der grossen vier Euangelia keyniß, das alle wort unnd werck Christi begreyfft, ist auch nit not. Euangelium ist und soll nit anders seyn denn eyn rede oder historia von Christo, gleych wie unter den menschen geschicht, das man eyn buch schreybt von eynem kuenige odder fursten, was er than und geredt unnd erlitten hatt ynn seynen tagen, wilchs man auch mancherley weyß mag beschreybenn, eyner ynn die lenge, der ander ynn der kurtze. Alßo soll und ist das Euangeli nit anders denn eyn Chronica, historia, legenda, von Christo, wer der sey, was er than, geredt und erlitten habe, wilchs eyner kurtz, der ander lang, eyner ßonst der ander ßo beschrieben hatt. Denn auffs kurtzlichst ist das Euangelium eyn rede von Christo, das er gottis ßon und mensch sey fur unß worden, gestorben unnd aufferstanden, eyn herr ubir alle ding gesetzt. Szo viel nympt S. Paulus fur sich ynn seynen Epistelln und streycht das auß, lest anstehen alle die wunder und wandel, die ynn den vier Euangelijs geschrieben sind, und begreyfft doch gnugsam und reychlich das gantz vol [Röm. 1, 1 –4] Euangeli, wie das ym gruß ad Ro. klerlich unnd feyn tzu sehen ist, da er sagt, was das Euangelium sey und spricht: Paulus eyn knecht Jhesu Christi, [WA s. 10] beruffner Apostel und vorordeneter tzum Euangelio gottis, wilchs er tzuuor hatt vorsprochen durch seyne propheten ynn der heyligen schrifft von seynem ßon, der yhm geporn ist auß dem samen Dauid, nach dem fleysch, der da vorkleret ist eyn ßon gottis ynn der krafft nach dem geyst der heyligung auß der aufferstehung von den todten, der do ist Jhesus Christus unßer herr &c..

       Da sihestu, das das Euangelium eyn historia ist von Christo, Gottis und Dauids ßon, gestorben und aufferstanden unnd tzum herrnn gesetzt, wilchs da ist summa summarum des Euangeli. Wie nu nit mehr denn eyn Christus ist, ßo ist und mag nit mehr denn eyn Euangelium seyn. Weyl auch Paulus und Petrus nichts anders denn Christum leren auff vorgesagte weyße, ßo muegen yhre Epistell nichts anders denn das Euangelium seyn, Ja auch die propheten, die weyl sie das Euangelium vorkundigt und von Christo gesagt [Röm. 1, 2] haben, alß hie. S. Paulus meldet und yderman wol weyß, ßo ist yhr lere an dem selben ortt, da sie von Christo reden, nichts anders denn das ware lautter recht Euangelium, alß hetts Lucas oder Mattheus beschrieben, alß do [Jes. 53, 2 ff.] Isaias sagt ca. 53., wie er fur unß sterben unnd unßer sund tragen sollt, hatt er das lautter Euangelium geschrieben. Und ich sage fur war, ßo nit yemand dißen wahn vom Euangelio fasset, der wirt nymmer muegen ynn der schrifft erleucht werden noch den rechten grund ubirkomen.

       Zum andernn, das du nit auß Christo eynen Mosen machist, alß thu er nit mehr denn lere unnd gebe exempel wie die andern heyligen thun, alß [WA s. 11] sey das Euangelium eyn lere oder gesetz buch. Darumb solltu Christum seyn wort, werck und leydenn tzweyerley weyße fassen. Eyn mal alß eyn exempell dyr furgetragen, dem du folgen sollt und auch alßo thun, wie .S. Petrus [1. Pet. 4, 1, vergl. 2, 21] sagt .1. Pet. 4: Christus hatt fur unß gelitten, darynn uns eyn exempel gelassen; alßo wie du sihest, das er bettet, fastet, den leutten hilfft und liebe ertzeyget, ßo solltu auch thun dyr und deynem nehisten. Aber das ist das geringst vom Euangelio, dauon es auch noch nit Euangelium heyssen mag, denn da mit ist Christus dyr nichts mehr nutz denn eyn ander heylig. Seyn leben bleybt bey yhm und hilfft dyr noch nichts, und kurtzlich, die weyße macht keynen Christen, es macht nur gleyßner, es muß noch gar viel hoher mit dyr kommen. Wie wol itzt lange tzeyt ditz die aller beste weyße, dennoch seltzam geweßen ist zu predigen. Das hewbtstuck und grund des Euangelij ist, das du Christum tzuuor, ehe du yhn tzum exempel fassist, auffnehmist unnd erkennist alß eyn gabe und geschenck, das dyr von gott geben und deyn eygen sey, alßo das, wenn du yhm tzusihest odder hoerist, das er ettwas thutt odder leydet, das du nit tzweyffellst, er selb Christus mit solchem thun und leyden sey deyn, darauff du dich nit weniger muegist vorlassen, denn alß hettistu es than, ia alß werist du der selbige Christus. Sihe, das heyst das Euangelium recht erkennet, das ist, die ubirschwencklich gutte gottis, die keyn prophet, keyn Apostel, keyn engel hatt yhe muegen außreden, keyn hertz yhe gnugsam vorwundern unnd begreyffen, das ist das grosse fewr der liebe gottis tzu unß, dauon wirt das hertz unnd gewissen fro, sicher unnd tzufriden, das heyst den [WA s. 12] Christlichen glawben predigt. Dauon heyst solch predigt Euangelium, das lautt auff deutsch ßo viel, alß eyn froliche gute trostlich bottschafft, von wilcher bottschafft die Apostelln genennet werden tzwellff botten.

 

[Jes. 9, 6] Dauon sagt Isaias. 9: Eyn kind ist uns geporen, eyn ßon ist uns geben. Ist er uns geben, ßo muß er unßer seyn, ßo mussen wyr unß auch seyn [Röm. 8, 32] annehmen alß des vnßernn. Und Ro. 8: Wie hatt er unß nit alle ding sollen geben mit seynem ßon? Sihe, wenn du alßo Christum fassist alß eyn gabe dyr tzu eygen geben unnd tzweyffillst nit dran, ßo bistu eyn Christen, der glawbe erloset dich von ßunden, tod und helle, macht, das du alle ding ubirwindist. Ach, da kan niemant gnug von reden, da ist die klage, das solch predigt ynn der wellt vorschwigen ist, und doch alle tage das Euangelium gerumet ist. Wenn du nu Christum alßo hast tzum grund und hewbtgutt deyner selickeytt, Denne folget das ander stuck, das du auch yhn tzum exempel fassist, ergebist dich auch alßo deynem nehisten tzu dienen, wie  du sihest, das er sich dyr ergeben hat. Sihe, da gehet denn glawb und lieb ym schwanck, ist gottis gepott erfullet, der mensch frolich unnd unerschrocken tzu thun unnd tzu leyden alle ding. Drumb sihe eben drauff, Christus als eyn gabe nehret deynen glawben und macht dich tzum Christen. Aber Christus als eyn exempel ubet deyne werck, die machen dich nit Christen, ßondern sie gehen von dyr Christen schon zuuor gemacht.Wie ferne nu gabe und exempel sich scheyden, ßo fern scheyden sich auch glawbe und werck, der glawb hatt nichts [WA s. 13] eygens, ßondern nur Christus werck und leben, Die werck haben etwas eygen von dyr, sollen aber auch nit deyn eygen, ßondern des nehisten seyn.

       Darumb sihestu, Euangelium ist eygentlich nit eyn buch der gesetz und gepott, das von uns foddere unßer thun, ßondern eyn buch der gotlichen vorheyssungen, darynn er uns vorheyssett, anbeutt und gibt alle seyne gutter und wolthat yn Christo. Das aber Christus und die Apostoln viell gutter lere geben und das gesetz außlegen, ist tzu rechnen unter die wolthat wie eyn ander werck Christi, denn recht leren ist nitt die geringst wolthatt. Darumb sehen wyr auch, das er nit grewlich dringt und treybt, wie Moses thut ynn seynem buch und des gepots art ist, ßondern lieblich und fruntlich leret, sagt nur, was tzu thun und lassen sey, was den ubelthettern und wolthettern begegnen werd, treybt unnd tzwingt niemant, Ja auch ßo senffte [Matth. 5, 3. 5] leret, das er mehr reytzet denn gepeutt, hebet an und sagt: Selig sind die armen, Selig sind die sanfftmutigen &c.. Und die Aposteln brauchen auch gemeynicklich der wort: Ich vormane, ich bitte, ich flehe &c.. Aber Moses der spricht: ich gepiete, ich vorpiete, drewet und schreckt daneben mit grewlichem straffen und penen. Auß dißem unterrichten kanstu nutzlich die Euangelia leßen und horen.

       Wenn du nu das Euangeli buch auffthuist, lisest odder horist, wie Christus hie odder dahynn kommet odder yemandt tzu yhm bracht wirt, solltu da durch vornehmen die predigt odder das Euangelium, durch wilchs er tzu dyr kommet odder du tzu yhm bracht wirdist. Denn Euangeli predigen ist [WA s. 14] nichts anders, denn Christum tzu uns komen odder uns tzu yhm bringenn. Wenn du aber sihest, wie er wirckt unnd hilfft yderman, tzu dem er kommet unnd die tzu yhm brachtt werden, solltu wissen, das solchs der glawbe yn dyr wircke und er deyner seelen eben die selbige hulff und guette an beutt durchs Euangeli. Heltistu hie still und lessist dyr gutt thun, das ist, ßo du es glewbist, das er dyr wol thu unnd helff, ßo hastu es gewiß, ßo ist Christus deyn und dyr tzur gabe geschenckt; darnach ists nott, das du eyn exempel drauß machist und deynem nehisten auch alßo helffist und thuest, Seyest auch yhm [Jes. 40, 1. 2] tzur gabe und exempel geben, dauon sagt Isaias 40: Seytt getrost, seytt getrost meyn liebes volck, spricht ewr herr gott. Sagt yn das hertz Hierusalem und berufft sie, yhr ist vorgeben yhre sund, Eyn ende hatt yhr missethatt, sie hatt tzwiffach gutt empfangen von der handt gottis fur alle yhr sunde &c.. [5. Mose 21, 17] Diße tzwiffach gutter sind die tzwey stuck ynn Christo: Gabe und exempell, wilche auch sind bedeutt durch die tzwey stuck des erbteylls, die das gesetz Mosi tzu eygent dem ersten ßon, und durch vil ander figur.

       Wie wol es sund und schand ist, das mit uns Christen dahyn komen ist unnd wyr ßo unvleyssig ym Euangelio geweßen sind, das myrß nit alleyn nit vorstehen, ßondernn auch aller erst bedurffen, das man uns mit andern buchern und außlegung tzeyge, was drynnen tzu suchen und tzu gewartten sey. [WA s. 15] Syntemal die Euangeli und Epistel der Apostel darumb geschrieben sind, das sie selb solche tzeyger seyn wollen und uns weyßen ynn die schrifft der propheten und Mosi des allten testaments, das wyr alda selbs leßen und sehen sollen, wie Christus ynn die windel thucher gewicklet und yn die krippen gelegt sey, das ist, wie er ynn der schrifft der propheten vorfassett sey. Da sollt unßer studirn und leßen sich uben und sehen, was Christus sey, wo tzu er geben sey, wie er vorsprochen sey, und wie sich alle schrifft auff yhn tziehe, als er selb [Joh. 5, 46] sagt Johan. 5: Wenn yhr Mosi glewbetet, ßo glewbetet yhr auch myr, denn [Joh. 5, 39] von myr hatt er geschrieben. Item: forschet und suchet die schrifft, denn die [Röm. 1, 2] selbige ists, die von myr getzeugniß gibt. Das meynet sanct Paulus Ro. 1., da er ynn forn an ym gruß spricht, Das Euangeli sey von gott vorsprochen durch die propheten ynn der heyligen schrifft. Daher geschichts, das die Euangelisten unnd Apostel ymer dar uns ynn die schrifft weyßen unnd sprechen:  Alßo ists geschrieben. Item: das ist geschehen, das die schrifft der propheten [Apg. 17, 11] erfullet wurden &c.. Und Act. 17. da die Tessalonier das Euangeli mit aller lust horten, spricht Lucas, das sie haben ynn der schrifft gestudirt und [1 Petri 1, 10 –12] geforschet tag und nacht, obs alßo war were. Alßo da S. Petrus seyn Epistol schreyb, mitten ym anfang spricht er: Von dissem ewrem heyll habenn die [WA s. 16] propheten sich beforschet, die da von dißer gnad ynn euch geweyssagt haben und ersucht, auff wilche odder waßer tzeyt yhn tzeychete der geyst Christi, der ynn yhn war, und vorkundigt durch sie die leyden, ßo do sind ynn Christo, und die nachfolgende klarheyt, wilchen es auch ist offenbart, denn nit yhn selbs, ßondern uns haben sie solche ding dargethan, wilche itzt sind gepredigt unter euch durch den heyligen geyst, der vom hymel gesand ist, wilche ding auch die engel begeren tzuschawen. Was will hie mit S. Petrus, denn uns ynn die schrifft furen? als solt er sagen: wyr predigen und offenen euch die schrifft, durch den heyligen geyst, das yhr selbs mugt leßen unnd sehen, was [Apg. 3, 24 [!]] drynnen ist, unnd von wilcher tzeytt die propheten geschrieben habenn, wie er [Luk. 24, 45] auch sagt Act. 4: Von dissen tagen haben alle propheten geredt, von Samuel an, die da yhe geweyssagt haben. Drumb spricht auch Lucas Luc. ult., das Christus hab den Apostoln den vorstand auffthan, das sie die schrifft vorstunden. [Joh. 10, 2 ff.] Und Christus Johan. x. sagt: Er sey die thuer, durch yhn muß man eyngehn, und wer durch yhn eyngeht, dem thut uff der thuerwarter (der heylig geyst), [WA s. 17] das er findet weyde und selickeyt. Alßo das endlich war ist, wie das Euangeli selbs tzeyger und unterrichter ist ynn die schrifft, gleych wie ich mit dißer vorrede gerne das Euangelium tzeygen und unterricht geben wollt.

       Aber sihe tzu, wie feyn tzart frume kinder wyr sind; auff das wyr nit durfften ynn der schrifft studirn und Christum alda lernen, halten wyr das gantz allte testament vor nichts, als das nu auß sey und nichts mehr gelte, ßo es doch alleyn den namen hatt, das es heylige schrifft heyst, Und Euangeli eygentlich nitt schrifft, ßondern mundlich wort seyn solt, das die schrifft erfur truge, wie Christus und die Apostel than haben; Darumb auch Christus selbs nichts geschrieben, ßondern nur geredt hatt, und seyn lere nit schrifft, sonder Euangeli, das ist eyn gutt botschafft odder vorkundigung genennet hatt, das nit mit der feddernn, ßondern mit dem mund soll getrieben werden. Alßo faren wyr tzu und machen auß dem Euangeli eyn gesetz buch, eyn gepott lare, auß Christo eynen Mosen, auß dem helffer nur eynen lerer. Was solt nit gott vorhencken ubir solch thum vorkeret volck? Es ist billich, das er uns ynn des Bapsts lere unnd menschen lugen hatt faren lassen, da wyr seyne schrifft liessen faren und an statt heyliger schrifft eyns lugenhafftigen narren und boßen schalcks Decretales lernen musten. O wollt gott, das bey den Christen doch das lautter Euangeli bekant were, und diße meyne erbeyt nur auffs schrifft kein nutz noch nott wurde, ßo were gewiß hoffnung, das [WA s. 18] auch die heylige schrifft widder erfur keme ynn yhre wirdickeytt. Das sey gnug tzur vorrhede und unterricht auffs kurtzist gesagt, ynn der außlegung wollen wyr mehr davon sagen. AMEN.

 

 

 

 

 

Jhesus.

Die Epistell czu der Meß ynn der Christnacht. [Tit. 2, 11 –15] Ad Citum ij.

 

1522[WA s. 18]

Es ist erschynen die gnad gottis und unßers seligmachers fur allen menschen unnd leret uns, das wyr sollen absagen dem ungottlichen weßen und weltlichen begirdenn, das wyr nuchternn, rechtfertig und gottlich leben ynn dißer welt, und warten der seligen hoffnung und tzukunfft der klarheyt des grossen gottis und unßers seligmachers Jhesu Christi, wilcher sich selb hat fur uns gegeben, auff das er uns erloßet von aller ungerechtickeyt unnd reynigette yhm eyn erb volck, das da emsig were tzu gutten wercken. Solchs predige und ermane ynn Christo Jhesu unßernn herrnn.

 

[Neh. 4, 16 ff.] Es ist geschrieben ynn dem buch Nehemie .4., da sie Hierusalem widder baweten, das sie mit eyner hand bawettenn, ynn der ander hand eyn schwerdt hetten umb der feynd willen, die den baw hyndernn wolten; das legt [Tit. 1, 9.] S. Paulus ad Tit. 1. alßo auß, das eyn Bischoff, pfarrer odder prediger soll mechtig seyn ynn der heyligen schrifft tzu leren und vormanen, datzu auch den widdersprechern tzu weren; Alßo das man das wort gottis brauche ynn [WA s. 19] zweyer weyß, alß des brots und als des schwerds, tzu speyssen und tzu streyten, tzu frids und tzu kriegs tzeytten, und alßo mit eyner hand die Christenheyt baw, bessere, lere, speyße, mit der andernn dem teuffel, den ketzernn, der wellt widderstand thue. Dan wo nit wehre ist, da hatt der teuffel die weyde bald vorterbet, wilcher er gar feynd ist. Drumb wollen wyr, ßo gott gnade gibt, die Euangelia auch der massen handellnn, das wyr nit alleyn unßer seelen drynnen weyden, sondernn auch die selben alß eynen harnisch leren anthun und damit fechten wider alle feynde, auff das wyr mit weyde und wapen gerust seyn.

       Zum ersten leret S. Paulus ynn dißer Epistelnn, was Titus und eyn iglicher prediger dem volck predigen sol: Nemlich Christum und nichts anders, das das volck erkenne, was Christus sey, warumb er kummen sey, und was [Tit. 2, 11] er uns fur frucht geschafft hatt, und spricht: Es ist erschienen die gnad gottis &c.., das ist, sie ist offenbart und vorkleret.Wie ist das tzugangen? Durch die Apostell und yhre prediger ist sie vorkundigt yn aller wellt, denn ehe Christus aufferstund, war sie nach vorporgen und Christus alleyn ym Judischen land wandelt noch unuorkleret; Aber nach seyner auffart hatt er [Joh. 16, 14] den heyligen geyst geben, von dem er tzuuor gesagt. Johan. 16.: Der geyst der warheyt, den ich senden wird, der wirt mich vorkleren. Ist nu die meynung des apostels: Christus ist kummen, nit das er alleyn fur sich selb [WA s. 20] hie auff erden wandellt, sondernn uns tzu gutt; drumb hatt ers auch nit bey und yn yhm bleyben lassen noch behalten, sondernn nach seyner auffart lassen vorkundigen, predigen, sagen, offentlich ynn aller wellt fur yderman solch seyne gutte und gnade. Auch solch offenbarung und vorkundigung nit thun lassen, das alleyn dabey bleybe und nur eyn rede odder gehoere sey, sondernn frucht bringe ynn uns. Denn es ist eyn solch offenbarung und vorkundigunge, die uns weyßet, das wyr sollen absagen, vorsachen und ablegen allis, was ungottlich ist, und alle yrdische weltliche lusten oder begirden, und also hynfurt eyn nuchtern, rechtfertig, gotlich leben fueren.

 

[Tit. 2, 11.] Der recht text hatt also: Es ist erschienen die heylwerttige gnade gottis &c.. Damit er der welt und menschen gnade vordampt, als die do sey schedlich, vordamlich und untuchtig, will dadurch uns tzu begirden der gotlichen gunst und gnaden raytzen und uns leren vorachten menschlich gunst unnd gnaden. Denn wer gottis gnaden und gunst haben will, der muß sich aller [Matth. 10, 22.] ander gnaden und gunst erwegen, wie er selb sagt Matt. 10: yhr werdet umb [Ps. 53, 6.] meynis namens willen von allen menschen gehasset werden, Und Ps. 52.: Gott hatt yhr gepeyn tzurstorett, die denn menschen gefallen wollen. Und Paulus [Gal. 1, 10.] Gal. 1.: Wenn ich denn menschen hett bißher wollen gefallen, ßo were ich nit [Tit. 2, 11.] Christus knecht. Drumb wo die heylpar gnade gottis erscheynd und vorkundigt wirt, da muß die schedlich gnade der menschen vorschwigen und vortunckelt [WA s. 21] werden, und wer ihne will erkennen und schmecken, der muß dieße vorachten und vorgessen.

 

[Tit. 2, 11] Er spricht, sie sey fur allen menschen erschynen oder vorkundigt; [Mark. 16, 15] denn Christus Marci ul. befalh, sie solten das Euangelium yn aller welt allen [Kol. 1, 23.] creaturen predigen, und auch Paulus an vil ortten, sonderlich Col. 1., sagt: Das Euangelium, das yhr gehoert habt, ist gepredigt fur allen creaturn, die unter dem hymel ist, das ist, es ist offentlich gepredigt, das alle creatur hetten muegen hoeren, viel mehr alle menschen; denn tzuuor predigt Christus alleyn ym Judischen land, und die heyligen schrifft war nur bey den Jueden, wie [Ps. 76, 1 ff., Ps. 148, 14] der 75. und .147. psalm sagt. Aber darnach ists frey außgelassen und ihm [Ps. 19, 5] keyn ortt bestympt, sondernn wie der .18. ps sagt: Inn alle land ist außgangen yhr stymme, und ynn alle ort der welt yhre wort; das ist von den Apostelnn gesagt.

       Mochst aber sagen: ist doch das nit geschehen zu der Apostel tzeyt, ist doch deutschland bey acht hundert iaren nach den Apostelnn bekeret worden, und itzt newlich viel inseln und land funden, wilchen nichts bißher ynn funffzehenden hundert iaren erschienen ist von solcher gnaden?2 Antwort: der [WA s. 22] Apostel redt von der artt deß Euangelium; denn es ist eyn solch prediget, die alßo angefangen ist und datzu verordnet, das sie ynn alle welt kummen solt, und zu der Aposteln zeyt schon ynß groste und beste teyl der welt kummen war. Aber vorhin ist kein predigt der art angefangen noch vorordnet; denn das gesetz Mosi war vorfasset ynß iudissche volck allein. Drumb weyl das meyste dran geschehen was und vollend geschehen must, wie es dennoch geschicht, so nennet es die schrifft alß sey es geschehen; denn die schrift hat ein weiß zu reden, die hyest Synecdoche fast gemein, das ist, wen man von eynem gantzen ding redet, des nur eyn stuck alßo ist . Alß das Christus drey tag und drey nacht ym grab sey gelegen, so er doch nur eynen tag, zwo nacht, [Matth. 23, 37.] und zwey stuck von zweyen tagen drynnen lag. Alßo spricht er Matt. 23., Hierusalem steynige die propheten, ßo doch eyn groß teyl frummer leut drynnen [WA s. 23] waren. Alßo spricht man, die geystlichen seyn geytzig, ßo doch viel frummer unter ihn sind, und ist eyn fast gemeyne weyß yn allen sprachen also reden, ßonderlich in der heyligen schrifft. Also ist das Euangelium zu der zeyt allen creaturn prediget; denn es ist ein solch predigt, die fur alle creaturen tzu kummen außgangen, angefangen und vorordent ist. Auff die weyße mocht eyn furst sagen, wenn seyn botschafft abgeferttigt an seynem hoff und hinnauß auff die straß kummen ist: die botschafft ist dahyn, zu dem oder zu dem, so sie doch noch nit gar dahyn ist. Alßo hatt gott seyn Euangelium auch fur allen creaturn lassen außgehen, obß wol nit ßo bald allis geschehen. Drumb [Ps. 19, 5.] hatt der prophet Ps. 18. nemlich gesagt: In alle land ist außgangen yhre stym, spricht nit: in alle land ist sie schon kummen, ßondernn: sie ist auff dem wege und gaht auß yn alle landt. Alßo meynt Paulus auch, es werd gepredigt und werd offenbar on unterlaß fur allen menschen, unnd ist schon auff der ban und geschehen, doch nit gar.

 

[Tit. 2, 11] Zwey stuck leret uns solcher gnad erscheynen, als hie S. Pau. sagt: entsagen dem ungottlichen weßen und weltlichen lusten, die mussen wyr [WA s. 24] vorkleren. Das wortlin Impietas, das der Apostell auff kriechis nennet Asebia, unnd auff hebreichs heysset Resa, kan ich mit keynem deutschen wort erlangen, drumb hab ichs genennet eyn ungotlich weßen, wiewol auch das latinisch unnd krichisch nit erlangt gnuglich das hebreisch. Denn Resa heyst eygentlich die sund, das man got nit ehret, das ist, das man yhm nit glewbt, trawet, furcht sich, yhm nit ehr gibt, yhn nit lessit walden und eyn gott seyn; yn wilcher sund wol tieff sticken die groben euszernn sunder, aber viel tieffer die weyssen, heyligen, gelerten, geystlichen, die fur der welt und yhn selbs frum seyn, auff yhre werck bawen, kurtzlich, alle, die nit auff die blosse gutte und gnade gottis sich ergeben und leben, sind alle Impij, ungottlich, ob sie gleych fur grosser heylickeyt todten auffweckten, Junpfrawen und aller tugent voll weren. Ich mocht gernn, das man sie nennet gnadloß oder glawbloß menschen; wolan, wyr wollen sie nennen gottloß, denn darumb spricht Paulus, [Tit. 2, 11.] das die heylwertig gnade sey erschienen den gnadloßen menschen, auff das sie gnadreich unnd gottreich wurden, das ist, das sie gott glawben, trawen, furchten, ehren, lieben und lobe, unnd alßo das ungotlich weßen ynn eyn gotlich weßen kereten.

       Denn was were es nutz, das die heylwertige gnade gottis erschiene, ßo yemand durch etwas anders furnehm frum tzu werden odder gottlich weßen [WA s. 25] tzu furen? Szo hie s. Paul. sagt, sie sey darumb gepredigt und offenbart, das [Tit. 2, 12.] wyr nit durch uns noch auß uns selb, sondernn durch sie sollen absagen dem ungottlichen weßen und hinfurt gottlich leben; darumb schmeht niemand dieselb gnad hoher, widderspricht auch solcher erscheynung niemant grewlicher denn die gleyßner und gotloße  heyligen, die nit wollen yhr ding lassen nichts, sund und vordampt seyn, finden noch viel guttis ynn yhn selbs und wircken on gnad viel vordienste nach yhrer gutten meynung, alß sie dunckt. Aber got will keyn werck gut achten, ist auch nit gutt, das er selb nit ynn uns wirckt durch sein gnade; darumb das er derselben viel wircke ynn uns allen, [Tit. 2, 11] und unßere werck auffhoeren, hatt er seyn heylwertige gnade fur allen menschen offenbart.

       Szo ist nu das erst boeß stuck aller menschen, das sie gotloß, heylloß, gnadloß seynn, darynn begriffen wirt tzum ersten das glawbloß hertz, darnach alle gedancken, wort, werck und gantzes leben, das auß unnd ynn solchem glawbloßen hertzen gefuret wirt, das der mensch, yhm selb gelassen, nur auß naturlichem vormuegen und vornunfft lebt unnd wandlet, wilchs doch ßo schon und groß etwan gleysset, das auch die rechten heyligen nitt so gleyssenn. Aber darynnen suchen sie nur yhr eygenthun, muegen auch nit got tzu ehren leben und wandelnn, ob sie gleych sich des rumen, stellen und duncken lassen mehr denn die rechten heyligen, dauon die schrifft viel sagt; denn es ist gar eyn großweytleufftig, doch seher subtiel ubel solch gotloß gnadloß weßen, das die, ßo drynnen wandellnn, nymer muegen erkennen, glewbens auch nit, ßo mans [WA s. 26] [Ps. 32, 2.] yhnen sagt, das der prophet Ps. 31. nennett es nit eynn vornunfftig, weltlich, fleyschlich, sondernn eyn geystliche list, die nit alleyn die vornunfft, ßondernn auch den geyst des menschen betreugt. Und kurtzlich, man muß es mehr glawben denn fuelen; denn ßo gott seyn gnad lest vorkundigen allen menschen, das sie sollen absagen dem gottloßen weßen, muß man yhm glawben, als dem, der unser hertz baß erkennet denn wyr, und bekennen, wenn nit unser ding gotloß, vordamlich were, ßo wurd er gnade nit lassen außschreyen solchs tzu wenden. Es were eyn narr, der eyn ertzney gebe dem, der nit krang were. Drumb muß gott tzu eynem narren werden fur denen, die nach yhrem guttduncken und fuelen wollen glawben, das alle yhr ding gotloß, vordamlich unnd seyner heylwertigen gnaden durfftig sey, das gar schrecklich [Matth. 21, 32 ff.] ist. Drumb spricht er Matt. 21: Wie die ubirsten priester, gelerten und geystlichen nitt haben geglawbt johanni dem tauffer, der sie hieß buße thun, aber sie wolten von keyner sund wissen. Alle propheten sind hirob erwurgt, das sie das volck umb diße sund strafften, aber niemand wolt yhn glauben, meynet niemant, das solch sund ynn yhn were; denn sie richten nach yhrem fuelen und duncken und wercken, nit nach gottis wort und gericht, das er durch die propheten furtrug.

 

[Tit. 2, 12.] Drumb setzt S. Paul. hie gar ein wacker wort auff kriechiß: Pedefusa, [WA s. 27] das heyst unterweyßen, wie man die kinder unterweyset, von neweß an, das sie vorhyn nie gehort noch erkennet haben, wilch auch nit nach yhrer vornunfft, ßondernn nach dem wort des vatters sich richten, was derselb ihn nutzlich oder schedlich deuttet, das halten sie alßo, glawben und folgen yhm. Aber den vorstendigen und grossen tzeygt man ursach an, das sie mit der vornunfft begreyffen, was nutz oder unnutz. Solche kinder will auch tzu schuelernn haben die heylwertige gnad gottis, das, obs uns nit dunckt, doch yhr glewben sollen, das unßer weßen gotloß und vordamlich sey, und alßo die gnad empfahen [Matth. 18, 3.] unnd yhr folgen. Darumb spricht wol Christus Mat. 18.: Werdet yhr nit umkeret und gleych wie die iungen kinder, so muegt yhr nit eyngahn yn das [Jes. 7, 9.] hymelreich. Und Isaie. 7.: Wo yhr nit glewbt, ßo muegt yhr nit bestehen. [Tit. 2, 11. 12.] Alßo erscheynet die gotliche heylwertige gnade, nit alleyn uns tzu helffen, ßondernn leret auch uns erkennen, das wir yhr durffen, dieweyl sie mit yhrem erscheynen antzeygt, das alle unßer weßen ungottlich, gnadloß, vordampt [Ps. 119, 29 ff.] sey; daher bitt ßo fast der Ps. 118., das gott yhn wolt seyn gericht, seyn gesetz, seyn gepot leren, auff das er ia nit nach seynem gutduncken und fuelen [5. Mose 12, 8.] wandlet, wie das got vorpotten hat Deut. 12.: Du solt nit thun, was dich recht dunckt.

 

[Tit. 2, 12] Das ander boß stuck ynn menschen nennet er die weltlichen begirden, begreyfft darynn alle das unordige weßen, das eynn mensch gegen sich selb [WA s. 28] und seynen nehisten füret, gleych wie das erst das gotloße weßen begreyfft, alle unordnung gegen got. Sihe aber tzu, wie dapffer auch diße wort gesetzt sind: Begird, weltlich; denn weltlich nennet er sie, das er alle boße begird begreiff, es sey der gutter, lust ehre, gunst, und als, was die weltt haben mag, daryn sich eyn mensch vorsundigen mag mit begirden. Auch ßo spricht er nit, das wyr sollen absagen den weltlichen guttern oder yhrem brauch; die gutter sind gut und gottis creaturn, ßo mussen wyr yhreß diensts geprauchen tzu essen, trincken, kleydernn und andere noddurfft, ist der auch keynis vorpotten,  ßondernn die begirde derselben, das ankleben, der anhang, das ist [Tit. 2, 13.] vorpotten, dem mussen wir absagen; denn dasselb fueret uns ynn alle sund widder uns selb und unßernn nehisten.

       Auch wirt damit aber der gotloßen gleyßner weßen vordampt, wilch, ob sie wol ynn schaffs kleydernn gahn und etwa boß that lassen anstehen auß furcht der schand oder helle peyn, ßo sticken sie doch voller boßer begirden des guts, der ehre, der gewalt; Und ist kein mensch, der diß leben ßo fast liebt, den todt so seher furcht und so gernn hie auff dißer welt bleybt, alß dieselben; noch achten sie solcher weltlichen begirden, daryn sie ersoffen sind, nicht, thun vil werck nur vorgebens. Es ist nit gnug hie alleyn die weltlichen werck oder wort abzuthun, es sollen die weltlichen begirden abseyn, das wir dißes lebens und allis, das drynnen ist, nur brauchen und seyn nit achten, nur hynauß [WA s. 29] [Tit. 2, 13.] gedencken yn ihenis leben, wie dan folget in dißer epist., das wir warten sollen der zukunfft &c..

       Hie sehen wir aber, das die gnad gots offenbart, wie alle menschen voller weltlicher begirde sticken, ob gleych etlich dieselben mit gleyßen bergen. Denn wenn yemand derselben on were, ßo durfft die gnad nit offenbart seyn worden, durfft auch nit heylwertig seyn, solt auch nit allen menschen erschienen seyn, auch nit weyßen, das solch begirden abtzulegen seyen; denn wer sie nit hat, darff sie nit ablegen, den trifft auch dißer spruch Pauli nit. Er muß auch keyn mensch seyn, ßo ist yhm die gnad auch nit nodt nach nutz, darff yhm nit erscheynen. Was mag er denn seynn? an tzweyffel ein teuffel, ewig vordampt mit aller seiner heilickeit und reinickeit. Wiewol, wenn sie alle weltlich begird bergen, so muegen sie doch die nit bergen, das sie gernn yn dissem leben bleyben, ungern sterben, damit sie antzeygen, wie gnadloß sie seyn und alle yhr weßen gotloß und welltsuchtig sey, noch sehen sie nit yn solch yhren gnadloßen ferlichen geprechen.

 

[Tit. 2, 12.] Er spricht auch: Wyr sollen absagen oder entsagen; damit er vil nerrischer weyß abethut, die durch menschen erfunden sind frum zu werden.Denn ettlich lauffen yn die wusten, etlich yn kloster, etlich sondernn sich von den leutten und geben fur mit leyplicher flucht dem ungotlichem weßen und weltlichen [WA s. 30] lusten entlauffen. Etlich mit marternn und vorterbung des leybs, das sie ihm mit hunger, durst, wachen, kleydernn, erbeyt haben mehr zuthan, denn die natur tragen kundt; ia, wenn das gotloßen weßen und weltliche begirde weren an des hauß wand gemalet, so mochstu drauß lauffen, oder weren in den rotten rock gestrickt, szo mochstu yhn auszthun und ein grawen anthun, odder wuchßen dyr ynn denn haren, ßo mochstu dich lassen bescheren und eyn platten machen, odder werenn ynß brott gepacken, ßo mochstu wurtzell dafur essenn. Nu sie aber ynn deym hertzen sticken und dich durch unnd durch besitzen, wo wiltu hyn lauffen, dahyn du dich nit mitnehmist? Was wiltu anthun, da du nit unterbleybist? Was wiltu essen und trincken, da du nit bey seyest? Kurtzlich, Was wiltu thun, da du nit selbst seyest, wie du an dyr selbst bist? Lieber mensch, die großt reytzung ist ynn dyr und must von dyr [Jak. 1, 14.] selbs am ersten lauffen und fliehen, wie s. Jacob sagt: Eyn iglicher sundigt von seyner selbs begirden gereytzet und vorfurtt.

       Darumb ists nit die meynung, das man alleyn die eußerlich ursach tzu [Tit. 2, 12.] sundenn fliehe, sondernn, wie hie S. Paulus sagt: Abgesagt soll es seyn, das die begirdenn ynn uns getodtet werden, ßo mag uns keyn eußerlich reytzung schaden; das ist recht geflohen. Szo die nit getodtet werden, ßo hilfft keyn fliehen eußerliche reytzunge. Ja, wyr mussen bleyben mitten unter den reytzungen und alda leren durch die gnad absagen den begirden und gotloßen weßen, wie [WA s. 31] [Ps. 110, 1.] der Ps. 109.: Du sollt hirschen odder obligen mitten unter deynen feynden, streyt, nit fliehen, erbeyt, nit ruge muß hie seyn, sollen wyr die kron erwerben. Szo leßen wyr von eynem alltuatter, der mocht ym kloster nit bleyben fur unleyden der reytzungen, gedacht ynn der wusten mitt frid gott tzu dienen; da er nu drynnen war, fiel yhm eyn mal seyn wasserkruglin umb; Er richts widder auff, es fiel aber umb, da wart er tzornig und tzuwarff den krug auff eyntzelen stucken, da schlug er ynn sich selb. Sih, sprach er, Ich kann mit mir alleyn nit frid haben, nu sihe ich, das ynn myr der geprechen ist, und hynn widder ynß kloster, gab sich ynn leyden der reytzung, und leret hynfurt nit mit fliehen, ßondernn mit absagunge die weltlichen begirdenn dempffen.

 

[Tit. 2, 12.] Weytter tzeygt er, wie wyr leben sollen nach abgesagtem gotloßen weßen und weltlicher begirden, und spricht, das wyr nuchtern, rechtfertig, gottlich leben auff dießer welt. Wie gar eyn feyn gemeyn regel und leben gibt er allen stenden gemeß und ebenn. Richtet keyne secten auff, macht keyn unterscheyd unter  den menschen, wie die menschenlere thun. Das erst ist nuchterkeyt, darynnen er allis begreyfft, was den menschen betrifft gegen yhm selbs zu thun, wilchs stett darynnen, das er seynen eygen leyb casteye und woll tziehe. Unßer text nennet solchs allen enden Nuchterkeyt, das S. Paulus [WA s. 32] sophron nennet auff kriechisch, wilchs nitt alleyn nuchterkeytt, ßondernn messickeytt heysset ynn allem wandel des leybs odder fleyschiß, alß da ist: essen, trincken, schlaffen, kleydernn, wortten, gesicht, geperdenn, wilchs man auff deutsch nennet eyn erber leben und eyn woll getzogen mensch, das sich ynn allen solchen stucken weyß feyn messig, tzuchtig und tapffer tzu hallten, das nit der mensch eyn wild, frech, frey, unordig weßen fuere, ynn fressen, sauffen, [Tit. 2, 3. 4] schlaffen, wortten, gesicht, und geperdenn. Alßo spricht er auch droben, das die allten matron sollen die iungen weyber leren und tzihen tzu solcher erberkeyt und redlickeyt.

       War ists, das fressen, sauffen und voll seyn solchs erber leben am aller meysten hyndert und vorstoret, widerumb nuechternn seyn eyn groß fodderung und hulff datzu ist. Denn ßo bald der mensch tzu voll ist, mag er nymmer bey yhm selb bleyben, werden alle funff synn wild und ungetzogenn, wie die erfarung leret, das, wenn der bauch voll speyß und tranck ist, ßo ist das maul auch voll wort, die oren voll lust tzu horen, die augen voll lust tzu sehen, der gantz leyb fawl, schlefferig und unlustig oder alltzu wild und wust, und alle gelid gleych auß der tzucht und vornunfft getretten und keyn regiment [Tit. 2, 12] noch maß mehr da ist. Darumb ists nit gantz ubel ynn unßerm text vorlatinischt: Nuchterkeyt, denn auch ynn kriecher sprach Asotos unnd sophron gegen ander lautten, wie ym deutschen vollerey und messickeytt. Auch wenn man das latin recht ansihet, ßo heyst sobrius nit alßo nuchternn, das man des morgens nichts gessen odder getruncken habe, Szondernn sobrius und ebrius sindt auch gegen ander, wie ym deutschen trunckenheyt odder vollerey und [WA s. 33] nuchterkeyt. Auch wir deutschen den nuchtern heyssen, der nit truncken odder voll ist, ßondern feyn bey yhm selbs und messig, ob er gleych gessen und truncken hat.

       Nu sihe, was der Apostell fur gutt werck lere; er heysset nit wallen, lauffen, vorpeutt nit disse odder disse speyß, leret nit solch odder solch kleyder tragen, nit den odder den tag fasten, wie die thun, die durch menschen gesetz sich selbs außschiessen und yhr geystlich gutt leben ynn verstellung der kleyder, der speyß, der hahr, der tag grundenn, wollen damit frum seyn, das sie nit ynn gemeyner weyß faren mit kleydernn, stetten, speyssen, tzeytten, geperden, und haben eynen rechten namen ym Euangelio, das sie Pharisei, die außgeschossen [Ps. 80, 14] oder abgesonderten [heissen], Wilch der prophet Ps. 79. nennett Monios, das heyst: eyn sonderling, das heyssen sie fur wilde sew, die alleyne und sonderlich geht; wyr wollen sie hynfurt auch sonderlinge nennen, das man sie erkenne muege. Sie vorwusten auch grewlich den gottis weynberg, wie derselb [Ps. 80, 9 ff.] psalm klagt; denn solch pharisei und sonderlinge mit yhren auffsatzen und ßonder erwelten eygnen kleydernn, speysen, tagen, geperden, gleyssen seher und tzihen leychtlich den hauffen von der rechten straß auff yhre wege, das, wie [Matth. 24, 24] Christus sagt, auch die außerweleten nit fur yhn bleyben muegen.

       Drumb last unß hie lernen von S. Paulo, das keyn speyße, keyn tranck, [WA s. 34] keyn farbe, keyn kleyd, keyn tag, keyn geperde vorpotten noch bestympt ist, ßondern ist alles frey yderman, nur das man nuchtern und messig sich [Tit. 2, 12] drynnen hallt. Nit seyn die ding vorpotten, (wie droben gesagt,) ßondern die unordnung, der ubirfluß, der mißprauch ist vorpotten. Wo aber ist eyn ßonderung und außtzihen der speyß, kleyder, stett, tage, da seyn gewißlich menschengesetz, und ist die Euangelisch Christliche lere und freyheyt nit, und wirt tzuletzt nur heucheley und gleyssen drauß, werden doch nit messig noch nuechternn. Drumb brauch alliß dings auff erden, wilchs, wenn und wo du [Tit. 2, 12] wilt, und danck gott, wie S. Paulus leret, hutt dich nur fur ubirfluß, unordnung, mißprauch odder untzucht ynn denselben, ßo gehistu die rechte strasse; laß dich nit yrren, das heylige vetter haben orden und secten eyngesetzt, solch und solch speyß und  kleyder tragen, ßo und ßo than. Sie habens nit than, sich außtzußondern fur andernn, sie weren sonst nit heylig, ßondernn es hatt yhn ßo wol gefallen, und yhr messickeyt daryn geubt; ube du sie auch, warinn du willt, und bleybe frey, bind dich nit an solche weyßen und weßen, alß seyen es rechte wege eynß gutten lebens; denn du wirst eyn ßonderling und vorleurist die gemeynschafft der heyligenn, da hutt dich fur mit vleyß fasten muß man, wachen muß man, erbeytten muß man, gering kleyder tragen muß man. &c.. Aber thu das, wenn dich dunckt deyn leyp tzu casteyen und messigen bedarff, setze nitt benante tag odder stett datzu, ßondern thu es, [WA s. 35] wilchen tag es die nodt und messickeyt foddert, das heyst denn recht fasten und ist alle tag gefastet, und den welltlichen begirden absagen; ßo leret das Euangelium, das ist des newen testaments volck.

 

[Tit. 2, 12.] Das ander, das wyr ym leben seyn sollen rechtfertig, da wirtt aber keyn werck noch tzeyt bestympt und außgeßondert, das yhe die gottis strasse frey und gemeyn bleybe, unnd wirt alliß heymgestellet ynn eyniß iglichen eygen auffsehen, das er recht thu, frey, wenn, wo, und wilchem sichs begibt zu thun. Denn ynn dißem stuck leret S. Paulus, wie wyr unß gegen [Matth. 7, 12] unßerm nehisten hallten sollen, dem seyn wyr gerechtickeyt schuldig, die steet ynn den tzweyen, das wyr yhm thun, was wyr wollten von yhm unß than haben, und lassen, was wyr von yhm wollen gelassen habenn, das ist, ßo wyr yhm keyn schaden noch leyd thun an seynem leybe, weybe, kinden, freunden, gutt, ehren und allem, das seyn ist, widderumb yhm helffen und beystehen, wo wyr sehen, das er unßer darff, mit leyb, gutt, ehre, und allem, das unßer ist; denn gerechtickeyt ist, das man thut eym yeden, was yhm gepurt. O wie eyn kleyn wortt ist das, und ßo weytt umb sich greyfft, o wie wenig [Tit. 2, 11. 12] wandeln disenn weg der gerechtickeyt, die doch ßonst wol leben!4 Alle ding thun wyr, on solchs, was die heylwertig gnade unß offenbart und weyßet tzu thun.

       Diß stuck muß man alßo außbreytten, das auch unßer feynd durch den nehisten vorstanden werde. Aber dießer weg ist gantz vorwachßen, viel mehr denn der weg der messickeytt, wiewol auch derselb durch speyß, kleyder, geperd, prangen ßo ubirschwencklich und mehr denn ubirflussig eyngerissen gantz vorwustet ist und ungebenett ligt, effen und nerren unß doch dieweyl mit [WA s. 36] rosenkrentzen, mit kirchen und lehen stifften, mit meß hoeren, mit feyern und unßer eygen wercklin, da got nichts von gepotten hatt. O herr gott, [Jes. 5, 14.] wie weyt hatt die hell den rachen auffgethan, alß Isaias 5. sagt, und wie eng ist die hymelthur worden durch die vorfluchten lere und fundle der ßonderlingen und phariseen! Die maler sind propheten, tzeygen unwissend an, wie die sach itzt steht, sie malen die hell eyn weytt offnen trachenmaul, unnd die hymelthur tzugeschlossen . O wehe des bildiß! Darumb darffstu nit fragen, was du thun sollt eußerlich: sihe auff deynen nehisten, da wirstu tzu thun finden, wenn deyner tausent weren. Vorfure dich nur selb nit, denck nur nitt, das du mit beten und kirchen gehen odder stifften und gedechnißen wirst gen hymel kummen, ßo du fur deynem nehisten fur ubirgehist; gehist du hie fur yhm ubir, ßo wirt er dortt ym weg ligen, das du must widder fur der hymelpfortten ubirgehn, wie der reych [Luk. 16, 19 ff.] man, der den Lasarum ließ liegen fur seyner thur. O wehe unß pfaffen, [WA s. 37] Monichen, Bischoffen und Bapst, was predigen wyr? was leren wyr? wie [Matth. 15, 14., Luk. 16, 39] fueren wyr das arm volck von der straß?! Eyn blind furet den andernn, fallen [Tit. 2, 15] beyde ynn die gruben. Solch ding sollt man leren, wie auch S. Paulus am end der Episteln sagt.

 

[Tit. 2, 12] Das dritte stuck, das wyr gottlich leben, das leret, wie wyr unß gegen gott hallten sollen, ßo seynn wyr volkommen geschickt gegen unß selb, gegen unßern nehisten, gegen gott. Nu wie droben gnug gesagt ist, Impietas sey das ungottlich, gnadloß, gotloße weßen, Alßo ist widderumb pietas das gottlich, gnadreich, glewbichß weßen, das stett ynn dem, das man gott traw, alleyn auff seynn gnade baw, keynn werck nitt achte, es werd den von yhm ynn unß mit gnaden gewirckt, das er ynn  unß alßo erkennett, dadurch geehret, gerumbt, gelobt, und geliebt werde. Und stett kurtzlich ynn den tzweyen, [Ps. 34, 9 10, Ps. 147, 11] das wyr yhn furchten und yhm trawen, wie Ps. 33. und. 146 singt: Gott hat eyn wolgefallen ubir die, die yhn furchten und trawen auff seyne barmhertzickeyt. Die furcht ist, das wyr glewben, all unßer ding sey eyn ungottlich weßen, wie unß seyner gnaden erscheynen tzeygt, darumb wyr unß fur yhm furchten und auß solchem weßen eylen tzu kummen und hynfurt dauor unß hueten. Die traw ist, das wyr nit tzweyffelln, er woll unß gnedig seyn und [WA s. 38] gottlich, gnadreich menschen machen. Sihe, alßdenn lest der mensch gott den tzawm, ergibt sich yhm tzu eygen, thutt nichts auß yhm selber, lest gott ynn yhm walden und wircken, das alle seyn sorg, furcht, bitten und begird ist on unterlaß, das yhn yhe gott nit laße seyn selbs werck und leben fueren, wilchs er erkennett gotloß und tzornß werd seyn, ßondernn wolt yhn regieren und ynn yhm mit gnaden wircken; davon wechst denn eyn gutt gewissen, lieb und lob tzu gott. Sihe, das heyssen pij, gottreyche, gnadreiche menschen, die nit ynn vornunfft noch natur, ßondernn alleyn ynn gottis gnaden wandelnn und trawen, alltzeytt furchten, das sie ia nit erauß fallen ynn yhr vornunfft, eygen dunckel, gutte meynung, und selb erdachten werck; [Ps. 119] dauon hat Dauid den gantzen Ps. 118. macht, da alle verß dasselb bitten, der doch wol hundert sechs unnd siebentzig sind, ßo groß liegt an dießem gottlichen wege. Unnd ßo ferlich stellet yhm nach die natur, vornunfft und menschen lere, das niemant gnugsam sich furchten und hutten kan.

       Sihe, alßo foddert gott nit von dyr kirchen pawen, wallen, stifften, meßhoeren, diß oder das, Szondernn eyn solchs hertz und leben, das ynn seynen gnaden geht und sich furcht fur andernn wegen und leben, die außer der gnaden gahn. Nit mehr kanstu yhm geben, denn das ander gibt er allis [Ps. 50, 7 –15] dyr, wie er spricht Ps. 49.: O Israel, meynstu, das ich nach deynen gaben [WA s. 39] unnd opffernn frage, ists doch vorhynn meyn alliß, was ynn hymel und erden ist, das ist meyn dinst, das du mich lobist und gebst myr deyn gelubd, ruffist mich an ynn deynen nodten, ßo will ich dyr helffen, ßo ehristu mich, alß sollt er sagen: du hast myr gelobd, ich soll deyn gott seyn, das hallt auch, laß mich ynn dyr wircken, wirck du nichts eygenß, laß mich dyr helffen ynn deynen notten, vorsihe dich alliß dings tzu myr, das ichs gar alleyn thu, was du lebist, ßo kanstu mich und meyn gnad erkennen, lieben und loben, das ist die recht straß tzur selickeyt, ßonst, wenn du selbist wirckist, ßo lobistu dich auch selbiß und achtist meyn nit, lessist mich nit deyn gott seyn, wirst trewloß und brichst deyn gelubd &c.. Sihe, das ist der rechte gottis dienst, datzu man keyner glocken, keyner kirchen, keyneß geseß noch tzyerd, keyner lichte noch kertzen, keyner orgelln noch gesang, keyniß gemelds noch bildiß, keyner taffellnn noch altar, keyner blatten noch kappen, keyniß reuchernn noch bsprengen, keyner proceß noch creutzgangß, keiniß ablaß noch brieffs bedarff. Denn das sind alliß menschen fundle und auffsetz, die gott nit acht, und den rechten gottisdienst mit yhrem gleyssen vordunckeln. Es darff nur eynerley, des Euangeli, das man das wol treybe, und darauß solchen gottis dienst dem volck bekand mache, das ist die rechte glock und orgelln tzu dießem gottis dienst.

 

[Tit. 2, 12] Er spricht auch, wyr sollen alßo leben auff dießer wellt. Zum ersten: Darumb, das nit mit wercken sey außgericht, es soll das gantz leben alßo [Matth. 10, 22; 24, 13, Mark. 13, 13] seyn, dieweyl wyr hie seyn, denn wie Christus sagt: wer do bleybt bestendig biß anß ende, der wirtt selig. Es thun wol etlich tzuweylen etwas, Aber [WA s. 40] das leben ist nit da, weret auch nit biß anß ende. Zum andern: Das niemant seyn gutt leben spare biß nach dissem leben oder ynn den todt; denn hie auff dissem leben muß geschehen, was wyr ynn ihenem leben sollen gewartten. Nu vorlassen sich viel auff das fegfewr und leben biß anß end, wie sie lustet, wollen darnach mit vigilien und seelmessen yhn helffen, sie sollenß wol ynnen werdenn. Es were derhalben gutt, das das fegfewr nie erkennet were; Es legt wol ßo viel guts nyder, macht viel kloester, stifft, pfaffen unnd munich, damit disse drey stuck deß Christlichen lebenß starck vordruckt werden, ßo doch nichts vom fegfewr hatt gepotten nach gesprochenn, und geb gott, das nit gantz odder das mehrteyll triegerey sey! Denn  was gott nit setzt, ist aller dinge ferlich antzunehmen und drauff bawen, ßo wyr kaumet bleyben kunden, wenn wyr auff gottis satzung bawen, die doch nit [Tit. 2, 12.] wancken kan; furwar dißer spruch Pauli stost hartt widder das fegfewr, dieweyl er will auff dißer wellt wol gelebt haben, das ich nit gern wollt eyn solchen stoß an meynem glawben leyden. Nit das ichs fegfewr noch tzur tzeyt leugne, ßondern das es ferlich ist tzu predigen, dieweyl gottis wortt und schrifft nichts dauon sagt, obs gleych an ihm selb war sey.

       Aber vill mehr sagt er darumb: ynn dißer wellt, anzuzeygen die krafft der heylwertigen gnaden gottis, das die wellt ßo boeß ist, das eyn gotlich mensch gleych alleyn, on exempel, wie eyn roß unter den dornen leben muß unnd von yhr allerley ungluck, vorachten, schand unnd sund leyden. Alß sollt er sagen: wer nuchternn, rechtfertig, gotlich leben will, der muß sich [1. Mose 13, 12. 13] erwegen aller feyndschafft und das kreutz an sich nehmen; Muß sich nit [WA s. 41] lassen yrren, ob er gleych allein, wei Loth tzu Sodoma und Abraham ynn Canaan, unter eyttelln, vollen, truncken, untzuechtigen, ungerechten, falschen, ungotlichen menschen sollt leben. Es ist die wellt und bleybt wellt, der muß er sich eußernn unnd widdersinnisch leben, sie straffen ynn yhren welltlichen begirden. Sich, das heyst mitten ym schenckhawß nuchternn, mitten ym boßen hawß tzuchtig, mittem ym tantzhawß gotlich, mitten ynn der mordgrubenn gutlich leben. Solch wellt macht denn diß leben enge unnd vordrießlich, das der mensch wunscht, schreyet und rufft nach dem tod unnd iungsten tag und warttet desselben mit grossem sehnen, wie folget. Eyn solch schwere leben muß die gnade furen. Natur unnd vornunfft ist hie vorlorenn.

 

[Tit. 2, 13] Und wartten der seligen hoffnunge.

Da tzeygt er an eyn rechten unterscheyd eyniß gotlichen lebenß von allen andern leben, dabey eyn iglicher mag fulen, wie nah oder fern er sey von eynem gnadenreychen leben. Tret ertzu alle, die do wol leben, und last unß fragen, ob yhn diße wortt gefallen, ob sie ßo geschickt seyn, das sie wartten des iungsten tags, und ob sie nit alleyn denselben fur eyn treglich, ßondernn auch fur eyn selig ding achten, des mit hohen begirden und trostlicher tzuuorsicht tzu hoffen sey. Ists nitt war, das alle menschlich natur fur dem tag sich entsetzt? Ists nit war, wenß an yhn lege, ßo wollten sie der tag keme nymmer mehr? und tzuuor die gleyßnenden heyligen.Wo ist [WA s. 42] denn nu die natur? wo ist die vornunfft? wo ist der frey wille, den sie ruemen tzum guten geneygt unnd krefftig?1 Warumb fleugt er dann unnd entsetzt sich nit alleyn fur dissem guttenn, ßondernn auch fur der gottis ehre und [Tit. 2, 13] selickeyt, die der Apostell hie nennet eyn selige hoffnung, darynn wyr selig sollen werden? Was hyndert yhn hie denn, das er hie mit beschlossen wirt, er fur eyn gottloß, gnadloß, vordamlich leben, das er doch außer ansehenß disses tags nit will lassen boß und ungotlich seyn? Was ist ungottlicher, denn widder gottis willen streben? Strebt aber der nit widder gottis willen, der dissen tag, darynnen gottis ehre soll offinbar werden, fleugt und nit mit lieb und lust warttet?

       Darumb schaw drauff, wer dißes tags nit begerd, mitt lieb und lust nitt warttet, der ist nit ynn eynem gottlichen leben, wenn er gleych todten auffweckt; ßo mochstu sprechen: Ja, ßo wurden wenig menschen ynn eynem rechten leben seyn, tzuuor die ßonderlinge und geystlichen, die mehr den tag und tod fliehen denn alle andere. Das ist, das ich droben gesagt hab, wie dieselben ßonderlinge nur sich und andere von der rechte ban furen unnd gottis wege vorstoren. Denn hie sihet man klar, wie gar nichts die vornunfft und natur vormag mit allen yhren wercken, denn gott nur widderstreben, unnd wie nodt sey die heylwertig gnade, das unßer werck abfallen und gott alleyn ynn unß wircke, das wyr alßo auß unß und unßerm gnadloßen weßen kummen ynn eyn ubirnaturlich, gnadreich, gotlich leben, das sich nit alleyn nitt furchte fur dissem tag, ßondernn auch desselben mit freuden und vorlangen sehenlich und trostlich wartte, wie dauon droben ynn des andernn sontags [WA s. 43] Euangelio ist weytter gesagt. Sihe, das leret unß nit die natur noch  [Tit. 2, 11] vornunfft, ßondern die erscheynend gottis gnade. Sihe, dieselb macht nit alleyn, das wyr den welltlichen begirden absagen, ßondern auch, das wyr eyn grewel an yhn haben, von yhn tzu seyn begeren und des gantzen lebenß ubirdrussig werden, datzu eyn gotlich weßen anricht ynn unß, das wyr ynn aller tzuuorsicht tzu gott mitt freuden bitten unnd hoffen seyne tzukunfft. Alßo soll es gethan seyn umb unß.

 

[Tit. 2, 13] Nu laß unß die wort bewiegen.Er nennet es eyn selige hoffnung; das setzt er gegen dißem elenden unseligen leben, darynnen nit mehr denn alle ungluck, fahr unnd sunde unß iagen und marttern, ßo wyr wollen frum seyn, das billich allis, was hie ist, unß soll vordrießlich seyn und solch [Tit. 2, 12] hoffnung stercken, allß denn auch denen geschicht, die sich redlich uben, nuchtern, rechtfertig, unnd gotlich tzu leben. Denn die wellt leydet sie nitt [Röm. 5, 3 —5] lange, mussen allen leutten ungenehm seyn, wie Paulus Ro. 5. sagt: Wyr lassen unß die vorfolgung eyn kostlich ding seynn und rumen unß derselben; denn wyr wissen, das die voruolgung ist nutz, die gedult zu leren, die gedult aber macht unß bewerdt, die bewerung aber macht unß hoffen, die hoffnung lest unß nit tzu schanden werden. Alßo stehen unßer augen tzugethan fur den welltlichen, sichtlichen dingen und hoffen gegen die ewigen, unsichtlichen dingen; das macht allis die gnade durch das Creutz, dareyn unß bringt das gotlich leben, das der wellt unleydlich ist.

[WA s. 44]

 

 

 

[Tit. 2, 13] Und die czukunfft der clarheytt.

Die tzukunfft nennet S. Paulus Epiphaniam, das ist, erscheynung [Tit. 2, 11] odder offinbarung, wie er droben die gnade erscheynen und offinbart gesagt hat: Epephane &c.. Drumb ist das wortlin tzukunfft nitt gnugsam ym latin. Denn der Apostell will eyn unterscheyd machen dißer letzten tzukunfft von der ersten. Die erst ist gewest ynn demut und vorachtung, das yhn auch wenig erkennet haben, unnd ist der wellt nitt weytter denn ym glawben durchs Euangelium offenbart worden. Er ist noch ymer vorporgen. Aber am iungsten tag wirt er erscheynen ynn heller offenbarer klarheyt und ehre, das seyne klarheyt unnd ehre wirtt allen creaturn offinbar seyn und ewiglich also offinbar bleyben. Denn der iungist tag wirt eyn ewiger tag seyn, wie er am ersten augenblick erscheynet, da wirts allis offen stehenn, alle hertzen, alle ding; das heyset er die erscheynung seyner klarheyt oder seyner ehre, da wirt man nymmer predigen noch glewben, da wirt yderman sehen unnd fulen, [Tit. 2, 13] wie am hellen tage, alle ding. Drumb spricht er auch: Des grossen gottis. Nit das etwa eyn ander gott sey, der do kleyn sey, ßondern, das got biß an den tag noch nit ertzeygt hatt seyne groesse, seyne Maiestet, seyn glorie, seyne klarheyt; itzt sihet man yhn ym Euangelio unnd glawben, das ist, eyn kleyn eng gesicht, da ist got kleyn und wenig begriffen. Aber dann wirt er sich sehen lassen nach seyner groesse und Maiestett. [WA s. 45]

 

[Tit. 2, 12] Das seyn trostliche wort allen, die do nuechtern, rechtfertig, gotlich leben; denn er spricht, die klarheyt werd nitt seyn unßers feynds oder richterß, ßondern unßerß seligmacherß Jhesu Christi, der unß alßdann volkomlich wirt selig machen und auch darumb den tag hallten und ßo groß erscheynen will, das er unß erloße vonn dißer wellt, darynnen wyr ßo viel leyden mussen umbs gutten lebens und seynen willen. Auff das wyr, angesehen solche tzukunfft und groß ehrlich erloßen, deste kecker und troestlicher der wellt vorfolgung, marter, schand, schaden und todt ertragen mugen und bestendiger ym gotlichen leben beharren, mit vorlassen und trotzen auff solchen seligmacher Jhesum Christum. Widderumb schrecklich seyn die wort den wellthertzen und gotloßen menschen, die nit wollen der wellt vorfolgung umbs gotlichen lebens willen leyden, ßondern wollen hie leben mit friden und alßo frum seyn, das yhn niemant soll feynd oder schweer seyn. Aber die rauchloßen, frechen, vorstockten menschen achten dieße wort nit, fulen sie auch nitt, dencken auch nitt an den tag tzu kummen, die lauffen wie die tollen thier, blind und unbedacht, ynn dißen tag und abgrund der hellenn. Mochtist nu fragen: Wie komme ich den tzu solchem gotlichen weßen, das ich des tags alßo muge wartten, dieweyl meyn natur und vornunfft solchs fleugt und nitt vormag? Da merck nu, was da folgett:

 

[Tit. 2, 14]  Wilcher hat sich selb fur unß geben.

Denn darumb sind die ding dyr ßo groß vorgelegt, das du musist erkennen und bekennen deyn unmugen, an dyr selbs gantz und gar vorzweyffelln, [WA s. 46] und alßo ynn rechtem grund und warheyt gedemutigt, dich erkennen, wie du nichts seyest, ungotlich, gnadloß, heyloß leben furist; sihe, die demutigung leret die erschienen gnad durchs Euangelium, und dieselb demut macht dich recht gnadgyrig und heylsuchtig; wo aber solch demutig gnadgyrickeyt ist, da ist der gnaden die thur auffgethan, da bleybt sie nit aussen, wie S. Petrus sagt [1. Pet. 5, 5] .1. Pe. 5.: Gott widersteht den hohmutigen und gibt seyn gnad den demutigen, [Matth. 23, 12 Luk. 14, 11 18, 14] und Christus viel mal ym Euangelio gesagt hat: wer sich erhebt, der wirt gedemutiget, wer sich demutigt, der wirt erhohet &c.. Drumb wirt dyr nu [Tit. 2, 11] das selig Euangelium furgehallten unnd lessit dyr die heylwertig gnade leuchten und erscheynen, was du weytter thun sollt, das du nit vortzagist; dann das ist das Euangelium, das ist das liecht und erscheynen der gnad, das der Apostell hie sagett, nemlich, das Christus sich selb hatt fur unß gebenn .&c.. Drumb hore tzu, das Euangelium, thu auff deyns hertzen augen [Tit. 2, 11] unnd laß die heylwertig gnade erscheynen, dich erleuchten und leren, wie du thun sollt; das ist die predigt, die fur alle menschen vorkundigt ist, wie er droben sagt, und alhie vorkleret sich selb, was die erschienen gnad sey.

       Denn du sollt den yrrthum weytt von dyr thun, das du meinist, du horist nit das Euangelium, wenn du die Epistell S. Pauli horist odder S. Peters; laß dich den namen Epistell nit yrren. Es ist das bloß Euangelium [WA s. 47] allis, was S. Paulus ynn seynen Epistelln schreybt, wie erß selb nennet Ro. 1. und .1. Cor. 4. Ja, ich thar sagen, das ynn S. Paulß Epistell das Euangelium [Röm. 1, 15. 16, 1. Kor. 4, 1] klerer und liechter ist, denn ynn den vier Euangelistenn. Denn die vier Euangelisten haben Christus leben und wort beschrieben, wilche doch nitt vorstanden sind biß nach der tzukunfft des heyligen geysts, der yhn vorkleret, [Joh.16,13.14] wie er selb sagt. Aber S. Paulus schreybt nichts von dem leben Christi, druckt aber klar auß, warumb er kummen sey, und wie man seyn brauchen soll.

       Was ist das Euangelium anders, denn die predigt, das Christus hab sich selb geben fur unß, das er unß erloeßet von sunden, das alle, die das glewben, sollen gewißlich auch ßo erloeset seyn. Und alßo an yhn selbs vortzweyffelln, sich nur alleyn an Christo hallten und auff yhn vorlassen; wilchs ist gar eyn liepliche, trostliche rede, geht auch wol eyn ynn solch an yhn selb vortzagte hertzen. Drumb heyst Euangelium auff deutsch eyn susse, gutte, gnedige bottschafft, die eyn betrubt, erschrocken hertz erfrewet und erhebt.

       Drumb sihe nu tzu, das du nur glewbist, das war sey, was der Apostell durchs Euangelium dyr sagt: Nemlich, das Christus sich selb fur dich geben hatt, das er dich erloßet von aller ungerechtickeyt und macht dich reyn zu eynem eygen erbe. Hie folgt tzum ersten, das du must glewben und bekennen, das alle deyn weßen sey unreyn und ungerecht, außer Christo unnd ynn dyr selb, must natur, vornunfft, kunst und frey will lassen nichts seyn, sonst wurdistu diß Euangelium lugenstraffenn. Denn Christus nach lautt des [WA s. 48] [Matth. 9, 13] Euangeli hatt sich nitt geben fur die gerechten und reynen. Were gerechtickeyt und reynickeyt da geweßen, Warumb sollt er sich dafur umbsonst geben haben? Es were eyn nerrisch geben geweßenn. Zum andern, mustu auch glewben, das war sey, er hab sich fur dich geben, das durch seyn geben deyn unreynickeit und unrechtickeyt soll abthan werden, und du durch yhn reyn und gerecht werdenn. Glewbistu das, ßo wirckt derselb glawb sollichs allis; Denn seyn geben fur dich mag auff keyn anderß weyße dich reynigen und [Apg. 15, 9] recht machen, denn durch solchen glawben, wie S. Peter sagt act. 15.: Durch den glawben macht er die hertzen reyn; drumb sihestu auch, das man dyr Christum nitt gibt ynn die hand, legt yhn nitt ynn den kasten, steckt dyr nitt ynn bußen, gibt dyr ynn nitt ynß maul, ßondern man tregt dyr yhn fur, alleyn mit dem wort und Euangelij, unnd hellt yhn durch deyn oren fur deyn hertz, und beutt dyr yhn an, alß denen, der fur dich, fur deyn unrechttickeyt, fur deyn unreynickeyt sich geben hat; drumb kanstu yhn auch mitt keynem andern, denn mit dem hertzen auffnehmen, das thustu wenn du auffthuist unnd sprichst mit hertzen, ya ich glewb es fey alßo. Sihe alßo geht er durchs Euangeli zu  den oren eyn ynn deyn hertz und wonet alda durch deynen glawben, da bistu denn reyn und gerecht, nit durch deyn thun, ßondernn durch den gast, den du ym hertzen durch den glawbenn hast empfangen. Sihe, wie reych kostlich gutter das sind. [WA s. 49]

       Wenn nu solch glawb ynn dyr ist, und du nu Christum hast ym hertzen, darffistu nitt dencken, das er bloeß, arm kumme. Er bringt mit sich seyn leben, geyst, und allis, was er ist, hat und vormag. Drumb spricht S. Paulus, das der geyst werd geben umb keyner werck willen, ßondern umb solchs Euangelium willen; wenn das kumpt, ßo bringts Christum, Christus [2. Tim. 1, 9 10] bringt mit sich seynen geyst, da wirtt denn der mensch new und gotlich, allis, [Tit. 3, 5] was er denn thut, ist wol than. Er geht auch nit mussig; denn der glawb ruget und feyrt nit, thut und redt von Christo on unterlaß, ßo wirtt denn die wellt erweckt wider yhn, die wills nit horen noch leyden; da geht denn das creutz an, unnd das Creutz macht denn diß leben vordrießlich und den [Tit. 2, 11] iungisten tag begirlich. Sihe, das ist das Euangelij und erscheynen der heylwertigen gnade gottis.

       Wie mag nu eynem solchen hertzen der iungist tag unnd sterben erschrecklich seyn? wer will yhm thun, ßo der grosse got und seligmacher Jhesus Christus, des der iungist tag ist, auff seyner seytten und fur yhn stett, mit aller seyner klarheyt, große, maiestet und macht? Es ist nit eyn ander, der den iun[g]sten tag wirtt hallten, denn eben der, der sich selb fur unß geben hatt; ßo wirtt er yhe sich selb nit leugnen und wirt bekennen, er hab sich selb fur deyn sund geben, wie du glewbist. Was will denn die [WA s. 50] sund thun, wenn der richter selb bekennet, er hab sie weggenummen durch sich selbs? Wer will da anklagen? wer will den richter urteyllenn? wer will yhn ubirwinden? Er gillt mehr denn untzelich wellt mit allen sunden; wenn er nit sich selbs, ßondern etwas anderß hett dafur geben, ßo mocht man sich dennoch viel vorsehen; was will aber nu schrecken, ßo er sich selb dafur geben hat? Es must ehe er selb vordampt werden, ehe die sund sollt den vordamnen, fur den er sich geben hatt. O groß gewisse sicherheyt ist hie! Es ligt nur am glawben, das der fest sey und nitt wancke, Christus wirtt freylich nitt wancken, Er ist fest genug. Drumb sollten wyr den glawben wol treyben und uben mit predigen, wircken und leyden, das er bewerdt und fest wurd; denn die werck werden hie nitt helffen, der boß geyst wirt auch nur den glawben anstossen, weyß wol, das gar daran ligt. O, das wyr unßer gutter nit erkennen und das Euangelij mit der heylwertigen gnade gottis lassen ßo liegen ym finsternisse! Wehe abermal euch Bapst, Bischoff, Pfaffen und munich, was macht yhr ynn der kirchen und auff den Cancelln! Wollen nu die wortt ynn ßonderheyt bewiegenn.

 

[Tit. 2, 14] Das er unß erloßett.

Er hatt sich selb geben, nit fur sich, ßondern fur unß, tzu erloeßen; ßo ists gewiß, das wyr gefangen geweßen sind; wie seyn wyr denn ßo frech und undanckbar und geben dem freyen willen und vornunfft der natur nach so [WA s. 51] viel?! Sagen wyr, das etwas ynn unß nit gefangen sey ynn sunden, ßo thun wyr eyn schmach seyner gnaden, die unß erloeßet hat nach lautt des Euangeli. Wer kan etwas guttis thun, der ynn sunden und unreynickeyt gefangen ligt? Es scheynet wol gutt seyn unßer ding, aber es ist nitt gutt ynn der warheyt, odder das Euangelium muß liegen mit Christo.

 

[Tit. 2, 14] Von Aller unrechtickeytt.

Unrechtickeyt nennet er Anomias, das ist eygentlich alliß, was nit nach dem gesetz gottis gaht, und begreyfft beyde ubirtrettung, des geysts und leybs, des geysts durch das gotloße weßen, das impietas heysset, des leybs durch die welltlichen begirden; drumb setzt er datzu: Aller, das er beyde, leybs unnd seel sund und unrecht begreyff, das Christus unß gar unnd gantz erloeße; das ist gesagt gegen die werckheyligen und ßonderlinge, die erloeßen sich selb und andere durch gesetz oder yhre vornunfft und freyen wille von etlichen unrechtickeytten, das ist, die eußern werck lassen und weren sie wol durch gepott, peyn, straff, oder lohn und genieß, aber das ist der schawm von der ungerechtickeyt, das hertz bleybt dennoch voll ungotlichs gnadloß weßens und welltlicher begirden, unnd sind widder an leyb noch seel gerecht. Christus aber durch den glawben erloeßet von aller ungerechtickeyt, macht unß wider [WA s. 52] frey zu leben gotlich und hymlisch, das wyr fur gefenckniß der ungerechtickeyt nit vormochten.

 

[Tit. 2, 14] Und reynigett yhm.

Die sund thut tzween schaden, den ersten, das sie unß gefangen nimpt, das wyr nichts gutts thun noch erkennen noch wollen mugen, berawbt unß alßo der freyheyt, des liechts unnd der krafft. Darauß folgett ßo bald der ander schad, das wyr vom gutten alßo vorlassen, nichts denn eyttell sund [2. Mose 1, 8 ff.] unnd unreyniß mussen wircken und dem hellischen Pharao seyn land tzu Aegypten bawen mit sawr schwerer erbeytt. Wenn nu Christus kumpt durch den glawben, ßo erloeßet er unß von dem gefenckniß Aegypti, macht unß frey, gibt krafft gutts zu thun; das ist der erst gewynn. Darnach ist die gantz ubung unßerß lebenß, das wyr die unreynickeyt des gnadloßen, welltlichenn weßens außfegen auß leyb unnd seel, das diß gantz leben biß ynn den tod sey nit anderß denn eyn reynigung. Denn der glawb, ob er unß wol erloeßet auff eyn mal von aller schuld des gesetzs und macht unß frey, ßo bleyben doch noch ubrig boeße neygung yn leyb und seel, gleych wie der stanck und kranckeyt vom gefenckniß; damit erbeyt sich der glawb, allis gantz zu reynigen, [Joh. 11, 43. 44] gleych wie ym Euangelio Joan. 11. Lasarus wart mit eyner stym vom tod erweckt, aber das todtentuch und bindten must man darnach auch abethun, [Luk. 10, 34. 35] und der halbtod mensch, den der Samaritan vorpand und heymbracht, must ym stall eyn weyl liegen und gantz gesund werdenn. [WA s. 53]

 

 

[Tit. 2, 14] Eyn Erbvolck.

Das wortlin periusion heysset etwas eygenß, wie eyn ßonderlich eygen erbgutt odder habe besessen wirtt. Denn gottis volck wirtt ynn der schrifft gottis erbgutt genennet, das, wie eyn hawßuatter seyn erbgut erbeyt, ubet und bessert, alßo Christus auch durch den glawben unßer erbherr, treybt und erbeyt unß, das wyr teglich besser unnd fruchtparer werdenn. Sihe, alßo macht der glawb unß nit alleyn frey von sunden, sondern auch Christo tzum eygen erbgutt, des er sich alß des seynen annympt und beschutzt. Wer mag unß denn schaden, ßo eyn solcher grosser gott unßer erbherr ist?

 

[Tit. 2, 14] Das da Emsig were tzu gutten wercken.

Das wir seyn erbgut seyn, ist gesagt gegen das gotloße weßen, das wyr aber sollen emsig seyn ynn gutten, ist gesagt gegen die welltlichen begirden; alßo das wyr durch eyn gotlich weßenn und leben seyn eygen erbe seyn und durch nuchternn und rechtfertig leben gutte werck thun, durchs erb yhm dienen, durch gute werck unßernn nehisten und unß, doch ehe eyn erb, den gutt werck; denn gutt werck geschehen nit on eyn gotlich weßen, und spricht, wyr sollen emsig seyn, zelote, das ist, das eyner den andern ymer furtzukummen unnd ubirwinden gedenckt mit gutt thun, alß wollten wyr unß drumb tzancken und dringen, wilcher dem andernn und yderman am ersten unnd meysten kund gutt thun; das heyst eygentlich zelote. Wo seyn die itzt? [WA s. 54]

        

 

[Tit. 2, 15] Solchs solltu predigen und vormanen.

O herr gott, eyn nutzlich befelh ist der, das man solch ding, wie diß Epistell geleret hat, nit alleyn predigen, ßondern auch ymmer anhallten, vormanen, erwecken sollt, das volck tzum glawben unnd rechten gutten wercken furen. Es muß ymmer angehallten seyn und vormanet, ob wyrß schon wissen, auff das gottis wortt ym schwanck gehe. O Bapst, Bischoff, Pfaffen, Munich, das last euch befolhen seyn, die yhr itzt die kirchen mit fabelln und menschenleren ubirschuttet hatt! Wie habt yhr ßo ubrig viel tzu predigen, wenn yhr nit mehr denn diße Epistell und yhren ynnhallt predigt unnd ymmer vormanet und treybt. Es ist eyn Christlich leben gantz wol hyrynn vorfasset. [Tit. 2, 15] Solchs solltu predigen und vormanen, unnd keyn anderß, helff gott AMEN.

 

[Röm. 12, 7.8] Merck, das eynß predigerß ampt tzwey werck hatt, leren und vormanen; leren die, die es nitt wissen, vormanen die es wissen, das sie nitt abnemen, fawl werden odder umbfallen, ßondernn fortt faren widder alle anfechtungen.

 

 

Der harnsch dißer Epistell.

 

 Zum ersten streyt man durch diße Epistell ubir dem artickell, das on gnade keyn gutt werck mug geschehen, und alle menschlich weßen sund sey. [Tit. 2, 11] Das beweret sich alßo, das er spricht, Die gnad sey erschienen; ßo ist gewißlich tzuuor keyn gnad da geweßen; ist keyn gnad da, ßo ist gewißlich [WA s. 55] eyttell tzorn da; darauß volgt, das on gnad nichts gutts, ßondernn eyttel ungnad und tzornn ynn unß sey.

 

[Tit. 2, 11] Item, das er spricht: die heyllwertig gnade, tzeygt an, das auch schon vordampt sey und on heyl unnd hulff allis, was on gnade ist. Wo ist denn hie der frey wille? wo sind menschentugent, vornunfft und gute meynung? Allis on heyll der gnade, allis vordampt, sund und schand fur gott, obs gleych fur unß und den menschen gleysset kostlich.

 

[Tit. 2, 11] Das dringt noch aller herttist, das er sagt: allen menschen, keynen außgenummen; ßo muß gewiß tzuuor, ehe das Euangelium erkennet wirtt, eyttell [Eph. 2, 3] ungnad da regiert haben ynn allen menschen, wie er sagt, Ephe. 2.1: Wyr waren vorhynn auch des tzornß kinder, wie die andernn &c.. Alßo stopfft hie der Apostell das maul unnd stost mit gutem harnisch tzuruck alle, die da yhr vornunfft, werck, gute meynung und frey willen, das naturlich licht &c.. on gnad rumen, unnd lest keynen menschen on vorterben seyn; das sind alle impij, ungotliche, gnadloß, gotloße menschenn.

 

[Tit. 2, 12] Weytter spricht er, das allen menschen darumb sey erschienen die gnad, das sie absagen sollen dem ungottlichen weßen und welltlichen lustenn. Wer mag fur dem harnsch bestehen? was folget hierauß anderß, denn das on die gnade gottis alle unßer ding ungotlich weßen, welltlich luste sey? Denn were ynn yemand etwas gotlichs weßens und geystlichs lust, ßo durfften [WA s. 56] nit alle menschen absagen dem ungottlichen weßen und welltlichen lusten, were auch nit not der gnaden noch yhrß heyliß erscheynung. Sihe, alßo muß man die schrifft inn harnsch weyß furen widder die falschen lerer, den glawben nit alleyn tzu brauchen ym leben, ßondern auch offentlich tzu schutzen und vorfechten widder yhre yrthumb.

       Darumb mussen hie ernyderligen alle gleyßner, alle geystlichen, ob sie gleych sich tzu tod fasten, beten, wachen, erbeytten. Es hilfft allis nitt, ungotlich weßen, welltlich lust bleyben da, ob sie wol von schanden wegen sich decken unnd bergen, ist doch das hertz nitt gutt; denn ßo es werck, kleyder, kloster, fasten, betten thun kund, sollt er billich gesagt haben: Es ist erschienen eyn gepett oder eyn fest, odder eyn wallfartt, odder eyn orden, odder diß oder [Tit. 2, 11] das werck, das unß lere gotlich tzu werdenn. Neyn, neyn, der keynß. Szondern die heylwertige gnad ist erschienen, Die, die, die alleyn thuts, unnd sonst nichts.

       Darauß leichtlich ist tzuuorstehen, wie ferlich, vordamlich sind die menschengesetz, orden, secten, gelubden unnd dergleychen. Denn es sind allis werck, und nit gnaden, furen doch mit yhrem scheyn alle wellt ynn yrthumb, yamer und nodt, das sie der gnaden und des glawbens vorgessen und durch solch yrthum meynen frum und selig tzu werdenn.

       Alßo, das eyn Ander leben sey nach dissem lebenn, streyttet, das er [Tit. 2, 13] sagt, wyr sollen wartten auff die selige hoffnung und erscheynen der klarheytt des grossen gottis, darauß klerlich bewerd wirtt, das die seel unsterblich sey, ya auch der leyb widderkummen muß, wie wyr ym glawben betten: Ich glewb eyn offirstand des fleyschß und eyn ewigs leben.

[WA s. 57]

 

        

 

Item, das Christus auch warer gott sey.

 

[Tit. 2, 13] Streytt, das er sagt: Des grossen gottis und unßers seligmacherß Jhesu Christi, tzeygt an, das der do kummen soll ynn der klarheyt des iungsten tags, sey eyn grosser gott und unßer seligmacher Jhesus Christus.

       Unnd ob yemant hie eyn loch durchbrechenn wollt unnd dem vatter tzueygen, das er vom grossen gott sagt, ßo behellt doch das widder, das die erscheynung und klarheytt gemeyn ist dem grossen gott und unßerm seligmacher Jhesu Christo. Wenn er aber nitt war gott were, wurd yhm sollch  glorie und klarheytt des grossen gottis nit auch tzugelegt; dieweyll es denn eyn klarheytt, eyn glorie, eyn werck des grossen gottis und unßers seligmachers, [Tit. 2, 13] muß er auch eyn got mit dem grossen gott seyn. Denn er spricht durch [Jes. 42, 8, 48, 11] Isaiam mehr denn eyn mall: Meyn glorie will ich keynem andern geben, und gibt sie doch hie Christo; so muß Christus keyn ander, denn got sey, der gottis ehre tzu eygen hatt, unnd doch nitt eyne person mit dem vatter.

 

[Tit. 2, 15] Item mocht auch hie wider die menschen lere streytten, das S. Paulus spricht: Szollch ding soll man predigen und vormanen; denn sollt ettwas anderß haben predigt worden, hett erß auch billich angetzeygt. Aber itzt meynen unßere Bischoff und Bepst, wenn sie es ynn die bucher und auff [WA s. 58] papyrn zeddelln schreyben lassen, haben sie gnug than; dennocht yhr eygen gepott, ßo sie mit eygener stymme das Euangelium on unterlaß predigen und treyben sollten. O Wehe yhnen!

 

 

 

 

 

[Luk. 2, 1 –14] Das Euangelium ynn der Christmeß. Luce. ij.

 

1522[WA s. 58]

 

Es ist außgangen eyn gepot von dem Keyßer Augusto, das vortzeychnett wurd der gantz erden kreyß, und dieselb vortzeychniß ist die erst geweßenn tzur tzeytt, da Cyrenius ym land Syrien pfleger war, und haben sich yderman auffgemacht sich zuuorzeychen lassen, eyn iglicher ynn seyne stadt. Unnd Joseph hatt sich auch auffgemacht von Gallilea auß der stadt Nazareth, ynn das [WA s. 59] Judisch land, ynn die stadt Dauid, die do heyst Bethlehem; denn er war von dem hawß und geschlecht Dauid, auff das er sich vortzeychen ließe mit Maria seyner vortraweten hawsfrawenn, wilche gieng schwanger. Und ist geschehen, alß sie da waren, sind erfullet die tage, das sie sollt geperen, und hatt gepornn yhren ersten sohn, und hat yhn ynn tuchle gewickellt und gelegett ynn eyn krippen, denn sie hattenn keynen andernn rawm ynn der herberge. Und es waren hirtten ynn derselbenn gegend, die waren ym feld und wartteten auff die wartt der nacht, ubir yhre hurtte, und nempt war, der Engell gottis stund hartt ubir yhnen, und die klarheytt des herrnn umbleuchtet sie, unnd sie sind erschrocken fur grosser furcht, und der Engell sprach tzu yhnen: yhr sollt euch nitt furchten! Nempt war, ich vorkundige euch eyne grosse freud, die do alliß volck habenn wirdt; denn es ist euch heutte gepornn der seligmacher, das ist, Christus der herr, ynn der stadt Dauid; unnd das habt euch tzum tzeychen: yhr werdet finden das kind eyngewickellt und gelegt ynn eyn krippenn; und alßbald ist vorsamlet mit dem Engell die menge der hymlischen heerscharen, die haben gott gelobt und gesagt: Ehre sey gotte ynn den allerhohisten, und frid auff erden, den menschen eyn wolgefallen.

 

[Hag. 2, 7. 22] Es ist geschrieben Hagei .2., das gott spricht: Ich will  bewegen hymel unnd erden, wenn do kummen wirtt, des alle leudt begerenn; das ist heutt erfullet, da haben sich die hymel bewegt, das ist die engell, die ym hymel sind, unnd mit gesang gott gelobt, und die erde, das ist, die menschen auff erdenn, das sich yderman auffgemacht hatt, unnd ist eyn reyssen gewest, da ynn eyn [Luk. 2, 3] statt, hie ynn eyn statt, ym gantzen land, wie das Euangelium sagt, doch nitt eyn schedlich, blutige emporunge gewest, ßondernn eyn fridlich, wilche gott, der eyn gott des frids ists, erreget hat. Ist auch nit tzuuorstehen, das alle landt auff gantzem erdpodem sich alßo bewegt haben, ßondernn alleyn, was ynn der [WA s. 60] Roemer gewallt war, das dißer kreyß soll bedeutten nur den kreyß Roemischis reychs, wilchs noch nitt die helfft des gantzen erdpodenß unter yhn hatte. Datzu ist keyn land der massen bewegt wie das Judische land, wilchs war ordenlich geteylet ynn die geschlecht Israel, wiewol tzu der tzeyt das geschlecht Juda am meysten ym land ware, nachdem die tzehen geschlecht Israel, ynn Assyrien gefurt, außen blieben.

 

[Luk. 2, 3] Dieße beschreybung ist die aller erst geweßen, spricht S. Lucas; denn [Matth. 17, 24 ff.] ym Euangelio Matt. 17. und mehr ortten findt man, das sie hatt alßo geweret fur unnd fur, das sie auch von Christo den tzinßpfennig fodderten, [Matth. 22, 17 ff., Luk. 23, 3] auch yhn mit demselben vorsuchten Matt. 22., darzu am tage seyniß leydens drob vorklagten, alß hett er vorpotten, denselben tzinßpfennig zu geben; denn die Juden gaben yhn ungern und mochten solch beschreyben und Keyßers gepott ubel leyden, gaben fur, sie weren gottis volck und frey vom Keyßer, und hatten groß disputation drob, ob sie schuldig weren yhn tzu geben, musten doch, unnd kundten sich mit gewallt nit schutzen. Drumb hetten sie Christum gern ynn die disputation tzogen und ynn der Roemer gewallt bracht; ßo ist nu ditz beschreyben nichts anderß geweßen, denn eyn gemeyner auffsatz ynn allen landenn, das man ierlich von eynem iglichen hewbt hatt eyn pfennig geben, und die amptleut, die solchs und ander tzoll und tzinß eynnahmen [WA s. 61] und auffhuben, heyssen publicani, die man deutschet: offenberliche sunder, aber nit recht.

 

[Luk. 2, 1. 2] Merck, wie gewiß der Euangelist seyn rede setzt, das die gepurtt Christi sey geschehen tzu Keyßer Augustus tzeytten unnd da Cyrenius hewbtman was Roemisches reychs, ym land Syrien, wilchs Syrien land das Judisch land eyn stuck ist, alß Osterreych eyn stuck des teutschen lands ist, und ist geschehen ynn der aller ersten beschreybung, das dißer tzinßpfenning tzuuor nie ist geben, denn eben da Christus sollt gepornn werdenn, damit er angetzeygt, wie seyn reych gar nichts sollt welltlich seyn noch ubir weltlich hirschafft weltlich regiern, ßondern sich, seyn elternn, derselben unterwirfft, und weyl er eben die erste beschreybung trifft, lest er solchs keyn tzweyffell bleyben; denn hett er wollt das ynn eyn tzweyffell stellen, ßo hett er mugen hernach ynn eyner andernn beschreybung geporn werden, das man hett mocht sagen, es were on geferr und tzufellig, on ßonder bedencken geschehen. Auch wo er hett wollt nit unterthan seyn, hett er mocht tzuuor außer derselben beschreybung geporn werden. Nu aber alle seyne werck eyttell kostlich lere seyn, lessit sichs hie nit [WA s. 62] anders wenden noch lencken, denn das er auß gotlichem rad und fursatz nit welltlich regiern, ßonderm unterthan seyn will, und das ist der erst puff yn des Pabsts regiment unnd aller der seynen, das sich mitt Christus reych reymet, wie nacht und tag.

       Das Euangelium ist ßo klar, das nitt viel außlegens bedarff, ßondern es will nur wol betracht, angesehen und tieff tzu hertzen genummen seyn. Und wirt niemant mehr nutz dauon bringen, denn die yhr hertz still hallten, alle ding außschlahen und mit vleyß dreyn sehen, gleych wie die ßonne ynn eynem stillen wasser gar eben sich sehen lessit und krefftig wermet, die ym rauschenden lauffenden wasser nit alßo gesehen werden mag, auch nitt alßo wermen kan. Drumb willtu hie auch erleucht und warm werden, gottlich gnade und wunder sehen, das deyn hertz entprant, erleucht, andechtig und frolich werde, ßo gang hynn, da du stille seyest und das bilde dyr tieff ynß hertz fassest, da wirstu finden wunder ubir wunder; doch anfang und ursach tzu geben den eynfeltigen, wollen wyr desselben eyn teyls furbilden, mugen darnach weyter hyneynfaren.

       Zum ersten: Sihe, wie gar schlecht und eynfelltig die ding tzugehen auff erden, und doch ßo groß gehallten werden  ym hymel. Auff erden gehet es alßo tzu: Da ist eyn arm, iungis weyble, Maria, tzu Nazareth, gar nichts geacht unnd unter den geringistenn burgeryn der statt gehallten, da wirtt niemant gewar des grossen wunder, das sie tregt; sie schweygt auch still, nympt sichs nichts an, hellt sich fur die geringste ynn der stadt, sie macht sich auff mit yhrem hawßherrnn Joseph, haben villeycht keyn magd noch knecht, [WA s. 63] ßondernn er ist herr und knecht, sie fraw unnd magd ym hawß, haben alßo das hawß lassen stehen odder andernn befolhenn. Nu laß seyn, sie haben eynen esell gehabt, darauff Maria gesessen sey, wiewol das Euangelium nichts dauon sagt und glewblich ist, sie sey zu fussen gangen mit Joseph. Denck, wie sie unterwegen ynn herbergen voracht geweßen, die doch wirdig war, das man sie mit gulden wagen und aller pracht gefurtt hette. Wie viel seyn wol der grossen herrnn weyber unnd tochter tzu der tzeyt geweßen inn guttem gemach und grossem ansehen, dieweyll hie diße gottis mutter, mitten ym winter, tzu fussen, mit schwerem leyb ubir fellt reysset; wie ungleych gaht es tzu! Nu ists yhe mehr denn eyne tagreyße geweßenn von Nazareth ynn Gallileen biß gen Bethlehem ym Judischen land, sie haben yhe fur Jherusalem ubir reyssen oder durchhyn mussen. Denn Bethlehem ligt von Jherusalem gegen dem mittag, Nazareth gegen mitternacht.

 

[Luk. 2, 7] Da sie nu gen Bethlehem kummen, tzeygt der Euangelist, wie sie die allergeringstenn, vorachtisten sind geweßen, sie haben yderman mussen rewmen, biß das sie ynn eynen stall geweyssett mit dem vihe eyn gemeyn herberg, gemeyn tisch, gemeyn kammer und lager haben mussen annehmen. Indeß manicher boßer mensch ym gasthawß oben angesessen, sich hat eynen herrn ehren lassen. Da merckt nach erkennet niemant, was ynn dem stall gott wirckt, [WA s. 64] lessit die grossen hewßer, kostlich gemach leer bleybenn, lessit sie essen, trincken unnd guten mutt habenn, aber dißer trost unnd schatz ist yhn vorporgen. O wilche eyn finster nacht ist ubir dem Bethlehem das mal geweßen, die eyniß solchen liechts nit ist ynnen wordenn, wie tzeygt gott an, das er ßo gar nichts acht, was die wellt ist, hat und vormag, widderumb die wellt beweyst auch, wie gar sie nichts erkennet noch achtet, was gott ist, hatt unnd wirckt! Sihe, das ist das erst bild, damit Christus die wellt tzuschanden macht, alliß yhr thun, wyssenn und weßen unß furwerfflich antzeygt, das yhr groste weyßheyt sey narrheytt, yhr bestis thun sey unrecht, yhr grostis gutt sey nur unfall. Was hatte Bethlehem, da es Christum nit hatte? was [Luk. 2, 7] habenn sie itzt, die tzu der tzeytt gnug hatten? was gepricht itzt Maria und Joseph, ob sie tzu der tzeytt nitt rawm hatten, eyne nacht fuglich tzu schlaffenn?

       Es haben etlich hie das wortlin diuersorium glosiert, alß sollts heyssen: eyn offentlich gassengewelb, da ydermann durchgeht und gemeyn esell da stunden, meynen, Maria hab keyn herberg nit ubirkummen; das ist nit recht. [Luk. 2, 7] Der Euangelist will antzeygen, das Joseph unnd Maria haben darumb inn den stall mussen weychen, das sie ynn der herberg und ym gemach, da die gest ynnen pflegen tzu seyn, keynen rawm haben gehabt, alle gest sind ynn [WA s. 65] der herberg vorsorgt geweßen mit gemach, speyß und lager, on ditz arm volck hatt mussen enhyndernn ynn eynen stall kriechen, da die thier ynnen pflegen tzu seyn. Denn ditz wortt diuersorium, das Lucas katalyma nennet, ist nitt anderß, denn eyn gemach fur die geste, wie das erweyst wirtt auß dem wortt [Luk. 22, 11] Christi Luce .22, Da er die iunger sandte das abendessen tzu bereytten und sprach: Geht hynn und sagt dem hawßwirt: der Meyster lest dyr sagen, wo ist katalyma, (das ist) das gasthawß, da ich mein osterlamp esse mit meynen iungernn?; alßo auch hie haben Joseph unnd Maria ym katalyma, ym gasthawß, nit rawm gehabt, denn nur ym stall, ym hoff desselbigen hawßwirts, der auch nitt wirdig ist geweßen, das er eynen solchen gast hette recht herbergenn und ehren mugen. Es ist nit gellt noch gewallt da geweßen, drumb haben sie ym stall bleyben mussen. O wellt wie toll, o mensch wie blind bistu!

       Aber die gepurtt ist noch erbermlicher, das sich solch eynß iungen weybs, die yhr erst mal geperen sollt, niemand hatt erbarmett, niemand yhren schwangern leyb tzu hertzen nommen, niemand angesehen, das sie ynn frembden ortten nit hatt das aller mynste, das eyner kindpetterynn nodt ist. Szondernn  alda on alle bereyttung, on liecht, on fewr, mitten yn der nacht, ym finsternn alleyn ist, niemand beutt yhr eynigen dienst ann, wie man doch naturlich pflegt schwangernn weybern, da ist yderman voll unnd toll ynn der herberg, eyn geschwurm von gestenn auß allen ortten, das sich dießes weybs niemand annnympt. Ich acht auch, sie hab sich selb nitt ßo bald vorsehen [WA s. 66] yhrer gepurtt, sie were sonst villeicht tzu Nazareth bliebenn. Nu denck, was mugens fur tuchle geweßen seyn, da sie yhn eynwickellt, villeicht yhr schleyer odder was sie hatt mugen emperen an yhrem leybe; das sie aber ynn Josephs hoßen sollt yhn gewickellt haben, alß man tzu Ache weyßet, das lautt alltzu lugerlich und leichtfertig. Es sind fabelln, der wol mehr ynn aller wellt sind. Ists nu nit allis ungelegen dingk, das Christus ym kallten wintter, ym frembden lande, ubir fellt, ßo vorachtlich und ßo armlich geporn wirtt?

       Es disputirn auch etlich, wie diße gepurt geschehen sey, alß sey sie des kinds geneßenn ym gepett, ynn grosser frewden, ehe sie es ynnen worden ist, on allen schmertzen. Wilcher andacht ich nit vorwerffe, villeicht umb der eynfelltigen willen alßo erfundenn, aber wyr sollen bey dem Euangelio bleyben, das do sagt, sie habe yhn geporn, und bey dem artickell des glawbens, [WA s. 67] da wyr sagen: der geporn ist von Marien der iungfrawen. Es ist keyn triegerey hie, ßondern, wie die wort lautten, eyn warhafftige gepurtt. Nu weyß man wol, was geperen sey, und wie es tzugehe. Es ist yhr eben geschehen wie andernn weybernn, mit gutter vornunfft und mit tzuthun yhrer glidmaß, wie sich tzur gepurtt tzymet, auff das sie seyn rechte naturliche mutter, unnd er yhr naturlich rechter ßon were. Drumb hatt yhr leyb seyn naturlich werck nitt gelassen, die tzur gepurtt gehoeren, on das sie on sund, on schand, on schmertzen unnd on vorserung geporn hatt, wie sie auch [1. Mose 3, 16] on sund empfangen.Der fluch Eue ist nit ubir sie gangen, der da lautt: ynn schmertzen solltu deyn kindern geperen, ßonst ist yhr geschehen aller maß, wie eym geperend weyb geschicht. Denn die gnad tzurpricht nit, hyndertt auch nit die natur noch yhre werck, ya sie bessert und foddert sie, gleych wie auch naturlicher weyß yhn mitt millich auß yhren brusten geneeret hatt, on allen tzweyffell nit frembd milch, oder durch ander gelidt, denn die brust yhm geben, wilch doch ubirnaturlich von gott mit milch on vorseerung und unreynickeyt erfullet sind, wie wyr von yhr singen: ubere de coelo pleno.Das red ich darumb, das wyr unßers glawben grund haben unnd Christum lassen seyn [WA s. 68] eynn naturlich mensch, aller massen wie wyr, und yhn nichts ßondernn an der natur, on wo es die sund und gnad betrifft. Natur ist an yhm unnd seyner mutter reyn geweßen, ynn allen glidenn, ynn allenn wercken der glider. Ist auch keyn weyblich leyb noch gelid yhe on sund zu seynem naturlichen werck kummen, on alleyn ynn dißer eynigen iungfrawen, da hatt gott eyn mal die natur und yhr werck tzu ehren gesetzt. Wyr kunden Christum nit ßo tieff ynn die natur und fleysch tzihen, es ist unß noch troestlicher. Darumb [Luk. 2, 7] was nit widder die gnad ist, soll man seyner und seyner mutter natur gar nichts ablegen; der text stett klar alda und spricht, sie hab yhn geporenn, und [Luk. 2, 11] er ist auch gepornn, sagen die Engell.

       Wie hett gott seyne gute großlicher mocht ertzeygenn, denn das er sich so tieff yn fleysch und blutt senckt, das er auch die naturlich heymlickeyt nit voracht und die natur an dem ort auffs aller hohist ehret, da sie ynn Adam und Eue ist am aller hohisten tzu schanden wordenn, das hynfurtt auch das nu gottlich, ehrlich und reyn ist, das ynn allen menschen das ungotlichst, schamlichst und unreynist ist. Das sind rechte gottis wunder werck. Wie hett er auch stercker, krefftiger unnd reyner bild der keuscheyt mocht unß furlegen, denn diße gepurtt? wie gar fellt doch dahynn alle boße lust, alle boße gedancken, wie starck sie ymmer sind, wenn wyr nit mehr thun, denn tzusehen dißer gepurtt und bedencken, wie die hohe Maiestet ßo mit gantzem ernst, ßo mit ubirschwencklicher lieb und gutte wirckt und tzuschaffen hatt ynn dem weyblichen fleysch unnd blutt dißer iungfrawen. Es gibt keyn weybiß bild eynem Man solche reyn gedancken, alß diße iunpfraw, widderumb auch keynn [WA s. 69] manß bild eynem weyb, alß diß kind. Eyttell zucht und reynickeyt quillet auß dißer gepurtt, wie man sie ansihet, ßo man anderß der gotlichen werck drynnenn warnympt.

       Was geschicht aber ym hymel ubir dißer gepurt? Alßo voracht sie ist auff erdenn, ßo hoch unnd tausent mal mehr ist  sie geehret ym hymel; wenn eyn Engel vom hymel dich unnd deyne werck lobete, ists nit war, du nemist es fur aller wellt lob und ehre?1 achtist, du mochtist nit gnug demutt und vorachtung dafur tragen; was ist denn das fur eyn ehre, das alle Engel ym [Luk. 2, 13. 14] hymel fur freuden sich nit enthalten mugen, brechen auß und lassen sich auch arme hirtten auff dem feld horen, predigen, loben, singen und schutten auß yhr freude ubirmessiglich?! Was ist aller der zu Bethlehem frewd und ehr geweßen, ia aller kunig und herrnn auff erden, gegen dißer frewd und ehre, denn nur eyn solcher unflatt und grewel, des niemand gerne gedenckt, wenn er diße frewd unnd ehre ansihet?! Sihe, wie gar ubirreychlich ehret gott, die do vonn menschen vorachtet und gernn voracht werdenn. Da sihestu, wo [1. Sam. 4, 4, 2. Kön. 19, 15, 1. Chron. 14, 6, Ps. 80, 2, Jes. 37, 16] seyn augen hynnsehen, nur ynn die tieffe unnd nydrigung, wie geschrieben stett: Er sitzt ubir Cherubim und sihet ynn die tieffe oder abgrund. Die Engel kundten auch keyne fursten noch gewelltigen finden, ßondernn die ungelereten leyen und aller nydrigisten leutt auff erden. Mochten sie nit die hohenpriester, die gelereten tzu Hierusalem, ansprechenn, die doch viel von gott unnd Engelln wissen tzu sagen? Neyn, es musten die armen hirtten wirdig seyn, solch groß gnad und ehre zu habenn im hymel, die auff erden [WA s. 70] nichts waren. Wie gar furwirfft doch gott was hoch ist, und wyr tobenn und rasen nit denn nach eyttler hohe, auff das wyr ya nit ym hymel zu ehren werdenn, ymer unnd ymer tretten wyr gott auß seynem gesicht, das er unß yhe nit ansehe ynn der tieffe, da er alleyn hynnsihet.

       Das sey gnug tzur ursach der betrachtung fur die eynfeltigen. Eyn iglicher trachte bey sich selb weytter. Alle wort sind eyttel fewr, machen das [Jer. 23, 29] hertz warm, ßo sie yemand nur dreynn fasset, wie er spricht Hiere. 23: Meyne wortt sind wie das fewr. Unnd wie wyr sehen, die artt gotlicher wortt ist, das sie unß gott unnd seyne werck leren erkennen, nur dahynn gericht, das ditz leben nichts sey. Denn alß er nit lebet nach dißem leben unnd nicht hatt gutter, ehre unnd gewallt tzeytlichs lebens, ßo acht er yhr auch nitt, ßo redt er auch nit dauon, ßondern leret nur das widerspiel, wirckt auch widdersinnisch, sihet dahynn, da die wellt sich von keret, leret, das sie fleugt, hebt auff, das sie liegen lest. Und wiewol wyr ungern solch werck gottis leyden und nit wollen das gutt, ehre und leben alßo begeben, ßo muß doch ßo seyn. Denn da wirt nit anderß auß, got leret und thut nit anderß, wyr mussen unß nach yhm lencken, er wirtt sich noch unß nit lencken. Auch wer seyn wortt, solch seyn werck, solch seyn trostung nitt achtet, hatt gewißlich keyn gutt tzeychen der selickeyt an yhm. Wie mocht er lieblicher antzeygt haben, wie gnedig er sey allen nydrigen, vorachten auff erdenn, denn ynn dißer armen gepurtt, da sich die Engel von frewen, und sie niemant denn den armen hirtten kund thut?

       Nu wollen wir auch sehen, was unß fur mysteria, heymliche ding, ynn dießer historien furgelegt werdenn. Zwey furnemlich werden ynn allen mysterijs angetzeygt, das Euangelium und der glawb, das ist, was man predigen, was man glewben, wer die prediger und wer die tzuhoerer seyn sollen; das wollen wyr hie auch sehen.

[WA s. 71]

 

 

Das erst.

Ist der glawb, wilcher billich ynn allen wortten gottis tzum erst erkennet werden soll. Derselb glawb ist nit alleyn, das du glewbist, diße historien sey war, wie sie lauttet. Denn das hilfft nichts, weyll all sunder, auch die vordampten, das glewben. Von dem glawben leret die schrifft und gottis wort nicht, es ist eyn naturlich werck on gnaden. Sondern das ist der recht gnadenreych glawb, den gottis wortt und werck foddert, das du festiglich glewbist, Christus sey dyr geporn, und seyne gepurt deyn sey, dyr tzu gutt geschehen. Denn das Euangelium leret, das Christus sey umb unßer willen geporn und alle ding umb unßer willen gethan und geliden, wie hie der Engel auch [Luk. 2, 10. 11] sagt: Ich vorkundige euch eyne große frewde, die do haben werden alle leutt; denn heut ist euch geporn eyn seligmacher, der ist Christus der herr. Inn dißen wortten sihestu klar, das er unß geporn ist.

 

[Luk. 2, 10] Er spricht nit schlecht hynn, Es sey Christus geporn, sondern: Euch, Euch ist er geporn. Item spricht nit: vorkundig ich eyn freud, ßondern: Euch, Euch vorkundige ich ein große freud. Item wilche freud wirt nit ynn Christo bleyben, ßonder allen leutten. &c.. Dißen glawben hatt nit, mag auch nit haben yrgent eyn vordampter odder boßer mensch. Denn das ist der  recht grund aller selickeyt, wilcher Christum und das glewbige hertz alßo voreynigt, das allis gemeyn wirtt, was sie haben auff beyden seytten. Was haben sie aber?

       Christus hatt eyn reyne, unschuldige, heylige gepurtt. Der mensch hatt [WA s. 72] [Ps. 51, 7] yn unreyne, sundige, vordampte gepurtt, wie Dauid Ps. 50. sagt: Nym war, Ich byn ynn sunden gepildet ynn mutterleybe, und meyn mutter hatt mich ynn sunden empfangen. Derselben mag nit geholffen werdenn, denn durch die reyne gepurtt Christi. So kan die gepurtt Christi leyplich nitt außgeteylet werden, wurd auch nichts helffen; drumb wirt sie geystlich, durchs wortt außgeteyllt yderman, wie hie der Engel sagt, das alle, die do festiglich glewben, sie sey also yhm geben, dem soll seyne unreynige gepurtt nit schaden; das ist die weyße und maß reyn tzu werdenn von unßer elenden Adamß gepurtt. Darumb hatt Christus wollen geporn werdenn, auff das wyr durch yhn [Joh. 3, 3 ff.] anderweytt gepornn wurden, wie er sagt, Joan. 3. Wilchs geschicht durch [Jak. 1, 18] solchen glawben, wie Jacob .1. sagt: Er hatt unß williglich geporn durch seyn wortt der warheytt, das wyr anheben seyn new Creatur tzu seyn. Sihe, alßo nympt Christus tzu sich von unß unßer gepurtt und vorsenckt sie ynn seyner gepurtt und schenckt unß die seyne, das wyr darynn reyn und new werden, alß were sie unßer eygen, das eyn iglicher Christen mag sich dießer gepurtt Christi nitt weniger frewen und ruhmen, denn alß were er auch, gleych wie Christus, leyplich von Marien gepornn. Wer das nit glewbt odder tzweyffellt, der ist keyn Christen.

       O, das ist die große frewd, da der Engel von sagt. Das ist der trost und die ubirschwenglich gutte gottis, das der mensch sich (ßo er das glewbt) [WA s. 73] solchs schatz mag rumen, das Maria seyn rechte mutter, Christus seyn bruder, Gott seyn vatter sey. Denn die ding sind alle war unnd geschehen, ßo wyr sie glewben; das ist das hewbtstuck und hewbtgutt ynn allen Euangelien, ehe denn man lere der gute werck drauß nympt. Christus muß fur allen dingen unßer und wyr seyn werden, ehr wyr tzu den wercken greyffen. Das geschicht nu nit denn durch solchen glawben; der leret die Euangelia recht vorstehen, er begreyfft sie auch am rechten ort. Das heysset Christum recht erkant, dauon wirtt das gewissen frolich, frey und tzufridenn, darauß wechst lieb und lob gegen gott, alß der solch ubirschwencklich gutter unß umbßonst geben hatt ynn Christo. Da folgt denn eynn recht williger mutt tzu thun, lassen und leyden allis, was gott wol gefellet, es sey am leben odder sterben, wie ich [Jes. 9, 6] viel mal gesagt hab. Das meynet Isaias .9.: Eyn kind ist unß gepornn und eyn ßon ist unß gegeben. Unß, Unß, Unß geporn und unß gegeben. Darumb sihe tzu, das du auß dem Eueangelio nit alleyn nehmist lust von der historien an yhr selbs. Denn die besteht nit lang. Auch nit allein das exempell; denn das hafftet nit on den glawben, ßondernn sihe tzu, das du die gepurtt dyr zu eygen machist unnd mit yhm wechßlist, das du deyner gepurtt loeß werdist unnd seyne ubirkomist, wilchs geschicht, ßo du alßo glewbist, ßo sitzistu gewißlich der iunpfrawen Marien ym schoß und bist yhr liebes kindt. An dem glawben hastu tzu uben unnd tzu bitten, weyl du lebist, kanst yhn nymmer gnugsam sterckenn. Das ist unßer grund und erbgutt, darauff denn die gutten werck tzu pawen sind.

       Wenn nu alßo Christus deyn worden ist, und du durch yhn ynn solchem glawben bist reyn worden, hast deyn erb und hewbtgutt empfangen, on allen [WA s. 74] deynen vordienst, wie du sihest, ßondern auß lautter gottis liebe, der seynß ßonß gutt und werck dyr tzu eygen gibt. Da folgt nu das Exempel gutter werck, das du deynem nehisten auch thuist, wie du sihest, das dyr Christus than hat. Hie leren sich nu die gutten werck selbist; denn sag an, was hatt Christus fur gutte werck? Ists nicht war? das sie alltzumall darumb gutt seyn, das sie dyr tzu gutt geschehen sind, umb gottis willen, der yhm befolhen hatt, solche werck dyr tzu gutt wircken, und alßo ist Christus dem vatter darynn gehorsam gewest, das er unß geliebt und gedienet hatt. Alßo nu du satt und reych bist, hastu keyn gepot mehr, darynn du Christo dienest unnd gehorsam seyest, denn das du alle deyne werck dahynn richtist, das sie deynem nehisten gutt und nutzlich seyn, gleych wie Christus werck dyr [Joh. 13, 34] gutt und nutz seyndt. Darumb sprach er am abentessen: Das ist meyn gepot, das yhr euch liebet, wie ich euch geliebt habe. Sihestu hie, dz er unß geliebt und alle seyne werck unß gethan. Darumb, das wir  widderumb nit yhm, (denn er darffs nicht ) ßondernn unßerm nehisten auch alßo thun sollen; das ist seyn gepott, das ist unßer gehorsam, alßo macht der glawb, das Christus unßer ist, unnd seyne liebe macht, das wyr seyn sind. Er liebt, ßo glewben wyr, da wirt eyn kuch auß.Widerumb, unßer nehister glewbt und warttet unßer lieb, ßo sollen wyr auch yhn lieben und nitt lassen umbßonst unßer begeren noch wartten. Es ist gleych eynß wie das ander, Christus hilfft unß, so helffen wir unßerm nehisten, und haben alle gnug.

       Hirauß merck nu selber, wie fernn die auß der strassen gangen sind, die gutte werck haben gepunden an steyn, holtz, kleyder, essen, trincken. Was hilffts deynen nehisten, ob du eyne kirchen von lautter gollt bawen kundist? [WA s. 75] was hilfft yhn der grossen unnd vielen glocken klang? was hilfft yhn das groß gleyssen und geperden ynn den kirchen mit meßgewand, heylthum, silbernn bild und gefeß? was hilfft yhn viel liecht brennen und reuchern? was hilfft yhn viel gedone, gemurmel, gesang von vigilien und messen? Meynstu, das gott sich mit glockenklang, kertzenrauch, golltgleyssen und des gleychen geschwurmiß wirtt lassen tzalen? Er hatt dyr des keyniß gepotten, ßondernn ßo du deynen nehisten sihest yrren, sundigen, nodt leyden an leyb, gutt odder seelen, Da, da soltu tzufaren, allis ander lassen faren und dem helffen mit allem, das du bist unnd hast, kanstu nitt mehr, das du doch mit wortten und gepett helffist. Denn also hatt dyr Christus than und exempel geben, dyr auch alßo tzu thun. Sihe, das sind die tzwey stuck, daryn sich eynn Christen uben soll, eyniß gegen Christo, das er denselben wol ynn sich tzihe unnd durch den glawben yhm tzu eygen mach, kleyde sich ynn Christus gutter und baw kecklich drauff. Das ander gegenn seynem nehisten, das er sich tzu dem sencke unnd laß denselbenn auch alßo ynn seynenn gutternn waldenn, wie er ynn Christus guttern wallet. Wer diß tzwey stuck nitt ubet, den hilfft nichts, ob er sich zu todt fastet, martert, brennen ließ unnd alle [1. Kor. 13, 1 –3] wunder thet, wie S. Paulus leret .1. Cor. 13.

       Das ander mysterium odder heymlich lere ist, das ynn der kirchen nitt mehr denn das Euangelium soll gepredigt werdenn. Nu leret das Euangelium nit mehr denn die tzwey vorigen stuck, Christum und sein Exempell, zweyerley gutter werck, Die eynen Christi eygen, dadurch wyr ym glawben selig werden, Die andernn unßer eygen, dadurch unßerm nehistenn geholffenn wirt. Und wer anderß leret denn das Euangelium, der vorfuret, unnd wer das [WA s. 76] Euangelium nit nach dissen tzweyenn stucken leret, der vorfuret noch serer unnd ist erger denn yhener, der on Euangelium leret, darumb das er gottis wortt [2. Kor. 2, 17 4, 2] schendet und vorteusschet, wie S. Paulus ubir etlich klagt. Nu hatt solche lere die natur nitt mugen selb erfinden, mag auch noch nitt erdencken aller menschen witz, vornunfft und weyßheyt. Denn wer wollt auß yhm selb erforschen, das der glawb ynn Christo unß mit Christo eyniß macht unnd alle gutter Christi unß tzu eygen gibt? Wer wollt auch erdencken, das keyne werck gutt sind, denn nur die an unßern nehisten gelegt, odder doch dahyn geordenet werden? Die natur leret nit mehr, denn noch den wortten der gepott hynn wircken. Drumb fellt sie auff yhr eygen werck, das der mit stifften, der mit fasten, der mit kleydernn, der mit wallen, eyner sonst, der ander ßo, meynet die gepot tzurfullen, und sind doch nit mehr, denn eygen erleßne, unnutze werck, davon niemand geholffen wirtt, wie itzt leyder alle wellt vorblendet, yrrgaht durch menschen lere und werck, das der glawb und die liebe mit dem Euangelio vorgangen ist. Darumb ist das Euangelium unnd seyn vorstand eyn gantz ubirnaturlich predigt und liecht, das nur Christum antzeygt.

 

[Luk. 2, 9] Das ist bedeutt tzum ersten darynn, das nit eyn mensch dem andern, ßondern eyn Engel vom hymel kam und den hirtten dieße gepurtt Christi vorkundigt, keyn mensch wuste etwas davon. Zum andern bedeutt auch die mitternacht, inn wilcher Christus geporn ist, damit er antzeygt, das alle wellt finster ist ynn seyner tzukunfft, und keyn vornunfft Christum erkennen kan. Es muß vom hymel offenbartt werdenn. Zum dritten deuttet das das liecht, wilchs die hirtten umbleuchtet, tzu leren, das gar eynn ander liecht denn alle [Luk. 2, 9] vornunfft hie seyn muß, und S. Lucas spricht hie nemlich: Gloria dei, die [WA s. 77] glorie gottis hab sie umbleucht, nennet dasselbe liecht eyn gloria odder ehre gottis. Warumb das? Nemlich das mysterium zu ruren und antzutzeygen die artt des Euangelij. Denn dieweyl das  Euangelium ein hymlisch liecht ist, das nit mehr denn Christum leret, ynn wilchem gottis gnade unß geben unnd unßer ding gar furworffen wirtt, ßo richtet es nur gottis ehre auff, das niemant hynfurt sich rhumen eynigs vormugenß kan, sondern muß gott die ehre geben unnd yhm den rhum lassen, das seyn lautter liebe unnd gute sey, das wyr durch Christum selig werden. Sihe, der gotlich rhum, die gotlich ehre ist das liecht ym Euangelio, das unß vom hymel umbleuchtet, durch die Apostelln und yhre folger, die das Euangelium predigen; denn der Engel ist an statt geweßen aller prediger des Euangelij, und die hirtten an statt aller tzuhoerer, wie wyr sehen werden. Darumb mag das Euangelium keyn ander lere neben sich leyden; denn menschen lere ist yrdisch liecht, ist auch menschenn glori, richtet auch menschen rhum unnd lob auff, macht vormessene seelen auff yhr eygen werck, da das Euangelium auff Christum, gottis gnade und guette, sich vormessen, auff Christum rhumen und trotzen leret.

       Item tzum vierden bedeutt das der name Judea und Bethlehem, darynn Christus hatt wollen gepornn werdenn. Judea heyst auff deutsch bekentniß odder dancksagung, alß wenn wyr bekennen, loben und dancken gott, das alle unßer gutter seyne gaben sind. Eyn solcher bekenner und lober heyst Judeus. Solcher Juden kunig ist Christus, wie seyn reym laut: Jhesus [Matth. 27, 37] nazarenus rex iudeorum. Alßo sagen wyr auch auff deutsch von eynem [Luk. 23, 38, Joh. 19, 19] danckparn odder undanckbarn: Er erkennet sich doch, Er erkennet es nit. &c..2 [WA s. 78] Alßo ist angetzeygt, das keyn lere solch bekentniß mache, denn alleyn das Evangelium, das Christum leret.

       Item Beth heyst eyn hawß, lehem heyst speyß oder brot, Bethlehem eyn brotthawß, und die statt hatt den namen darumb gehabt, das sie ynn eynem gutten fruchtparn land gelegen, kornreych geweßen ist, das sie gleych der umbliegend stet eyn kornhawß geachtet wartt, wie wyr eyn solch statt heyssen eyn schmaltzgruben, und vortzeytten hieß sie Ephrata, das ist fruchtpar, beyde namen von eyner ursach, das sie eyn fruchtpar, kornreychen boden hatte. Damit ist nu bedeutt, das on das Euangelium eyttell wusteney ist auff erden, auch keyn gottis bekentniß noch dancksagung. Wo aber das Euangelium und Christus ist, da ist das kornreyche Bethlehem und das danckpar Judea, da hatt ynn Christo yderman gnug, und da ist eyttell dancksagung gotlicher gnaden. Aber menschen lere dancken yhn selber, lassen dennoch durr landt unnd todlichen hunger da bleyben. Es wirtt yhe keyn hertz satt, es hore denn Christum recht predigenn ym Evangelio, da kumpt er gen Bethlehem und findet yhn, da kumpt er auch und bleybt ynn Judea unnd danckt seynem gott ewiglich, da wirt er fatt, da hatt gott auch seyne lob und bekentniß, und außer dem Euangelio nichts denn undanck, und wyr nichts denn hunger sterben.

       Aber auffs klerist tzeygt der Engel mit seynen wortten das Euangelium, und das sonst nichts tzu predigen sey inn der Christenheytt, nympt an sich [Luk. 2, 10] das ampt unnd wortt dem Euangelio gemeß und spricht: Euangeliso, spricht nit: ich predige euch, ßonder: eyn Evangelium sage ich euch, ich bynn eyn [WA s. 79] Euangelist, meyn wortt eyn Euangelium. Szo heyst Euangelium, wie droben gesagt ist ym Aduent, eyn gutte, froliche botschafft, wilchs soll seyn die predigt ym newen testament. Wovon lautt denn das Euangelium? Hor tzu; [Luk. 2, 10] er spricht: Eyn grosse frewde vorkundige ich euch, meyn Euangelium sagt von [Luk. 2, 11] eyner grossen frewd. Wa ist die? Hor weytter: Euch ist geporn eyn seligmacher, Christus der herr, tzu Bethlehem, ynn der statt Dauid. Sihe da, was daß Euangelium sey, nemlich eyn frolich predigt von Christo, unßerm seligmacher. Wer den recht predigt, der predigt das Euangelium und eyttell frewde; was mag eyn hertz grosser frewde horenn, denn das Christus yhm tzu [Luk. 2, 11] eygen geben wirtt? Er spricht nit alleyn: Christus ist geporn, ßondern eygent unß seyne gepurtt und spricht: Ewr seligmacher. Alßo leret das Euangelium nit alleyn die geschicht und historien Christi, ßondernn eygent und gibt sie allen, die da dran glewben, wilchs auch (wie droben gesagt ) die rechte eygentlich artt ist des Euangeli. Was hulffs mich, das er tausent mal geporn were und myr das teglich wurd gesungen auffs lieblichst, wenn ich nit horen sollt, das myr dasselb gellte und meyn eygen seyn sollt?!3 Wenn die stym klingt, wie heymlich und ubel sie klingt, ßo horet meyn hertz mit frewden tzu,  das dringt durch unnd klingt hertzlich wol. Were nu ettwas anderß tzu [WA s. 80] predigen, wurd es der Euangelische Engel unnd Englischer Euangelist haben auch beruret.

 

[Luk. 2, 12] Weytter spricht er: Das werd yhr zum tzeychen haben, yhr werdet das kind finden eyngewicklet unnd ynn eyn krippen gelegt. Die tuechle sind nit anders denn die heylige schrifft, darynnen die Christliche warheyt gewickellt ligt, da findt man den glawben beschrieben. Denn das gantz allte testament hatt nitt anderß ynn sich denn Christum, wie er vom Euangelio gepredigt ist. Drumb sehen wyr, wie die Apostelln auß der schrifft tzeugniß furen und beweren damit allis, was von Christo tzu predigen und tzu glewben ist. Szo [Röm. 3, 21] spricht Paulus Ro .3., das der glawb Christi, durch wilchen wyr rechtfertig werden, sey betzeugt durch das gesetz und die propheten, und er selb Christus nach seyner aufferstand offenet er yhn die schrifft und tzeygt, wie sie von yhm [Matth. 17, 3 [!]] sagt. Item auff dem berge thabor Matt. 16., da er sich vorkleret, stunden die tzween, Moses unnd Elias, bey yhm (das ist, das gesetz unnd prophetenn) [Luk. 2, 12] alß seyn tzween tzeugen, seyn zeychen, die auff ihn weyßen. Drumb spricht wol der Engel, das tzeychen, dabey man yhn kenne, seyn die tuchel. Denn es ist keyn ander getzeugniß auff erden der Christlichen warheytt, denn die heyligen schrifft. Demnach auch Christus untzurteylicher rock bedeutt die schrifft des newen testaments, wilch ynn seynem leyden außgeteylet und vorspielet wartt, [WA s. 81] das bedeutt, wie der Bapst, der widderchrist, wurde die Euangelia nit leugnen, doch alßo tzureyssen und damit kauckellnn durch falsche glossen, das Christus nitt mehr drynnen erfunden wurde. Denn die vier kriegsknecht, die den herren kreutzigeten, sind figurn geweßen aller Bischoff und lerern, ynn vier ortten der wellt, die das Euangelium tzureyssen, Christum und seynen glawben todten mitt yhren menschenleren, alß denn nu der Bapst mit seynen Papisten lengist hatt vollnbracht.

       Szo sehen wyr, das auch das gesetz und propheten nitt recht geprediget noch erkennet werdenn, wyr sehenn denn Christum drynnen gewicklet. War ists, es scheynet nit, das Christus drynnenn sey, die Juden sehen yhn auch nitt drynnenn. Es sindt unanseheliche, geringe tuchle, schlechte wortt unnd vonn geringenn eußerlichenn sachenn scheynen sie reden, das sichs von yhm selb nit lest erkennen, ßondern das new testament, das Euangeli, muß antzeygen, [Luk. 2, 10. 11] offenen und erleuchten, wie gesagt ist. Es muß tzuuor das Euangelium gehoert werdenn und des Engels erscheynen und stym geglewbt werdenn. Hetten die hirtten nitt von den Engellnn gehoeret, das Christus alßo da lege, wenn sie yhn tausent unnd aber tausent mal hetten angesehen, weren sie dennoch nit darauß ynnen worden, das Christus das kind were. Alßo spricht [2. Kor. 3, 14 ff. [!]] S. Paulus .2. Cor. 4: Das gesetz bleybt finster und tzugedeckt fur den Juden, biß das sie tzu Christo bekeret werden. Denn Christus muß tzuuor ym Euangelio gehortt werden, alß denn sihet man, wie feyn das gantz allt testament auff yhn alleynn stymmet und reymet sich ßo lieblich, das der mensch sich muß ynn glawben gefangen geben, und wirtt ynnen, wie war das [Joh. 5, 46] sey, das Christus Joan. 5. sagt: Moses hatt von myr geschrieben, wenn yhr [WA s. 82] demselben glewbtet, ßo glewbtet ihr auch myr. Darumb last unß hutten fur allen leren, die Christum nit leren. Was willtu mehr wissen? was darfftu mehr? ßo du Christum dermassen weyssist, wie droben ist gesagt, das du durch yhnn gegen gott ym glawben und gegenn deynem nehisten ynn der liebe wandelst und thuest deynem nehisten, wie er dyr than hatt, das ist yhe die gantze schrifft auffs kurtzist begriffenn, das nitt mehr wortt noch bucher, ßondernn nur alßo leben unnd thun darff.

 

[Luk. 2, 12] Er liegt ynn der krippen. Sihe da, das du yhe gewiß seyest, es soll nichts denn Christus gepredigt werdenn inn aller wellt. Was ist die krippen anderß, denn die vorsamlung des Christenvolcks ynn den kirchen zur predigt?; wyr seind die thier zu dißer krippen, da wirtt unß Christus furgelegt, davon wir sollen unßer seelen speyßen, das heyst tzur predigt furen; wer tzur prediget gehet, der gaht zu dißer krippen, ya, es mussen aber predigt seyn von Christo. Denn nit alle krippen haben Christum, auch nit alle predigt leren den glawben, ya, es war nur eyne krippen tzu Bethlehem, da dißer schatz ynnen lag, und war datzu eyn ledige, vorachte krippen, da ßonst keyn futter ynnen war. Alßo die prediget des Euangelium ist ledig vonn allen  andern dingen, hatt unnd leret nit mehr denn Christum; leret es aber etwas anders, ßo ist schon nymmer Christus kripple, ßondern der reyssigen hengst krippen, voll tzeytlicher lere von leyplichem futter. Das man aber sehe, wie Christus ynn den tuchlen betzeychne den glawben ym allten testament, ßo wollen wyr etlich exempel antzeygen.

 

[Matth. 8, 4] Wyr leßen Matt. 8., da Christus den außsetzigen reyniget, das er tzu [WA s. 83] yhm sagt: gang hyn, tzeyg dich dem priester und opffer deyn opffer, das Moses gepotten hatt, yhn zu eynem getzeugniß. Hie hoeristu, das Moses gesetz sey den Juden geben tzu eynem getzeugniß odder tzeychen, wie auch hie der Engel sagt. Nemlich, das solchs gesetz etwas anderß bedeutte, denn sich selb. Was? Christus ist der priester, alle menschen sind geystlich aussetzig umb des unglawbens willenn; wenn aber wyr ynn yhn glewben, ßo ruret er unß mit seyner handt, gibt und legt seyne werck auff unß, dadurch werden wyr reyn und gesund, on allen unßern vordienst, ßo sollen wyr unß yhm ertzeygen, das ist danckpar seyn und bekennen, das nit durch unßer werck, ßondernn durch seyn gnade wyr frum worden seyn alßo seyn wyr denn gegen gott recht gericht, datzu sollen wyr unßer gabe opffernn, das ist, das unßer dargeben unßerm nehisten, demselben auch wol thun, wie unß Christus than hatt; das heyst denn Christo gedienet unnd geopffert dem rechten priester; denn es geschicht umb seynen willen, und yhm zu lieb und lobe. Sihistu hie, wie feyn Christus und der glawb ynn der schlechten schrifft und figur gewicklet ist?3 da greyffistu, das Moses mit dem gesetz nur eyn getzeugnis unnd deuttung auff Christum geben hat. Dermassen soll man das gantz allt testament vorstehen unnd es lassen seyn dieße tuchle tzu eynem tzeychen, die Christum außweyßen und bekentlich machenn.

       Item, das der Sabbat ßo streng gepotten war, unnd keyn werck drynnen sollt geschehen, weyßet, das nit unßer werck, ßondernn Christus werck ynn unß [WA s. 84] seyn sollen; denn, wie gesagt, nit unßer, ßondernn Christus werck machen unß selig. Nu seyn dieselben zweyerley, alß droben angetzeygt. Eynerley, die Christus personlich on unß gethan hatt, wilchs sind die hewbtwerck, darynn wyr glewben; die andern, die er ynn unß wirckt gegen den nehisten ynn der liebe, das die ersten mugen heyssen die abentwerck, die andernn die morgenwerck, [1. Mose 1, 5. 8. 13., 19. 23. 31] und werd alßo abend und morgen eyn tag, wie Gen̄. 1. geschrieben stett. Denn die schrifft hebt den tag am abent an und endet yhn am morgen; das ist, der abend mit der nacht ist die erste helffte, der morgen mit dem tag ist die ander helfft des gantzen naturlichen tags. Nu wie die erst helfft ist finster, die ander liecht, alßo die ersten werck Christi sind unßer ym glawben vorporgen, aber die andernn der liebe sollen erauß an tag kummen, dem nehisten offentlich ertzeygt werden. Sihe, ßo ist der gantz Sabbat gefeyret unnd geheyligt. Sihistu aber, wie feyn hie ynn dißem tuchle Christus ligt? wie feyn tzeygt das alte testament den glawben und liebe ynn Christo unnd seynen Christen. Nu wie die kindewindel sind gemeynicklich tzweyerley, eyniß aussen, grob, wollen tuch, das ander ynnwendig, leynen, subtiler. Das wollen grob eußerlich tuch sind die figurn, die itzt ertzelett sindt auß dem gesetz. [Jes. 7, 14] Aber die leynen sind die spruch der propheten, on figur gesetzt, alß der Isaie .7: Nempt war, eyn iunpfraw wirtt schwanger seyn unnd geperen eynen ßon, der soll heyssen Emanuel, unnd dergleychen, wilch auch nit von Christo vorstanden [WA s. 85] wurden, wenn sie das Euangelium nit antzeygt und Christum drynnen weysset.

       Alßo haben wir die tzwey, den glawben und das Euangelium, angetzeygt, das dieselben unnd nichts anderß soll gepredigt werdenn ynn der Christenheytt. Nu laß unß sehen, wer die prediger unnd schuler seyn sollen. Die prediger sollen Engel seyn, das ist gottis boten, und eyn hymlisch leben furen, alltzeyt mit gottis wortt umbgahn, das sie yhe nitt menschenlere predigen. Es ist gar eyn unfuglich ding, gottis bote tzu seyn und nit seyne botschafft [Luk. 2, 9] werben. Angelus aber heyst eyn bote, und Lucas nennet yhn hie Angelus domini, gottis bote. Es ligt auch mehr an der botschafft, denn an seynem leben; furt er eyn boß leben, ßo schadet er yhm selb, bringt er aber eyn falsche botschafft fur gottis botschafft, ßo vorfuret er und schadet yderman, der yhm zuhoret, und macht abgotterey ym volck, das sie lugen fur warheyt, menschen fur gott ehren unnd den teuffel an gottis statt anbeten. Drumb keyn grewlicher plag,  yammer, ungluck auff erden ist, denn eyn prediger, der gottis wortt nit prediget, der itzt leyder alle wellt voll ist, und meynen doch, sie thun wol und seyn frum, und ist nit anderß yhr weßen, denn seel morden, gotlestern, abgotterey auffrichten, das yhn viel seliger were, sie weren dieweyl reuber, morder unnd die ergistenn buben geweßenn, ßo wisten sie doch, das sie ubel tethen; aber nu gehen sie unter dem priesterlichen, Bischofflichen, Pebstlichen, geystlichen namen unnd scheyn dahynn und sind nur reyssende wolff ynn schaffskleydern, das gutt were, yhr predigt wurde von niemand gehoret. [WA s. 86]

 

[Luk. 2, 8] Die schuler sind hirtten, arm leut auff dem felldt; hie hellt Christus [Matth. 11, 5] was er sagt Matt. 11: Den armen wirt das Euangelium gepredigt, und [Matth. 5, 3] Matt. 5: selig sind die armen, denn das hymelreych ist yhr. Hie sind keyne gelereten, keyne reychen, keyne gewelltigen; denn solch volck nympt das Euangelium nitt auff; das Euangelium ist eyn hymlischer schatz, will nitt bey sich leyden eynen andernn schatz, kan sich ynn dem hertzen nit vortragen mit eynem yrdnischem gast. Drumb wer eyniß lieb hatt, muß das ander faren lassen, wie [Matth. 6, 24] Christus Matt. 6. sagt: yhr kund nit tzugleych gott und dem Mammon dienen. Das tzeygen die hirtten an, damit das sie ym fellt unter dem hymel, nit ynn hewßen, funden werdenn, kleben noch hafften nit an tzeytlicher habe; datzu ynn der nacht sind sie ym fellt, das sie voracht, unbekant seyen der wellt, die do schlefft ynn der nacht und am tage gernn wandellt und sich sehen lessit. Aber die armen hirtten gehen ynn yhrem werck bey der nacht; das sind alle die nydrigen, die ein arm, voracht, unansehelich leben furen auff erden und nur unter dem hymel wonen, ynn gottis gewallt, die sind des Euangeli begriffig. Das aber nemlich hirtten sind, bedeutt, das niemand das Euangelium yhm alleyn horen soll, ßondernn eyn iglicher dem andernn sagen, der seyn nitt weyß denn wer fur sich selb glewbt, der hatt gnug und soll hynfurtt sehen, wie er andere auch tzu solchem glawben und erkentniß bringe, und alßo eyner des andernn hirtten sey, weyde yhn und wartte seynn auff dißer wellt, ynn der nacht dißes lebens. Es erschreckt auch der Engel tzum ersten die [WA s. 87] hirtten. Denn die natur entsetzt sich zum ersten, wenn sie ym Euangelio horet, das alle unßer ding nichts und vordampt sey fur gott, und lest nit gern yhr guttdunckel und vormessenheyt faren.

       Nu hallt eyn iglicher sich selb gegen das Euangelium unnd sehe, wie nah odder fernn er von Christo sey, wie es umb yhn stehe ym glawben und lieben. Viel seynt yhr, die mit trewmender andacht entzundet werden, wenn sie solch armut Christi hoeren, tzornen fast mit den Burgernn tzu Bethlehem, straffen yhre blindheyt unnd undanckparckeyt, meynend, wenn sie da geweßen weren, wollten grossen dienst dem herrnn und seyner mutter ertzeygt und nit ßo erbermlich lassen tzugehen haben. Aber sie sehen nit neben sich, wie viel yhr nehisten umb sie seyen, die wol durfften yhrer hulff, die sie doch lassen gehen unnd bleyben, wie sie sein. Wer ist auff erden, der nit arm, elend, kranck, yrrige odder sundige menschen umb sich habe? Warumb ubet er denn hie nit seyne liebe? warumb thut er denen nit, wie yhm Christus than hatt? Es ist erlogen und falsch, das du meynist, du wolltist Christo viel guttis than haben, ßo du es dießen nitt thuest. Wenn du zu Bethlehem werist geweßen, du hettist sein eben ßo wenig geachtet alß die andernn; ya, weyl er nu erkleret ist, wer er sey, ßo willtu dienen; wenn er nu keme und legt sich ynn die krippen, ließ dyr sagen, er were es, von dem du ßo viel itzt weyssist, ßo [Luk. 16, 19 ff.] mochtistu was thun, aber tzuuor hettistu es nit than. Wer dem reychen man ym Euangelio auch gesagt hette, wie groß der arm Lasarus tzukunfftig seyn wurd, das erß gewiß were geweßen, er hette yhn nit ßo lassen ligen und vorterben. Alßo wenn deyn nehister das itzt were, das er werden soll tzukunfftig, und lege denn fur dyr, ßo wurdistu seyn wol wartten, aber nu das [WA s. 88] nit ist, schlechstu es alles ynn den wind und kennist deynen herrn yn deynem nehisten nicht, thust yhm nit, wie er dyr than hatt. Drumb lest dich gott auch blind werden, durch Bapst und falsche prediger betriegen, das du an holtz und steyn, papyr und wachß gibst und vorleurist das, damit du deynem nehisten wol hettist mugen helffenn.

 

 

[Auslegung des englischen Gesangs Gloria]

 

[Luk. 2, 14] Zuletzt mussen wyr auch den Englischen gesang handelln, den wyr ynn der meß teglich habenn: Gloria in excelsis deo. &c.. Dreyerley ordenen sie ynn dißem gesang: Die Ehre, Den friden, Das wolgefallenn odder gutten willen. Die ehre  geben sie gott, den frid der erden, das wolgefallen den menschen. Der gute will oder wolgefallen mocht vorstanden werden von dem gotlichenn gutten willen und wolgefallen, den er hat ubir die menschen durch Christum. Aber wyr wollenß lassen bleyben bey dem gutten willen, den die menschen auß dießer gepurtt haben, wie denn auch die wortt gebenn, die alßo [Luk. 2, 14] lautten: anthropis eudokia, hominibus beneplacitum. Das erst ist die Ehre gottis; da soll man auch anheben, auff das gotte ynn allen dingen der rhum und die ehre geben werd, alß dem, der alle ding thutt, gibt unnd hatt, das niemand yhm selb etwas tzuschreybe oder sich eynigs dings annehm. Denn die ehre gepurtt niemant, denn alleyn gotte, lessit sich nitt mit yemand teylen odder gemeyn machen. Die ehre hatt Adam durch den boeßen geyst gestolen unnd yhm selb tzugeeygent, das alle menschen drob ynn ungnaden seyn mit yhm, und ist auch noch ynn allen menschen ßo tieff gewurtzellt, das keyn laster ßo tieff inn yhm ist, alß die ehrsucht. Niemant wil nichts seyn odder mugen, [WA s. 89] yderman gefellet yhm selb wol, daher denn aller yammer, unfrid unnd krieg auff erdenn kompt. Die Ehre hatt Christus gott erwidder bracht, damit das er unß geleret, wie alle unßer ding nichts sey denn eyttel tzorn und ungnad fur gott, das wyr unß ynn keynen weg rhumen noch unß selb drynnen wolgefallenn mugen, ßondernn furchten unnd schemen mussen, alß ynn der grossisten far und schande, das alßo unßer ehre und selbgefallen tzu poden gestossen und gantz nichts werde, unnd wyr fro werden, das wyr yhr ßo loß werden, das wyr yn Christo mugen erfunden und behallten werden, wie gesagt ist.

 

[Luk. 2, 14] Das ander ist der frid auff erdenn. Denn tzugleych, wie do muß [Spr. 13, 10] unfrid seyn, wo gottis ehre nit ist, wie Salomon sagt: inter superbos, unter den hochfertigen, ist alltzeytt hadder, alßo widerumb, wo gottis ehre ist, da muß frid seyn. Warumb sollten sie haddernn, wenn sie wissenn, das nichts yhr eygen ist, ßondernn alles was sie seyn, haben und vormugen, ist gottis, den lassen sie damit waldenn und benugen daran, das sie eynen gnedigen gott haben; wer do weyß, das allis seyn ding nichts ist fur gott, der acht seyn auch nit fast, gedenckt auff eyn anderß, das fur got etwas sey, das ist Christus. Darauß folget, das, wo ware Christen sind, da mag keyn streyt, hadder, [Jes. 11, 9] unfrid unter seyn. Wie Isaias .11. vorkundigt und spricht: Sie werden nitt eyner den andern todten noch beschedigen auff meynem heyligen berge (das ist. [WA s. 90] [Jes. 11, 9] ynn der Christenheyt); folgt die ursach: Denn es ist die erden voll erkentniß gottis, das ist, dieweyl sie gott erkennen, das allis seyn ist und unßer ding [Jes. 2, 4] nichts, ßo konnen sie wol frid haben unternander. Wie auch derselb Isaias c. 2. sagt: sie werden yhr schwerd wandelln ynn pflugscharen und yhr spieß ynn sichlen. Sie werden hinfurtt nit gegenander das schwerd auffheben noch tzum streytt sich uben. Darumb heyst unßer herr Christus eyn kunig des frides und ist bedeuttet durch den kunig Salomon, wilcher auff deutsch heist fridreych das er unß frid macht ynnwendig gegen gott ynn unßerm gewissen durch den glawben auff sich gebawet und außwendig gegen den menschen, inn leyplichem wandel, durch die liebe, das alßo durch yhn allenthalb frid sey auff erdenn.

 

[Luk. 2, 14] Das dritte ist der gutte wille der menschenn. Hie heist nit der gutte wille, der do gutte werck wirckt, ßondern das wolgefallen und fridlich hertz, das yhm lessit allis gefallen, was yhm widderferet, es sey gutt odder boße. Denn die Engell wisten wol, das der frid, dauon sie singen, sich nit weytter streckt, Denn unter die, ßo ynn Christum warhafftig glewben; dieselben haben gewißlich unternander frid. Aber die wellt und der teuffel haben keyn ruge, [Joh. 16, 33] lassen yhn auch keyn frid, vorfolgen sie biß ynn den tod, wie Christus Joan. 16. [WA s. 91] sagt: ynn myr sollt yhr frid haben, ynn der wellt werdet yhr gedreng habenn. Darumb war es den Engelnn nit gnug, tzu singen den frid auff erdenn, [Luk. 2, 14] ßondernn auch den wolgefallen der menschen, das ist, das sie es yhn allis lassen wolgefallen, loben und dancken gott, dunckt sie recht und gutt seyn, wie gott mit yhn feret und faren lessit. Murmelln nit, stehen feyn gelassen und willig ynn gottis willen, ya, weyl sie wissen, das gott allis thutt und schafft, den sie doch durch Christum haben ym glawben tzum gnedigen vatter ubirkummen, ßo rhumen sie und frewen sich, wenn sie voruolget werden. Wie [Röm. 5, 3] S. Paulus Ro. 5. sagt: wyr rhumen und prangen ynn den voruolgungen. Es deucht sie allis das beste seyn, was yhn begegnet, auß ubirfluß des frolichen gewissens, das sie ynn Christo haben. Sihe, eyn solchen gutten willen, wolgefallen, guttduncken ynn allen dingen, sie seyen gutt odder boße, meynen [Luk. 2, 14] die Engel alhie ynn yhrem gesang. Denn wo der gutte will nit ist, da bleybt nit lang fride. Er legt auch alle ding auffs ergist auß, macht alltzeytt das ubel groß und auß eynem unfall tzween. Drumb wie es gott mit yhn macht, [Ps. 18, 27] ßo gefellet es yhn nit und wollens anders haben, ßo geschicht denn das Ps. 17: Herr got, mit dem, der allis fur außerwelt hellt, machstu es auch außerwelt [WA s. 92] (das ist der solchen wolgefallen hatt ynn allen dingen, den lessistu widderumb dyr unnd allen gefallen), aber mit dem vorkeretenn vorkeristu dich auch, das, wie yhm du und alle deyn thun und schaffen nichts gefellet, alßo gefellet er dyr und alle dem deynen widder nicht. Von dem gutten willen sagt Paulus [Röm. 15, 2[!], 1. Kor. 9, 22[!]] .1. Cor. 3: thut vleyß, das yhr yderman gefallet, wie ich yderman gefalle. Wie geschicht das? wenn du dyr alle ding lessist gutt seyn und gefallen, ßo gefellistu widderumb yderman. Es ist eyn kurtz regel: willtu niemant gefallen, ßo laß dyr niemant gefallen; willtu yderman gefallen, ßo laß dyr yderman gefallen, ßo fern doch, das du gottis wort nit drob lessist; denn da horet alles gefallen und misfallen auff; was aber on nachlassung gottis wortt mag nachgelassenn werden, das laß, auff das du gefellig seyest yderman, und laß dichs gutt duncken fur gott, ßo hastu dißen gutten willen, da die Engell von singenn.

       Auß dißem gesang mogen wyr lernen, was die Engel fur Creatur seyn; laß faren, was die naturliche meyster dauon trewmen, hie sind sie also abgemalet, das sie nit baß mugen abgemalet werden, das auch yhr hertz und gedancken hie erkennet werdenn. Zum ersten ynn dem, das sie mit frewden gott die ehre tzusingen, tzeygen sie an, wie sie voll liecht und fewr sind. Erkennen, wie alle ding gottis allein sind, geben ihn selbs nichts, mit grosser brunst tragen sie die ehre alleyn dem tzu, des sie ist. Drumb wie du woltist dencken von eynem demutigen, reynen, gehorßamen, gottlobenden und frolichem hertzen ynn got, ßo denck von den Engellenn, und das ist das erst, damit sie [WA s. 93] gegen gott wandellnn. Das ander ist die liebe gegen unß, gleych wie wyr droben geleret seyn tzu thun. Hie sihestu, wie gunstig, große frund sie unß seyn, das sie nitt weniger unß gonnen, denn yhn selbs, frewen sich auch unßers heylß ßo fast, alß yhreß eygens, das sie furwar ynn dißem gesang unß eyn trostlich reytzung geben des besten tzu yhn tzuuorsehen, alß tzu den bestenn frunden. Sihe, das ist recht die Engel nit nach yhrem weßen, damit die Naturlich meyster on alle frucht umbgahn, ßondernn nach yhrem inwendigsten hertz, mut und sin vorstanden, das ich nit weiß, was sie seyen, ßondern was yhr hochstis begird unnd stettigis werck ist, da sihet man yhn ynß hertz. Das sey gnug von dem Euangelio. Was Maria, Joseph unnd Nazareth bedeutte, ist ym Euangelio Luce .1. tzu sagenn.

 

Der Harnsch dießes Euangeli.

In dießem Euangelio ist der artickel des glawbens gegrund, da wyr sagen: Ich glewb ynn Jhesum Christum, der gepornn ist von Marien, der iungfrawen. Denn ob derselb artickel wol an mehr ortten der schrifft gegrundet ist, doch an keynem ort so klerlich und reychlich. S. Marcus sagt nit mehr, denn das Christus eyn Mutter habe, desselben gleychen auch S. Joannes, sagen beyde nichts von der gepurtt. S. Matth. sagt, er sey geporn [WA s. 94] von Marie tzu Bethlehem, lest es auch alda bleyben, on das er die iunpfrawschafft Marie herlich predigt, wie wyr hoeren werden tzu seyner tzeyt. Aber Lucas beschreybt sie klerlich und vleyssiglich. Sie ist vortzeytten auch yn den [1. Mose 22, 10] Patriarchen und propheten vorkundigt, alß da gott zu Abraham sagt Gen̄. 22.: ynn deynem samen sollen gebenedeyet werden alle volcker der erden. Item tzu [Ps. 89, 4. 5, 132, 11] Dauid Ps. 88. und .131.: Gott hatt Dauid eyn eyd geschworen ynn der warheytt unnd wirt yhm nit feylen: von der frucht deyneß leybß will ich eyn kunig machen auff deynem thron; aber das sind finstere spruech gegen dem Euangelio.

       Item, sie ist auch ynn vielen figurn bedeutt; Alß ynn der mandelruten Aaron, die da blueett ubirnaturlich, ßo es doch eyn durr holtzstecken war [4. Mose 17, 8] Numeri 17. Alßo Maria, frembd von aller naturlichen und fleyschlichen blutt, safft, krafft und wercke hatt ubirnaturlicher weyß doch eynen warhafftigen naturlichen son, sie, eyn naturlich Mutter, geporn, gleych wie die Rute  auch naturliche mandell trug und eyn naturliche Rute bleyb.

 

[Richt. 6, 37. 38[!]] Item, durch das fell Gedeon Judic .7., wilchs von hymeltaw feucht wartt und das land trocken bleyb und der viel mehr, die itzt nit nodt sind tzurtzelen. Auch die figur streyttenn nicht, ßondernn sie schmucken den glawben; denn es muß tzuuor geglewbt und gegrundt seyn, ehe ich glewbe, das die figur [WA s. 95] datzu diene. Nu ligt an dißem artickel viel, das wyr ynn der anfechtung unß ihn yhe nit nemen lassen; denn der Boße geyst fichtet nichts ßo hartt an alß den glawben. Drumb mussenn wyr gerustet seyn und wissen, wo derselb yn der heyligen schrifft gegrundet sey, unnd seyn anfechtung dahynn weyßen; ßo ist sie schon matt, denn widder gottis wortt kan er nicht bestehen.

       Es sind auch viel sittlicher lere ym Euangelio, alß von der demut, gedullt, armut und der viel mehr, aber die sind gnugsam berurtt, gehoren auch nit tzum streytt, denn es sind fruchte des glawbenß und gutte werck.

 

 

 

 

Zu der frue Christmeß Epistell Pauli Cit .iij. Tit 3, 4-7

 

1522[WA s. 95]

 

[Tit. 3, 4 –7] ES ist erschynen die freuntlicheytt und leuttselickeyt gottis, unßers seligmacherß, und hat unß nit nach den wercken der gerechtickeyt, die wyr than haben, ßondernn nach seyner barmhertzickeyt selig gemacht, durch das bad der widdergepurtt und vornewrung des heyligen geystes, wilchen er ynn unß reychlich außgossen hatt, durch Jhesum Christum, unßern seligmacher, auff das wyr durch desselben gnade gerechtfertigett erbe seyn des ewigen lebens ynn der hoffnung.

 

Diße Epistell leret und treybet eben das wyr am end des Euangeli gesagt [Luk. 2, 14] haben vonn dem wolgefallen odder gutten willen, desselben gleychen auch die liebe tzu dem nehisten, und ist die summa: Warumb sollten wyr das nit thun, ßo unß zuuor gott hatt alßo than, fur dem wyr weniger wirdig warenn solcher gutter, den keyn mensch fur unß ist. Wie nu got sich freuntlich und leuttselig tzu unß gestallt hatt, seyne barmhertzickeytt unß tzu gebenn, alßo [WA s. 96] last unß den andernn auch thun, ob sie gleych nit wirdig sind; seyn wyr doch, ihn gleich, auch unwirdig geweßen. Das aber die Epistell deste baß vorstanden werde, mussen wyr den eyngang und ursach solcher rede wissen. Hartt tzuuor [Tit. 3, 1 –3] spricht er alßo tzu Tito seynem iunger: Vormane sie, das sie den hirschafften und ubirckeytten unterthan, yhrenn ordenungen gehorßam unnd denselben tzu allen gutten werck bereydt seyn, das sie niemandt lesternn, nit streyttig seyen, ßondern yhn lassen allis gefallen und alle senfftmutickeytt ertzeygen gegen alle menschen. Denn wyr sind auch weyland geweßen unuorstendige, ungehorsame, yrrige diener unßer eygen manicherley begirdenn und wollusten, haben ynn boßheytt und neydt gewandellt, feyndselige unternander gehasset. Nu aber erschynen ist die fruntlickeytt .&c.. Hie sihistu, das Sanct Paulus unß hellt gegen got und die menschen, will, das wyr den ubirn gehorsam, den andern freuntlich seyn sollen, unangesehen, ob sie boeß, blind, yrrige leutt seyn, ßondernn sollen das yhn fur gutt haben und unß ihn gefellig machen und eynen gutten willen drynn haben, angesehen, das unß gott ßo than hatt, da wyr auch waren, wie sie itzt seynn.

 

[Tit. 3, 4] Das wortle: Erschynen ist gnugsam droben yn der vorigen Epistell außgelegt, das es bedeut die offenbarung des Euangeli, dadurch Christus [WA s. 97] erschynen ist ynn aller wellt, wiewol man die Epistell auff die gepurtt Christi tzeucht, da ligt nit viel an. Er braucht hie nit das wortle gnade, wie droben, ßondernn tzwey liebliche andere wortt, fruntlickeytt und leuttseligkeytt, schreybt er dem gnedigen got zu. Das erst heyst auff kriechisch Chrestotes und ist das freuntlich, lieblich wandelln eynß gutigen lebens, das yderman gern mit demselben menschen umbgaht unnd seyn geselschafft fast ßueß yderman tzu gunst und lieb reytzet, der die leutt wol leyden kan, niemant voracht, niemant mit sawren, hartten, seltzamen geperden oder weyßen voriagt, mag yderman tzuuorsichtlich umb yhn seyn tzu yhm  gahn und mit yhm handelln, gleych wie die Euangeli Christum abemalen unter den leutten, der yderman fruntlich ist, niemant voracht, niemant vorsagt unnd gantz schlachtig, merb und genietig ist. Alßo hatt sich gott auch durchs Euangelium unß ertzeygt, gantz lieblich und fruntlich, yderman bereytt, niemant voracht, alle unßer untugent unß tzu gutt halltet, niemant voriagt mit strengheyt. Denn es ist eyttel gnade da vorkundigt, ynn wilcher er unß tregt und mit unß umbgehet auffs aller fruntlichst, mit niemant feret nach seynem vordienst und wirdickeytt. Das ist die tzeyt der gnadenn, da mag yderman zu dem thron seyner [Hebr. 4, 16, Ps. 34, 6] gnaden gehen mit aller tzuuorsicht, alß heb. 4. geschrieben steht. Und Ps. 33: [WA s. 98] Nahet euch tzu yhm und last euch erleuchten, ewr angesicht werden sich nit schemen, das ist, er wirtt euch nit umbsonst bitten und kummen, oder mit scham leer heymgehen lassenn.

       Das ander heyst Philanthropia, menschenlieb, gleych wie geytz mocht [2. Sam. 1, 26] gelltlieb heyssen und Dauid .2. Re. 1. frawenbegird nennet frawenliebe. Alßo nennen die naturlich meyster etlich thierer menschenlieber odder leuttselig, alß da sind die hund, pferd, delphin. Denn dieselben thier haben naturlich lust und lieb tzu den menschen, thun sich auch tzu yhn und dienen ihn gern, alß hetten sie vornunfft und vorstand gegen dem menschen. Eyn solchen namen unnd lieb eygent hie der Apostell unßerm gott, und hatt tzuuor [5. Mose 33, 2. 3] auch than Moses. Deutro. 33., da er von gott sagt: Inn seyner hand ist eyn feurigs gesetz, er hatt seher geliebt die leutt, das die meynung sey: Gott hat sich ym Euangelio nit alleyn freuntlich ertzeygt, der yderman umb sich leyden und annehmen wolle, ßondernn widderumb hellt er sich auch zu yhn, sucht bey yhn zu seyn, beutt yhn seyn gnade und fruntschafft an; das sind yhe tzwey sueße, trostliche wort von unßerm gott, das er seyne gnade anbeutt unnd unß nachleufft, datzu auffs lieblichst auffnympt alle, die sich tzu yhm nahen unnd seyn begeren. Was soll er mehr thun? Nu, sihe, warumb das Euangelium heysse eyn trostlich, liebliche prediget von gott ynn Christo. Was mocht [WA s. 99] lieplicherß gesagt werdenn, den solche wortt, eynem sundigen, elenden gewissen? o das unß der teuffel durch des Bapsts gesetz solch lautter gottiswortt alßo gar iamerlich vordruckt hatt!

       Man muß aber die tzwey wort frey und gemeyn lassen und nit eyn unterscheyd der person unter den menschen machen, das solch gotlich fruntlicheyt und leuttseligkeytt nitt auß unßerem vordienst oder ansehen, ßondern alleyn auß seyner barmhertzickeyt herkumme und treffe allis das, das eyn mensch heyst, es sey wie gering es wolle; denn gott liebt nitt die person, ßondernn die natur, und heysset nit personselig, ßondern leuttselig, auff das yhm seyn ehre gantz bleybe unnd niemant sich seyner wirdickeytt rhume, niemant sich seyner unwirdickeyt entsetze, ßondernn eyner wie der ander sich troste auff die unuordiente gnade, die er ßo freuntlich, leuttseliglich anbeutt und gibt. Denn sollt yrgent eyn ansehen odder person wirdig geweßen seyn, weren es billich die, die do werck der gerechtickeyt than hatten. Nu furwirfft dieselben Paulus [Tit. 3, 5] am meysten und spricht: Nit nach den wercken der gerechtickeytt, die wyr than haben. &c.. Wie viel weniger wirtt solch erschynen seyn umb deyner weyßheyt, gewallt, adel reychtumb und deynes gelben hariß willen! Es ist grosse gnade. Es ist aber auch blosse gnade, die allen rhum und ehre dempfft und nur gottis ehre auffricht, der sie den unwirdigen umbsonst geben hatt.

       So leret nu diße Epistel abermal die tzwey stuck, glawben und lieben, odder wolthatt von gott empfahen und wolthatt dem nehisten ertzeygen, wie denn die gantz schrifft die zwey treybet, und eyniß on das ander nitt seyn mag. [WA s. 100] Denn wer do nit festiglich glewbt solcher gnaden gottis, der ertzeygt es gewißlich auch gegen seynen nehisten und ist fawl, hynlessig, demselben woltzuthun; yhe fester aber ymand glewbt, yhe fleyssiger unnd williger er ist, seynem nehisten tzu helffen; alßo treybt der glawb die liebe, und liebe mehret den glawben. Daher sehen wyr, wie gar nichts wyr ym glawben gahn, die wyr mit anderem wircken, denn wolthun dem nehistem, vormessen frum und selig tzu werdenn. Erfinden teglich ßo viel newer werck und lere, das wyr tzuletzt nichts mehr wissen vonn rechtem gutem leben, ßo doch alle Christlich lere, werck und leben kurtz, klarlich, ubirflussig begriffen ist ynn den zweyen stucken GLAWBEN UND LIEBEN, durch wilch der mensch tzwischen Gott unnd seynem nehisten gesetzt wirt alß eyn mittell, das da von oben empfehet und unten widder außgibt unnd gleych eyn gefeß oder rhor wirt, durch wilchs der brun gotlicher gutter on unterlaß fließen soll ynn andere leutt. Sihe, das sind denn recht gottformige menschen, wilche von gott empfahen allis, was er hatt, ynn Christo, und widderumb sich auch, alß weren sie der andern gotte, mit wolthaten [Ps. 82, 6] beweißen; da geht denn der spruch Ps. 81: Ich hab gesagt, yhr seyt Gotter und kinder des allerhochsten allesampt. Gottis kinder sind wyr durch den glawben, der unß erben macht aller gottlichen gutter. Aber gotte synd wyr durch die liebe, die unß gegen unßernn nehisten wolthettig macht; denn gottlich natur ist nit anderß denn eytell wolthettickeyt und, alß hie. S. Paulus sagt, [WA s. 101] [Tit. 3, 4] freuntlickeyt und leutselickeyt, die yhr gutter ynn alle creatur ubirschwenglich außschuttet teglich, wie wyr sehen.

       Nu sihe tzu, das du diße wortt lassist dyr gesagt seyn, das gottis freundlicheyt und leudselickeytt offenbart und yederman angepotten ist, und du auff diße wort deynen glawben bawist, teglich daran ubist und sterckist, on allen tzweyffel dafur haltest, es sey alßo, und gott sey und wolle dyr frundlich und leudselig seyn; ßo ist er dyr gewißlich alßo, magist alßdann bitten und begeren mit aller zuuorsicht, was du wilt, was dich dringt, was dyr und andernn nodt ist; wo du aber nit alßo glewbist, were es viel besser, du hettist es noch nie gehoeret; denn mit dem unglawben machstu dieße thewre, trostliche, gnadreiche wort tzur lugen, stellist dich damit, alß achtistu sie nit fur warheyt, wilchs gar eyn hohe, groß gottis unehre und mißbieten ist, das freylich keyn großere sund von dyr geschehen mag. Glewbistu aber, ßo ists nitt mueglich, das dauon deyn hertz nitt sollt fur freuden ynn gott lachen, frey, sicher und muetig werden. Denn wie mag eyn hertz trawrig odder unlustig bleyben, das da nit tzweyffellt, Gott der sey yhm fruntlich und hallte sich gegen yhm als eyn gutter frund, mit dem er sich alß mit yhm selbs alliß dings wol vormuege? Es muß solch freud und lust folgen; folget es aber nit, ßo ist gewißlich der glawb noch nit recht da. Und das heyst der Apostell [Gal. 3, 2] tzun Galatern den heyligen geyst empfahen ynn und durchs Euangelium; denn das Euangelium ist ßo eyn lieplich predigt von gottis gnaden unnd sussickeyt, das es den heyligen geyst mit sich bringt ym horen und predigen, gleych wie der sonnen glantz naturlich die hitze mit sich bringt. Wie mocht aber S. Paulus lieblicher susser wort gesetzt haben? Ich thar sagen, das ich ynn der gantzen schrifft nit lieblicher wort hab geleßen von gottis gnaden geredt denn [WA s. 102] [Tit. 3, 4] diße tzwey, Chrestotes und Philanthropia, darynn die gnade also abgemalet ist, dz sie nit allein sund vorgebe, ßondernn auch bey uns wone, freunklich mit unß umbgehe, willig ist tzu helffen und urbuttig tzu thun allis, was wyr begeren muegen, alß von eynem gutten willigen freund, tzu dem sich eyn mensch alliß gutten vorsihet und sich gantz wol vormag. Erdenck dyr alßo eynen gutten freund, ßo hastu eyn bild, wie sich gott gegen dyr yn Christo erbeutt, und ist dennoch solchs bild noch gar geringe, solch ubirreyche gnade furtzubilden.

       Wenn du nu alßo glewbist unnd frolich bist ynn gott, deynem herrnn, lebist nu unnd bist satt ynn seyner gnaden, hast was du haben sollt, — Was wiltu nu auff erden machen ynn dißem leben? Du must yhe nit mussig gehen. Ja, es lessit dich solch lust und lieb gegen gott nit rugen. Szondernn du wirst hitzig und begirig tzu thun allis, was du nur wistist, daran du solchem freuntlichen holtseligen gott lob, ehre und danck thettist; da ist keyn unterscheytt mehr der werck, da sind alle gepot auß, da ist keyn tzwang noch drang, eyttell frolicher wille und lust woltzuthun, es sey das werck gering odder kostlich, kleyn oder groß, kurtz oder langk. Zuuor begeristu, das solch erkentniß gotlicher gnaden ander leutt auch hetten. Darumb ßo bricht deyn lieb auß, thut yederman was sie kan, predigt und sagt solche warheytt, wo sie kan, furwirfft alliß, was nach dießer lere nit gepredigt odder gelebt wirt. Sihe, ßo mag denn der teuffel und die wellt solchs nit hoeren noch sehen, will yhr ding von dyr unfurworffen haben, hengt sich an dich allis, was do groß, geleret, reych und gewelltig ist, machen dich tzu eynem ketzer und tollen menschen. Sihe, ßo kumpstu denn gleych wie deyn herr Christus umb der warheytt willen an das kreutz  unnd must auffs eußerst geschendt werdenn, [WA s. 103] leyb, leben, gutt, ehre unnd frund allis ynn die fahr setzen, biß das sie dich von yhn auß dißem leben treyben ynß ewig leben, noch mustu ynn dem allen frolich seyn, dasselb allis gern dulden und fur gut haben, yhn widderumb freuntlich seyn, alletzeyt gedencken, das du tzuuor auch, wie sie itzt seyn, fur gott geweßen bist. Wilchs denn solcher glawbe und liebe auch gewißlich thut. Sihe; das ist eyn recht Christlich leben, das do andern thut, wie yhm got than hatt.

 

[Tit. 3, 5] Das druckt hie der Apostell auß, da er spricht, die frundlicheit gottis sey uns nit erschynen und selig gemacht umb unßer gerechtickeyt willen, alß sollt er sagen: Seyn wyr unwirdig geweßen und doch auß barmhertzickeyt auffgenummen unnd gottis wollthat mit grossem unuordienst unnd ßunden empfangen, —Warumb sollten wyr denn sparen unßer wolthat alleyn denen, die es umb uns vordienen oder wirdig seyn? Neyn nit alßo, ßondernn gottis kinder last unß seyn unnd eben unsernn feynden und ubelthetthernn wolthun, wie gott unß, seynen feynden und ubelthetthern, than hatt und noch thut. [Matth. 5, 44 –4] Das sagt auch Christus Matth. 5: Liebet ewr feynde, auff das yhr seydt kinder ewriß hymlischen vatterß, der seyne sonne lessit auffgehen ubir die gutten [WA s. 104] und boßen und lessit regnen ubir die yhm dancken unnd nit dancken; denn ßo yhr nur ewr freund liebt, was werdet yhr fur eynen lohn haben? thun doch das auch die publican und sunder. Und mercklich furwirfft S. Paulus unß [Tit. 3, 5] nit alleyn der boßen werck halben, Szondern spricht: nit nach den wercken der gerechtickeyt, die wyr than haben; das meynet er von denen wercken, die wyr fur gutt haben gehallten, wilchs ist eyn gerechtickeyt fur unßern und der menschen augen antzusehen unnd macht unß doch nur ungeschickter tzu gottis gnaden, dieweyl sie an yhn selbs falsch seyn, und wyr daruber datzu thun, machen eyn tzwyfalltige ßund drauß, das wyr sie vor gutt achten unnd drauff vorlassen, wilchs gott gar seher erbittert. Alßo erbittern unß unßer feynd auch am meysten, die do unrecht haben und doch yhr dinck wollen fur recht erstreytten widder unß; dennoch sollen wir nit yhn vorsagen woltzuthun, gleych wie unß gott ynn gleychem yrthumb, da wyr auch narren waren, ließen unß duncken, es were wolthan was wir thetten, auß lautter barmhertzickeit than hatt; wie er nu unß nit nach unßer vormeynter gerechtickeyt than hatt, Alßo sollen wyr widderumb yhnen auch nit thun nach yhrem vordienst odder unuordienst, ßondernn auß lautter lieb und umbsonst, nur yhnen tzu helffen, den danck und lohn nit bey yhn, ßondernn bey gott gewartten.

       Das sey gnug von der gantzen summa der Epistell. Nu last unß sehen die wort, die er braucht tzu solcher gnaden preyßung und außreden. Zum Ersten hebt er sie so hoch, das er auch alle unßere gutte werck und gerechtickeyt [WA s. 105] furwirfft; denn wyr sollen nit dencken, das er eyn schlecht ding furwerffe mit den wortten, ßondernn das aller beste, das eyn mensch auff erden thun mocht, nemlich die gerechtickeyt. Wenn alle menschen yhr grosten vleyß thetten nach der hohsten vornunfft, weyßheyt, freyen willen wirckten, wie wyr denn leßen von etlichen heydnischen meystern und fursten große tugent und weyßheyt, die alle wellt preysset mit schrifften und wortten, alß Socrates, Traianus und dergleychen, Dennoch ist solch weyßheit und tugent nichts fur gott, denn eytell sund und vordamlich, darumb das sie nit geschicht ynn gottis gnaden, das ist, derselb mensch erkennet got nit, ehret yhn auch damit nit, meynet, er hab solchs auß seynem vormugen than, wilchs niemant denn die gnade ym [Phil. 3, 4 –8] Euangelio leret. Alßo rhumet sich auch S. Paulus, das er tzuuor hab gewandellt ynn eynem unstrefflichen leben ubir alle seyne gleychen, meynet auch, er thet recht, das er die Christen voruolgt, die solchs guttis leben furwurffen. Aber darnach spricht er, da er Christum erkennet, Er achte solche seyne gerechtickeyt wie den katt unnd unflatt, auff das er ya muege erfunden werden nit ynn solcher seyner gerechtickeytt, ßondernn ynn Christo und ym [Kol. 2, 1 ff., Gal. 1, 10 ff.] glawben, wie das alliß Colos. 2. und Gal. 1. weytter er betzeugt. Darumb legt er hie darnyder allen rhum des freyen willenß, alle menschlich tugent, gerechtickeyt und gutte werck, beschlewst, es sey alliß nichts  und eytell vorterben, es gleyße, wie groß es ymer mag, ßondernn alleyn die gnade gottis muß selig machen unnd macht auch selig alle, die solchs glewben unnd yhr begeren ynn rechtem bekentniß yhriß eygenß vorterbens und nichtickeyt. [WA s. 106]

       Szo mussen wyr nu der schrifft gewonen, die do tzwo gerechtickeyt setzt. [Tit. 3, 5] Eyne menschliche gerechtickeyt, wie sie hie s. Paulus nennet und viel mehr ortten. Die ander eyne gottliche gerechtickeyt, das ist die gottliche gnade, wilch uns rechtfertiget durch den glawben, wie hie .S. Paulus außdruckt [Tit. 3, 7] unnd sagt am end dießer Epistelln alßo: auff das wyr durch seyne gnade gerechtfertiget erbe seyn des ewigen lebens; da sihestu, das gottis gnade unßer gerechtickeyt ist, die auch darumb gottis gerechtickeit heysset, das er sie uns [Röm. 1, 17] auß gnaden gibt und unßer wirt, das wyr sie empfahen. Alßo sagt er Ro. 1.: Im Euangelio wirt geprediget von der gotlichen gerechtickeyt, das dieselb sey durch den glawben, wie da geschrieben stet: Der gerechtfertige wirt leben durch [1. Mose 15, 6] seynen glawben. Item, alßo stett auch Gen. 15.: Abraham hatt got geglawbt, und derselb glawb ist yhm tzu gerechtickeyt gerechnet, alßo das die schrifft beschleust, das niemant fur gott gerechtfertig ist, denn wer do glewbt, wie itzt [Hab. 2, 4] gesagt und von S. Paulo antzogen ist auß Abacuc. 2: Der gerecht wirt leben durch seynen glawben, das glawb, gnade, barmhertzickeyt, warheyt eyn ding sey, das got ynn uns durch Christum und seyn Euangelium wirckt, Wie [Ps. 25, 10] p̄s 24. steht: Alle gottis wege sind barmhertzickeyt und warheyt. Gottis wege sind aber, darynnen wyr wandellnn unnd er ynn uns, wenn wyr seynen gepotten folgen; dieselbige wege mussen alle ynn gottlicher barmhertzickeyt und

[WA s. 107] warheyt gehen unnd nit ynn unßerm vormugen odder krefften, wilcher wege [Jes. 55, 9] seynd eyttel tzorn und falscheyt fur gottis augen. Wie er sagt Isaie 55: Alß hoch der hymel ist ubir der erden, ßo hoch sind auch meyne wege ubir ewre wege, alß sollt er sagen: Ewer gerechtickeyt ist yrdenisch und nichts, yhr musset ynn meyner hymlischen gerechtickeyt wandellnn, sollt yhr selig werden.

 

[Tit. 3, 5] Er hat uns nach seyner barmherczickeyt selig gemacht.

Wie muegen die wort bestehen, die do lautten, alß seyen wir schon selig?1 Seyn wyr nit noch auff erden ym iamer? Antwort: Es ist darumb also geredt, das die krafft gottlicher gnade und die artt des glawbens wurd außdruckt tzuwidder den yrrigen werckheyligen, die durch yhre werck die seligkeyt, alß were sie noch fernn von yhn, holen und erlangen wollen. Nit alßo; Christus hatt unß auff eyn mal selig gemacht ynn tzweyerley weyße. Zum ersten, er hatt alliß than, was datzu gehort, das wyr selig werden. Nemlich die sund, todt und helle ubirwunden und vortilget, das nichts mehr datzu von yemand tzu thun ist. Zum andernn, das er solchs alleß ynn der tawff hatt uns allen geben, das, wer do glewbt yn Christum, das er solchs than habe, der hatts gewißlich alßo bald yn dem augenblick alles, und sind alle seyn sund dahyn mit dem tod unnd helle, das er nichts mehr bedarff tzur selickeyt, denn solchs glawbens. Sihe, ßo ubirschwencklich reychtumb schuttet gott ubir unß ynn der tauffe, das er auch die werck auffhebt, damit die [WA s. 108] narren vormessen den hymel gewynnen und selig werden. Neyn, lieber mensch, du must den hymel haben und schon selig seyn, ehe du gutte werck thuist; die werck vordienen nit den hymel, ßondernn widderumb der hymel, auß lautter gnaden geben, thutt die gutten werck dahynn, on gesuch des vordienstis, nur dem nehisten tzu nutz und got zu ehren, biß das der leychnam auch von sunden, todt und hell erloßet werde. Drumb alle das leben, das eyn recht glewbiger Christen furet nach der tauffe, ist nit mehr, denn eyn wartten auff die offenbarung der selickeyt, die er schon hatt.

       Er hatt sie gewißlich gantz, aber doch ym glawben vorporgen; derselb glawb, wenn der abethan were, ßo were sie offenbarlich ynn yhm, wilchs [1. Joh. 3, 2 [!]] geschicht ym leyplichen sterben, wie .1. Johan. 2. stett: Lieben bruder, wir seyn schon itzt gottis kinder, aber es ist noch nit offenbar, was wyr seyn werden; wenn er aber kumpt, ßo wissen wyr, das wyr yhm gleych werden seyn. Und alle, die dieße hoffnung ynn yhn haben, die heyligen sich on unterlaß, gleych wie er heylig ist.

       Darumb laß dich die wirckheyligen nit vorfuren, die den glawben furachten, setzen deyne seligkeyt weytt fur dich  und treyben dich mit wercken sie zu holen. Neyn, lieber mensch: Sie ist yn dyr ynnewendig, ist schon allis geschehen, [Luk. 17, 21] wie Christus sagt Luce. 17.: Das reych gottis ist bynnen euch. Darumb ist das ubrig leben noch der tawff nichts anders, denn eyn harren, wartten und vorlangen, das da offenbartt wird, das yn unß ist, und das wyr das begreyffen, [WA s. 109] [Phil. 3, 12] das unß schon begriffen hatt, wie S. Paulus Phil. 3. sagt: Ich folge, auff das ich muge das ergreyffen, darynnen ich von Christo ergriffen byn, das ist, das ich doch sehe, was wyr fur gutter ynn dem schreyn des glawbens geben seyn. Es ist nygernn und yhm vorlangt, tzu sehen seynen schatz, den yhm [Phil. 3, 20. 21] die tauff ynn dem glawben geben und vorsiglet hatt. Alßo spricht er auch daselbist: unßer wandel ist schon ym hymel, von dannen wyr auch gewartten des seligmecherß Jhesu Christi, der unßern vorachtlichen leychnam widder mach [Gal. 4, 9] auffs new, gleych seynem vorklereten leychnam. Item tzun Galatern .4., das er hatte gesagt: Ihr habt nu gott erkennet, widderrufft er die wortt unnd spricht: ya, yhr seytt von gott erkennet, ßo es doch beydes war ist, doch mit unterscheydt; wyr sind von gott erkennet und schon begriffen, aber wyr erkennen unnd begreyffen yhn noch nit. Denn unßer erkentnis ist noch ym glawben zugedeckt und vorschlossen.

 

[Röm. 8, 24. 25] Alßo sagt er auch Roma. 8: Wyr sind schon selig, doch ynn der hoffnung, das ist, wyr sehens noch nit; denn wer do sihet (spricht er), der hoffet nitt, ßo wyr aber hoffen des, das wyr nit sehen, ßo wartten wyr seyn mit gedullt. [Luk. 12, 35. 36] Item, ßo spricht auch Christus Luce. 12.: Last ewr lenden begurttet seyn, und habt brennende lampen ynn ewren henden, und seyt gleych den knechten, die [WA s. 110] da wartten auff yhren herrnn, wenn er heymkumpt von der wirttschafft, auff das, wenn er kompt und anklopfft, das sie yhm behend auffthun. Item ßo [Tit. 2, 12. 13] hat auch S. Paulus ynn der vorigen Epistell Tit. 2. gesagt: Wyr sollen nuchtern, rechtfertig und gotlich leben auff dießer wellt und wartten der offenbarung der klarheytt des grossen gottis und unßerß seligmacherß Jhesu Christi. Sihe, die spruch unnd dergleychen bezeugen alle, das wyr schon selig sind gemacht, das ein Christen mensch nit sich soll noch wercken umbsehen, dadurch er selig muege werden. Denn solcher wahn und lere vorblenden yhm seyn Christlich augen, vortilgen yhm den rechten vorstand des glawbenß, unnd [Tit. 3, 5] reyssen yhn auß dem wege der warheyt und selickeyt, das heyst hie: Er hat [Tit. 3, 7] unß selig gemacht nach seyner barmhertzickeyt. Und am end der Epistelln, das wyr seyn erbe des ewigen lebens ynn der hoffnung. Erben seyn wyr, doch vorporgen ym glawben, und wartten derselben offinbarungen ynn des hoffnung. Solchs wartten aber und ubrigs leben nach der tauff geschicht darumb, das er durch unß den leyp castey, die krafft seyner gnaden beweyße ym streyt widder das fleysch, wellt und teuffel, und doch das alliß endlich darumb, das er durch unß unßernn nehisten nutz schaffe und sie auch tzu dem glawben durch unßer predigen und leben bringe. Denn ob er das wol mocht durch die engel thun, will erß doch durch uns menschen thun, auff das der glawbe bleybe unnd lieplich tzugehe; denn es wurd keyn glawbe da bleyben, wenn die Engel sollten on unterlaß bey unß wandelln; so ists auch nit so lieblich, alß durch die natur, die unß gleich ist, der wyr gewanet und sie erkennen. Szollten [WA s. 111] wyr auch alle nach der tawff ßo bald ynn hymel genomen werden, wer wollt die andernn bekeren unnd tzu gott bringen mitt wortten und guttem exempell?

       Daher ists nit tzweyffell: Es sey des teuffels und Endchrists wundertzeychen; tzeychen das wyr ßo viel auff das fegfewr wenden und mit vorgessen solchs glawbens vormessen unß mitt wercken dafur behueten odder erauß loßen gerad alß were die selickeytt unß noch nit geben und musten sie durch eynen andernn weg, denn durch den glawben ubirkummen, das wyr doch sehen, wie es widder alle schrifft unnd christlich weßen streyttet. Denn wer die selickeyt nit auß lautter gnaden empfehet fur allen gutten wercken, der wirt sie freylich ßonst nymer empfangen. Und wer seyne gutte werck tzu seynem eygen nutz wendet, yhm selb und nit seynem nehisten damit tzu helffen, der thut schon keyn gutt werck; denn es ist alliß glawbloß da und eyttell schedlich yrthum unnd vorfurung, das ich wollt, das fegfewr were noch nie erfunden odder were yhe nit auff die Cantzel kummen, es thut altzu grewlichen schadenn solcher  Christlicher warheyt und rechtem glawben. Nu hats der teuffel dahynn bracht, das alle stifft alle kloester, alle meß, alle gepet, gar nahend alleyn ynß fegfewr wircken, datzu mit solcher gifftiger meynung, das man durch die werck den sachen helffen und die seligkeyt holen will. Daruber denn der tawff und des glawbenß reychthum muß vorfinstertt unnd tzuletzt auß Christen lautter heyden werdenn. O Herr gott des grewliß! Man sollt die Christen leren, wie Christus und S. Paulus, das sie nach der tawff oder absolution sich nit anderß hielten, denn alß die alle stund tzum tod bereytt wartteten auff die offenbarung yhrer empfangen selickeyt; ßo gibt man yhn durch des [WA s. 112] fegfewriß vorlassen eyn fawl sicherheytt, das sie dencken, nur diß leben sparen und vortzihen biß an das todtbett, da wollen sie denn rew und leyd haben und mit stifften, seelmessenn und testamenten yhn auß dem fegfewr helffen; sie werdens aber wol ynnen werdenn. Folgett:

 

[Tit. 3, 5] Durch das bad der widdergepurtt unnd vornewerung des heyligenn geystis.

Wie gar mit vollen wortten preysset er die gnad gottis ynn der tawff unß geben! Nennet die tawff eyn badt, da nitt alleyn fueß oder hend, ßondernn der gantz leyb gereyniget wirt; alßo auch die tawff macht den menschen gantz auff eyn mal reyn und selig, das tzu dem hewbtstuck und erbe der selickeytt nichts mehr nodt ist, denn solcher glawbe ynn solche gottis gnade, auff das es yhe lautter gnade, on werck unnd vordienst, sey, das wyr selig werdenn, und alßo bestehe ynn unß ewiglich reyn lieb, lob, danck und ehre gotlicher barmhertzickeyt, on allen rhum oder wolgefallen eygenes vormugens oder tzuthun, wie gnugsam und offt gesagt ist. Menschen gerechtickeyt ist nitt eyn solch badt, ßondernn nur eyn wasschen der kleyder und gefeß, wie [Matth. 23, 25] von den gleyssennern Matt. 23. geschrieben ist, dadurch sie nur eußerlich fur den menschen und yhn selb reyn scheynen, aber ynnewendig voll, voll unflatt [Tit. 3, 5] bleybenn. Alßo nennet er das bad nit eyn leyplich badt, ßondernn eyn badt der widdergepurtt, das eyn solch bad sey, das nitt obenhynn die hawtt wassche und den menschen leyplich reynige, ßondernn seyn gantz natur umbkere [WA s. 113] und wandelle ynn eyn ander natur, das die erst gepurtt, vom fleysch geschehen, vorstorett werd mit allem erbe der sundenn und vordampnis. Damit aber außgedruckt wyrtt, das unßer heyl auff eyn mal unß geben wirt und nit mit wercken tzu holen ist. Denn gepurtt gibt nit alleyn eyn glid, hand odder fueß, ßondernn das gantz leben, den gantzen menschen, der nit darumb wirckt, das er geporn werde, sondern darumb und tzuuornn geporn wirt, das er wircken muge. Alßo machen unß die werck nit reyn, frum noch selig, ßondern wyr tzuuor reyn, frum und selig, thun die werck frey dahyn gott tzu ehren, dem nehisten tzu gutt.

       Sihe, das heyst die lautter erkenttniß der blossen gnaden gottis. Da leret nu der mensch sich und gott erkennen, gott loben, sich vorachten, auff got sich trosten, an yhm selb vorzweyffelln. An wilcher lere fast sehr hyndern, die mit gesetzen, gepotten und werck die leut treyben und wollen selig machen. Weytter, das diß bad und diße widdergepurt noch klerlicher werd vorstanden, [Tit. 3, 5] thut er datzu und spricht: Vornewerung, das eyn new mensch, new artt, new Creatur da werd, die da gantz anderß gesynnet, anderß liebt, anderß lebt, [Gal. 6, 15] redt und wirckt denn vorhyn. Wie er auch Gal. 6. sagt: ynn Christlichem stand gilt nichts, widder beschnytten noch unbeschnytten seyn, (das ist: keyn werck des gesetzs), ßondern eyn new Creatur, alß sollt er sagen: Es wirtt sich nit also mussen flicken und pletzen, mit wercken, hie und da. Es muß gantz eyn new hawtt da werden und die natur vorwandellt werden, alßdenn [WA s. 114] [Joh. 3, 3] folgen die werck von yhn selber. Von der gepurtt sagt auch Christus Joan. 3: Wer nitt anderweytt gepornn wirt, der mag nit sehen das reych gottis. Hie sehen wyr auch, das die werck nit thun wollen, die person muß selbs und gantz heran, sterben und ynn eyn ander weßen kummen, wilchs geschicht durch die tauff, ßo wyr glewben; denn der glawb ist diße vornewrung. Denn es werden auch die vordampten anderweytt gepornn werden am Jungsten tag, aber das ist eyn gepurt on vornewrung; sie werden unreyn seyn,  wie [Tit. 3, 5] sie hie geweßen sind ym allten Adamß lebenn. Drumb ist ditz eyn bad, eyn widdergepurtt, die do new menschen macht. Von der gepurtt hatt die schrifft viel rede an viel ortten. Denn gott nennet seyn eygen wortt unnd Euangelium [Jes. 46, 3] matricem und vuluam, Isaie. 46: Horet mich, yhr ubrigen von Israel, die yhr getragen werdet ynn meynem utter odder unter meynem hertzen, wie die weyber sagen von yhrem kindtragen. Wer nu glewbt ynn solch Euangelium, der wirt ynn gottis utter empfangen und geporn. Dauon eyn ander mal mehr. Das sind nu allis solch wortt, wie wyr sehen, die die werck und menschlich vormessenheyt ynn den gepotten nydderschlahen und die artt des glawbens klerlich abemalen, das der mensch auff eyn mal die gnad gantz empfehet und selig gemacht wirtt, das nitt die werck datzu kummen, ßondernn folgen sollen.

       Gleych alß wenn gott auß eynem dorren bloch eyn newen grunenden bawm mechte, der alßdenn seyn naturliche frucht truge. Es ist gar eyn groß [WA s. 115] starck, mechtig unnd thettig ding umb gottis gnade, sie ligt nit, wie die trawmprediger fabuliern ynn der seelen und schlefft odder lessit sich tragen, wie eyn gemallt brett seyne farbe tregt. Neyn, nit alßo, sie tregt, sie furet, sie treybett, sie tzeucht, sie wandellt, sie wirckt allis ym menschen und lessit sich wol fulen und erfaren; sie ist vorporgen, aber yhr werck sind unuorporgen, werck unnd wortt weyssen, wo sie ist, gleych wie die frucht unnd bletter des bawmß artt unnd natur außweyßen. Darumb wirtt tzu wenig und tzu gering von yhr gepredigt, ßo man yhr nitt mehr gibt, denn das sie die werck schmucke und helffe vollnbringen, wie die Sophisten Thomas, Scotus und das volck yrren und vorfuren. Sie hilfft nit alleyn die werck thun, sie thutts alleyn, ia, nit alleyn die werck, sie wandellt und vornewet die gantz person, und yhr werck ist viel mehr, wie sie die person endere denn wie sie die [Tit. 3, 5] werck der person vollnbringe. Sie will eyn badt, eyn widdergepurtt, eyn vornewrung machen, nitt alleynn der werck, ßondernn des gantzen menschenn. Sihe, das heyst frey unnd voll von der gnade gottis predigt. Denn Paulus spricht nit hie, das unß gott hab selig gemacht durch werck, sondern mit [Tit. 3, 5] vollem mund schut er auß: durch eyn widdergepurtt unnd eyn vornewrung. Es gillt nitt flickens mit wercken. Es gillt gantz umbkeren die natur. Darumb geschichts auch, das die, ßo recht glewben, mussen viel leyden und sterben, auff das die gnad yhr art und kegenwerttickeyt beweyße. Sihe, dauon sagt Dauid [Ps. 111, 2] Ps. 110: Die werck gottis sind groß und ersucht noch alle yhrem willen. Wer sind diße seyne werck? wyr sind sie, yn der tawff gemacht durch seyn [WA s. 116] gnade, wyr seyn große werck, new werck, new gepornn; denn es ist groß dinck, das eyn mensch ßo schnell selig wirdet, laß vonn sunden, todt unnd hell ewiglich. Darumb spricht er: sie sind ersucht noch alle yhrem willen odder begerenn. Das gott damit erfunden hatt und thut allis, das eyn mensch begeret. Was be[ge]ret aber eyn mensch mehr, denn selig tzu seyn, von sunden, todt und helle erloßet seyn?

 

[Tit. 3, 5] Zuletzt nennet er das badt die widdergepurtt, die vornewrung des heyligen geystis, das yhe volkomlich außgedruckt werd die grosse und krafft der gnaden. Alßo eyn groß dinck ist ditz badt, das das keyn creatur, sondern der heylig geyst machen muß. Ey, wie gar furwirffistu, heyliger .S. Paul., den freyen willen, die gutten werck und die grossen vordienst der hofferttigen heyligen, wie hoch setzistu unßer selickeyt und machist sie doch ßo nahe bey unß, ia ynn unß, wie bloß und lautter predigistu die gnad! Darumb wirck hynn, wirck her, den menschen tzuuor newen unnd die person endernn, ist nitt [Tit. 3, 5] muglich, denn durch das badt der widdergepurt, des heyligen geystis; das sihet man auch wol an den wirckheyligen, wie keyn unleydlicher, hohmutiger freueler, unglewbiger geyster sind, denn eben sie; denn es sind ungeprochene, unuornewette, vorstockte, vorharte, vorbliebene menschen ynn yhrem allten Adam, wilchen sie mit yhren gutten wercken decken und schmucken und keyn vorenderung yhrer boßen natur, ßondernn nur der eußernn werck haben. O, das ist eyn gifftig volck und fur gott ynn grossen ungnaden, ob sie wol ynn seynem schoß [Joh. 3, 5] sitzen vormeynend! Alßo stympt nu hie S. Paulus mit Christo Johann. 3, [WA s. 117] Da er diß badt alßo nennet: wer nit anderweytt geporn wirt auß dem wasser und heyligen geyst, der mag nit eyngehen ynn gottis reych. Hie horistu: das [Tit. 3, 5] wasser, das ist das badt, du horist: anderweyt geporn  werden, das ist, die widdergepurt und vornewrung, unnd den geyst, den hie S. Paulus außdruckt, den heyligen geyst. Und ist hie tzu mercken, das der Apostell von dem sacrament der firmelung nichts weyß; denn er leret, der heylig geyst werd [Joh. 3, 5] ynn der tawff geben, wie auch Christus leret, ia, ynn der tawff werden wyr [Apg. 8, 17 u. ö] auß dem heyligen geyst gepornn. Wyr leßen wol ynn Act. Apostolorum, das die Apostelln yhr hend legten auff die hewbt der getawfften, das sie den heyligen geyst empfingen, wilchs sie tzu der firmelung tzihen, ßo dasselb darumb geschah, das dieselben den heyligen geyst yn offentlichem zeychen empfingen und mit viel tzungen reden mochten, das Euangelium tzu predigen. Aber dasselb ist tzeytlich abgangen und nit mehr blieben denn der gleychen ordnung odder weyhen tzum priester- oder predigerampt, wie wol auch dasselb ym mißprauch grewlich gehet. Dauon eyn ander mal.

 

[Tit. 3, 6] Wilchen er ubir uns reychlich außgossen hatt durch Jhesum Christum, unßern seligmacher.

Sihe, der heylig geyst ist nitt alleyn geben, ßondern außgossen, nit alleyn außgossen, ßondern reychlich außgossen; der Apostell kan die gnade und yhr werck nit groß gnug machen, und wyr leyder machen sie ßo geringe gegen [WA s. 118] unßere gutten werck. Es were eyn schmach gottis und seynis heyligen geystis, das er yhn solt reychlich außgießen uber unß, und solt noch ettwas von uns und auß uns gesucht werden, damit wyr rechtfertig unnd selig wurden, als weren solch gottlich ubirschwencklich werck nit gnugsam datzu. Szo hett auch Sanct Paulus tzu mild geredt und were billich luegen zustraffen. Aber nu redt er mit solchen vollen trefflichen worten dauon, das es klar ist. Es muege niemant tzu viel sich auff solch bad und widdergepurtt vorlassen, es ist noch mehr da. Niemant ßo viel glauben, er hatt noch mehr da. Und eben darumb von gott solch groß gutter ynn das wortt und glawben gefassett sind, das die natur dießes lebens nitt tragen noch begreyffen mocht, ßo sie solltenn bloß dargeben werdenn; und zugleych auch, wenn sie anheben bloß tzu werdenn, muß der mensch sterben und diß leben lassen, das er gantz vorsincke und vorschwind ynn die reychthumb, die er itzt ym glawben, alß bey eynem kleynen zipffell, ergriffen hatt. Sihe, ßo gar ubirflussig sind wyr on alle werck gerechtferttigett und geseligett, ßo wyrß nur glewben. Drumb spricht auch S. Peter [2. Petri 1, 4] 2. Pet. 1: Durch Christum sind unß große und kostlich ding geben, das wyr mitgenossen werden gottliches weßens; spricht nit: sie werden unß geben [Joh. 3, 16] werdenn, ßondern: sie sind unß geben. Und Christus Johann. 3: Szo lieb hatt gott die wellt gehabt, das er seynen eynigen ßon fur sie geben hatt, auff das alle, die ynn yhn glewben, nitt vorterbett, ßondernn haben das ewige [WA s. 119] leben. Sihe da, sie haben das ewige leben alle, die da glewben, ßo sind sie gewißlich gerecht und heylig, on alle yhre werck, und die werck datzu nichts thun, ßondernn es ist eyttel bloße gnade und barmhertzickeyt da reychlich ubir unß außgossen.

       Mochtist aber sprechen: wie geht denn das tzu, das so offt ynn der schrifft gesagt wirtt, das, die do gutt thun, werden selig?! Alß Christus [Joh. 5, 29 [!]] Johan. 6 1: Die da gutts than haben, werden erfurgehen tzu der ufferstehung des lebens. Und die da ubel than haben, tzu der ufferstehung des gerichtis. [Röm. 2, 7] Unnd Paulus Ro. 2: Ehr und lob allen, die do guttis thun, tzornn und ungnad allen, die do ubel thun, und dergleychen ubir die maß viel mehr. Anttwortt: Wie sollt es tzugehen? Nit anderß, denn wie die wort lautten on alle gloß: wer wol thut, der wirt selig, wer ubel thutt, der wirtt vordampt. Das macht aber den yrthum, das man gutte werck urteylet nach dem eußern ansehen; das thutt die schrifft nit, wilche leret, das niemant guttis thun mag, er sey denn selb zuuor gut; so wirt er nit durch gutte werck gutt, ßondern [Tit. 3, 5] werck die werden durch yhn gutt. Er wirt aber gutt durch diß badt der [Matth. 7, 18] widdergepurtt unnd sonst ynn keynen weg. Das meynet Christus Matt. 7: Keyn boeßer bawm tregt gutte frucht, und keyn gutter bawm tregt boeße frucht. [WA s. 120] Darumb macht den bawm entwedder gutt odder boeße, ßo werden die fruecht auch darnach. Das ist wol war, das die werckheyligen thun werck, die da gleych seyn den wercken der newgepornn menschen, ya, sie gleyssen tzuweyllen mehr denn yhener gutten  werck; sie betten, fasten, geben, stifften, wallen und [Matth. 7, 15] wandelln fast scheynbar, aber Christus nennet es schaffskleyder, unter wilchen reyssende wolff gehen; denn yhr keyner ist grund ym hertzen demuetig, mild, [Matth. 7, 16. 20] sanfft und gutt, wilchs sie auch beweyßen, wenn man sie trifft und yhr werck vorwirfft, da geben sie denn yhr naturliche rechte frucht, dabey man sie erkennet, alß da sind freuel urteyl, ungedult, eygenwille, hallstarckeyt unnd affterrede, mit vielen andernn boeßen stucken. Darumb ists war: wer wol thutt, der wirtt selig, das ist, seyn seligkeyt wirt offinbar werden, aber er thet nit guts, wenn er nit schon selig were ynn der new gepurt. Darumb die schrifft nennet solch leutt ettwan nach yhrem eußern wandell ynn gutten wercken, ettwan nach yhrem ynwendigem weßen, wilchs solchen eußern wandel gutter werck treybett, unnd spricht, sie seyen schon selig des ynnerlichen weßens halben und werden selig, wenn sie wol thun, das ist: ßo sie bestendig bleyben, wirt yhr selickeyt offinbar werden. Drumb die gutten werck, die noch ynn der allten gepurt und Adamß weßen geschehn, sind die der Apostell ynn dißer [Tit. 3, 5] Epistel furwirfft und spricht: Nit nach den wercken der gerechtickeit, die wyr than haben &c.. Es sind gutte werck, aber nit fur gott, der die personlich gutte [WA s. 121] [Mose 4, 4. 5] ansihet und darnach die werck. Wie er Gen̄. 4. erst Abel und alßodann seyn opffer ansahe, und erst von Cain und alßdann auch von seynem opffer sich wandt, wilchs doch nach eußerlichem ansehen eben ßo wol eyn opffer unnd gutt dinck ware als Abels opffer.

 

[Tit. 3, 6] Er setzt auch mercklich dartzu: Durch Jhesum Christum, unßernn seligmacher, damit er unß unter Christo behallt, wie die iungen hunlin unter der [Matth. 23, 37] gluckhennen. Denn alßo spricht er selb Mat. 23: O Hierusalem, wie offt hab ich wolt samlen deyne kinder, wie eyn glockhenne yhr kuchle samlet unter yhre flugel, und du hast nit gewolt. Hyrynnen die art des rechten lebendigen glawbenß wirt geleret; der ist alßo gethan, das nit gnug ist tzur seligkeyt, ob du ynn gott glewbist, wie die Juden und viel andere thun, wilchen er auch widderumb viel guttis thutt und groß gaben gibt tzeytlich, Szondernn durch Jhesum Christum mustu ynn gott glewben. Zum ersten nit dran tzweyffellnn, er sey deyn gnediger gott und vatter, hab dyr alle sund vorgeben und dich selig gemacht ynn der tawff.

       Zum andern doch daneben wissen, das solchs allis nit umbsonst odder on gnugthun seyner gerechtickeyt geschehe; denn der barmhertzickeyt und gnade ist keyn rawm ubir unß und ynn unß tzu wircken, odder unß tzu helffen ynn ewigen guttern und selickeyt; der gerechtickeyt muß tzuuor gnug geschehen sey[n], auffs aller volkomlichst, wie Christus sagt Matt. 5: Nit der kleynist [WA s. 122] buchstab, auch nit das kleynist tuttel wirtt von dem gesetz vorgehen, es muß alliß geschehen. Denn was man von gottis gnaden und guttickeytt sagt, muß alliß vorstanden werdenn alleyn auff die, ßo do erfullen seyn gepot auff das aller reynist, wie er sagt Miche. 2., da die Juden sich yn got viel vormassen [Micha 2, 7] und sprachen alltzeytt: frid, frid. Item: Sollt gott ßo tzornig seyn? sollt seyn guttiger geyst also von unß abgeprochen seyn? &c.. Anttworttet er: Ja, ich rede guttis nur von denen, die do recht wandellnn. Darumb mag niemant tzu der reychen gnade gottis kummen, er habe denn gottis gepotten auffs aller eußirst gnuggethan.

       So ist nu gnugsam gesagt, das unßere werck nichts seyn fur gott, unnd wyr nit das geringest gepott ynn eynem werck erfullen mugen, wie viel weniger wyr seyner gerechtickeyt gnugthun mugen, das wyr seyner gnaden wirdig werden. Dazu ob wyr schon ßo krefftig weren, alle seyne gepott tzu hallten unnd seyner gerechtickeytt allenthalben gnugtzuthun, dennoch weren wyr dadurch nit wirdig seyner gnaden und selickeyt, er were sie auch unß nitt schuldig tzu geben, ßondernn mocht solchs alliß von unß foddernn alß schuldigen dienst von seyner creaturn, die yhm tzu dienen vorpflichtet ist. Was er aber [Luk. 17, 7 —10] daruber gibt, eyttel gnade unnd barmhertzickeyt ist. Ditz hatt Christus Luce. 17. klerlich geleret, da er alßo spricht ynn eyner gleychniß: wilcher ist unter euch, der eyn ackerknecht odder hirttenknecht habe, ßo er von dem feld kumpt, das [WA s. 123] er ßo baldt tzu yhm sage: gang hynn, setz dich zu tissche, ßondern er spricht also zu yhm: bereytte myr das abendmal, schurtz dich und diene myr, biß ich geessenn und getruncken habe, darnach solltu auch essen und trincken. Danckt er auch demselben knecht, das er gethan hat, was yhm befolhen ist? Ich meyniß nicht. Alßo yhr auch, ob yhr alliß thettit, das euch gepotten ist, so sagt: wyr sind unnutze  knechte, wyr haben than, was wyr schuldig tzu thun geweßen sindt. Szo denn nu denen auß gnaden und nit auß pflichten wirt der hymel geben, die do alliß thun, was sie schuldig sind tzu thun, Und auch solchen menschen (ob sie yrgend weren) nit auß vordienst, ßondernn auß [Matth. 19, 17 [!]] gottlicher gnediger tzusagung der hymel geben wirt, Wie er vorspricht Matt. 16: Willtu eyngehn ynß leben, ßo hallt die gepott, — was wollen wyr denn mit unßernn elenden gutten wercken unß vormessen, preyssen dieselben ßo fast, alß weren sie von yhrer natur und nit auß lauter gottis vorsprechen und gnedigem tzusagen wirdigk des hymelreychs?

       Darumb hatt unß gott geben tzum ersten eynen menschen, der fur unß alle der gotlichen gerechtickeyt aller ding gnugthet. Zum andernn auch durch denselben menschen solch gnade und reychtumb außgeusset, auff das, obwol wir solch gnade umbsonst und on vordienst, ia, mit grossen unuordienst und unwirdickeyt empfahen, ßo ist sie unß doch nit umbsonst, noch on wirdigen [Röm. 5, 17 ff.] vordienst geben. Szondernn, als S. Paulus Ro. 5. leret: Gleych wie wyr durch [WA s. 124] Adam ynn der naturlichen gepurt on unßer vordienst und eygen vormirckung ynn die sund kummen, die unß angeporn wirt, Alßo widderumb ynn der widdergepurt on unßer vordienst und eygen wircken durch Christum ynn die gnade und selickeyt kummen. Darumb ist der heylig Apostel ßo vleyssig an allen ortten, wo er die gnade und den glawben predigt, datzu setzen: durch Jesum Chistum; auff das nit yemand eynher plumpe 1 und sprech: ia, ich glawbe ynn gott und laß dabey bleyben. Neyn, lieber mensch, du must alßo glawben, das du wissist, wie und durch wilchen du must glewben, das gott von dyr will haben aller seyner gepott erfullung unnd gnugthuung seyner gerechtickeyt, ehe er deynen glawben auffnympt tzur selickeyt, und ob du gnugthun mochtist, dennoch nur auß gnaden, nit auß pflicht der selickeytt wartten sollist, das deyn stoltzirn unnd vormessenn tzu poden ernyderlige fur gottis augen. Sihe, datzu dienet nu Christus, durch wilchen dyr solch gnade unnd selickeyt geben wirt, alß durch denen, der an deyner statt und fur dich allem gotlichem gepott unnd seyner gerechtickeyt gnugthan hatt ubirflussig, datzu er auch wirdig ist, das durch yhn auch die gnad unnd selickeyt dyr geben werde. Das heysset denn eyn rechter Christlicher glawb.

       keyn glawb gnugsam seyn on Christlichen glawben, wilcher ynn Christum glewbt und allein durch Christum, und sonst nit, empfehet alle diße tzwey stuck. Nemlich: gnugthuung gottlicher gerechtickeytt unnd gnade [Röm 4, 25] odder schanckung der ewigen selickeytt. Alßo spricht Paulus Ro. 4: Christus [WA s. 125] ist ubirgeben umb unßer sund und aufferstanden umb unßer rechtfertigung willen. Nit alleyn die sund abtzulegenn und gottis gepott erfullen, sondern, auch, das wyr wirdig durch yhn wurden, gerecht und der gnaden kinder zu [Röm. 3, 25] seyn. Item Ro. 3: Gott hatt unß Christum furgesetzt tzu eynem gnadenthron durch denn glawben ynn seynem blutt. Nitt alleyn den schlechten glawben, ßondernn ynn seynem blut, damit er ynn unßer person gnugthan hatt und alßo unß worden ist eyn thron der gnaden, das wyr beyderley empfahenn, ablaß und gnad, on unßer kost und muhe, aber nit on Christus kost und muhe. Darumb mussen wyr unß unter dießer gluckhennenn flugel schmucken unnd nit ynn eygenß glawbenß vormessenheytt außflihen, der kuchelwey wyrt unß sonst schwind fressen. Es muß nitt durch unßer gerechtickeytt, sondernn, alß ich offt gesagt, yn Christus selbeygener gerechtickeytt, unß dargepreyttett tzu eynem tabernackel und fittich, unßer selickeytt bestehen. Denn unß glawb unnd allis, was wyr haben mugenn auß gott, ist nitt gnugsam, ya, es ist nitt rechtschaffen, es thu sich denn unter die flugel dießer gluckhennen und glewb festiglich, das nitt wyr, ßondern Christus fur unß gottis gerechtickeyt gnugthun mag und than habe, und nit umb unßers glawbens willen, ßondern durch Christus willen unß gnade und selickeyt geben werde, das alßo allenthalben lautter gnade gottis erkennet werde ynn Christo und durch Christum unß zugesagt, erworben und geben. Das meynet er, da [Joh. 14, 6] er sagt Joan. 6: Niemant kumpt zum vatter, denn alleyn durch mich, und ym gantzen Euangelio thutt er nit mehr, denn zeugt unß auß unß und in sich, breyttet seyne flugel auß  unnd locket unß unter sich. Das will auch S. Pau. am end dießer Epistell, da er spricht:

[WA s. 126]

 

 

[Tit. 3, 7] Auff das myr gerechtferttiget durch desselben gnade Erbe seyn des ewigen lebens inn hoffnung.

Er spricht nitt: durch unßernn glawben, ßondernn; durch desselben Christus gnade, das ist, das Christus alleyn fur gott ynn gnaden ist, allen gottis willen than unnd das ewige leben vordient. Nu er aber das nit fur sich, ßondern fur unß than hatt, ßo sollen alle, die ynn yhn glewben, seyn alßo hoch genießen, das durch yhn und seyne gnade sie allis das than geachtet werden was Christus fur sie than hatt. Sihe, wilch eyn reych unaußsprechlich ding ist der Christliche glawbe, wilch groß unbegreyffliche gutter er bringt allen glewbigen! Darauß last unß lernen, wilch eyn kostlich predigt das Euangelium sey, darynn solchs gepredigt wyrtt, unnd was die fur schaden thun und seelen vorterben, die das Euangelium schweygen, und gesetz, werck, ya, yhr eygen menschenlere predigenn. Drumb hutt dich fur falschen predigen, ya, auch fur falschem glawben, bleyb nit auff dyr selb oder auff deynem glawben, kreuch inn Christum, hallt dich unter seyne flugel, bleyb unter seynem deckel, laß nit deyn, ßondern seyne gerechtickeyt unnd seyne gnad deyn deckell seyn, das du [Tit. 3, 7] nit durch deyne empfangene gnade, sondern, wie alhie S. Pau. sagt, durch [Ps. 91, 4] seyne gnade eyn erbe seyist des ewigen lebens. Alßo sagt auch Ps. 90: Er wirtt dich mit seynen schuldern ubirdecken und unter seynen flugeln wirtt [WA s. 127] [Hohel. 2, 14] deyne hoffnung bestehen. Und ynn Canti. spricht er: Meyne brawtt ist eyn tawbe, die do nistet ynn den loechernn des felßen unnd ynn den maurklufften, das ist, ynn Christus wunden wirtt die seel behallten. Sihe, das ist der rechte Christliche glawbe, der nit ynn und auff yhm selber, wie die Naturlichen Sophisten dauon trewmen, ßondern yn Christum kreucht und unter yhn [Tit. 3, 7] unnd durch yhn behallten wirtt.

       Das wyr erbe sind des ewigenn lebenß ynn der hoffnung, ist gnugsam droben gesagt, wie die gnad on alle werck alliß gibt auff eynmal, selickeyt, erbe &c.., doch ynn der hoffnung; denn es ist noch tzugedeckt biß ynn den todt, da werden wyr sehen, was wyr ym glawben empfangen und besessen haben.

 

 

Der harnsch dißer Epistell.

Dieße Epistell streyttet starck unnd mit außgedruckten wortten widder alle gerechtickeyt und gutte werck menschlicher vornunfft, vormuegen und freyen [Tit. 3, 5] willen. Die wort sind klar, da er spricht: Nit auß den wercken der gerechtickeyt, die wyr than haben, ßondernn nach seyner barmhertzickeyt hatt er uns selig gemacht &c.. Unnd tzwar alle wortt streytten widder dieselben gerechtickeyt; denn er gibts gantz und gar dem bad der widdergepurt, der vornewrung, dem heyligen geyst, Jhesu Christo und seyner gnad &c.. Wie mag fur solchen donnerschlegen noch bestehen yrgend eyne vormessenheyt ynn uns?

       Darumb laß gleyssen alle welltliche und geystliche recht, laß scheynen aller pfaffen, muench, Nonnen stand, laß leuchten aller bidderman und weyben erbirß leben, wie es mag, laß sie gleych todten auffwecken, ist nit der [WA s. 128] glawbe da ynn Christo, ßo ists schon nichts. Noch vorblendet unnd vorfurett solch gleyssen die gantze wellt und vortunckellt unß die heyligen Euangelia und Christlichen glawben. Alß wenig nu helffen tzur selickeyt alle werck der thieren odder handwerck der menschen, ßo wenig helffen auch die obgenanten scheynende [Matth. 7, 15] werck und stende der menschen. Ja, sie hyndernn datzu auffs aller schedlichst. Drumb huett dich fur den wolffen ynn den schaffskleydernn und lern dich an Christum hallten ynn eynem rechten, freyen glawben.

 

 

 

 

 

Das Euangelium ynn der frue Christmesß. [Luk. 2, 15 –20] Luce. ij.

 

1522[WA s. 128]

       Die menschen, die hirtten, haben unternander geredt: last unß gehen biß gen Bethlehem und sehen das wort, das da geschehen ist, wilchs got der herr gewirckt unnd unß kundgethan hatt. Und sind eylend kummen und haben funden beyde, Mariam und Joseph, und das kindt gelegt ynn eyn krippenn; und alß sie das gesehen, haben sie kund gemacht die rede, die tzu yhnen geschehen war von dem kindt, unnd alle, die es hoereten, haben sich vorwundert der rede, die von den hirtten yhn gesagt wurden. Maria aber hatt alle dieße rede behallten und sie ynn yhrem hertzen bewegt. Und die hirtten sind widderumb kerett, haben gott geehret unnd gelobt ynn allen dingen, die sie gehoeret und gesehen haben, wie dann yhn gesagt war.

[WA s. 129]

 

 

       Das Euangelium ist fast leycht auß des vorigen außlegen tzuuornehmen; denn es tzeygt an eyn exempell und voltzihung der lere, die ym vorigen Euangelio geben ist, da die hirtten gethan und gefunden haben, wie yhnen von den Engellnn gesagt ist. Drumb hellt das Euangelium ynnen, was die folge und frucht sind des worts gottis, und wilchs die tzeychen sind, dabey man erkennet, ob das wort gottis ynn unß haffte und gewirckt habe.

       Das erste und das hewbt-stuck ist der glawbe; denn wo diße hirtten nitt hetten dem Engel glewbt, weren sie nit gen Bethlehem gangen, hetten auch der dinger keyniß than, die von yhn ym Euangelio ertzelet werden. Das aber yemand mocht sagen: Jha, ich wollt auch wol glewben, wenn myrß eyn engel alßo vom hymel vorkundiget, ist nichts geredt; denn wer das wortt an yhm selb nit auffnympt, der nympts nymmer mehr auff umb der prediger willen, wenn yhm gleych alle engel predigten. Und wer eß auffnympt umb des predigerß willen, der glewbt nit dem wortt, auch nit ynn gott durchs wortt, ßondernn er glewbt dem prediger unnd ynn den prediger. Drumb bestehet seyn glawb auch nit lange. Wer aber dem wort glewbt, der achtet nit, wer die person ist, die das wort sagt, unnd ehret auch nitt das wortt umb der person willen, ßondern widderumb die person ehret er umb des wortts willen, setzt ymer die person ubir das wortt, und ob die person untergienge odder gleych vom glawben viele und anderß predigete, ßo lest er ehe die person, denn das wortt faren, bleyt auff dem, das er gehort hatt. Es sey person, es kumme person, es gehe person, wie und wenn es mag und will. [WA s. 130]

       Das ist auch der recht unterscheyd des gottlichen glawbens und menschlichen glawbenß: Das der menschlich glawbe hafftet auff der person, glewbt, trawt und ehret das wortt umb des willen, der es sagt. Aber der gottlich glawb widderumb hafftet auff dem wortt, das gott selber ist, glewbt, trawt und ehret das wortt nitt umb des willen, der es gesagt hatt, ßondern er fulet, das ßo gewiß war ist, das yhn niemant dauon mehr reyssen kan, wenß gleych derselb prediger thett; das wirtt beweysset an den Samaritanen [Joh. 4, 42] Joan. 4.: Da sie tzum ersten von Christo gehortt hatten das heydnische weyble unnd auff yhr wortt tzu Christo auß der statt gangen, da sie yhn selb hoereten, sprachen sie tzu dem weyb: Nu glewben wyr nit mehr umb deyner rede willen. Denn wyr erkennen nu selbs, das ditz ist der wellt heyland. Widderumb alle, die do Christo glewbten umb seyner person unnd seyner wundertzeychen willen, die vielen alle ab, da er gecreutziget wart. Alßo ists itzt und altzeyt geweßen. Das wortt fur sich selbs, on alles auffsehen der person, muß dem hertzen gnugthun, den menschen beschliessen und begreyffen, das er gleych drynn gefangen fulet, wie war und recht es sey, wenn gleych alle wellt, alle Engel, alle fursten der hell anderß sagten, ya, wenn gott gleych selb anderß sagt, alß er tzuweylen vorsucht seyn außerweleten [1. Mose 22, 1 ff. 32, 24 ff.] und stellet sich, alß wollt er anderß, denn er vorhyn gesagt hat; wie dem Abraham geschach, da er seynen son Isaac geheyssen wart tzu opffern, und [2. Sam. 15, 14 ff.] Jacob ynn seynem kampff mit dem Engel, und Dauid, da er voriagt wartt von Absalom, seynem ßon. &c..

[WA s. 131]

       Dießer glawb bestehet, ynn leben und sterben, ynn hell und hymel, unnd mag yhn keyn ding umbwerffen. Denn er  steht auff dem bloßen wortt mit vorachtung alle personen. Solchen glawben haben diße hirtten auch [Luk. 2, 15] gehabt; denn sie fallen tzu und hangen ßo gar am wortt, das sie der Engel vorgessen, die es yhn gesagt haben; sprechen nit: last unß gehen unnd sehen das wortt, das unß die Engel kundtthan haben, ßondernn: das unß gott kundthan hatt, der Engel ist schon ßo bald vorgessen, und nur das wortt [Luk. 2, 19] gottis gefasset. Desselben gleychen spricht Lucas ym text von Marien, das sie hab ynn yhrem hertzen die wortt behalten und bewogen, on tzweyfell hat sich nichts lassen anfechten die geringe person der hirtten, ßondernn hatt es alliß fur gottis wortt gehallten. Nit alleyne sie, ßondernn auch die andernn alle, die solche rede von den hirtten hoereten und sich vorwundertten, wie der text [Luk. 2, 18] sagt. Alle haben sie nur an dem wort gehangen. Und wiewol das eyn weyße ist der hebreischen sprach, das, wenn sie von eynem geschicht sagt, spricht [Luk. 2, 15. 17] sie: Wollen sehen das wort, wie hie Lucas redet, Darumb das die geschicht ynn die wortt gefasset und dadurch kundgemacht werdenn, ßo ists doch auch darumb alßo vorschafft von gott, das der glawbe wurd außgedruckt, wilcher an dem wortt hanget und auff das wortt sich ergibt, das von der geschicht gesagt wirt. Denn Christus leben und leyden, wo es nit ynn das wort vorfasset were, daran der glawbe hafften muge, were es keyn nutz geweßenn, dieweyll alle, die es sahen mit augen, keyn frucht dauon empfiengen odder gar wenig.

[WA s. 132]

 

Das ander stuck: Die eynmutickeytt des geystis. Denn das ist die artt des Christlichen glawbens, das er die hertzen eyniß macht, das sie eyniß sinnes [Ps. 68, 7] und eyniß willenß sey, wie Ps. 67. dauon gesagt ist: Gott der herr, Christus, [Ps. 133, 1] unßer gott macht eynmutige woner ym hawß, unnd Ps. 132: Ey, wie feyn und lustig ists, das die bruder eyniß mittenander wonen. Von der eynickeyt [Röm. 12, 16, 1. Cor. 12, 4 ff. Eph. 4, 3 [!]] des geysts redet S. Paul an viel ortten, Ro. 12. 1. Cor. 12. und Ephe. 5. Da er sagt: seyt yhe vleyssig, das yhr eyniß sinnes, eyniß willenß seydt. Solch eynickeyt ist nit muglich außer dem glawben. Denn eym iglichen gefellet seyne weyße wol, drumb ist das land (wie man sagt) narren voll. Das sihet man ynn der erfarung, wie die orden, stend und secten unternander tzurteyllet sind. Eyn iglicher achtet, seyn orden, seyn stand, seyn weßen, seyn werck, seyn furnehmen sey das beste und der rechte weg tzum hymel, voracht den andern unnd nympt sich seyn nit an; Wie wyr sehen itzt unter den pfaffen, Munchen, Bischoffen und allem, was geystlich ist. Aber die eynen rechten glawben haben, die wissen, das es gar am glawben ligt, darynnen stymmen sie eyntrechticklich. Drumb teylen und uneynigen sie sich umb keyniß eußerlichen stands, wandels odder wercks willen. Es ist yhnen allis gleych, wie mangerley es auch sey, was eußerlich ist. Alßo sind hie die hirtten eyniß [WA s. 133] [Luk. 2, 15] synneß, eyniß willens, reden unterander eyne meynung, eynerley wortt, und sprechen: last uns gehen &c..

       Das dritte ist demutt, das sie sich erkennenn alß menschen. Drumb [Luk. 2, 15] setzt der Euangelist hyntzu und spricht: Die menschen, die hirtten &c.. Denn der glawb leret alßo bald, das allis, was menschlich ist, sey nichts fur gott. Drumb vorachten sie sich unnd hallten nichts von yhn selbs, wilchs ist ware, grundliche demutt und seyneß selbs erkennen. Die demutt bringt denn mit sich, das sie nichts fragen nach allem, das da groß und hoch ist ynn der wellt, und hallten sich tzu den geringen, armen, vorachten menschen. Wie Paulus [Röm. 12, 16] Ro. 12. leret unnd spricht: Sehet nit nach dem, das do hoch ist, ßondernn [Ps. 15, 4] haltet euch tzu denen, die da geringe sindt. Wie auch Ps. 14. sagt: Der gerechte vorachtet den vorechter und ehret die gotfurchtigen. Auß dem allen folgt denn frid; denn wer do nichts achtett alliß, was eußerlich und groß, der lesset es leychtlich faren und tzanckt mit niemant drumb. Er fuelet wol eyn bessers ynwendig ym glawben seyneß hertzen. Man findet auch woll eynmuetigkeyt, frid und demutt unter den mordernn, offentlichen ßundernn, auch unter den gleyßnernn; Es ist aber eyn eynickeyt des fleysches und nit des geysts, wie [Luk. 23, 12] Pilatus unnd Herodes mitteynander eynß wurden, gegenander frid und demutt [WA s. 134] [Ps. 2, 2] hatten. Auch die Juden, wie Ps. 2. sagt: Es sind die kunige der erden und fursten mitteynander eyniß worden widder Christum. Alßo ist auch der Bapst, Munch und pfaffen eyniß, wenn sie widder gott streben sollen, die doch sonst eyttell secten unternandern sind. Drumb heyst ditz eyn eynmuettigkeyt, demut  und frid des geystis, das sie ist ubir und ynn geystlichen dingen, das ist ynn Christo.

       Das vierd ist liebe tzum nehisten und seynß selbs vorachtung; das [Luk. 2, 16] beweyßen die hirtten, das sie yhr schaff lassen und gehen hynn, nit tzu den hohen und grosse herrnn tzu Hierusalem, nit tzu den radtsherrnn tzu Bethlehem, ßondernn tzu dem armen hewfflin ym stall, ertzeygen und hallten sich tzu den nydrigen, on tzweyffell willig und bereytt, tzu dienen und thun, was von yhn begerd wurd. Wer der glaub nit da geweßen, sie wurden nit ßo von den schaffen gangen unnd das yhre haben ligen lassen, tzuuor ßo es yhn die engel nit gepotten hatten; denn sie thetten es auß freyem willen und [Luk. 2, 15. 16] eygem radt, wie der text sagt: sihe haben mitteynander dauon geredt und sind eylends kommen, ßo doch der Engel yhn nichts befalh, nit vormanet, nicht ried, ßondernn tzeygt yhn nur an, was sie findenn wurden, ließ ynn yhrem freyen willen, ob sie gehen und suchen wollten. Alßo thut die liebe auch, die hatt keyn gepot, sie thut von yhr selb alle ding, eylet und seumet [WA s. 135] nit, ist yhr gnug, das yhr nur tzeygt wirt, sie darff und leydet keynen treyber. Ach dauon were viel tzusagen! Alßo sollt eyn Christlich leben gehen freywillig ynn der liebe, seyn selb und des seynen vorgessen, nur auff unnd tzu dem [Phil. 2, 4 [!]] nehsten gedencken unnd eylen, wie .S. Paulus Ephe. 5. sagt: Niemant sehe [Gal. 6, 2 [!]] an, was seyn ist, ßondernn was des andernn ist, Und Gal. 5: Eyn iglicher trage des andernn burden, und alßo werdett yhr erfullen das gesetz Christi. Aber nu hatt der Bapst mit seynen Bischoffen unnd pfaffen die wellt voll gesetz unnd tzwangs gemacht, und ist nichts mehr itzt ynn aller wellt, denn eyttel treyben und engisten, keyn freywilliger orden odder stand mehr, wie denn vorkundigt ist, das die lieb vorleschen solt, und die wellt mit menschen lere vorderbet werden.

       Das funfft ist frewd, wilche sich ertzeygt ynn de wortten, das man gernn dauon redet und hoeret, das der glawbe ym hertzen hat empfangen. Alßo hie die hirtten schwetzen mitteynander frolich und freuntlich von dem, das sie gehoertt und gleubt hatten, und machen fast viel wort, alß wollten sie [Luk. 2, 15] unnutz schwetzen; sie haben nit gnug, das sie sagen: last uns gehen gen Bethlehem und sehen das wort, das da geschehen ist, thun dazu und sagen: Wilchs gott gethan hatt unnd unß kund gethan; ists nit eyn ubrig geschwetz, das sie sagen: das da geschehen ist, das gott gethan hatt? Hetten sie es doch wol mit kurtzen worten geredt: Alßo last unß sehen das wort, das gott alda than hat. Aber die freud des geystis geht alß ubir mit frolichen worten, [WA s. 136] und ist doch nichts ubrig, ia, noch alleß tzu wenig, unnd kunnen es nit ßo [Ps. 45, 2] erauß schutten, wie sie gernn wollten, wie Ps. 44. sagt: Meyn hertz schluckt erauß eynn guttis wort, alß sollt er sagen: Ich wollts gern erauß sagen, ßo kan ich nit. Es ist grosser, denn ichs sagen kann, das meyn sagen kaumet [Ps. 35, 28 [!] 71, 24] eyn schlucken ist; daher kompt die rede Ps. 50. und an mehr ortten: Meyn tzung wirt eraußhupffenn deyn gerechtickeyt, das ist, mit freuden und [Ps. 119, 171] sprungen dauon reden, singen und sagen &c.. Und Ps. 118: Meyn lippen werden dyr eyn lob eraußschewmen, gleych wie eyn siedend topffenn quillet und schewmet.

       Das sechst, das sie mit der that folgen; denn alß S. Paulus sagt 1. Cor. 3: [1. Kor. 4, 20 [!]] Gottis reich stett nit ynn wortten, ßondernn ynn der thatt. Alßo [Luk 2, 15. 16] hie die hirtten sagen nit alleyn: last uns gehen und sehen, ßondernn sind auch gangen, Ja, sie thun mehr, denn sie sagen; denn der text spricht: Sie sind eylend kummen, das ist yhe mehr denn schlecht gehen, wie sie sich vorsprochen hatten. Alßo thut der glawb unnd die liebe altzeyt mehr, denn er sagt, und yhr ding ist alliß lebendig, schefftig, thettig und ubirflussig. Alßo soll eyn Christen wenig wortt und viel that machen, wie er denn gewißlich thut, ßo er eyn recht Christen ist. Thut er aber nit alßo, ßo ist er noch nit eyn recht Christen.

       Das siebend ist, das sie frey bekennen unnd offentlich predigen das wortt, das yhn gesagt war von dem kind; wilchs ist das hohist werck ym Christlichen leben, daran man muß wagen leyb und leben, gutt und ehre; denn recht glewben unnd wol leben heymlich und bey yhm selbs, fichtet der [WA s. 137] boeß geyst nit ßo hart an. Aber wenn man will erauß faren und dasselb außpreytten, bekennen, predigen und lobenn, auch den andernn tzu gutt, das [Luk. 2, 17] mag er nit leydenn. Drumb spricht Lucas alhie, das sie nit alleyn kommen sind und gesehen haben, ßondern haben auch  vorkundigt von dem kindt, was sie gehoeret hatten auff dem feld, nit alleyn fur Marien unnd Joseph, ßondernn fur yederman. Meynstu nit, das yhr viel geweßen sind, die sie fur narren unnd unsynnige leutt gehallten habenn, das sie sich unterstunden, alß grob ungelerte leyen tzu reden von Engelischem gesang unnd prediget? Wie sollt ytzt der eyner empfangen werden, ßo er fur Bapst, Bischoff unnd gelerten furbrecht solch mehre, ia viel geringerß? Aber die hirtten voll glawbens unnd freud waren gernn nerrisch fur den menschen umb gottis willen. Alßo thut eyn Christenmensch auch; denn es muß gottis wortt fur narrheyt und yrthum gehallten werden auff dißer wellt.

       Das acht ist Christliche freyheyt, wilche an keyn werck gepunden ist, ßondernn alle werck gleych sind eynem Christen, wie sie yhm furkummen; denn diße hirtten lauffen ynn keyn wußten, tzihen keyn kutten an, bescheren keyne blatten, wandelln widder kleytt, tzeytt, speyß, tranck, noch keyn außerlich werck, gehen widder an yhr hurtten, dienen gott ynn demselben. Denn eynn Christlich weßen steht nit ynn eußerlichem wandel, es wandellt auch den menschen nit nach dem eußerlichen stand, ßondernn nach dem ynnerlichen, das ist, es gibt eyn ander hertz, eyn andernn mutt, willen und synn, wilcher eben die werck thut, die eyn ander on solchen mutt und willen thutt; denn eyn [WA s. 138] Christen weyß, das es gar am glawben ligt; drumb geht, steht, ysset, trinckt, kleydet, wirckt, wandellt er wie ßonst eyn gemeyn man ynn seynem stand, das [Luk. 17, 20.21] man nit gewar wirt seyniß Christenthumß, wie Christus sagt Luce. 17: Das reich gottis kumpt nit mit eußerlicher weyße unnd leßt sich nit sagen: Sihe hie odder da, ßondern das reych gottis ist ynn ewrem ynwendigsten. Widder diße freyheyt streyt der Bapst und der geystlich stand mit yhren gesetzen und erweleten kleydernn, speyßen, gepeten, stetten und personen, fangen sich selb und yderman mit solchen seelstricken, da sie die wellt mit erfullet haben, wie S. Antonius ym gesicht sahe; denn sie meynen, es lige an yhrem weßen und wercken, das man selig werde, nennen ander leutt welltliche, ßo sie selb woll sieben mal welltlich sind, seyntemal yhr ding alliß ist menschenwerck, dauon gott nichts gepotten hatt.

       Das neund und letzt ist gott loben und dancken; denn keyn werck konnen wyr gott widdergeben fur solch seyne gutte und gnade, on das lob und den danck, wilchs auch alßdenn von hertzen geht und nit viel orgelln, glocken unnd plerren bedarff. Der glawb leret wol solch lob und danck, wie hie von den hirtten geschrieben ist, das sie sind wider zu yhrer hurtten gangen mit lob und danck, sindt fast wol tzufriden, ob sie nit reycher worden sind, ob sie nit hoher geehret, nit besser essen unnd trincken, nit besser handwerck treyben mussen. Sihe, alßo hastu ynn dißem Euangelio abgemallt eynn recht [WA s. 139] Christlich leben tzuuor nach seynem eußerlichem weßen, das es außwendig nichts odder gar wenig scheynet fur den leutten, ia, yrthum und narrwerck ist fur dem mehrer teyl, aber ynnwendig ist es eyttel liecht, freud und selickeyt. [Gal. 5, 22] Daher sihet man nu, was der Apostel meynet, da er Gal. 5. die frucht des geystis ertzehlet und spricht: Die frucht des geystis (das ist die werck des glaubenß) sind lieb, freud, fried, guttickeyt, leutseligkeyt, gedult, traw, sanfftmuetickeyt, keuscheytt; da wirt gar kein person, tzeyt, speyß, kleyder, stet odder dergleychen erleßen menschenwercke ertzelet, wie wyr ynn der papisten leben sehen schwermenn.

       Was aber sey Christum finden ynn solchem armutt, und was bedeutte seyn kindwindel und krippen, ist ym vorigen Euangelio gesagt, das seyn armut lere, wie wyr yhn sollen finden ynn unßerm nehsten, dem geringsten und durfftigen. Und seyn windel sey die heyligen schrifft, das wyr ym wircklichen leben sollen unß tzu den durfftigen hallten, ym studirn und schawlichen leben nur tzur schrifft, auff das Christus alleyn der man sey beydes lebenß und an allen enden fur unß lige. Aristoteles, Bapsts und aller menschen bucher soll man meyden oder alßo leßen, das wyr nit der seelen besserung darynnen suchen, ßondernn die tzeyt unnd diß leben damit ube, wie man eyn handwerck odder welltlich recht lernt. Aber das ist nit vorgebenß geschehen, das .S. Lucas Mariam fur Joseph unnd sie beyd fur dem kindle [Luk. 2, 16] setzt, spricht: Sie haben funden Mariam, Joseph und das kindle ynn der [WA s. 140] krippen. Nu ist droben gesagt, Maria sey Christliche kirche, Joseph der kirchen diener, alßo da seyn sollten die Bischoff und pfarrer, wenn sie predigeten das Euangelium. Nu wirt die kirch furgetzogen den prelaten der kirchen, [Luk. 22, 26[!]] wie auch Christus sagt Luce. 21: Wer unter euch der grosser seynn will, soll der unterist seyn. Wiewol das nu itzt umbkeret ist, das auch nit wunder ist, weyl sie das Euangelium furworffen unnd menschengeschwetz erhoht haben. [Luk. 2, 19] Die Christlich kirche behellt nu alle wort gottis ynn yhrem hertzen unnd bewigt dieselben, hellt sie gegennander und gegen die schrifft. Darumb wer Christum finden soll, der muß die kirchen am ersten finden. Wie wollt man wissen, wo Christus were und seyn glawbe, wenn man nit wiste, wo seyn glawbigen sind? und wer ettwas von Christo wissen wil, der muß nit yhm selb trawen noch eyn eygen bruck ynn den hymel bawen durch seyn eygen vornunfft, ßondernn tzu der kirchen gehen, dieselb besuchen und fragen.

       Nu ist die kirch nit holtz und steyn, ßondernn der hauff Christglewbiger leutt, tzu der muß man sich hallten und sehen, wie die glewben, leben und leren; die haben Christum gewißlich bey sich, denn außer der Christlichen kirchen ist keyn warheytt, keyn Christus, keyn selickeyt. Darauß folgt, es sey unsicher und falsch, das der Bapst odder eyn bischoff will yhm alleyn geglewbt haben und sich fur eynen meyster außgibt; denn dieselben yrren alle und muegen yrren. Aber yhr lere soll dem howffen unterthan seyn. Was sie [WA s. 141] leren, soll die gemeyn urteyllen und richten, demselben urteyl soll man gestehen, auff das Maria ehe denn Joseph funden werd, die kirch den [Luk. 2, 19] predigern furgetzogen werd; denn nit Joseph, ßondernn Maria behelt diße wortt ynn yhrem hertzen, bewigt und hellt sie tzusammen odder gegenander. [1. Kor. 14, 29. 30] Das hatt auch der Apostel .1. Corin. 14. geleret, da er sagt: Eyner odder tzween sollen außlegen die schrifft, Die andernn sollen richten, und wo dem sitzenden wirt ettwas offinbart, soll der erste schweygen. Aber itzt ist der Bapst mit den seynen tyrannen wurden, haben solch Christlich, gottlich, Apostolisch ordnung umbkeret, gantz eyn heydnisch unnd pitagorische weyße auffbracht, das sie muegen sagen, lulaffen unnd alfentzen, was sie wollen, soll sie niemant richten, niemant eynreden, niemant sie heyssen schweygen. Und damit haben sie auch den geyst gedempfft, das man bey yhn widder Maria noch Joseph noch Christum findet, ßondernn eyttel raddten, meuß, otternn unnd schlangen yhrer vorgifftigen leren und heuchlerey.

       Diß Euangelium ist nit fast eyn streytt Euangelium; denn es leret Christliche sitten unnd werck, grundet nit die stuck des glawbenß ßo offentlich, wiewol ynn den mysterijs, wie itzt ertzelet ist, es starck gnug were; aber mysteria streytten nit, es mussen offentliche spruch seyn, die klerlich die artickel des glaubens antzeygen.

[WA s. 142]

 

 

[Hebr. 1, 1 –12] Die Epistell der hohen messen am Christag auß Heb. prima.

 

1522[WA s. 142]

GOtt, der vortzeytten manchmal und mancher weyße hat geredt durch die propheten tzu den veternn, der hatt tzuletzt ynn dissen tagen geredt tzu unß durch seynen ßon, wilchen er gesetzt hatt tzu eynem erben aller creaturn, durch wilchen er auch gemacht hat die wellt. Wilcher ist eyn glantz seyner klarheyt und eyn bildtzeychen seynes weßens, unnd tregt alle ding durch das wort seyner krafft, und hatt gemacht eyn reynigung unßer sund durch sich selb. Sitzt nu tzu der rechten der maiestet ynn der hohe, ßo viel besser worden denn die Engell, ßo viel er gar eynen andernn namen fur yhnen ererbt hatt. Denn tzu wilchem Engel hatt er yhemalß gesagt: Du bist meyn Szon, ich habe dich heutte geporen? Und abermals: Ich werd seyn vatter seyn, und [WA s. 143] er wirtt meyn ßon seyn. Und da er abermal eynfurett den erstgeporn ßon ynn diße wellt, spricht er: Es sollen yhn anbeten alle gottis Engel. Von den Engelln sagt er wol: Er macht seyn Engel geyster und seyne diener fewrflammen. Aber von dem ßon: O gott, deyn kunigstuel bestehet von wellt tzu wellt, das scepter deynes reychs ist eyn scepter der richtickeyt. Du hast die gerechtickeyt lieb gehabt unnd gehasset die ungerechtickeyt. Darumb hatt dich deyn gott got gesalbet mit dem oele der freuden fur deynen miterben. Unnd: O gott, du hast ym anbegynn das erdreich gegrundt, und die hymel sind deyner henden werck. Sie werden vorgehen, aber du wirst bleyben, und sie werden alle vorallten wie eyn kleyd, und wie eyn gewand wirstu sie wandelln, unnd sie werden sich wandlen lassen. Du aber bist derselbe, und deyne iar werdenn nit ende haben.

 

Das ist eyn starcke, mechtige und hohe Epistell, die da hoch herferett und treybt den hohen artickel des glawbens von der gottheyt Christi, unnd ist eyn glewbwirdiger wahn, sie sey nit sanct Pauls, darumb das sie gar eyn geschmuckter rede furt, denn S. Paulus an andernn ortten pflegt. Ettlich meynen sie sey S. Lucas. Ettlich S. Apollo, wilchen S. Lucas rumet, wie [Apg. 18, 24] er ynn der schrifft mechtig sey geweßen widder die Juden, Act. 18. Es ist yhe war, das keyn Epistel mit solchen gewallt die schrifft furet alß diße, das eyn trefflicher Apostolischer man geweßen ist, er sey auch, wer er woll. Nu diße Epistel thut nitt mehr denn grundet und foddert den glawben von der [WA s. 144] gottheit Christi, wie ich gesagt habe, das fast keyne ortt der Biblie ßo krefftig denselben artickel drauff dringt; drumb mussen wyr drauff bleyben und sie von stuck tzu stuck handellnn.

       Zum ersten ist des Apostols meynung die, das er die Judenn gernn hett tzum Christlichen glawben brachtt, dringt sie warlich hart, wie wyr hoeren werden, das sie nit muegen leugnen, Christus sey warer gott. Szo er aber nu Gott unnd gottis ßon ist und hatt unß nu selb gepredigt, selb fur unß gelitten, ßo foddert es die nodt und billickeyt, das wir nu viel mehr yhm [Hebr. 1, 1] glewben. Szo die veter vor tzeytten glewbt haben, da er nur durch die propheten redte. Alßo hellt er gegenander die prediger unnd schueler, die vetter unnd unß, das sind die schueler, die propheten und Christum, das sind die prediger, unß predigt der Szon der herr selbs, Den vettern predigten die knecht. Szo nu die veter den knechten glewbt haben, wie viel mehr hetten sie dem herrnn selb glewbt? Und ßo wyr dem herrnn nit glewben, wie viel weniger hetten wyr den knechten glewbt, unnd treybt alßo eyns durchs ander, das unßer unglawb gar grewlich geschendt wirt gegen der vetter glawben. Widderumb der vetter glawb gar hoch geehret gegen unßerm glawben. Unnd [Hebr. 1, 1] das mehret noch sehrer unßer schand, das gott tzu den vettern nit eyn mal, ßondernn viel mal, nit eynerley weyße, ßondernn mancherley weyß geredt, und [WA s. 145] sie dennoch alle mal, alle tzeyt glewbt haben. Und wyr durch solch exempel nit bewegt werden, auch eyn mal dem herrnn selbs tzu glewben. Sihe, alßo gehet er mit gewalltigen reden eynher, die Juden tzu bekeren; dennoch halffs nit.

 

[Hebr. 1, 1] Manch mal und mancher weyß.

Diße tzwey wort meyniß dunckens haben den unterscheyd, das manch mal sich dahynn tzihe, das viel propheten geweßen sind nach eynander, und nit alle prophecien durch eynen propheten noch auff eyne tzeyt geschehen sind. [Hebr. 1, 1] Mancher weyß aber gehoere dahynn, das auch durch eynen propheten, schweyg denn durch viele, Gott hatt geredt, itzt anderß, itzt ßo, itzt sonst. Alß tzuweyllen hatt er durch klare wortt außgedruckt, tzuweylen durch bild unnd [Hes. 1, 5 ff. Jes., 32, 1 u. ö. 11, 1, 4, 2] gesichten. Alß Ezechiel die vier Euangelisten durch die vier thier beschriben hatt. Item Isaias tzuweylen sagt er klerlich, Christus werd eyn kuenig seyn. Darnach nennet er yhn eyn Rute unnd blume vom stam Jesse. Item eyn hohe frucht der erden, und ßo fort an, ist durch mancherley weyß von Christo [2. Mose 12 –14] geredt. Ubir das ist auch mancherley weyß darauff gedeuttet, das er dem volck Israel auch tzeytlich tzu helffen anderß und anderß sagt; denn es war eyn ander weyß, da er sie durch Mosen auß Aegypten furet, Aber eyn ander, da er sie durchs roette mehr furet. Anderß, da er Dauid streytten hieß und ßo fortt. Es ist nit eynerley, ßondernn mancherley wortt geweßen, wie denn die werck auch anderß unnd anders waren. Aber der glawb war dennoch ymmer eynerley durch alle mal unnd alle weyße.

       Wie gar feyn und sanfft tzeucht und ladet er die Juden ynn dem, das [WA s. 146] er die vetter furhellt und die propheten und denselben gott. Denn die Juden hallten gar fest an den vetern, propheten und gott, der vor tzeytten tzu [Hebr. 1, 1] yhnen geredt hatt. Wollen aber yhm nu nit glewben und nit tzu hertzen nemen, das gott nit eyn mal, ßondernn viel mal, nit eyner weyße, ßondernn mancher weyße geredt hatt den vettern, wie sie wol wissen und bekennen mussen. Aber nu er aber eyn ander mal und auch auff eyn ander  weyße redet, wollen sie nit glawben. Auff diße weyße hatt er tzuuor nie geredt, wirt auch nymer der weyß reden. Drumb die weyße tzu reden, die sie gern hetten, wirt nymer geschehen. Syntemal er nach nie keyn mal vortzeytten hatt auff die weyße geredt, die von yhnen furgeben were; den das hyndertt den glawben und gottis werck. Man muß yhm befelhen tzeyt, person und [Hebr. 1, 2] weyßen tzu reden und nur auff den glawben gedencken. Drumb spricht er wol: Zu Letzt; denn da wirtt keyn ander weyß tzu predigen kummen fur dem iungsten tage. Es ist das letzte mal und die letzten weyße, die er willn hatt tzu reden, hat das selbige eynige wort befolhen und hynder sich gelassen, tzu [1. Kor. 11, 26] predigen biß anß ende, wie Paulus sagt. 1. Cor. 11: Szo offt yhr ditz brot esset und dißen kilch trinckt, sollt yhr den todt des herrnn vorkundigen, biß [Hebr. 1, 2] das er komet. Auch sperret er tzu yhr iaffen mit dem, das er sagt: yn dißen [WA s. 147] tagen, das sie nit durffen iaffen auff andere tzukunfftige tage. Sie sind schon hie, die tage, darynn das letzte mal und letzte weyße tzu reden ist angangen.

 

[Hebr. 1, 2] Durch seynen szon.

Da hebt er an den letzten lerer, redner, Apostoln, Christum tzu preyssen und alßo tzu preyssen, das er yhn mit starcker festgrundiger schrifft beweyße eyn naturlichen gottis ßon unnd herrnn alle ding. Und hie sollen wyr eynmal recht Christum erkennen leren, wie sichs mit ym hallt ynn beyden naturn gotlicher und menschlicher, darynnen viel yrren unnd eyns teyl fabeln treyben auß seynen wortten, die sie der gottlichen natur geben, wilch doch der menschlichen natur gepurn, blenden sich selb ynn der schrifft; denn ynn Christus wortten ist das grost auffsehen, wilche der gottlichen, wilche der menschlichen natur tzustehen, ßo sind sie alle leycht und klar. Aber ehe wyr das thun, mussen wyr tzuuor die frag hoeren, ßo ettlich tzu myr mochten sagen: Soll ditz die letzte predigt seyn, Was sagt man denn von Elia und Enoch, das sie kommen sollen widder den Endchrist? Anttwortt ich: Von der tzukunfft Elie hang ich tzwischen hymel und erden und wancke viel stercker dahynn, das er leyplich nit werde kummen, fechte doch nit hart da widder, ich laß glewben odder nit glewben, wer do will, ich weyß wol, das .S. Aug. an eynem ortt sagt, Es sey allen Christen fest eyngebilldet die tzukunfft Elie unnd des Endtichrists. Aber ich weyß auch wol, das keyne schrifft furhanden [WA s. 148] [Mal. 4, 5] ist, die dasselb betzeuge; denn das Malachias .4. von Elia tzukunfftig sagt, [Luk. 1, 17] dringt der Engel Gabriel Luce .1. auff Johannem, den teuffer, und noch viel [Mark. 9, 13] stercker Christus Marci .9., da er sagt alßo: Aber ich sag euch, Elias ist schon kommen, unnd sie haben yhm than, was sie gewollet, wie denn von yhm [Mal. 4, 5] geschriebenn. Szo denn Johannes der Elias ist, von dem geschrieben ist, alß hie der herr sagt, ßo ist die schrifft Malachie schon erfullet; denn es sagt [Mark. 9, 12] keyne mehr von Elia tzukunfft; das aber der herr hart dauor sagt: Elias, wen er kompt, wirt er alle ding widderbrengen, mag wol alßo sich vorstehn lassen, alß hab der herr Elias ampt ertzelet auff die weyß: Ja, ich weyß wol, das Elias soll erst kommen und allis erwidderbringen. Aber er ist schon kommen und hatts than. Dißen vorstand foddert, das er ßo bald auff solch Elias tzukunfft und ampt sagt von seynem leyden, und wie geschrieben ist vom ßon des menschen, das er viel leyde und vorachtet werd. Sollt das nach Elia geschehen, mußt er yhe tzuuor kommen seyn. Drumb weyß ich gar nichts mehr von Elia tzukunfft. Es were denn, das seyn geyst, das ist, das gottis wort widderumb wurd erfurbracht, wie sichs itzt anlesset; denn das der Bapst der Endchrist sey mit dem Turcken, ist myr keyn tzweyfel mehr, glewb was du willt.

       Nu, das wyr widder auff Christum komen, ist tzu glewben festiglich, das Christus sey warer gott und warer mensch, und tzuweylen redet die schrifft [WA s. 149] und er selb alß eyn pur mensch, tzuweylen alß eyn pur gott; alß da er sagt [Joh. 8, 58] Johan. 8: Ehe Abraham wartt, byn ich, das ist von der gottheyt gesagt. [Matth. 20, 23 [!]] Aber da er sagt Matt. 22. tzu Jacob und Johanne: Es ist nit meyn, das ich euch gebe tzu sitzen tzur rechten hand oder tzur lincken hand, das ist von der pur menscheyt geredt, gleych alß dieselb yhr am creutz nit helffen mocht, wie wol ettlich hie groß kunst wollen beweyßen mit yhren finstern außlegen, das sie den ketzern begegnenn. Alßo ist das auch der mensch Christus, da er [Joh. 14, 28, Matth. 23, 37] sagt: der vatter ist grosser denn ich, Johan. 14. Item Mat. 23: Wie offt hab ich wollen deyne kindle samlen wie eyn glucke  unter yhre flugell. Item [Mark. 13, 23] Marci. 13: Von dem tage weyß niemand, widder die Engel noch der ßon, ßondernn alleyn der vater. Ist nit nodt hie die gloße:3 der ßon weyß nit, das ist, er wilß nit sagen. Was thut die gloße? Die menscheyt Christi hat eben wie eyn ander heylige naturlich mensch nitt altzeyt alle ding gedacht, [WA s. 150] geredt, gewollt, gemerckt, wie ettlich eynen allmechtigen menschen auß yhm machen, mengen die tzwo natur und yhr werck ynn eynander unweyßlich; wie er nit alletzeyt alle ding gesehen, gehoeret, gefulet hatt, ßo hatt er auch nit alle ding mit dem hertzen alle tzeytt angesehen, ßondernn, wie yhn gott gefurtt hatt und yhm furbracht, voller gnade und weyßheytt ist er geweßen, das alliß, was yhm furkommen ist, hatt er konnen urteylen und leren. Darumb das die gottheyt, die alleyn alle ding sihet und weyß, ynn yhm personlich und kegenwertig war. Und endlich alles, was von Christus nydrung unnd erhohung ist gesagt, soll dem menschen tzugelegt werden; denn gottlich natur mag widder genyddert noch erhohet werden.

 

[Hebr. 1, 2] wilchen er geseczt hat zu eynem erben aller ding. Das ist nach der menscheyt geredt; denn wyr mussen glewben, das Christus nit alleyn ist nach der gotheytt ubir alle ding, ßondernn auch nach der menscheyt, alßo das Christo dem menschen alle creatur unterthan und unterworffen sind. Er schafft alle ding alß eyn gott, aber alß eyn [Ps. 8, 7] mensch schafft er nichts, und sind yhm doch alle unterthan, wie Dauid Ps. 8. sagt: Alle ding hastu yhm unter die fuß worffen &c..

Alßo ist Christus unßer gott unnd unßer herr; alß eyn gott schafft er unß, als eynem herrnn dienen wyr yhm, und er hirscht ubir unß. Alßo ynn dißer Epistel denckt der Apostel von yhm alß eynem waren gott und herrnn aller dinge zu reden; denn obwol die tzwo natur unterschieden sind, ßo ists doch eyne person, das alliß, was Christus thut odder leydet, hatt gewißlich gott than unnd gelieden, wiewol doch nur eyner natur dasselb begegnett ist. Alß ym gleychniß: Wenn ich sage von eynem vorwundten beyn eynß menschen, sprech ich: [WA s. 151] der mensch ist wund, ßo doch seyn seel odder der gantz mensch nit wund ist, ßondernn eyn stuck seynß leybs, darumb das leyb und seel eyn ding ist. Wie ich nu von leyb und seel reden muß unterschiedlich, alßo auch von Christo. Item, es ist nitt ubel gered, wenn ich sprech: Ich kenne die Sonne nit ynn der nacht, ßo ich sie doch mit der vornunfft wol kenne, aber nit mit den augen. Alßo weyß Christus nichts vom iungsten tag und weyß yhn doch woll &c..

 

[Hebr 1, 2] Durch wilchen er hat die welt gemacht.

Sie da, das ist derselb ßon, der eyn erb ist aller dinger gesetzt nach der menscheyt, unnd doch durch yhn gemacht alle wellt, alß durch eynen gott; eyne person, tzwo natur, tzweyerley werck; eyn Christus, aber tzweyerley artt.Hie gehen die hohen wortt an.

       Es ist yhe klar, das der Apostol rede von dem ßon, der eyn erbe gesetzt und durch yhn alle wellt gemacht ist. Ist denn alles durch yhn gemacht, ßo muß er selb nit gemacht seyn. So folgt yhe klarlich, das er warer gott sey; denn allis, was nit gemacht ist und ist doch ettwas, das muß gott seyn. Widderumb allis, was gemacht ist, das muß creatur und nit gott seyn; denn es hatt seyn weßen nit von yhm selber, ßondernn von dem, derß gemacht hatt. Aber nu sind alle ding durch Christum gemacht, unnd er ist durch keyniß gemacht; ßo hatt er gewißlich seyn weßen von und ynn yhm selbs unnd von keynem gemachten ding, auch von keynem mecher.

       Weytter, ßo er denn eyn ßon ist, ßo mag er nit alleyn seyn, er muß eynen vater haben, unnd ßo gott durch yhn die wellt gemacht hatt, ßo muß derselb gott, der durch yhn die welt gemacht hat, nit der seyn, durch wilchen [WA s. 152] er gemacht hat. Alßo folgt, das tzwo person seyen mussen, der vatter und ßon unterschiedlich, und doch, dieweyll die gottlich natur nur eyn ist unnd nit mehr denn eyn gott seyn mag, ßo schleust sichs, das Christus mit dem vatter eyn warer gott ist, ynn eynem gottlichen weßen, eyn schepffer unnd mecher der wellt, unnd keyn unterscheyd nit da ist, denn das er der ßon und yhener der vater ist, unnd er nit gemacht vom vatter, wie die wellt, ßondernn yn ewickeyt geporn seyn muß, nit kleyner denn der vater,  ßondernn ynn alle weyß und maß yhm gleych, on das er vom vatter und der vatter nit von yhm gepornn ist. Ob das nu die vornunfft nit begreyff, wie es tzugehe, muß sie sich ynn diße wortt und dergleychen gefangen geben unnd glewben; denn wo es begreyfflich were nach der vornunfft, ßo were keyn glaube da; denn es ist [Hebr. 1, 2] klar, das diße wort von tzweyen sagen, da er spricht: Gott hatt durch yhnen die welt gemacht; ßo ists auch klar, das der muß gott seyn, der nit gemacht, ßondernn allis durch yhn gemacht ist. Wie aber das seyn mag, redet nitt und mag die schrifft nitt außreden, es muß glewbt werdenn.

 

[Hebr. 1, 2] Nu behellt die schrifft die weyße, das sie spricht, die wellt sey durch Christum und vom Vatter und ym heyligen geyst geschaffen, wilchs alliß seyn ursach hatt; wiewol nit gnugsam erforschlich noch außsprechlich, doch eyn wenig antzufuren, braucht sie solcher weyß darumb alßo tzu reden, das angetzeygt werde, wie nit der vater von dem ßon, ßondern der ßon von dem vater das gottlich weßen habe, und der vater die erst ursprunglich person ynn der gottheyt [Hebr. 1, 2] sey. Drumb spricht sie nit, das Christus hab die wellt durch den vatter gemacht, ßondernn der vatter durch yhn, das der vatter die erst person bleybe, und von yhm, doch durch den ßon, alle ding kome. Auff solch weyß redet [WA s. 153] [Joh. 1, 3, Kol. 1, 16] auch Joh. 1: Alle ding sind durch yhn gemacht. Und Col. 1: Alle ding [Röm, 11, 36] bestehen durch yhn und ynn yhm. Und Ro. 11: Alle ding auß yhm, durch [Hebr. 1, 2] yhn und ynn yhm. Nu sihestu, wie feyn sich die wortt reymen, das er yhn eyn erben nennet nach der menscheyt; denn wem solten alle gottis gutter billicher tzu erb geben werden, denn dem, der do ßon ist? Er hatt alle gutter odder creatur mitt dem vatter tzugleych geschaffen, aber nu er auch mensch ist unnd ßon, beerbett er sie auch umb des willen, das er ßon ist, unnd ist nu eyn ßon ynn beyden naturn; wo aber herkompt solch weyße tzu reden, werden wyr ym Euangelio horenn.

 

[Hebr. 1, 3] Wilcher da ist eyn glancz seyner klarheyt: und eyn bild seynes weßenß.

Hie druckt er auß, ßo viel es muglich ist, mit ettlichen gleychnißnen, wie Christus eyn ander person denn der vater und doch eyn eyniger warhafftig naturlich gott sey, aber die deutschen unnd latinischen wortt erlangen nit die [Hebr. 1, 3] kriechßen wort des Apostelß gnugsam. Eyn solchen glantz nennet er yhn, der da außgeht von der klarheyt des vatterß, alß da ist die auffgehend morgenrodt von der sonnen, wilcher die gantzen ßonnen mit sich und bey sich hatt und nit eyn stuck des glantzis, ßondernn der gantze glantz der gantzen ßonnen, von der ßonnen leuchtend und an der ßonnen bleybend. Auff das alßo mit eynem wort werd vorstanden die gepurt die eynickeyt der natur, die unterscheyd [WA s. 154] der person; denn Christus wirt on unterlaß ewiglich geporn vom vatter, geht ymer auß, wie die ßonne am morgen, und nitt am mittag odder abent. Unnd ist ia nit der vatter nach der person, wie der glantz nit ist die ßonne, und ist doch bey dem vatter und ynn dem vatter, widder tzuuor noch darnach, ßondernn gleych ewig mit yhn und ynn yhn, wie der glantz tzugleych mit und ynn und an der ßonnen ist.

 

[Hebr. 1, 3] Auch ßo nennet er hie die klarheyt des vatters doxa; das heyst eygentlich ehre odder glorie, darumb das die gottlich natur eyttel gloria und ehre ist, alß die alliß von yhr selbs, nichts von yemand hat, sich von yhr selb ruemen und ehren mag. Nu spricht er, Christus sey eyn gantzer scheyn, eyn voller glantz seyner ehren, das ist, das er auch ynn sich selb die gantz gottheytt hat und alles des sich ruemen und gloriernn mag, des der vatter, on das er vom vatter unnd der vater nit von yhn solchs hatt. Er ist der außgehend glantz der vetterlichen ehre, das ist, er ist eyn geporner gott und nit der geperende got, doch voller und gantzer gott, wie und alß der vatter. Sihe, solch weyße tzu reden gepraucht die schrifft nit von den heyligen, die auch wol gottis ehre [Hebr. 1, 3] sind, das ist, gott tzu ehren gemacht und geschaffen. Aber hie, da er fagt, Christus sey eyn scheyn der vetterlichen ehre, tzwingen die wort dahyn, das die vetterlichen ehre sey ynn demselben glantz, sonst hieß es nit seyner ehren glantz, unnd was soll ich sagen? Diße wort wollen mehr mit dem hertzen vorstanden, denn mit tzungen oder feddernn außgedrukt werden.  Sie sind an yhn selbs klerer denn alle gloß und yhe mehr man sie glosiert, yhe finsterer sie [WA s. 155] werden. Das ist die summa dauon: ynn Christo ist die gantz gottheyt, und yhm gepurt alle ehre alß eynem gott, doch das er dieselb nit von sich selb, ßondern vom vatter habe; das ist ßo viel gesagt: tzwo person, eyn got. Denn vom heyligen geyst redet er an dißem ortt nit, wilcher auch leychtlich glewbt wirt, wenn der mensch ßo weyt bracht wirt, das er tzwo personen mag fur eynen gott hallten.

 

[Hebr. 1, 3] Die ander gleychniß, das er yhn nennet eyn bild oder tzeychen seynes weßens. Ich muß doch urlaub nemen, grob und deutlich tzu reden. Wenn nach eynem menschen wirt eyn bild gemacht, ßo ist dasselb bild nit eyn bild des menschlichen weßens oder natur; denn es ist nit eyn mensch, ßondern steyn odder holtz, und ist eyn bild des steynernn odder hultzen weßens nach dem menschen gemacht. Wenn ich aber kund des menschen weßen nehmen, wie der topffer den than und drauß eyn bild machen, das tzugleych des menschen bild were und auch menschlich weßen odder natur ynn sich gantz begriffe, Sihe, das were eyn weßenlich bild odder eyn bild des menschlichen weßens.Solch bild ist ynn keyner creatur denn alle bilder, die da gemacht werden, synd eyniß andernn weßens und natur, denn das, des bild sie sind. Aber alhie ist der ßon eyn solchs bild veterlichs weßens, das das vetterlich weßen ist das bild selbs, unnd wenn sichs alßo tzimete tzu reden, das bild ist auß dem veterlichen weßen gemacht, das es nit alleyn dem vater gleych und ehnlich ist, ßondernn auch seyn gantzes weßen und natur vollicklich ynn sich begreyfft. Wie auch vom glantz der glorien tzu sagen ist, das der glantz auß der ehren gemacht ist und nit alleyn yhr gleych ist, ßondernn gantz und naturlich ynn sich hatt, das glantz und ehre eyn ding sey. [WA s. 156]

       Nu sihe, wie ich sage von eynem menschen bild: das ist eyn hultzen odder steynen bild, Alßo sag ich: Christus ist eyn gottern bild, das, ßo war alß iheniß bild holtz ist, ßo war ist ditz bild gott; drumb nennet yhn sanct. [Kol. 1, 15 [Hebr. 1, 3]] Paulus eyn bild des lebendigen unsichtlichen gottis.

       Nu, ym hultzen bild feylet diße volkomenheyt; denn obs woll eyn hultzen bild ist, ßo ists doch nit des holtzs bild, ßondernn des menschen, tzeygt auch nit das holtz, ßondern den menschen an. Widderumb, ob der mensch wol ym holtz gepildet wirtt, ßo ist er doch nit holtz, und seyn weßen ist etwas anderß denn das weßen, darynn seyn bild ist, unnd ynn allen creaturn ist das bild eynß andern weßen, den der, deß bild es ist, und ist keyn bild des weßens tzufinden. Aber alhie ist das bild unnd der, des bild es ist, eyniß weßens, on das der vater nit eyn bild ist; denn er nit vom ßon oder nach dem ßon, ßondernn der ßon von dem vater unnd nach dem vatter gepildet ist ynn eynem eynfelltigen, naturlichen, gottlichen weßen. Solch volkommenheytt feyllt auch an der ßonnen unnd yhrem glantz. Denn die Sonne hatt eyn eygen klarheyt fur sich selbs, der glantz auch fur sich selbs, obwol der glantz von der ßonnen das seyne hatt. Aber alhie ist der glantz alßo der klarheyt, das auß der klarheit (das ich alßo sage) der glantz gemacht odder genaturt ist, und die klarheyt gantz weßenlich der glantz selb ist, on das der glantz nit von sich selb, ßondernn von der veterlichen klarheyt alßo genaturt ist.

 

[Heb. 1, 3] Nu sihe, noch sind die wort an yhn selbs klerer denn diße außlegung. Es lauttet ia klar gnug, das er sagt: Eyn bild seyniß weßens, Eyn scheyn seyner ehre, ßo der mund darnach hie still schweygt und das hertz drauff [WA s. 157] dencken lessit, unnd ist die hebreisch weyß alßo tzu reden: pauperes sanctorum .i. pauperes sancti. Virtus dei, idest virtus deus. Sic Character substantie, idest character substancia subsistens et ipsemet deus. Sic splendor glorie, idest splendor gloria ipsa. Wie die latinischen das wol fassen mugen, aber den deutschen und eynfeltigen sey gnug, das, wie sie eyn bild des gollts nennen, darumb das es auß gollt gemacht ist, alßo sollen sie auch Christum eyn bild gottis des vatters nennen, darumb das er gantz von gott und auß gott genaturt ist und außer yhm keyn gott ist, on das er solch gottheyt und bild vom vatter alß der ersten person hatt und beyde eyn gott sind, Und das hie feylet ynn der creatur; denn das guldne bild tzeygt nit seyn gollt natur, ßondernn eyn frembd natur des menschen. Drumb obs wol eyn gulden bild  ist, ßo ists doch nit eyn bild des gollts eygen weßen; denn golt must man mit eynem andernn bild tzeygen, alß durch geele farbe odder ßonst mit ettwas, das nit gollt ist. Aber hie ist das bild auch das weßen selbs, des bild es ist, und darff keyniß andernn bildeß denn seyneß weßenß. Hie ist glawbe nodt und nit viel scharffs spiculirn, die wort sind klar, gewiß unnd starck gnug. Wilchem diße wortt nit sagen die gottheyt Christi, dem wirts niemant sagen. Er nennet yhn auch nit eyn schlecht, gemeyn bild, ßondern caracter, das ist eyn eygen bild, das niemant anderß eben, gleych wie die controfeyten bild sind. Alßo auch nit eyn gemeynen glantz, ßondernn apaugasma, eyn eygentlichen scheyn, der sonst niemant eben sey, denn der klarheyt, dauon er außgeht.

[WA s. 158]

 

 

Unnd er tregt alle ding durch das wortt seyner krafft.

 

[Hebr. 1, 2. 3] Das ist das dritte mal, das er Christum eynen gott predigt. Er hatt gesagt tzum ersten, Alle wellt sey durch yhn gemacht, darnach, er sey eyn gottern glantz unnd gottern bild; hie spricht er, das er alle ding trage; tregt er alle ding, ßo ist er nit getragen und ettwas uber alle ding, das muß gott seyn alleyn. Das tragen aber ist, das er alle ding erneeret unnd enthellt, alß das nitt alleyn durch yhn alle ding gemacht, wie droben gesagt, ßondernn auch alle ding ynn yhm bleyben und enthallten werden, wie S. Paulus [Kol. 1, 16 [!]] Collos. 2: Alle ding bestehen durch yhn und ynn yhm &c.. Unnd gar eyn [Hebr. 1, 3] feyn wortt braucht er, das er sagt: Er trage, treybt und iagt noch rumort nit.Er tregt senffte und lest alle creaturn seyner senfften gute genießen, [Weish. 8, 1] wie auch Sap. 8. geschrieben ist: Die weyßheyt gottis reychet von eynem end tzum andernn krefftlich und beschickt alle ding sussicklich und senfftlich.

 

[Hebr. 1, 3] Was aber das sey, das er sagt: durch das wort seyner krafft, bynn ich nit gewiß. Wenn eyn mensch alßo sagte, ßo sprech ich: er yrrete, darumb das Christus das wort selbs ist, wie wyr ym Euangelio hoeren werden unnd er keyn wortt hatt, dadurch er wirke. Wenß ynn des vaters person geredt were, ßo stymptet es mit der schrifft fast wol; denn der vatter hatt durch [Ps 33, 6] seyn wortt alle ding gemacht, tregt auch ynn demselben alle ding, wie Ps. 33. sagt: Die hymel sind durch das wort gottis gemacht. Ich wil hie meyn vorstand gefangen geben, eynem andern und bessernn den rawm lassen, nit mehr denn meyn dunckel sagenn. Er mag villeicht darumb ßo sagen, das er die person menge ynn eyne gottheyt, dieweyl sie eyn gott sind und ditz ynn [WA s. 159] der person des vatters sage. Sintemal, was gott thutt, eyn iglich person thut. Alßo tregt gott alle ding durch seyn wort, wilcher gott warhafftig auch Christus unnd dasselb wort ist. Solch schwind wechßel der personen [Ps. 2, 6. 7] sind wol mehr ynn der schrifft, alß Ps. 2: Ich hab meynen kunig vorordnet auff meynem heylige berge. Ich wil das gepott predigen, das gott hatt tzu myr gesagt: du bist meyn ßon &c.. Alhie ist das erst stuck ynn der person des vatters von Christo gesagt und das ander yn der person Christi vom vatter, und sind die person gewandelt ynn eyner rede umb des willen, das [Hebr. 1, 3] eyn gott ist beyde person. Alßo mag auch alhie geschehen, das er eyn bild gottis ist, sey von Christo gesagt. Das er aber alle ding trag durch seyn wort, sey vom vatter gesagt ynn eyner rede hynn, on unterscheyd, darumb das beyde person eyn gott sind on unterscheyd.

       Gefellt das nit, mag ich alßo dencken, das durchs word werd vorstanden alß viel alß eyn thatt oder geschicht, wie ym nehsten Euangelio Lucas von [Luk. 2, 15] den hirtten sagt: Last uns gehen gen Bethlehem unnd sehen das wortt, das [Hebr. 1, 3] da geschehen ist, das ist die geschicht unnd thatt, die da geschehen ist. Alßo mocht hie der synn seyn, das Christus alle ding tregt durch das wort seyner krafft, das ist durch die that seyner krafft; denn durch das thun seyner krefft alle dinck erhallten werden unnd alliß, was da ettwas ist und vormag, das dasselb nit von sich selb, ßondernn auß der thettige krafft gottis alßo sey unnd vormuege. Und alßdenn ist abermal hie die krafft und das wortt nit tzu scheyden, ßondernn das wort und die krafft ist eyn dinck, nit anderß denn ßo viel gesagt als eyn thettigs oder krefftigis wort, das die krafft sey das [WA s. 160] weßen und natur des worttis, das ynn allen dingen wirckt; doch hie fare und folge eyn iglicher, wie er will und kan.

 

[Hebr. 1, 3] Und hatt gemacht eyn reynigung  unßer sund durch sich selbs.

Da trifft er das Euangelium recht; denn alliß, das von Christo gesagt mag werden, hilfft unß nit, biß das wyr hoeren, wie es allis sampt unß tzu gutt unnd nutz gesagt wirt. Was were es nodt, unß tzu predigen, wenn es umb seynen willen alleyn geschehen were? Aber nu gillt es gar und gantz unß unnd unßer selickeyt; drumb last uns hie mit freuden tzuhoeren, es sind [Hebr. 1, 2. 3] liebliche wort ubir alle maß. Der Christus, der ßo groß ist, eyn erbe aller ding, eyn glantz gottlicher ehren, eyn bild gottliches weßens, der da alle ding tregt, nit durch frembd krafft noch hulff, ßondernn durch seyn eygen thatt und krafft, Kurtzlich, der es gar alleyn allis sampt ist, der hatt unß gedienet, seyne liebe außschuttet und eyn reynigung unßer sunden tzugericht. Er spricht: unßer, unßer sund, nit: seyner sund, nit: der sundenn der unglewbigenn; denn wer solchs nit glewbt, dem ist die reynigung vorgenbeß und nicht tzugericht. Und dieselbigen reynigung hatt er nitt tzugericht durch unßern freyen willen, vornunfft odder krefft, nit durch unßere werck, nit durch unßer rew odder puß — denn das ist alliß nichts fur gott — ßondernn durch sich selb. Wie durch sich selb? Nemlich, das er unßer sund auffgenommen am heylig kreutz, wie [Jes. 53, 6. ff] Isaias sagt .c. 53. Aber das ist auch noch nit gnug, ßondernn auch alßo durch sich selb, das, wer da glewbt ynn yhn, das er solchs fur unß than [WA s. 161] hatt, durch und umb desselben glawbenß willen wonet er selb ynn unß und reynigett unß teglich durch seyn selbs eygen werck alßo, das tzur reynigung der sunden nichts mag helffen oder gethan werden, denn alleyn Christus selbs. Nu mag er nit ynn unß seyn noch solch reynigung durch sich selbs wircken, denn nur ynn unnd durch den glawben.

       Horet nu tzu, yhr welltvorfurer und blindenleytter, Bapst, Bischoff, pfaffen, Munch, gelereten, yhr unnutzen schwetzer, die yhr leret die sund reynigenn durch menschenwerck und gnugthun fur die sund, gebt ablaßbrieff und vorkeufft ertichte reynung der sund, hie hoeret yhr, das keyn reynigung der sund sey ynn den wercken, ßondernn alleynn ynn Christo unnd durch Christum selbs. Nu mag er yhe durch keyn werck ynn unß bracht werdenn, [Eph. 3, 17] ßondernn alleyn durch den glawben, alß .S. Paulus sagt Ephe. 3: Christus wonet ynn ewerm hertzen durch den glawben. Szo muß gewißlich war seyn, das reynigung der sund sey der glawbe, und wer da gleubt, das Christus yhm seyn sund reynige, der ist gewißlich gereyniget durch denselben glawben [Apg. 15, 9] unnd sonst ynn keynem weg. Drumb spricht wol .S. Petrus Act. 15: Er macht yhr hertzen reyn durch den glawben. Wenn dißer glawbe tzuuor da ist, und solch reynigung durch Christum selbs geschehen, denn last unß gutte werck thun, die sund hassen und rewen; denn sind die werck gutt, aber tzuuor dem glawben sind sie keyn nutz unnd eyttel falsch vortrawen unnd tzuuorsicht; denn die sund ist alßo eyn groß ding, und yhr reynigung kost alßo viel, das [WA s. 162] eyn solch hohe person, wie Christus hie gepreysset wirt, muß selb datzu thun und durch sich selb reynigen; was sollt denn ynn solchen grossen sachen vormuegen unßer arm und nichtigeß thun, die wyr creaturn, datzu sundige unnd untuchtige vordorbene creaturn sind?; das were doch eben alß wenn yhm yemand furnehm mit eynem außgeleschten brand hymel unnd erden vorprennen. Es muß ßo groß tzalung der sund hie seyn, alß gott selbs ist, der durch die sund beleydigt ist.

 

[Hebr. 1, 3.4] Und sitzt czu der rechten hand der Maiestet ynn der hohe, Szo viel besser wurden denn die Engele, ßo viel er eynen andernn namen fur yhnen ererbt hatt.

Das ist nach der menschlichen natur gesagt, ynn wilcher er auch der sunden reynigung tzugericht hatt, doch das dennoch war sey, es hab gottis Son than, unnd die person nit yemand scheyde umb der scheydung der naturn. Alßo ists auch war, das gottis ßon sitzt tzu der rechten hand der Maiestet, wiewol das alleyn nach der menscheytt geschicht; denn nach der gottheytt ist er auch selb die eynige Maiestet mit dem vatter, tzu wilcher rechten hand er sitzt. Doch wollen solch weyße tzu reden izt lassen, alß die da finster ist, unnd bey des texts rede bleyben, die da klerer ist. Zu der rechten hand der Maiestet sitzen, ist gewißlich der Maiestet gleych seyn. Drumb, wo Christus wirt beschrieben, das er tzur rechten gottis sitzt, da wirt grundlich bewerett, das  er warer gott sey. Sintemal gott ist niemand gleych, denn gott selber; drumb das der mensch Christus wol wirt gesagt, er sitze tzur rechten gottis, [WA s. 163] [Ps. 110, 1 [!]] ists doch ßo viel gesagt, er sey warer gott, wie der Ps. 10: Gott hatt gesagt tzu meynem herrnn: Sitze tzu meyner rechten hand &c.., das ist: Er hatt tzu Christo gesagt, der eyn mensch ist: Sey myr gleych, das ist: du sollt nit alleyn eyn mensch, ßondernn auch gott erkennett werden, wie denn alhie der Apostel [Hebr. 1, 13, Ps. 8, 7] dißen spruch desselben psalmen auch eynfuret. Item Ps. 8: Du hast yhm unter die fuß geworffen alle die werck deyner hend, das ist: du hast yhn dyr gleych gemacht, nit das er nu aller erst angefangen hab gott tzu seyn, ßondernn das der mensch vorhyn nit ist gott und gott gleych geweßen; denn tzugleych er angefangen mensch tzu werden, hatt er auch angefangen gott tzu seynn, unnd alßo redet die schrifft gar viel fuglicher von Christo denn wyr und wickelt die person ßo feyn ynn die natur unnd scheydet widderumb die natur das wenig sind, die es recht vorstehen, und ich selb offt ynn dißenn und dergleychen spruchen geyrret habe, das ich der natur habe tzugeeygent, was der [Phil. 2, 6. 7] person gepurt und widderumb. Alßo Philip. 2: Ob er wol war ynn der gottlichen form, hatt er doch nit gedacht, er habs geraubt, das er got gleyche war, ßondern hatt sich desselben geeußert, nit alß eyn gott, ßondernn alß eyn knecht geperdet, wiewol dißer spruch finster ist. Nu das wyr widder auff den text komen; Hie hebt der Apostel an grund der schrifft auß dem alten testament tzu fueren und beweyßen, das Christus gott sey; denn bißher hatt er seyne wort unnd meynung gesagt auß der schrifft getzogen und spricht, [Hebr. 1, 4] Christus sey gar viel besser wordenn denn die Engel, denn er ist gott worden und hatt eynen vielen andern namen denn sie ererbt; das ist alliß gesagt der meynung, das der mensch Christus hab angefangen, got zu seyn und sey vorkleret und kund worden, das er gott sey.

[WA s. 164]

 

[Heb. 1, 5] Czu wilchem Engel hat er yhe eynmal gesagt: du bist meyn Szon, ich hab dich hewte geporenn?

[Ps. 2, 7] Der spruch stett ym andernn psalm; drumb, auff das es klar werd, wie er von Christo gesagt sey, wollen wyr den psalmen gantz ertzelen, der lautt [Ps. 2, 1 –12] alßo: Warumb emporen sich die leutt und die volcker tichten unnutz ding? Die kůning der erden richten sich auff, und die fursten samlen sich widder gott und seynen Christum. Last unß tzureyßen (sprechen sie) yhre band und von unß werffen yhre last. Der ym hymel wonet, wirt yhr lachen, und gott wirt yhr spotten. Alßdenn wirt er mit yhn reden ynn seynem tzornn, und ynn seynem grym wirt er sie erschrecken. Und ich hab meynen kuenig geordnet auff meynen heyligen berg Zion. Ich will vorkundigen, was do vorordnet ist, Gott hat tzu mir gesagt: Du bist meyn ßon, ich hab dich hewte gepornn, foddere von myr, ßo will ich dyr geben die heyden tzu eynem erbe unnd die end der erden tzu deyner besitzung. Du sollt sie brechen mit eyner eyßern rutten, und wie eyns topffers faß solltu sie tzuknyrsen. Unnd nu, yhr kuenige, seyt weyße, unnd yhr richter der erden last euch unterweyßen, dienet gott ynn [WA s. 165] furchten und frewet euch ynn tzitternn. Kusset den ßon, auff das er nit tzornig werd, und yhr nit vorderbet auff dem wege; denn so da wirt emprennen seyn tzorn eyn wenig. Selig sind alle, die ynn yhn vortrawen. Hie sihet man klar, das er Christum nennet, widder wilchen die Juden mit Pilato, [Ps. 2, 7] Herodes und ubirsten fursten der priester tobeten; tzu dem spricht er: du bist meyn ßon &c..

       Dißem spruch entlauffen die Juden mit wilden gloßen, unnd dieweyl sie nit muegen leucken, das dißer psalm sage von eyner person, der eyn kuenig sey und Christus, das heyst eyn gesalbter, sprechen sie, er rede von Dauid, der auch eyn Christus was; denn sie nennen alle kuenige Messias odder Christus, das ist, gesalbete. Aber es besteht nit yhr ding; denn Dauid hat noch nie die heyden gehabt, unnd seyn reych hatt nit gereycht biß an die end der erden, wie von dißem kuenig der psalm sagt. So ist auch tzu keynem eynigen menschen [Ps. 2, 7] ynn der schrifft gesagt: du bist meyn ßon. Ob sie aber schon bekennen, der psalm sey von dem Messia gesagt, ßo haben sie noch tzwo außflucht; denn sie hallten, derselb Messias soll noch kommen und sey nicht dißer Jhesus Christus, datzu, ob er wol gottis ßon genennett werd, sey er drumb nit gott; [Ps. 82, 6] denn auch Ps. 81. geschrieben stett tzu allen gottis kindernn gesagt: Ich hab gesagt, yhr seyd gotter unnd  kinder des allerhohisten, und an viel ortten [1. Mose 6, 2. 4, Ps. 89, 7, Matth. 5, 9 45, 1. Joh. 3, 1. 2. 10, Rö. 8, 14. 16 u. ö.] der schrifft werden die heyligen genennet gottis kinder, alß Geenbar;. 6, Ps. 88. Matt. 5, 1. Johan. 3. Und Paulus heyst und an allen ortten gottis kinder, drumb nennen wyr yhn auch eynen vatter unnd sagen: vater unßer &c.. [WA s. 166]

       Was wollen wyr hietzu sagen? Sollen wyr den Apostel ßo lassen stecken, alß der nicht gutt, klar grund der schrifft auffbringe? das were nit [Ps. 2, 7] feyn. Zum ersten, das dißer Jhesus der man sey, von dem der psalm redet, beweyßet die erfarung; denn es ist alßo erfullet und ergangen. Er ist von den kuenigen unnd fursten vorvolgt. Sie haben yhn wollt vortilgen unnd sind tzu spott drob worden, sie sind auch vordorben, wie er hie sagt. Szo ist er yhe ynn aller wellt fur eynen herrnn geachtet, das keyn kuenig fur yhm odder nach yhm weytter und breytter regierett odder regirn kan. Szo denn die erfullung mit dem psalmen stympt, lest er sich nit tzwingen auff eynen andernn. Das er aber got sey, obwol ander heyligen auch gotter und gottis [Heb. 1, 5] kinder genennet werdenn, beweyßet der Apostel starck gnug damit, das tzu keynem Engel, schweyg denn eynem menschen, ynn ßonderheytt gesagt sey: du bist meyn ßon; drumb muß das eyn ßonderlicher ßon seyn, ubir alle menschen unnd engel; denn weyl er yhn nit ynn gemeyn mit andernn eynen ßon nennet, ßondernn tzeucht yhn auß allen, muß er hoher seyn denn keyn ander. Nu mag er nit hoher seyn denn die Engel, er sey denn gott warhafftig, weyl die engel das hohist sind. Ubir das, alle ander kinder gepiert er durch mittel, [Jak. 1, 18] wie .S. Jacobus sagt: Er hat uns gutwillig geporn durch seyn wort, und die Engel hatt er auch geschaffen unnd nit geporn. Aber dißen ßon schafft er nit, ßondernn on alle mittel durch sich selbs gepiert er yhn und spricht: [Ps. 2, 7] Ich, ich selb, durch mich selb hab dich hewte gepornn, wilchs er tzu keynen mehr gesagt hatt. Diße eynige, personlich geperung beschleüßt ein naturliche [1. Chron. 22, 10, Ps. 2, 7] gepurt; denn er spricht wol .1. Paralip. 22. von dem Salomo: Er soll meyn [WA s. 167] ßon seyn, ßonderlich aber doch nit tzu yhm: du bist meyn ßon, ich hab dich geporn, ßondernn Dauid hatt yhn geporn, aber dißen hatt niemant denn gott selber geporn.

 

[Ps. 2, 7] Auch spricht er: hewte, das ist: ynn der ewickeyt; es ist yhe nit muglich, das eyn leypliche gepurt auff eynenn tag geschehe, wie wyr sehen ynn den menschen unnd allen thieren. Aber auff das er diße gepurtt ßonderete, setzt er hewte datzu, das gott seyn ßon auff eynmal gepiert ewiglich und geht tzugleych seyn gepurt und eyn ßon haben, spricht nit: vor eynem iar hab ich dich gepornn, ßondernn: eben itzt, da du meyn ßon bist, hab ich dich gepornn; drumb muß es eyn ubirschwencklich gepurtt seyn ynn der hohen natur, die niemand begreyffen mag.Es stett auch Osee. 11. geschrieben, das gott spricht: [Hos. 11, 1] Auß Aegypten hab ich meynen ßon geruffen, wilchs da lauttet, alß sey es eyn ßon, wie dißer psalm redet, unnd die Juden sagen doch, es sey von dem volck [Matt. 2, 15] Israel gesagt. Aber .S. Mattheus tzeugt es auch auff Christum, aber es sey wie yhm sey, ßo find man keynen spruch, da tzu eyner person sey gesagt [Ps. 2, 7] ßonderlich: du bist meyn ßon, schweyg denn tzu eynem kunig unnd ßo grossem kunige, viel weniger find man, das er sag: Ich selb hab dich gepornn, unnd hewte hab ich dich geporn. Drumb ists starck gnug unnd klerlich bewert auß dißem psalm, das Jhesus sey dißer Christus und gottis warer naturlicher ßon. [WA s. 168]

       Hieneben ist mit ßonderm vleyß tzu mercken, das der Apostell auff die schrifft der massen pocht, das, wo nit ettwas drynnen ist gesagt, das dasselb [Hebr. 1, 5] nit sey tzu hallten; denn wo das nit were, ßo schluß seyn rede nichts, da er sagt: tzu wilchem Engel hatt er yhe mal gesagt &c.. Denn es mochten die Juden sagen: hatt erß nit gesagt ynn der schrifft, ßo mag man es dennoch wol sagen, Es ist nit alliß ynn der schrifft gesetzt. Nu er aber will, das, was die schrifft nit gibt, nicht tzu halltenn sey, sollen wyr auch alßo alle ander lere vorwerffen, unnd das dienet widder des Bapsts unnd Papisten freuel, die da unuorschampt widder dissen Apostel furgeben, man muß mehr dings hallten denn die schrifft habe. Und ßo man sagt: Es sey nit yn der schrifft, drumb solls nit gelten, soll nit schließen, machen damit dißen grund des Apostels matt, viel mehr denn Juden, auff das sie iha yhr Concilia, lerer und hohen schulen eynfuren; da hutt dich fur und sey gewiß, es ist alliß und ubrig ynn der schrifft, was tzu hallten ist. Was aber nit drynnen ist, da solltu [Hebr. 1, 5]  tzu sagenn, wie hie der Apostel: Wenn hatt gott yhe eyn mal das gesagt?

       Und aber:

 

[Hebr. 1, 5] Ich wil seyn vater seyn, und er soll meyn ßon seyn.

Dißen spruch haben sie auch matt gemacht, alß weren sie nur darumb lerer, das sie die schrifft matten sollten, und sagen, das dißer spruch habe [WA s. 169] tzween vorstand, eynmal sey er von Salomon tzuuorstehen, alß eyner figurn Christi, das andermal von Christo. Aber wenn das tzugelassen wirt, das die schrifft nit besteht auff eynem eynfeltigen synn, ßo streyt sie schon nymer; [1. Chron. 22, 10] muegen die Juden drauff bleyben, es sey von Salomon gesagt, wie wyr bekennen, ßo ligt der Apostel aber mit guttem scheyn ym sand unnd schleußt nichts.1 [Ps. 2, 7, Hebr. 1, 5] Drumb ists festiglich tzu hallten, das es alleyn von Christo gesagt ist, unnd eben wie der vorige spruch eynen ßonderlichen ßon beschreybe ubir allen andernn ßonen, das auch nit tzu den Engelln solchs gesagt sey, schweyg den tzu Salomon, wie hie der Apostel sagt, und sey eyn name, der viel anderß und besser sey denn der Engel, alß er auch hie sagt, das es ynn keynen weg muge Salomon tzugelegt werden. Nu es ist unß nit gnug, das wyr dem Apostell glawben, wyr sind schuldig tzu beweyßen, das er schließlich und mit klarem grund das bewere, alß er furgenummen habe. Darumb ist tzu wissen, das dißer spruch [2. Sam. 7, 14, Ps. 89, 27. 28] ist genommen auß 2. Reg. 7. und Ps. 88., wilchs sind prophetische bucher, und an denselben orttern wirt nur von Christo gesagt, nit von Salomon. Aber [1. Chron. 22, 10] .1. Paralip. 22., das eyn historisch buch ist, da wirtt von Salomon alleyn gesagt: Ich will seyn vatter seyn, unnd er soll meyn ßon seyn. Nu ists auch [Ps. 89, 27. 28] bey den Juden bekentlich, das Ps. 88. von dem rechten Christo sagt: Er wirt [WA s. 170] mich nennen: Meyn vater bistu, und ich will yhn den hohisten kuenig machen. Item: Wer mag gleych seyn gotte unter den ßonen gottis? das ist: unter den ßonen gottis ist eyner, der eyn Gott ist, unnd yhm keyn gleycher.

 

[2. Sam. 7, 14, 1. Chron. 22, 10,] Ab aber dißer spruch wol gleychstymmig .2. Reg. 7. und .1. Paralip. 22. geschrieben stett, hatt er doch .2. Reg. 7. solch umbstend, das er von Salomon nit mag vorstanden werden, das er muß tzweymal gesagt seyn tzu Dauid, [2. Sam. 7, 12] Eynmal von Christo, eynmal von Salomon. Zum ersten .2. Reg. 7. spricht Gott tzu Dauid: Wenn deyne tage erfullet werden unnd gestorben bist, will ich deynen samen nach dyr auffwecken, der da wirt geporn werden von deynem [1. Kön. 1, 1 ff.] fleysch &c.. Nu ist Salomon nit nach dem tod Dauid und auch nit nach yhm aufferweckt tzu eynem kuenig, ßondernn da er nach lebt .3. Reg. 1. Dauid vorstund auch wol, das solchs von Christo war gesagt, drumb danckt er gott [2. Sam. 7, 18 ff.] daselbs ßo hertzlich unnd sprach: Lieber herr gott, du hast auch geredet von [1. Chron. 22, 6 ff.] meynem geschlecht ynn lange tzukunfftig tzeyt. Aber .1. Paralip. 22. Dauid nach lebend ordnet Salomon seyn testament 2 und spricht schlechts: Gott hatt [WA s. 171] myr gesagt: Eyn ßon soll dyr geporn werdenn, der wirt frid haben, der soll myr eyn hawß bawen, nit du, der du tzu viel blutts vorgossen hast; von dem [2. Sam. 7, 18 ff.] bluttvorgissen wirtt nichts gedacht .2. Reg. 7., und got spricht daselbs, er wol yhm dem Dauid eyn hawß bawen, und das nochs aller sterckist ist, wilchs [Ps. 89, 27. 28, 2. Sam. 7, 14. 15] Ps. 88. hoch bewigt, 2. Re. 7. vorspricht er seyne gnade on allen tzusatz frey und sagt: Szo seyne kinder werden sundigen, ßo will ich sie heymsuchen mit menschlicher straff, aber meyne barmhertzickeytt will ich nit von yhm [Ps. 132, 11. 12] wenden. Diße tzusagung ist von Salomon nit gesagt, wie Ps. 131 außweyßett, [1. Kön. 2, 4] ßondern mit dem tzusatz: Szo seyne kind werden hallten meyn gepott &c.. Wie [1. Kön. 3, 14,] Dauid auch betzeugt .3. Reg. 2. unnd gott selb tzum Salomon .3. Reg. 3. Drumb [2. Sam. 7, 14, 1. Chron. 22, 10] soll dißer spruch auß .2. Reg. 7. getzogen, nit auß .1. Paralip. 22, nur eygentlich von Christo vorstanden werden, ßo schlußt und bewerd er starck.

 

[Hebr. 1, 6] Und da er abermal eynfuret den erstgepornen ßon ynn die wellt, spricht er: Es sollen yhn anbetten alle gottis Engele.

[Ps. 97, 7] Das ist der dritte spruch der schrifft, auß Ps. 96. getzogen, wilcher klerlich von dem gottis reych saget, dauon auch Christus ym Euangelio ymer predigt, [WA s. 172] ynn wilchem reych Christus regirtt und eyn herr ist, das angefangen hatt nach seyner auffart und volnbracht ist durch das Euangeli predigt; denn er [Ps. 97, 1 –8] sagt klerlich von der predigt unnd lauttet alßo: Gott ist eyn kuenig worden, des frewet sich das erdreich und sind froelich viel insulen. Wolcken und finsterniß sind umb yhn her (das ist, er regirt ym glawben vorporgen), gerechtickeyt und gericht ist bereyttung seyniß stueliß, Fewr geht fur yhm her und tzundet an seyn feynd umb und umb. Seyne blixen haben erleuchtet den erdenkreyß (das sind die wundertzeychen), das erdrich hatts gesehen und ist erbebet. Die berge (die großen hewbter und hoffertigen) sind wie das wachß tzurschmoltzen fur dem angesicht gottis, ia fur dem angesicht des hirrschers ubir das gantz erdrich. Die hymel (die Apostell) haben vorkundigt seyne gerechtickeytt (den glawben), unnd alle volcker haben gesehen seyn ehre (denn das Euangelium ist allenthalben predigt). Es werden sich schemen alle, die da abtgotter anbeten, und die da rhumen yhre bilder. Bettet yhn an alle engell gottis. Zion hatt solchs gehoeret und sich gefrewet &c.. Die erfarung und erfullung legt dißen psalmen auß; denn solch ding ist allis ubir Christo geschehen. Er ist ynn [WA s. 173] alle wellt gepredigt und regirt ym reich gottis, wilchs auch keynem andern [Hebr. 1, 6] kuenig geschehen ist. Darumb macht der Apostell eyn vorred und spricht: Und da er abermal eynfurett ynn die wellt den erstgepornen ßon, alß sollt er [Ps. 97, 1 ff.] sagen: Da der geyst ym psalm redet von dem andernn eyngang ynn die wellt durchs Euangelium; denn tzuuor ist er leyplich ynn die welt eynmal kommen unnd durch seyn kreutziger außgetrieben ym todt. Aber er ist darnach ynn seyner aufferstehung und durchs wortt widder kommen und regirt aller erst recht und wirt nymer sterben noch außgetrieben werden; unnd von dem eyngang redt der psalm: Ich laß auch tzu (spricht er), das gott mehre ßone hatt, aber ditz ist der erste geporne ßon, den er eynfurt und tzum kuenig macht, alßo, das yhn die Engel anbeten, wilchs sie nit thetten noch geheyssen wurden, wo er nit warer got were.

       Wyr leßen wal, das David und andere viel sind angebetet. Aber keyn Engel hatt noch nie yemand angebettet denn alleyn got; drumb schleußt dißer spruch, das der muß got seyn, den die Engel anbeten; denn ßo man das anbetet alleyn, das grosser ist, auch auff erden und nichts grosser ubir die engel ist, denn alleyn got, ßo muß dißer kuenig got seyn, der durch die prediger gehoert und ynn die welt bracht wirt und die engel anbeten.Es ligt auch nichts dran, das der Apostel nit alle wort ßo eben furet auß dem psalm; der [Ps. 97, 7, Hebr. 1, 6] psalm sagt alßo: Betet yhn an alle seyne engel, Aber der Apostel alßo: Es werden yhn anbeten alle gottis Engel. Es ist doch eyn synn, das zukunfftig war, die Engel sollten yhn anbeten. Beten sie yhn aber an, ßo ist er gott, [WA s. 174] ßo synd die engel auch seyn, und er ist doch auch eyn mensch. Es ist auch tzu mercken, das ym hebreischen alßo stett: Bettet yhn an alle Eloim, das ist: alle gotter, unnd werden die Engel alßo genant und alle heyligen, darumb das sie gottis kinder sind.

 

[Hebr. 1, 7] Und czu den Engelln sagt er wol: Er macht seyne Engele geyster unnd seyne diener fewrflammen.

Damit will er, das die Engel nit solch namen haben ynn der schrifft, [Ps. 2, 7] das tzu yhr eynem were gesagt: du bist meyn ßon. Er soll meyn ßon seyn, [Ps. 97, 7] yhn sollen anbeten alle Engele, ßondernn er macht sie nur zu botten, die er [Ps. 104, 4] außsendet ynn die welt, und ist die meynung: Wenn er den Engelln viel befihlet, ßo ists nit, das er yhr eynen tzum solchem herrnn setze, ßondernn macht, das sie seyen wind unnd fewrflammen. Er nennet sie wind odder geyster unnd fewrflammen darumb, das, wenn sie gesand werden, nehmen sie solch form an, fliegen leicht und schwindt wie der wind und leuchten wie der blix und flammen, alß das ynn der schrifft an vielen ortten beweyst wirt. Aber dadurch wirt yhr keyner der wellt herr, wirt auch keyner allenthalben gepredigt, wie dißer kuenig gepredigt wirt eyn herr ubir alle ding, das die Juden auch bekennen mussen. [WA s. 175]

 

 

[Hebr. 1, 8. 9] Aber czu dem ßon sagt er alßo: Deynn stuel, o Gott, besteht ewiglich. Das scepter deynes reychs ist eyn scepter der richtickeyt, Du hast lieb gehabt die gerechtickeyt und gehasset die ungerechtickeyt, darumb hatt dich deyn gott gott gesalbet mit dem oele der frewden fur deynen mitgenossen.

[Ps. 45, 7. 8] Das ist der vierd spruch auß dem .44. psalm, der meynß dunckenß auffs aller klerlichst und sterckist schleust, das Christus gott sey, dawidder on tzweyffel auch die Juden nichts muegen reden; das last unß sehen. Zum ersten ist das von yderman bekantt, das dißer psalm von Christo gesagt sey, ob er schon noch komen sollt, wie die Juden meynen und yrren. Zum andern das [Ps. 45, 7] erste stuck, da er sagt: Deyn stuel, o gott, bestehet ewiglich, muß gesagt seyn von dem rechten waren gott, der do eyn kuenigstuel und das regiment habe; denn obwol das worttlin gott wirt auch den heyligen tzugeben, wie droben [Ps. 82, 6] auß dem p̄s 81. gehoeret ist, Szo ist doch das regiment und der stuel niemands eygen, denn des eynigen, waren, rechten, naturlichen gottis. Ist das nit klar und gewiß? Wolan, ßo haben wyr den gott, der den stuel hatt und regirt [Ps. 45, 8] ewiglich. Nu folgt von demselben gott alßo: Du hast lieb gehatt die gerechtickeyt, drumb hatt dich deyn got gott gesalbet fur deynen mitgenossen. Was will hie werden? der gott, der den ewigen stuel hatt und ewiglich regirt, der wirt gesalbtt von seynem gott fur allen seynen mitgenossen. Es muß yhe [WA s. 176] der rechte gott seyn, der do salbet, ßo ist der auch eyn rechter gott, der gesalbet wirt, darumb, das er den stuel hatt und ewig regirt. Nu mag gott sich selb nit salben, ßondern der da gesalbet wirt, ist unter seynem salber. Denn salben heyst hie: den heyligen geyst mit seynen gnaden eyngissen, wie offentlich ist, wilchs nur der creaturn eygent.

       Sihe, ßo ists hie unwiddersprechlich, das dißer kuenig muß warer got [Ps. 45, 7.8] seyn, durch das erst stuck des spruchs, und doch warer mensch, durch das letzte stuck; denn nach der menscheyt hatt er mitgenossen, So er eyn hewbt ist aller glewbigen, die seyneß geystis teylhafftig werden, wilchen er ubirreychlich fur allen hatt. Aber nach der gottheyt hatt er keyn mitgenossen; denn es ist nur eyn gott und doch nit eyne person; denn dißer spruch tzwingt auff tzwo person, die eyn, die do regirt, die ander, die dieselbigen salbet, wilch doch nach der gottheytt nitt mag gesalbet werden. Drumb ists beschlossen, das ditz der ßon gottis sey, dem solcher nam wirt geben, das er gott sey und hab eyn ewigen stuel. Wilches ist das kuenigreych, das angangen ist nach Christus Auffart, unnd doch er mitgenossen hatt, gesalbet wirt unnd die gerechtickeyt lieb hatt, damit er die salbe vordienet, wilchs alliß eynem waren menschen tzustehet.

 

[Hebr. 1, 8] Die rutte odder scepter seyniß kuenigreychs ist das Euangelium, wilchs ist eyn scepter der richtickeyt, das es richtig und starcke fur sich gehet; das [WA s. 177] ist widder der menschen lere gesagt, wilche viel krumen und werrung haben, bringen dennoch nymmer tzur selickeyt. Das wyr alhie aber lernen sollen nichts annehmen ynn der Christenheyt, den alleyn diß scepter seyniß reychs. [Hebr. 1, 9] Er wilß mit keynem andernn regirt haben seyn reych, denn mit dißer richtigen ruten des Euangelij. Ich hab auch mussen von nodt wegen ym andernn stuck dißes spruchs das wortlin Gott tzwey mal setzen: deyn gott gott, drumb das wyr nitt mehr denn eyn wortt haben, das gott heysset, aber die hebreisch tzung hatt yhr viel, und hie stehn die tzwey: Elohim, Elohe; dißer spruch sind [1. Mose 19, 24] viel mehr ym alten testament, die ßo heymlich daher schleychen und doch ßo unuberwindlich schließen, alß Gen. 19.: Gott, der regent ubir Sodoma und [Sach. 3, 2] Gomorr fewr und schweffel von gott; was ists gott von gott, denn das tzwo person hie antzeygt werden, der vater und ßon?! Item Zach. 3: Gott sprach [Ps. 68, 19] tzu dem Satan: Gott, der straff dich Satan. Sihe, da redet auch eyn gott von dem andernn. Und Ps. 67, da er lang und viel von gott gesagt hatt, spricht er: Du bist auffgestigen ynn die hohe, hast gefangen das gefengniß. [Ps. 68, 29, Ps. 68, 34] Wilchs auffsteygen doch nur dem menschen Christo eygend. Item dasselbs: Deyn gott hatt befolhen deyner krafft &c.. Abermal: Gott befilht gottis krefften, und der viel mehr.

[WA s. 178]

 

[Hebr. 1, 10 –12] Und du gott hast ym anbegynn die erden grundet, unnd die hymel sind werck deyner hende, Sie werden vorgehn, du wirst aber bleyben unnd wie eyn kleyd werden sie alle vorallten, und wie eyn kleytt wirstu sie wandellnn, und sie werden sich wandellnn lassen, du bist aber derselbe, unnd deyne iar werden keyn ende haben.

       Wie dißer spruch klerlich tzu dißer sachen diene, scheynet noch nit; denn wie er daligt, mag er leichtlich deutet werden auff gott alß eyne person, drumb muß man den gantzen psalmen ansehen, der sagt auch von dem tzukunfftigen [Ps. 45, 7] reych gottis, wilchs die schrifft Christo tzu regirn gibt, alß ym nehsten [Ps. 102, 13 –17] spruch gehoret ist und viel mehren. Szo sagt dißer Ps. 101. von dißem reych alßo: O Gott, du wirst ewiglich sitzen, unnd deyn gedechtniß von eynem geschlecht ynß ander. Du wirst auffstehen und dich erbarmen ubir Zion; denn es ist tzeyt yhr gnad ertzeygen, unnd die stund ist kummen; denn deyne knecht (die Apostellnn) haben angenehm gemacht yhr steyne, und yhrem puluer werden sie gnad bringen (durchs Euangelium, ditz ist yhe von Christo gesagt, des knecht die Apostell sind unnd haben die steyn Zion, die außerweleten, tzur gnade [WA s. 179] bracht durch yhr predigt, denn solch knecht hat nie keyn kuenig gehabt). Und die heyden werden furchten deynen namen, unnd die kuenige der erden deyne ehre; denn gott hatt Zion gebawet unnd wirt gesehen werden ynn seyner [Ps. 102, 26] ehre &c.. Folgt tzuletzt dißer spruch: Unnd du, gott, hast ym anbegynn die erden grundet. Darauß schleußt er, das dißer kuenig, des knechte die steyn Zion [Ps. 102, 15. 16. 26] begnadet haben, und der ynn alle wellt gepredigt ist, das yhn die heyden und alle kuenig der erden furchten, sey der gott, der die erden erschaffen hatt unnd bleyb ewiglich bestendig ynn yhm selber. Nu ist yhe keyn kuenig alßo predigt ynn alle heydenschafft alß Christus; drumb folget, das er war gott unnd mensch sey. Was mehr hiebey tzusagen ist, befelh ich hohern geysten, ich kan nit mehr. .

       Alßo haben wyr, das diß gantz Epistell eytel harnisch ist und erstreyttet den artickel des glawbens, das Christus got sey und eyn herr aller dinge auch nach der menscheyt. Unnd sehen das wunder, wie hell die schrifft an yhr selbs ist, und der geprech an unß ist, das wyrß nit sehen, das wol Lucas [WA s. 180] [Luk. 24, 45] sagt Luce vlt., Christus hab denn iungernn das vorstentniß auffthan, das sie die schrifft vorstunden. Nit hatt er die schrifft auffthan, ßondernn das vorstentniß, denn die schrifft ist offen, unßer augen sind nit gar offen.

 

 

 

 

 

[Joh. 1, 1 –14] Das Euangelium ynn der hohe Christmesß auß S. Johanne am ersten Capitel.

 

1522[WA s. 180]

JN dem anfang war das wortt, und das wort war bey gott, unnd Gott war das wortt, das war ym anfang bey gott. Alle ding sind durch yhn gemacht, unnd on yhn ist nichts gemacht, das gemacht ist. In yhm war das leben, und das leben war eyn liecht der menschen, und das liecht scheynett ynn die finsterniß, und die finsterniß haben es nit begriffen.

       Es ist geweßen eyn mensch gesand von Gott, der hieß Johannes, derselb ist kummen tzu eynem getzeugniß, auff das er tzeugniß gebe von dem liecht, auff das sie durch yhn alle gleubten. Er war nit das liecht, ßondernn das er getzeugniß gebe von dem liecht. Es war eynn wares liecht, das da erleuchtet eynen iglichen menschen, der do kompt ynn diße wellt. Er ist ynn der wellt geweßen, und die wellt ist durch yhn gemacht, unnd die wellt hatt yhn nit erkennet. Er ist komen tzu seynen eygen, und seyn eygen haben yhn [WA s. 181] nit auffgenommen. Aber ßo viel yhn haben auffgenommen, den hatt er macht geben, tzu werden gottis kinder, die do glewben ynn seynen namen, die da nit auß dem geblueete, auch nit auß dem willen des fleyschs, auch nit auß dem willen eyniß manniß, ßondern die auß gott geporen sind. Vnd das wortt ist fleysch worden unnd hatt unter unß gewonet, unnd wyr haben gesehen seyne ehre, eyn ehre, alß des eyngepornen ßon vom vater, voller gnaden und warheytt.

       Ditz ist das hohist Euangelium unter allen, doch nitt, alß ettlich meynen, finster odder schwere: denn alhie der hohe artickel von der gottheyt Christi auffs aller klerist gegrundt ist, das billich alle Christen wissen sollen und auch wol vorstehen muegen, dem glawben ist nichts tzu hoch, drumb wollen wyrß, ßo viel wyr muegen, auffs deutlichst handelln unnd  nit wie die schullerer mit yhren ertichten subtiliteten fur dem gemeynen man vorpergen oder nemand abeschrecken. Es darff nit viel spitziger scharffer trachtung, ßondernn nur eynfelltige schlecht auffmerckung auff die wortt.

       Zum ersten ist tzu wissen, das alliß, was die Aposteln geleret unnd geschrieben haben, das haben sie auß dem alten testament getzogen; denn ynn demselben ists alliß vorkundigt, was ynn Christo tzukunfftig geschehen sollt [Röm. 1, 2] und gepredigt werden, wie S. Paulus Ro. 1. sagt: Gott hatt das Euangelium von seynem ßon Christo vorsprochen durch die propheten ynn der heyligen schrifft; drumb grunden sie auch alle yhre predigt ynn das alte testament, und ist keyn wortt ym newen testament, das nit hynder sich sehe ynn das allte, [Hebr.1, 5 –12] darynnen es tzuuor vorkundigt ist. Alßo haben wyr ynn der Epistel gesehen, wie die gottheytt Christi ist durch den Apostel bewehret auß den spruchen des allten testaments; denn das new testament ist nit mehr denn eyn offinbarung des allten, gleych alß wenn yemant tzum ersten eyn beschlossen brieff hette [WA s. 182] und darnach auffbrech. Alßo ist das alte testament eyn testamentbrieff Christi, wilchen er nach seynem tod hatt auffgethan unnd lassen durchs Euangelium leßen [Off. 5, 1 ff.] und ubiralle vorkundigen, wie das Apocali. 5. betzeychnet ist durch das lamp gottis, wilchs alleyn auffthett das buch mit den sieben sigillen, das sonst niemant kundt auffthun noch ynn hymel noch auff erden noch unter der erden.

       Das nu ditz Euangelium auch klerer und liechter werde, mussen wyr hynder unß ynß alte testament lauffen, an die ortt, da ditz Euangelium sich auff grundet. Und das ist Moses am ersten capitel und anfang seyniß buchs [1. Mose 1, 1 –3] Genesis, daselbist leßen wyr alßo: Inn dem anfang schuff gott hymel und erden, und die erde war ledig und ungestallt, und finsterniß war auff der tieffe, und der geyst gottis schwebte auff dem wasser. Da sprach gott: Es werde eyn liecht, und ist wordenn eyn liecht &c.. Alßo forttan ertzelet Moses, [1. Mose 1, 6. 14] wie alle creatur geschaffen sind dermassen wie das liecht, Nemlich durch das sprechen odder wortt gottis. Alß gott sprach: es werd eyn hymell. Gott sprach: es werde Sonn, Mon und stern &c.. Auß dem text Mosi folget und schleußt sich klerlich, das gott eyn wortt habe, durch wilchs er sprach, ehe denn alle creatur geweßen sind, und dasselb wort mag unnd kan keyn creatur geseyn, sintemal alle creatur durch dasselbe gottlich wortt sprechen erschaffen sind, wie der text Mosi klerlich und geweltiglich tzwingt, da er sagt: Got [1. Mose 1, 3] sprach: es werde eyn liecht, und ist worden eyn liecht, da muß yhe das wort tzuuor dem liecht seyn, dieweyl das liecht wirt durch das wort, alßo auch fur allen andernn creaturn, die auch durchs wort werden, wie Moses schreybt.

[WA s. 183]

 

[Joh. 1, 3] Nu last unß weytter faren. Ist das wort fur allen creaturn gewest und alle creatur durch dasselb worden und geschaffen, ßo muß es eyn ander weßen seyn denn creatur unnd ist nit worden odder geschaffen alß die creatur, ßo muß es ewig seyn und keyn anfang haben; denn da alle ding anfiengen, da was es schon tzuuor da und lest sich nit ynn der tzeyt noch creatur begreyffen, ßondernn schwebt ubir tzeyt und creatur, ia tzeyt und creatur werden und fahen dadurch an. Szo ist das unwiddersprechlich: was nit tzeyttlich ist, das muß ewig seyn, unnd was keyn anfang hatt, muß nit tzeytlich seyn, und was nit creatur ist, muß gott seyn; denn außer gott und creatur ist nichts odder [1. Mose 1, 3] keyn weßen. Czo haben wyr auß dißem text Mosi, das das wort gottis, das ym anfang war und dadurch die creaturn worden und gesprochen sind, muß eyn ewiger gott und nit eyn creatur seyn.

       Weytter: Es mag das wortt unnd der es spricht nit eyn person seyn; denn es leydet sich nit, das der sprecher selb das wort sey. Was were das fur eyn sprecher, der das wortt selb were? Er must eyn stum seyn, odder das wort must on den sprecher von sich selb lautten und sich selb sprechen. Nu steht hie die schrifft starck und klar mit außgedruckten wortten: Gott sprach, [1. Mose 1,] das gott unnd seyn wort tzweyerley seyn mussen; wenn er hett alßo geschrieben: Es war eyn spruch, oder: es ist eyn spruch geweßen, ßo were es nit ßo klerlich, das tzweyerley da weren, das wortt und der sprecher. Aber nu er außdruckt: Gott sprach, unnd den sprecher unnd seyn wort nennet, tzwingt er gewalltiglich, das tzweyerley da sind und der sprecher nit sey das wort, auch das  wortt nit sey der sprecher, ßondernn das wort kome von dem sprecher und habe seyne weßen nit von yhm selbs, ßondern von dem sprecher, der sprecher aber kompt nit, hatt auch seyn weßen nit von dem wortt, ßondernn von yhm selbs; ßo schleußt Moses, das hie tzwo personen sind ynn der gottheyt von ewickeyt fur allen creaturn und eyn von der andernn das weßen hatt, und die erst von niemant denn von yhr selbs.

[WA s. 184]

 

       Widderumb weret und steht fest die schrifft, das nit mehr denn eyn [1. Mose 1, 1] gott sey, wie Moses anfeht unnd spricht: Im anfang schuff Gott hymel und [5. Mose 6, 4] erden, unnd Deut. 6: Hoere Israel, deyn gott ist nur eyn got. Sihe, alßo feret die schrifft mit eynfelltigen begreyfflichen worten daher und leret solch hoch ding ßo klerlich, das yderman wol vornehmen kan, ßo geweltiglich, das niemand widderfechten kan. Wer kan hie auß dissen wortten Mosi nit begreyffen, wie ynn der gottheytt mussen tzwo personen seyn unnd doch nur eyn gottheyt? er wollt denn die helle schrifft leugnen. Widderumb, wer ist ßo scharffsynnig, der hie widerreden mag? Er muß das wort lassen ettwas anderß seyn denn gott, seynen sprecher, und muß doch bekennen, es sey tzuuor [Joh. 1, 3] allen creaturn geweßen und die creatur dadurch gemacht; ßo muß erß gewißlich lassen auch Gott seyn, denn außer der creaturn ist nichts denn got. So muß er auch bekennen, das nur eyn gott sey. Und alßo tzwingt und schleußt dieße schrifft, das dieße tzwo personen seyen eyn volkomlicher gott, und eyn igliche ist der ware, eynige, volkomener, naturlicher gott, der alle ding geschaffen hatt, und das der sprecher seyn weßen nit von dem wort, ßondernn das wortt von dem sprecher seyn weßen habe, doch alliß ewiglich und ynn ewickeyt außer allen creaturn.

       Es haben alhie die ketzer Arriani dießem hellen spruch eyn nebel machen wollen und eyn loch durch den hymel boren, da sie nit fur yhm uber kundten komen und sprachen, das ditz wortt gottis were wol auch eyn gott, aber nit naturlich, ßondern geschaffenlich, und alle ding weren durch dasselb gemacht, aber es were auch tzuuor gemacht und darnach durch yß die andern alle, [WA s. 185] wilchs sie on alle grund der schrifft auß yhrem eygen traum redten, darumb das sie die eynfelltigen wortt der schrifft faren ließen und folgeten yhren eygen gedancken. Drumb hab ich gesagt: wer do will gewiß faren unnd bestehen, der acht nur nit viel subtieler, spitziger wort odder tichten, bleyb ynn den eynfelltigen, gewelltigen, klaren wortten der schrifft, ßo wirt er behallten. Auch wie .S. Johannes denselben ketzernn tzuuorkummen und begegnet hatt ynn solcher außflucht und ertichtniß, werden wyr sehen. Alßo haben wyr nu [1. Mose 1, 3] hie ynn Mose die recht guldene fundgrube, darauß genommen ist alß, was von der gottheytt Christi ym newen testament geschrieben ist. Hie sihestu, woher S. Johannes Euangelium fleußt, und wo seyn grund ligt, und ist hierauß nu leychtlich tzuuorstehen.

 

[Ps. 33, 6] Sihe, daher fleußt der spruch Ps. 33: Die hymel sind gemacht durch [Spr. 8, 22 ff.] das wortt gottis. Und Salomon prover. 8, da er sagt die weyßheytt gottis, beschreybt, wie sie geweßen sey fur allen dingen bey gott mit vielen schonen wortten, hatt es alliß auß dißem capitel Mosi genommen, und alle propheten haben ynn dißer fundgruben fast geerbeyt und yhren schatz eraußgraben. Aber von dem heyligen geyst sind nu ander spruch, auch ynn demselben Mose. [1. Mose 1, 2] Nemlich da er sagt: der geyst gottis schwebt ubir denn wassernn, da muß der geyst gottis auch ettwas anderß seyn denn der yhn blessit und doch tzuuor [1. Mose 1, 22. 25] allen creaturn. Item, da er sagt, Gott hab gebenedyett die creaturn, hab sie [WA s. 186] angesehen und wolgefallen drynnen gehabt. Wilch benedeyung und guttigs ansehen den heyligen geyst antzeygt, daher yhm die schrifft das leben unnd die gutte tzueygent. Aber diße spruch sind noch nit ßo wol geerbeyttet, alß die den ßon antzeygen, drumb gleyssen sie noch nit ßo hell. Es ligt das ertz noch halb ynn der gruben, darumb das es leichtlich ist tzu glewben, wenn die vornunfft ßo fernn gefangen ist, das sie tzwo person glewbt. Wer aber tzeyt hett und die spruch vom heyligen geyst ym newen testament sollt hallten gegen dißen text Mosi, der wurd groß liecht, lust und freud findenn.

       Nu mussen wyr das hertz und vorstentniß weytt auffthun, das wyr solch wort nit achten wie eyniß menschen geringe vorgencklich wortt, ßondernn alß groß der ist, der do spricht, ßo groß mussen wyr auch seyn wort achten. Es ist eyn wortt, das er ynn sich selb spricht unnd ynn yhm bleybt, nymer [Joh. 1, 1 ff.] von yhm gesundert wirt. Drumb nach des Apostols gedancken mussen wyr alßo dencken, wie gott mit yhm selb tzu sich selb rede unnd eyn wort von sich selb laß ynn yhm selb, aber dasselb wortt sey nit eyn lediger wind odder schall, ßondernn bring mit sich das gantz weßen gotlicher natur, und wie droben ynn der Epistel vom scheyn unnd bild gesagt ist, das die gottliche natur alßo gepildet wirt, das sie ynß bilde gantz mit folget unnd sie das bild selbs wirt und ist, unnd die klarheytt auch alßo den scheyn außlessit, das sie ynn den scheyn weßenlich geht. Dermassen alhie auch gott seyn wortt alßo von sich spricht, das seyn gantz gottheyt dem wort folget unnd [WA s. 187] naturlich ym wort bleybt und weßenlich ist. Sihe, da sehen wyr, woher der Apostel seyne rede hatt, das er Christum nennet eyn bild gottlichs weßens unnd eyn scheyn gottlicher ehren, Nemlich auß dißem text Mosi, der do leret, [1. Mose 1, 3] das gott von sich spricht eyn wortt, wilchs mag nit anderß seyn denn eyn bild, das yhn tzeychent. Sintemal eyn iglich wort ist eyn tzeychen, das ettwas bedeutte. Aber hie ist das bedewt wirt naturlich ym tzeychen odder ym wort, wilchs ynn andernn tzeychen nit ist; drumb nennet er es recht eyn weßenlich bild odder tzeychenn seyner natur.

       Es weyßet auch wol ettwas hievon das menschlich wort; denn ynn demselben erkennet man des menschen hertz, alß man spricht gemeyniglich: Ich hab seyn hertz odder seyn meynung, ßo er doch nur seyn wort hatt, darumb das dem wortt des hertzen meynung folgt unnd durchs wortt erkennet wirtt, alß were es ynn dem wort, daher die erfarung auch die heyden geleret hatt, das sie sprechen: Qualis quisque est, talia loquitur. Was eyner fur man ist, darnach redet er auch. Item: Oratio est character animi, die rede ist eyn ebenbild odder controfeytt bild des hertzen. Ist das hertz reyn, ßo redet es reyn wort. Ist es unreyn, so redet es unreyne wort. Und [Matth. 12, 34] damit stympt das Euangelium, da Christus sagt: Auß ubirfluß des hertzen redet der mund. Unnd aber: Wie muegt yhr guttis reden, ßo yhr boße seyd?! [WA s. 188] [Joh. 3, 31] Auch S. Johannes der teuffer Joh. 3: Wer von der erden ist, der redet von der erdenn. Item das deutsch sprichwort: Weß das hertz voll ist, des geht der mund ubir. Alßo gar bekennet alle wellt, das keyn bild des hertzen ßo eben gleych unnd gewiß ist, alß die rede des mundß. Bey dem gesang kennet man den fogel, denn er singet, wie yhm seyn schnabel gewachsen ist, gleych alß were das hertz weßenlich ym wortt. Alßo ists ynn gott auch, da ist seyn wortt yhm ßo ebengleych, das die gottheyt gantz drynnen ist, unnd wer das wortt hatt, der hatt die gantze gottheyt. Aber es feylet hie diß gleychniß auch; denn das menschlich wort bringt nit weßenlich oder die natur des hertzen mit sich, ßondernn nur bedeutlich, odder alß eyn tzeychen, wie das holtz-odder golltbild nit mit sich bringt das menschlich weßen, das es bedeuttet. Aber hie ynn gott bringt das wortt nit alleyn das tzeychen und bild, ßondernn auch das gantz weßen mit sich und ist ebenßo voller gott, alß der, des bild oder wort er ist. Wenn des menschen wortt eyttel hertz weren odder hertzen meynung, odder des hertzen meynung weren wortt, ßo were es eyn volle gleychniß; aber das mag nit seyn, drumb ist ditz wort gottis ubir alle wort on gleychen ynn allen creaturn.

       Sie haben wol scharff disputirt von dem ynnwendigen wortt des hertzen ym menschen, wilchs da ynnen bleybt, daher der mensch nach gottis bilde geschaffen ist.Aber es ist ßo tieff unnd finster bißher blieben, wirt auch wol bleyben, das sie selb nit wissen, wie es drumb gethan sey; drumb lassen wyrß auch faren und komen nu auff das Euangelium, wilchs nu von yhm selb klar und offen ist.

[WA s. 189]

 

 

[Joh. 1, 1] Im anfang war das wort.

[1. Mose 1, 1] Was meynet er fur eyn anfang, denn da Moses von sagt: Im anfang schuff gott hymel unnd erden? Das ist der anfang, da die creatur yhr weßen angefangen haben, ßonst ist keyn anfang tzuuor geweßen; denn gott hatt nit angefangen tzu seyn, ßondernn er ist ewig. Szo folgt, das das wortt auch ewig ist, dieweyl es nit angefangen hatt ym anfang, ßondernn es war schon [Joh. 1, 1] ym anfang, sagt hie Johannes. Es fieng nit an, ßondernn  da alle ding anfiengen, da war es schon, und seyn weßen gieng nit an, ßondern es war dabey, da aller dinger weßen angieng. Wie fursichtig redt der Euangelist, [Joh. 1, 1] das er nit sagt: ym anfang wardt das wortt, ßondern: er wahr da und wardt nit. Es hatt eyn andernn ursprung seyneß weßenß, denn werden odder anfahen. Datzu spricht er: ym anfang; were er fur der wellt gemacht, alß die Arriani wolten, ßo were er mit ym anfang geweßen, ßondernn er were [Joh. 1, 1] das anfahen selbs geweßen. Nu aber steht Johannes fest und klar: Im anfang war das wort, und er ist nit das anfahen gewest. Woher hatt S. Johannes solche wort? Auß Mose, wie gsagt ist Gen̄ 1: Got sprach: [1 Mose 1, 3, Joh. 1, 1] ‘es werd eyn liecht.’ Auß dem text folgt greyfflich dißer text: Im anfang war das wort; denn hatt gott gesprochen, ßo must eyn wort da seyn. Szo erß denn ym anfang sprach, alß die creatur anhuben, ßo war es yhe schon ym anfang und hatt nit angefangen nit den creaturn.

       Warumb sagt er aber nit alßo: fur dem anfang war das wort, das [Eph. 1, 4 u. ö.] were klerer geweßen, alß sichs lest ansehen? wie S. Paulus offt sagt: fur der wellt beschaffunge &c..? Anttwort: darumb, das es gleych viel ist, ym anfang und fur dem anfang seyn, eynß folgt doch auß dem andernn auch. Szo wollt [WA s. 190] S. Johannes alß eyn Euangelist mit der schrifft Mosi stymmen und dieselben auffthun, seynen grund tzeygen, wilchs nit ßo eben were geschehen, ßo er hett [1. Mose 1, 3] fur dem anfang gesagt; denn Moses sagt nichts von dem, das fur dem anfang ist, ßondernn beschreybt das wortt ynn dem anfang, das er deste baß die schepffung durchs wort geschehen beschreyben kund. Auß derselben ursach nennet [Joh. 1, 1] er yhn auch eyn wortt, ßo er doch woll eyn liecht, leben, oder anderß hett muegen nennen, wie er hernach thut; denn Moses schreybt von eynem wortt. Nu ist nit anfahen und ym anfang seyn eben ßo viel alß fur dem anfang seyn. Solt es aber ym anfang und nit fur dem anfang seyn geweßen, ßo must es fur dem anfang angefangen haben tzu seyn, ßo were der anfang fur dem anfang geweßen, das were widdernander unnd alßo viel, alß das der [Joh. 1, 1] anfang nit der anfang were; drumb ists meysterlich gesagt: ym anfang war das wortt, damit angetzeygt, das es nit angefangen unnd alßo von nodten fur dem anfang ewig geweßen sey.

 

[Joh. 1, 1] Und das wort war bey gott.

[1. Mose 1, 3] Wo sollt es sonst seyn? Es war yhe außer gott nichts; das sagt auch Moses, da er schreybt: Gott sprach: es werd eyn liecht; sollt er sprechen, ßo must das wort yhe bey yhm seyn. Aber er scheydet hie die person klerlich, das eyn ander person sey das wortt, denn der gott, dabey es war. Es leydet dißer spruch Johannis nit, das gott alleyn geweßen sey, dieweyl er sagt, bey gott sey ettwas gewest, Nemlich seyn wort; wenn nur eyn eyniges da were [Joh. 1, 1] geweßen, was durfft er sagen: Bey gott war das wortt, ettwas bey yhm seyn ist nit alleyn odder selber seyn. Und ist wol drauff tzu mercken, das der Euangelist hart dringet auff das worttlin: bey; denn er wirts noch eynmal [WA s. 191] sagen, das er yhe klar außdrucke die personlich unterscheyd, tzu begegnen der naturlichen vornunfft und tzukunfftigen ketzernn; denn dieweyl naturlich vornunfft baß begreyfft, das nur eyn gott sey, und viel spruch der schrifft das bekrefftigen, alß denn auch war ist, ßo strebt sie gar hart dawidder, das mehr denn eyne person sollten derselb gott seyn. Unnd daher ist komen Sabellius der ketzer, der da sagt, Vater, ßon, heyliger geyst were eyn person.Widderumb Arrius, ob er wol tzugab, das bey got das wort were, wollt er doch nit, das es warer gott were. Jhener bekennet und leret altzu eyn große eynfelltickeyt ynn gott, dißer leret altzu eyn große vielfelltickeyt. Jhener mischet die personen ynn eynander, dißer scheydet die natur von eynander. Aber die warheyt Christlichs glawbens geht mitten hyndurch, leret und bekennet unuormisschte person und untzurteylete natur. Eyn ander person ist der vatter denn der ßon, aber er ist nit eyn anderer gott. Ob das naturlich vornunfft nit begreyfft, das ist recht, der glawb solls alleyn begreyffen, naturlich vornunfft macht ketzerey und yrthumb, glawb leret unnd hellt die warheytt; denn er hafftet an der schrifft, die treugt noch leugt nit.

 

[Joh. 1, 1] Und gott war das wort.

Die weyl nit mehr denn eyn gott ist, ßo muß war seyn, das got selb sey diß wort, das ym anfang geweßen ist vor allen  creaturn. Es sind ettlich [Joh. 1, 1] geweßen, die dißen spruch alßo keren wollten und außlegen: Unnd das wortt [WA s. 192] war gott, haben ursach gehabt yhre eygen subtilitaten. Aber wyr lassen unß nit von dem text treyben, alß hett Johannes nitt gewist, wie er seyne wort setzen sollt. Er meynet das: Sintemal keyn ander gott ist denn nur der eynige, ßo ist derselbige got gantz weßenlich dasselb wortt, dauon er redet, unnd ist nichts ynn gottlicher natur, das ynn dem wort nit sey, das yhe klar außgedruckt werd, wie warhafftig diß wort gott sey, das nit alleyn war ist: das wort ist gott, ßondernn auch: gott ist das wortt. Dißer spruch, ßo hartt er dringet widder den Arrium, der do leret, das wortt were nit gott, ßo hartt scheynet er stercken den Sabellium; denn er lauttet, alß vormische er die person ynn eynander unnd damit widderruffe odder vorklere den vorigen spruch, [Joh. 1, 1] da er die person ynnen scheydet unnd sprach: das wort war bey gott. Aber der Euangelist hatt seyne wortt alßo wollt setzen, das er alle ketzer nydderlegt; drumb stoßt er hie den Arrius tzu podenn und gibt dem wort die ware naturliche gottheytt ynn dem, das er sagt: Und gott war das wort, alß solt [Joh. 1, 1] er sagen: Ich sprech nit: das wort ist gott, wilche rede mocht vorstanden werden, alß wurde die gottheyt nur von yhm gesagt und wereß nit weßenlich, [Joh. 1, 1] wie du, Arrius, sagist, ßondernn ßo sag ich: Und gott war das wortt, das mag nit anderß vorstanden werden denn alßo: dasihenige, das yderman got heysset und acht, dasselb ist diß wort. Widderumb, das hie der Sabellius und vornunfft nit meyne, ich halts mit yhm und menge die person ynn eynander und widderruff, was ich dauon gesagt habe, ßo sag ichs noch eynmal und sprech:

[WA s. 193]

 

[Joh. 1, 2] Das war ym anfang bey got.

[Joh. 1, 2.1] Bey gott, bey gott war es, unnd doch war gott das wort. Sie, ßo fichtet der Euangelist auff beyde seytten, das beydes war sey, Gott sey das wort, und das wort sey bey gott, eyn natur gotlichs weßens, und doch nit eyne person alleyn, unnd eyn igliche person vollig unnd gantzer gott ym anfang und ewiglich; das sind die spruch, darynnen unßer glawb gegrundett ist, daran wyr unß auch hallten mussen; denn es ist yhe ubirauß tzu hoch der vornunfft, das drey person seyn sollen und eyn igliche sey volkomlich und der gantz eynige gott, und seyen doch nit drey gotter, ßondernn eyn gott; unßer schullerer habenß mit grossen subtiliteten hyn und her trieben, das sie es iah begriffig machten. Aber wiltu dem boeßen feynd nit ynß netze fallen, ßo laß yhr klugelln, dunckelln und subtiliteten faren und hallt dich an diße gotliche wort, da kreuch eyn und bleyb drynnen wie eyn haß ynn seyner steynritzen; spatzirstu erauß unnd gibst dich auff yhr menschen geschwetz, ßo soll dich der feynd furen unnd tzuletzt stortzen, das du nit wissest, wo vornunfft, glawb, gott unnd du selbst bleybst. Glawb myr alß dem, der solchs erfarn und vorsucht hat und nit auß eynem topffen redt, die schrifft ist unß nit umbsonst geben; hett die vornunfft mocht recht faren, die schrifft were unß nit nodt geweßen, laß dich Arrium und Sabellium erschrecken, wilche, ßo sie ynn der schrifft blieben weren und hetten der vornunfft spatziern lassen, weren nit solchs grossen schadens anheber worden. Und unßer schullerer weren auch wol Christen, wenn sie yhr alfentzen ließen mit yhren subtiliteten und blieben ynn der schrifft.

[WA s. 194]

 

[Joh. 1, 3] Alle ding sind durch yhn gemacht.

Ist das nit klar gnug gesagt? wer wil sich wundernn, ob itzt die eygensynnigen sich nit lassen yhrs yrthumbs bereden, wie klar und grob man yhn die warheytt sage. So die Arrianer dißem hellen, klaren spruch entgehen kunden und sprechen: Alle ding weren durchs wort gemacht, abber er were tzuuor gemacht und darnach alle ding durch yhnen, ßo doch hie stracks steht: [Joh. 1, 3] Alle ding sind durch yhn gemacht, on tzweyffell, das er nit gemacht sey, auch nit von der tzall der gemachten dinge; denn wer alleß nennet, schleußt nichts [Hebr. 2, 8, Ps. 8, 7] auß, wie auch S. Paulus Heb. 2. den spruch Ps. 8. außlegt: Alle ding hastu yhm unter die fuß worffen; ynn dem (sagt er) das er alle ding yhm unterworffen hatt, hatt er nichts lassen, das er yhm nit unterworffen habe. Und [1. Kor. 15, 27] .1. Cor. 15: Er hat yhm alliß unterworffen, on tzweyffel außgenommen den, [Joh. 1, 3] der yhm allis unterworffen hatt. Alßo muß auch hie vorstanden werden: alle ding sind durch  yhn gemacht, on tzweyffel außgenommen den, durch wilchen alle ding gemacht seyn, und on yhn nichts sey, das nit gemacht sey. [1. Mose 1, 3. 6. 7 &c..] Dißen spruch tzeugt er auch auß Mose Gen. 1., da er alle creatur ertzelet, die gott gemacht hatt, unnd spricht alle mal: Gott sprach unnd ist geschehen, damit er tzeygt, sie seyen alle durch das wort gemacht. Noch druckt S. Johannes das weyter auß und vorkleret sich selb, und spricht:

 

[Joh. 1, 3] Und on yhn ist nichts gemacht, das gemacht ist.

Ist nichts on yhn gemacht, viel weniger ist er selb gemacht, on wilchen nichts gemacht ist, auff das Arrius yrthum yhe nichts muege auffbringen, [WA s. 195] wiewol es nichts geholffen hatt; es darff yhe keyner gloßen, das diß wort sey gott und der recht schepffer aller creaturn, ßo on yhn nichts gemacht ist, was doch yhe gemacht ist. Es ist bey ettlichen eyn tzweyffel ubir dißem text [Joh. 1, 3.4] der ordnung halben, und das stuck (das gemacht ist) setzen ettlich tzu dem nachfolgend text, auff die weyße: Das da gemacht ist, war ynn yhm das leben. Der meynung ist S. Augustinus.Die andernn und mich dunckt, es gehoere tzu dem vorigen text, wie ich yhn gesetzt habe alßo;: Unnd on yhn ist nichts gemacht, das gemacht ist, alß sollt er sagen: der dinger, die gemacht sind, ist keynß on yhn gemacht, damit er yhe klar außdruckt, das alle ding durch yhn gemacht sind, unnd er nit gemacht, alßo stracks und fest erhallte, das er warer gott sey, wiewol nit von yhm selb, ßondernn von dem vater; drumb heyst erß durch yhn gemacht und von dem vater gemacht.

 

[Joh. 1, 4] Inn yhm war das leben.

Dißen spruch tzihen sie gemeyniglich ynn das hohe speculirn unnd schweren vorstand von dem tzweyerley weßen der creatur, da die platonischen philosophi von beruemet sind, Nemlich, das alle creatur haben yhr weßen eynmal ynn [WA s. 196] yhr eygen natur und artt, wie sie geschaffen sind; Zum andern ynn der gotlichen vorsehung von ewigkeyt, darynnen er alle ding tzu schaffen bey sich selb beschlossen hatt. Unnd alßo wie er lebet, ßo sind alle ding ynn yhm auch lebend, und dasselb weßen der creatur ynn gott, sprechen sie, ist edler denn das weßen ynn yhr eygen artt und natur; denn ynn got lebet auch das ynn yhm selbs nit lebett, alß steyn, erden, wasser &c.. Unnd alßo spricht S. Augustin, das diß wort sey eyn bild aller creaturn unnd gleych eyn schatzkamer voller solcher bild, die sie Ideas nennen, nach wilchen die creatur gemacht ist, eyn [Joh. 1, 4] iglich nach yhrem bild, unnd dauon soll hie Johannes gesagt haben: Inn yhm war das leben, und knupffen den text an den vorigen alßo: Was do gemacht ist, das war leben ynn yhm, das ist: alliß, was yhe geschaffen ist, ehe es geschaffen ist, hatt es tzuuor ynn yhm gelebt.

       Aber wiewol ich diß nit vorwirff, dunckt mich doch, es sey tzu weytt gesucht und eyn ertzwungen vorstand an dißem ort; denn Johannes redet gar eynfelltig unnd schlecht, denckt unß nit ynn solche spitzige und subtile betrachtung tzu furen. Myr ist auch nit kund noch tzur tzeyt, ob die gantz schrifft yrgent auff solche weyße von den creaturn rede; sie sagt wol, das alle ding tzuuor erkantt, erwellt und fur gott eben bereyt sind und leben, alß were es schon [Luk. 20, 38] geschehen, wie Christus Luce 20. von Abraham, Isaac und Jacob sagt: Gott ist nit eyn gott der todten, ßondern der lebendigen, denn sie leben yhm alle, aber nit find man dermassen geschrieben: Inn yhm leben alle ding. Auch dißer spruch redett ettwas mehr denn von dem leben der creatur ynn yhm, wilchs fur der wellt geweßen ist, ßondernn auff aller eynfelltigst meynet er, [WA s. 197] er sey der brun und ursprung des lebens, das alliß, was da lebt, von yhm und durch yhn und ynn yhm lebe, und außer yhm sey keyn leben, wie er selb [Joh. 14, 6, Joh. 11, 25] sagt Joh. 14: Ich bynn der weg, die warheyt und das leben. Item Johan. 11: Ich bynn die aufferstehung und das leben, daher yhn Johannes ynn seyner Epistel .1. Johan. 1. nennet das wort des lebens, unnd ßonderlich redet er von dem leben, das die menschen auß yhm haben, das ist, das ewige leben, umb wilchs lebens willen er das Euangelium tzu schreyben angefangen hat; das beweyßet auch der gantze text; denn von wilchem leben er rede, vorkleret er [Joh. 1, 4] selbs und spricht: das leben war eyn liecht der menschen, darynn er on tzweyffell tzeygt, wie er rede von dem  leben unnd liecht, das Christus [Joh. 1, 7] den menschen gibt durch sich selb. Darumb furtt er auch Johannem den teuffer eyn alß eyn getzeugen solchs liechts. Nu ists yhe offinbar, wie der teuffer Johannes habe gepredigt von Christo nit nach der hohen speculation, da sie von reden, ßondern eynfelltiglich und schlecht, wie Christus eyn liecht unnd leben sey allen menschen tzur selickeyt.

       Darumb ist tzu wissen, das Johannes seyn Euangelium geschrieben hatt, wie die historien sagen, auß der ursach, das der ketzer Cherinthus tzu seyner tzeyt auffstund und leret, Christus were nit geweßen fur seyner mutter Maria, macht alßo eynen lautter menschen odder creatur auß yhm. Demselben ketzer tzu begegnen hebt er seyn Euangelium ßo hoch an und furet es auch alßo hyndurch, das er schir ynn allen buchstaben Christus gottheyt predigt, wilchs keyner der andernn Euangelisten thutt. Auch ßo mit grossem vleyß, das er [Joh. 2, 4[!]] Christum eynfurtt Johan 3. ßo frembd sich gegen seyn mutter stellend und hartt mit yhr redend, alß were sie nit seyn mutter: Weyb, was haben ich [WA s. 198] und du mit eynander? sprach er tzu yhr; was das nit eyn frembd, hart wort [Joh. 19, 26] von eynem ßon tzur Mutter? Alßo auch am kreutz: Weyb, sihe, das ist deyn ßon. Wilchs alleß darumb geschehen, das er Christum auß und auß beweyße eyn waren gott widder den Cherinthum, und setzt doch die wort alßo, das er nit alleyn Cherintho, ßondern Arrio, Sabellio und allen ketzernn begegnet. Wyr leßen auch, das derselbig heylig Johannes eynmal den Cherinthum ym bad sach und sprach tzu seynen iungernn: last unß schnel hynauß fliehen, das wyr nit mit dem menschen vorderben. Und da er eraußkommen ist, sey das badhawß eyngefallenn und hab den feynd der warheyt vortilget; darumb scherfft unnd richtet er alle seyne wort widder den yrthumb des Cherinthi [Joh. 1, 1] und spricht, Christus sey nit alleyn tzuuor seyner mutter geweßen, ia, er sey [1. Mose 1, 3] yhm anfang geweßen das wort, dauon Moses ym ersten anfang schreybett, und alle ding durch yhn gemacht, und er bey gott, unnd gott sey das wortt geweßen, unnd sey ym anfang bey gott geweßen, schlegt mit eytell donnerschlegen auff den Cherinthum.

       Szo achten wyr nu, die meynung des Euangelisten ynn dissem spruch [Joh. 1, 1 –3] sey eynfelltigs schlechts vorstands diße: Wer do Christum nit erkennet noch glewbt eynen waren gott, wie ich yhn bißher beschrieben hab, das er sey geweßenn das wort ym anfang bey gott und alle ding durch yhn gemacht, ßondernn will yhn nur eyn creatur hallten, die mit der tzeyt angefangen unnd nach seyner Mutter aller erst worden, wie der Cherinthus leret, der ist [Joh. 1, 4] vorlorn ewiglich und mag das leben nit habenn; denn es ist keyn leben außer dißem wort und ßon gottis, ynn ym alleyn ist das leben, der mensch Christus, ßo er ledig und on gott were, were er keyn nutz, wie er auch selb sagt [WA s. 199] [Joh. 6. 63.55] Johannis 6: das fleysch ist keyn nutz, Aber meyn fleysch ist eyn ware speyß, unnd meyn bluett ist eyn warer tranck. Warumb ist fleysch keyn nutze, unnd doch. Meyn fleysch ist die eynige ware speyß? Darumb, das ich nit eyn leer fleysch noch eyn lauter mensch,, ßondernn gottis ßon byn. Alßo ist meyn fleysch eyn speyße, nit darumb das es fleysch ist, ßondernn das es meyn fleysch ist; das ist ßo viel gesagt: Wer das glewbt, das ich, der ich eyn mensch byn, fleysch und bluet hab alß eyn ander mensch, auch gotts ßon und gott sey, der neeret sich recht an myr und wirt leben. Wer aber mich nur eynen menschen glewbt, dem ist das fleysch keyn nutz; denn es ist nit meyn fleysch oder gottis [Joh. 8, 24.36] fleysch. Alßo sagt er auch Johan. 8: Wo yhr nit glewbt, das ichs bynn, ßo muest yhr sterben ynn ewrnn sunden. Item: Wenn euch der ßon frey macht, [Joh. 1, 4, 14] ßo werdet yhr recht frey seyn; das wil dißer spruch auch: Inn yhm war das lebenn, das wort gottis ym anfang, und gott selb muß unßer leben, speyß, liecht und selickeyt seyn; darumb ists nit der menscheyt Christi tzutzuschreyben, das sie unß lebendig mach, ßondernn ynn dem wort ist das leben, wilchs ynn dem fleysch wonet und durchs fleysch unß lebend macht.

       Sihe, dißer vorstand ist eynfelltig und besserlich, wie S. Paulus die lere des Euangelij pflegt tzu nennen doctrinam pietatis, eyn lere, die den menschen gnadreych machet. Aber der ander vorstandt, den auch die heyden haben, das alle creatur ynn got leben, macht woll subtile schwetzer, ist auch finster und schwere, leret aber nichts von der gnade, macht auch keyn gnadreiche menschen, darumb die schrifft sich seyn alß eynß  furwitzigen [Joh. 14, 6] eußerett. Wie man nu Christus wort außlegt, da er sagt: Ich bynn das leben, alßo soll man ditz auch außlegen, gar nichts von dem leben der creaturn ynn gott auff philosophisch, ßondernn widderumb wie gott ynn unß lebe und seyniß lebens unß teylhafftig mache, das wyr durch yhn, von yhm, und ynn yhm leben; denn das ist auch nit tzu leugnen, das durch yhn auch das naturlich [WA s. 200] leben besteht, das auch die unglewbigen von yhm haben, alß Paulus sagt [Apg. 17, 28] Act. 17: Wyr leben ynn und schweben ynn yhm und weßen ynn yhm und sind seyner artt. Ja, das naturlich leben ist eyn stuck vom ewigen leben und eyn anfang, aber es nympt durch den todt seyn end, darumb, das es nit erkennet und ehret den, von dem es herkompt, dieselb sund schneydet es ab, das es muß sterben ewiglich. Widderumb die da glewben und erkennen den, von dem sie leben, sterben nymmermehr, ßondernn das naturlich leben wirt gestreckt ynß ewige leben, das es den todt nymmermehr schmeckt, wie [Joh. 8, 52] er sagt Joh. 8: Wer meyn wort hellt, der wirt den todt nymmer schmecken, und [Joh. 11, 25] Joh. 11: Wer ynn mich glewbt, ob er schon stirbt, ßo wirt er leben. Diß und dergleychen wirt wol vorstanden, ßo man Christum recht erkennet, wie er den todt ertodtet und das leben widderbracht hatt.

 

[Joh. 1, 4] Das aber der Euangelist sagt: ynn yhm war das leben unnd nit: ynn yhm ist das leben, alß rede er von vorgangenem dinge, muß man nit tzihen [Joh. 1, 2] auff die tzeyt fur der wellt odder des anfangs, — denn er spricht hie nit: ym anfang war das leben ynn yhm, wie er hartt tzuuor sagt von dem wort, das was ym anfang bey gott — ßondernn man soll es tzihen auff die tzeyt des lebens oder wandels Christi auff erden, da das wort gottis sich gegen den menschen und unter den menschen ertzeygt hatt; denn der Euangelist gedenckt von Christo und seynem leben tzu schreyben, ynn wilchem er hatt alliß außgericht, was unß tzu dem leben nodt ist, unnd ist eben geredt auff die weyß, wie er sagt von dem [Joh. 1, 6. 8] Teuffer S. Johannes: Es war eyn mensch gesandt von gott. Item: Er war nit [Joh. 1, 14. 11] das liecht &c.. Item, wie hernach von dem wort: und das wort ist worden fleysch und hatt ynn unß gewonet. Item: Er ist kummen ynn die wellt. Item: [WA s. 201] er ist kommen tzu seyn eygen, und sie haben yhn nit auffgenommen, und der gleychen. Auff die weyße sagt Christus auch von Johanne dem teuffer Johan. 5: [Joh. 5, 35] Der war eyn brinnend und leuchtend liecht. Alßo auch hie: ynn yhm war [Joh. 1, 4; 9, 5] das leben, wie er auch Johan. 9. selb sagt: Ich bynn das liecht der wellt, ßolang ich ynn der wellt bynn; das nur die wortt des Euangelisten eynfelltiglich von dem vorgangenem wandel Christi vorstanden werden; denn, wie ich am ersten sagt, ditz Euangelium ist nit ßo schwer alß man es acht, sie habenß schweer gemacht mit yhrem hohen tieffen unnd gewaltigem suchen. Er hatts allen Christen, wie eynfelltig sie sind, geschrieben und seyn wort gantz vorstendtlich gesetzt; denn wer do Christus leben und wandel ließe faren und wollt yhn itzt auff eyn eygen weyße suchen, wie er ym hymel sitzt, der wurd abermal feylen. Er muß yhn suchen, wie er geweßen und gewandellt hatt auff erdenn, da wirt er das leben finden, da ist er unß tzum leben, liecht und selickeyt kommen, da ist alliß geschehen, das wyr gleuben sollen von yhm, das es gar [Joh. 1, 4] auß der massen eygentlich gesagt ist: Inn yhm war das leben, nit das er nu nicht sey unßer leben, ßondernn das er nu nit thu, das er datzumal thett. Das aber diß die meynung sey, mag man darauß nehmen, das er sagt, [Joh. 1, 7] S. Johannes der teuffer sey komen, das er getzeugniß gebe von dißem liecht und leben, auff das sie alle ynn yhn durch seyn getzeugniß glewbten. Nu ists yhe offinbar gnug, das Johannes sey nit komen denn alleyn von Christo getzeugniß tzu geben, unnd ist eyn vorlauffer geweßen Christi und hatt doch gar nichts gesagt von dem leben der creatur ynn gott nach ihener meynung, [Joh. 1, 4] ßondern alliß gesagt unnd prediget von dem wandel Christi auff erdenn, darynnen er worden ist das leben und liecht der menschen. Folgt weytter:

[WA s. 202]

 

[Joh. 1, 4] Und das leben war das liecht der menschen.

Gleych wie sie das leben tzogen haben auß dem wege der Euangelissche meynung, ßo haben sie dem liecht auch than, und tichten scharff unnd hohe, wie das wortt gottis nach der gottheytt sey eyn liecht, das da naturlich leuchte und alletzeyt  leuchtet habe ynn die vornunfft der menschen, auch der heyden; daher haben sie das liecht der vornunfft bekrefftigt und gegrund ynn diße schrifft, das sind alliß noch menschlich, platonissche und philosophissche dancken, die unß auß Christo ynn uns fueren, ßo doch der Euangelist unß will auß uns ynn Christum furen; denn er will das gottliche, almechtige, ewige wortt gottis nicht handelln noch von yhm reden, denn alß ynn dem fleysch und blut, das auff erden gangen ist. Er will unß nit tzurstrawen ynn die creatur, die durch yhn geschaffen synd, das wyr yhm da nachlauffen, suchen und speculirn sollen, wie die platonici thun, Szondern er will unß auß denselben weyttleufftigen, spatzierfluchtigen gedancken samlen ynn Christum, alß sollt er sagen: was leuffistu auß und suchist ßo fernn? Sihe da, ynn Christo, dem [Joh. 1, 1 –4. 7] menschen, ists alliß, Er hatts alliß gemacht, ynn yhm ist das leben, er ist das wortt, dadurch alle ding gemacht sind, bleyb ynn yhm, ßo findstu es alliß. Er ist leben und liecht aller menschen, wer dyr yhn wil anderswo weyßen, der vorfuret dich; denn er hatt sich selb ynn dißem fleysch unnd blutt dargeben, will sich darynnen finden lassen unnd gesucht werdenn, folge dem getzeugniß Johanis des Teuffers, der tzeygt dyr auch keyn ander leben noch liecht denn dißen menschen, der gott selb ist. Drumb muß ditz liecht vorstanden werden das ware liecht der gnaden ynn Christo, und nit das naturliche liecht, [WA s. 203] wilchs auch sunder, Juden, heyden und teuffel, die ergisten feynd des liechts, habenn.

       Hie soll myr aber niemand auffheben, das ich anderß denn S. Augustinus hie hallte, der von solchem naturlichen liechte dißen text vorstanden hatt.Ich vorwirff denselben vorstand nit, weyß fast wol, das aller vornunfft liecht antzundet wirt von dem gottlichen liecht, unnd wie ich vom naturlichen leben gesagt, das es eyn stuck und anfang sey des waren lebens, wo es tzu rechter erkentniß kompt, alßo auch der vornunfft liecht ist auch eyn stuck des waren liechts und anfang, wo es erkennet unnd ehret den, von dem es antzundet ist. Nu thut es dasselb von yhm selb nit, ßondernn bleybt ynn yhm selb und wirt vorkeret, vorkeret auch mit yhm alle ding; darumb wirt es vorleschen unnd untergehen, denn der gnaden liecht vortilgt das naturlich liecht nit, alß das drey und tzwey machen funff, ist gantz helle ym liecht der natur, und das guttis tzu thun boeßes tzu meyden sey, ist auch helle, unnd der gnaden liecht lesschit dasselb nit auß. Aber dahyn mag das naturlich liecht nit reychen, das es mocht sagen, wilchs gutt und boeße ding sey, und geschicht yhm eben alß dem, der da sollte gen Rom gehen und gienge hynder sich; denn derselb wißte wol, das man sollte die rechte straß gehen, wer gen Rom wolte, er wißte aber nit, wilche dieselb rechte straß were. Alßo thut das naturlich liecht auch, geht kein rechte straß zu got, es weyß und kennet sie auch nit, [WA s. 204] wiewol es gnugsam weyß, man sollt die rechte straß gehen; drumb nympt die vornunfft alltzeyt das boeße fur das gutte, und nehm es nymmer fur das gutte, wenn sie nit helleß sehens wißte, das alleyn das gutte antzunehmen were. Doch ist solch vorstand untzeytig an dißem ortt des Euangelij, da nur der gnaden liecht predigt wirt, und S. August. ist eyn mensch geweßen, seyn vorstand tzwingt nitt, das man yhm folgen musse, dieweyl hie klerlich der [Joh. 1, 7] text gibt, das von dem liechte der Euangelist sage, das Johannes der Teuffer betzeugt habe, wilchs yhe das liecht der gnaden Christus selbs ist.

       Unnd dieweyl es der rawm gibt, wollen wyr dasselb falsch naturlich liecht, das alle iamer und ungluck anricht, baß antzeygen. Es ist mit dem naturlichen liecht wie mit allen andernn gelieden und krefften des menschen; wer tzweyffellt daran, das der mensch sey durch das ewige wort gottis geschaffen ynn alle seynen krefften wie alle andere ding? und ist gottis creatur. Aber [1. Mose 6, 5] dennoch ist keyn guttis ynn yhm, das ist (wie Moses sagt Gen. 6.): alle seyn gedancken unnd synn mit allen krefften sind nur zu dem boeßen geneygt. Darumb wie warlich das fleysch ein creatur gottis ist, so ists doch nit tzur keuscheit, ßondern tzur unkeuscheyt geneygt. Wie warlich das hertz gottis creatur ist, ßo ists doch nit tzur demutt, tzur liebe des nehisten, ßondern tzu dem hohmut und seyn eygen liebe geneygt, und thut auch nach solcher neygung, wa yhm nit mit gewallt wirt geweeret. Alßo auch das naturlich liecht, wie wol es weßenlich ßo hell ist, das es weyß, es soll nur guttis gethan werden, ßo ists doch ßo vorkeret, das es nymmer recht trifft, was do gutt ist, ßondernn [WA s. 205] was yhm gefellt, das heyst es gutt und fellt denn drauff, schleußt freuelich, seyn erwelltiß gutt sey tzu thun, ßo feret es eynhynn und folgt ymer dem boeßen fur das gutt.

       Das wollen wyr auch mit exempelln beweyßen. Die vornunfft weyß wol, das man frum seyn soll und gott dienen, da kan sie viel von schwetzen und meynet alle wellt tzu meysternn. Wolan, das ist war unnd wol geredt, aber wenß nu tzum treffen geht, unnd sie soll antzeygen, wie unnd warynn man soll frum werden odder gott dienen, da kan sie gar nichts, da ist sie stockblind und hebt an und spricht: man soll fasten, beten, singen und die werck der gesetz thun, unnd narret alßo fortan mit den wercken, biß das sie ßo tieff kompt, das sie meynett, man diene gott mit kirchen bawen, glocken leutten, reuchernn, plerren, singen, kappen tragen, platten haben, kertzle brennen und des untzehlichen narrnwercks, des itzt alle wellt voll unnd uber voll ist; ynn solchem grossen, blinden yrthum feret sie eynher und bleybt doch ymer das helle liecht: Man soll frum seyn unnd gott dienen. Wenn nu das gnadenliecht kompt Christus, der leret auch: man soll frum seyn unnd gott dienen, lesscht dasselb naturlich liecht nit auß, ßondernn fichtet widder die weyße unnd maße, die die vornunfft geleret hatt frum tzu werden und gott dienen, und spricht: frum werden sey nit die werck thun, ßondernn ynn gott tzuuor on alle werck glewben, unnd alßdenn werck thun, und on glawben sey keyn werck gutt.

       Do hebet sich denn der streytt, da wueted die vornunfft widder die gnade und schreyett ubir der gnaden liecht, gibt yhm schult, es vorpiete gutte werck, und will nit leyden, das furworffen werde yhr weyße und maß frum tzu werden, tobett ymer anhynn, man soll frum seyn und gott dienen, und [WA s. 206] muß alßo das gnadenliecht yhr narr seyn, ia yrthum und ketzerey seyn, muß vorvolgt unnd voriagt seyn. Sihe, das ist die tugent des naturlichen liechts, das es nur tobett widder das ware liecht unnd rumet alltzeytt frum seyn, frum seyn, schreyett ymmer: gutte werck, gutte werck, will aber unnd mag nit leyden, das man sie lere, was frum seyn unnd gutte werck sey, ßondernn was sie dunckt und furgibt, das soll gutt und recht seyn. Sihe, da hastu kurtzlich denn grund und ursach aller abgotterey, aller ketzerey, aller gleyßnerey, alles yrthumbs, unnd waruber alle propheten schreyen und getodtet sind, unnd wawidder die gantze schrifft handellt. Es ist alleß tzu thun umb den halßstracken, eygensynnigen dunckel und meynung der naturlichen vornunfft, die sich darauff vorleßt unnd sich auffblessit, das sie weyß, man soll frum seyn und gott dienen, daruber will sie keynen meyster mehr hoeren noch leyden, meynet, sie wisse nu gnug, wolle nu wol selb finden, was und wie man frum seyn soll und gott dienen, das kan denn unnd soll auch nit von yhr leyden die gottliche warheytt; denn es ist der grossist, yrthumb und widder gottis ehre, da geht denn der hadder und das kreutz an.

       Sihe, ßo ists, meyn ich, klar, das Johannes hie nit rede von dem falschen liecht, auch nit von dem hellen naturliecht, das da recht tichtet, man soll frum seyn; denn dasselb ist schon da, und Christus ist nit kummen dasselb tzu bringen. Szondern den falschen, eygensynnigen dunckel tzu blenden und dempffen und seyner gnaden liecht, den glawben, an seyne stat setzen. [Joh. 1, 4] Und das geben auch die wort an yhm selbs, da er spricht: Das leben war eyn liecht der menschen. Ist es eyn liecht der menschen, ßo muß es eyn ander liecht seyn, denn das ym menschen ist. Sintemal der mensch von natur schon [WA s. 207] das naturlich liecht hat ynn yhm, und wer eynen menschen erleuchtet, der erleuchtet das naturlich liecht ynn dem menschen und bringt eyn ander liecht ubir das liecht, das ynn dem menschen ist. Er spricht yhe nit, das es eyn liecht sey der unuornunfftigen thier, ßondernn der menschen, die vornunfftig thier sind; denn es ist nit eyn mensch, ynn wilchem das naturlich liecht der vornunfft nit ist, dauon er auch alleyn eyn mensch heyst und eynß menschen werd ist. Denn wo er wollt diß liecht vorstanden haben von dem naturlichen liecht der vornunfft, Sollt er gesagt haben: das leben war eyn liecht der [1. Mose 1, 2] finsterniß, wie Moses Geñ. 1. schreybt, es sey eyn finsterniß geweßen auff den wassernn; drumb muß ditz liecht vorstanden werden, das da ynn Christo auff erden der wellt offinbart ist.

       Nu sihe die ordnung der wortt: er setzt tzum ersten das leben, darnach das liecht, spricht nit, das liecht sey das leben der menschen geweßen, ßondernn [Joh, 1, 4] widderumb: das leben war das liecht der menschen, darumb das in Christo grund und warheyt  ist, und nit wie ynn den menschen nur der scheyn. [Luk. 24, 19] Denn gleych wie Lucas von Christus eußerlichem weßen sagt Luce vlt: Er war [Apg. 1, 1] eyn man, mechtig ynn wercken und wortten. Item Act. 1: Jhesus fieng an tzu thun und leren, das die werck tzuuor gehen der lere, ßonst ists gleyßenerey, [Joh. 5, 35] wo wort on werck sind, und wie er Johan. 5. von Johanne dem Teuffer sagt, das er brennet und leuchet — denn leuchten und nit tzuuor brennen ist trieglich — alßo hie auch, das Christus werd erkennet eyn wahr unbetrieglich liecht, [ Joh. 1, 4] spricht er tzuuor, es sey alliß ynn leben geweßen, und dasselb leben sey darnach eyn liecht der menschen. Darauß folgt nu, das der mensch keyn liecht habe denn Christum, gottis ßon, ynn der menscheyt. Unnd wer da glewbt, das [WA s. 208] Christus warer gott sey unnd das leben ynn yhm sey, der wirt von dißem liecht erleuchtet, ia auch lebendig, das liecht erhellt yhn, das er bleybt, wo Christus bleybt; denn wie die gottheyt ist eyn ewigs leben, ßo ist dasselb leben auch eyn ewigs liecht, und wie dasselb leben nit mag sterben, alßo mag daselb liecht auch nit vorleschen, ßo muß der glawb ynn solchs liecht auch nit vorterben.

       Es ist auch ßonderlich wartzunehmen, das er das leben Christo alß [Joh. 1, 4] dem ewigen wortt gibt und nit alß dem menschen, da er spricht: Inn yhm (vornym: dem wort) war das leben; denn ob er wol gestorben ist alß eyn mensch, ist er doch alltzeyt lebendig blieben, denn das leben mocht und mag nit sterben; darumb ist der tod auch ynn demselben leben erstickt und ubirwundenn, ßo gar, das auch die menscheytt must ßo bald widder lebend werden, [Joh. 11, 25] und dasselb leben ist eyn liecht der menschen; denn wer eyn solch leben ynn Christo erkennet unnd glewbt, der geht auch durch den todt und stirbt nymermehr, wie droben gesagt ist, denn solchs lebens liecht erhelt yhn, das der tod yhn nit rurtt, ob wol der leyb sterben unnd vorweßen muß ßo fuelet doch die seel denselben todt nit, darumb das sie ynn dißem liecht ist und durch das liecht ynn dem leben Christi gantz begriffenn. Wer aber das nit glewbt, der bleybt ym finsterniß und todt, und ob schon seyn leyp an yhm bliebe, alß er denn am Jungsten tag wirt bleyben ewiglich, ßo schmeckt und fuelet doch die seel den todt und stirbt alßo ewiglich. Sihe, hirauß erkennen wyr, was fur eyn schaden sey, den Cherinthus wollt und alle, die Christum nur eynen menschen und nit waren gott glewben unnd leren; denn die menscheytt were keyn nutz, wenn die gottheyt nit drynnen were, doch widderumb will unnd mag gott nit fundenn werden denn durch und ynnn dißer menscheyt, [WA s. 209] [Jes. 11, 10] wilche er hatt (alß Isaias .11. sagt) tzu eynem gewissen tzeychen auffgeworffen und damit tzu sich vorsamlet alle seyne kinder auß der wellt. Sihe, das glewbstu nu, das ynn Christo sey eyn solch leben, das auch yhm todt blieben ist und den todt vbirwunden hatt, ßo leuchtet dyr das liecht recht, unnd bleybt dyr auch ynn deynem tod eyn liecht und leben. So muß folgen, das eyn solch leben und liecht muege keyn creatur seyn; denn keyn creatur mag den todt widder ynn yhr selb noch ynn eynem andernn ubirwindenn.

       Sihe, dißer vorstandt von dem liecht wie gar gleych er tzugehet und besserlich ist tzur selickeyt, und wie gar fernn die dauon sind, die eyn naturlich liecht der vornunfft drauß machen; denn das bessert niemant, ia furett nur weytt von Christo ynn die creatur und ynn die falsche vornunfft; hyneyn ynn Christum mußen wyr faren und nit sehen ynn die liechter, die auß yhm kummen, ßondernn ynn seyn liecht, darauß die liechter kommen, nit mussen wyr den fliessen des brunnen folgen von dem brunnen, ßondernn tzu dem brunnen alleyn trachten. Folget:

 

[Joh. 1, 5] Und das liecht leuchtet ynn die finsterniß, und die finsterniß haben es nit egriffenn.

       Dißen spruch haben sie auch auff die hohen dancken tzogen und alßo vorstanden, das die vornunfft hatt eyn naturlich liecht, wie droben gesagt, und dasselb wirt von gott antzundet und sie erkennet, begreyfft noch empfindet doch nit den oder das liecht, von wilchem sie antzundet ist; drumb ist sie ym finsterniß und sihet das liecht nit, dauon sie doch alle yhr liecht unnd sehen hatt.O das dißer vorstandt auß meynem hertzen gerodtet were, wie ist er [WA s. 210] myr ßo tieff eyngesessen!; nit das er falsch oder unrecht sey, ßondern das er auff dißem ortt des Euangelij uneben  und untzeyttig ist, und die seligen, trostliche wort myr nit lessit eynfelltig unnd lautter bleyben auff yhrem rechten vorstandt. Warumb reden sie doch nur von der vornunfft alleyn auff die weyße, das sie von gottlichem liecht antzundet sey? Warumb sagen sie nit auch von dem naturlichen leben alßo? Ist doch das naturlich leben eben ßo wol von dem gottlichen leben lebendig gemacht alß das vornunfftig liecht von dem gotlichen liecht erleuchtet ist. Szo sollten sie auch billich sagen: das leben macht lebendig die todten, und die todten begreyffens nit, wie sie sagen: das liecht leuchtet der finster vornunfft, und die vornunfft begreyfft es nicht. Item, ßo mocht ich auch sagen: der ewige wille macht willen den unwillen, unnd der unwille begreyfft yhn nit. Unnd alßo forttan von allen andernn naturlichen gaben und krefften; wie kompt alleyn die vornunfft und yhr liecht ynn solche speculation? Die Platonici haben S. Augustinum tzum ersten ynn diße meynung ubir dißem text mit yhrem unnutzen und unuorstendigen geschwetz bracht, wiewol es ßo hubsch gleysset, das sie die gottischen philosophi drob geheyssen sindt; darnach hatt Aug. unß alle mit yhm dreyn tzogen.

       Was kan yhr geschwetz mehr geben denn alßo viel, das die vornunfft werde erleucht von got, der ein unbegreyfflich liecht ist? yhe alßo auch das leben wirt geben von gott, der eyn unbegreyfflich leben ist, und alle unßer krafft wirt krefftig von gott, der eyn unbegreyfflich krafft ist. Unnd ßo nahe er ist der vornunfft liecht mit seynem unbegreyfflichen liecht, ßo nahe ist er dem leben mit seynem unbegreyfflichen leben, und der krefft mit seyner [WA s. 211] [Apg. 17, 28] unbegreyfflichen krefft, wie Paulus sagt Act. 17: ynn yhm seyn wyr, schweben wyr und leben wyr, und wie Hieremias .23: Hymel und erden erfulle ich, wie sollt ich denn eyn got seyn, der fernn unnd nit nahe were? Szo haben wyr [Hebr. 1, 3] droben ynn der Epistel gehoerett, er trage alle ding durchs wortt seyner krafft, darumb ist er nitt alleyn dem liecht der vornunfftt nahe und leucht dreyn, ßondernn allen creaturn, und fleußt, geust und leucht und wirckt dreynn unnd fullet alle ding. Derhalben ists nit tzu glewben, das S. Johannes von dißen sachen hie rede, er nympt nur die menschen fur sich und redet, was fur eyn liecht sie ynn Christo außer der natur und ubir die natur haben.

       Auch ist das eyn blind, ungeschickte rede, wenn sie schon von dem naturlichen liecht sagen, das die finsterniß das liecht nit begreyffen. Was were das anderß gesagt denn die vornunfft wirtt erleuchtet und antzundet von dem gottlichen liecht und bleybt doch finster unnd emfehet keyn liecht? Wo kompt denn yhr naturlich liecht her? Es muß yhe nit finsterniß da seyn, ßo das liecht wirtt antzundet, ob schon finsterniß auß geprechen des gnadenliechts da ist. Aber von dem gnadenliecht reden sie nitt, ßo mussen sie auch von demselben finsterniß nit reden; drumb strebts widdernander, das eyn liecht sollt die finsterniß erleuchten; unnd die finsterniß sollts nit begreyffen odder finster bleyben, gleych alß widdernander streyttett, das eyn leben sollt dem todten geben werden, unnd der todt sollt das leben nit begreyffen nach gewar werdenn und todt bleyben. Das man aber sagen wollt, man begreyffe den nit, der das liecht und leben gibt, ßo hoere ich wol, wilcher Engel begreyfft denselben? wilch heylige begreyfft den, der yhm die gnade gibt? Er bleybt wol vorporgen und unbegriffen. Aber das heyst nit, wie hie der Euangelist [Joh. 1, 5] sagt, das liecht nit begriffen werden von der finsterniß, ßondern, alß die [WA s. 212] wortt lautten, ist das die meynung: das liecht leucht ynn die finsterniß, aber die finsterniß bleyben finster und werden nit erleucht dauon, lassen yhn leuchten und sehen doch nit, gleych wie die ßonne scheynet den blinden, und sie werdenß doch nit gewar. Sihe, wz wort muß ich vorschutten, das ich dißen frembden vorstand außhebe.

       Darumb last unß bleyben auff dem eynfelltigen vorstand, den die wort ungetzwungen geben: Alle, die da erleuchtet werden mit naturlicher vornunfft, die begreyffen das liecht und werden erleuchtet, eyn iglicher nach seyner massz. Aber ditz liecht der gnaden, das den menschen ubir das naturlich liecht geben [Joh. 1, 5] ist, leuchtet ynn die finsterniß, das ist, unter die blinden und gnadloßen menschen der wellt, aber sie nehmenß nit an, ia, sie vorfolgenß datzu; auff [Joh. 3, 19] die meynung sagt er Johannis .3: Das vordampt die wellt, das eyn liecht ist komen ynn die wellt, und die menschen liebten die finsterniß mehr denn das liecht. Sihe, alßo war Christus, ehe er von Johanne dem teuffer vorkundigt [Joh. 1, 10] ward, unter den leutten auff erden, aber niemand achtet seyn. Er war  yhe das leben und das liecht der menschen. Er lebet und leuchtet auch, aber es war eyttell finsterniß da, und dieselb finsterniß empfunden seyn nit. Es war eyttell welt, blind, finster volck. Hetten sie yhn erkennet, wer er were, [1. Kor. 2, 8] sie hetten yhm seyn ehre geben, wie Paulus sagt .1. Cor. 2: Hetten sie die weyßheytt gottis erkennet, sie hetten den kuenig der ehren nit gekreutzigt. Dermassen ist auch Christus tzuuor seyner gepurt von anbegynn und biß anß end ymer eyn leben und liecht gewest, und leucht alltzeytt ynn allen creaturn ynn der heyligen schrifft durch seyne heyligen menschen, propheten und prediger, [WA s. 213] [Joh. 1, 5] mit wercken und wortten, hatt noch nie auffgehoeret tzu leuchten, aber es ist alliß finster, da er hyn leucht, und die finsterniß begreyffen yhn nit. Alßo mocht S. Johannes diße wortt auch woll auff seynen Cherinthum gericht haben, das er die helle schrifft unnd warheytt sahe, die yhm leucht, dennoch begreyff sie seyn groß finsterniß nit. Alßo gehts alltzeyt, auch itzt, ob man den blinden lerern die schrifft tzeygt, das sie es greyffen muegen, dennoch [Joh. 1, 5] begreyffen sie es nit, und bleybt war, das das liecht leucht ynn die finsterniß, und die finsterniß begreyfft seyn nit.

 

[Joh. 1, 5] Unnd ist mercklich wartzunemen, das der Euangelist hie spricht: das liecht leucht (phaenei) das ist: es ist offinbar odder kegenwertig fur augen ynn der finsterniß, aber wer nit mehr dauon hat, der bleybt finster; gleych wie die sonne scheynet dem blinden, aber er sihet drumb nichts deste mehr, alßo ist die art dißes liechts, das es scheynet ynn finsternissen, aber finsterniß wirt nichts deste liechter dauon. Aber ynn den glewbigen scheynet es nit alleyn, ßondern es macht sie durchleuchtig und sehen und lebt ynn yhnen, das es [Joh. 1, 4] wol mag heyssen: das leben ist eyn liecht der menschen, widderumb: das liecht on leben ist eyn scheyn der finsternisse; darumb hilfft keyn scheynen bey den unglewbigen, wie hell man yhn die warheytt tzeygt unnd furhellt, ßo bleyden sie doch finster. Szo wollen wyr nu alle diße vorigen spruche des Euangelisten vorstehen alß gemeyne eygenschafft und titell Christi, das er damit alß ynn eyner vorrhede und eyngang seyniß Euangeli wolle ynn der gemeyn angetzeygt haben, was von Christo ym gantzen Euangelio tzu schreyben sey, Nemlich, das er sey warer gott und mensch, der alle ding geschaffen hab, unnd er sey den menschen tzu eynem leben und liecht geben, wiewol yhn wenig auffnehmen [WA s. 214] unter allen, den er offinbart wirt; denn solchs und nit mehr hellt das [Röm. 1, 1 –6] Euangelium ynnen. Unnd S. Paulus Ro. 1. macht auch dermassen eyn vorrhede und eyngang seyner Epistel. Nu folgt der recht anfang des Euangelij:

 

[Joh. 1, 6] Es war eyn mensch gesand von gott, der hieß Johannes.

[Mark. 1, 1 ff., Luk. 1, 5 ff.] Alßo heben auch Marcus und Lucas yhr Euangelia an von Johanne dem Teuffer, unnd ist auch daselbs antzufahen, wie Christus selb sagt [Matth. 11, 12] Matt. 11: von den tagen Johannis geschicht dem hymelreych gewallt. Unnd [Apg. 1, 22] Act. 1. spricht. S. Petrus, das Christus hab angefangen von der tawff Johannis, ynn wilcher er auch tzu eynem lerer ist vorordnett unnd beruffen, wie das [Joh. 1, 32 –34] außweyßet Johannes der Tewffer, da er sprach Joh. 1: Ich hab gesehen den heyligen geyst ubir Christum kommen wie eyn tawbe, und hab gehoert des vatters stymme: ditz ist meyn lieber ßon, ynn wilchem ich eyn wolgefallen habe. Alda ist Christus tzum doctor gemacht, da hub er auch an, unnd da gieng das Euangelium erst auff durch Christum selbs; denn es sollt niemant anfahen das hohe, selige, trostliche wortt, denn alleyn Christus. Und umb deswillen must Johannes tzuuor komen unnd tzu solcher predigt das volck bereytten, das sie das liecht und leben auffnehmen. Denn alß wyr gehoert [Joh. 1, 5] haben: Christus, wiewol allenthalben eyn liecht ist, das ynn die finsterniß scheynet unnd nit begriffen wirtt, ßo ist er doch unter den Juden ynn seyner menscheytt ßonderlich und leyplich durch die menscheytt kegenwertig gewest, erschynen und nit erkennet, darumb ist auch alleyn daselb seyn vorlauffer [WA s. 215] Johannes kommen, und von yhm predigt, auff das er bekandt und angenommen [Joh. 1, 5. 6] wurde. Darumb folget dießer text feyn unnd eben dem vorigen, das, nachdem Christus, das scheynend liecht, nit erkennet ist, Johannes tzuuor keme, den menschen die augen auffthett unnd das kegenwerttige scheynend liecht tzeygte, wilchs darnach durch sich  selb on Joannes tzeygen auffgenommen, gehoert und erkennet wurd.

       Nu, meyn ich, sind wyr durch das schwerist und hohist stuck diß Euangelij; denn was nu hynfurt gesagt wirt, ist leycht und eben, das auch die andern Euangelisten sagen von Johanne unnd Christo, wiewol, alß ich gesagt hab, auch dißes stuck an yhm selb nitt schweer ist, man hatt es williglich schweer gemacht durch naturliche unnd menschliche gloßen. Es muß wol schweer werden, wenn, man eyn wort auß seynem vorstandt furet auff eynen frembden. Wer wollt wissen unnd nit wunderdinck dencken, was eyn mensch hieß, so er hoeret, eyn mensch were etwas anderß denn alle wellt meynet? ßo ist hie auch geschehen den schlechten klaren wortten des Euangelisten. Doch er furet eyn eygen weyße ynn dem, das er Johannis des teuffers getzeugniß ymer tzeucht auff die gottheytt Christi umb des Cherinthus willen, wilchs die andern Euangelisten nit thun, ßondern nur auff Christum, unaußgedruckt seyne gottheyt. [Joh. 1, 6. 7] Aber hie spricht er, Johannes sey komen, das liecht tzu betzeugen und Christum alß das leben, liecht und got tzuuorkundigenn, alß wyr hoeren werdenn.

       Was nu ym Aduent von Johanne dem Teuffer gesagt ist, soll hie auch vorstanden werdenn, das, gleych wie er Christo tzuuor kommen und auff yhn das volck geweyßet, alßo soll das mundlich wortt des Euangeli nur Christum predigen und weyßen; denn alleyn datzu ist es von gott vorordnet, wie [Joh. 1, 6, Matth. 11, 7. 10] Johannes von gott gesand ist, ßo haben wyr gehoertt, das Johannes sey eyn stym ynn der wusten, der mitt seynem ampt bedeut die mundlich predigt des [WA s. 216] Euangelij. Alß nu ditz liecht die finsternisse auß yhn selb nit begreyffen mochten, obs wol kegenwerttig war, Johannes must es yhn offinbarn unnd tzeygen, Alßo auch noch mag keyn naturlich vornunfft dasselb von yhr selb begreyffen, obs wol ynn aller wellt gegenwerttig ist, das mundlich wortt des Euangelij muß es offinbarn und tzeygen. Nu sehen wyr, das durchs Euangelium dasselb liecht nit wirt von fernn herbracht, wyr auch nit fern darnach lauffen durffen, ßondernn es ist auffs nehist bey unß und scheynett auch ynn unßer hertz, darff nitt mehr, denn das es tzeygtt unnd predigt werde, unnd wer es hortt predigenn unnd glewbt, der findt es ynn seynem hertzen; denn der glawb mag nit seyn denn ym hertzen, ßo mag ditz liecht nit seyn denn ym glawben. Drumb sag ich: es ist nahe bey und ynn unß, aber es wirt nit begriffen von unß selb, es muß gepredigt unnd geglawbt werden. Das meynt auch S. Paulus [Röm. 10, 6 –8, 5. Mose 30, 12. 14] Ro. 10, da er auß Mose Deut. 30. sagt: Du darfft nit ubir mehr faren, noch ynn den hymel noch ynn die hell darnach steygen. Es ist nahe bey dyr ynn deynem hertzen und ynn deynem mund. Sihe, das heyst ditz liecht scheynen ynn der finsterniß und nit erkennet werden, biß das Johannes und das Euangelium komme unnd offinbar dasselb; ßo wirt der mensch dauon erleucht und begreyfft es, und wandellt doch widder tzeyt, stett, person, noch allter, ßondernn alleyn das hertz.

 

[Joh. 1, 6] Weytter, wie Johannes kam nit von yhm selb, ßondern wartt gesand von gott, alßo mag das Euangelium odder keyn predigt von dissem liecht von sich selb oder auß menschenvornunfft komen, ßondernn gott muß es senden. [WA s. 217] Darumb legt hie der Euangelist nyder alle menschenlere; denn was die menschen leren, das tzeygt Christum, diß liecht, nymmermehr, ia, vorhynderts nur, was aber Christum tzeygt, das ist gewißlich von gott gesand und nit von menschen erfunden; darumb druckt der Euangelist den namen auß und [Joh. 1, 6] spricht: seyn name hieß Johannes. Johannes aber auff hebreisch heyst gnade odder gunst, tzu bedeutten, das solch predigt und bottschafft auß keynem unßern vordienst, ßondern auß lauttern gnaden und gunst gottis außgesand wirtt, bringt auch eyttel gnade unnd gunst gottis; das sagt auch S. Paulus Ro. 10: [Röm. 10, 15] Wie muegen sie predigen, ßo sie nit gesand seyn? Und auß dem allen sehen wyr, das der Euangelist Christum alßo handellt, das er gott erkantt werde. [Joh. 1, 5] Denn ßo er das liecht ist, das an allen ortten kegenwertig ist und ynn die finsterniß scheynett, das es nitt mehr bedarff, denn das es offinbart durchs wort und erkantt werde durch den glawben der hertzen, ßo muß es gewißlich gott seyn; denn keyn creatur mag dermassen ßo nahe an allen ortten und hertzen scheynen.Widderumb doch ists alßo gott, das es dennoch mensch sey und gepredigt werde ynn und von demselben menschen. Folgt:

 

[Joh. 1, 7]  Derselb ist komen czu eynem geczeugniß, auff das er geczeugniß gebe von dießem liecht, auff das yderman durch yhn glewbte.

Sihe, das ist nu klar auß dem, das itzt gesagt ist, wie das Euangelium nur vorkundigt ditz liecht, den menschen Christum, und macht, das es die finsterniß begreyffen muegen, doch nit durch vornunfft odder empfindung, ßondernn durch den glawben; denn er spricht nemlich, das yderman durch [Joh. 1, 7] yhn glewbte. Item: er ist komen tzu eynem getzeugniß unnd sollt tzeugniß [WA s. 218] geben. Nu ist die natur des getzeugniß, das es rede von dem ding, das man nit sihet, weyß noch fuelet, ßondernn glewben muß dem getzeugen, der es betzeugt. Alßo foddert das Euangelium auch nit vornunfftig beschluß unnd tzufall, ßondernn eyn ubirvornunfftigen glawben, ßonst mag diß liecht nit erkant werden. Szo ist droben gnugsam gesagt, wie die vornunfft mit yhrem liecht widder ditz liecht ficht und tobett, schweyg denn das sie es begreyffen [Joh. 1, 5] und yhm tzufallen sollt; denn es steet fest, das da sagt: die finsterniß begreyffen ditz liecht nit, drumb muß die vornunfft mit yhrem liecht gefangen und [Jes. 60, 19. 20] geblendt werden, wie er ym Isaia 60. sagt: Ich wil deyne Sonne (das ist: deyn vornunfft) decken mit eyner wolcken, das ist: mit dem Euangelio odder wortt gottis, odder Johanniß getzeugniß, wilchs den glawben foddert und die vornunfft tzu narren macht. Item: Es soll dyr deyne Sonne nit mehr leuchten, und das liecht deyniß Mondiß soll nit mehr seyn ynn dyr, ßondern deyn gott soll dyr seyn eyn ewiges liecht. Denn darumb wirt ditz liecht durchs wort betzeugt, das die vornunfft von yhr selb tretten soll unnd dem getzeugniß folgen, ßo begreyfft sie das liecht ynn demselben glawben und wirt yhr finsterniß erleucht; denn wo sie von yhr selb mocht ditz liecht begreyffen odder yhm tzufallen, were Johanniß und seyniß getzeugniß keyn nodt. Alßo ist das Euangelium nur dahyn gericht, das es eyn tzeugniß sey umb der eygensynnigen, blinden, halstarcken vornunfft willen, derselben tzu weren und sie von yhrem eygen liecht unnd dunckel tzufuren ynn den glawben, durch wilchen sie ergreyff ditz lebendige und ewigs liecht.

[WA s. 219]

 

[Joh. 1, 8] Er war nit das liecht, sondern das er getzeugnis gebe von dißem liecht.

[Joh. 1, 7. 8] Lieber, warumb sagt er das unnd widderholet nach eyn mal die wort, das Johannes nur eyn zeug sey dißes liechts geweßen? O eyn nottiges widderholen! Zum ersten, tzu beweyßen, das ditz liecht nit eyn mensch, ßondern gott selb sey; denn, wie ich gesagt, der Euangelist wollt gern ynn allen wortten Christus gottheytt antzeygen. Ist Johannes, der groß heylig, nit das liecht, ßondernn nur eyn tzeuge desselben, ßo muß diß liecht weyt mehr seyn denn alliß das da heylig ist, er sey engel odder mensch; denn sollt heylickeyt eyn solch liecht machen, sie hetten Johannem auch eynß gemacht; nu aber ists ubir die heylickeyt, drumb muß es auch ubir die Engel seyn, die auch nitt ubir die heylickeyt seyn. Zum andernn, tzu weren den freuel menschenpredigern, die nit Christum, das liecht, betzeugen, ßondernn sich selbs; denn das ist eygentlich war: Alle, die do menschenlere predigen, die machen eynen menschen tzu eynem liecht und furen die leutt von dißem liecht zu sich selb und setzen sich an statt dißes waren liechts, wie der Bapst und die seynen thun; drumb ist er auch der Endchrist, das ist eyn widderchrist und widder ditz ware liecht. Es mag das Euangelium keyn ander lere neben sich leyden, es will nur Christus tzeug seynn und die leutt tzu dißem liecht Christo fueren. Darumb, [Joh. 1, 8] o herr gott, die wort: Er war nit das liecht, weren wol wirdig mit grossen buchstaben tzu schreyben und vleyssig tzu mercken widder die menschen, die sich dargeben und wollen den leutten lere und gesetz geben auß yhrem eygen kopff, und geben fur sie tzu erleuchten, und furen sie ynn abgrund der hellen mit yhnen; denn sie leren yhe den glawben nit und muegen yhn nit leren, [WA s. 220] [Joh. 1, 7] wilchen niemant denn der gesandte von got, Johannes, das heylig Euangelium lerett. Ach, dauon were viel tzu sagen!

       Kurtzlich, wer dyr nit das Euangelium predigt, den furwirff nur frey und hoere ihn nit. Der predigt aber das Euangelium, der dich leret Christo glewben und trawen dem ewigen liecht  unnd auff keyn deyne werck bawen; darumb alliß, was außer dem Euangelio dyr gesagt wirt, da huett dich fur, traw ia nit drauff und hallt es yhe nit fur eyn liecht, das deyne seele erleuchte und bessere, ßondernn hallt es wie eyn eußerlich ding, alß essenn unnd trincken tzu des leybs noddurfft, das du brauchen muegist nach deynem willen odder tzu wolgefallen eynem andernn, und ia nit alß zu deyner selickeyt; denn datzu soll dyr nichts nutz noch nodt seyn denn ditz liecht. O des grewlichen weßens der menschenleren, die itzt regirn und ditz liecht so gar vortrieben haben! Sie wollen alle das liecht selber seyn und nit getzeugen des liechts, leren sich selb und yhr ding, schweygen von dißem liecht still, odder lerenß alßo, das sie sich daneben auch leren, das ist noch erger denn gar schweygen; denn da werden Samaritan auß, die halb got und halb den abgotten dienen [2. Kön. 17, 41 [!]] 4. Re. ult.

 

[Joh. 1, 9] Es war eyn wares liecht, das do erleucht eynen iglichen menschen, der do kompt ynn diße wellt.

[Joh. 1, 9] Johannes noch keyn heylig ist das liecht, es ist aber eyn war liecht, das Johannes betzugt und alle Euangelissche prediger. Nu von dem liecht was es sey, ist gnug gesagt ditz mal, wie es durch den glawben erkant, unß erhellt ym leben unnd sterben ewiglich, das unß nymmer keyn finsterniß mag schaden. [Joh 1, 9] Das ist aber wunderlich, das er sagt, es erleuchte alle menschen, die da kommen [WA s. 221] [Joh. 1, 5] ynn diße wellt. Soll es gasagt seyn von dem naturlichen liecht, ßo streyttet dawidder, das er spricht, es sey das ware liecht, ßo hatt er droben gasagt: die finsterniß begreyffens nit, und sind alle wortt gerichtet auff das gnadenliecht; [Joh. 1, 10] datzu folget hernach: Er ist kommen ynn die wellt, und die wellt hatt yhn nit erkennet, unnd die seynen haben yhn nit angenommen. Wilchen aber das ware liecht erleucht, der ist mit gnaden erleucht und erkennet yhn. [Joh. 1, 9] Widerumb das es nit von dem gnadenliecht sey gesagt, dringet, das er sagt, es erleuchte alle menschen, die da kommen yn diße wellt; das ist yhe fast klar gesagt von allen menschen, die geporn werden. S. Augustinus sagt, es sey alßo tzuuorstehen, das keyn mensch erleuchtet werde denn von dißem liecht, auff die weyße alß man pflegt zu sagen von eynem lerer in eyner stat, so keyn lerer mehr drynnen ist: dißer lerer leret sie alle ynn der stadt, das ist: es ist keyn lere ynn dißer stadt, denn der alleyn. Er hat alleyn alle iunger; damit wirt nit gesagt, das er alle menschen ynn der statt lere, ßondernn das nur eyn lerer drynnen sey, und niemant von eynem andern geleret werde.

 

[Joh. 1, 9] Alßo wolle hie der Euangelist auch, das Johannes nit sey das liecht, noch keyn mensch, noch keyn creatur, ßondernn es sey nur eyn eynigs liecht, das yderman erleucht, und nit eyn mensch auff erden komme, der von yemand anderß muege erleucht werden. Und dießen vorstand weyß ich nit tzuuorwerffen; [Röm. 5, 18] denn auff die weyß redt auch Paulus Ro. 5: Alß durch eyniß menschen sund ynn alle menschen die vordamniß ist kommen, alßo durch eyniß menschen gerechtickeytt ynn alle menschen die rechtfertigung ist komen, ßo doch nit alle menschen durch Christum gerechtfertiget werden, aber dennoch ist er alleyn der [WA s. 222] [Joh. 1, 9] mensch, durch wilchen alle rechtfertigung kompt. Alßo auch hie; ob nit alle menschen erleuchtet werdenn, ßo ist doch ditz das liecht, von wilchem alleyn alle erleuchtung kompt. Unnd diße weyße tzu reden hatt der Euangelist frey gepraucht, nit geschewet, ob ettlich sich wurden daran stossen, das er alle menschen nennett, hatt gedacht, er wollt solchem anstoß damit wol radten, [Joh. 1, 5] das er tzuuor und hernach sich vorklerett und spricht: die finsterniß habenß nit begriffen, und die wellt habe yhn nit erkennet, unnd die seynenn haben yhn nit angenommen. Solch spruch weren yhe starck gnug, das niemant [Joh. 1, 9] muege sagen, er hab gewollt, das alle menschen erleuchtet werden, Sondernn das er alleyn das liecht sey, das yderman erleucht, und on yhn niemant erleucht werde.

       Sollts aber von dem naturlichen liecht der vornunfft gesagt seyn, ßo were es eyn geringe sagen, ßo er doch nit alleyn alle menschen erleucht, die [Joh. 1, 9] ynn die wellt komen, ßondern auch die auß der wellt gehen, und die teuffell; denn ynn den todten teuffelln und vordampten bleybt dasselb vornunfftig liecht, ia, es wirt nur heller, das sie mehr dauon gequellet werden. Nu er aber nur die menschen nennet, die ynn diße wellt kommen, tzeygt er an, das er von dißem liecht des glaubenß rede, wilchs nur ynn dißem leben leucht unnd hilfft; denn nach dem tod wirtt  niemand da durch erleucht. Es muß hie ym glawben geschehen durch den menschen Christum, doch auß seyner gottheyt. Nach dißem leben werden wyr nitt durch die menscheyt unnd ym glawben, ßondernn offentlich an yhr selb die bloß gottheyt sehen.Alßo setzt der Euangelist seyne wortt, das er iah den menschen Christum nit furwerff und doch seyne gotheyt außrufft. Darumb ist yhm not geweßen, alle [WA s. 223] menschen zu nennen, das er nur eyn liecht ubir alle predigete unnd unß warnet, das wyr nit menschenliechte odder ander liechte auffnehmen ynn dißem leben. Es soll keyn mensch dem andernn leuchten, ßondernn ditz liecht [Joh. 1, 9] soll yhn allen leuchten alleyn, und die prediger sollen nur vorleuffer unnd getzeugen seyn dißes liechts tzu den menschen, auff das sie alle ynn das liecht glewben.

 

[Joh. 1, 9] Sihe darumb, alß er hatt gesagt: Es erleucht alle menschen, sah er, das tzu weytt gesagt war, unnd thet datzu: die ynn diße wellt kommen, das er eyn liecht auß Christo mecht yn dißer wellt. Denn ynn yhener wellt wirtt das liecht auffhoren und ynn die ewige klarheytt vorwandellt werden. Wie [1. Kor. 15, 24] auch S. Paulus .1. Cor. 15. sagt: Das Christus wirtt alßdenn das reych dem vater ubirgeben, itzt aber regirtt er durch seyne menscheyt. Nu wie er das reych wirtt ubergeben, ßo wirtt er auch das liecht ubirgeben. Nit das es zweyerley liecht seyn, odder etwas anderß werden sehen, denn itzt, ßondernn das wyr eben dasselb liecht, eben denselben gott, den wyr itzt ym glawben sehen, [sehen] werden auff eyn ander weyße; itzt sehen wyr yhn glawben vorporgen, Denn werden wyr yhn sehen unuorporgen. Wie gleych, alß wenn ich eyn gulden bild sehe, durch eynn gemallt glaß odder sonst vordeckt, unnd darnach [1. Kor. 13, 12] bloß auffgedeckt; ßo sagt sanctus Paulus .1. Cor. 13: Wyr sehen itzt durch eynen spiegel und vordeckung, Denn aber werden wyr yhn sehen, wie er ist. Sihe, ßo hastu, von was liecht der Euangelist redet. Das Christus der menschen liecht ist durch seyne menscheyt, das ist ym glawben, durch wilche seyne gottheyt leuchtet alß durch eynen spiegel oder geferbett glaß, oder wie die ßon durch eynen liechten wolcken, das yhe das liecht werde der gottheyt tzugemessen, nit der menscheyt, doch die menscheyt nit vorachtet, alß die da [WA s. 224] ist die wolcke und furhang dißes liechtes. Das ist yhe klar gnug geredt, und wer den glawben hatt, vorsteht ditz alleß woll, das sichs ßo habe vmb ditz liecht. Wer aber nit glewbt, der vorsteht es nit, da ligt auch nichts an, er solls nitt vorstehen, und were besser, das derselb nichts ynn der Biblien wißte odder studiret; denn er vorfuret sich unnd yderman mitt seynem yrrigen liecht, das er meynet, es sey der schrifft liecht, wilche sich doch nit lest [Joh. 1, 5] vorstehen on den rechten glawben. Denn ditz liecht leucht ynn die finsternis, wirtt aber vonn yhn nitt begriffen.

       Es mocht auch dißer spruch die meynung haben, das der Euangelist [Joh. 1, 9] wolle, das Euangelium und der glawb sey yn aller wellt predigt, und ditz liecht auffgangen fur allen menschen dißer wellt, wie die ßonn ubir alle [Kol. 1, 23] menschen auffgeht, gleych wie Paulus sagt Col. 1: das Euangelium ist predigt [Mark. 16, 15] ynn aller creatur unter dem hymel, unnd er selb Marci ult. sprach: geht ynn [Ps. 19, 7] alle wellt und predigt das Euangelium aller creatur, wie auch der Ps. 18. von yhm sagt: Seyn außgang ist vom auffgang der ßonnen biß tzum nydergang, unnd ist niemand, der sich fur seyner hitz vorperge; wie das tzuuorstehenn [Joh. 1, 9] sey, ist droben gesagt, ynn der Epistell von der Christmeß.Alßo were ditz eyn liechter, eynfelltiger vorstandt, das ditz liecht erleucht alle menschen, die ynn diße wellt komen, das nit die Juden oder yhemand sich unterwinde, an yrgend eynem ortt selbs eyn eygen liecht aufftzurichtenn. Und dißer vorstand [WA s. 225] follgt wol auff den vorigen text. Denn ehe das liecht wirtt durch Johannem [Joh. 1, 5] und das Euangelium betzeugt, ßo leuchts ynn die finsternis unnd wirtt nit begriffen. Aber darnach es vorkundigt unnd betzeugt wirtt offentlich, so leucht es alß weyt die wellt ist ubir alle menschen, obs wol nit alle auffnehmen, wie folgt:

 

[Joh. 1, 10] Es war ynn der wellt: und die wellt ist durch yhn gemacht: und die wellt hatt yhn nitt erkennet.

Das ist alles von Christo dem menschen gesagt, und ßonderlich nach seyner tawff; da er anfieng tzu leuchten nach dem tzeugniß Johannis, da war er yhe mitten ynn der wellt, aber  wilch ortt der wellt wuste das? wer nahm sich seyn an? wartt er doch vonn denen nitt angenommen, da er personlich war, wie folgt:

 

[Joh. 1, 11] Er ist komen tzu den seynen: unnd die seynen haben yhn nitt auffgenommen.

Das ist auch gesagt von dem komen seyner predigt, und nit von seyner gepurt. Denn seyn komen heyst seyn predigen und leuchten. Wie der teuffer [Matth. 3, 11, Mark. 1, 7, Luk. 3, 16, Joh. 1, 27] Matt. 3. Luce. 3. Marci. 1. Joan. 1. sagt: Es wirtt eyner nach myr komenn, des ich nitt wirdig byn, das ich seyne schuchrymen auffloeße. Und von dem [Luk. 1, 17] komen heyst auch S. Johannes seyn vorleuffer. Wie Gabriel Luce. 1. sagt tzu Zacharie, seynem vatter: Er wirt fur yhm hergehen unnd yhm bereytten seynen weg. Denn, wie drobenn gesagt, die Euangelia heben von Christo an; nach seyner tauff, da fieng er an tzu seyn das liecht und tzu thun, warumb [Joh. 1, 11] er komen war. Alßo spricht er nu: Er sey tzu seynem eygen volck mitten yn der wellt komen, und sie haben yhn nit angenommen. Wenn das nit gesagt [WA s. 226] were von dem komen durch seyn predigen und leuchten, ßo strafft er sie nit alßo, das sie yhn nitt haben angenommen. Wer kund wissen, das erß were, wenn er nit offenbart were wurdenn? Drum ist das yhr schuldt, das sie yhn nit auffnamen, ob er wol kam und durch Johannem und sich selb [Joh. 1, 31] offenbartt wartt. Drumb spricht auch Johannes Joann. 1: Auff das er offenbartt wurd ynn Israel. Drumb bynn ich komen und teuffe ym wasser. [Joh. 5, 43] Unnd er selb Joann. 5: Ich byn komen yn meyniß vatterß namen, und yhr habt mich nit auffgenommen. Eyn ander wirt komen yn seynem eygen namen, den werdet yhr auffnehmen; das ist auch klerlich von der tzukunfft des predigens unnd offenbarung gesagt.

 

[Joh. 1, 11] Er nennet die Juden seyn eygen volck. Darumb, das sie auß aller wellt erwellet waren zu seynem volck, und yhn vorsprochen war zu Abraham, [1, Mose 22, 18; 26, 4; 28, 14, 2. Sam. 7, 12] Isaac, Jacob und David. Denn unß heyden ist nichts vorsprochen, frembd und von Christo. Drumb sind wyr nit seyn eygen genennet. Aber nu auß lautter gnaden auffgenommen und auch seyn volck worden. Wiewol wyr leyder auch yhn noch teglich lassen komen durch seyn Euangelium und vorachten yhn. Darumb mussen wyr auch leyden, das eyn ander an seyner stett kome, der Pabst, unnd werde von unß angenommen, das wyr dem boeßen feynd dienen mussen, dieweyl wyr unßerm gott nit dienen wollenn.

       Es ist aber hie nit tzuuorgessen, das der Euangelist Christus gotheyt [Joh. 1, 3. 11] zwey mal antzeygt. Zum ersten, da er sagt: Die wellt ist durch yhn gemacht. Zum andernn, da er sagtt: Er ist kommen tzu den seynen. Denn eyn eygen [WA s. 227] volck tzu haben, gehoert tzu eynem waren got. Das Judisch volck war yhe gottis eygen volck, wie die schrifft viel mal sagt; ßo sie denn Christus eygen volck sind, muß er gewißlich der gott seyn, dem die schrifft das volck tzueygent. Was aber fur eyn schmach und schand ist, das die wellt yhren schepffer nitt erkennet, das Judisch volck seynen gott nit auffnympt, lest der Euangelist eyniß iglichen bedencken befolhn seyn. Wie mocht man die wellt hoher schellten, denn das sie yhren schepffer nit erkennet? Was boeßer untugent unnd namen folgen auß dißem eynigen stuck? Was mag gutts da seyn, da eyttel unwissen, finsterniß, blindheyt ist? was boeßes sollt da nit seyn, da gottis erkentniß nit ist? o wehe, wilch eyn grewlich, erschrecklich ding ist die wellt!; wer sie erkennt und ditz stuck recht bedecht, der sollt ßo mehr ynn der helle seyn. Er kund nit frolich yn dissem leben seyn, da eyn solch boeß tittel von geschrieben ist.

 

[Joh. 1, 12] Szo viel aber yhn haben auffgenommen, hatt er yhn macht geben, gottis kinder tzu werdenn. Die do glewben ynn seynen namen.

Nu sehen wyr yhe, was fur eyn liecht sey, von dem er bißher geredt hatt. Es ist yhe Christus, das trostlich gnadenliecht, und nit das naturliche liecht odder vornunfft. Denn Johannes eyn Euangelist, nitt eyn Platonist ist. Alle, die das naturlich liecht odder vornunfft empfahen, die nehmen yhn yhe auff nach demselben liecht, wie sollten sie es ßonst empfahen? gleych wie sie das naturlich leben von dem gotlichen leben empfahen. Aber dennoch gibt [Joh. 1, 12. 11] yhn dasselb liecht und leben nit macht, kinder gottis tzu werdenn. Ja, sie bleyben dißes liechts feynd, kennen seyn nit und nehmen es nit auff. Drumb [WA s. 228] muß nichts von dem na turlichen liecht ynn dißem Euangelio geredt seyn, ßondern alles nur von Christo, auff die meynung, das er warer got erkennet werde. Nu ist hynfurtt das Euangelium wol bekandt. Denn es sagt vom glawben ynn Christus namen; Das derselb gottis kinder mache. Das sind treffliche wortt unnd streytten gewaltig widder die werckmeyster und gesetzlerer. Gutte werck machen nymmermehr die person anderß. Darumb, ob die werckheyligen wol yhr werck wandelln und bessernn, wie sie meynen, ßo bleyben sie doch ynn der person wie vorhyn, und werden yhre werck nur schanddeckel und heuchlerey. Aber der glawb wandellt die person unnd macht eyn kind auß dem feynd, ßo heymlich, das auch die eußerliche werck, stand unnd wandel bleybenn, wo eß nit von natur boeß werck sind, wie offt gesagt ist.1.Drumb bringt der glawb mit sich das gantz erbe unnd hewbtgutt der gerechtickeyt unnd selickeyt, das man derselben keyniß darff durch die werck suchen, wie die falschen wercklerer unß narren. Denn ßo was gottis kind ist, das hat auch gottis erbe schon zuuor auß derselben kindschafft; ßo denn der glaub solch kindschafft gibt, ists yhe klar, das die gutten werck sollen frey umbsonst geschehen, alleyn gott tzu ehren, alß von denen, die schon die selickeyt unnd das erbe gottis durch den glawben haben, wie droben ynn der ander Epistell ist gnugsam gesagt.

 

[Joh. 1, 13] Die do nicht auß dem gebluette, noch auß dem willen des fleyssches, noch auß dem willen des mannes, ßondernn auß Gott geboren sind.

Das redt er, sich selb tzuuorkleren, was der glawb wirck, und wie gar allis keyn nutz ist, was außer dem glawben ist. Hie legt er yhe nyder mit [WA s. 229] gewallt die natur, liecht, vornunfft unnd was nit glawben ist, schweyg das erß preyssen sollt. Es ist die kindschafft viel tzu hoch und zu eddell, das sie [Joh. 1, 13] sollt auß der natur komen odder gefoddertt werdenn. Er tzelet vierley kindschafft, eyn auß dem gebluete, die ander auß dem willen des fleyssches, die dritte auß dem willen eynß mannes, die vierde auß gott. Die erste kindschafft auß dem gebluette ist leychtlich zuuorstehen, das es die naturliche kindschafft sey, damit er den Juden begegnet, die sich rhumen von Abrahams und der Patriarchen gebluete, und werffen auff die spruech der schrifft, darynnen gott vorsprochen hatt Abrahamß samen die gebenedeyung und erbe der selickeyt. Daher wollen sie alleyn das rechte volck und kinder gottis seynn. Aber hie [Joh. 1, 13] spricht er: Es muß mehr denn das gebluete da seyn, sonst ist keyn kindschafft gottis da. Denn auch Abraham unnd die Patriarchen selbs haben nitt umbs gebluets willen, ßondernn umbs glawbens willen das erbe besessen, wie [Hebr. 11, 8 ff., Röm. 4, 9 u. ö.] Heb. 11. Paulus leret. Unnd wenn die naturlich blutsipschafft genug were zu dißer kindschafft, ßo het billich Judas, der vorrether, Caiphas, Annas und alle boeß Juden, die vortzeytten vordampt seyn ynn der wusten, alle recht zu dissem erbe. Denn sie sind alle vom gebluete der Patriarchen geweßen. [Joh. 1, 13] Darumb heyst es nitt: die auß dem gebluete, ßondernn auß gott gepornn sind.

 

[Joh. 1, 13] Die andernn tzwo sipschafft oder kindschafft, auß dem willen des fleyschs und auß dem willen des mannes, sind myr selbs noch nitt gnugsam klar. Ich sehe aber wol, das der Euangelist damit will furworffen habenn allis, was natur ist und vormag, und alleyn die gepurt auß gott erheben. Drumb ists ane fahr, wie wyr diße tzwey stuck orttern unnd teylen, ynn die natur [WA s. 230] außer der gnaden. Es gillt doch gleych viel. Ettlich vorstehen durch die kindschafft auß dem willen des fleysches, die nit auß dem stam des gebluetts, ßondernn nach dem gesetz Mosi kompt; derselb hat gepotten, das eynß vorstorbenen manß weyb seyn nehister frund must nehmen tzur ehe unnd auff des vorstorbenen namen und erbe kinder tzeugen, das der bluetstam seyniß frunds blieb. Und hyrunder gehorett auch das stieffgebluett, wilchs alles auß dem willen des fleysches, und nit auß dem ordenlichen bluetstam her kompt. [Joh. 1, 13] Er nennett aber hie fleysch den menschenn, wie der ym fleysch lebet, wie die schrifft pflegt, das die meynung sey: Nitt wie die menschenn außer dem blutstam kinder haben; denn das ist noch allis fleyschlich und menschlich, und geschicht auß dem frey willen eynß menschenn. Was aber auß blutt geporn wirtt, das geschicht on freyen willen, ßondernn naturlich, der mensch wolle odder wolle nitt. Die dritte auß dem willen eynß manniß nemen sie die frembd kindschafft, die man nennet Adoptionem, alß  yhm eynn man eyn frembd kind tzum eygen kind erwelett unnd auffnympt. Wenn du nu gleych Abrahamß, David recht kind, stieffkind, oder erwelet kind, oder freund werist, ßo hilfft dichs nit, du must auß gott geporn seyn. Glewbten doch Christus [Joh. 7, 5] eygenen freund nitt. Wie Johannes .7. schreybt.

 

[Joh. 1, 13] Wer aber wollt, mocht die sipschafft alßo orttern, das auß dem gebluett alle die vorstanden werdenn, die ynß gebluett horen, eß sey vom stam odder stiefffreundschafft.Auß dem willen des fleyschs sey alle freundschafft außer [WA s. 231] dem gebluett, alß da sind die erweleten, wie gesagt ist.Aber auß dem willen des mannis seyen die geystlichen kind, alß da sind die Junger gegen yhr lerer, das der Euangelist nydderlege allis, was da vormag bluet, fleysch, natur, vornunfft, kunst, lere, gesetz, freywille mit alle yhren krefften, das niemant durch seyn lere, werck, kunst, freywille sich vormesse, ymand tzu helffen odder helffen lassen eynem menschen auff erden tzu dem reich gottis, ßondern alliß furworffen, nach der gottlichen gepurtt trachten. Alßo dunckt mich, das eyn man ynn der schrifft gemeyniglich heyße eyn ubirn, der andere regire, fure und lere. Denn dieselben sollen billich am meysten furworffen und genennet werden. Sintemal keyn sipschafft halstercker und freuelicher sich vormisset unnd auff sich selb vorlesset, das sie auch der gnaden auffs hohist altzeyt widerstrebt und sie voruolgt. Hyrynn hallte eyn iglicher, was er will, so fernn das er nur wisse, es sey allis keyn nutz, was außer der gepurtt gottis ist. Denn were ettwas nutzs gewest, der Euangelist, sintemal er so genaw sucht, wurdiß on zweyffel neben die gepurtt gottis gesetzt und sie nitt alleyn preysset haben.

       Die gotliche gepurt ist nu nichts anderß, denn der glaub. Wie geht das tzu? Drobenn ist gesagt, wie das gnadenliecht streytte unnd blende das naturlich liecht der vornunfft. Wenn denn nu das Euangelium kompt und der gnaden liecht betzeugt, das der mensch musse nit thun oder leben nach seynem dunckel, ßondernn seyn naturlich liecht muß furworffen, getodtet unnd [WA s. 232] abethann seyn, ßo der mensch solch tzeugniß annympt unnd folgett, gibt uber seynn liecht unnd dunckel, will gernn narr seynn, unnd sich furenn, leren unnd erleuchten lassenn, sie, ßo wirtt er ynn seynem hewbtstuck, das ist, ynn seynem naturlichen liecht vorandertt; da geht auß seyn alltis liecht, unnd geht ynn eyn newes liecht, der glawbe, demselben folgt er durch sterben und leben, hangt nur an dem getzeugniß Johannis odder des Euangelij, und sollt er alliß drob lassen, was er hat und vormag. Sihe, ßo ist er new gepornn auß gott durch das Euangelium, ynn wilchem er bleybt, und lessit seyn liecht und [1. Kor. 4, 15] dunckel faren. Wie S. Paulus .1. Cor. 4: Ich hab euch yn Christo durchs [Jak. 1, 18] Euangelium gepornn. Und Jacobi .1: Er hatt unß auß gnedigem willen gepornn durch das wortt der warheytt, auff das wyr eyn anfang weren seyner [1. Petri 2, 2] Creatur. Daher nennet unß S. Peter newe geporne kinder gottis .1. Pet. 2. Item, daher wirt das Euangelium gottis uter genennet, das er darynnen unß empfehet, tregt und gepiertt, wie eyn weyb eyn kind ynn yhrem uter empfeht, [Jes. 46, 1] tregt und gepiertt. Isaie .46: Hoeret mich, yhr ubriges arm hewffleyn; Die ich trage ynn meynem uter. &c.. Aber diße gepurtt ertzeygt sich recht, wenn die anfechtung und der todt hergeht, da empfindt man, wer da new odder [WA s. 233] allt geporn sey, da ringet und windet die vornunfft, das alte liecht, und lest nit gernn was sie dunckt und will, mag sich nit erwegen und begeben auff das Euangelium und yhr liecht faren lassen. Wilch aber new gepornn synd oder daselbs new geporn werden, die faren und folgen, lassen faren liecht, leben, gut, ehre und was sie haben, trawen und hafften an dem tzeugnis Johannis. Drumb komen sie auch tzum ewigen erbe, alß die rechten kinder.

       Sihe, wenn nu das liecht, die vornunfft, der allte dunckel, tod ist, finster, unnd ynn eyn new liecht vorandert worden, ßo muß denn auch yhm folgen und vorandert werden das gantz leben und alle krefft des menschen. Denn wo die vornunfft hyngeht, da folget der wille hynnach; wo der wille hyngehet, da folget die lieb, lust hynnach. Unnd muß alßo der gantz mensch ynn das Euangelium kriechen unnd alda new werden, die allte hawt außtzihen, wie die schlange thutt, wenn yhr hawtt allt wirtt, sucht sie eyn enge loch ym felß, da kreucht sie hynndurch und tzeucht ab yhr hawt selbs unnd lest sie haussen fur dem loch. Alßo der mensch auch ynn das Euangelium und  gottis wortt sich begeben muß, getrost folgen seyner tzusagung, er wirt nit liegen, ßo tzeucht er ab seyn allte heutt, lest haussen seyn liecht, seyn dunckel, seyn willen, seyn liebe, seyn lust, seyn reden, seyn wircken, und wirt alßo gantz eyn ander new mensch, der alle dinck anderß ansihet denn vorhynn, anderß richtet, anderß urteylt, anderß dunckt, anders will, anderß redt, anderß liebt, [WA s. 234] anderß lust, anderß wirckt unnd feret denn vorhynn, kan darnach alle stend und werck aller menschen erkennen, ob sie recht odder unrecht faren, wie [1. Kor. 2, 15] S. Paulus sagt .1. Cor. 2: Eyn geystlicher mensch richtet alle ander, und er wirt von niemant gericht. Alßdenn sihet er ßo klerlich, wilch groß narren seyen alle, die mit wercken wollen frum werden, da geb er denn nit eyn heller umb aller Pfaffen, Munch, Bischoff, Bapst, platten, kappen, reuchernn, leutten, kertzen brennen, singen, orgelln, beten mit allem yhrem eußerlichen weßen; denn er sihet, wie das alles eyttel abtgotterey und narrische gleyssenerey ist, [2. Mose 32, 1 ff.] gleych wie die Juden yhren Baal Astaroth und das kalb ynn der wusten anbetteten, wilchs doch sie fur kostlich ding achten durch yhr alltes liecht der eygensynnigen und selbdunckende vornunfft.

 

[Joh. 1, 13] Hirauß ists nu klar, wie tzu dißer kindschafft gottis keyn gebluett, keyn frundschafft, keyn gepott, keyn lere, keyn vornunfft, keyn frey wille, keyn gutte werck, keyn gutt leben, keyn Carthuser orden, keyn geystlich standt, wenn er gleych englisch were, nutzlich odder hulfflich, ia nur hynderlich sey. Denn wo die vornunfft nit wirt tzuuor vorneweret und ynn dißer weßen eynis geredt, ßo fellt sie drauff, vorharttet und vorblendt sich drynn, das yhr nymmer oder gar schwerlich eraußtzuhellffen ist, und meynet, yhr weßen und standt sey recht und gutt, tobet darnach und wuetedt widder alle, die solchs yhr weßen vorachten unnd furwerffen; alßo muß sie denn bleyben der allte [WA s. 235] mensch, gottis und seyner gnaden, Christus und seyniß liechts feynd, Johanni seynem tzeugen, das ist dem Euangelio, den kopff abschlahen und eygen menschenlere dafur auffrichten. Wie denn itzt ynn des Bapsts und der geystlichen weßen das spiel mit voller pracht und macht gehet und tobet, die da allesampt nichts von dißer gottlichen gepurt wissen, lallen und laffen mit yhren leren und gepotten von ettlichen wercken, damit sie gnad wollen erlangen, und doch ynn der allten hawtt bleybenn. Aber es wirtt wol bleyben, das hie gesagt [Joh. 1, 13] ist: Nit auß blutt, nit auß willen fleyschs odder manniß, ßondernn auß gott geschicht diße gepurtt. Es muß vortzagt seyn an unßerm willen, wercken und leben, alß die da sind durch das falsch, eygensynnig, eygensuchtig liecht der vornunfft vorgifft, und fur allen dingenn des teuffers stym und getzeugniß hoeren, demselben glewben und folgen, ßo wirtt das liecht Christus unß erleuchten, new machen und gewallt geben, gottis kinder tzu werdenn. Denn darumb ist er komen und mensch worden. Wie folgt:

 

[Joh. 1, 14] Unnd das wortt ist fleysch worden unnd hat unter unß gewonet, unnd wyr haben seyn ehre gesehen, eyn ehre alß des eyngepornenn ßons von dem vater, voller gnaden unnd warheytt.

Hie soll man durchs fleysch vorstehen die gantz menscheyt, leyb unnd seel, nach der schrifft gewonheyt, die den menschen fleysch nennet, wie droben, [Joh. 1, 13] da er sagt: Nit auß dem willen des fleyschs, und ym glawben sagen wyr: ich glewb die aufferstehung des fleyschs, das ist: aller menschen.Item Christus [Matth. 24, 22] Matt. 24: Wenn die tage nit vorkurtzt wurden, wurde keyn fleysch selig, das [Ps. 78, 39 [!]] ist: keyn mensch. Und Ps. 104: Er hatt gedacht: sie sind fleysch, unnd wie [WA s. 236] [Joh. 17, 2] eyn wind, der da geht unnd kompt nit widder. Item Johan. 17: Du hast deynem ßon geben gewallt ubir alliß fleysch, auff das er gebe das ewige leben allen, die du yhm geben hast. Das sag ich darumb ßo vleyssig, das dißer spruch viel anstoß der ketzer hat erlitten, tzu der tzeytt, da gelerete, groß Bischoffe waren. Etlich alß Photinus unnd Apollinaris lereten, Christus were eyn mensch on seele, unnd die gottheytt were ynn yhm geweßen an der seelen stadt. Manicheus aber leret, Christus hett nit naturlich warhafftig fleysch gehabt, ßondern were eyn scheyn geweßen, durch Mariam seyne mutter gangen, das er nitt yhr blutt unnd fleysch het gefasset, wie die Szonn durch eyn glaß scheynet, und nympt nit mit sich des glaßs natur. Darumb hat der Euangelist [Joh. 1, 14] braucht eyn begreyfflich wortt, er sey fleysch worden, das ist: eyn mensch, wie eyn ander mensche, der fleysch und blutt, leyb und seel habe. Alßo hat die schrifft mussen vorsucht unnd bewered werden tzu der tzeyt, eyn stuck nach dem andernn, biß  tzu des Endchrists tzeyt, der sie nit stucklich, ßondernn semptlich unterdruckt.Denn es ist vorkundigt, das tzu des Endchrists tzeytten alle ketzerey sollten ynn eyne grundsuppe sich samlen und die wellt vorschlinden.Das hat nit baß mugen geschehen, denn da die gantz schrifft ist durch den Bapst nyderlegt und seyn eygen gesetz auffgericht. Drumb sind itzt die Bischoff [WA s. 237] nit mehr ketzer, konden auch nit ketzer werden, denn sie haben des buchs keyn stuck, darynnen ketzer werden, das ist, die Euangelia, und haben alle ketzerey auff eynen hawffen zu sich bracht.

       Vor tzeytten wie boeß die ketzer waren, blieben sie doch ynn der schrifft unnd ließen ettlich stuck gantz, aber itzt, was ist uber bliebenn? dieweyl diß gottis gepurtt und der glawb nit mehr erkennet noch predigt wirtt, ßondern eyttel menschengesetz und werck getrieben werdenn? Was ligt dran, ob Christus gott oder nit got sey, war fleysch oder eyn scheyn sey, seel oder keyn seel habe, fur oder nach seyner mutter komen sey, und allerley yrthumb und ketzerey giengen, die yhe geweßen seyn, ßo wyr doch nit mehr von yhm haben, denn alle dieselben ketzer? prauchen seyn auch nit, und ist eben ßo viel, alß were er vorgebens mensch worden, und alle ding umbsonst von yhm geschrieben, dieweyl wyr erfunden haben, wie wyr durch unßer werck mugen tzu gottis gnaden komen. Darumb ist itzt keyn unterscheydt unter unßern Bischoffen und allen ketzernn, die yhe geweßen sind, denn alleyn die, das wyr Christum mit dem mund unnd fedder nennen tzum deckel und scheyn. Aber darunder unß seyn ßo gar eußernn und seyn alß wenig nutzen und brauchen, alß were er der, wie alle ketzer an yhm genarret haben, wie das S. Petrus .2. Pet. 2. [2. Petri 2, 1] vorkundigt hat und sagt: Es werden falsch lerer unter euch kommen, die den gott, der sie kaufft hatt, vorleugnen und den weg der warheyt vormaledeyen. Was hilffts nu, ob Christus nit sey, wie yhn die ketzer haben predigt, so er gleychwol unß nichts mehr ist noch schafft, denn denselben? Was hilffts, [WA s. 238] das wyr mit dem mund solche ketzerey vordamnen und Christum recht erkennen, wenn gleych wol das hertz nitt anderß von yhm hellt denn sie? Ich sehe nitt, was sie mugen antzeygenn, datzu Christus nod sey, wenn ich durch meynn werck mag gottis gnaden erlangen. Es ist nit nodt, das er gott sey unnd mensch werde, kurtzumb alliß, was vonn yhm geschrieben, ist keyn nodt; Were gnug, das got eyn person gepredigt were, wie die Juden glewben, und ich darnach mit meynen wercken seyn gnade erlanget. Was wollt ich mehr habenn? Was darfft ich mehr? Alßo ist Christus und der schrifft gar keyn nodt, ßo des Bapsts und der uniuersitett leren bestehen. Drumb hab ich gesagt, Bapst, Bischoff und hohen schuelen sind nit gutt gnug, das sie ketzer mochten seyn, ßondernn sie ubirtreffen alle ketzer und sind die grundsuppe aller ketzereyen, yrthumb unnd abtgottereyen, die von anbegynn geweßen, damit das sie Christum gantz, gottis wort auch gantz vordrucken und nur die namen dauon tzum scheyn behallten, wilchs noch nie keyn abtgottere, nie keyn ketzer, nie keyn Juden than haben, der Turck auch nit ßo ßere dasselb thut. Und ob die heyden fur Christus gepurt auch wol on Christo und schrifft gewest sind, haben die doch nitt widder die schrifft und Christum gehandellt, wie diße thun. Drumb sind sie on gleychen besser geweßen, denn die Papistenn.

       Drumb last unß ynn dißer ergisten Endchristischen tzeyt weyß seyn und am Euangelio hangen, wilchs nit leret, wie unßer vornunfft eyn liecht sey, wie menschenn unß leren mugen, ßondern Christum unß furtregt, alß [WA s. 239] [Joh. 1, 4] des wyr nitt emperen mugen, und spricht: das wortt, dadurch alle ding geschaffen sind, ist das leben, und dasselb leben ist eyn liecht der menschen. Glewb sicherlich: es ist war, Er ist eyn liecht der menschen, das on yhn eyttel finsterniß ym menschen sey, das er nit wissen muge, was und wie er thun solle, schweyg denn, das er sollt gottis gnaden erlangen mit seynen wercken, wie die tollen hohen schulen mit yhrem abgott, dem Bapst, leren und alle wellt vorfuren. Unnd auff das er eyn liecht der menschen wurd, das ist: das er bekand wurd, ist er komen, hatt sich unter sie leyplich und personlich [Luk. 15, 8 ff.] ertzeygt und ist mensch worden, da ist das liecht ynn die latern gesetzt, und nit der vorlorn pfennig durch seyn werck und liecht der latern nachlauffen und sie gesucht, ßondernn die latern hatt den pfennig gesucht und funden mit yhrem liecht, hat drob das gantz hawß dißer wellt mit dem rechten keerbeßen gekeret und ynn allen wincklen sucht, suecht, keeret, und findt auch noch biß an Jungisten tag.

 

[Joh. 1, 14]  Es ist aber eyn hoher artickell, das alleyn das wort ist fleysch worden und nit der vater, ßo doch sie beyde eyn voller, eyniger, warer gott sind, aber der glawb begreyfft es alliß, und ist billich, das die vornunfft nit begreyffe; denn es ist drumb geschehen und geschrieben, das sie es nit soll [Joh. 1, 5] begreyffen, ßondernn gantz blind, finster, narr werden und auß yhrem allten, falschen liecht tretten ynn eyn new liecht. Doch strebt dißer artickel nitt widder das liecht der vornunfft, das da sagt: man soll got dienen, glewben und frum seyn, das bleybt mit dissem artickel. Aber wenn sie treffen soll und sagen, wer derselb gott sey, da springt sie tzuruck und sagt: das ist nit gott, und will das gott heyssen, das sie dunckt; drumb wenn sie hoeret, das ditz [WA s. 240] [Joh. 1, 1] wort gott sey, und der vatter auch derselb got sey, ßo schuttlet sie den kopff, will nit hynan, dunckt sie nit recht noch war seyn, bleybt auff yhrem dunckel, meynet, sie wiß es baß, was und wer got sey, denn yhr yemand sagen kan. Sihe, alßo bleyben die Juden auff yhrem dunckel, tzweyffelln gar nichts, das gott tzu glewben unnd tzu ehren sey, aber wer derselb gott sey, das behallten sie yhn selb tzu ortternn, da wollen sie meyster seyn, da muß gott selb yhn liegen und unrecht haben. Sihe, alßo thut die vornunfft ynn allen gottis wercken und wortten, schreyet ymer, gottis werck und wortt sey tzu ehren, doch das es yhn yhrem gefallen unnd urteyll stehe, wilchs gottis werck und wortt seyn soll. Sie will got richten ynn alle seynen wercken und wortten und will von yhm ungerichtet seyn. Es soll ynn yhrem wilkore stehen, was got sey odder nitt sey. Da sihe, ob gott solchem unmeßlichem freuel ynn der schrifft nitt billich feynd sey, ob er nit billich offentliche sunder unnd sonderynnen solchen heyligenn vortzihe? Was mag vordrießlicher erdacht werdenn, denn solche grewliche vormessenheytt? Das sag ich darumb, das wyr die tzartte frucht recht erkennen, wer sie sey, der von dem Bapst und hohen schulen ßo viel geben und tzugeschrieben wirtt, das sie on Christo, vonn yhr selb, mug gottis gnade erlangen mit yhrenn werckenn, die da gottis groste feynd ist und yhn gerne wollt tzu nichte machen, das sie nur alleyn gott und recht were, die soll gottis gnaden erlangen. Ich meyne, das sind yhe finsternisse.

       Sihe, ßo muß die vornunfft abgotter machen und kan nit anderß thun; denn sie weyß wol von gottis ehre tzu sagen, aber sie gehet alltzeytt hynn unnd thut dieselben ehre dem, das sie dunckt gott seyn; das ist denn gewißlich nit gott, ßondernn yhr eygen dunckel und yrthumb, wie das ynn den propheten [WA s. 241] manichfelltig wirt beklagt. Es hilfft auch nit, das yemand wollt sagen, wie die Juden sagen: Ja, ich meyn den gott, der hymel und erden geschaffen hatt, da kan ich yhe nit feylen unnd muß recht antreffenn. Anttwort er selb durch [Jes. 48, 1] Isaiam .48: Yhr schweret bey dem namen gottis und gedenckt an den gott [Jer. 5, 2] Israel, nit ynn der warheyt noch ynn der gerechtickeyt. Unnd Hiere. 5: und ob sie gleych sagen: bey dem lebendigen gott, ßo schweren sie doch falsch. Wie gaht das ßu? Alßo gaht es tzu, das wer gott ynn eynem stuck nit auffnympt, ßonderlich ynn dem, das er furtragen lesst, den hilfft darnach nichts, das er yhn will auffnehmen ynn den stucken, die er selb erwelet. Wenn Abraham hett wollen sagen, es were nit gott noch gottis werck, da yhm wartt gepotten, er sollt seynen ßon Isaac opffernn, und hett seyner vornunfft gefolget unnd gesagt: Er wollt nit seynen ßon opffern, er wollt aber ßonst gott dienen, der hymel und erden geschaffen hatt, — Was hetts yhn geholffen? Er hett gelogen; [1. Mose 1, 1] denn er hett eben ynn demselben furworffen den gott, der hymel und erden geschaffen hatt, und eyn andernn gott ertichtet unter dem namen des gottis, der hymel und erden geschaffen hat, und hett den rechten gott, der yhm das gepott furlegt, vorachtet. Sihe, alßo liegen alle, die da sagen, sie meynen den rechten gott, der hymel und erden geschaffen hatt, unnd nehmen doch seyn werck und wortt nit an, ßondern setzen yhrn dunckel ubir gott und seyn wort. [1. Mose 1, 1] Wenn sie nu warhafftig glewbten an eynen gott, der hymel unnd erden geschaffen hatt, ßo wurden sie auch wissen, das derselb got auch eyn schepffer ubir yhren dunckel were und denselben machen, brechen, richten sollt wie er [WA s. 242] wollt. Nu sie aber yhn nit lassen eyn schepffer seyn ubir sich selb unnd yhrem dunckel ynn eynem solchen kleynen stuck, kan es nit war seyn, das sie yhn der gantzen creatur schepffer glewben.

       So sprichstu: ia, wie wenn ich vorfurt wurd, unnd es were nit gott? Anttwort: Schweyg still, lieber mensch, eyn solch  hertz, das auff seynem dunckel nit steht, lessit gott nit vorfurtt werden; denn es ist nit mueglich, das er [Luk. 1, 53] ynn eyn solch hertz nit sollt kommen und wonen, wie die Mutter gottis sagt: [Ps. 107, 9 [!]] Er erfullet die hungerigen. Und Ps. 104: Die ledigen seelen erfullet er. Wirt aber yemand vorfurtt, ßo ists gewiß, das er auff seynem dunckel gestanden ist heymlich odder offentlich; drumb eyn ledig hertz, das steht alltzeyt ynn furchten, ynn den dingen, die ungewiß sind, ob sie auß gott sind, die dunckeler aber fallen plotzlich drauff, lassens gnug seyn, das es gleysset und sie gut dunckt. Widderumb, was auß gott gewißlich ist, das nemen die ledigen schnell auff, aber die dunckler vorfolgen dasselb. Nu ist keyn gewisser tzeychen, das ettwas von gott sey, denn ßo es widder und ubir den dunckel ist; ßo meynen die dunckeler, es sey nit gewissers, das auß gott nit sey, denn ßo es widder yhrn dunckel ist; denn sie sind gottmecher und gotmeyster, was yhrm dunckel recht ist, das soll gott und gottis seyn. Alßo mussen alle die vorfuret werden, die auff yhn selbs stehen; unnd alle, die tzu recht komen, die yhr selbs mussig und ledig stehen, das sind, die den rechten Sabbat feyren. Und wo derselb dunckel dahyn kompt, das er gottis wort auff seynen freuel furtt und alßo [WA s. 243] mit seynem liecht ynn die schrifft fellet, Da ist keyn radt noch hulff mehr; denn da meynet er, gottis wort sey mit yhm, da musse er ubir hallten, das [Spr. 24, 16] ist der letzt fall unnd recht Lucifers ungluck, da Salomon von sagt: Der gerecht fellet sieben mal unnd steht widder auff; Aber die unglewbigen fallen ynn alle ungluck.

 

[Joh. 1, 14] Das sey dauon itzt gnug, komen widder auff das Euangelium. Er spricht: das wortt, das fleysch wordenn ist, hab unter unß gewonet, das ist: Er hatt unter den menschen auff erden gewandellt, wie eyn ander mensch, ob er wol got ist, dennoch ist er eyn burger tzu Nazareht und Capernaum worden, [Phil. 2, 7.8] hatt auch geperdet wie eyn ander mensch, wie auch S. Paulus Phil. 2 sagt: Er hat sich seyner gotlichen form geussert und ist gleych worden wie ander leutt unnd ist ynn allen seynen geperdenn erfundenn wie eyn mensch, hatt sich selb gedemutiget und ist gehorsam wordenn biß ynn den todt. Drumb soll ditz gleych-werden christi und seyn wonung nit vorstanden werden nach seyner menschlichenn natur — denn nach derselbenn ist er gleych worden den menschen, durch seyne gepurt von Marien, daselb ist er ynn die menschlich natur komen unnd den menschen nach der natur gleych worden —, ßondernn es soll vorstanden werden nach seynem eußerlichen weßen und wandel, das er essen, trincken, schlaffen, wachen, erbeytt, ruge, hawß und stadt, gehn und stehen, kleyd und gewant, und alle menschliche wandell und geperden auch gefurt habe, das yhn niemandt hett mugen fur eynen gott erkennen, wo er nitt durch Johannes und das Euangelium vorkundigt were. [WA s. 244]

 

[Joh. 1, 14] Weytter spricht er: Und wyr haben seyne ehre gesehen, das ist: seyne [Hebr. 1, 3] gottheytt ynn seynen wundertzeychen und leren. Das wortlin: Ehre haben wyr droben ynn der Epistell auch gehoertt, da er sagt von Christo: Er ist eyn scheyn seyner ehren, und nennet die gottheyt alßo. Wenn ich aber auff recht deutch sagen sollt, sprech ich, das dieselbe ehre, die auff hebreisch: Cabod, auff kriechsch: Doxa und auff latinisch: gloria heyßt, auff deutsch hieße: herlickeyt.Denn alßo sagen wyr von eynem herrnn odder grossen man: Er habs herlich außgericht unnd sey mitt großer herlickeytt tzugangen, wenn es kostlich, reychlich und doch dapfferlich ist tzugangen. Alßo das herlickeytt heyß nit alleyn eyn groß geschrey odder weydtruchtige ehre, ßondernn auch die ding, dauon solch rhum gerhumet wirtt, alß da seyn kostlich hewßer, gefeß, kleyder, speyß, gesind und desgleychen. Wie Christus vom Salomon sagt [Matth. 6, 28. 29] Matt. 6: Sehet, wie die lilien wachßen. Ich sage euch, das Salomon ynn alle seyner glorien, das ist: ynn all seyner herlickeytt, nit alßo ist bekleydet geweßen, alß eyniß auß denen; da nennet er yhe die gloria gewißlich die [Esther 1, 4] herlickeytt. Alßo auch Hester 1: der konig Asuerus macht eyn grossis mal, das er beweyßete die reychtumb der herlickeytt seyniß kunigreychs. Alßo [WA s. 245] mochten wyr das droben ynn der Epistelln alßo vordeutschen: Er ist eyn scheyn [Hebr. 1, 3] seyner herlickeytt. Alßo sagen wyr auff deutsch: das ist eyn herlich ding, eyn herlich weßen, gloriosa res, Eyn herliche tadt. Das will auch hie der [Joh. 1, 14] Euangelist. Wyr haben gesehen seyn herlickeytt, seyn herliche weßen unnd tadt, die nit eyn schlechte gemeyn herlickeyt geweßen ist, ßondernn:

 

[Joh. 1, 14]  Eyne herlickeyt als des eyngepornen ßons von dem vater.

Hie druckt er auß, wer das wortt sey, dauon er und Moses bißher geredt; Nemlich der eynige ßon gottis, der alle die herlickeyt hatt, die der vater hat; drumb nennet er yhn den eynigen, eyngepornen, das er yhn ßondere ubir alle gottiskinder, die nit naturliche kinder sind, wie dißer eyniger. Und damit ist aber seyne ware gottheytt antzeygt; denn wo er nit gott were, kund er nit fur den andernn der eyngeporne ßon heyssen, wilchs da ßo viel ist gesagt: Er unnd keyner mehr ist gottis ßon, wilchs nit mag gesagt werden von den heyligen Engeln und menschen; denn yhr keyner ist alleyn gottis ßon, ßondern sind alle bruder und gleych geschaffne creaturn, erwelete kinder auß gnaden, nit geporn auß natur. Das sehen aber muß man nit alleyn auff das leyplich gesicht tzihen; denn die Juden sahen auch seyne herlickeytt und hieltens doch nit fur herlickeyt alß des eyngepornen ßon gottis, ßondern das die glewbigen das gesehen haben unnd mit dem herzen glewbt. Die unglewbigen, wilchen yhr augen sehen auff die welltlichen herlickeyt, haben diße gottliche herlickeytt nitt geachtet. Sie leyden sich auch nit bey eynander; wer herlich seyn will fur der wellt, muß schendlich seyn fur gott. Widderumb, wer schendlich ist fur der wellt umb gottis willen, der ist herlich fur gott.

[WA s. 246]

 

 

[Joh. 1, 14] Voller gnaden und warheytt.

Dyeße tzwey wort setzt die schrifft gemeynicklich beyeynander. Gnade bedeutt, das es allis angenehm ist fur gott, was er ist und thutt. Warheytt bedeutt, das es allis grundguet unnd recht ist ynn yhm selb, was er ist unnd thutt, und alßo nichts ynn yhm, das nit angenehm unnd rechtschaffen sey. Widderumb ists ynn den menschenn, da ist eyttel ungnad unnd falscheytt, das allis, was sie thun, das ist ungenehm [Ps. 116, 11] fur gott. Es ist auch ym grund falsch unnd nuer eyttel gleyssfenn, wie Ps. 115: [Ps. 39, 6[!]] alle menschen sind luegener, Item Ps. 51: alle menschen sind eyttell; das ist aber gesagt widder die vermessenne Papisten und Pelagianer, die außer Christo, ynn wilchem alleyn gnade unnd warheytt ist, noch ettwas finden, das gutt unnd war sey. Und wie droben gesagt, ist wol war, das ettlich ding war unnd angenehm seyn, Alß des naturlich licht, das da sagt: drey unnd tzwey sind funffe, Gott ist zu ehren &c.. Aber dasselb liecht kompt nymmer zu seynem werck, ßondernn ßobald die vornunfft treffen soll und solch liecht yn den brauch und ubung bringen, ßo keret sie das hynderst zufodderst und nennet das gutt, das boß ist, unnd das boß, das gutt ist, heyst das gottis ehre, das gottis unehre ist, und widderumb. Darumb ist der mensch nur eyn lugener und eyttel, das er auch solchs natuerlichen liechts nit brauchen kan, denn nur gott zuwidder, wie dauon droben viell gesagt ist.

       Auß dissem Euangelio ist nit nodt den harnisch zu suchen, es ist eyttel harnisch und hawbtstuck, die da gruenden den artickel des glawbens, das Christus [WA s. 247] war gott und mensch sey. Und das on gnade die natur, frey wille und werck nichts sein denn lugen, sund, yrthumb und ketzerey, widder die Papisten und Pelagianer.

 

 

 

 

 

[Apg. 6, 8 –14] Die Epistell an Sanct Stephans tag. Act. vi. unnd vij.

 

1522[WA s. 247]

Stephanus, voll glawbens und krafft, thett große wunder und tzeychen unter dem volck. Da sind ettlich auffgestanden auß der samlung, die do hießen Libertiner und Cyrener und Alexandriner, und die auß Cilicien und Asia waren, und disputierten mit Stephano, und sie mochten nit widderstehen der weyßheit und dem geyst, durch wilchen er redte. Da haben sie zugericht ettliche mann, die do solten sagen: wyr haben von yhm lasterwort gehoret, die er widder Mosen und gott geredet hatt. Und haben das volck unnd die radtherrnn und die schrifftweyßen bewegt. Und sind zugelauffen, haben yhn genomen und fur den radt gefurett, und haben dargestellet falsche getzeugen, die sagten: Dißer mensch will nit auffhoren, tzu reden lasterwortt widder dieße stett unnd widder das gesetz. Denn wyr habenn gehorett, das er sagt: Jhesus Nazarenus, der wirtt tzustoren diße stett unnd wandelln die satzung, die uns Moses geben hatt.

 

 Hie ist umb der lenge willen auß gelassenn eyn gantz Capitel, darynn S. Stephanus anttwortett auff solche klage. Denn der diße Epistell vorordnett [WA s. 248] hatt und alßo gesetzt, hatt das beste stuck ubirgangen und darnach diß folgende stuck des sibendenn Capitals daran gehengett:

 

[Apg. 7, 54 —59] Da sie das horetten, ist yhr hertz zuborsten und knyrsten mit yhren tzeenen ubir yhn. Und als er denn war voll heyliges geystes, hatt er yn denn hymell gesehen und sah die herlickeyt gottis und Jhesum, das er stund tzur rechten gottis. Und sprach: Sehet da, ich sehe den hymell offen und den Son des menschen stehend zur rechtenn gottis. Aber sie schrien mit grosser stym und hielten yhr oren tzu, und eyntrechtiglich furen sie ubir yhn und stiessen yhn tzur statt hynauß und steynigeten yhn. Und die tzeugen legten yhr kleyder zu den fuessen des Junglings, der do hieß Saulus, unnd steynigeten Stephanum, der rieff und sagt: Meyn herr Jhesu, Nym an meynen geyst. Da knyett er nyder und schrey mit grosser stym: Herr, setze yhn nitt dieße sunde; unnd da er das gesagt, da ist er entschlaffen.

 

       Das der text dißer Epistell vorstanden werde, muessen wyr datzu thun etwas, das aussengelassen ist, und den handell mit seyner ursach ertzelen. Es [Apg. 7, 48] hatt sich der hadder daruber erhabenn, das Stephanus hatt gesagt, es wer allis keyn nuetz, was ausser dem glawben geschehe, unnd man muge gott nit dienen mit kirchen pawen odder wercken, wo nit der glawbe da sey ynn Jhesum Christum; derselb glawb mache alleyn frum unnd bawe den rechten tempell [WA s. 249] gottis, das find die glawbigen hertzen. Dawidder haben die Juden Moses gesetz und den tempell tzu Hierusalem auffgeworffen, von wilchem offtt ynn der Biblien stett, das gott dieselbenn stett erwelett habe, unnd seyn augenn sollten dahynn alltzeyt sehen, unnd es hieß auch gottis hauß; damit wollten sie gewonnen habenn. Da furet Sanct Stephanus widder sie den spruch [Jes. 66, 1, Apg. 7, 49. 50] Isaie. 66: Alßo spricht gott: der hymel ist meyn stuel, und die erde ist meyn fußbanck. Was ists denn fur eyn hawß, das yhr myr bawen muegett? und wo soll die stett seyn meyner ruge? Hatt doch das alliß meyn hand tzuuor gemacht, unnd ist alliß schon tzuuor gemacht, spricht gott. Dißer spruch ist ßo klar unnd gewelltig, das yhm niemant mag widdersprechen, und schleußt, das gott nit wonen muege ynn gemachten hewßern, ßo alliß, was man datzu [Jes. 66, 1, Apg. 7, 49] haben soll, er tzuuor geschaffen hatt und tzuuor seyn ist. Datzu, ßo der hymel yhn nit begreyfft noch die erden, wie er hie sagt, das der hymel nit seyn hawß, ßondernn seyn stuel sey, und die erde nit seyn wonung, ßondernn seyn fußbanck — Wie sollt er denn ynn eynem gebawten hawß von den menschen [1. Kön. 8, 27 [!]] wonen? Auff die weyß redt auch Salomon .3. Reg. 7, der doch dasselb hauß bawete.

       Da sie nu fur den kopff gestossen waren mit dissem und dergleychen spruch, das sie nichts mochten dagegen auffbringen, fueren sie tzu und deutten [Apg. 6, 14] seyne wort dahyn: Er hett gesagt, Jhesus wurd den tempel vorstoren unnd Moses gesetz wandelln. Szo doch Stephanus nit alßo sagt, ßondernn das [WA s. 250] der glawb ynn Jhesum Christum alleyn selig macht unnd nit das gesetz odder tempel; darnach wenn der glawb da were, denn mocht man tempel und nit tempel haben und das gesetz recht hallten. Er wollt nur die falsche tzuuorsicht auff die werck und tempel abethun. Gleych alß auch itzt, wenn die Papisten hoeren, die werck seyen keyn nutz, der glawbe Christi muß tzuuor alle ding thun, ßo sprechen sie auch, man habe gutte werck vorpotten und lestere die gepott gottis. Wenn. S. Stephanus itzt sollt predigen, er wurd freylich nit gesteyniget, ßondern mit fewr vorprantt odder mit tzangen tzurissen werdenn von den tzornigen Papisten.

 

[Apg. 7, 2 ff.] Auff solche falsche klage anttwort S. Stephanus und hebt an von Abraham, leufft durch die schrifft unnd tzeygt an, wie wedder Abraham noch keyn Patriarch hab gott eyn hawß gepawett, biß auff Salomon, der bawet yhm eyniß, und waren doch die vorigen patriarchen darumb nichts deste geringer fur gott, ob sie yhm keyn hawß baweten. Und schleußt darnach mit dißem [Jes. 66, 1, Apg. 7, 47 —50] spruch Isaie unnd sagt alßo: Salomon hat yhm  eyn hawß gepawett. Aber der allerhohist gott wonett nit ynn hewßern mit henden gemacht, alß er sagt durch den propheten: Der hymel ist meyn stuel, unnd die erden meyn fußbanck. Was wollt yhr myr denn fur eyn hauß bawen, spricht gott, oder wo soll seyn die stett meyner ruge? Hatt nit alle ding meyne hand gemacht? [Apg. 7, 51 —53] Auff diße wortt folget sanct Stephan, strafft sie und spricht: O yhr [WA s. 251] hallstarcken und unbeschnytten an hertzen und oren, alletzeyt hatt yhr widderstrebtt dem heyligen geyst; wie ewr vetter, ßo seyd yhr auch. Wilchen propheten haben ewre vetter nit vorfollget? Sie haben todtet die, die do vorkundigeten die tzukunfft dißes gerechten, ubir wilchem yhr nu vorrether unnd morder worden seyt, yhr habt das gesetz durch mittel der engell empfangen und noch nie gehallten.

 

[Apg. 7, 54] Da er yhnen eyn solchen text laß, da folget das letzte stuck der Episteln, das da sagt: Da sie das hoereten, ist yhr hertz zuborsten, und knyrsseten mit yhren tzeenen ubir yhn &c.. Szo ists klar, das der hadder geweßen sey ubir dem glawben und gutten wercken. Was sollten aber die papisten thun, die gar keynen grund noch scheyn fur sich haben, denn yhr eygen menschengesetz und lere? Wenn sie solchen scheyn mochten furwenden, alß die Juden hatten? Nemlich, das gott Moses gesetz geben und den tempel tzu Hierusalem erwellet hatte, da sollt allererst sich eyn schreyen heben de Jure diuino, wie denn tzwar die Juden yhr vorfarnn auch thetten.

       Nu diße Epistell ist leycht unnd gibt eyn exempel des glawbens Christi ynn sanct Stephano; drumb darff sie wenig gloßiernn, und wollen sie kurtzlich ubirlauffen. So sey das nu die erste lere, das mit kirchen pawen und stifften [Jes. 66, 1, Apg. 7, 49] gott keyn gefallen geschicht, wie hie .S. Stephan klerlich beweyßet durch Isaiam. Solln wyr aber das sagen und hallten, ßo mussen wyr das wagen, das S. Stephan gewagt hatt; denn damit wurden des Bapsts Bullen, die wolcken des Ablas, das geystlich recht, unnd ßo viel predigeten von den kirchen, altern, stifften, klosternn, kilchen, glocken, taffelln, kertzen unnd kleydernn gar [WA s. 252] vorgehn, das wurd denn die Bepstliche heylickeyt und die seynen vordrießen, nit unbillich; denn damit wurd der bauch, kůchen, keller und alle tzeytlich gutt abnehmen, und mit der tzeyt der muessigang, wollust unnd suesses leben vorwandellt ynn erbeytt, armut unnd unlust, musten studirn unnd betten, odder wie ander leuth sich selb erneren; das were nit gutt, denn damit wurd die heylige Christliche kirche vorachtett, wie Christus unnd die Apostelln voracht waren, unnd mochten nit mehr solch kunigliche pracht furen, streytten, rawben, blutt vorgissen, tzu gottis lob unnd der heyligen kirchenn erhohunge, wie bißher die allerheyligsten ynn gott vetter than haben unnd noch thun.

       Doch soll man ditz alßo vorstehen, nitt das es boß sey, kirchen pawen und stifften, ßondern boß ists, das man drauff fellet unnd vorgist des glawbens unnd der liebe druber, unnd thutts der meynung, als sey es eyn gutt werck, damit man fur gott vordienen wolle. Darauß folgett denn eyn solcher mißprauch, das keyn maß wirt drynnenn gehallten, da will man alle winckell voll kirchen und kloster bawen, on allis bedencken, warumb die kirchen tzu bawen sind. Denn keyn ander ursach ist kirchenn zu bawenn, ßo yhe eyn ursach ist, denn nur, das die Christen mugen tzusammenkomen, betten, predigt horen und sacrament emphahen. Und wo dieselb ursach auffhoret, sollt man dieselben kirchen abbrechen, wie man allen andernn hewßern thutt, wenn sie nymmer nuetz sind. Aber itzt will ynn aller wellt eyn yglicher mensch eynn eygenn Capell odder alltar odder yhe eyn meß stifften, keyner ander meynunge, denn das er acht, dadurch selig tzu werden und den hymell [WA s. 253] tzu keuffen. Ist das nit eyn ellender, iemerlicher yrthum und vorfurung, das man das arm volck ßo leret auff die werck bawen, zu grossem nachteyl yhriß Christlichen glawbens? Es were besser, das man alle kirchen und stifft ynn der wellt außwurtzelett und tzu puluer vorbrentt, were auch weniger sund, obs schon yemandt auß freuell thett, denn das eyn eynige seel ynn solchem yrthum vorfurett und vorderbett wirtt. Denn gott hatt nichts von kirchen, ßondernn alleyn von den seelen gepotten, wilche seyn rechte eygentliche kirchen [1 Kor. 3, 16. 17] sind, dauon S. Paulus sagt .1. Cor. 3: Ihr seyd gottis tempell odder kirchen. Wer aber diße kirchen vorletzt, den wirt gott vortilgen.

 

Aber nu sich der Papisten heylickeyt: das aller wellt seelen mit solchem yrthum ynn grund vorstorett werden, unnd diße rechte kirche gottis zu druemmern geht, das ficht sie nichts an, ia, sie helffen datzu unnd thun keyn ander werck mit yhrem predigen von den wercken, denn das sie solch kirche vorstoren an allen ortten. Darnach kommen sie her und bawen an statt solch vorstoreten kirchenn hultzen und steynen kirchenn unnd machen hie die gewissen ßo enge, das, wer dieselben steyn unnd holtz mit eynem messer eynn wenig picket, der hatt die gantz kirch enttweyhett, da muß man kost unnd muehe habenn, das man sie widder weyhen lasse. Sind das nit rasend, wuetend, toll und toricht, ia unsynnig und besessene leutt, die keyn gewissen, ia ewig vordienst machenn auß solchenn grossenn sunden der vorstoreten kirchenn unnd [WA s. 254] ßo groß gewissen auß dem nichtigen kauckelwerck yhrer kirchen? Ich sage noch: Es were gutt, umb solchs yrthumß willen außtzutilgen, das man alle kirchen eyn mal ynn aller wellt umbkeret unnd ynn gemeynenn hewßernn odder unter dem hymell predigett, bettet, teufftet und alle Christlich pflicht ubett. Syntemal auch die angetzeygte ursach kirchen tzu bawen eyn schlecht ursach ist. [Matth. 21, 23 ff., Mark. 11, 15 ff., Luk. 19, 45 ff] Christus predigt ubir drey iar, und doch nur drey tag ym tempell tzu Hierusalem, die ander tag predigt er ynn den Judenschulen, ynn den wusten, [Matth. 3, 1 ff., Mark. 1, 4 ff., Luk. 3, 3 ff.] auff den bergen, ynn den schiffen, ubir tisch, ynn den hewßen. Johannes der Teuffer kam noch nie ynn den tempell, predigt am Jordan unnd an allen ortternn. Die Apostell predigten am pfingstag tzu Hierusalem auff dem [Apg. 2, 4 ff., Apg. 8, 31 ff.; 16, 13. 25 ff.] marckt unnd gassen. Philippus predigt dem Eunucho auff dem wagenn. S. Paulus predigt tzu philippis am wasser, ym kerker unnd hynn und her [Matth. 10, 12. 13] ynn den hewßern, wie auch Christus yhn befalh Matt. 10, das sie sollten ynn den hewßern predigen. Ich meyn, sie seyn ßo gutte prediger geweßen als itzt seyn. Aber alßo soll es gehen, das den yrrigen predigetten und teuffelsleren kostlich gewelbete hewßer gehalten werden. Aber gottis wort soll keyn herberg yn gantz Bethlehem finden, da es mocht geporen werden.

 

[Apg. 7, 51] Were es hie nit tzeytt, das wir mit S. Stephan dißenn unsynnigen auch sagten: Ihr hallstarcken und unbehawen an hertzen und oren, yhr strebt doch altzeyt widder den heyligen geyst unnd seyd vorrether und worder der [WA s. 255] unschuldigen, eynfelltigen seelen Christi, yhr habt gottis gepott durch die Apostel empfangen und hallt yhr keynß. Ich acht, das hertz sollt yhn auch bersten, [Apg. 7, 54; 6, 13] und die tzeen knyrssen und sprechen: Er hat got gelestert unnd widder die heyligen stett geredt, Er hatt alle kirchen enttweyhett. Ach gott, wilch blindenfurer unnd seelmorder regiern unter dem vorfluchten bapstum! Hie sihestu, warumb der donner gemeynicklich die kirchen fur allen andernn hewßern schlegt, das yhn gott feynder ist denn keynen andern, darumb das yn keyner mordgruben, ynn keynem frawenhawß solch sund, solch gottlaster, solch seelmord unnd kirchenvorstorung geschicht noch geschehen mag, alß ynn dißen hewßern. Denn wo nit wirt das lautter Euangelium predigt, da ist gar viel eyn geringer sunder der offentlich frawenwirtt, denn derselb prediger, unnd das frawenhawß auch nit ßo boße, alß dieselb kirch; und wenn derselb frawenwirtt gleych alle tag new iunpfrawen und frum eheweyber unnd klosternonnen tzu schanden mecht, das doch eyn schrecklich, grewlich ding ist tzu hoeren, dennoch ist er nitt ßo boß und schedlich alß eyn solch papistisch prediger. Dunckt dich das wunderlich? Denck du selb, eyn solch prediger thutt nit mehr, denn das er die new gepornen hertzen auß der tawff, das iung Christenvolck, die tzarten seelen, wilchs eyttel geweyhete Junpfrawen und brewte Christi sind, mit seynen predigeten teglich vorruckt und schendett; aber [WA s. 256] weyl das nit leyplich, ßondernn geystlich geschicht, ßo bewigt es niemant es niemant, aber got vordreußt solchs ubir alle massen, und auß grossem tzorn spricht er durch [Hes. 16, 25] den propheten gleych grob erauß: Du unuorschampte hur, sperrist deyn beyne auff allen, die fur dyr ubirgehen. So unleydlich ist er ubir solche predigt; dauon klagt auch Hieremias ynn seynem gepet: Sie haben die weyber tzu Zion [Klagl. 5, 11] und die iunpfrawen ynn den stetten Jude tzu schanden macht. Nu ist yhe die geystliche iunpfrawschafft, der Christliche glawb, unmeßlich besser denn die leypliche, syntemal sie alleyn den hymel erwirbt.

       Nit alleyn wirt der Christlich glawb vorstoret durch solch lere und werck, ßondern auch die Christliche liebe. Da sehen wyr die narren ynn yhren kappen hergehen. Es hat mancher  eynen nachpawrn, der arm ist odder eyn tochter, kind, kranck weyb hatt odder sonst durfftig ist, den lest er sitzen und reycht yhm seyn hand nit, geht hynn und gibts an eyn kirchen, odder samlett, dieweyl er lebett. Darnach, am todtbett, macht er eyn testament und stifftet hie unnd da, komen denn pfaffen unnd munch, loben dasselb, absoluiren den frumen man, geben yhm das sacrament, begraben yhn mit ehren und schreyenn seynen namen auß auff der Cantzell und unter der meß: Ey, das ist kostlich ding! Der hatt seyn seel woll vorsorgt, wirt yhm viell guttis nachgethan, ia leyder nachgethan und alltzu langsam!1 Aber die sunden, das er seynen [WA s. 257] [Luk. 16, 19 ff.] nehsten ym leben, do erß wol vormocht, vorlassen hatt, und wie der reych ym Euangelio den armen Lazarum ließ, erynnertt yhn niemant, er bedenckt sie auch nit, die sund muß ungepeycht, unberewett und unabsoluirtt bleyben, weren noch ßo viel bullen, ablas und geystliche vetter da; denn das ist auch die rechte sund, die ynß iungist gericht gehorett. Davon Christus sagen wirt: [Matth. 25, 43] Ich bynn nackett geweßen, und yhr habt mich nicht gekleydett. Szo wirt denn dißer frum man sagen: Ey herr, ich habs gesamlet, das ich dyr eyn stifft stifftett, unnd habe dem Bapst eyne bullen damitt betzalet, ßo bynn ich von yhm absoluirt von allenn meynen sunden. Was sollten solch leut anders horen, denn das urteyl: weycht von myr, yhr vormaledeytten, ynß ewige fewr. Darumb, das sie den Christlichen glawben durch die werck vorstorett und die Christliche lieb umb holtz unnd steyn willen vorachtet haben.

       Drumb last unß weyße seyn, lieben frundt, es thut nodt, last uns yhe lernen, das alleyn der glawb ynn Christum uns selig mach, wie droben gnugsam ist gesagt, das yhe niemandt auff seyne werck bawe. Darnach, dieweyll er lebt, vbe er sich alleyn ynn den wercken, damit er seynem nehsten hulfflich sey, laß testament testament seyn, stifft stifft seyn, unnd stiffte seyn thun auff wolthun seynem nehisten, weyll er lebt. Ich will hie sagen eyn Exempel von der heyligen frawen S. Elizabeth: Die kam eyn mal ynn eyn [WA s. 258] kloster und sahe, das unßers herrn leyden war hubsch gemalet an den wenden, unnd sprach: Die kostung sollt yhr gespart habenn tzur narung des leybs. Denn solchs sollt ynn ewren hertzen gemalet seyn. Sihe da, wie eyn eynfeltig, gottlich und krefftig urteyll ist das ubir die ding, die doch yderman kostlich acht; wenn sie es itzt redett, solltenn sie die papisten gewißlich vorprennen, als die da Christus leyden lestertt unnd gutte werck vorsprochen hett; sie must eyn ketzerynn seyn, wenn sie tzehen heyligen werd were.

 

Die andere lere. Gottis gepott wirtt mit wercken nit erfullet.

Denn S. Stephan vorwirfft allhie nitt alleyn die kirchen und kirchen [Apg. 7, 53] bawen, ßondern auch alle yhre werck, da er sagt: Ihr habt das gepott durch mittell der engel empfangen und nie gehallten. Darumb sie auch yhn widderumb schelten, nit alleyn, als der wider den heyligen tempell geredt, ßondern auch, als der Moses gesetz lestere und andere werck leren wolle, denn sie than hatten. Stephanus kund yhn yhe nit schuldt geben, das sie mit eußerlichen wercken das gesetz nit hielten; denn sie waren yhe beschnytten und hielten speyß, kleyder, fest und was Moses gepotten hatt, auch ßo steynigen sie yhn umb des gesetzs willen. Aber S. Stephanus redet auß dem geyst, da S. Paulus Ro. 2. und .3. [Röm. 2, 17 ff.; 3, 1 ff.] auß redet: Das auß den wercken des gesetzs niemant fur gott rechtfertig ist, ßondernn alleyn auß dem glawben. Auß der ursach: denn wo der heylig geyst nit ist und gnade gibt, da mag des menschen hertz dem gesetz gottis nitt hollt seyn, ßondern wolt viel lieber, es were keyn gesetz, wie ein iglicher ynn yhm selb fulet und sich schwere und unlustig findet tzum gutten, aber geneygt [WA s. 259] [1. Mose 6, 5; 8, 21] und leycht tzum boeßen, wie auch Moses Geñ. 6. und .8. sagt: Des menschen hertz ist nur tzum boeßen genyegt von iugent auff. Dieweyll nu solcher unwil da ist, ßo thutt er die werck des gesetzs mit unlust, nit auß hertzen, muß sie thun auß furcht der straff, schand und helle, oder thutt sie auß liebe seynis nutzs und selickeyt, nitt gott tzu liebe unnd ehren. Dadurch sind alle solch werck nur heuchlerey und fur gott keyn gutt werck geacht. Darumb hatt er den heyligen geyst vorsprochen und gibt yhn auch allen, die ynn Christum glewben; derselb geyst macht das hertz durch seyn gnade willig und lustig  tzum gutten, das der mensch die werck frey umbsonst nur gott zu ehren thutt; denn durch den glawben und geyst ist er schon gerecht und selig, dahyn yhn keyn werck mochten bringen. Sihe, auß dem grund schlewst man frey, das alle, die on glawbenn unnd gnaden sind, keyn gesetz halten, ob sie gleych sich tzu todt mit des gesetzs wercken martereten.

 

[Apg. 7, 51] Das meynet nu hie S. Stephan, das die Juden alltzeyt dem heyligen geyst widderstreben damit, das sie, durch yhr werck vormessen, seyn nit durffen wollen und dieselben werck nit wollen als unrechte vorworffen haben, thun und thun ymer am gesetz und halten doch keynis recht, bleyben heuchler yhr lebenlang, wollen den glawben nitt annehmen, das sie tzu rechten gutten wercken dadurch kemen und durch des geysts gnaden lust und liebe gewonnen tzum gesetz und alßo auß freyhem hertzen das gesetz erfulleten; denn solche wircker und gesetzhallter will gott haben und keyn andere. Darumb spricht [Apg. 7, 51] er auch, das sie hallstarck und unbehawen sind am hertzen und oren, das sie [WA s. 260] solchs widder horenn noch vorstehen wollenn, ruffen ymer: gutte werck, gutte werck, gesetz, gesetz, und thun yhr doch selbs keyniß, gleych wie unßer Papisten auch thun, alle yhr vorfaren, nachkomling und der gantze hauff dißes geschlechts thutt, vorvolgen drob die gerechten, rhumen sich darnach, sie habenß umb gottis und seyniß gesetz willen than. Alßo haben wyr die hewbtsach dißer Epistell. Nu wollen wyr drynnen eyn wenig spaciern.

       Zum ersten sehen wyr hie S. Stephanus exempell auch yn der liebe gegen gott und den nehisten. Gegen gott darynn, das er die Juden ßo ernstlich [Apg. 7, 51. 52] und hertticklich strafft, nennet sie vorrhetter, morder und des gantzen gesetzs ubirtretter, ia, die hallstracken, die da auch widderstrebten dem gesetz und seyner erfullung, datzu dem heyligenn geyst selbs. Item vnbehawene an oren unnd hertzen. Wie mocht er sie hoher unnd grewlicher geschollten haben? Lest er doch nichts gutts an yhn bleyben, das es scheynett, er thu solchs auß ungedullt unnd tzornn. Wer das itzt sollt den Papisten thun, wo mocht yhn die wellt leyden? Aber datzu tzwingt unnd treybt yhn die liebe, die er hatt gegen gott, sie kan nit leyden noch schweygen, das gottis gepott ßo vorachtet werd, sie kan nit heuchlen, sie strafft und schildt, wer widder gott thutt, das lest sie yhr nit weren unnd sollt sie das lebenn dran setzen; das heyst die schrifft zelum dei. Eyn heyliger vordrieß, darumb das der lieb gottis wehe thutt und sie unleydlich vordreust gottis unehre und ungehorsam, des ehre und gehorsam sie am hohsten sucht unnd liebt, wie man auch ließet von dem [WA s. 261] [1. Kön. 18, 40 ff.] propheten Elia, das er eyn ßonderlicher man ware ynn solchem heyligen vordruß widder die falschen propheten. Auß dissem exempell lernen wyr, das alle, die da schweygen tzu den sunden und ubirtrettung gottis gepotten, Gott nitt lieb haben. Wo wollen denn die heuchler bleyben, die auch die ubirtrettung loben? Item die affterreder, und die do lachen und gern horenn und reden von des nehisten ubell?

       Es entschuldigt auch niemandt, das der Bapst ynn seynen tollen gesetzen vorpeutt, und die Papisten leren, man soll die ubirkeyt nit straffen noch richten. Das sind Satanas leren. Wen strafft hie S. Stephan? Sind es nit die ubirsten tzu Hierusalem? unnd er ist doch eyn schlechter, gemeyner man, keyn priester noch geweyhetter. Ja, er leret uns damit, das eyn yglicher Christen den Bapst unnd ubirsten straffen soll unnd schuldig ist, schweyg denn, das erß nit fug odder macht haben solt. Und furnehmlich sind sie tzu straffen ynn den geystlichen sunden, wie hie S. Stephan sie nit strafft von groben sunden, ßondernn von der gleyßnerey, das sie nit glawbten unnd dem [Apg. 7, 51] heyligen geyst nur widderstrebten; denn darynn thun sie am meysten schadenn, vorfuren sich und das volck mit yhren gesetzen und wercken. Alßo ist der Bapst, Bischoff und alle Papisten offentlich tzu straffen als die halstarcken, unbehawene gleyßner, die dem heyligen geyst widderstreben und keyn gepott gottis hallten, nur die Christlichenn seelen vorradten und morden, darynn sie Christus vorrether und morder sind, der dieselben mit seynem blutt erworben hatt.

[WA s. 262]

 

Und weyl wyr ßo eben drauff kommen, das S. Stephan sey eyn leye odder gemeyn man, nit eyn priester geweßen, wie sie yhn eyn Leuiten singen und machen eyn Epistoler odder Euangelier auß yhm, das yhe nichts unuorkeret [Apg. 4,32 ff.;,6, 1 ff.] bleybe. Es ist tzu wissen, das S. Lucas Act. iiij. und .vi. schreybt, das die Christen am ersten anfang tzu Hierusalem alle yhr gutter  ynn die gemeyn gaben, da teyleten die Aposteln eynem yglichen was yhm nodt war. Es geschach aber, das die wittwen der krichschen nitt wie die hebreyschen vorsorgt worden. Da hub sich unter yhn eyn murmell, da sahen die Apostell, das solch werck wollt yhn tzu viel werden, das sie das predigen und beten drob vorhyndern musten, und vorsamlten sie alle und sprachen alßo: Es ist nit billich, das wyr das wort gottis lassen und den tischen dienen. Erwelet unter euch etlich frume man, die wyr uber das werck setzen, wyr aber wollen des ampts des predigens unnd betens wartten. Alßo wartt S. Stephan mit andern sechßen erwelet und ubir solch guetter außtzuteyle gesetzt. Daher kommen ist das worttlin Diaconus, eyn diener, darumb das sie der gemeyn dieneten, außtzurichten yhr tzeyttliche noddurfft. So ists nu klar, das S. Stephan ist ein scheffner odder vogt und vormund geweßen der Christen, ynn tzeytlichen guetternn außtzuteylen den, die seyn dorfften. Aber mit der [WA s. 263] tzeytt hatt man Episteler und Euangelier drauß gemacht. Unnd ist nichts mehr von S. Stephans ampt ubirblieben, denn was noch eyn wenig tzeygen die nonnen, probst, spitallmeyster und vormunde der armen. Solch leutt solten die Epistoler und Euangelier seyn, nit die da geweyhett, beschorn, dalmaticken anhetten unnd den fliegen wereten bey dem allter, ßondernn eyn gemeyn leye und frum man, der eyn register hett der duerfftigen unnd den gemeynen beuttel ynn seynem befelh, außtzuteylen wo nott were; das ist das eygentlich recht ampt S. Stephans, dem widder von Epistel noch Euangeli leßen, noch von platten, noch von dalmaticken ettwas yhe getrewmet hatt. Es sind nur eyttell menschen fundle.

       Szo erhebt sich denn hie eyn frage, ob die leyen und der gemeyne man muge auch predigen, weyl hie S. Stephan nit tzu predigen, wilchs ampt die [Apg. 6, 1 ff.] Apostell yhn vorbehielten, wie gesagt ist, ßondern tzu hawßhalten gesetzt wartt, und er doch, wenn er tzu marckt gieng und unter die leutt kam, gleych rumortt mit tzeychen und wundernn, wie diß Epistell sagt, da tzu die ubirsten auch strafft. Were der Babst und papisten da geweßen, sie hetten gewißlich nach dem format und dem character gefragtt, und wo er nit eyn platten auch datzu hett mit eynem bettbuch tragen, hett er must gewißlich brennen als ein ketzer, dieweyll er keyn priester noch klerick were; denn den Titell priester und klerick, wilche die schrifft allen Christen eygent, haben sie tzu sich gerissen und heyssen die andern: leyen, gleych wie sie sich auch die kirchen [WA s. 264] heyssen, als weren die leyen außer der kirchen, das tzartte edle volck, das doch wider priester, noch klericken, noch kirchenampt und werck thutt, nerren die wellt mit yhren menschenfundle. Aber S. Stephan steht hie fest und gibt macht mit seynem exempell eynem yglichen, tzu predigen, an wilchem ortt man horen will, es sey ym hawß odder auff dem marckt, unnd lest gottis wortt nit ßo gepunden seyn an die platten und langen roecke, damit er doch die Apostelln nit hyndertt an yhrem predigen, ßondernn seynes ampts auch warttett, bereytt tzu schweygen, wo die Apostell selbs predigen. Denn es muß yhe eyn ordnung habenn, das nit alle tzugleych predigen, ßondernn wie [1. Kor. 14, 29. 30] S. Paulus .1. Cor. 14. beschreybt: Eyn odder tzween reden, unnd ßo eynem [Apg. 15, 4 ff.] andern ettwas eynfellt, der vorige schweyge, wie das Act. 15. auch beweyßet ist: Das S. Peter hatt außpredigt nach der predig ettlicher Phariseen, predigt nach yhm Barnabas unnd Paulus, tzuletzt auch S. Jacobus. Und redet eyner nach dem andern, wilchs ynn den hohenn schulen noch eyn wenig leuchtett ynn yhren disputation. Aber nu schwetzt eyner alleyn eynher, von Dittrich von Bern, odder was yhm trewmett hatt. Es sollt eyn recht predigt [1. Kor. 11, 26] tzugehen, wie ynn eyner Collation uber tisch ettwas gehandellt wirt. Darumb [WA s. 265] auch Christus das sacrament eynsetzt, das man drob tzu tisch sitzen und seyn wortt handelln sollt, aber es ist allis umbkeret und eyttell menschenordnung an statt gottlicher ordnung kommen.

       Das sey itzt dauon gnug. Das ander teyll der lieb gegen den nehisten hatt S. Stephan damit ertzeygt, das er auch seynen eygenen mordern nichts ubelß guntte; denn wie hartt er sie strafft umb gottis willen, ßo ist er yhn [Apg. 7, 59] doch ßo gar gunstig, das er am letzten abschied, da er seynen geyst befolhen und sich selb vorsorgt hatte, hynfurtt seyn vorgisset und nur fur sie sorgfelltig ist und ynn derselben liebe seynen geyst auffgibt; denn es [hat] S. Lucas nit [Apg. 7, 58. 59] umbsonst das wort S. Stephanß, da er  fur seyne morder batt, am letzten gesetzt. Datzu, da er fur sich selb batt und seynen geyst befalh, steht er auffgericht. Aber zuletzt, da er fur seyne morder bittet, knyett er nyder, datzu ruffet er hie mit grosser stym, das er fur sich nit thett. O wie viel ernster ist yhm das gepett geweßen, denn seyn gepett fur sich selb; wie muß alda seyn hertz emprantt seyn geweßen, wie werden yhm seyn augen ubirgangen haben und alle seyn leyb bewegt und erwarmet ubir das elend seyner feynd, das er angesehen hatt! Es meynet S. Aug., das solch gepett hab sanct Paulum erredtet. Und ist nit unbillich tzu glawben, das gott solch gepett gewißlich erhortt und ettwas grosser durch desselben willen tzu thun ewiglich vorsehen habe, wie er denn ynn S. Paulo beweyßett hatt. Es hatt nit mugen vorsagt werden, wiewol sie nit alle erredtet sind. Er setzt auch seyne wort feyn und [WA s. 266] [Apg. 7, 59] spricht: Setze yhn dise sund nit, das ist: mach nit, das sie stehe[n] bleybe, wie ein sewle oder grund unbeweglich steht, damit er fur sie beychtet, rewett und gnugthuet, als sollt er sagen: Lieber herr, es ist yhe eyn sund und nit recht, das mag niemand leucken, wie denn rew und beycht zu sagen pflegt: die schuld eynfeltiglich hassen und bekennen; darnach bittet er und opffert sich selb dafur damit der sund yhe gnug geschehe. Sihe, ßo sehen wyr, wie die rechte liebe zugleych ßo eyn großer fynd und freund ist, wie hartt sie strafft, und wie sueß sie hilfft; ein hartte schale, aber ein suessen kern hatt sie, bitter ist sie dem allten menschen, aber gar sueß dem newen menschen.

       Es gibt auch die epistell nit alleyn solch starck lere und exempel des glawbens und der liebe, ßondern auch trost und ermanung, leret nit allein, sondern reytzt und treybt auch, ynn dem das [sie] den todt eynen schlaff [Apg. 7, 59] nennet, da sich alle welt fur entsetzt. Aber hie spricht Lucas: Er ist entschlaffen, das ist: mit eynem sanfften todt, den er nit gefulet hatt, von dannen gescheyden, gleych als eyn mensch, wenn es eynschlefft, weyß es nit, wie yhm geschicht, kompt ynn den schlaff unempfindlich. Und es ist hart auff ditz wort des geystis tzu bawen, er wirt nit liegen, das der Christen todt eyn schlaff und senffte sterben sey. Denn das ist die gnad und krafft Christi, das hatt er mit seynem todt uns erlanget, das uns der todt nitt sawr ankome, ßo wyr [Joh. 8, 52] glewben ynn yhn, wie er sagt Joh. 8: Wer meyn wortt behellt, der wirt den tod nit schmecken ynn ewickeyt. Warumb nit schmecken? darumb, das die seele ynn seynem lebendigen wortt begriffen, voll desselben lebens, nit mag [WA s. 267] den tod fuelen; denn das wortt lebet und fuelet den todt nit, ßo auch die seele, die ynn demselben wort glawbt und lebt. Darumb heyssen Christus wort wortt des lebens und sind auch wortt des lebens, und muß leben, wer dran hanget und glewbt.

 

[Apg. 7, 55] Diße reytzung und trost wirtt noch grosser dadurch, das er sagt: Er sehe die hymell offen und den ßon des menschen stehen tzur rechten gottis. Damit hatt Christus antzeygt, wie nah, wie willig, wie vleyssig er ubir uns hallt unnd bereytt sey tzu helffen, wenn wyr nur ynn yhn glawben unnd das lebenn umb seynen willen frolich wagen. Es ist nit umb S. Stephans willen alleyn geschehen. Szo ist es yhe nit umb seynen willen beschrieben, ßondern uns tzu trost, das wyr nitt tzweyfelln solln, er thu uns auch alßo, wo wyr thun, als S. Stephan thett. Es ist ubir die maß trostlich und dem todt eyn grosser trotz gepotten, das die hymell offen stehen. Was sollt nit offen und bereyt seyn, wenn die hymell, die hohisten creaturn, offen stehen, unßer gleych wartten und fro werdenn, das wyr komen? Ja, du wolltist, das sie dyr auch alßo sichtlich offen stunden. Aber sollt eynem yglichen das widderfaren, wo bliebe der glawbe? Es ist gnug, das eynmal geschehen ist, aller Christen glawben tzu trosten unnd stercken, den todt vorechtlich machen; denn wie wyr glawben, ßo geschicht uns, ob wyrß woll nit sehen. Desselben gleychen, wilch engell, wilch creatur sollt nit bereyt seyn und da stehen, ßo der herr selb bereytt ist unnd da stehett tzu helffen? Und ist mercklich gesagt, das er nit eyn engell, nit gott selber, ßondernn den menschen Christum gesehen habe, das die lieplichst und gleychist natur ist und dem menschen aller trostlichst; denn eyn mensch sihet eyn menschen lieber, fur engeln und allen creaturn, ßonderlich ynn den nodten.

[WA s. 268]

 

 

       Es fragenn auch hie die spitzenn lerer, die da gottlich werck messen mit der vornunfft und das mehr mit dem leffell tzelen, wie S. Stephan hab mugen ynn den hymell sehen, ßo doch unßer augenn nit mugen ersehen auch eynen fogell,  wenn er eyn wenig hoch fleugt, wie sollt er denn Christum ßo eben gesehen haben, das er Christus und nit eyn ander were? Und wen wyr auff unßerm turn eyn man sehen, dunckt er uns eyn kind seyn und kennen yhn nicht; darumb bessern sie die sach und sagen: Es seyen Sanct Stephan die augen ubirnaturlich gescherfft, das er muge ßo weytt unnd [Apg. 9, 4; 22, 7; 26, 14] gewiß gesehen. Wie aber, wenn S. Stephan ym hawß unter eym gewelb [Matth. 17, 3, Mark. 9, 4, Luk. 9, 30] geweßen were? Laß faren solch menschen geschwetz. Horett doch S. Paulus auch Christus stym vom hymell fur Damasco, und warenn doch seyn oren nit gescherfft, unnd die Aposteln auff dem berg Thabor. Item der Teuffer [Luk. 3, 22, Joh. 12, 28. 29] Johannes Luce .iij. Und das volck Joh. 12: Horeten des vatters stym, unnd wurden doch yhr oren nit gewetzt noch gescherfft. Ists aber nitt viel grosser, das eyn stym ßo hoch herab gehortt werde, denn eyn bild ßo hoch gesehen? Sehen die augen doch unmeßlich weytter, denn die oren horen. Wenn gott sich offenbarn will, ßo ist hymell nahe und alle ding .S. Stephan, er sey unter dem dach odder unther dem hymell geweßen, ßo ist yhm der hymell nah geweßen, hatt nitt weytt durffen sehen. Gott ist an allen enden, darff sich nit herablassen vom hymell, ist bald geschehen eyn solch gesicht, das er warhafftig [WA s. 269] ym hymell sey und doch auffs aller nehist gesehen werd, on alle scherffen odder wandell der synnen. Ob wyr nitt wissen, wie das tzugehe und muglich sey, da ligt keyn macht an; gottis wunder geschehen nit darumb, das wyr sie ermessen und fangen, ßondernn dadurch glawben und getrost werden [Hiob 38, 4] sollen. Miß myr abe, bistu ßo klug, wie durch eyn solchen kleynen stiel wechst eyn ßo grosser apffell, birnn odder kirschen und dergleychen viel geringer wunder, laß gott wircken und glewb du, nitt vormiß, yhn tzu fahen und begreyffenn.

 

[Gal. 5, 22] Und wer mocht alle tugent ertzelen ynn dyßem exempel? Es leuchten alle frucht des geystis drynnen. Da ist liebe, glawb, gedult, gutickeytt, frid, sanfftmutickeytt, weyßheytt, warheytt, eynfelltigkeytt, sterck, trost, sorg fur den nehsten, haß und straff alliß boeßen, vorachtung des tods und dißes lebens, freyheyt, gelassenheytt und alle gnade und alliß gutt; ist keyn tugent, der hie nit eyn exempel sey, keyn laster, der hie nit straff bereytt sey. Das wol [Apg. 6, 8] der Euangelist spricht, Stephanus sey vollis glawbens und tugent geweßen. Unßer text haben alßo: Stephanus voll gnade und stercke, aber der kriechisch, den S. Lucas geschrieben hatt, alßo: Stephanus voll glawbens unnd tugent, das tugent alhie heysse thettickeyt odder thatt, als solt er sagen: Er hatte eynen grossen glawben, drumb thett er auch viel und ware mechtig ynn der tadt. Denn wo der glawb recht ist, da folgett auch die tadt, und yhe grosser der glawb, yhe mehr der tadt. Es ist gar ein krefftig, mechtig, thettig ding [Apg. 6, 8] umb eyn rechten glawben. Nichts ist yhm unmuglich, er rugett und feyrett auch nit. Drumb thet S. Stephan fur ubriger thettickeyt seynß glawbens nit [WA s. 270] alleyn schlechte, gemeyn gutte werck, ßondernn auch wunder und tzeychen ym volck offentlich, datzu grosse wunder und grosse tzeychen, spricht Lucas; das ist geschrieben tzum zeychen, das, wer nit thettig ist, der ist auch nit glawbig, darff sich seynes glawbens nit rumen. Er hatt nit umbsonst den glawben tzuuor gesetzt und darnach die thatt, tzu betzeugen, das die thatt eyn beweysung sey des glawbens. Auch das keyn guttis nit muge geschehen on den glawben, der muß tzuuor seyn ynn allen thatten. Das helff uns gott. AMEN.

 

 

 

 

 

 

[Matth. 23, 34 –39] Das Evangelium an sanct Stephans tage. Matt. xxiij.

 

1522[WA s. 270]

Jhesus sagt tzu den fursten der priester und volck der Juden: Nempt war, ich sende tzu euch propheten, weyßen und schreyber. Unnd ettlich auß denselben werdet yhr todten und creutzigen. Und etlich auß yhnen werdet yhr geyßlen ynn ewrn schulen unnd werdett sie vorfolgen auß eyner statt ynn die andern, auff das ubir euch kome alle das gerechte blutt, das auff erden vorgossenn ist, von dem blutt an Habel, des gerechten, biß tzu dem blutt Zacharie, des ßons Barachie, wilchen yhr todtet habt tzwischen dem gottishawß und dem alltar. Furwar, sag ich euch, alle diße ding werdenn kommen ubir diß geschlecht. O Hierusalem, o Hierusalem, die du todtist die propheten und steynigst, die tzu dyr gesand werden, Wie offt hab ich gewollt samlenn deyne kynder, wie eyn henne samlet yhr kuchle unter yhre flugell?! und du hast nit gewollt! [WA s. 271] Nempt war, ewr hawß soll euch wust gelassen werden. Denn ich sage euch furwar: yhr werdet mich nit sehenn, von nu an, biß das yhr sagett: Gebenedeyett sey, der do kompt ynn dem namen des Herrenn.

 

Das ist eyn hartt Euangelium widder die vorfolger des glawbens; doch ßo viel hertter es ist widder dieselben, ßo viel trostlicher ists den glewbigen, die vorfollgett werden. Und leret diß Euangelium, wie eyn hallstarck ding es sey umb das naturlich liecht, eygen dunckell und vornunfft; wo sie ynn die werck unnd gepott fellet, da horett sie niemandt mehr,wie ym nehisten [Apg. 7, 52] Euangelio gesagt ist, ßondern yhr werck und dunckell soll recht haben, hilfft nit, wie viell man yhr predigt, wie viell propheten gott tzu yhr sendet, es muß alles vorfolgt und todt seyn, was widder sie ist, die groß rodte [Offenb. 17, 5, 3, 4] morderynne, wye sie auch S. Johannes Apoc. 17. abemalet unnd spricht: Sie heyß: Die grosse hure, Babylon, hat eyn rodten purpurrock an, sitzt auff eyner bestien, die auch rodt war, und hat eyn gulden trinckgefeß ynn der handt, voll unflatt unnd grewels yhrer hurerey, das ist: menschenlere, damit sie die reynen, glewbigen seelen vom glawben furet und tzu schanden macht, erwurgt drob alle, die yhr weeren.

       Solchen halstarcken, mordischen eygensynn tzeygt diß Euangelium auch, [Matth. 23, 34] zum ersten damit, das gott allerley mit yhr vorsucht. Sendet tzu yhr allerley prediger, die er mit dreyen namen ertzelet: propheten, weyßen, schreyber. Propheten sind, die auß bloßer eyngebung des heyligen geysts predigenn, die [WA s. 272] es nitt auß der schrifft odder durch menschen geschopfft haben, als Moses und Amos waren. Unnd das sind die hohisten unnd besten, die sind weyße und kunden andere weyße machen, schrifft setzen und außlegen; der artt sind geweßen fast alle vetter fur und mit Mose und nach yhm auch viel, ßonderlich [Apg 4, 13 [!]] die Apostell, die da leyen und schlecht ungelertt leutt, wie Luc. Act. 5. sagt, der schrifft unkundig waren. Die weyßen sind, die es nit bloß auß gott, ßondern durch schrifft und menschen haben, und sind die iunger und folger der propheten, doch die mit dem mund und lebendigen wortt selbs predigen unnd leren. Eyn solcher war Aaron, der da redet allis, was yhn Moses [2. Mose 4, 15, 16] hieß, wie Exod. 4. Gott tzu Mose sagt: Gib meyn wortt ynn seynen mund unnd laß yhn fur dich predigen dem volck, und du solt yhm eyn gott seyn. [Sach. 11, 11] Alßo sollen auch alle priester seyn, wie Zach. 11. sagt. Die schreyber odder schrifftgelertenn sind, die mit schrifften unnd buchern leren, wo sie gegenwertig mundlich nit leren kundenn. Als die Apostell auch geweßen sind, tzuuor die Euangelisten und yhr folger, als die heyligen vetter, doch das sie nit yhr dunckel, ßondern gottis wortt schreyben und handelln, wilchs sie von den weyßen und auß der schrifft erlernet haben. Das sind nu die drey weyße, darynn die warheyt mag offenbartt werdenn: schrifft, wortt, gedanckenn; schrifft durch die buchernn, wortt durch den mund, gedancken durch das hertz. Man kan ßonst mit nichts mehr fassen die lere, denn mit hertz, mund und schrifft.

       Nu hilfft das alles nit bey der eygensynnigen vornunfft, sie horett widder wortt, schrifft noch erleuchtung, wie es gott  mit yhr vorsucht, die schrifft [WA s. 273] und bucher vordruckt und vorprennet sie, wie der kunig Joakim thett Hieremias [Jer. 36, 21 ff.] bucher, Hiere. 36. Die wort aber vorpeutt, schweygett und vordampt sie. Die erleuchtung voriagt und todt sie mit den prophetenn. Und das wunderlich ist, es ist keyn prophett daruber todt, voriagt oder vorfolgt, das er die groben [Matth. 14, 3 ff., Mark. 6, 17 ff., Luk. 3, 19. 20] sunden strafft, on Johannes der Teuffer, den Herodias vmb straff yhrs ehebruchs todten ließ. Eyn solch groß man must nit denn die aller schmehlichst ursach haben tzu sterbenn, wiewol auch die Juden yhm nit darumb feynd [Joh. 7, 20; 8, 48; 10, 20] waren, ßondern das er yhr ding nit wolt lassen recht seyn, sprachen, er hett den teuffell. Alßo ist alltzeytt aller hadder geweßen ubir dem rechten und falschen gottisdienst.

 

[1. Mose 4, 3 ff.] Habel wartt von Cayn erwurgt, das seyn gottisdienst nicht gellten sollt.Alßo haben alle propheten, weyßen unnd gelerten den gottisdienst gestrafft als abgotterey, der auß vornunfft und wercken geschach, on glawben, ßo fur denn der naturlich dunckell und sprach, er thett es gott tzu ehren und were recht. Drumb musten die propheten sterben, als die gottisdienst und [Joh. 16, 2] ehre und gutte werck vorpotten und strafften. Wie Christus sagt Joh. 16: Es wirtt die stund kommen, das die, ßo euch todten, werden achten, sie thun gott eyn dienst drann. Alßo alle die abgotterey ym allten testamentt geschach von yhnen, nitt das sie holtz und steyn anbette, ßondern dem rechten gott damit dienen wollten. Da nu dasselb gott hatte vorpotten unnd auß eygem dunckell geschach, on glauben, ßo war es gewißlich auß dem teuffell und nit [WA s. 274] auß gott. Drumb sprachen die propheten, es were nit gott, ßondernn den abtgotten dienett, das mochten denn sie nit leydenn noch horen; ßo durfften dieße nit schweygen auß gottis befelh, alßo musten sie drob sterben, voriagt und vorfolgt seyn.

       Darumb ist alle der hadder darynnen, das sich die falschen heyligen mit den rechten heyligen tzancken ubir dem gottisdienst und gutten wercken. Jhene sagen: ditz ist gottisdienst. Dieße sagen: neyn, es ist abtgotterey und aberglawben. Und hatt von anbegynn geweret, wirtt auch weren biß anß ende. Alßo itzt auch die Papisten, haben yhn selbs gutte werck und gottisdienst erfunden mit yhren eußerlichen wercken unnd gesetzenn, das doch allis glawbloß ding ist, nur auff die werck gesetzt und on gottis befelh, eyttell menschentandt; ßo sagen wyr: es ist nit gott gedient, ßondern yhn selb und dem teuffell, als alle abgotterey, und vorfure nur die leutt vom Christlichen glawben und gemeyner bruderlicher liebe; das wollen sie denn nit leyden und richten den iamer an, der itzt gehet. Der sachen sind sie auff beyden seytten eyniß, das gott tzu dienen und gutte werck tzu thun seyen. Aber ym deutten, wilchs da sey gottisdienst und gutte werck, werden sie nymmermehr eyniß. Denn diße sagen, der glawbe sey es, die natur und vornunfft mit yhren wercken sey vorlorenn. Jhene sagenn, der glawbe sey nichts, unnd die natur mit yhrn wercken sey gutt und recht. Item, sie sind auch eyniß, das die groben sund, todtschlag, ehebruch, rawb nit recht sind. Aber ynn den hewbtwercken, gottisdienst betreffend, da scheyden sie sich wie wintter und somer. Jhene hallten sich zu gott und seyner barmhertzickeyt und furchten yhn. Diße lauffen tzu holtz und steynn, speyß und kleyder, tag unnd tzeytt, unnd wollen [WA s. 275] gott mit bawen, stifften, fasten, plerren und platten gewynnen, furchten sich nichts und sind frech aller vormessenheytt voll, das heylige, gelerte, weyße volck, dem auch gott nit heylig noch gelertt noch weyße gnug ist mit alle seynen propheten, weyßen und schreybern.

       Es hatt das Euangelium ettlich frage ynn sich, die mussen wyr sehen. [Matth. 23, 35] Die erst: Warumb Christus sagt, das alles recht blutt von Habel an soll ubir die Juden kommen, ßo sie es doch nit allis vorgossen haben? Anttwortt: Die wortt Christi sind gerichtet auff den gantzen hawffen und gantz geschlecht aller der, die von anbegynn die propheten vorvolgt haben; das beweyssett, da er nit alleyn die itzigen tzu seyner tzeytt, ßondernn das gantz Hierusalem [Matth. 23, 37] anspricht: O Hierusalem, o Hierusalem, die du todtist die propheten unnd steynigist die tzu dyr gesand werden, wie offt hab ich wollt deyne kinder samlen &c..! Das betrifft yhe nit alleyn die kegenwerttigen, ßondernn auch die [Matth. 23, 35] vorigen woner tzu Hierusalem. Item, da er sagt: Ihr habt Zachariam todtet tzwischen dem gottishawß und dem alltar, ßo doch derselb Zacharias getodtet [2. Chron. 24, 21 [!]] wartt von dem konig  Joas .2. Paralip. 26. wol ubir achthundertt iar fur [Matth. 23, 35] Christus gepurtt. Noch spricht er: Ihr habt yhn todtet. Alßo haben sie auch den Habel todtet und werden auch die propheten unnd weyßen todten, als sollt er sagen: Es ist eyn volck, eyn artt, eyn geschlecht; wie die vetter, ßo auch die kinder; denn der eygensynn, der gott und seynen propheten widderstrebt ynn den vetternn, der strebt eben auch alßo ynn yhrn kindernn, ist mauß als die mutter.Und will der herr damit, das er sagt: allis rechte blutt soll ubir sie komen, denn alßo viel: das volck muß alle gerechte blut vorgissen, es [WA s. 276] ist seyn art alßo, thutt yhm nit anderß. Alliß blutt, das vorgossen wirtt, vorgissen sie, drumb wirtt es auch allis ubir sie kommen.

 

[Matth. 23, 35] Warumb tzeugt er aber alleyn die tzween an, Habel und Zachariam, ßo doch Zacharias nit der letzte war, des blutt vorgossen ist, sondern nach yhm Isaias, Hieremias, Ezechiel, Urias, Micheas und fast alle, die ynn der schrifft beruffen sind?1 Und tzwar Zacharias der erst ist auß den propheten, des blut vorgossen ynn der schrifft mit namen gemeldet wirtt. Aber Christus redet hie nit alleyn von der propheten, ßondern aller gerechten blutt, der gar viel unter dem konig Saul, item viel propheten unter dem kunig Achab, der nam nit gemeldet wirt, getodtett sind.

       Ich weyß hirauff, nicht anderß tzu sagenn, denn das Christus hie mit der schrifft brauch hellt und uns eyn exempel setzt, das wyr nichts sollen sagen, hallten odder auffbringen, das nitt ynn der schrifft ist klerlich gegrundt; denn ob woll Isaias und ander propheten sind getodt, ßo ist doch mit namen nach dißem Zacharia keyner beschriebenn ynn der allten schrifft, wie er todtet sey. Unnd alßo ob er nit der letzt ist, des blutt borgossenn ist, ßo ist er doch der letzt, der mitt namen beschrieben, wie er tzu seyner tzeytt predigt unnd todtet ist, das alßo Christus den ersten und letzten gerechten, ynn der schrifft vormeldett, antzeucht unnd damit begreyfft alles ander gerechte blutt, das nicht vormeldet, doch tzuuor unnd hernach vorgossen ist. Es stett wol von dem [WA s. 277] [Jer. 26, 23] propheten Uria geschriebenn Hieremi. 26, das er von kunig Joachim getodt ist, lang nach dißem Zacharia. Aber es wirt nur ertzelet von andern als eyn lang geschehne historie, aber tzu seyner tzeytt schreybt die schrifft nichts von yhm, sagt auch nit, das er yhe geweßen sey, da sie desselben kunigs tzeytt [2. Kön. 23, 34 ff., 2. Chron. 36, 4 ff.] und geschicht beschreybt ynn den historien .2. Paralip. und .4. Reg., darumb tzeucht yhn der herr auch nit an.

 

[Matth. 23, 35] Man fragt auch, warumb yhn Christus nenne den ßon Barachie, ßo [2. Chron. 24, 20 –22 [!]] die schrifft yhn nennet den ßon Joiade?; denn alßo lautt der text .2. Parali. 26: Der geyst gottis hatt gesterckt Zachariam, den ßon Joiade, den priester, und er ist auffgetretten fur allem volck und hatt tzu yhm gesagt: Das lest euch sagen gott der herr: Warumb ubirtrettet yhr das gepott gottis, das euch nit wol gedeyen wirt, und vorlasset gott, auff das er euch widder vorlaß? Da sind sie alle widder yhn vorsamlet und haben yhn gestehnigt, auß befelh des kunigs, auff dem kirchhoff, wilcher, als er starb, sprach er: Gott sehe unnd suche das &c.. Ditz geschach auch darumb, das er yhrn gottisdienst strafft, den sie auffgericht hatten. Sanct Hierony.meynett, er heyß Barachie ßon [WA s. 278] auß geystlicher ursach, darumb das Barachias heyst auff latinisch benedictus, der gebenedeyte. Aber die andern reden leychter datzu, das seyn vatter Joiada hab mit dem tzunahmen Barachias geheyssen, vielleycht darumb, das er viel gutts demselbenn kunig und dem volck than hatt, darumb sie yhn den gebenedeyetten hießen unnd nach seynem todt tzu danck seynen ßon todtenn, wie es denn pflegt ynn der wellt tzu gehn nach dem sprichwortt: wer eynem vom galgen hilfft, dem hilfft der widder dran, wie gottis ßon auch geschehen, Da gott aller wellt alles gutts than hatt, kreutzigett sie yhm seynen liebsten ßon, wie diße figur bedeuttet hatt.

 

[Matth. 23, 37] Zuletzt fragt man: Sintemal gottis willen niemandt widderstehen mag, warumb sagt er denn: wie offt habe ich deyn kynder wollt samlen und du hast nit gewollet? Sie haben den spruch manicherley getzogen, ettlich auff den freyen willen und seyn vormugen gegrundt, ßo es wol scheynet, das nitt der frey wille, ßonder der eygen wille hie gestrafft wirtt. Unnd ist eyn schlechte freyheytt, die nur widder gott thutt unnd ßo hartt vordampt unnd gestrafft ist. Sanct Augustin tzwingt die  wort auff den vorstandt, alß meyne der herr alßo viel: wie viel ich deyner kinder gesamlet habe, das habe ich than mitt deynem widderwillen. Aber das ist tzumal seher gewallt than dißem eynfelltigen spruch; viel leychter were es, das man sprech, Christus hab hie alß eyn mensch geredt, der auch alle menschliche anligen getragen hatt; alßo hatt er viel than nach der menscheytt, das der gottheytt nit eygent, alß [WA s. 279] das er essen, trincken, schlaffen, gehen, weynen, leyden und sterben must. Szo kond man auch alhie sagen, das er nach menschlicher natur und bewegung hab gesagt: Ich wollt, und du wolltist nitt. Denn wie ich mehr mal gesagt, man muß gar wol achten haben auff Christus wort, der ettlich die gottlich, ettlich die menschlich natur nur außweyßen. Aber doch, ßo er hie sich alß [Matth. 23, 34] eynn gott eynfurett, da er spricht: Ich sende tzu dyr; denn propheten senden [Luk. 11, 49] gehoertt alleyn gotte tzu. Und Lucas .11. spricht, er hab alßo gesagt: Darumb [Matth. 23, 37] die weyßheytt gottis spricht: Nempt war, ich will tzu yhn senden propheten .&c.. Dartzu ßo lautten seyne wortt, alß hab er nit alleyn tzu seyner tzeyt, ßondern auch tzuuor und viel mal wollen samlen yhre kinder, das es will von dem gottlichen willen vorstanden seyn. Darumb wyr alßo antwortten wollen:

       Das die wortt nur auffs aller schlechsts und eynfeltigst vorstanden werden von dem gottlichen willen, nach gewonheytt der schrifft, die da von [1. Mose 6, 6] gott redet alß von eynem menschen umb der eynfelltigen willen. Wie Gene. 6. geschrieben stett: Es hab yhn gerewen, das er den menschenn geschaffen habe, ßo doch keyn rew ynn gott ist. Item: das er tzornig sey, ßo doch keyn tzorn [1. Mose 11, 5] yhn yhm ist. Item Gene. 11. steyg er vom hymel unnd sahe das bawen [Ps. 44, 24 u. ö.] tzu Babylon, ßo er doch ymer bleybt sitzen. Und ym psalter sagt der prophet offt tzu yhm: Wach auff, warumb schleffistu ßo lang? Item: stand auff, kom tzu myr und dergleychen, ßo doch er nit schlefft, nit ligt, nit fern ist. [Ps. 1, 6] Item psalmo .1: Gott weyß nichts von dem wege der unrechtenn, ßo er doch alle ding weyß. Wilche spruch sind alle gesagt nach unßerm fulen und dunckel, [WA s. 280] nit nach dem weßentlichen stand gottlicher natur. Darumb sind sie nit yn die hohe speculation tzu furen von den heymlichen redten gottlicher natur, ßondern solln fur die eynfeltigen hienyden gelassen werden und nach unßerm fulen sie vorstehen und gesagt seyn lassen; denn wyr fulen nit anders, er thu alßo, wie die wort lautten. Und ist eyn feyn trostlich weyße tzu reden von [Matth. 23, 37] gott, der nit schrecklich und hoch ist. Alßo auch hie: Wie offt hab ich gewollet, ist auch tzuuorstehen, das er alßo than hatt, das yderman nit anders hatt mugen dencken und fulen, er wolt sie gern samlen, hatt than wie eyn mensch thett, der solchs gernn haben wollt. Drumb laß hoch ding faren unnd bleyb bey der milch und eynfeltigen synn der schrifft.

       Das wyr aber auch unßer lere auß dem Euangelio nhemen, ßo setzt hie der herr ßo eyn liebliche bild und gleychniß, wie es umb den glawben und glewbigen menschen gethan ist, das ichs nit lieblicher ynn der gantzen schrifft weyß. Er hatt auß tzorn und vordrieß ubir die Juden viell hartter wortt ynn dißem capitell geredt und grewliche wehe ubir yhren unglawben geschreyet. Darumb thut er auch, wie die tzornigen menschen gegen die undanckbarn pflegen, yhr wolthat und gutten willen auffs aller hefftigist groß tzu machen und sprechen: ich hett yhm gernn das hertz ynn meynem leybe mitteylet &c.. Alßo auch hie der herr, auff das aller hertzlichst er mag, seynen [Matth. 23, 37] gutten willen unnd wolthatt den Juden auffhebt, spricht, er were gern yhr gluckhenne geweßen, wenn sie hetten wolt kuechle seyn. O mensch, merck die wort und das gleychniß woll, wie gar auß grossem ernst und gantzem hertzen schutt er das erauß!; ynn dem bild wirstu sehen, wie du dich gegen Christum [WA s. 281] hallten sollt, und wotzu er dyr nutz sey, wie du seyn brauchen unnd genießen solt. Sihe der hennen und yhren kuechle tzu, da sihistu Christum und dich gemalet und controfeyet, baß denn keyn maler malen kann.

       Zum ersten ists gewiß, das unßer seelen die kuechle sind, ßo sind die teuffell und boßen geyst die weyhe ynn der lufft, on das wyr nit ßo klug sind als die kuechle, unter unßer gluckhenne tzu fliehen. So sind die teuffell viell listiger auff unßer seelen tzu rawben, denn die weyh auff die kuchle. Nu ist droben ynn eyner epistell gesagt, wie es nit gnug ist, das wyr frum sind, gutte werck haben unnd ynn gnaden leben; denn auch unßer gerechtickeyt nit mag bestehen, schweyg denn die ungerechtickeytt, fur gottis augen und gericht. Drumb hab ich gesagt: Der glawb, ßo er recht ist, ist er der artt, das er nitt auff sich selb, nitt auff seyn glawben sich vorlesset, ßondernn hellt sich tzu Christo und unter desselben gerechtickeytt gibt er sich, lest dieselben seyn schirm und schutz seyn, gleych wie das kuechle nit auff seyn leben und lauffen sich vorlest, ßondernn sich gibt unter der hennen leyb und flugell. Denn wer fur gottis gericht bestehn soll, ist nit gnug, das er sag: ich glewb und hab gnad; denn allis, was ynn yhm ist, mag yhn nitt gnugsam schutzen, ßondern er beutt demselben gericht entgegen Christus eygene gerechtickeyt, die lest er mit gottis gericht handeln, die besteht mit allen ehren fur yhm [Ps. 111, 3; 112, 9] ewiglich, wie Ps. 110. und .111. sagt: Seyne gerechtickeyt besteht ewiglich. Unter dieselben kreucht, schmuckt unnd duckt er sich, trawett unnd glawbt on allenn tzweyffell, sie werd yhn behallten; ßo geschichts auch alßo, wirtt durch [WA s. 282] denselben glawben behallten, nicht umb seynen oder solchs glawbens willen, ßondern umb Christi und seyner gerechtickeytt willen, darunder er sich ergibt. Auch wilcher glawb nit alßo thutt, der ist nit recht.

 

[Ps. 91, 1 —7] Sihe, das meynett die schrifft, da sie sagt Ps. 90: Wer do bleybtt unter dem schirm des allerhohisten unnd wonett unter dem schadwe des herrn, der kan sagen tzu gotte: Du byst meyn tzuuorsicht und tzuflucht und meynn gott, ich hoff ynn dich. Denn er wirtt dich erloßen von dem strick der ieger und von der pestilentz der vorkerunge. Mitt seynen schuldernn wirtt er dich ubirdecken, und unter seynen flugelln wirtt seyn deyn tzuuorsicht. Seyne warheytt ist schild unnd krebs, darumb wirstu dich nicht furchtenn fur der nacht grawell, noch fur dem pfeyll, der am tage fleugt, noch fur der pestilentz, die da geht ym finsterniß, noch fur der plage, die da vorterbet ym mittage. Unnd ob taussentt fallenn auff deyner lyncken seytten unnd tzehen taussentt auff deyner rechten seytten, ßo wirtt dennoch der keyniß an dich gelangen &c..

       Sihe, das ist alleß gesagt vom glawben Christi, wie derselb alleyn besteht und beschutzt wirtt fur aller fahr und vorterben falscher leren, anfechtung der [WA s. 283] teuffell, leyplich und geystlich, tzu beyden seytten, das alle andere fallen und vorterben mussen. Darumb, das er unter die flugel und schuldern Christi sich [Mal. 4, 2] gibt und alda seyn tzuflucht und tzuuorsicht hynsetzt. Alßo sagt auch Malach. 4: Die ßonne der gerechtickeyt soll auffgehen euch, die yhr meynen namen furchtet, unnd selickeytt ist unter seynen flugelln. Darumb nennet yhn .S. Paulus [Röm. 3, 25] Ro. 3. propiciatorium, den thron der gnaden, und lerett allen enden, wie wyr durch yhn und unter yhm mussen yhm glamben behallten werdenn. Szo denn die glewbigen unnd heyligen bedurffen eyniß solchen grossen schirmiß, Wo wollen bleyben, die mitt yhrem freyen willen und eygenen wercken faren außer Christum? O wyr mussen ynn Christo, auff Christo unnd unter Christo bleyben, von der gluckhcnnen nit weychen. Es ist sonst alliß vorloren. [1. Petri 4, 18] S. Petrus spricht: der gerecht wirtt kaumet behallten, ßo muhesam ists auch unter dißer hennen zu bleyben. Denn es reyst unß von yhr manicherley [Ps. 91, 3ff.] anfechtung, leyplich und geystlich, wie der psalm droben antzeygtt.

       Nu sihe, wie die naturlich gluckhenne thut: Es nympt sich kawm eyn thier seyner iungen ßo hartt an. Sie wandelltt yhr naturlich stym und nympt an eyn iamerige, klagende stym, sie sucht, scharrett und lockt den kuchle; wo sie was findt, das isset sie nitt, lest es den kuchle; mitt gantzem ernst streytt unnd rufft sie widder den weyh und breyttet yhr flugel so williglich auß und lest die kuchle unter sich und ubir sich steygen, mag sie ßo gar wol leyden, und ist yhe eyn feyniß, lieblichs bilde. Also auch Christus hatt an sich genommen eyn iamerig stym, fur unß geklagt und puß prediget, yderman [WA s. 284] seyn sund und iamer antzeygt auß gantzem hertzen. Scharret ynn der schrifft, lockt uns hyneyn und lest es uns essen, und breyttet seyne flugel mit alle seyner gerechtickeytt, vordienst und gnaden ubir uns und nympt uns ßo freuntlich unter sich, erwermet uns mit seyner naturlichen hitze, das ist: mit seynem heyligen geyst, der alleyn durch yhn kompt, streyttet fur uns wider den teuffell ynn den luefften. Wo und wie thutt er das? On zweyffell nitt leyplich,  ßondern geystlich, seyne tzween flugell sind die tzwey testament der heyligen schrifft, dieselben breytten ubir uns seyne gerechtickeyt und bringen uns unter yhm. Das geschicht damit, das die schrifft solchs und nit anders leret, wie Christus eyn solch gluckhenne sey, das wyr ym glawben unter yhm unnd durch seyne gerechtickeyt behallten werden. Darumb der obgenante Ps. die flugell [Ps. 91, 4] und schulternn selbs außlegt und sagt: Seyne warheytt (das ist die schrifft, ym glawben gefast) ist krebß und schild widder alle furcht und fahr; denn Christum mussen wyr ynn dem wortt und predigt fassen unnd an demselben hangen mit eynem festen glawben, das er alßo sey, wie von yhm itztt gesagt ist, ßo sind wyr ynn demselben gewißlich unter seynen flugelln und warheytt, werden auch darunder wol behallten.

       Alßo ist ditz Euangelium seyn flugell oder warheyt und alle ander Euangelia, denn sie leren alle sampt Christum auff diße weyße, doch an eynem [Joh. 1, 4. 12] ortt klerer denn am ander. Droben ist er eyn liecht und leben genennet, item eyn herr und helffer. Hie wirt er eyn gluckhenne genennet, ymer unnd ymer auff den glawben gedrungen. Szo ist nu seyn corper er selbs odder die Christliche kirche, seyn hitz seyn gnade und heyliger geyst. Sih, das ist die aller lieblichst gluckhenne, die da alltzeyt gerne wollt uns samlen unter sich, [WA s. 285] breyttet yhr flugell auß und lockt, das ist: sie predigt unnd lest predigenn die beyde testament, sendet auß propheten, weyßen und schreyber gen Hierusalem, ynn alle wellt, aber was geschicht? Wyr wollen nicht kuchle seyn, tzuuor die hoffertigen heyligen, die streytten ßonder dawidder mit yhren gutten wercken, wollen den glawben nit erkennen, das er ßo gantz nodt und seliglich sey, wollen yhr fahr nit wissen, noch yhr ding nit lassen unrecht seyn. Jha, sie werden drob selbs weyhe und sewen, fressen unnd vorfolgen kuchle mit der hennen, tzureyssen flugell und corper, todten propheten und steynigen, die tzu yhn gesand werden. Aber was wirtt yhr lohn seyn? Hor tzu, erschrecklich ding:

 

[Matth. 23, 38] Nempt war: Ewr hawß soll euch wust gelassen werden. O eyn grewlich straff ist das, die sehen wyr auch an den Juden, sie habenn ßo lange propheten todtet, das gott keyne mehr zu yhn sendet, hat sie nu funfftzenhundert iar gehn lassen, on predig, on propheten, hatt seyn wortt von yhn genommen [Matth. 23, 38] und die flugell tzu sich getzogen. Und alßo ist yhr hawß wuest, yhr seelen bawet niemantt, es wonet auch gott nit mehr unter yhnen, yhn ist geschehen, wie [Ps. 109, 17] sie gewollt haben, als der 108. psalm von yhn sagt: Sie wolten der benedeyung nit, drumb sol sie fern von yhn kommen, sie haben wollt die vormaledeyung, [Matth, 23, 35] und sie soll yhn auch komen. Da geht uber sie alle das blutt, das vorgossen ist auff erden, und ist ditz Euangelium ubir yhn erfullet. Alßo hatt auch [Jes. 5, 5. 6] Isaias .5. von yhn gesagt: Ich will euch sehen lassen, was ich meynem weyngartten [WA s. 286] thun will. Ich will abthun seynen tzaun und yhn lassen tzureyssen. Ich will tzubrechen seyne wand und yhn lassen vortretten und soll wuest bleyben. Er soll nit beschnytten noch behackt werden, und sollen drynnen wachßen eyttel hecken und dornen, will meynen wolcken vorpieten, sie sollen keynen regen drauff regen. O grewlich wortt! Was ist, das keyn regen ubir sie kommen soll, denn das sie das Euangelium unnd glawben nit hoeren sollen? Sie sollen nit beschnytten noch behackt werden, was ists, denn das niemant yhn yhren yrthum straffen und yhrn geprechen offnen wirtt?; drumb ist er vorlassen den menschen lerern, die tzureyssen und tzutretten yhn, das er muß wust bleyben, tregt nitt mehr denn hecken und dornen, das ist werckheyligen, die on glawben sind, keyn frucht des geysts tragen, sondern nur tzum ewigen fewr, wie die hecken und dornen, wachßen und bereyttet werden.

       Das alles aber mugen wyr heyden auch wol tzu hertzen nehmen. Es ist mit uns iah ßo boße, ists nit viell boßer, wyr haben auch die gluckhenne vorfolget und sind ym glawben nit blieben. Drumb ist uns auch geschehen, [Matth. 23, 38, Jes. 5, 5. 6] das er uns hatt lassen unßer hawß wust liegen und den weyngartten vorlassen. Da ist keyn regen mehr ynn aller wellt, das Euangelium und der glawb ist geschwygenn, da ist keynn beschnytten noch hacken, niemant predigt widder die falschen werck und lere der menschen und schneytte solch unnutz ding abe, ßondern er lest uns tzureyssen und tzutrettet werden durch den Bapst, bischoff, [WA s. 287] pfaffen und munch, der alle wellt voll, voll, voll ist und doch nit mehr thun, denn tzutretten und tzureyssen dißen weyngartten, eyner leret ditz, der ander das. Der tzurtrit dißes ortt, yhener  das ander, eyn yglicher will seyne secten, seynen orden, seynen stand, seyne lere, seyne setze, seyne werck tzurichten. Damit seyn wyr tzurtretten, das keyn kund des glawbens mehr da ist, keyn Christlich leben, keyn liebe, keyn frucht des geysts, ßondernn eyttel fewrwerck, hecken und dornenn, das ist: gleyßner, heuchler, die mit vigilien, messen, stifften, glocken, kirchen, psalter, roßenkrentzen, heyligendienst, feyernn, kappen, platten, kleydern, fasten, wallen und der untzehlich narrwerck mehr vormessen, Christen tzu seyn. O herrgott, alltzu seher tzurissen, altzu seher tzutretten, o herr Christe, altzu wust unnd vorlassen sind wyr elenden menschen ynn dißen letzten tagen des tzorniß! Unßer hirtten sind wolff, unßer wechter sind vorrether, unßer schutzherrn sind feynd, unßer vetter sind morder, unßer lerer sind vorfurer. Ach, ach, ach! Wenn? wenn? wenn will deyn gestrenger tzorn auffhoeren?

 

[Matth. 23, 39] Doch endlich ist hie den Juden trost tzugesagt, da er spricht: Furwar sag ich euch, yhr werdet mich von nu an nit sehen, biß das yhr sagt: Gebenedeyet sey, der do kompt ynn dem namen des herrn. Diße wortt hatt Christus geredt nach dem palmentag am dinstag, und ist der beschluß und letzte wortt seyner predigt auff erden. Drumb ist er noch nit erfullet unnd muß erfullet [WA s. 288] werden. Sie haben wol eyn mal yhn ßo empfangen am palmentag, aber [Matth. 23, 39] damit ist ditz nit erfullet. Und das er sagt: Ihr werdet mich nit mehr sehen, ist nit tzuuorstehn, das sie yhn darnach nit mehr leyplich haben gesehen, ßo sie yhn doch darnach creutzigten. Aber er meynet, sie sollen yhn nit mehr sehen als eynen prediger und Christum, datzu er gesand war, seyn ampt, und ynn seynem ampt ist er darnach nit mehr gesehen von yhn, er hatt yhn ynn dißer predigt die letzte geben und nu seyn ampt beschlossen, datzu er gesand wartt. So ists nu gewiß, das die Juden werden noch sagen tzu Christo: Gebenedeyett sey der do kommet ynn dem namen des herrn. Das hatt auch [5. Mose 4, 30. 31] Moses vorkundigt Deutrono. 4: ynn der letzten tzeytt wirstu widderkommen tzu gott deynem herrn und wirst seyner stym gehorchen. Denn gott deyn herr ist eyn barmhertziger gott, er wirtt dich nicht gar vorlassen noch gar vortilgen, auch nicht vorgessenn des bundß, das er geschworen hatt deynenn vettern. [Hos. 3, 4. 5] Item Oseas .3: Die kinder von Israel werden eyn lange tzeytt sitzen on kunig, on fursten, on priester, on allter, on priesterkleyd und gewand. Unnd darnach werden die kinder von Israel widderkomen und suchen gott yhrn herrn und Dauid yhrn konig (das ist Christum), und werden ehren gott und [2. Chron. 15, 2 –4] seyne gutickeytt ynn den letzten tagen. Und Azarias .2. Paralip. 15: Wo yhr [WA s. 289] gott vorlasset, ßo wirt er euch auch vorlassen. Es werden viell tag vorgehn ynn Israel on den warenn gott, on priester, on lerer und on gesetz. Und wenn sie ynn yhr angst widder komen und ruffen werden tzu gott von Israel yhrem herrn, ßo werden sie yhn finden.

       Diße spruch mugen nit vorstanden werden, denn von den itzigen Juden; sie sind yhe tzuuor noch nie keyn mal on fursten, on propheten, on priester, [Röm. 11, 25. 26] on lerer und on gesetz geweßen. Sanctus Paulus Ro. 11. stymmet auch hieher und spricht: Blindheyt ist kommen ynn eyn teyl des Israelischen volcks, biß das die volle der heyden eyngehe und alßo das gantz Israel selig werde. Gott gebe, das die tzeytt nah bey sey, als wyr hoffen ! AMEN.

 

 

 

 

[Sir. 15, 1 –6] Die Epistell an Sanct Johannes tag. Ecclesiastici. xv.

 

1522[WA s. 289]

Wer gott furchtet, der wirtt gutts thun. Und wer anhelt an der gerechtickeyt, der wirt sie ergeyffen, und sie wirtt yhm begegnen als eyn eherliche mutter. Und wie eyn weyb von der Junpfrawschafft wirt sie yhn auffnhemen. Sie wirt yhn speyßen mit dem brott des lebens und vorstands unnd wirt yhn trencken mit dem wasser der heylwertigen weyßheyt. Und sie [WA s. 290] wirt ynn yhm fest werden und yhn nit beugen lassenn. Sie wirt yhn hallten und yhn nit tzu schanden werden lassen, vnd sie wirt yhn erhebenn unter seynen nehsten. Mitten ynn der samlung wirt sie auffthun seynen mundt und wirtt yhn erfullen mit dem geyst der weyßheit und vorstands, und mit dem kleytt der ehren wirt sie yhn kleyden. Lust und freud wirt sie ubir yhn samlen tzum schatz, unnd eynen ewigen namenn wirt sie auff yhn erben.

 

Diße Epistell ist nit eyn lere, ßondern eyn preyß; denn sie sagt nit, was und wie man wolthun soll, sondern was denen geschicht, die da wolthun, drumb ists nur eyn reytzung unnd vormanung tzu dem guttenn, wilchs [Röm. 12, 7. 8] man tzuuor weyß. Alßo scheydet auch S. Paulus Ro. 12. alle prediget ynn tzwey teyll, ettlich nennet er lere, ettlich vormanung. Lere die gibt, das man tzuuor nit weyß noch hatt, Vormanung reytzt, treybt, wecket, auff das die lere nit mussig lige, und trostet den menschen, das er anhallt und nit mude werde. Drumb ist diß teyl der predigt leychter denn yheniß, es ist aber fast nodt unnd nutzlich. Wer nu yemand reytzen, wecken, trosten und ermanen will, der muß yhm furhalten bewegliche ursach, nemlich, wie groß nott, wie nutz, wie loblich, wie ehrlich es sey. Widderumb wie schedlich und schendlich es sey, ßo manß nit thut. Alßo thutt dieße Epistell auch, tzeygt vill nutz und ehre, die da folget denen, die gott furchten und die gerechtickeyt lieb haben; die wollen wyr sehen.

       Was gottis furcht und gerechtickeyt sey, wirt hie nit gesagt, droben aber haben wyrß offt gesagt, nemlich das gottis furcht sey, ßo der mensch auff yhm selb und auff seynem ding nit stehet, vormisset sich widder seyner [WA s. 291] ehre, gewallt, reychtum, sterck, gunst, kunst, ia auch nit seyner gutten werck noch guttis leben, ßondernn sorgt ynn dem allen, das er nit sundige unnd furcht, ia er weyß: wo gott mit ernst und nach seynem gericht mit yhm handellt, ßo wer er thausent mal vorloren. Drumb erhebt er sich auch ynn keynem ding, nit ubir den aller geringsten menschen auff erden, bleybt demutig und gelenck ynn alle seynem wandell und furnhemen, stoltzirt mit niemand, weychet gernn und lest yhm sagen. Sihe, die demut macht denn, das alle [1. Petri 5, 5] seyne werck gutt seyn; denn S. Peter sagt .1. Pet. 5: Gott widdersteht den hohmutigen und gibt seyne gnad den demutigen; was denn ynn derselben gnad geschicht, das ist alles wolthan. Alßo die gerechtickeyt, haben wyr gehort, sey nit anders denn der glamb, der alßo gethan ist: tzum ersten, dieweyl fur gottis gericht niemant bestehen mag, und muß der mensch sich furchten ynn alle seynem weßen und wercken, ßo treybt yhn solch furcht, das er ettwas anders außer dem seynen such und find, darauff er muge sich bawen, vorlassen unnd bestehen, das ist: die lautter bloß barmhertzickeyt gottis, ynn Christo uns furgelegt und tzugesagt. Dasselb vorlassen, solch glawb und tzuuorsicht, [Röm. 1, 17] macht gerecht und frum fur gott, wie S. Paulus sagt Ro. 1: Der gerecht lebet von seynem glawben. Szo viell nu der mensch sich furcht ynn dem seynen [WA s. 292] und fur gottis gericht ynn allen dingen eyn sunder wirt, ßo viel trost er sich der frembden gnaden gottis und fur derselben ynn allen dingen gerecht wirt. Alßo, das die tzwey mussen bey eynander bleyben, gericht und gnad, furcht und traw, das gericht soll furcht machen, die gnad soll traw odder tzuuorsicht machen. Alßo hebt uns die furcht durchs gericht auß uns selb und auß allem dem unßernn. Die traw aber setzt uns ynn gott unnd ynn alles was gottis, das wyr alßo uns keyneß unßers guttis, ßondernn nur gottis gutter erheben [Ps. 147, 11 [!]] und vormessen. Da geht denn der spruch Ps. 142: Gott hatt eyn wolgefallen ubir die sich fur yhm furchten und sich vorlassen auff seyne barmhertzickeyt.

       Ist nu der glawb recht, ßo thutt er widderumb gegen seynem nehisten, wie er glewbt, das gott gegen yhm than habe und thu, und lest es auch eyttell gnade seyn, vorgibt yhm, tregt und duldet yhn, hebt yhn auß seynem elenden weßen, setzt yhn ynn seyn eygen gutt, lesset yhn genießen alles was er hatt, vorsagt yhm gar nichts, leyb, leben, gutt unnd ehre setzt er tzu yhm, aller maß wie gott zu yhm setzt; denn solchs glewbt er, das yhm gott thu auß lautter gnaden, unangesehen seyn grosse unuordienst, und thuts yhm auch gewiß, wie er glewbt. Drumb wie sich gott ubir yhn außgeust unnd ubirschutt yhn mit seynen guttern, achtet nicht seyner unuordienst, also geust er sich auch widderumb auß ubir seynen nehisten und schuttet ubir yhn, was er hatt, unangesehen, das es seyn feynd sey odder habs nit vordienet. Er ist auch gewiß, das er nit sich gar endtledigen mag; denn yhe mehr er außgeust, yhe mehr gott eynschenckt, und yhe mehr er seyne nehisten mit dem seynen fullet, yhe fuller er wirt von  gottis guttern. Sihe, das ist der rechte ware glawbe, der den menschen fur gott gerecht macht, das ist die Christliche gerechtickeytt, [WA s. 293] [Richt. 1, 15] die von oben empfehet und von unden außgehet. Wie das bedeutt ist Judic. 1: Da der heylig vatter Caleb seyner tochter Achsa gab eyn land, das war oben und unden flussig, das ist: es hatte oben und unden eyn fliessend wasser, dauon es fruchtpar und koestlich war; das ist der glawb, wie gesagt ist, davon man nit kan gnugsam predigen. Achsa heyst auff deutsch schmuck odder geschmide der schuch, vnd ist das lieb Grettlin mit den rodten schuhen, das tochterlin gottis, die glewbige seele, die da wandellt ynn den schonen, rodten, [Eph. 6, 15] ubirguelten schuhen, dauon S. Paulus Ephes. 6. sagt: Ewr fuß sollen geschucht seyn, womit? mit bereytschafft des fridlichen Euangelij.Sihe da, wenn das hertz geht ym Euangelio und lebet ynn demselben wort durch den glawben, ßo ist es Achsa, Grettlin mit den schonen schuhen, dauon auch Salomon sagt [Hohel. 7, 1] tzu der braudt in Canticis: Ey, wie feyn steht dyr dein gang ynn deynen schuhen, du tzartte tochter des fursten. Nu wollen wyr sehen die treybende und reytzende ursach tzu solcher gottis furcht und gerechtickeytt.

 

[Sir. 15, 1] Die erst ist: Gutt thun.

Alle welt sagt von gutt thun, wiltu aber wissen, wie du gutt thun solt? Hore tzu, thu nit wie die narren, die ynn die werck sehen und wollen auß den wercken erleßen, wilchs gutt und nit gutt seh, machen damit unterscheyd unter den wercken. Neyn, nit alßo, laß die wercke ungescheyden, laß [Sir. 15, 1] eynß seyn wie das ander, sondern furcht gott und sey gerecht (wie gesagt ist)6, [WA s. 294] thu darnach, was dyr furkompt, ßo ists allis wolthun, wenß gleych nicht mehr were, denn mist laden odder esell treyben. Es steht hie der text fest: [Sir. 15, 1] Wer gott furcht, der wirt guts thun, er thu was er will und mag. Seyn werck sind gutt, nit umb der werck willen, sondern umb der furcht willen. Sihe da, wie grosser trost ist das, wie voll gutter werck wirstu ßo schnel, das alle deyn leben gut ist, ßo du gott furchtist. Essen, trincken, gehn, stehn, sehn, horen, schlaffen, wachen ist allis wolthan. Wen solt solcher nutz nit reytzen tzu gottis furcht? Sihe, das sind die schefflin gottis, an denen nichts unnutzs ist, auch yhr mist den acker tungett. Widderumb aber die werckscheyder unnd churheyligenn mit yhren erkoren erweleten wercken thun keyn gut werck. Warumb? sie furchten gott nit, hallten viel von yhrem ding, trawen gott nit, drumb sind auch die werck boße, die sie fur die besten achten; denn es [Sir. 15, 1] steht fest: Wer gott furcht, des werck sind gut; wer gott nit furcht, des werck sind nit gutt.

 

[Sir. 15, 1] Die Ander: Die gerechtickeyt ergreyffenn.

Denn alßo sagt er: wer an der gerechtickeyt hellt, der wirtt sie ergreyffenn. Es ist aber eben die vorige meynung mit andern wortten. An der gerechtickeyt hallten ist am glawben hallten und drynnen bleyben; wo das geschicht, ßo ergreyfft er die gerechtickeyt, das sie seyn wirt, alßo das alles, was er thutt und lebet, ist gerecht, er hatt sie erlanget, das er gar drynnen wonet wie ynn eynem erbgutt. Drumb, wer do wil recht thun und ynn der gerechtickeyt leben, der glawb und hallt dran, thu darnach on alle unterscheyd werck, wie [WA s. 295] sie yhm furkommen, ßo hatt er das vorteyll, er darff nit suchen noch fragen, wie dieselben werck recht werden, sie sind schon gerecht, eben ynn dem, das sie geschechen, und die gerechtickeyt, ungesucht, on leßen und welen, ist schon drynn ergriffen, darumb das er durch den glawben dran hanget. Aber den unglawbigen, die die gerechtickeyt faren lassen, den entferet sie auch widder ynn alle yhren wercken, und ob sie wol fast nach yhr schnappen, wie eyn [Röm. 10, 2. 3] hund nach der fliegen, ßo entwuescht sie yhn doch, wie S. Paulus sagt Ro. x. von den Juden: Sihe folgen der gerechtickeyt und erlangen sie doch nit. Diße sind gleych denen, die yhrem schadwen nachlauffen wollen, mit wercken die gerechtickeyt eriagen, aber sie fleugt, lest sich nit ergreyffen, darumb das sie nit haben tzuuor sich lassen ergreyffen ym glawben und alda an der gerechtickeyt sich gehallten, da were sie darnach ynn allen wercken ergriffen, und wurd der schadwe selbs folgen.

       Die dritt:

 

[Sir. 15, 2] Sie wirt yhm begegen als eyn mutter der ehren.

Was ist das? Es ist nach der hebreyschen weyß geredt, wilche pflegt tzu sagen: das ist eyn kind der weyßheyt. Item: kinder der boßheyt, kinder des tzornß, kinder des vordampniß; alßo hie auch: kind der gerechtickeyt. Wer nu eyn kind der sund ist oder eyn kind der ungerechtickeyt, der hatt eyn mutter der schanden, der er sich schemen muß und sich yhr nit frewen mag. Wer eyn kind der gerechtickeyt ist, der hatt eyn mutter der ehren, der er sich rhuemen und frewen mag; denn auch eyn naturliche mutter, ßo es eyn redlich weyb ist, [WA s. 296] seynem kind eyn ehre, rhum und trost ist. Widderumb eyn schand, ßo sie unredlich ist, das auch kaum eyn bitterer schmach ist, denn ßo man yemandt seyner mutter unehre auffruckt und schildt yhn fur eyn unehlich oder unartig kind. Nu will der weyße man, das die gerechtickeytt yhr kind auffnympt auffs aller fruntlichst, wie eyn mutter yhr kind, dem sie begegnet; das ist: sie ist bereyt alltzeyt, thut was sie auß gantzem hertzen und krefften vormag; damit wil er antzeygen, wie eyn grosse sicherheyt, trost, frid, lust und rhum dem hertzen widerferet auch fur gott durch den glawben; denn eyn leypliche mutter hertzt, kusset, tregt, hebt yhr kind, begerd ymer yhm nur tzu begegnen und vortzukommen, und ist keyn grosser gunst denn muttergunst tzu yhrem kind; alßo thutt auch die gerechtickeytt: umbfehet, hebt und tregt den menschen, begegnet unnd kompt yhm tzuuor ynn allen dingen, das er ynn sicherheytt und frid des hertzen schwebt und des alles groß ehre hatt, sich dauon rhumen kan fur gott, denn es ist eyn mutter der ehren.

       Die vierde:

 

[Sir. 15, 1] Und wie ein weyb von der iunpfrawschafft wirt sie yhn auffnhemen.

Was ist das? Es ist eben die vorige meynung mit andernn wortten außtzudrucken, wie sorgfeltig die gerechtickeyt sey ubir yhr kind, das er yhrn mutt vorgleycht eyner newen brautt, die tzuuor keyn weyb geweßen ist, und will sagen: gleych wie eyner iunpfrawen zu mutt ist, die itzt das erst mal eyn weyb worden ist gegen yhrem breuttgam alßo ist die gerechtickeytt gesynnet [WA s. 297] tzu yhrem kind. Wie das hertz eyner solchen braut stehet, laß ich sagen, die es erfaren haben; es ist auch gemeyne rede gnug dauon, das keyn grosser brunst der liebe und sorg sey, denn eyner iungen brautt tzu yhrem breuttgam, unnd die schrifft voll ist von der brautt liebe; drumb nennet er sie hie eyn weyb von der iunpfrawschafft an, das sie newlich eyn weyb worden sey, tzuuor unerfaren menlicher liebe; denn eyn witwe, die tzuuor eyn weyb geweßen ist, hatt nit solchen mutt tzu dem andern breuttgam. Sihe, wie genaw und tieff sucht der weyße man seyne vormanung! Sind das nit starcke, fewrige reytzung tzum glawben und gottisfurcht? Wie hett er mocht hitziger gleychniß, denn eyner redlichen mutter gegen yhr kind und eyner newen brautt gegen yhrem breutgam auffbringen? Es ist eyn weybsbild naturlich tzur liebe und gunst geneygt, mehr denn eyn manßbild. Nu solch gunst, lieb und sorg der gerechtickeyt tzu unß mugen wyr nitt mit wercken erlangen. Es muß allis ym hertzen empfunden werden, da fulet das gewissen ym glawben alle solch sicherheytt, lust und lieb ynn der gerechtickeyt, die eyn kind an seyner mutter und eyn man en seyner newen brautt finden mag.

       Die funffte:

 

[Sir. 15, 3] Sie wirt yhn speyßen mit den brott des lebens und vorstands.

Das ist eben ßo viel gesagt: sie wirt yhn speyßen mit leben und vorstandt. Das gaht alßo tzu: zugleych wie das naturlich brodt nit alleyn enthellt den leyb, ßondern nerett und fullet yhn auch, das er wechst und tzunympt, gesund unnd gutter farb, starck und frisch wirt tzur erbeytt, Alßo neeret auch die gerechtickeytt den menschen, das er von tag tzu tag tzunympt ym geyst unnd ubirkompt teglich mehr und mehr vorstands ynn gottlichen und allen dingen, wie das allis die erfarung gibt, und on erfarung [WA s. 298] ists ein unuornehmlich rede. Denn eyn solch mensch allis, was er ansihet, da bessert er seynen geyst und empfehet ein vorstand drauß, muß voll lebens und vorstands werden zuuor, ßo er die schrifft handellt. Alßo hatt Salomon viel ding erlernet, wie das seyn Prouerbia und Cantica außweyßen. Er setzt aber das leben vor dem vorstand. Denn vorstand on leben ist keyn nutz, und soll dißer vorstand nit geachtet werden, den die heyden unnd naturlich vornunfft geben, von tzeyttlichen  dingen, ßondernn den der glawb gibt von geystlichen, gottlichen dingen; der die seel lebendig mach fur gott, lere sie, was sie wissen soll tzur selickeyt.

       Die sechst:

 

[Sir. 15, 3] Und mit dem wasser der heyllwertigen weyßheyt wirt sie yhn trencken.

Das ist eben das vorige, auch vom tzunhemen ym geyst gesagt und druckt sonderlich auß die heylware weyßheyt, außtzuschliessen der welt und der menschen weyßheyt, die da nicht heylbare ist. Und das trencken gaht auch tzu wie das speyßen, das der mensch weyßheytt schepfft von allem, das yhm furkompt, muß allis seyn weyde werden, was ym hymell und erden ist, tzuuor aber die schrifft, die er alleyn ym rechten heyllwertigen verstand fasset und tzehret.

 

[Sir. 15, 4] Die siebend: Sie wirt ynn yhm fest werden.

Bißher hatt er die nutzung und frucht ertzehlet, die der mensch habe an der gerechtickeytt mit friden unnd ynn yhm selb. Nu ertzehlet er, was sie bey [WA s. 299] [Sir. 15, 4] yhm thutt ym streytt unnd gegen die feynd, spricht: Sie wirt fest ynn yhm, das ist: sie macht yhn fest, das er nit alleyn solch vorige gutter empfahe, sondern auch schutzen und behallten kan fur allen anfechtungen, wilche sie yhm nhemen wollen; damit bekennet er, das erbeytt, streytt und viell unfalß haben muß, wer gott furcht unnd frum seyn will. Das creutz will nit aussen [Apg. 14, 22] bleyben, wie auch Sanct Paulus sagt Act. 14: Durch viel leyden mussen wyr ynn das hymelreych gehen. Und hiemit begegnet er den weychlingen und vortzagten, die solch groß reytzungen unnd nutzung wol gern annhemen, aber sie klagen, das sie dran setzen mussen gutt, ehr, leyb, leben, unnd allis, was sie haben; das leucknett er nitt, denckt es auch nicht abtzuwenden und eynen weychen trost geben, sondernn herttet den mutt und ermannett dawidder, trostet alßo, das die gerechtickeytt, ßo er dran hangt, wirt yhm mutts gnug gebenn, yhn fest unnd hartt machen, das er das allis wol erleyden kan.

 

[Sir. 15, 4] Die acht: Sie wirt ihn nit beygen lassen.

Das ist eben dasselb, das sie fest ynn yhm ist; was wiltu mehr haben, wenn du ßo starck wirst, das du alle ding ubirwindest? Ditz vormugen die werckheyligen nit, sie stehn nit, da ist keyn festniß, ßondern eyttel beygen und unterligen; denn sie hangen an dem yhren, das kan man yhn wol nhemen, ßo nympt man sie auch mit. Aber die Christlich glewbische gerechtickeyt hanget an gottis barmhertzickeyt, die kan niemant nehmen, ßo mag die anhanger auch niemant nehmen, ob man yhn schon allis ander nympt.

[WA s. 300]

 

 

 

[Sir. 15, 4] Die Neund: Sie wirtt yhn hallten.

Das ist: sie wirt yhn bey ehren behalten . Hie bekennet der weyße man, das der gottfurchtige glawbige mensch muß nit alleyn vil ubels leyden, ßondern auch schmach und schand datzu haben; denn das eygentliche leyden der Christen ist nit, das sie ubels leyden wie ander leutt, ßondern schmehlich und schendlich leyden als die aller ergisten ubelthetter, gleych wie Christus geliden hatt, das heyst auch Christus Leyden odder des creutzs leyden. Es greyfft nit nach der tzeyttlichen ehre, ßondern nach der ehre, die man soll ym gewissen und fur gott haben. Alßo sind alle marterer getodt, nit als hetten sie ettwas tzeytlicher schand vorwirckt, ßondern als weren sie gottis feynd und lesterer geweßen. Das sich nu dafur niemandt entsetze, trostet er und reytzet hie, das, wer do glawbt, der wirt erhallten unnd bleyben bey allen ehren fur gott und der wellt.

       Die tzehend:

 

[Sir. 15, 4] Und sie wirt yhn nit tzu schanden werden lassen.

Das ist eben das vorige mit andern und klerern wortten; sie lessit woll schand und schmah an yhn lauffen, auff das yhr macht probirt und vorsucht werde, aber sie lessit yhn nit drynnen sticken noch unterligen, ßo er nur an yhr [Weish. 10, 12] hanget, wie Sap̄. x. auch von yhr sagt: Sie schafft yhm eyn hartten streytt, auff  das er obsigt und erfare, wie die weyßheyt stercker ist denn alle ding. [WA s. 301] Er muß yhe vorsucht seyn und nit on schmach tzugehen, die schand muß treffen und ruren auch das hertz, das es gleych erschrickt und schluttert, als wollt gott yhn lassen tzu schanden werden. Aber dawidder hilfft sie yhm, das er fest trawet, und damit wirt er erhallten und geht ubir die schand mit fuessen. Das allis ist fern von den werckheyligen.

       Die eylfft:

 

[Sir. 15, 5] Und sie wirtt yhn erheben bey seynen nehsten.

Das ist: er wirt durch solch vorsuchen und streytt nur deste grosser und [1. Kor. 11, 19] baß bekand bey und fur andern leutten, wie sanct Paulus sagt, das durch die secten offenbar werdenn, wilche die bewerten Christen sind; denn solch anfechtung macht yhn bekendlich und loblich bey yderman, das man yhn erfurtzeucht und ynn ehren hellt. Widderumb die werckheyligen gehn dahynn, das niemant von yhn ettwas weyß, es ist eyn unuorsucht, ungewandert volck, nur ynn seynem weßen gewonett, weyß nichts von gottis guttern und wercken tzu sagen.

       Die tzwoellfft:

 

[Sir. 15, 5] Mitten unter der samlung wirtt sie auttthun seynen mund.

Das ist: es wirt eyn gutt prediger und lerer drauß; denn durch den glawben vorsteht er alle ding recht, unnd durch die anfechtung vorsucht er dasselb allis, das erß gewiß wirt, darumb kan er darnach gewißlich dauon sagen, yderman unterricht geben. Das wol der Taulerius sagt: Eyn solch [WA s. 302] mensch kund die gantz welt richten und leren. On solch vorsuchen wirt nymmer keyn gutter prediger, es bleyben eyttell schwetzer, die selbs nit wissen, wovon [1. Tim. 1, 7] und wohyn sie reden, alß S. Paulus sagt 1. Timo 1: Sie wollen der schrifft prediger seyn und wissen nitt, was noch wovon sie reden; es sind unnutze schwetzer, spricht er.

       Die dreytzehend:

 

[Sir. 15, 6] Und wirt yhn erfullen mit dem geyst der weyßheyt und vorstands.

[Sir. 15, 3] Droben hatt er gesagt, sie werd yhn speyßen mit dem brod des lebens und vorstands und werd yhn trencken mit dem wasser der heylbarn weyßheyt, das ist fur der anfechtung, da die gabenn gottis alleyn empfangenn werdenn unnd noch nit vorsucht sind. Aber nach der anfechtung, wenn der mensch vorsucht und bewerd ist, wirt er nit alleyn mit gaben der weyßheytt und vorstands erfullet, ßondernn auch mit dem geber solcher gaben, dem heyligen geyst selbs, und gantz volkommen gemacht. Nit das tzuuor der heylig geyst nitt auch ynn geweßen sey —denn wo seyne gaben sind, da ist er gewißlich mit —ßondern das der unuorsuchte mensch noch nit ßo hoch komen ist, das er des geystis kegenwertickeyt pruffet und empfindett, biß das er vorsucht und probirt werde. Alsdenn wirt er voll geystes, der tzuuor voll gaben geweßen ist, das er hynfurt nit alleyn yhm selb nutz sey durch die gaben, wie er tzuuor der anfechtung war, ßondern hynfurt nit mehr thut, denn andern nutz ist, das sie durch yhn tzu gleycher gnade auch komen, und wie er tzuuor ist leyplich nutz geweßen, durch außschutten seyner gutter ubir den nehisten, wie droben gesagt ist, dahynn yhn der glawb und die gaben bracht haben, aber er ist damit noch nit geystlich nutz geweßen, er hatt yhn nur leyplich wolthan. Alßo nach der anfechtung kompt der geyst und macht yhn, das er nit alleyn [WA s. 303] gespeyßet wirt mit dem brod der weyßheytt und vorstands wie tzuuor, sondern auch seynen mund auffthut und andere speyßet mit weyßheyt und vorstand und alßo yhn geystlich hilfft. Alßo waren die Apostell fur Christus leyden nur gest des herrn, assen und truncken von seyner weyßheyt und vorstand, waren frum, aber nur fur sich selbs. Nach der aufferstehung worden sie wirtte, speyßeten die andern und machten sie frum durch den geyst der weyßheyt und vorstands, des sie nach yhrer anfechtung voll worden.

       Die viertzehende:

 

[Sir. 15, 6] Und mit dem kleyd der ehren wirtt sie yhn kleyden.

Das ist: eyn gutt geschrey und geruecht macht sie yhm weytt und breytt, [2. Sam. 7, 9] wie tzu Dauid gott sagt: Ich hab dyr eyn grossen  namen macht, alßo wirt er getziert, das alle welt ehrlich von yhm helt und sagt umb seyner weyßheyt und vorstands willen. Denn ehre heyst alhie gloria, wilchs ist eyn groß herlich sagen und rhum unter den leutten, das nennet er eyn kleyd, denn es tzierd ubir allen schmuck und kleynett.

       Die funfftzehende:

 

[Sir. 15, 6] Lust und freud wirt sie yhm samlen tzum schatz.

Bißher hatt er gesagt, was yhm auff dießem leben begegnet; hie beschleust er nu, was yhm ubirbleybt nach dißem leben, nemlich ewige lust und freud. Das ist seyn schatz, den sie yhm samlet, der keyn ende hatt.

       Die sechtzehend:

 

[Sir. 15, 6] Und eynen ewigen namen wirtt sie auff yhn erben.

Das ist: nach seynem todt wirt seyn gedechtniß bleyben und nit alleyn ym leben ynn ehren behallten. Nach wilchem allem die werckheyligen streben [WA s. 304] und doch nit erlangen, denn sie furchten gott nit, hallten auch nit an der gerechtickeytt des glawbens.

       Drumb sihe, wilche grosse frucht und nutz sind, das die billich trosten sollen und ermannen, das wyr bey dem glawben und gottis forcht bleyben. Ich hab sie kurtz ubirlauffen und nur vortzeychnet, es were sonst von eynem iglichen stuck wol eyn sonderlich groß predigt zu machen, wer sie mit schrifften wolt außstreychen.Auch ist ditz alles nit tzuuorstehen, das man gott umb solchs dings willen furchten oder yhm glawben solle odder solchs dadurch suchen; denn das were falsch. Es ist nit drumb geschrieben, das man solchs suchenn oder begeren solle, sondern das man wisse, wie solchs gewißlich folget denen, die gott furchten. Und eben die alleyn solchs finden, die es nit suchen, das ist: die da gott furchten, nichts des yhren begeren, bleyben nur hangen an gottis gnaden, denselben muß solch ding ungesucht folgen, das doch nit erlangen mugen die werckheyligen mit alle yhrem sturmen.

       Es reymet sich auch diße Epistell mit dem Euangelio nit ubel; denn [Sir. 15, 2] hie sagt er: Die gerechtickeyt werd den menschen auffnhemen wie eyn erliche [Joh. 13, 23. 25; 21, 20] mutter yhr kynd unnd eyn newe braudt yhren breuttgam. Alßo nympt auch Christus Johannem auff seyne brust und left yhn den lieben iunger seyn, an beyden ortten uns den glawben preysset und furhellt, was seyn artt sey.

[WA s. 305]

 

 

[Joh. 21, 19 –24] Das Euangelium an S. Johannis tag. Johan. vlt.

 

1522[WA s. 305]

Jhesus sprach zu Petro: Folge myr. Petrus keret sich umb und sah den iunger nachfolgen, den Jhesus lieb hatt, der auch ym abendessen auff seyner brust rugete und sagte: Herr, wer ist er, der dich wirt vorrhaten? Do denselben Petrus sah, sprach er tzu Jhesu: Herr, was soll aber dießer thun? Sprach Jhesus tzu yhm: Szo ich will, das er bleybe, biß ich kome, was geht es dich an? Folge du myr. Daher ist die rede außkomen unter den bruedern, das dißer iunger wirt nit sterben. Und Jhesus sagt doch nit: er wirt nit sterben, ßondern: ßo ich will, das er bleybe, biß ich kome, was geht es dich an? Ditz ist der iunger, der do getzeugniß gibt von dißen dingen und hatt ditz geschrieben, unnd wyr wissenn, das seyn getzeugniß warhafftig ist.

 

[Joh. 21, 15 –18] Da Christus drey mal Petrum fragt, ob er yhn auch lieb hatte und Petrus drey mal anttworttet: Ja, ich hab dich lieb, das weyßtu, befalh er yhm drey mal seyne schaff unnd sprach: Weyde meyne schaff, darnach vorkundigt er yhm seynen todt und sagt: Furwar sag ich dyr, Petre, da du iung warist, gurtistu dich selb und giengist, wo du hynn woltist, aber wenn du nu allt [WA s. 306] wirst, wirstu deyn hend außstrecken, und eyn ander wirt dich gurtten und furen, [Joh. 21, 19] da du nit hynn willt. Alßo folgt  diß Euangelium drauff: Folge myr, als solt er sagen: weyl es dyr alßo gehen soll, ßo Gedenck und folge myr, gib dich ynn den todt williglich. Denn das ditz folgen das sterben bedeut, ist klar gnug, und alle iunger vorstunden es auch also, und ist eyn liecht, leycht Euangelium. Das aber ettlich sich hie fast muhen, tzu wissen, ob sanct Johannes gestorben sey oder noch lebe, tzeygt der Euangelist gnugsam, das es Christus nit hatt wollen uns wissen lassen, drumb solln wyr auch [Joh. 21, 23. 22] nit darnach forschen. Er spricht: Jhesus hab nit gesagt, er soll nitt sterben, und sagt doch auch nit, das er sterben soll, lest es alßo hangen ym tzweyffel. Wenn Christus schon gesagt hett: Ich will, das er bleybe, biß ich kome, mocht dennoch vorstanden werden, er wurde am iungsten tag sterben. Nu er aber sagt: So ich will, das er bleybe, ists noch viel finsterer, das er nitt schlecht sagt, ob er will odder nit will.

       Aber eyn trefflich und mercklich lere hatt er uns hyrynn geben, umb wilcher willen auch Christus mitt solchenn wortten hatt abeweyßet, und ist die: Unangesehen aller heyligen exempell unnd leben soll eyn iglicher wartten, was yhm befolhen ist, unnd warnhemen seynis beruffis. O, das ist ßo eyn nottige, heylsame lere! Es ist eyn yrthum fast gemeyn, das wyr ansehen die werck der heyligen, und wie sie gewandellt haben, wollen wyr hynnach, meynen, es sey kostlich wolgethan. Datzu helffen und treyben die unnutzen schwetzer, die der lieben heyligen leben predigen und dem volck tzum exempell [WA s. 307] nit recht furtragen. Dawidder handellt und redet hie Christus. Petrus ist eyn bild solcher wilden wandeler; da yhm Christus befolhn hatt, er solt yhm folgen stracks fur sich, ßo keret er sich umb und sihet nach eynem andern, bekommert sich, wo der gehe, den Jhesus lieb hatt. Alßo thun auch diße lassen das ligen, das yhn befolhn ist, und sehen auff der ander wandel und werck, die gott lieb hatt, das sind seyne heyligen, darumb ruckt yhn Christus [Joh. 21, 23] herwidder und spricht: Was geht es dich an, wo der wandelt? Folge du myr, laß mich mit yhm machen, wie wenn ich yhn alßo wolt lassen bleyben, woltistu drumb auch bleyben? Meynstu, ich woll eben das von dyr haben, das von yhm? Neyn, nit alßo, wart du des deynen und was ich dyr sage, yhener wirtt seynis auch woll finden. Ich will mancherley diener habenn, sollen aber nitt alle eyniß werck seyn.

       Sihe, alßo findt man viel leutt, die allerley thun, on was yhn befolhen ist. Mancher horett, das ettlich heyligen haben wallen gangen, dauon sie gelobt sind, ßo feret der narr tzu, lest weyb unnd kynd sitzen, die yhm von gott befolhen sind, leufft auch tzu S. Jacob odder hyr und dar, sihet nit an, wie seyn beruff und befelh viell eyn anderer ist, denn des heyligen, dem er folgt. Alßo thun sie auch mitt stifften, fasten, kleydung, feyr, pfafferey, muncherey, nonnerey, es ist eyttel hynder sich sehen nach den iungern, die Christus lieb hatt, und den rucken keren tzu dem befelh und beruffen der folge Christi, sprechen darnach: es sey wolthun, haben den heyligen folgett. Darumb sihe drauff, wie eyn richtige straß der weg gottis gehet; tzum ersten: er mag nit leyden menschenlere und weg oder gepott; tzum andern: er mag nit leyden [WA s. 308] eygen ersuchte oder erleßene werck; tzum dritten: er mag auch nit leyden der heyligen exempell, ßondern da ist er hyn gericht, das er warttet, wie yhn gott [Ps. 25, 12. 9] fure, was der von yhm haben will, wie der prophet Ps. 24. sagt: Gott leret sie den weg, den er erwelet hatt. Item: er wirtt die sanfftmutigen leren seyne wege &c..

       Szo mochstu sprechen: Wie aber, wenn ich nit beruffen bynn, was soll ich denne thun? Anttwortt: wie ists muglich, das du nit beruffen seyest? du wirst yhe ynn eynem stand seyn, du bist yhe eyn ehlich man odder weyb odder kind odder tochter odder knecht odder magt. Nym den geringsten stand fur dich, bistu eyn ehlich man, meynstu, du habst nicht gnug tzu schaffen ynn demselbenn standt? tzu regirn deyn weyb, kind, gesind unnd gutter, das es alles gehe ynn gottis gehorsam und thuest niemand unrecht? Ja, wenn du vier kopff unnd tzehen hend hettist, du werist yhm dennoch tzu wenig, das du wider wallen noch yrgen eyn heyligen werck durffst fur dich nhemen. Item: bistu eyn ßon odder tochter, meynstu, du habist nit gnug mit dyr tzu thun, das du tzuchtig, keusch und messig deyne iugent halltist, deynen elltern gehorsam, niemand mit wortten odder wercken tzu nahe seyest? Ja, weyl man auß der weyß  kommen ist, solch befelh und beruff tzu achten, ßo geht man hynn und bettet roßenkrentz und thutt dergleychen, die nichts tzu dem beruff dienen, unnd denckt niemandt, das er seynes stands warnhem. Item: bistu eyn magt odder knecht, meynstu, das du mussig gehen werdist, ßo du deynem stand und befelh nach trewlich mit allem vleyß deynem herrn odder frawen dienen sollt und deyne iugent ym tzawm furen? Item: bistu eyn furst, herr, geystlich [WA s. 309] odder weltlich, wer hatt mehr tzu thun denn du? das deyn unterthan recht thun, frid, sey, niemant unrecht geschehe. Wo her meynstu, das kome das sprichwort: Eyn furst oder herr ist willprett ym hymell?1 Alleyn daher, das sie yhr ampt lassen, wollen weytt regirn, und konnen sich selb nit regirn, darnach kommen sie denn unnd wollenß mit meßhoren, stifften, roßenkrentz, gebettle, ablas wider eynbrengen, als were gott eyn trewdeler odder eyn kind, das sich mit eynem pfennig nerren lest. Alßo auch itzt die Bischoff unnd geystlich prelatten, die da sollten die schaff Christi weyden und folgen nach Christo, den todt druber leyden, ßo betten sie yhr sieben tzeytt unnd hallten meß, lassenn sich frum leutt nennen. Aber kompt der Bischoff eyner ynn den hymell, ßo muß eyn ander hymell geschaffen werden. Eyttell helfewrwerck sind itzt alle Bischoffe, darumb, das yhr keyner doch nit eyn harbreytt seynis ampts pflegt.

       Sihe, wie nu niemand on befelh und beruff ist, ßo ist auch niemand on werck, ßo er recht thun will. Ist nu eynem iglichen drauff tzu mercken, das er ynn seynem stand bleybe, auff sich selb sehe, seynis befelhs warnhem unnd darynnen gott diene und seyn gepott hallte, ßo wirtt er tzu schaffen ßo viell ubirkommen, das yhm all tzeytt tzu kurtz, alle stett tzu enge, alle krefft tzu wenig seyn werdenn. Denn der boße geyst ficht solche wege grewlich an und macht sie dem menschen sawr, das er gar schwerlich drynnenn bleybtt. Bringtt er aber yhn dahynn, das er desselbenn beruffs vorgist unnd faren [WA s. 310] lest, ßo ficht er yhn nit mehr ßo hartt an, er hatt yhn auß der landstraß bracht, leßt yhn tzuweylenn eyn raßenn odder holtzweglin finden, das ist eyn frembds guttis wercklin thun, ßo meynett denn der narr, er gehe recht unnd [1. Sam. 15, 9 ff.] denckt auff grosse vordienst ym hymell, kompt yhe lenger yhe weytter von der straß, biß er yn den aller schedlichsten wahn kompt, das er acht, es sey gott umb die werck tzu thun, wie der konig Saul thett. O neyn, lieber mensch, es ist gott nit umb die werck zu thun, sondern umb den gehorsam, wie [1. Sam. 15, 22] dasselb buch .1. Reg. 15. sagt: Gott will nit opffer, ßondern gehorsam haben. Daher kompts, das eyn frum magt, ßo sie ynn yhrem befelh hynngeht unnd nach yhrem ampt den hoff keret oder mist außtregt, oder eyn knecht ynn gleycher meynung pflugt und fehret, stracks tzu gen hymel geht, auff der richtigen straß, dieweyll eyn ander, der tzu sanct Jacob odder tzur kirchen geht, seyn ampt und werck ligen lest, stracks tzu tzur hellen geht.

       Darumb mussen wyr die augen tzuthun, nit die werck ansehen, ob sie groß, kleyn, ehrlich, vorachtlich, geystlich, leyplich, odder was sie auch fur eyn ansehen und namen auff erden haben mugen, ßondern auff den befelh und gehorsam, der drynnen ist; geht derselb, ßo ist das werck auch recht und kostlich, gantz gotlich, obs ßo geringe were, als eyn strohalm auffheben. Geht aber der gehorsam und befelh nit, ßo ist das werck auch nit recht und vordamlich, gewißlich des teuffels eygen, obs gleych ßo groß were als todten auffwecken. Denn das ist beschlossen: gottis augen sehen nit auff werck, ßondern auff gehorsam ynn den wercken; drumb will er auch, das wyr auff [1. Kor. 7, 20] seynen befelh und ruff sehen sollen, dauon sagt S. Paulus .1. Cor. 7: Eyn iglicher bleyb ynn dem beruff, darynn er beruffen ist. Und S. Petrus [WA s. 311] [1. Petri 4, 10 [!]] .1. Pet. 3: Ihr solt seyn wie die trewen, gutten schaffner odder amptleutt der mancherley gnaden, das eyn iglicher dem andern diene und fodderlich sey, das er entpfangen hatt. Sihe, da sagt S. Peter, das die gnaden unnd gaben gotis nit eynerley, sondern mancherley sey. Und eyn iglicher soll der seynen warnhemen, dieselbigen uben und damit den andern nutz seyn. Wie gar eyn feyn weßen were es, wo es alßo tzugieng, das eyn iglicher des seynen warttet und doch dem andern damit dienete unnd alßo hewfflich auff der rechten straß mitteynander gen hymell furen. Alßo schreybt auch sanct Paulus [Röm. 12, 4. 5, 1. Kor. 12, 12 ff.] .Ro. 12. und .1. Cor. 12: Das der corper viell gelidt hatt, aber nicht alle gelid eynerley werck, alßo wyr auch viell gelid  eyner Christlichen gemeyn, aber nitt alle eynerley werck haben, soll niemand des andern werck, ßondern eyn iglicher des seynen warnhemen, und alle ynn eynem eynfeltigen gehorsam, ynn vielerley befelh und manchfeltigen wercken eyntrechtlich wandeln.

       Sprichstu denn: Ey, soll man der lieben heyligen leben und exempel nit folgen? Warumb predigt man sie denn? Anttwortt: Man solt sie also predigen, das gott drynn gelobt wurd, uns tzu reytzen, auch auff seyne guette und gnade uns zu trosten, darnach nit die werck, ßondern den gehorsam drynnen tzeygen. Aber nu lest man den gehorsam ligen unnd furet uns ynn die werck ßo tieff, das wyr gantz auß dem gehorsam kommen, sperren das maull auff nach den wercken, vorachten unßers eygen befelh und beruffs. Darumb ists keyn tzweyffell, das alleyn des ergisten teuffells getrieb sey, das [WA s. 312] man gottisdienst nur auff kirchen, alltar, meß, singen, leßen, opffer unnd dergleychen gespannen hatt, als weren alle andere werck vorgebens oder gar keyn nutz; wie hett der teuffell uns mugen baß furen von dem rechten wege, denn da er gottis dienst ßo enge spannett alleyn ynn die kirchen und die werck, die drynnen geschechen?

 

[Joh. 21, 23] Hutt dich, sihe fur dich, Christus wil von S. Peter nit leyden, das er sich umbsehe, auch nach dem iunger, den er doch lieb hatte. Meynstu, es sey umbsonst ßo eben der iunger, den Christus lieb hatte, fur allen Aposteln antzogen? Es ist auch nit umbsonst geschehen, das er yhn nit nennet bey seynem namen, er hatt wol mocht sagen: Petrus keret sich umb und sahe [Joh. 21, 20] Johannem, ßondern: den Jhesus lieb hatt &c.. Aber er wolt dißem laster begegen und das werck auch der heyligen auß den augen thun, das yhe lautter, reyner gehorsam da bliebe, und niemant mocht rhumen odder sich entschuldigen, er [hette] der heyligen exempell gefolgett.

       Sihe, alßo leßen wyr ynn der schrifft, das gott wollt nit haben von [2. Sam. 7, 2 ff.] Dauid eyn kirchen gepawett, obs wol Dauid yhm furnahm; denn es war keyn befelh da zuuor geweßen. Aber von Salomon wolt erß haben, dem gab er auch eyn befelh druber. Daher sind alle abgotterey, das man der heyligen [1. Mose 8, 20; 12, 8; 26, 25; 28, 18 u. ö] werck und nit den gehorsam angesehen hatt. Sie haben gesehen, wie Noe, Abraham, Isaac, Jacob haben gott geopffert auff den altarn, sind sie tzugefarn, habens nachthun wollenn, unnd ist abgotterey drauß wordenn. Solch menschen betzeychnet die schrifft durch die Affen, das ist auch eyn solch thier, das nur auff die werck sihet unnd willß allis nachthun, ist yhm doch nichts [Joh. 21, 22] befolhen. Darumb last uns die wortt Christi woll fassenn: Folge du myr [WA s. 313] — du, du —, laß andere yhrs dings wartten, wart du deyniß, sie werden [Joh. 21, 20] woll kommen. 1 Denn es ist nit vorgebens hie ym Euangelio dabey gesetzt, das der iunger, den Petrus ansah, auch folgete, er folgete on Petrus ansehen. 2 Es ist fast ditz gantz Euangelium umb dißer worrt unnd lere willen geschrieben; denn es leret nit viel vom glawben, ßondern von der folge unnd wercken des glawbens. Er hatt auch ynn Peters person alle geystlich prelaten hyrynn angesprochen und sie yhr ampt geleret, dauon das gantz Euangelium tzu handelln were, aber sie wollen villeycht von uns ungeleret seyn, drumb mussen wyrß auch nachlassen und bey unßerm ding bleyben.

 

Die ander lere auß dißem Euangelio ist, das eyn iglicher soll yhm an seynem teyl lassen genugen und den andern nichts vorgonnen noch murren, ob er yhm ungeleych sey. Denn allhie, ob woll alleyn Johannes wirt genennet der iunger, den Christus liebt, murret doch keyner drumb, vorgonnet yhm auch keyner desselben gleychen, das er solt nit sterben, als sie meyneten, vordroß auch niemant, und ist drob keyn murmeln unter yhn außgangen, [Joh. 21, 23] ßondern, wie der text sagt: Eyn rede ist unter den brudern außkommen, sie haben (vornym: alle iunger und Christen) als bruder dauon geredt und yhm wol vorgonnet.Und ditz ist nit eyn geringe tugent, die vielen grossen leutten gepricht; denn auch die heyligen Patriarchen an solcher tugent mangellten und [1. Mose 37, 3 ff.] Josephs  yhrß bruderß ubirkeytt nit leyden mochten. Und ist gar eyn gemeyne plage, das yhm niemandt an dem seynen gnugen lessit, das auch [WA s. 314] der Heyde spricht: Wie geht es tzu, das ynn eynß andern fellt altzeytt besser frucht und des nachpawrß vihe mehr milch gibt, denn das unßer? Item: Wie geht es, das yhm niemand an seynem weßen benugen lest, eyn iglicher meynt, des andern weßen sey besser denn seyniß? Wer eyn kauffman ist,  der lobett den handwerckßman, das er still ynn rugen sitz, ßo er muß ym land yrre wandelln, widderumb der handwerckßman lobet den kauffman, das er reych unnd unter den leutten sey, und ßo fortann, eyn iglicher ist seyniß weßens ubirdruessig und sufftzit nach eynß andern. Ist er ehlich, ßo lobt er den, der keyn weyb hatt, hatt er keynß, ßo lobt er den ehlichen stand, ist er geystlich, ßo gefellet yhm der welltlich stand, widderumb ist er welltlich, ßo gefellet yhm der geystlich. Und kan gott nicht mit yhn handelln, das sie tzufriden weren, dieneten yhm ynn dem weßenn, darynn er sie beschickt hatt, ßo wurd es yhn nitt sawr noch schweer. Nu aber sie ubirdrussig sind, beschweertt sie niemandt, denn sie sich selb, machen yhn selb yhr leben sawr, on alle nott und ursach.

       Unnd wenn gott gleych tzuließ, das eyner mocht seyn weßen wechßlen nach allem seynem willenn, solch ubirdruß tzu pussen, ßo wurd er doch ynn [WA s. 315] allen andern gleych, ia mehr ubirdruessig werdenn unnd tzuletzt bey dem seynen bleyben. Drumb muß man nicht gedenckenn auff den wechßell des weßens, ßondern des ubirdruß, lege abe und wechßell den ubirdruß, ßo wirtt dyr eyn weßenn seyn wie das ander unnd alle stend gleych gellten, wie es on dich kommen ist, das du keyniß wechßels darffist noch wuntschist. Alßo habenn ettlich heyden dancken gehabt, das, ßo aller menschen ubell auff eynen hauffen bracht wurd und man sollts alda gleych außteylen, ßo wurd es gewißlich dahynn kommen, das eyn iglicher wolt das seyne viell lieber behallten; ßo gar gleych regirtt gott die wellt, das eynem iglichen vorteyll anhangt seyn gleychmessigs nachteyll. Und yderman sihet nit mehr, denn wie gladt eynem andernn der schuch anligt, sihet aber nicht, wo er yhn druckt. Widderumb der den schuch anhatt, achttet nicht, wie gladt er anligt, ßondern wie ubell er yhn druckt. Mit der torheyt geht die wellt dahynn, das eyn iglicher alleyn seyn ubell unnd des andernn gutt nur ansihett, wo er aber seyn eygen gutt alleyn und des andern ubell auch sehe, ßo wurd er gott dancken und auffs aller fridlichst ym benugen lassen, wie gering odder ubell es umb yhn stund.

       Solch unruge, unfrid und ubirdruß tzu meyden, ist nutz und nott der glawb, der da gewißlich dafur hallte, gott regire gleych und beschicke eynen iglichen ynn dem weßen, das yhm auffs aller nutzlichst und fuglichst sey, alßo das es nit mocht besser geratten, wenn er selb sollt gleych die wal haben. Dißer glawb macht ruge, gnuge, frid, und vortreybt den ubirdruß; wo aber [WA s. 316] der glawb nit ist, und der mensch nach seynem fulen, duncken und empfinden urteyllt, Sihe, allda geht der ubirdruß an; denn er fulett nur seyniß weßens ubell und nitt seyniß nehisten, widderumb sihet nit seyns weßens vorteyll, noch seynis nehsten ubell; ßo folgt denn auß dem fulen und ubirdruß unlust, muhe und erbeytt ynn seynem leben, wirt damit ungedulltig und mit gott tzu unfriden, da schweygt denn gottis lob, lieb und danckparkeyt ynn yhm, bleybt all seyn lebenlang eyn heymlicher murmeler widder gott, wie die Juden ynn der wusten, hatt doch nitt mehr dauon, denn das er yhm selb seyn leben sawr macht und dennoch die helle damit vordient. Darumb sihstu, wie ynn allen dingen der glawb nott ist, und wie er alle ding leycht, gut und sueß macht, ob du gleych ym kerker odder todt werist, wie die merterer beweyßen, und on yhn alle ding schweer, boß und bitter sind, ob du gleych aller welt lust unnd freud hettist, wie das alle große herrnn unnd die reychen beweyßen, die das aller elendist leben alltzeytt haben.

       Szo sprechen denn ettliche: Ja, wenn ich wiste, das nitt meyn thorheytt odder der teuffell mich hieher furet hette, unnd were gewiß, das mich gott selber alßo beschickt hett, wollt ich gerne frolich, benugig und tzufriden seyn. Anttwortt: Das ist eyn torlich und unchristlich furgeben, das da antzeygt eyn [Matth. 6, 28] glawbloß hertz. Christus spricht Matt. 6: Sehet an die blumen auff dem [Matt. 10, 29. 30] felld, wie sie wachßen. Item: Nicht eyn blatt felt von dem bawm on ewriß vatters willen ym hymell, und nitt eyn vogell kompt auff die erden on seynen [WA s. 317] willen, wieviell mehr yhr, die yhr mehr seyt denn vogell, auch ewr har alle getzehlet sind.

       Wenn denn nu deyn weßen ist eyn stand, der an yhm selb nicht sund ist, ob du gleych durch sund und torheytt dreyn kommen werist, wirt darumb dasselb weßen odder stand gott nit deste ungefelliger, denn gott gefallenn alle [1. Mose 1, 31] ding woll, sagt Moses  Gen̄. 1., on die sund; drumb, wo du ynn eynem stand bist, der nit sund ist an yhm selbs, ßo bistu gewißlich von gott beschickt und ynn dem weßen, das gott wolgefellt; sihe nur tzu und sundige nit drynnen. Wenn du von eynem boden fielest und brechist eyn beyn entzwey, were darumb die stuben odder das bette nichts deste boßer oder gott ungefelliger, dareyn dich derselb fall bracht hette unnd tzu bleyben tzwunge, ob woll eyn ander on solchen fall hyneynkeme. Ja, das laß dyr eyn gewiß tzeychen seyn, das du ynn eynem rechtenn, gottgefelligen standt bist, ßo du seyns ubirdruß und unlust fulist, da ist gewißlich gott, der lest dich den boßen geyst anfechten und vorsucht dich, ob du wanckellmuttig odder bestendig seyest odder nit, und gibt deynem glawben ursach tzu streytten unnd sich tzu stercken. Auch wenn ich vom stand rede, der nit sundlich an yhm selb ist, meyne ich nit damit, das yemand mug hie auff erden on sund leben, alle stende unnd weßen sundigen teglich, ßondern ich meyne die stend, die gott gesetzt hatt odder yhr eynsatzung nit widder gott ist, als da sind: ehlich seyn, knecht, magd, herr, fraw, ubirherrn, regirer, richter, ampleutt, bawr, burger &c.. Sundlichen stand heyß ich reuberey, wucherhandell, offenttlicher frawen weßen unnd als itzt sind Bapst, Cardinal, Bischoff, Priester, Munch, Nonnen stend, die nitt predigen odder predigen horen. Denn diße stendt sind gewißlich wider gott, wo sie nur mit messen und singen und mit gottis wort nit umbgehen, das eyn [WA s. 318] gemeyn weyb viel ehr mag gen hymell kommen, denn dißer eynß. Geystlich tzu seyn und nit mit gottis wortt (das yhr eynigs werck soll seynn) umbgehen, ist eben als ehlich seyn unnd nymmer bey eynander seyn, ßondernn eynß hie hynauß, das ander dort hynauß bulen, das tzu besorgen ist, viel stifft und koster, viell huren unnd bubenhewßer des teuffels seyen, am leybe frum und eußerlich, aber an der seelen eyttel sund ynnerlich.

       An dießen tzwo leren lassenn wyr uns itzt benugen. S. Augustinus aber spaciert alhie und deuttett durch diße tzween Apostell Petrum und Johannem tzweyerley leben; durch S. Peter das wircklich, durch S. Johannes das beschewlich leben, spricht: darumb ßo mueße das wircklich leben Christo folgen und sterben, aber das beschewliche leben bleybe ewiglich. Wilchs feyn und leycht ist, on das etlich von denselben tzweyen leben ßo viel geschrieben, das sie es gar vortunckelet haben, wissen nit mehr, was wircklich oder schawlich leben ist. Ich aber nach meynem groben vorstandt far alßo, das das wircklich leben muß nit alleyn auffhoren und leyplich, ßondernn auch geystlich sterben, das ist: es muß fur der welt furworffen werden, das der mensch nit auff seyne werck sich vorlasse, wiewoll sie doch gutt sind und geschehen mussen, ßondernn alleyn durch seynen glawben lebe und auff Christum sich vorlasse, das ist denn der iunger, den Christus lieb hatt. Alhie bricht das Euangelium auff und leucht eynher mit seynen geystlichen bedeuttungen, die ich nitt alle ersehen mag, denn Christus wortt und wandell treyben der massen auff die [WA s. 319] werck, das sie nur auff den glawben gedencken. So last uns nu Johannem nehmen als den glawben odder das ynnerlich leben der seelen ym glawben, Sanct Petern als die werck odder das eußerlich leben ynn den wercken, ßo doch, das sie nit gescheyden seyn von eynander ynn eynem menschen, ßo werden wyr die mysteria sehen unnd was wircklich und beschawlich leben sey mit yhrem sterben unnd bleyben.

 

[Joh. 21, 20] Zum ersten spricht er, ditz sey der iunger, den Christus lieb habe, damit bedeuttet, das alleyn der glawbe die rechten lieben iunger Christi mache, dieselben empfahen auch den heyligen geyst durch denselben glawben und nit durch yhr wircken. Werck machen auch wol iunger, aber nit liebe iunger, ßondern tzeyttliche hewchler, die nit bestehen, denn gottis liebe helt sie nit, darumb das sie nit glawben. Zum andern ist ditz der iunger, der ym abendessen [Joh. 21, 20] auff Christus brust rugett. O eyn groß ding ist das! Der glawbe besitzt das hertz Christi, das ist: er hatt alle guetter Christi und allen rechten vorstand. Ich hab droben offt gesagt, tzuuor ynn der Epistel der fruhmeß am Christag, das der glawb mach auß Christo und dem menschen eyn ding, das beyder habe gemeyn werden. Was Christus ist unnd hatt, das ist des [Röm. 8, 32] glewbigen menschen eygen und widderumb, wie Paulus Ro. 8. sagt: Gott hatt seynen eygen, eynigen ßon fur uns geben, wie mag es seyn, das er mit demselben nit alle ding uns geben habe? Alßo vorlest sich eyn Christglewbiger auff Christum  und trost sich seyn, ruget auff yhm als auff seynem eygen [Joh. 21, 20] gutt von gott yhm geben, gleychwie hie S. Johannes ruget auff Christus [WA s. 320] brust, als auff seynem lager, ist sicher und gewiß. Sihe, eyn solch ubirschwenglich gutt ist unnd bringt mit sich der glawbe Christi, das er den menschen auff Christo lehnet und sicher tzu rugen legt, auff das aller senfftist, das er nichts furcht, widder sund, tod, hell, wellt, noch teuffell; denn er ruget auff dem leben, auff der gnaden, auff der seligkeytt, hatt alle ding ynn hymell und erden, doch nur ym glawben, noch nicht offenbarlich; das tzeychnet, das Johannes nit nach der aufferstehung odder auff dem morgen, ßondern tzuuor [Joh. 21, 20] der aufferstehung und ym abendessen auff Christus brust rugett, das ist: noch ynn dißem leben, wilchs eyn abendessen ist, das ist: am end der wellt, darynn das Osterlamp und das Euangelium die seelen speyßet, ym glawben und durch die predigt angericht, furtragen und geessen wirtt.

       Zum drittenn: Nennet er ßonderlich die brust, nitt den schoß oder die arm; damit bedeut ist, das der glawb alle weyßheytt gottis hatt und den [1. Kor. 2, 16. 15] rechten vorstandt aller dinge. Das sagt auch Sanct Paulus .1. Cor. 2: Wyr haben Christus vorstand. Item: der geystlich mensch richtet alle ding unnd [2. Kor. 3, 16 [!]] wirtt von niemand gerichtet. Item .2. Cor. 4: Wer tzu dem herrn bekeret wirt, dem wirt der furhang Mosi abethan, das er alle ding erkennet. Darumb kan der glawbige mensch von allenn stenden, von allen wercken, von allen leren, von allen geystern recht urteyllen, was gutt und recht ist, und feylet nit. Sihe, also hat der mensch durch den glawben Christi nit alleyn alle ding, ßondern vorsteht, erkennet und urteyllt auch recht, gewiß und weyßlich ubir [3. Mose 7, 31] alle ding. Darauff hat Moses gesehen ynn seynem gesetz Leuitico, da er leret, wie dem priester von allem opffer der thieren die prust gepuertt und eygen [WA s. 321] seyn sollt. Priester aber sind alle glewbigen und Christen, wie sanct Peter sagt [1. Petri 2, 9] .1. Pet. .2. Drumb bringt yhn solcher glamb allis gutt und alle weyßheytt, das sie durchs gutt reyche kunige sind unnd gnug haben, durch die weyßheytt grosse priester sind unnd alle wellt richten, scheyden und leren kunden.

 

[Joh. 13, 25] Zum vierden: Ditz ist der iunger, der tzu Jhesu sprach: Herr, Wer ist er, der dich vorrhatten wirtt? Was bedeutt das? Judas, der vorrether, ist eyn figur geweßen des Bapsts, Bischoff und aller geystlichen, die das gottis wortt lassen und furen yhr eygen lere und werck, damit sie die Christliche warheyt vortilgen. Nu hatt yhr weßen ßo eyn hubschen scheyn ynn yhren geystlichen geperden, weyßen und wercken, das keyn naturlich vornunfft begreyffen mag, das sie yrren, ia, naturlich vornunfft hilfft datzu und lobet solchs. Weyll denn nu nit mag bey eynander stehen warer glawb und das prangen der werck, und niemant sich mag auff gottis gnaden vorlassen, das ist auff Christus brust rugen, der sich auff werck und seyn ding vorlest, ßo muß die gnade und warheyt ßo viel untergehn, ßo viel das prangen der werck auffgehet. Alßo geschicht es, das die warheytt unuorsehens und ßo heymlich untergehet durch diße vorrether, die geystlichen. Ja, auch ßo heymlich, das die rechtglewbigen nit wurden gewar, wenn sie nitt mit vleyß nach der [Matth. 24, 24] warheytt trachten. Denn Christus hatt Mat. 24. hie vorkundigt, das die [Joh. 21, 20; 13, 25] außerwelten auch vorfurtt werden mugen; darumb ist hie nitt gnug Johanni, das er auff der brust Christi ruget, ßondernn mit sorgen hellt er an und fragt, wer der vorretther sen. Alßo die rechtglewbigen, durch erforschen der [WA s. 322]         Christlichen warheytt und ansehen der gnaden erfaren sie, wer dißer vorrether ist; denn ynndem sie auffmercken, das alleyn die gnade (das ist Christus) und nichts außer der gnaden helff unnd auff keyn anders tzu bawen sey, ßo sehen sie leychtlich durch solch gegenanderhallten der gnad und natur, das allis, was außer der gnaden ist, sey vorfurisch. Und die gnade anttworttett yhn auch alßo ym hertzen, das sie sehen, wie alle die vorrether sind der gnaden todter und vortilger, die außer der gnaden auffrichten lere, leben und werck, geben fur, damit geystlich frum leutt tzu machen. Szo ist nu dißer vorrether Christi nit denn alleyn die gleyßner, die ynn gutten scheyn heyligis lebens, geystlichs stands dahergehen und doch damit die Christliche warheyt und liecht der gnaden ynn sich selb und yderman vortilgen, das eyttel menschenthand bey yhn bleybt. Wilchs niemant erkennet, denn die eynen rechten glawben haben, dennoch dieselben auch nit ehe, sie haben denn  acht drauff, erforschen, fragen und haltenß gegenander, sonst lassen sie auch solch werck eynhergehen eynfeltiger meynung, dencken, sie geschehen recht ym glawben, weyll sie ßo gleych scheynen den warhafftigen wercken.

       Daher hatt der vorrether den namen, das er heyst Judas Scharioth. Judas heyst eyn bekenner; denn alle solche heyligen bekennen Christum, leugken yhn nit offentlich, ia, scheynen ym leben besser denn die rechtschaffen bekenner. Aber Scharioth heyst lohn; denn solch heyligen sind nur nießling, lohnsucher [WA s. 323] und eygennutzige, allis was sie thun, damit suchen sie das yhre, thun nichts [Joh 12, 6] frey got zu ehren, gleych wie Judas mit seynem beuttelltragen nit mehr denn seynen nutz sucht unnd schafft. Sihe, alßo ist die wellt voll geystlicher leutt, aber ym grund ist nit mehr hynder yhn, denn eyttell scharioth, eygen gesuch und nutz, und vorfuren mit yhrem scheyn alle wellt vom rechten weg des glawbens, und alßo vorachten und vorkauffen sie Christum, das ist die Christliche warheytt unnd gnade, dauon ynn der passion weytter tzu sagen ist.

       Nu sihe, warumb S. Johannes seynen namen nicht außdruckt; denn der glawb macht keyn secten, keyn unterscheyd, wie die werck thun, ßo hatt er auch keyn sonderlich werck, dauon er mocht genennet werdenn, denn er thutt allerley werck, wie sie yhm, furkommen, ist yhm eynß wie das ander. Aber Judas Scharioths weßen ist inn werck geteylet on glawben; denn eyner heyst eyn Bischoff von seynem hutt und stab, nitt von dem glawben, der eyn barffusser von seyner kutten und holltschuhen, der eyn Augustiner von seyner schwartzen kutten, alßo fort an eyner hievon, der ander dauon. Aber der glawb bleybt durch alle werck und stend gantz namloß, darumb macht er auch iunger, die Christus lieb hat. Petrus hat auch eynen namen; denn der glawb ist nicht on werck, aber es ist eyn nam, den yhm Christus geben hatt, und ist nitt das, dauon er der liebe iunger werde.

       Nu sehen wyr, was das ist, das dißer iunger soll bleyben und Petrus folgen, wie droben gesagt ist; denn der glawb bleybt, biß das Christus kompt, alsdenn horet er auff, aber die werck mussen untergehn und voracht werden, die wellt kan unß alle ding nehmen und zu nicht machen, auch unßer gute werck und guttis leben. Aber den glawben muß sie yhm hertzen lassen [WA s. 324] bleybenn und bleybt auch biß an den iungisten tag. Auß dissem allen ist gutt tzuuorstehen, das S. Johann. solch ding nit vom yhm selb geschrieben hatt tzu seynem rhum, alß wollt er ettwas ßonderlich fur andernn gehallten seyn, ßondernn solch heymliche unnd reyche tugent des glawbens hatt er wollen antzeygen, wilchs er auch allererst nach der hymelfartt Christi vorstanden hatt, das solchs von Christo darumb geschehen ist.

 

[Joh. 21, 20] Das ist auch eyn gutt tzeychen, das sanct. Peter sich nach Johanne umbsihet, und nit sanct Johannes noch Petro. Denn die werck sollen auff den glawben sehen, wo der bleybt, nitt widderumb der glawb auff die werck, unnd viel ander mehr deuttung hyrynne funden mugen werdenn, Wer tzeytt und lust hatt tzu suchenn.

 

 

 

 

 

[Gal. 4, 1 –7 [!]] Am Sontag nach dem Christag, Epistell Gal. iij.

 

1522[WA s. 324]

Lieben bruder: So lange der erbe iung ist, ßo ist under yhm und eynem knecht keyn unterscheydt, ob er woll eyn herr ist aller gutter, ßondernn er ist unter den furmunden und pflegernn biß auff die tzeytt, die vom vatter bestympt ist. Alßo auch wyr: Da wyr iung waren, waren wyr unter den Elementen von dißer wellt dienende knecht. Da aber komen ist die erfullung der tzeytt, Hatt gott gesand seynen ßon, der ist von eynem weyb worden und [WA s. 325] unter das gesetz gethan, auff das er die, ßo unter dem gesetz waren, erloeßet, das wyr die gnadreyche kindschafft empfiengen. Dieweyll yhr denn nu gottis kinder seyd, hatt gott den geyst seynes ßons gesand ynn ewre hertzen, der do ruffett: Abba, lieber vatter. Darumb,  ßo ist itzt keyn knecht mehr, ßondernn nur kinder; sind es aber kinder, ßo sind es auch gottis erbenn durch Christum.

 

Das ist eyn rechte Paulische Epistell. Darumb sie auch nit vorstanden wirtt von vielen, nit das sie ßo finster und schweer sey, ßondern das die lere des glawbens ßo gar auß der wellt komen ist, on wilche es nit muglich ist, Paulum tzuuorstehen, der mit allem gewallt und ernst auff den glawben treybt ynn allen Epistelln. Darumb will sie unß ettwas wort kosten, sollen wyr sie liecht machenn, und das wyr yhe auffs klerlichst wyr mugen dauon reden, wollen wyr ditz lassen eyn vorrede unnd eyngang seyn:

       Es ist tzu wissen, das eyn ander rede ist, wo man von den gutten wercken leret, unnd eyn ander, wo man von der rechtfertigung leret, gleych alß das weßen odder die person ist eyn ander ding, denn das thun odder wircken. Nu gehoertt die rechtfertigung auff die person und nit auff die werck. Denn die person und nit die werck wirt gerechtfertiget, selig, vorurteyllt odder vordampt. Szo ists auch beschlossen, das keyn werck die person rechtfertiget, ßondernn sie muß tzuuor on alle werck durch ettwas anderß rechtfertig [1. Mose 4, 4. 5] werdenn. Alßo sagt Moses Gen̄. 4: Gott sahe auff Habel und seyn opffer. Zuerst sahe er auff Habell die person, und darnach auffs opffer, das die person tzuuor frum, recht unnd angenehm war, darnach auch das opffer umb der person willen, nitt die person umb des opffers willen. Widderumb auff Cain unnd seyn opffer sahe er nicht. Auch tzum ersten sahe er nit auff Cain die person, und darnach auch nitt auff seyn opffer. Auß wilchem text beschlossen [WA s. 326] wirtt, das nit muglich ist, eyn werck fur gott gutt seyn, die person sey denn tzuuor gutt und angenehm. Widderumb nit muglich, das eyn werck boeße sey fur gott, die person sey denn tzuuor boeße und ungenehm. Das sey nu auff ditz mal gnug und beschlossen, das zweyerley gutte werck sind: Ettlich tzuuor, etlich nach der rechtfertigung. Die tzuuor gehen, scheynen nur und sind keyn nutz, die aber folgen, die sind rechtschaffenn gutt.

       Sihe, das ist der streytt tzwisschen gott und den hofffertigen heyligen. Da ficht die natur und tobet widder den heyligen geyst, daruber handellt die gantze schrifft. Gott ynn der schrifft beschleust, das alle werck fur der rechtfertigung seyen boß und keyn nutz, will tzuuor die person rechtfertig und gut haben.

       Zum andern beschleust er, das alle person, ßo sie noch ynn der natur [Ps. 116, 11] und ersten gepurtt sind, unrecht sind und boße, wie Ps. 115. sagt: Alle [1. Mose 6, 5] menschen sind lugener, und Gen̄. 6: Des menschen hertz ist alltzeyt geneygt nur tzu dem boßen, darumb muge er keyn gutte werck thun, was er aber derselben thue, seyn eyttell Cain werck. Hie tritt fraw hulde erfur mit der potznaßen, die natur, und thar yhrem gott widerpellen und yhn lugen straffen, [WA s. 327] hengt umb sich yhren allten trewdellmarckt, den stroharnsch, das naturlich liecht, die vornunfft, den freyen willen, die naturlichen krefft, darnach die heydnische bucher und menschenlere, hebt an und scharret daher mit yhrer geygen und spricht: Das vor der rechtfertigung sind auch gutte werck und seyen nit Cain werck, wie gott sagt, und sind ßo gutt, das die person dadurch rechtfertig werde. Denn alßo hatt Aristoteles geleret: wer viel gutts thutt, der wirt dadurch gutt, darauff hafftet sie fest, und alßo keret sie die schrifft umb, meynett, Gott soll die werck tzuuor ansehen und darnach die person. Solch teufflisch lere regirn itzt ynn allen hohen schulen, stifften und klostern unnd sind allesampt eyttel Caynsche heyligen, die gott nitt ansihet.

       Zum andernn: Dieweyl sie nu yhr ding nur auff die werck stellet und achtet der person und rechtfertigung nit groß, ßo feret sie weytter und gibt auch den wercken nach der rechtfertigung allen vordienst und die hewbtgerechtickeytt, [Jak. 2, 17] spricht, der glawb sey nichts on die werck, wie S. Jacob. sagt, wilchen spruch, dieweyl sie nitt recht vorstehet, acht sie den glawben geringe und bleybt alßo an den wercken hangen, will gott damit hoffirn, das er umb derselben willen solle auch die person yhm lassen gefallen, unnd alßo streben die beyde on unterlaß widdernander. Gott sihet auff die person, ßo sihet Cain auff die werck. Gott will die werck umb der person willen belonenn, ßo will Cain die person umb der werck willen gekronet haben, [WA s. 328] Gott weycht nit von seynem synn, wie billich und recht, ßo lessit sich iuncker Cayn seyniß yrthumß auch nit ubirreden, von  anfang der wellt biß anß ende, man soll seyne gutte werck nitt furwerffen, seyn vornunfft nitt fur nichts hallten, seynen freyen willen nit untuchtig achten, oder er tzurne mit gott und schlecht seynen bruder Habel tzu todt, wie denn alle historien unnß ubirflussig leren.

       Szo sprichstu denn: Was soll ich denn thun? wie wirt meyn person tzuuor gutt und angenehm? wie ubirkome ich dieselb rechtfertigung? Da anttwortt das Euangelium: du must Christum hoeren und ynn yhn glewben, [1. Mose 4, 4 ff.] schlecht an dyr selb vortzagen und dencken, das du auß Cayn eyn Habel werdist und alßdenn opfferst deyn opffer. Dißer glaub, on alle deyn werck, wie er on deyn vordienst predigt ist, ßo wirtt er auch on deyn vordienst auß lautter gnaden geben. Sihe, derselb rechtfertigt die person und ist auch selbs die rechtfertigung, dem schenckt und vorgibt gott alle sund, den gantzen Adam und Cayn datzu, umb Christus seyniß lieben ßonß willen, des nam ynn demselben glawben ist. Datzu gibt er demselben seynen heyligen geyst, der macht die person anderß und wandellt sie ynn eyn new mensch, der alßdenn eyn ander vornunfft, eyn andernn willen hatt, geneygt tzum gutten; die person, wo sie ist, die thut eyttel gutte werck, und was sie thutt, ist gutt, wie ynn der vorigen Epistell gesagt ist. Darumb gehortt tzur rechtfertigung nichts, denn hoeren und glewben Jhesum Christum alß unßern seligmecher, [WA s. 329] das ist aber alles beydes nit natur, ßondern gnadenwerck. Wer aber mit wercken hytzu vormeynt tzu kummen, der hyndert Euangelium, glawben, gnade, Christum, gott unnd alle ding. Widderumb tzu den gutten wercken gehoeret nichts denn die rechtfertigung (denn wer do rechtfertig ist, der thutt gutt und sonst niemant, und alliß, was er, alßo rechtfertiget, thutt, ist gutt, on alle unterscheyd der werck), das der anfang, folge und orden der menschen selickeytt sich alßo hallt: tzum ersten fur allen dingen das wortt gottis hoere. Darnach glewbe, darnach wircke, und alßo selig werde. Wer dißen orden keret odder wandellt, der ist gewißlich nit auß gott. Dißen ordenn beschreybt [Röm. 10, 13 –15] S. Paulus Ro. 10. und sagt alßo: Alle, die gottis namen anruffen, werden selig. Wie mugen sie aber yhn anruffen, wenn sie nit tzuuor glewben? wie mugen sie aber glewben, wenn sie nit tzuuor hoeren? wie mugen sie aber hoeren, wenn man nitt predigt? wie mugen sie aber predigenn, wenn sie nitt [Matth. 9, 38, Luk. 10, 2] werden gesandt? Darumb leret unß Christus: wyr sollen bitten den hawßvatter, das er außsende werckleutt ynn seyne ern[t]e, das sind rechte prediger; wenn die komen, ßo predigen sie das rechte wortt gottis, wenn man das hoerett, ßo kan man glewben, der glawb macht die person rechtfertig und frum, der rufft denn gott an unnd thutt eyttell guttis, alßo wirtt denn der mensch [Mark. 16, 16] selig. Das heyst: wer do glewbt, der wirtt selig. Widderumb: wer do wirckt [WA s. 330] [Mark. 16, 16] on glawben, der wirtt vordampt. Wie Christus sagt: wer nit glewbt, der wirt vordampt, da hilfft keyn wircken.

       Nu sihe an die gemeyne weyß und wort unter den leutten; die pflegen tzu sagen: Ey, ich will noch frum werden. Ey, man muß frum seyn. &c.. So man sie aber fragt: lieber, wie muß man sich datzu stellen, das man frum werde unnd sey?, ßo heben sie an und sagen: Ey, man muß betten, fasten, tzur kirchenn gehen, sund lassen.&c.. Item, da leufft der ynß Carthuß, der ynn dießen orden, der wirt eyn pfaff, der legt eyn heren hembd an, der geyssellt sich, der martert sich sonst, der ander alßo. Sihe, das sind eyttel Cayn und Caynß werck. Denn die person bleyben wie tzuuor, und ist da keyn rechtferttigung, ßondern nur eyn eußerlicher wechsell und wandell der werck, der kleyder, der stett, der geperden, und sind rechte affen, die der heyligen geperd an sich nhemen, und sie sind doch nit heylig, sie dencken nit an den glawben, sturmen nur mit gutten wercken (als sie meynen) unnd sich selbs [Luk. 13, 24] marteren tzum hymell tzu. Von denen sagt Christus ym Euangelio: Denckt, das yhr gehet durch die enge pfortten; denn ich sage euch: Viel werden suchen, das sie da durchgehen und werdenß nit vormugen. Ey, warumb nit? darumb, das sie nit wissen, wilchs die enge pfortte sey: die ist der glawb, der den menschen kleyn, ia, gar tzu nicht macht, das er an allen seynen wercken muß vortzagen und nur an gottis gnaden bloß hafften, auch alle ding druber faren lassen. Aber die Caynschen heyligen meynen: die enge pfortt seyn die gutten werck, drumb werden sie nit kleyn, vortzagen nit an denselben, ia, sie [WA s. 331] samlen sie mit grossen secken, hengen sie umb sich, und wollen alßo hyndurch [Matth. 19, 24, Mark. 10, 25, Luk. 18, 25] und werden eben hyndurchgehen,  wie das Camellthier mitt seynem grossen ruckknorren durch das nadellohr gehen mag.

       Wenn man nu yhn von dem glawben sagt, ßo spotten und lachen sie, sprechen, ob man sie fur turcken odder heyden hallt, das sie den glawben aller erst lernen sollen? Sollten ßo viel monch, nonnen, pfaffen seyn und den glawben nicht wissen? Wer weyß nit, was tzu glawben sey? Wissenß doch auch offentliche ßunder?! Darumb, als hetten sie des glawbenß aller ding gnug, meynen sie, es muß hynfurtt mit wercken gehandellt seyn, und achten den glawben (als ich gesagt hab)3 fast gering, denn sie kennen yhn nit, wissen auch nicht, wie er alleyn rechtferttigt. Sie heyssen das glawben, das sie von [Jak. 2, 19] Christo gehortt haben, und halten, es sey allis war, wie denn die teuffell auch glawben und werden dennoch nit frum dadurch.Aber das ist nit eyn Christlich glawb, ia, es ist mehr ein wahn, denn eyn glawb; ßo haben wyr ynn vorigen Episteln gnugsam gehort, das eynem menschen nit gnug ist, ßo er Christen seyn will, das er glewb, es sey allis war, was von Christo gesagt ist, wilchs ist der Caynschen heyligen glawbe, ßondern er muß nit dran tzweyffelln noch wancken, er sey eyner von denen, den solch gnade und barmhertzickeyt geben sey unnd hab sie gewißlich durch die tauff oder sacrament erlangt. Wo er das nu glawbt, ßo muß er frey von yhm selb sagen, er sey heylig, frum, gerecht und gottis kind, der selickeyt gewiß, und muß hyran gar nit tzweyffeln, nit auß yhm oder umb seyner vordienst und werck willen, sondern auß lautter barmhertzickeyt gottis, ynn Christo ubir yhn außgossen. [WA s. 332] Dieselben acht er ßo groß, wie sie denn auch ist, das er nit tzweyffellt, sie mach yhn heylig und gottis kind. Und wo er daran tzweyffelt, thett er seyner tauff und sacrament die hochsten unehre und luegenstraffet gottis wort und gnaden ynn den sacramenten. Denn es soll hie nit furcht oder wancken seyn, das er frum und gottis kind sey auß gnaden, ßondern alleyn furchten unnd sorgen, wie er also bleybe biß anß ende bestendig, ynn wilchem alleyn alle fahr und sorg steht; denn es ist alle selickeyt da gewißlich. Aber ungewiß unnd sorglich ists, ob er bestehe unnd sie behallt, da muß man ynn furcht wandelln; denn solcher glawb pocht nicht auff werck odder sich selb, ßondernn alleyn auff gott unnd seyne gnade, dieselb mag unnd kan yhn auch nit lassen, dieweyl das pochen weret. Aber wie lang es weren wirtt, weyß er nit; ob yhn eyn anfechtung dauon treyben mocht, das solchs pochen auffhoeret, so [Pred. 9, 1] hoeret die gnade auch auff. Das meynet Salomon Eccle. 9: Es sind rechtfertige und yhre werck ynn gottis hand, dennoch wirtt es alles ynn tzukunfftig ungewißheytt gestellet, das der mensch nit weyß, ob er gnaden oder ungenaden wirdig sey. Er spricht nit, das es gegenwerttig ungewiß sey, ßondernn tzukunfftig, Darumb, das der mensch nitt weyß, ob er bleyben werd fur den anstossen der anfechtung.

       Wenn dießen glawben die Caynschen hoeren, ßo segen sie sich mit henden und fussen, sprechen: Ey, behut mich got, sollt ich sagen, das ich heylig und frum were? wie sollt ich ßo hohmutig und vormessen seyn? Neyn, neyn, ich byn eyn armer sunder. Sihe, alßo muß dießer glawbe bey yhnen nichts, [WA s. 333] unnd alle solche lere ketzerey seyn, damit denn das gantz Euangelium vortilgett wirtt. Das sind die leutt, die den Christlichen glawben vorleucken und auß aller wellt vortreyben, von denen S. Paulus vorkundigt hatt, da er sprach [1. Tim. 4, 1 [!]] 1. Timo. 3: Es werden ynn den letzten tagen gar viel von dem glawben tretten. Denn solcher glawb ist itzt ynn aller wellt geschwigen, ia, vordampt und vorbannett mitt allen, die yhn leren unnd hallten, alß die ergist ketzerey, Bapst, Bischoff, stifft, kloster, hohen schulen sind eyntrechtlich widder yhn nu bey vierhundertt iar gestanden unnd nitt mehr than, denn alle wellt ynn die helle mit gewallt getrieben; das ist die rechte Endchristisch letzte vorfolgung. [Ps. 86, 2 [!]] So man aber tzu yhn sagt: yhe, spricht doch der Prophet Ps. 83: Herr, behutte [Röm. 8, 16] mich, denn ich bynn heylig, und S. Pau. Ro. 8: Gottis geyst gibt tzeugniß unßerm geyst, das wyr gottis kinder sind. Anttwortten sie: Ja, der Prophett und Apostell sagt das nit zu eyner lere oder exempell, ßondern er ist erleucht geweßen und yhm offenbartt, das er heylig war, unnd alßo tzihen sie alle schrifft, die dauon sagen, dahyn, das es nit leren, ßondernn ettliche ßonderliche wunder unnd vorteyl seyen, die nit allen glewbigen tzustehen, wilch gloße sie auß yhrem eygen kopff ertichten; denn dieweyl sie nitt glewben noch den geyst  schmecken, meynen sie, es soll auch niemand ßo glawben noch schmecken, damitsie offentlich als auß yhren eygen fruchten erkand werden, das sie dorn [WA s. 334] und distelln sind, nit Christen, sondern feynd und vorstorer aller Christen und vorfolger des Christlichen glawbenß.

       Widderumb aber haben sie solchen glawben, das sie meynen, durch yhre werck frum und heylig tzu werden, und gott soll sie umb yhrer werck willen selig machen. Sihe da, es soll Christlich seyn, das sie durch yhr werck frum werden, aber das man durch gottis gnaden frum sey unnd werde, muß ketzrisch seyn, yhre werck sollen mehr seyn, thun und vormugen, denn gottis gnade, [Matth. 7, 26] yhr glawb kan auff werck pochen, auff gottis gnade will er nit pochen. Und es geschicht yhn auch eben recht, das sie auff den sand bawen, weyll sie den felß vorachten, das sie ynn yhr werck fallen und sich tzu tod marternn, dem teuffell tzu ehren, dieweyll sie auff gottis gnad nit bleyben und gott eynen sanfften dienst thun wollen. Denn alle, die solchen Christlichen glawben haben, mussen dauon ynn gott und seyne gnaden frolich und fridlich seyn. Werden auch dauon lustig tzu gutten wercken, nit die gutten werck, die ynn beten unnd kleydern gehen als die Caynschen thun, ßondern die dem nehisten nutzlich und gutt seyn, wie droben gesagt ist ym nehsten Euangelio.Ja, sie werden frolich und bereytt, alle ding tzu leyden, denn sie tzweyffelln nit, gott sey mit yhnen, unnd sie seyen ynn gottis gnaden; das sind die leutt, die gott und der wellt nutzlich und ehrlich sind. Widderumb die Caynschen sind widder gott, noch der wellt, noch yhn selb nutz, ia, sie sind nur eyn unnutz last auff erden, yhn selb unnd yderman schedlich. Denn dieweyll sie solchen glawben nit haben, sind sie gott keyn nutz noch ehre, ßo thun sie der werck keyniß, dauon der nehist mocht nutz an leyb, gutt, ehre odder seele empfangen; denn [WA s. 335] es sind eyttell eygen werck, ynn geperden, kleydern, stetten, tzeytten, speyßen gethan. Sag myr, was hilfft michs, das du eyn grosse platten oder graw kutten tregist, wen hilfft es, da du den tag fastist, den tag feyrist, die speyß nit issist, an dem ortt dich eynsperrist, ßo viell wortt des tags lisest und murmelst? damit thustu nit mehr, denn marterst dich selb dem teuffell und gibst yderman ein boß gifftig exempel, solchem leben und weßen zu folgen, alß sey es gutt, und ist doch keyn Christlich weßen da; denn du glewbist nitt Christlich, so bettistu auch nitt Christlich, ßo ist deyn fasten nitt des leybs casteyung, wie sichs gepuertt, ßondernn nur alß eyn gutt werck gethan, das kurtzlich solch leben nitt anders ist, denn die abgotterey Baal und Moloch vortzeytten bey den Juden, die yhr kinder dem teuffell zu ehren auch marterten, todten und vorpranten.

       Szo mochtistu sagen: ßo dem alßo ist, das die werck nit rechtfertigen, ßondernn das hoeren und glewben ynn Christum, alß der unß tzu eygen geben ist, was sind denn die gepott nutz odder nott? Warumb hatt sie denn gott selb ßo hartt gepotten? Anttwortt: Hie komen wyr nu auff die Epistell, die wirtt unß sagen, wotzu die gepott gebenn sind. Die Galater hatten tzuuor den Christlichen glawben von S. Paulo erlernet und wurden darnach durch ettlich falsche prediger vorkerett, das sie widderumb auff die werck fielen und meyneten, sie musten durch die werck des gesetzs frum werdenn; da rufft yhn S. Paulus erwidder von denselben wercken wider tzum glawben, und mit vielen starcken wortten beweyßet er die tzweyerley werck des gesetzs und schleust, das die werck fur der rechtfertigung odder glawben seyen keyn nutz und machen [WA s. 336] nur knechte. Aber der glawbe, der mache kinder oder ßone gottis, da folgen denn recht gutte werck hernach. Man muß aber des Apostells gewonen ynn seynen wortten, da er unterscheydt den knecht und das kind; knechte nennet er die werckheyligen, dauon nu viel gesagt ist, das kind nennet er den Christglewbigen, der on werck, alleyn durch den glawben rechtfertig wirt und ist. Unnd das allis darumb, das der werckheylige dienet nit wie eyn kind und erbe ym eygen gutte, ßondernn wie eyn tagloner ym frembden gutt; ob gleych die werck beyder gleych unnd eynerley sind, ßo scheydett sie doch der mutt, gewissen und glawbe; das kind hat eyn gewissen und denckt, es werd bleyben eyn erbe ym gutt, der knecht denckt, er muß doch tzuletzt erauß und warttet [Joh. 8, 35] nitt des erbiß. Wie auch Christus sagt Johan. 8: Der knecht bleybt nit ewig ym hawß, das kind bleybt aber ewig drynnen. Alßo die Caynsche heyligen, dieweyl sie dießen Christlichen glawben nit haben (wie sie selb bekennen), das sie sich fur kinder gottis  gewißlich hielten, ßondernn segen sich dafur alß fur eyner großen ketzrischen vormessenheytt, bleyben ym tzweyffell alßo hangen, ßo geschicht yhn, wie sie glewben, und sind auch nitt, werden auch damit nymmer mehr gottis kinder und selig, doch thun sie werck des gesetzs, uben unnd treybenn sich fast, damit seyn sie knechte, bleyben knecht und bringen nit mehr dauon, denn yhr tzeyttlich lohn, das sie auff erden gnug ruge, ehre und gute tag haben, wie wyr denn seyen, auch itzt ynn dem geystlichen stand, die allen reychtum, gewallt, lust, ehre unnd gunst auff dißer wellt haben. Es ist yhr lohn, sie sind knecht und nit kinder, drumb werden sie ym sterben [WA s. 337] all außgestossen von dem ewigen erbe, wilchs sie noch nie haben wollt glewben noch empfahenn durch den glawben in dißem leben. Sihe, alßo sind die werck beyder nitt fast ungleych, aber der glawb und mutt scheydet sie.

       Nu will der Apostell und ist auch war, das on solchen glawben das gesetz mit allen seynen werckenn mach eyttel knechte. Denn alleyn dißer glawbe macht kinder. So mag widder gesetz, noch werck, noch natur dißen glawben geben, ßondern alleyn das Euangelium bringt yhn mit sich, ßo man dasselb hoerett; dasselb ist eyn wortt der gnaden, und der heylig geyst folgt demselben, wo es predigt und mit stille gehoeret wirt, alß er das beweyst [Apg. 10, 44] Act. 10 ubir dem Cornelio mit den seynen, wilche nur durch tzuhoeren S. Petro den heyligen geyst empfiengenn. So ist auch das gesetz nitt gebenn, denn alleyn, das der mensch dadurch sollt erkennen, wie er gnadloß, nit eyn kindlich, ßondern eyn knechtischen mutt hat, der da got dienet on solchen glawben und vortrawen, datzu auch nit mit willen; denn sie bekennen selb, das sie on solche vortrawen seyn, und wenn sie sollten weytter bekennen, musten sie auch sagen, das sie lieber wollten on gesetz seyn und nitt mit willen drunder sind; alßo ists alles mit ihn getzwungen und glawbloß ding und mussen bekennen, das sie durchs gesetz nitt mugen weytter komen; ßolchs sollten sie auß dem gesetz lernen und sich erkennen, wie sie knecht und nit kind seyn und darumb zu der kindschafft von der knechtschafft gedenckenn, yhr ding lassen nichts seyn, das sie durch gottis gnaden unnd glawbenn tzum rechten weßen kemen. Das were recht vorstand und brauch des gesetzs, wilchs nit anderß thutt, denn [WA s. 338] beweyßet und ubirwindt alle, die on glawben nach yhm thun, das sie knecht sind, mit unwillen und on tzuuorsicht der gnaden drynnen wircken, will, das sie sich selbs sollen an yhm stossen, vorsuchen und erlernen, wie unwillig und glawbloß sie seyn, und alßo anderßwo huelff suchen, nit auß yhn selbs vormessen tzu erfullen; denn es will mit willen und alleyn von kindern gottis erfullet werden, ist feynd den knechten und unwilligen.

       Nu faren sie tzu, bekennen, das sie nit glewben, ia, vorfolgen solchen glawben, der da kinder macht, fulen auch wol, wie unwillig sie sind, weren lieber on gesetz, noch vormessen sie sich durch solch werck frum tzu werden, wollen knecht bleyben, nit kinder werden und dennoch ym gutt bleyben, vorkeren alle ding, das gesetz (daran sie sich stossen und erlernen solten, wie sie unwillig knechte seyn, das sie dadurch an yhn selbs vortzagten und tzum glawben sich hielten, wilcher gnade bringt und kinder macht) zihen sie dahynn, das sie nur mit wercken drauff fallen, vormessen dasselb alßo tzu fullen, hyndernn eben damit des gesetzs end und meynung, streytten auch eben damit wider den glawben und gnade, da sie das gesetz hynn weyßet, treybtt und tzwingt, also bleyben sie ein blind, unuorstendig, erbeyttsam, knechtisch volck [Röm. 3, 20; 7, 1 ff.] ewiglich. Das will und meynet S. Paulus Ro. 3. et. 7. und sagt frisch erauß: Auß den wercken des gesetzs wirt keyn mensch rechtfertig fur gott. Warumb [Röm. 3, 20; 7, 7] denn nit? Antwortt er und spricht: Darumb, das durch das gesetz nit mehr geschicht, denn erkentniß odder erfarung der sund. Lieber, wie geht das tzu? Nym eynen Cayn fur dich, ßo wirstu es finden. Zum erste thutt er alle seyne werck nach dem gesetz mit grosser muhe und erbeytt und bekennet doch [WA s. 339] frey, er glawbe nit, das er gottis kind und heylig sey. Ja, er vordampt solchen glawben, wie gesagt ist, als die aller grewlichst vormessenheyt und ketzerey, will ym tzweyffell bleyben und wartten, biß das er eyn solch kind durch seyne werck werde. Sihe, da sihestu offentlich, das die person nit gutt noch rechtfertig ist, dieweyl solch glawb nitt drynnen ist, ia, er ist eyn feynd solchs glawbenß, drumb ist er auch eyn feynd der gerechtickeyt, ßo sind gewißlich seyne werck auch nit gutt, wie hubsch sie ymmer nach dem gesetz gleyssen. Und [Röm. 3, 20; 7, 1 ff.] also  vorstehistu, das S. Paulus recht sagt: Auß den wercken des gesetzts wirt niemand fur gott rechtfertig. Denn fur gott muß die person zuuor gutt seyn vor den wercken. Er ist aber wol fur den menschen rechtfertig durch seyne werck, wilche nach den wercken, nit nach dem mutt oder hertzen urteyllen.Menschen richten die person nach den wercken, Gott richtet die werck nach der person.

 

[2. Mose 20, 3] Nu aber das erste gepott ym gesetz foddert und gepeutt: Wyr sollen eynen gott ehren und haben, das ist: auff yhn trawen, bawen und vorlassen, wilchs ist eyn rechter glawbe, der gottis kinder macht. So sihestu und erkennist durch ditz gesetz klerlich die sund ynn dißem Cayn, nemlich seynen unglawben, desselben gleychen fulistu auch ynn dyr selb, ob du glewbist oder nit, wilchs on solch gesetz niemant fulen noch erkennen mocht. Sihe, das [Röm. 3, 20; 7, 7] heyst S. Paulus die sund durchs gesetz erkennen. Nu kanstu dyr auß solchem unglawben selber nit helffen, das gesetz auch nitt. Darumb mussen alle deyne werck, damit du das gesetz erfullen gedenckist, werck des gesetzs bleyben unnd mugen dich nitt rechtfertigen fur gott, wilcher alleyn die rechtfertig acht, die ynn yhn glewben und kinder seyn; denn dieselben erfullen alleyn das gepott [WA s. 340] und haben yhn fur eynen waren gott. Denn ob du dich tzu todt marterist mit wercken, kan doch dadurch deyn hertz nitt schepffen eynen solchen glawben, den das gepott foddertt, ya, die werck leyden noch erkennen solchen glawben nit, wie gesagt ist, wissen auch nitt, das er vom gesetz erforddert wirtt. Drumb muß derselb mensch eyn marterer des teuffels und eyn voruolger des glawbens und gesetzs bleyben, ebenn durch die werck des gesetzs, darynnen er sich vormisset, biß das er tzu yhm selb kome, sich erkenne, an yhm selb und seynen wercken vortzag, gott die ehre gebe, bekenne, das er nichts sey unnd bloß nach seyner gnade sufftze, dahyn yhn gott mit dem gesetz getriebenn hatt; da kompt denn glawb und gnade und fullet den ledigen und speyßet den hungerigen, da folgen denn rechtschaffne gute werck, die sind nitt werck des gesetzs, ßondernn werck des geysts, der gnaden, unnd heyssen ynn der schrifft gottis werck, die er ynn unß wirckt. Denn allis, was nit gott mit gnaden ynn unß wirckt, odder was wyr auß unß selber on gnaden wircken, das ist gewißlich eyn werck des gesetzs, das keyn nutz tzur rechtfertigung, ßondernn boeß und widder got ist, umb des unglawbens willen, darynnen es geschicht.

       Zum andernn thutt eyn solch Cayn seyne werck nymmer mit willen und auß freyem lustigen hertzen. Es sey denn, das man yhm denselben tzuuor abekeuff unnd laß yhm seynen willen, geb yhm, was er begerdt, gleych wie eyn knecht, der nitt thutt was er soll, man treyb yhn denn, odder laß yhm seynen willen. Nu ist das allis gar eyn vordrißlich gesind, das man treyben odder feyrenn und flehen muß. Alßo sind alle Cayn vordrießlich und [WA s. 341] ungenehm fur gott, darumb das sie keyn werck des gesetzs thun, denn nur auß furcht der hellen und plage getrieben und getzwungen, oder auß flehen und nachlassen yhrs eygen willens, das yhn gott gnug gebe unnd machs mit yhn, wie sie es gerne haben. Alßo sihestu abermal, das keyn hertz noch lust ynn yhn ist tzu dem gesetz, ßondernn tzu dem genieß, odder yhe eyn furcht fur der straff, das es klar ist, wie sie ym grund des hertzen dem gesetz feynd sind, wollten lieber, es were keyn gesetz. Darumb so ist die person nit gutt, so sind yhr werck auch nitt gutt, dieweyl sie nur auß furcht ertzwungen odder durch genieß und nachlassen eygenß willens alß mit bitten und flehen auffbracht wircken. Alßo leret das gesetz solchen unlustigen, unwilligen mutt erkennen und empfinden. Nu ist das allis sund fur gott; denn was ists fur eyn heylickeytt, wenn du das werck thuist mit der hand und bist doch ym hertzen dem gesetz und gesetzgeber nitt hollt? Es ist yhe sunde, ßo man dem [Röm. 3, 20; 7,7] gesetz nitt hollt ist. Sihe, das heysset hie S. Paulus die sund durchs gesetz erkennen, das der mensch sich dran stossen soll und solchen unlust ynn seynem hertzen fulen und erfaren, dafur sich entsetzen, an yhm selb vortzagen, mitt eyl unnd durst nach der gnade trachten, die solchen unlust von yhm nehm und yhm eynen willigen, lustigen geyst schaffe, der dem gesetz auß hertzen hollt sey und die werck ungetzwungen und ungeflehet freywillig thue, nichts angesehen, denn das yhm die gerechtickeyt und das gesetz an yhm selb wolgefellett, widder [Gal. 4, 1 ff.] lohn sucht, noch straff furcht. Alßo wirtt auß dem knecht eyn kind, unnd auß dem gesind eyn erbe, wilchen geyst niemant bringt noch gibt,  denn alleyn der glawbe Christi, wie droben gnug gesagt ist. Nu last unß die Epistell sehen:

[WA s. 342]

 

[Gal. 1, 4] Szo lange der erbe iung ist: ßo ist unter yhm unnd eynem knecht keyn unterscheyd, ob er wol eyn herr ist aller guter.

Er setzt eyn gleychniß, auß der menschen gewonheyt genommen. Denn wyr sehen, wie eyn unmundig kind odder erbe, dem seyn elternn gutt hynder sich lassen odder bescheyden ym testament, wirt getzogen und gehallten alß eyn knecht ynn denselben guttern. Es ist yhr nit mechtig und braucht yhr auch nit frey, wie es will, ßondernn wirtt ynn furcht und tzucht gehallten, das es nur speyß und gewand dauon hatt, obwol die gutter doch seyn eygen sind; derhalben ists wie eyn frembdling ynn seynem eygen gutt unnd gleych eynem knecht. Alßo hie auch ynn dißen geystlichen sachen: Gott hatt eyn testament [1. Mose 22,18] gemacht, da er Abraham vorsprach Gene. 22, Es sollt ynn seynem samen Christo alle wellt gebenedeyett werden, wilchs testament darnach durch den todt Christi bestettiget ist und nach seyner aufferstentnis außgeteyllt durch das Euangelium, wilchs nitt anders ist, denn eyn vorkundigung und offenbarung dißes testaments, darynn aller wellt gesagt wirtt, wie ynn Christo, Abrahamß samen, sey allen menschen benedeyung und gnade bescheyden und geben, wilche mag emp[f]ahen, wer nur dasselb glewben will. Nu ehe denn ditz testament auffthan und vorkundigt ist, sind gottis kinder unter dem gesetz geweßenn, haben durch werck des gesetzs sich bemuhet unnd sich tzwingen lassen, ob sie wol damit nit sind rechtfertig wordenn, ßondern yhr werck sind auch knechtisch geweßen unnd untuchtig, doch, dieweyl sie vorsehenn geweßen tzum tzukunfftigen glawben, der sie tzu kinder macht, sind sie gewißlich derselben gnaden und benedeyung recht erben, ob sie wol dieselben noch nit hatten noch brauchten, ßondern gleych den andern glawbloßen mit wercken umbgiengen [WA s. 343] und knechtisch waren, wie denn auch noch itzt und alle wege geschehen ist und geschicht, das viel menschen itzt gleuben und den glawben erkennen, die zuuor ynn wercken ersoffen geweßen, nichts wisten von dem glawben und gleych den andern gleyßnernn ynn den wercken waren. Aber nu sie den glawben ergriffen und das erbgutt angenommen habenn, sind sie gewißlich tzuuor auch erbenn datzu geweßen und vorsehen von gott, ob sie wol tzu der tzeytt nichts drum wusten unnd gleych auch knecht, werckheyligen und Caynsche warenn.

       Alßo gehn noch itzt ettlich ynn wercken und Caynscher heylickeytt und sind knechte gleych den andernn Caynschenn, dennoch sind sie erben und kinder tzukunfftig. Darumb, das sie noch tzukunfftig glewben werdenn, damit die knechtische artt ablegen, von den wercken trettenn und das hewbtgutt und erbe der rechtfertigung erlangen, dadurch sie on werck rechtfertig und selig werdenn, darnach alle yhre werck freyhyn wircken, gott tzu ehren unnd den nehsten tzu gutt, on alles sehen odder suchen nach dem lohn odder rechtfertigung; denn solchs haben sie schon tzuuor allis ynn dißem erbe und hewbtgut durch den glawben, wilchs yhn Christus ynn seynem testament bescheyden hatt und darnach durchs Euangelium lassen auffbrechen, leßen, außschreyen und tzuteyllen [1. Mose 22, 18; 26, 4; 28, 14] auß lautter gnaden und barmhertzickeytt. Sihe, das testament gottis hatt Abraham unnd alle veter erkennet, ist yhn auch außteylet unnd geben, wie unß allen; obs wol zu der tzeytt nit ynn aller wellt geleßen und außgeschrien ist wie nach Christus auffartt, ßo haben sie doch eben dasselb erlangt, eben mit demselben glawben, damit wirß und alle gottis kinder erlangen. Es ist eynerley gnade, eynerley benedeyung, eynerley testament, eynerley glawbe gleych wie der vatter eyner ist unnd eyn gott unßer aller. Sihe, alßo sihestu [Röm. 3, 28 u. ö] hie, wie S. Paulus an allen ortten lerett, das die rechtfertigung nit durch [WA s. 344] werck, ßondernn alleyn auß dem glawben on alle werck kome, nit mit stucken, ßondern auff eynem hauffen; denn das testament hatts allis ynn sich, rechtfertigung, selickeytt, erbe unnd hewbtgutt. Es wirtt auch gantz auff eynn mal, nit stucklich besessen durch den glawben. Das es yhe klar sey, wie keyn werck, ßondern alleyn der glawbe solch gutter gottis, das ist: die rechtfertigung und selickeytt bringe und auff eyn mal, nit stucklich, (wie die werck mussen stucklich seyn) kinder  und erben macht, die darnach allerley werck frey thun, on allen knechtischen mutt, der dadurch frum seyn unnd vordienen vormeynett. Es darff hie keynß vordiensts, der glawb gibts alles umbsonst und mehr, denn yemant vordienen kan, ßondern umbsonst thun sie die werck, haben das alles tzuuor, das die Caynschen durch die werck suchen und nymmer finden, nemlich die rechtfertigung und gottlich erbe odder gnade.

 

[Gal. 4, 2] Szondern er ist unter den furmundenn und pflegernn, biß auff die tzeytt, die der vatter bestympt hatt.

Das sind die leutt, die den erben aufftzihen unnd bey seyniß vatters gutt behallten, das er nit wild unnd eyn landleuffer werde.Denn ob sie yhm wol das erbe nitt geben ynn seyne hende, sind sie yhm doch nodt und nutz manchfeltiglich. Zum ersten, wie gesagt, das sie yhn daheym bey dem gutt behallten, damit er tzum erbe deste baß geschickt wirtt. Zum andernn, das seyn begird tzum erbe deste großer werd, ynndem das er sihet, wie eng und hartt er gehallten wirdt. Denn wo er tzu der vornunfft kompt, hebt er an der freyheytt tzu begernn und wirtt unwillig tzu seyn unter frembder hand. Alßo ist und soll auch seyn eynem iglichen, der noch ynn den wercken unter dem gesetz wandellt und eyn knecht ist. Das gesetz ist seyn furmund und [WA s. 345] pfleger, darunder er wandellt alß unter eyner frembden hand, und ist yhm tzum ersten geben, das er ynnen bleybe und getzogen werde, das er sich von den boeßen wercken ewßerlich durch furcht der straff enthallt, das er nit gar tzu willd werde unnd alles ynn die schantz schlach, gar sich ewßere gottis unnd seyner selickeytt, wie die thun, die sich aller ding tzu sundigen frey ergeben. Zum andernn, das er sich selb dran erlern und tzu seyner vornunfft kome, sehe an, wie unwillig er unter dem gesetz sey unnd keyn werck thu alß eynn willig kind, ßondern allis wie ein gezwungner knecht, dadurch er erfare, woran es yhm gepreche, nemlich an eynem freyen, newen, willigen geyst, den yhm das gesetz und seyne werck nitt mugen geben, ya, yhe mehr er wirckt, yhe unwilliger und schwerer er wirtt tzu wircken, auß solchs geysts geprechen.Wenn er denn das an yhm selbs erfindt, ßo sihet er, wie das er das gesetz nur eußerlich hellt mitt den wercken, aber ynnwendig ym hertzen ist er yhm feynd und widder mitt feynem unlustigenn, unwilligem hertzen. So ist er gewißlich on unterlaß eyn ynwendiger sunder widder das gesetz unnd eyn außwendiger heylig nach dem gesetz, das ist: eyn rechter Cayn und großer gleyßner, unnd wirtt yhm offenbar bekand, das seyne werck sind werck des gesetzs, aber seyn hertz ist eyn hertz der sund. Denn das hertz ist wider das gesetz geneygt, ßo ists gewiß zur sund geneygt, und die hand ist alleyn tzum gesetz getzwungen.

 

[Röm. 3, 28 u. ö] Darumb hatt wol S. Paulus solch werck genennett werck des gesetzs. Denn das gesetz zwinget sie erauß, und yhm wirtt auch nit mehr denn die werck.Nu will das gesetz auch das hertz habenn und williglich vollnbracht seyn, das man nit alleyn sage: werck des gesetzs, ßondernn auch: hertz des [WA s. 346] gesetzs. Nit alleyn hand des gesetzs, ßondern auch will, mut und alle krefft [Ps. 1, 2] des gesetzs. Wie Ps. 1. sagt: Selig ist der man, des mutt und will ynn gottis gepotten ist. Solchen mutt fodert nu das gesetz. Es gibt yhn aber nicht, ßo vormag yhn die natur nitt auß yhr selb tzu geben, ßo dringt das gesetz auff sie und vordampt sie tzur helle, alß die ungehorsame gottis gepotten. Da ist denn angst und elend gewissenn, unnd doch keyn hulff. Hie ist die tzeytt von dem vatter bestympt, da begerd sie denn gnade und hulff, da bekennet sie yhren iamer, unuormugen und schuldt. Da lessit sie fallen vormessenheytt yhrer werck und voracht sie selber. Denn sie wirtt gewar, wie tzwisschen yhr unnd eynem offenberlichen sunder odder ßunderynn keyn unterscheydt ist, denn nur ynn den ewßerlichen wercken, ym hertzen ist sie dem gesetz eben ßo widder, alß keyn ander sunder. Ja, es mag geschehen, das yhr hertz hessiger sey auffs gesetz, denn keynß andern ßunders. Sintemal der sunder yn vollbringung der sund mag weniger lust tzu sunden empfinden und der sund ettwas feynd werden umb des unlusts oder schaden willen, der yhm drynnen begegnet und drauß entstehet. Aber dißer, dieweyl yhm das gesetz und der furmund yhm weg ligt und wehret, soll wol brennen und wueten ynn begirden und lust tzu der sund unnd  muß doch die werck nit thun und alßo mit dem werck frumer seyn, aber mit dem hertzen boeßer seyn, denn yhener.

       Nu ists yhe eynem iglichen wol begreyfflich, das die teylung gar ungleych ist, ßo man alleyn die hand dem gesetz und das gantz hertz der sunden gibt. Sintemal das hertz unmeßlich mehr ist, denn das werck odder die hand. Was ist das anderß gethan, denn dem gesetz die sprew, der sund das korn geben, [WA s. 347] gotte die schalen, dem teuffel den kernn geben. Szo geschicht denn, wie das [Matth. 7, 3 —5] Euangelium sagt, das des offenberlichen sunderß sund eyn stecklin und seyn sund eyn großer balck ist. Wo nu hietzu der unfall schlecht, das Cayn dißen balcken nitt ersehen unnd sich am gesetz nach dißer weyß nitt erlernen will, sondern bleybt vorstockt und vorblend inn seynen wercken, achtet nitt seynes ynnwendigen grewels, ßo feret er mit stiffelln hyneyn, richtet alle wellt [Luk. 18, 11] freuelich, vorachtet die sunder, wie der phariseus ym Euangelio, dunckt sich nit seyn wie ander leutt, meynet, er sey frum, und wo man seyn weßen und werck straffen oder furwerffen will, wie sichs denn gepuert, ßo wueted unnd [1. Mose 4, 8] tobet er und schlecht Habel tzu todt, vorfolgt yderman, spricht darnach, er thu es umb gutter werck und der gerechtickeytt willen gott tzu lobe, und will groß vordienen damit, alß der da vorfolge gottis lesterer, ketzere, yrrige, boeße menschen, die yhn vorfuren unnd von guten wercken reyssen wollenn. Sihe, da gehett denn allis, was die schrifft von dißen gifftigen geysternn sagt. [Matth. 12, 34; 23, 33] Diße nennet Christus ottergetzicht und schlangenkinder. Das ist Cayn unnd bleybt Cayn, das sind knecht unnd bleyben knecht. Aber die da tzukunfftig Habel unnd kinder sind, die erlernen sich selb am gesetz, wie eyn unlustig hertz sie tzum gesetz habenn, fallen vonn yhr vormessenheytt, lassen gehen hend unnd fueß, werden gar tzu nicht ynn yhren augen durch solch erkentnis. Da kompt denn das Euangelium, da gibt gott die gnade den demutigen, die fassen das testament unnd glewben, mitt unnd ynn dem glawbenn empfahen sie den heyligen geyst, der macht yhn eyn new hertz, das da lust tzum gesetz unnd haß tzu den sunden tregt, freywillig unnd gerne gutt thutt. Da sind nitt mehr [Gal. 4, 2] werck des gesetzs, ßondern es ist da hertz des gesetzs. Das ist die tzeytt vom [WA s. 348] vatter bestympt dem erben, das er soll nymmer knecht noch unter den furmuenden seyn; das meynett nu S. Paulus ynn folgenden wortten:

 

[Gal. 4, 3] Alszo auch wyr: da wyr iung warenn, waren wyr unter den Elementen dießer wellt knechte.

Hie mussen wyr aber des Apostells gewonen, das er durch die Element der wellt nit vorstehet die naturlichen vier Element: fewr, lufft, wasser und erden. Auch die gantz schrifft nit braucht dißes namen Element tzu den genanten vier creaturn. Es ist auß der heydnischen kunst herkommen, auff die weyße von den Elementen tzu redenn, und were eyn grewlich anlauffen, ßo man mit dem vorstand wollt inn die schrifft faren.Sondernn Element nennet er die schrifft odder buchstaben des gesetzs. Denn auch latinsch und [Hebr. 5, 12] kriechische sprach die buchstaben element nennen. Alßo spricht er Heb. 5: yhr solltet wol der tzeytt nach meyster seyn, ßo bedurfft yhr wol, das man euch [Kol. 2, 8] die Element der ersten wortt gottis leret. Item Col. 2: Sehet tzu, das euch niemant betriege durch heydnische kunst unnd betrug, da nichts hynder ist, noch menschenlere und Elementen dißer wellt, unnd nit noch Christo. Item [Gal. 4, 9. 10 [!]] Gal. 3: Wie keret yhr euch umb, widder tzu den onmechtigen durfftigen [WA s. 349] elementen, wilcher yhr aber knecht werden wollt, halltet feyrtag, mondfest, yherig fest und allerley tage. &c.. Er nennet das gesetz gleych vorachtlich element odder buchstaben, die da onmechtig und durfftig sind, darumb das es nitt helffen mag. Dazu macht es auch onmechtige, durfftige menschen; denn es foddert das hertz und mutt, und hertz und mutt ist doch nitt da, dauon wirtt das gewissen durfftig unnd onmechtig, erkennet, [das] es haben soll, das [2. Kor. 3, 6] nit hatt noch haben kan.Dißer meynung beschreybt er .2. Cor. 3. alßo: Der buchstabe todtet, aber der geyst macht lebendig. Ettlich vorstehen durch diße elementt nitt die buchstaben odder das gesetz, ßondernn die ceremonien unnd eußerlichen geperden ynn gottisdienst und gutem leben, daran man anfehet und die kinder am ersten ubet, das Element ßo viel sey alß die ersten, grobisten, kindischen  weyß ynn gottisdienst.

 

[Gal. 4, 3] Er nennet sie aber Element dißer wellt. Darumb, das alle werckheyligen, die des gesetzs werck thun, dieselben nitt thun, denn eußerlich angepunden an tzeyttlich, welltlich ding, allß da sind: tage, speyß, kleyder, stett, person, gefeß [WA s. 350] unnd dergleychen; ditz sind alles creatur von dißer wellt, unnd darynn mussen gehen alle werck des gesetzs. Aber der glawbe hangt außer dißer wellt an gott, gottis wortt unnd seyner barmhertzickeytt, und rechtfertigett den menschen widder durch werck noch yrgent eyn welltlich ding, ßondern durch die ewigen, unsichtliche gnade gottis. Es ist yhm eyn tag wie der ander, alle speyße gleych, alle stett, person, kleyd und alles welltlich ding gleych; denn derselben hilfft noch hyndertt yhn keynß tzu seyner heylickeytt und rechtfertigung, wie sie thun dem Cayn unnd den werckheyligen. Drumb ist er nit Element dißer wellt, ßondern die fulle der ewigen gutter. Desselben gleychen, ob er auch tzeyttlich, eußerlich wirckt, ßo weyß er doch von keynem welltlich ding nichts. Denn er wirckt frey dahyn, gillt yhm alles gleych, wie die person, statt, tzeytt, speyß, kleyd sey. &c.. Er malet yhm keyn ßonderlichs auß, wilchs yhm furkompt, da schafft er mit, wilchs da feret, das lest er faren, und hatt schlecht seyn welltlicher wandel keyn name noch unterscheyd. Aber Cayn, der muß namen und unterscheyd haben, der ist nit fleysch, der tregt nitt schwartz, der bettet nitt ym hoffe, der hellt dißen tag, der ist hyran, yhener daran gepunden, und ist doch [Gal. 4, 3] allis tzeyttlich, welltlich ding, das da vorgeht. Darumb sind sie alle knecht der Element dißer wellt und nennen es doch heylige orden, gutte sitten und rechte wege tzur selickeytt.

 

[Kol. 2, 20 —23] Dauon sagt er Col. 2: Szo yhr denn mit Christo den elementen dißer wellt gestorben seyd, was laßt yhr euch denn, alß weret yhr der wellt noch [WA s. 351] lebendig, mit gesetzen fassen, die da leren: das solltu nit essen, ditz solltu nit anlegen, yhenis solltu nit angreyffen, wilchs doch allis ist vorgencklich ding, das sich unter der hand vorschlisst, alleynn nach menschen gepott unnd lere vorordnett. Es hatt wol eyn scheyn, alß sey es weyßlich ding, aber es ist eyn ubirgeystlickeytt, die da demutigt gute frey gewissen. &c..Auß dem und allem vorigen will folgen, das alle orden, stifft und kloester, die wyr itzt den geystlichen stand nennen, stracks widder das Euangelium und freyheytt Christlichs leben wandelln unnd ynn großer ferlickeytt stehen, denn die welltlichen. Sintemal all yhr ding ist eyttel element dißer wellt, gepunden an kleyder, person, stett, speyß, gefeß, tzeytt und geperden, wilchs eyttel welltlich und tzeyttlich ding seyn. Und ßo sie daran hangen, dadurch frum und geystlich zu seyn vormeynen, ßo ist der glawb schon auß, und sind nit mehr Christen, und ist gantz yhr leben eyttel sund und vorterben. Darumb ist yhn mehr nott denn allen andern leutten, das sie solchs yhrß weßens wol warnehmen und am glawben, der außer der wellt unnd außer dißen welltlichen dingen seyne gerechtickeytt setzt, gar fest unnd stett hallten; denn solch scheyn unnd gleyssen reysset mit gewallt vom glawben viel mehr, denn die groben offentlichen [Gal. 4, 3.] sunden und macht keyn ander volck, denn da hie S. Paul von sagt: Da wyr iung waren, da waren wyr unter den elementen der wellt knechte, das ist: da wyr noch den glawben nit wisten unnd nur ynn des gesetzs wercken giengen, da thetten wyr, wiewol unwillig, alß die knecht solche werck, die ynn tzeyttlichen [WA s. 352] dingen hangen, meyneten damit frum und selig tzu werden. Dieselb meynung war falsch und macht auch iunge und knecht, sonst weren dieselben werck on schaden, wo die meynung abe were, wilche alleyn der glawbe abethutt unnd lerett alleyn durch gnade frum werden und alles tzeyttlich ding frey haben und achten.

 

[Gal. 4, 4. 5] Da aber komen ist die erfullung der tzeytt, Hatt gott gesand seynen ßon, der von eynem weyb worden unnd unter das gesetz gethan ist, auff das er die, ßo unter dem gesetz waren, erloeßet, das wyr die gnadreyche kindschafft empfingen.

Dieweyl das gesetz nitt mag geben die rechtfertigung noch den glawben, unnd die natur mit alle yhrem wircken nitt vordienen, Szo furet nu S. Paul. daher den, der unß solchen glawben an unßer statt vordienet hatt und eyn meyster ist der rechtfertigung; denn sie ist unß nitt umbsonst tzukommen, sie hatt viel gekost, nemlich gottis ßon selber, und spricht: da die  erfullung [Gal. 4, 4] der tzeytt komen ist, das ist: da die tzeytt eyn end hatte, darynn wyr iung unnd knecht warenn. Denn S. Paulus redt hie nach der weyß der schrifft, die da pflegt tzu sagenn: die tzeytt ist erfullett, Wenn sie eyn ende hatt; alß [Apg. 2, 1] Act 2: Da die tage der funfftzigen sind erfullet, das ist: da sie auß waren [2. Mose 23, 26 [!]] und alle herdurch.Item Exo. 24: Ich will deyne tage erfullenn, das ist: [Luk. 1, 57] ich will sie nit vorkurtzen, ßondernn alle außmachen.Luce. 1: Die tzeytt ist [WA s. 353] erfullett, das Elisabeth sollt gepernn. &c.. Darumb hatt hie der meyster von hohen Synnen geyrrett, da er dißen ortt S. Paulus alßo deuttett: Die tzeytt der erfullung ist die tzeytt der gnaden, die nach Christus gepurtt ist komen, gleych widder den Apostell, der nitt spricht: die tzeytt der erfullung, ßondernn die erfullung der tzeytt, und meynet die vorige tzeytt, die vom vatter dem erben bestympt ist, wie lang er iung unter den furmunden seyn soll. Wie nu den Juden dieselb tzeytt durch Christus leypliche tzukunfft erfullet ist, ßo wirtt sie noch teglich erfullet, wenn der mensch erleucht wirtt durch den glawben, das seyn knechterey und gesetz wircken eyn end habe. Denn Christus leypliche tzukunfft were keyn nutz, wenn sie nit solche geystliche zukunfft des glawbens wirckte. Er ist auch drumb leyplich kummen, das er solch geystlich zukunfft auffrichte; denn alle, die zuuor und hernach an solch seyne leypliche zukunfft glewbt haben, den ist er komen. Drumb ist er den allten vetern umb solchs glawbens willen alltzeytt komen gewest und ist doch noch heuttigs tags den itzigen Juden nit komen, umb yhrß unglawbens willen. Es muß alles hangen von anbegynn der wellt biß anß ende an dißer leyplichen tzukunfft, durch wilchs anhangen die knechterey auffhoerett, wenn und wo und ynn wilchem solchs anhangen geschicht. Drumb wirt eynem iglichen seyne tzeyt erfullet, [WA s. 354] wenn er anhebt ynn Christum tzu glewben, alß ynn den, der da komen sollt vortzeytten, unnd nu komen ist.

       Es ist aber dißer ortt eyn reycher text, weyß nit, ob wyr yhn wirdig gnug handelln mugen. Es ist nit gnug tzu glewben, das Christus komen sey, [Gal. 4, 4] ßondern das er also komen sey, wie S. Pau. hie ertzelet. Nemlich, das er von got gesand und gottis ßon sey. Item, das er warer mensch sey. Item, das seyn mutter eyn iunpfraw sey. Item, das er alleyn das gesetz erfullet hatt. Item, das er solchs nit yhm selbs, ßondernn unß tzu gutt und gnaden than habe. Die stuck last unß nach eynander sehen. Auff das erst dringt das gantz Euangelium Johannis, wie droben am Christag gesagt ist, wilcher ymer antzeucht, wie Christus gottis ßon und vom vatter gesand sey. Denn wer nit glewbt, das er [Joh. 8, 24] war gott sey, ist schon vorloren, alß er sagt Johann. 8: ßo yhr nitt glewbt, das [Joh. 1, 4] ychs bynn, ßo must yhr sterben ynn ewrn sunden. Item Johann. 1: ynn yhm [Joh. 14, 6 [!]] war das leben, und das leben war das liecht der menschen. Item Johann. 11: Ich byn der weg, die warheytt und das leben; und ist die ursach: Die seel mag und soll an keynem ding yhr benugen lassen, denn alleyn an dem allerhohisten gutt, das sie geschaffen hatt, wilchs ist der brun yhres lebens und selickeytt. Darumb hatt gott selber wollen der seyn, daran sie hangen und glewben sollt. Es hatt auch keynem andernn die ehre wollen gepuren, das die creatur ynn yhn glewben sollt, denn alleyn gott. Darumb ist gott selber komen und mensch worden und hatt sich dem menschen dargeben, an sich getzogen, zu sich geloeckett, ynn yhn zu glewben. Denn gott bedurfft nit, das er keme und [WA s. 355] mensch wurde, es ist aber unß nott unnd nutz geweßen; wo nu Christus nitt warer gott were und wyr an yhm hiengen mit dem glawben, were gott seyner billichen ehre berawbt, und wyr unßers leben unnd selickeytt. Denn es gepurtt nur gott tzu glewben, der die warheytt selbs ist; ßo mugen wyr on [Gal. 4, 4] gott nitt leben noch selig seynn. Spricht nu der Apostell: Gott hatt seynen ßon gesand, sollt er yhn senden, ßo must er yhe tzuuor seyn, ßo ist er yhe geweßen, ehe er kam und mensch ward. Und ßo er ßon ist, ßo ist er mehr den Engel; ist er denn mehr den mensch unnd Engel, das die hohist creatur sind, ßo muß er warer gott seyn. Denn gottis ßon seyn ist mehr denn Engel seyn, wie ynn der Epistell am Christag gesagt ist.Weytter, ßo er von gott gesand und ßon ist, ßo muß er eyn ander person seyn. Alßo lerett hie S. Paulus, das eyn gott und tzwo person sind, vatter unnd ßon. Von dem heyligen geyst wirtt auch folgen.

       Zum andernn mussen wyr auch glewben, er sey war naturlicher mensch [Gal. 4, 4] und menschen kind, wie hie S. Pau. sagt,  er sey von eynem weybe komen oder auß eynem weybe gemacht; was aber auß eynem weybe wirtt, das ist eyn war naturlich mensch. Eyn weyb von artt und natur tregt nit denn eynen [Joh. 6, 53] waren menschen.Alßo sagt er auch Johannis 64: Wo yhr nitt esset meyn fleysch und trincket meyn blutt, ßo mugt yhr nit leben; das essen und trincken ist nit anders, denn glewben, das der gottis ßon warhafftig fleysch und blutt habe, wie eyn ander mensch; das ist auch gottis testament, da er tzum Abraham [1. Mose 22, 18] sagt Gene. 22: Inn deynem samen soll gebenedeyett werden alle wellt; soll er nu Abrahamß samen seyn, ßo muß er warhafftig Abrahamß fleysch und blutt habenn unnd seyn naturlich kind seyn. Drumb darff yhm niemant [WA s. 356] furnehmen eyn eygen weg tzu gott machen, durch seyn selbs andacht odder werck. Es hilfft nit, das du gott anruffist, wie die Juden thun unnd die Turcken, du must durch den samen Abrahe zu yhm komen und durch denselben gebenedeyett werden, nach lautt des testaments gottis. Er wirtt dyr nit eyn eygens machen und umb deyniß diensts willen solch testament tzureyssen. Du must deyn ding faren lassen und dich an dissenn samen, fleysch und blutt, hallten, odder bist vorloren mit aller kunst und weyßheyt, die du von gott [Joh. 14, 6 [!]] weyssist. Denn alßo sagt er Johannis 6: Es kompt niemant tzum vatter den durch mich. Die gottliche natur ist uns tzu hoch und unbegreyfflich, darumb hatt er uns tzu gutt sich begeben ynn die natur, die uns am aller bekendlichsten ist, als die unßer. Da will er unßer wartten, da will er sich finden lassen und sonst nicht; wer hie yhn anrufft, der ist ßo bald erhoret, hie ist der thron der gnaden, da niemant außgeschlossen wirt, wer do kumpt. Den andern, die yhn hie lassen umbsonst wonen und wollen sonst gott dienen und anruffen, [Ps. 18, 42 [!]] der hymell und erden geschaffen hatt, die haben alle schon yhr anttwort Ps. 7., da er von yhn sagt: Sie ruffen, und niemant wirt yhn helffen, sie schreyen tzu gott, und er horet yhr nit.

       Zum dritten mussen wyr glawben, das seyne mutter eyne Junfraw sey; [Gal. 4, 4] das tzeygt der Apostell, da er sagt, Gottis son sey worden auß eynem weybe, das ist: nit von eynem man, wie alle ander kinder. Dißer mensch alleyn unter allen ist nur auß eynem weybe geporn. Er hatt nit wollen sagen: auß eyner iunpfrawen. Denn iunpfraw ist nit eyn nam noch stand der [WA s. 357] natur. Aber weyb ist eyn nam und stand der natur, dem von natur zustehet frucht tzu tragen unnd kind geperen. Alßo ist Christus mutter eyn warhafftig naturlich weyb unnd hatt diße frucht bracht, doch auß yhr selb alleyn, nit auß eynem mann; darumb ist sie eyn iunpferlich weyb und nit schlecht eyn iunpfraw. Es ist dem Apostell an dißer gepurt Christi mehr gelegen, denn an der iunpfrawschafft Marie; drumb schweygt er der iunpfrawschafft, die nur eyn personlich, eygen tzierde ist, nicht denn yhr selb nutz, und tzeucht an die weybschafft, die nit yhr alleyn, ßondern der frucht nutz ist. Denn Christo ist nichts gelegen an der iunpfrawschafft ßo viel als an der weybschafft.Sie ist auch nit iunpfraw erwelet umb yhrend willen, ßondern umb Christus willen, das er eyn solch weyb tzur mutter wolt haben, von der er on sund mocht geporn werden, wilchs nit seyn kund, sie were denn eyn iunpfrewlich [1. Mose 22, 1] weyb, das on manß tzuthun empfienge und gepure. Das bringt auch mit sich das testament gottis, da er sagt: alle volcker sollen gebenedeyet werden ynn Abrahamß samen. Sollen sie gebenedeyet werden, ßo ists eyn tzeychen, das sie tzuuor vormaledeyet seyn, umb der leyplichen gepurt willen, die ynn sunden geschicht, auß Adam herkommen. Soll denn dißer same Abrahe alle andere gebenedeyen, ßo must er selb nit vormaledeyet seyn, ßo kund er gewißlich durch Adamß gepurt nit komen, die gantz vormaledeyet ist. Widderumb must [WA s. 358] er yhe Abrahamß naturlich kind, fleysch und blutt seyn, das gottis testament bestunde, der nit liegen mag. Wie wilß denn hie werden? Er soll eyn naturlich kind seyn, von fleysch und blut geporn, und sol doch nit der fleyschlich gepurt kind seyn? Da ist das mittell funden, das keyn man, ßondern nur eyn weyb datzu keme, und wurd alßo eyn recht naturlich kind eynß weybs, warhafftiger same Abrahe, und doch nit geporn ynn sunden, ßondern voll gebenedeyung, das durch yhn alle gebenedeyet wurden, die ynn yhrer gepurt vormaledeyet sind. Da ist dem testament gottis gnug geschehen, und doch fleyschlicher gepurt und Adamß suche vormidden, und ist eyn fleyschlich gepurtt geystlich volnbracht. Derhalben, ob die heylige iunpfraw Maria wol hoch tzu ehren ist yhrer iunpfrawschafft halben, ist doch yhrer weybschafft ehre unmeßlich  grosser, das yhr weyblich gelidmaß datzu komen seyn, das gottis testament durch sie erfullet wurd, und der gebenedeyete same Abrahe wurd eyn gebenedeyete frucht yhrs weyblichen leybs, dazu nit gnug geweßen, ia, gar kein nutz die iunpfrawschafft alleyn.

 

[Matth. 5, 17] Das vierde, das wyr glawben, Christus habe alleyn das gesetz erfullet, wie er sagt Matt. 5: Ich bynn komen, das gesetz nit aufftzuloßen, ßondern tzu erfullen. Das gibt auch die meynung des testaments, das do sagt, alle wellt sey vormaledeyett und soll ynn Abrahamß samen gebenedeyet werden. Ist denn nu yderman vormaledeyet und ledig der benedeyung, ßo ist die [WA s. 359] person nit gutt und eyttel Cayn, ßo mussen die werck auch nitt gutt seyn, wie droben gesagt ist, das gott nit auff die werck, sondern tzuuor auff die person Habel und Cayn sihet, und die werck des gesetzs machen niemandt frum noch rechtfertig. Dieweyll denn nu Christus furwirfft alle werck des gesetzs und furdertt tzuuor der person benedeyung und guette, ßo hatts eyn scheyn, als furwerff er gutte werck und wolle auffloßen alle gesetz, ßo er doch aller erst recht leret gutte werck tzu thun. Darumb spricht er widder solchs wehnen: [Matth. 5, 17] yhr solt nit wehnen, das ich kommen sey, das gesetz auffzuloßen, damit das ich die werck des gesetzs furwerff. Ich wilß mehr erfullen durch den glawben ynn mich, der die person zuuor gutt mache und alsdenn recht gutte werck [Röm. 3, 31] thu. Alßo auch S. Paulus Ro. 3., da er alle werck des gesetz furwarff und den glawben alleyn auffwarff, sprach er: Wie dunckt euch, tzubrechen wyr hiemit das gesetz? Da sey gott fur, wyr richten das gesetz hiemit recht auff. Eben wie itzt auch die leutt sagen, man wolle gutte werck vorpieten, wenn wyr furwerffen der stifft und kloster leben ynn yhren wercken, ßo wyr doch gern wolten, das sie tzuuor recht glawbten, dadurch die person gutt und gebenedeyet wurd ynn Christo, Abrahamß samen, und alsdenn gutt werck thetten, die tzur casteyung des leybs und durfft des nehisten dieneten (dahynn sich kloster und stifftwerck doch gantz und gar nichts richten, wie gnugsam gesagt ist.

       Es ist aber zu mercken, das niemant das gesetz mag erfullen, er sey denn vom gesetz loß und nit mehr drunder. Darumb mussen wyr hie abermal [WA s. 360] [Gal. 4, 3. 4] der Paulischen rede gewonen, da er sagt von dem seyen unter dem gesetz, das wir wissen, wer unter und nit unter dem gesetz ist. Alle, die da thun gutte werck darumb, das alßo gepotten ist, auß furcht der straff odder gesuch des loniß, die sind unter dem gesetz, mussen frum seyn und gutt thun, und doch ungerne. Darumb ist das gesetz yhr herr und treyber, sie aber sind seyne knecht und gefangen. Der art aber sind alle menschen außer Christo, dem gebenedeyten samen Abrahe; das beweysset die erfarung und eyniß iglichen eygen gewissen. Denn wo nitt were das treybend gesetz und die straff oder der lohn, ßondern stund ynn eyniß iglichen frey wilkore, das er mocht ungestrafft und unbelohnet thun was er wolt, ßo thet er das boß und ließ das gutte, tzuuor, wenn die anfechtung und ursach yhn reytzet. Nu aber yhm das gesetz mit drewen und vorheyssen ym wege ligt, enthellt er sich des boßen und thut gutt, nit auß liebe des gutten und haß des boßen, ßondern auß furcht der straff odder ansehen des lohns; darumb sind sie unter dem gesetz und von yhm getzwongen, als die knecht, das sind die Caynschen heyligen. Die aber nit unter dem gesetz sind, die thun das gutt und lassen das boße, unangesehen das gesetz mit seynem drewen, vorheyssen, straffen und belohnen, ßondern auß freyem, lustigen willen und liebe des gutten und haß des boßen, das yhn gottis gesetz ßo wol gefellet; wenß gleych nit gesetzt were, wollten sie dennoch, das nit anders were, und thetten dennoch guttis und ließen das boße. Das sind die rechten kinder, das vormag die natur nitt, ßondern der same Abrahe, Christus mit seyner benedeyung macht solche leutt durch seyne gnade und heyligen geyst.

       Darumb, nit seyn unter dem gesetz ist nit ßo viel gesagt, das man frey loß sey, boßis tzu thun, was man will, oder keyn gutt werck thun, [WA s. 361] ßondern es ist ßo viel gesagt, das man nit auß furcht, tzwang und nodt des gesetzs, ßondern auß freyer liebe und lustigem willen guttis thue und boßis lasse, eben als were das gesetz nicht und gieng das weßen von yhm selbs naturlich dahynn. Gleych, als das der leyb isset, trinckt, dewet, außwirfft, schlefft, geht, steht, sitzt und dergleychen naturlich werck thutt, ist yhm keyn gesetz nott, darff auch keyniß treybenß datzu, ßondern thutts von yhm selb, eyn iglichs tzu seyner tzeytt und gelegenheyt, furcht widder straff noch sucht lohn drynnen. Und mag wol gesagt werden: der leyb ist unter keynem gesetz, und doch drumb nit on werck, ia, voller werck, frey und selb willig. Sihe, eyn solch frey, naturliche willickeyt soll auch ynn uns seyn, das gutt tzu thun und das boße tzu lassen. Das ist die geystliche freyheyt und erloßung [1. Tim. 1, 9] vom gesetz, das meynt S. Paulus .1. Timo. 1: Dem gerechten ist keyn gesetz geben, das ist: er thutt alliß gutt unnd lesset allis boeße von yhm selbs [Röm. 6, 14] ungetzwungen, on furcht und on gesuch des lohns. Item Rho. 6: Ihr seytt nit unter dem gesetz, ßondernn unter der gnaden, das ist: yhr seyd kinder, nit knecht, yhr thut alles gutt ungetrieben und ungetzwungen, auß freyem willen. [Röm. 8, 15] Item Ro. 8: Ihr habt nitt empfangen den geyst, der do knechte macht ynn furchten, ßondern yhr habt empfangen den geyst, der kinder macht. Das gesetzt gibt den furchtenden, knechtischen, Caynschen geyst, aber die gnade gibt [WA s. 362] den freyen, kindlichen, Habelschen geyst durch Christum, den samen Abrahe, [Ps. 51, 12] dauon Ps. 50. sagt: Herr, befestige mich mit dem freywilligen geyst. Item, [Ps. 110, 3] daher nennet Ps. 109. Christus volck die freywilligen ynn dem tag deyner krafft &c.. Alesset;o hatt Christus das gesetz erfullet und allis than auß freyem willen, nit auß nott und tzwang des gesetz. Und on yhn ist niemand geweßen, wirt auch nit seyn, der auch alßo thue, er habs denn von und durch yhn; [Gal. 4, 4. 5] darumb sagt hie S. Paulus, er sey unter das gesetz worden, das er die erloßet, die unter dem gesetz waren.

 

[Gal. 4, 5] Das ist nu das funfft, das wyr glewben, er habs uns zu gutt than, auff das er auß uns knechten kinder mechte. Was ists gesagt, das er die erloßet, die unter dem gesetz waren? Das on tzweyffell er uns vom gesetz erloßet. Wie erloßet er aber vom gesetz? Wie gesagt ist, nit durch tzuprechen unnd abethun des gesetzs, sondern durch gabe eynß freywilligen geystis, der allis thutt ungetrieben, ungetzwungen, unangesehen das gesetz mit seynem drewen und lohn, gerad als were das gesetz nicht und thetts allis auß naturlicher artt, wie Adam und Heua thetten fur dem fall. Wie gaht aber das tzu, das er uns solchen geyst gebe und vom gesetz erloße? Nit anders, denn durch den glawben. Denn wer do glawbt, das Christus darumb kommen sey und allis solchs than habe, das er uns erloßete, der ist gewißlich alßo erloßet, [WA s. 363] wie er glawbt, ßo geschicht yhm. Derselb glawbe bringt mit sich denselben geyst, der yhn zum kind macht, wie hie der Apostell sich selb außlegt und [Gal. 4, 5] spricht: Christus hab uns alßo vom gesetz erloßet, das wyr die gnadreych kindschafft ubirkemen. Das alles muß durch den glawben geschehen, wie gesagt ist. Alßo haben wyr diße funff stuck ynn dißem reychen text. Aber da ist noch ubrig eyn frage, wie das muge geschehen, das Christus unter dem gesetz sey, ßo unter dem gesetz seyn soll heyssen: auß getzwang unnd nodt des gesetzs gutt thun? Und niemant das gesetz erfullet, er sey denn nit unter dem gesetz; denn gott will freywillige wollthetter haben.

 

[Gal. 4, 4] Anttwortt: Der Apostell macht hie eyn unterscheyd und spricht, Christus sey gethan odder gemacht unter das gesetz. Das ist: er hatt sich selb freywillig drunder than, und der vatter hatt yhn auch freywillig drunder than, ßo er doch nit drunder ware. Aber wyr sind nit willig drunder than, sondern er spricht: Wyr waren drunder von natur unnd weßen, on willen, das, gleych wie Christus mit freyem willen und nit von natur drunder ist geweßen, ßo sind wyr widderumb von natur und nit von freyem willen drunder geweßen. Drumb ists eyn groß unterscheyd: unter das gesetz gethan und: unter dem gesetz seyn, gleychwie auch eyn groß unterscheyd ist wille und natur. Es ist gar viel anders, was du willig thuist, unnd was du naturlich thuist. Was du willig thuist, das magistu lassen und bist ungetzwungen, was du naturlich thuist, das mustu thun und steht nit ynn deynem willkore; du magist an den [WA s. 364] Reyn gehen odder lassen, aber essen, trincken, schlaffen, wachßen, dewen, allt werden mustu, du wollist odder wollist nit. Alßo hatt sich Christus williglich [Gal. 4, 4] unter das gesetz gethan, hetts wol mocht lassen, wyr aber musten naturlich drunder seyn, und mocht nit anders mit uns seyn. Das ist: wyr mochten das gesetz nit freywillig hallten und tragen, als were es keyn gesetz, wie droben gesagt ist, das man thun soll. Aber Christus, ubir das er nit schuldig war das gesetz tzu hallten, hatt erß datzu auch williglich und frey gehallten, gethan, [Apg. 12, 6.7] als were es nit gesetzt. Nym des eyn gleychniß auß S. Peter Act. 12; der lag ym kercker Herodis gefangen mit tzwo keten gepunden, tzwischen zween knechten und stunden fur der thuer die huetter; da kam der Engell gottis ynn den kerker mit eynem grossen liecht, weckt Petern auff und furet yhn hynauß durch alle hutter und thur und ließ die keten ym  kercker. Inn disem geschicht ist antzeygt, wie Christus uns vom gesetz erloßet; das last uns sehen: Petrus, der war nit mutwillig ym kerker, er muste woll drynnen seyn, er wiste auch nit, wo hynauß. Der Engell kam auch ynn den kerker, aber mutwillig und muste nit drynnen seyn; denn er war nit umb seynen, sondern umb Peters [Apg. 12, 9] willen drynnen, er wiste auch wol, wo hynauß. Da yhm nu S. Peter folget und anhieng, kam er auch mit yhm hynauß.

       Dißer kerker ist das gesetz, darynnen unßer gewissen gefangen ist und mit unwillen unter yhm; denn niemant thut freywillig das gut vom gesetz gepotten und lessit das boese vom gesetz vorpotten, sondern auß furcht der peyn muß erß thun oder thuts umb lohns willen. Dise furcht oder das drewen und das lohn oder die hoffnung des lohns sind diße tzwo ketten, die uns unter dem gesetz ym kerker behallten. Die hutter sind die lerer des gesetzs, die das [WA s. 365] gesetz uns kund machen. Also gehen, ia ligen wyr unwillig ym gesetz. Christus ist der Engel, kompt auch williglich ynn disen kerker zu uns unter [Apg. 12, 6 ff.] das gesetz, thutt eben die werck williglich, die wyr unwilliglich thatten; denn er thutt sie uns zu gutt, das er uns an sich henge und hynauß fure, er weyß wol außzukomen, denn er war schon frey draussen mit dem willen. Sihe da, ßo wyr denn nu an yhm hangen und folgen, ßo komen wyr auch hynauß. Wie geht es aber tzu? Das anhangen und folgen ist, ßo du ynn yhn glewbist, das er solchs alles thu dyr zu gutt. Derselb glawb gibt dyr den geyst, ßo thuistu denn auch alle ding freywillig, ungetzwungen, und bist auß dem kerker des gesetzs, fechten dich die zwo keten der furcht und lohnsucht nit mehr an, sondern gehen alle deyne werck frey daher auß lust und liebe.

 

[Gal. 4, 4] Auff das wyr aber deste baß vornehmen, wie Christus unter das gesetz gethan ist, Sollen wyr wissen, das er zweyerley weyß sich drunder than hatt. [Luk. 2, 21 ff.] Zum ersten unter die werck des gesetzs. Er hatt sich lassen beschneytten, ynn den tempel opffern und reynigen. Er ist vatter unnd mutter unterthan geweßen unnd dergleychen. Er ists doch nit schuldig geweßen, denn er war eyn herr ubir alle gesetz. Er hatts aber williglich than, nichts yhm selb drynnen gefurcht noch gesucht.Aber nach den eußerlichen wercken ist er allen andernn gleych geweßen, die es unwillig und gefangen thetten; drumb ist seyn freyheytt und willickeytt vorporgen geweßen fur den leutten, gleychwie yhener gefengniß und unwillickeyt auch vorporgen war. Und alßo gehet er daher unter dem gesetz und tzugleych nit unter dem gesetz. Er thutt gleych denen, die drunder sind, und ist er doch nit alßo drunder. Mit dem willen ist er frey unnd derhalben nit drunder, mit den wercken, die er willig thut, [WA s. 366] ist er drunder. Aber wyr sind mit willen und wercken drunder, denn wyr gehen getzwungenß willenß ynn den wercken des gesetzs.

       Zum andern: Hatt er sich auch than unter die straff und peyn des gesetz williglich. Hatt nit alleyn die werck than, die er nit schuldig war tzu thun, ßondernn hatt auch gelidden die straff willig und unschuldiglich, ßo das gesetz drewet und urteyllt ubir die, die es nit hallten. Nu urteyllt das gesetz alle die tzum todt, tzur vormaledeyung und tzur vordamniß, die es nit [Gal. 3, 10, 3. Mose 18, 5] hallten, wie S. Paulus Gal. 3. eynfuret Mosen Leuit. 18: Vormaledeyet sollen seyn alle, die da nit hallten allis, was ynn dem gesetz geschrieben ist. Nu ist droben gnugsam gesagt, das keyn mensch das gesetz hallte, außer Christo, und sind alle drunder wie die knechte getzwungen und gefangen. So folgett: wer nit hellt das gesetz, der vordient auch seyn urteyll und straffe. Darumb wer unter dem gesetz ist nach der ersten weyße, nach den wercken, der muß auch drunder seyn nach der ander weyße, nach der straffe. Das also die erste weyße macht alle unser werck zu sunden, dieweyll sie nit mit willen, ßondern mit widderwillen geschehen. Die ander weyß macht uns vormaledeyet, vorurteylet tzum tod und vordamniß. Da kompt nu Christus tzuuor, ehe dasselb urteyll uns ergreyffe, fellet dartzwischen, trit tzu uns unter das urteyll des gesetzs und leydet den todt, die vormaledeyung und vordamniß, gerad alß hette er selb das gantz gesetz vorprochen und were schuldig alles urteylis, ym gesetz gefellet ubir die vorprecher, ßo er doch nit alleyn nichts vorprochen, ßondern auch das gantz gesetz gehalten und nit schuldig war tzu hallten, das gleych seyn unschuld tzwyfalltig hie ist: Eyne, das er nit hett durfft leyden, [WA s. 367] ob er schon keyn gesetz gehalten hett, wie er wol macht hatte. Die ander, das erß auß ubrigem gutten willen gehallten, auch desselben halben nit schuldig war tzu leyden. Widderumb unßer schuld auch tzwiffalltig: Eyne, das wyrß hallten sollten und nit than haben, derhalben billich alle ubell leyden solten. Die ander, ob wyrß gleych hielten, dennoch billich leyden, was gott haben wollte.

 

[Gal. 4, 4. 5] Sihe, das heyst gottis ßon unter das gesetz gethan, das er uns, die unter dem gesetz waren, erloßete. Uns, uns hatt erß zu gutte than, nit tzu seyner nodtdurfft; eyttell liebe, guette und barmhertzickeyt hatt er wollen [Gal. 3, 13] ertzeygen, wie Paulus sagt Gal. 3: Christus hatt uns von dem urteyll der vormaledeyung ym gesetz erloßet, da er wart fur uns eyn maledeyung, als sollt er sagen: Er hatt sich selb fur uns unter das gesetz und solch seyn urteyl gethan, auff das alle, die solchs glewben, auch vom gesetz und seynem urteyl erloßet wurden. Da sihe nu, wilch eyn ubirschwencklich reychtumb habe der Christlich glawbe, wilchem alle diße werck und leyden Christi zu eygen werden geben, das er mag sich drauff vorlassen, als hett er sie selbist than und weren seyn eygen; denn, wie gesagt ist, Christus hatt sie nit fur sich selb than, ßondern fur uns, er bedurfft yhr keynß, er hatt uns den schatz gesamlet, das wyr dran hangen, glawben und besitzen sollen; datzu solcher glawb mitbringt den heyligen geyst. Was soll gott mehr thun? Wie mag eyn hertz sich hie enthalten, das es nit frey, frolich, lustig und willig werde ynn gott und Christo, was mag yhm fur werck odder leyden begegen, dareyn es sich nit mit lieb und lob gottis, singend und springend ergebe? Thut es aber nit [WA s. 368] also, ßo ist gewißlich geprechen am glawben da. Denn yhe mehr glawbens da ist, yhe mehr solch freud und freyheyt; yhe weniger glawb, yhe weniger freud. Sihe, das ist die recht Christlich erloßung und freyheyt vom gesetz und von des gesetzs urteyl, das ist: von sunden und von dem todt. Nit das keyn gesetz odder todt bleybe, ßondern das beyde gesetz und tod werden, als weren sie nit. Das gesetz macht nit zu sunden, der todt macht nit tzuschanden, ßondern der glawb geht durchhynn ynn die gerechtickeyt und leben ewiglich.

       Hie weren nu zu vormanen die elenden Caynschen heyligen, die geystlichen, ob yhn tzu radten were ynn yhrem stand. Wenn sie yhren orden, gesetz, cerimonien, gepett, meß, kleyder, speyß und was denn yhrß weßens ist, auch thetten, wie Christus das gesetz than hatt, ßo mochten sie behallten werdenn; Nemlich, das sie den Christenglawben auff eyn ßondern ortt setzten und yhm des hertzen reych eyngeben, erkenneten, das nit durch yhren orden, stand oder werck sie frum und selig wurden, ßondern alleyn durch dißen glawben Christi, darnach sich thetten unter yhr werck und gesetz als die freywilligen, der sie nit bedurffen, denn nur zu des leybs casteyung und dem nehisten tzu helffen. Aber nu sie ynn der meynung gehen, als seyen es nottige werck, die sie thun mussen, wo sie frum und selig werden sollen, ists eyttell vorfurung und sund, nur tzur helle treybend mit grosser marter, die ewigen marter tzuuordienen; denn sie streben wider den kindlichen, freyen glawben mit yhren knechtischen, getzwungen wercken. Der glawbe kan nit neben yhm leyden die oelgotzen der werck, er will alleyn frum, selig unnd kinder machen, darnach alle werck frey haben, frolich thun und leyden, alles was gott tzuschickt und der nehiste bedarff, das sind seyne werck und keyn andere, fragt nichts nach [WA s. 369] viell messen, bestympte fasten, ßonderliche kleyder, erleßene speyß, erwelete stett, person odder werck, ia, er furwirfft das alliß wie eyn hynderniß seyner freyheyt. Das sey gnug von dem text gesagt, die nott tzwingt, ßo viel wortt tzu machen, dieweyll der glawb ßo gar unbekand worden ist, on wilchen Paulus nitt mag vorstanden werden. Folgett.

 

[Gal. 4, 6] Dieweyll yhr denn kinder seyd, hatt gott gesand den geyst seynß ßonß ynn ewre hertzen, der do ruffett: Abba, lieber vatter.

Da sehen wyr, das der heylig geyst nit durch werck, ßondern durch den [Gal. 4, 6] glawben geben wirtt; denn er sagt hie, der geyst sey yhn drumb geben, das sie kinder sind und nit knecht; kinder glawben, knecht wircken; kinder sind gesetzs frey, knecht sind unter dem gesetz, wie das allis auß vorigem außlegen leychtlich ist tzuuorstehen, alleyn, das man der Paulinschen sprach und wortt gewone, was kind und knecht, was frey und getzwungen sey; tzwungen werck [Gal. 4, 6] sind der knecht, frey werck der kinder. Warumb sagt er aber, der heylig geyst sey yhn geben, weyll sie kind sind, ßo doch der heylig geyst auß knechten kinder machet und tzuuor da seyn muß, ehe sie kinder werden? Anttwortt: [Gal. 4, 3. 6] Er redet das nach der weyße, wie er droben sagt: wyr waren unther den Elementen, ehe die tzeytt erfullet wartt &c.. Denn sie sind tzukunfftige kinder geweßen fur gott; darumb ist yhn der heylig geyst gesand, der sie tzu kindern machet, wie sie tzuuor vorordnet waren. Und er nennet den geyst eynen geyst [WA s. 370] gottis ßon, warumb nicht seynenn geyst? darumb, das er auff der ban bleybe. Er heysset sie kinder gottis, drumb sende yhn gott eben den geyst, den Christus hatt, der auch kind ist, das sie tzugleych mit yhm ruffen: Abba, lieber vatter, als sollt er sagen: Gott sendet euch seynen geyst, der ynn seynem ßon wonet, das yhr seyn bruder und miterben seyn sollet, gleych wie er thutt ruffen: lieber vatter. Damit abermal die unaußsprechliche guette und gnade gottis preyssett wirtt, das wyr durch den glawben mit Christo ynn ungeteyleten guttern sitzenn und allis haben, was er hatt und ist, auch seynen geyst. Daneben doch gleychwol diße wortt beweyßen die dritte person ynn der gottheytt, denn heyligen geyst, das er nitt alleyn ynn Christo als ynn eynem menschen wone, ßondern auch seyn sey, als der von yhm das gottlich weßen habe, wie erß vom vater hatt; sonst weren die wort falsch, das S. Paulus [Gal. 4, 6] sagt: Er sey des sonß geyst. Keyn creatur mag sagen oder von yhm sagen, das der heylig geyst seyn sey. Er ist alleyn gottis eygen geyst, die creatur aber sind des heyligen geysts, es were denn, das yemand mocht sagen: meyn heyliger geyst, wie wyr sagen: Meyn gott, meyn herr &c.. Szo muß nu der ßon gott seyn, dieweyll gottis geyst seyn geyst ist.

       Hie ist nu eynem iglichen wartzunhemen und tzu prueffen, ob er den heyligen geyst auch fule und seyne stymme empfinde ynn yhm; denn S. Paulus [Gal. 4, 6] spricht hie: Wo er ynn den hertzen ist, da ruffet er: Abba, lieber vater, wie [Röm. 8, 15] er auch sagt Ro. 8: Ihr habt empfangen den geyst der gnedigen kindschafft gottis, durch wilchen wyr ruffen: Abba, lieber vatter. Das ruffen fulet man aber denn, wenn das gewissen on alles wancken und tzweyffelln festiglich sich vormuttet und gleych gewiß ist, das nit alleyn seyn sund yhm vorgeben seyn, [WA s. 371] ßondern das es auch gottis kynd sey und der selickeytt sicher, und mit frolichem, gewissen hertzen, ynn aller tzuuorsicht mag Gott seynen lieben vatter nennen und ruffen. Solchs muß es gewiß seyn, das yhm auch seyn eygen leben nitt ßo gewiß sey unnd ehe alle todte, ia, die helle datzu leyden solt, ehe es yhm das nehmen ließe und dran zweyffeln wolt; denn es were Christus reychlichem thun und leyden tzu nahe, wo wyr nit glawbten, das er das allis uns damit hett ubirflussig erworben, und liessen uns seyn grosses thun und leyden nit ßo mechtig reytzen und stercken zu solcher tzuuorsicht, als die sund oder anfechtung uns dauon abeschreckt oder tzagen macht. Es mag wol eyn streyt hie seyn, das der mensch fule und sorge, er sey nit kind, laß sich [Hiob 38 ff.] duncken unnd empfind auch gott als eynen tzornigen, strengen richter ubir sich, wie Job geschach und viel mehren. Aber ynn dem kampff muß dieße kindlich tzuuorsicht endlich obligen, sie tzitter oder bebe, ßonst ists alles vorloren. Wenn nu das Cayn horett, ßo wirt er sich aber segen mit henden und fussen, fur grosser demut sagen: Ey behutt mich gott fur der grewlichen ketzerey und vormessenheytt; solt ich armer sunder ßo hoffertig seyn und sagen, ich sey gottis kind? Neyn, neyn, ich wil mich demutigen unnd eynen armen sunder erkennen &c.. Diße laß faren und hutt dich fur yhn als fur den grosten feynden des Christlichen glawbens und eyner selickeyt.

       Wyr wissen auch wol, das wyr arme sunder seyn, aber hie gillts nit ansehens, was wyr seyn und thun, sondern was Christus fur uns ist und than hatt und noch thutt; wyr reden nitt von unßer natur, ßondern von [WA s. 372] [Ps. 103, 11. 12] gnaden gottis, die ßo viel mehr ist (wie Ps. 102. sagt) denn wyr, ßo viel der hymell hoher ist, denn die erden, und ßo weytt der auffgang ist vom nyddergangk. Dunckt dichs groß seyn, das du gottis kind seyst, lieber, ßo laß dichs [Gal. 4, 4] auch nit kleyn duncken, das gottis ßon kommen ist, von eynem weyb geporn unnd unter das gesetz than, auff das du eyn solch kind wurdist. Groß ding ists alles sampt was gott wurckt, drumb machts auch grosse freud und mutt, unuortzagte geyster, die sich fur keynem ding furchten und alles vormugen. Caynß ding ist enge ding und macht eyttell vortzagte angsthertzen, die keyn nutz sind, widder tzu leyden noch tzu wircken, furchten sich fur eynem bawmblad, [3. Mose 26, 36 [!]] wie Leui. 16. Moses sagt. Darumb hallt fest ob dißem text, das ruffen des  geystis ym hertzenn mustu fulen, denn es ist yhe auch deyneß [Gal. 4, 6] hertzen ruffen, wie solltistu es denn nit fulen? Datzu braucht S. Paul das wort Ruffen, ßo er doch woll hett mugen sagen: der geyst bispelt, odder redet, odder singt, es ist alles noch grosser. Er rufft und schreyet auß voller macht, das ist mit gantzem, vollem hertzen, das es alles lebt und webt ynn solcher tzuuorsicht, [Röm. 8, 26. 16] wie er auch Ro. 8 sagt: Der geyst ynn uns bittet fur uns mit ßo grossen sufftzen, die niemant mit wortten mag außreden. Item: der geyst gottis gibt getzeugniß unßerm geyst, das wyr gottis kinder sind; wie solt denn unßer hertz solch ruffen, sufftzen und tzeugniß nit fulen? O, datzu dienen kostlich die anfechtung und leyden, die treyben zu solchem ruffen und wecken [WA s. 373] den geyst auff, aber wyr furchten und fliehen das Creutz, drumb fuelen wyr des geystis nymmer und bleyben ymer Cayn. Fulestu nu das ruffen nit, ßo denck und ruge nit mit bitten, biß das gott dich erhore; denn du bist Cayn, und es steht nit wol umb dich. Doch soltu nit begeren, das solchs ruffen alleyn unnd lautter ynn dyr sey, es wirt auch mussen eyn mordschrey daneben seyn, das dich ynn solchem ruffen treyb und ube, wie allen andern geschehen ist. Deyn sund wirt auch schreyen, das ist: eyn starcks vortzagen ynn deynem gewissen anrichten. Aber Christus geyst soll und muß das geschrey ubirschreyen, das ist, stercker zuuorsicht machen, denn das vortzagen ist, wie S. Johannes [1. Joh. 3, 20 –22] sagt 1. Johann. 3: Szo uns unßer hertz wurd straffen, ßo ist gott grosser denn unßer hertz. Drumb, lieben brueder, ßo uns unßer hertz wurd straffen, haben wyr tzuuorsicht, das wyr allis von yhm empfahen werdenn, was wyr bitten; dabey erkennenn wyr auch, das wyr auß der warheyt geporn sind, ßo wyr unßer hertz alßo mugen trosten fur seynem angesicht.

       Szo ist nu ditz ruffen und geschrey des geystis nit anders denn eyn mechtigs, starckes, unwanckendiß tzuuorsehen auß gantzem hertzen tzu gott als zu eynem lieben vatter, von uns als von seynen lieben kindern. Und hie sihestu, wie hoch eyn Christlich leben sey ubir die natur; denn die natur vormag nit solch zuuorsicht und ruffen tzu gott, ßondern sie furcht nur und schreyett eyttell mordschrey ubir sich selb und spricht: O we, o we du [1. Mose 4, 13. 14] gestrenger, untreglicher richter; gleych wie Cayn schrey tzu Gott Genesis .4: Meyn sund ist grosser, denn das sie mocht von myr genommen werden, und [WA s. 374] du furwirffist mich heutt von dem angesicht der erden und muß fur deynem angesicht fliehen. Und wer mich findet, wirtt mich erwurgen &c.. Solch ruffen ist und muß seyn auch ynn allen Caynschen heyligen. Warumb? Darumb, das sie auff sich und yhre werck, nit auff gottis ßon sehen, wie er gesand ist, auß eynem weyb worden, unter das gesetz gethan; glewben auch nit, das erß fur sie than habe, und bekummern sich auch nichts damit, erbeytten nur mit yhren eygen wercken, yhn selbs tzu helffen und gottis gnade erlangen. Ja, dieweyl sie solchen glawben vorfolgen und als eyne ketzerey und vormessenheytt [1. Mose 4, 8 ff.] lestern und vordamnen, ßo thun sie eben wie yhr vatter Cayn seynem bruder Habel und todten damit ynn yhn selbs auch yhren bruder Christum. So hoeret denn dasselb unschuldig blutt nit auff wider sie tzu ruffen gen hymell, wie Habelß blutt thett ubir Cayn. So fragt denn gott nach dißem Habel und foddert von eynem iglichen: Wo ist Christus deyn bruder? So feret der unsynnige Cayn tzu und will yhn nit wissen, spricht: Was weyß ich drumb? bynn ich meynes bruderß hutter? das ist eben ßo viel gesagt: Soll ich ßo vormessen seyn, das ich mich frum und heylig gottis kind achte alleyn durch Christum? Neyn, neyn, ich wil wircken, diß ich auch selbs on yhn frum sey. Sihe, alßo bleybt das ruffen Habelß blutt ubir Cayn und das ruffen Christus blutt ubir alle unglewbigen und ruffet noch eyttell rach unnd tzorn. Aber ubir die glewbigen ruffett es eyttell gnade unnd vorßunung durch seynen geyst.

 

[Gal. 4, 6] Der Apostell setzt eyn hebreisch unnd kriechisch wortt tzusammen: Abba pater. Abba heyst auff hebreisch eyn vatter, daher kommen ist, das ettlicher kloester prelaten Abt heyssen; denn vortzeytten ynn der wusteney hießen die [WA s. 375] heyligen eynsidler yhr ubirsten Abba pater, ist auch lateynich unnd deutsch worden. Szo ists nu eben ßo viel Abba pater als vatter vatter, odder auff voll deutsch: Meyn vatter, meyn vatter, odder: lieber vatter, lieber vatter. Warumb tzwillingt er aber das wortt und geschrey des geysts? Ich will meynen dunckell sagen mit urlaub.Zum ersten darumb, das er antzeyge die stercke  und grosse dießes ruffens; denn wer da seher ernstlich schreyet, der widderhollet eyn wortt und geschrey viell mal; alßo soll dieß ruffen des hertzen und zuuorsicht starck und groß seyn, das sichs nit dempffen laß der sund und unßers Caynß ruffen. Zum andernn ist die artt der schrifft, das sie durch solch tzwillinge der wort odder spruch deuttet die gewißheyt und [1. Mose 41, 32] sicherheytt; wie Joseph tzum kunig Pharao sagt Gen̄. 41, das gott damit betzeycht, es sey gewiß und geschehe alßo, wie die wortt lautten. Alßo hie auch rufft der geyst tzwey mal vatter, das es gewiß und sicher sey bey uns, Gott, der sey und wolle vatter seyn, das yhe solch tzuuorsicht nit alleyn groß, ßondernn auch gewiß seyn soll. Zum dritten soll sie auch bestendig alßo bleyben. Denn das erst Abba bedeutt eyn anfahen solcher tzuuorsicht. Aber daruber wirt sich eyn groß streytt erheben, und der teuffell wirts anfechten on unterlaß. Drumb ists nott, das wyr anhalten und das ander pater datzu thun, das ist: nit auffhoren, wie wyr angefangen haben, tzu ruffen, ymmer fur und fur ruffen; darauß wirt denn eyn erfarung solcher zuuorsicht, die uns auffs aller sicherist unnd gewissist macht; das hatt villeycht Sanct [Gal. 4, 6] Paulus auch gewollt, da er Abba, das hebreisch, unbekandt, frembd wortt, [WA s. 376] tzuuoran setzt und darnach pater, das kriechisch bekand heymisch wortt, dieweyll er auff kriechisch schreyb und den kriechen prediget, damit er angebe, wie der anfang solcher tzuuorsicht ungewonet und frembd ist dem menschen, aber, wenn erß nu wol trieben und ubet hatt, wirtt es yhm wolbekantt und gleych, alß were es seyn natur worden, und ist mitt gott seynem vatter gleych anheymisch worden.

 

[Gal. 4, 7] Darumb, szo ist iczt keyn knecht mehr, sondern eyttel kinder; sind es aber kinder, ßo sind es auch erben durch Christum.

Itzt, spricht er, das ist: nach der tzukunfft und erkenttniß Christi ist keyn knecht; denn, wie gesagt ist, kind und knecht mugen nicht mit eynander bestehen, sie sind viel zu ungleychs gemuttis; das kind ist willig unnd frey, der knecht unwillig unnd getzwungen, das kynd geht ym glawben, der knecht ynn wercken. Szo sehen wyr hie abermal, das niemandt durch werck fur gott ettwas mag erlangen von der seligkeytt, ßondern es muß zuuor, fur den wercken, allis erlanget und besessen seyn, das die werck darnach frey umbsonst gott zu ehren und dem nehisten tzu gutt geschehen, on furcht der [Gal. 4, 7] straff und gesuch des lohns; das geben diße wort, da er sagt: Sind es kinder, ßo sind es auch erben. Nu ist gnugsam gesagt, das alleyn der glawbe kinder mache, tzuuor und on alle werck; macht er aber kinder, ßo macht er auch erben, denn kind ist erbe. Szo denn das erbe schon da ist, wie mag es denn mit wercken aller erst erworben werden? Es leydet sich nit miteynander, das das erbe solt zuuor da seyn auß lautter gnaden geben und dennoch durch werck und vordienst, als were es nit da oder nit geben, noch ersuchen und aller erst gewynnen. Szo ist yhe das erbe hie nit anders, denn die ewigen selickeyt. [WA s. 377] Sihe, alßo hab ich offt gesagt: Eyn Christen mensch hatt durch seyne tauff und glawben schon alle ding und wirt yhm geben allis auff eyn mal, on das erß noch nit auffgedeckt sihet, ßondern ym glawben yhm behallten wirt, umb dißes lebens willen, wilchs nit ertragen mocht solcher gutter offenbarung.[Röm. 8, 24] Alßo sagt S. Paulus Ro. 8: Ihr seyt schon selig geworden, doch ynn der hoffnung, und sehet es noch nit, yhr warttet aber seyn. Item S. Peter [1. Petri 1, 5] .1. Pe. 1: Ewr selickeyt ist ym hymell euch behallten und bereyttet, das sie offenbar werd am iungsten tag. Darumb sollen eyns Christen werck nit gericht seyn auff vordienst, wie eynß knechtis, ßondern auff nutz und durfft der andern, das er yhe nit yhm selb, ßondern nur seynem nehisten hie auff erde lebe und wirck, darynnen er gewißlich auch gott tzu ehren lebet unnd wirckt; denn er hatt durch seynen glawben fur sich selb schon gnug und ist [Gal. 4, 7] reych, voll und selig. Er setzt aber datzu: Durch Christum, das nit yemand acht, solch erbe sey uns geben on alle vordienst und kost.Denn obs wol uns nichts hatt gekost und unuordienet ist geben, hatt es doch Christum viel [Gal. 4, 4. 5] gestanden, der umb desselben willen fur uns ist unter das gesetz gethan, das er solchs allis erwurbe und vordienete allen, die ynn yhn glawben wolten. Gleych als wenn wyr unserm nehsten wolthun, ßo kost es yhn nichts, er [WA s. 378] vordient es auch nicht, dennoch kost es uns unßer thun und gutter, die wyr frey und auß lautter guettickeyt an yhn  wenden, wie Christus die seyne an uns gewandt hatt und noch wendet.

 

[Gal. 4, 7] Das mocht auch eynen eynfeltigen bewegen, wie sanct Paulus sagt: Es sey keyn knecht mehr, sondern eyttell kinder, ßo doch wenig ynn Christum glewben und kinder werden, und die welt voll knecht und Cayn bleybt. Aber er sagt das umb der lere willen, als solt er sagen: Ehe Christus kam und das Euangelium predigt wartt, durch wilchs kinder werden, da wart nur das gesetz predigt, das macht eyttell knechte durch die werck. Nu aber der glawbe predigt wirt, darff man des knechtmecherß, des gesetz, nit, werdenn nu alle durch glawben on werck frum und selig, die zuuor durch gesetz und werck nur [Gal. 4, 7] Cayn und knecht worden. Drumb ists alßo viel gesagt: Es ist itzt keyn knecht mehr, ßondern eyttel kinder, als viel, das itzt keyn knechtisch lere soll gepredigt werden, und nit damit umbgehn, das knechte, sondern nur kinder werden, das ist: nur der glawb und Euangelium soll predigt werden und unßer lere seyn, der bringt geyst und leret gott trawen und nur dem nehisten dienen, ßo ist allis gesetz erfullet. Und damit ruffet er den Galatern von den lerern, die sie wider tzum gesetz und wercken fureten, wie uns itzt und nu lange tzeyt der Bapst mit seynen tollen gesetzen durch Bischoff, Pfaffen und Munch auch vorfuret und den Christlichen glawben vortilgett hatt, wie denn von demselbenn Endchrist die schrifft vorkundigt hatt.Drumb hutt sich fur yhm und allen den seynen, fur allen geystlichen stenden, wer da will selig werden, als fur Lucifers eygen gesind und Apostell.

[WA s. 379]

 

 

[Luk. 2, 33 –40] Das Evangelium am sontag nach dem Christag. Luce secundo.

 

1522[WA s. 379]

Seyn vatter und seyne mutter verwundertten sich der ding, die von yhm gesagt worden. Und Simeon gebenedeyette sie unnd sprach tzu Maria seyner mutter: Nym war. Dießer ist gesetzt tzu eynem fall und auffstehen vieler ynn Israel unnd tzu eynem tzeychen, dem do wirtt widdersprochen. Und deyn selbs seele wirtt durchgehen eyn schwerd, auff das da entdeckt werden die gedancken auß vielen hertzen. Und es war tzu der tzeytt eyn prophetynne, Hanna genant, eyne tochter Phanuel, von dem geschlecht Aser. Die war nu wol betagt und hatt gelebt mit yhrem man sieben iar von yhrer iunpfrawschafft an. Und ware eyne witwe biß ynn das vier und achtzigist iar, sie kam nymmer von dem tempell und dienette gott mit fasten und beten tag und nacht. Dieselb stund auch tzu der stunden dabey Und danckte gott und redte von yhn tzu allenn, die da wartteten auff die erloßung Israel. Und da sie alle ding vollnbracht hatten nach dem gesetz gottis, Sind sie widder heymtzogen ynn Galileam, ynn yhre stadt Nazareth. Das kind aber [WA s. 380] wuchß und wartt starck ym geyst voller weyßheytt, und gottis gnade war ynn yhm.

 

Es ist gutt scheyn das die vorige Epistell auß lautter unuorstand ist [Gal. 4, 1 ff.] auff dißen sontag vorordnet, das derselb ordinirer hatt gemeynt, dieweyll sie sagt von eynem iungen erbe, der eyn herr ist aller gutter, es sey von dem iungen kind Christo gesagt, wie denn derselben Epistell und Euangelia viell mehr auff unebene tag vorordnett sind, auß gleychem unuorstandt. Doch es ligt nichts an der ordenung, ist gleych viell, wilchs auff wilche tzeyt gepredigt wirtt, wenn nur der rechte vorstand bliebe ynn seyner ordenung. Alßo ist ditz Euangelium geschehen an dem tag unßer frawen liechtmeß da sie das kind ynn den  tempell brachte, und wirt doch auff disen sontag geleßen. Das sag ich allis, das nit yemandt die ordnung der tzeyt yrre mach odder hyndere an dem vorstandt und ordnung des Euangeli. Wyr wollenß ynn tzwey stuck teylen, eynß von dem Simeon, das ander von der Hanna lassen seyn. Es ist auß der massen eyn reych Euangelium und feyn geordnet. Zum ersten der man Simeon, darnach das weyb Hanna, beyde allt und heylig.

       Das erste teyll von Simeon. [Luk. 2, 33] Seyn vatter und seyne mutter vorwundertten sich der dinge, die von yhm gesagt worden.

       Wilch sind die wunderlichen dinge, und durch wilche wurden sie von yhm gesagt? Es sind freylich die ding, die S. Simeon hartt tzuuor sagt, da [WA s. 381] [Luk. 2, 29 –32] er das kind Jhesum ym tempell nam auff eyn ellnbogen und sprach: Herr gott, nu lessistu deynen diener ym fride. Denn meyn augen haben gesehen deynen heyland, den du bereyttett hast fur allen leutten, das liecht, tzu erleuchten die Heyden, und tzu ehren deynem volck Israel. Von dißen, spricht [Luk. 2, 33] Lucas, haben sie sich vorwundertt, das der allte, heylige man alda fur yhn stund ym tempell, das kind ynn seyne arm nahm und mit freuden ßo herlich von yhm redet, das es solt seyn eyn liecht aller welt, eyn heyland aller leutt, eyn ehr allis Israel, und er selb ßo groß von yhm hielt, das er nu gern starb, da er das kind gesehen hatte. Nu ware es yhe billich tzu vorwundernn, das solche ding wurden offenttlich alda gesagt von dem grossen man ynn dem offentlichen, heyligen ort, ßo es doch eyn arm, voracht kindle war, seyn mutter arm und geringe, und seyn vatter Joseph nicht reych; wie solt eyn solch kindle angesehenn werdenn, das es were aller leutte heyland, aller heyden liecht, unnd des gantzenn Israels ehre und rhum? Itzt, nu es erkandt ist, scheynet es nit mehr ßo wunderlich. Aber da noch nichts dauon erkandt war, sahe es gar wunderlich, und war die arm kindheyt gar auß der massen ungleych solchem mechtigen, grossem weßen, das Simeon von yhm sagt. Aber Joseph und Maria habens dennocht glewbt, darumb vorwunderten sie sichs [Luk. 2, 33] auch. Hetten sie es nit glewbt, ßo were es yhn voracht und nit wunderlich, ßondernn falsch und unnutz geweßen; drumb preysset solch wundern eynen hohen, grossen glawben ynn Joseph und Maria.

 

[Luk. 1, 26 ff.; 2, 16 ff.] Mocht aber yemandt sagen: Wie vorwundern sie sich des alleyn? [WA s. 382] Hatten sie doch zuuor von den Engeln auch gehort, das er Christus und der seligmacher were. Und die hirtten auch von yhm herlich sagten. So ware [Matth. 2, 1 ff.] es yhe auch wunder, das die kunige oder Magi auß ßo fernen landen mit yhrem opffer yhn anbetteten. Szo wuste Maria wol, wie sie yhn von dem heyligen geyst empfangen und wunderlich geporn hatte, und vom Engell Gabriel gehort, er solt groß und gottis ßon werden genant. Das kurtzlich durch eyttell wunder zugangen war biß hieher, da keyn wunder geschicht, ßondern alleyn vorkundigt und gesagt werden die ding, die nit geschehen noch gesehen worden ynn yhm. Ich acht, es sey hie nit hoch zu steygen noch weyt zu suchen. Der Euangelist leucket nit, das sie tzuuor sich auch vorwundert haben. Aber nach eynfeltiger meynung will er hie beschreyben, was sie datzu [Luk. 2, 29 ff.] gethan haben, da S. Simeon ßo herlich von dem kind redet, als solt er sagen: Da Simeon ßo grosse ding vom kind sagett, vorachteten das nit seyn eldern, ßondern glewbten es festiglich. Drumb stunden sie da, horeten yhm tzu und vorwunderten sich derselben rede, was kundten sie sonst datzu thun? Damit ist nit geleucknett, das sie tzuuor sich gleych odder mehr vorwundert haben. Was aber dieselb vorwunderung geystlich bedeutte, ist hirnach tzu suchen, itzt seyen wyr auff dem schrifftlichen vorstandt. Der dienet tzum exempel unßers glawbens.Das wyr auch sollen lernen, wie gotis werck ubir uns ßo wunderlich seyn, das es gar ungleych sihet, anfang und ende. Anfang ist nichts, Ende ist alle ding, wie hie Christus das kind ßo gar nichts ist antzusehen, unnd doch er tzuletzt worden aller leutt heyland und liecht. Hett Joseph [WA s. 383] und Maria solt urteyln nach dem gesicht, ßo hetten sie nit mehr Christum [Luk. 2, 33] geachtet denn eyn armß kindlin. Aber nu lassen sie das gesicht faren und hangen an den reden Simeonis mit eynem festen glawben, drumb vorwundern sie sich der rede. Also mussen wyr auch alle synne faren lassen ynn gottis wercken und nur an seynen wortten hangen, auff das unßer auge odder synn uns nit ergere.

 

 Es ist auch darumb geschrieben, das sie sich vorwundert haben dißer rede Simeonis, anzutzeygen, wie gottis wort nymmer on frucht außgeht und [Jes. 55, 11] gepredigt wirt, wie er sagt Isa. 55: Meyn wort, das da geht auß meynem mund (das ist: auß gottis botten mund), soll nit lehr widder zu myr kommen, ßondern soll thun allis, das ich will, und schleunig seyn ynn allem, datzu ichs sende. Szo will nu der Euangelist sagen, Simeon thett eyn hertzlich schone rede und predigt, das lautter Euangelium und gottis wortt; denn was ist das Euangelium anders, denn eyn predigt von Christo, wie er ist, eyn heyland, liecht und rhum aller welt, von wilcher predigt das hertz fro wirt und fur freuden sich gleych vorwundert solcher grossen gnade und trost, wo es dran glewbt? Aber wie schon und wundertrostlich die rede ist, ßo waren yhr doch wenig da, die yhm glewbten, ia, sie habens vorachtet als eyn torheytt, giengen und stunden ym tempell, eyner bettet, der ander thett eyn anders, gaben nichts auff diße wort Simeon. Doch weyll gottis wort muß frucht [Luk. 2, 33] bringen, sind yhr doch eynß teyls geweßen, die es mit freuden und wunder auffnahmen, nemlich Joseph und Maria. Und hie strafft der Euangelist [WA s. 384] heymlich der Juden unglawben, das yhr viel da geweßen sind (denn es ist offentlich ym tempell geschehen), und hatt doch niemant wollen glewben, haben sich alle an der kindheytt geergert.) Alßo lernen wyr hie, das wyr gottis wortt sollen gerne horen; denn es geht nit an frucht abe.

 

[Luk. 2, 33] Hirauß folget nu die geystlich bedeuttunge dißes vorwundern Joseph und Maria. Der tempell ist eyn gottis stett, drumb bedeutt er alle ortt, da gott ist, drumb bedeutt er auch die heylige schrifft, darynnen man gott findett als an seynem rechten ortt. Christum ynn den tempel bringenn ist nit anders, [Apg. 17, 11] denn wie die Act. 17. thetten: da sie das Euangelium mit aller begirden auffgenommen hatten, lieffen sie damit ynn die schrifft, teglich forschend, obs alßo were. Nu ist ynn demselben tempell Simeon, der ist ein person aller [Luk. 2, 26. 27] propheten, die vol heyligiß geysts waren, wie Lucas vom Simeon sagt, unnd haben auß dem heyligen geyst gered und geschrieben und gewartten auff den tzukunfftigen Christum, wie dißer Simeon, haben auch nitt auffgehoret, noch [Apg. 3, 24 [!]] ende, biß das Christus ist kommen, wie S. Peter sagt Act. 4., das alle [Matth. 11, 13] propheten auff Christus tzeytt geredt haben. Und er selb, Christus, Matt. 11. sagt, das die propheten und das gesetz haben geweret biß auff Johannem, das ist auff Christus tauff, da er anfieng, heyland und liecht aller welt tzu seyn. [Luk. 2, 26] Das ist bedeuttet ym Simeon, das er nicht solt sterben, er hette denn Christum gesehen. Drumb heysset er auch Simeon, das ist: Eyn hoerender, das die propheten haben von Christo nur gehoeret als von dem, der noch hynder yhn war und nach yhn kommen wurde; drumb haben sie yhn auff dem rucken [WA s. 385] gehabt und gehoret. Wenn man nu mit Christo und dem Euangelio alßo ynn den tempel kompt und die schrifft ansihet, So stellen sich doch die spruech der propheten ßo hertzlich tzu yhm, fahen yhn ynn die ellnbogen und sagen alle mit grossen freuden: Das ist der man, der ists, da wyr von gesagt haben. Nu ist unßer rede an yhr ende kommen mit frid unnd freuden. Und heben alda an und geben die allerschonsten tzeugniß, wie dißer Christus sey [Luk. 2, 29 –32] der heyland, das liecht, der trost und rhum Israel, und allis, was hie Simeon sagt und vorkundigt.

 

[Röm. 1, 2] Dauon sagt S. Paulus Ro. 1., wie gott habe das Euangelium vorsprochen durch die propheten ynn der heyligen schrifft, legt auß, was Simeon und der [Röm. 3, 21] tempel sey. Item c. 3: Der glawb ist betzeugt durch das gesetz und propheten [Joh. 5, 39. 46] Und Christus Johan 5: Forschet die schrifft, denn dieselben geben getzeugniß von myr. Item: Wenn yhr Mosi glewbtet, ßo glewbtet yhr auch myr; denn er hatt von myr geschrieben. Ditz were mit exempell zu beweyssen, es wirt aber tzu lang; droben am Christag, ynn der hohe messen Epistell und Euangelium haben wyr dauon exempell gesehen, wie die Aposteln auß der heyligen schrifft ßo hubsch und wolgeschickte tzeugniß furen. Item ynn der [Luk. 2, 7] Christmeß Euangelio haben wyr auch dauon gesagt ubir den windelln, da [5. Mose 18, 15] das kind eyngewinckellt ist. Itzt sey der spruch Mosi gnug Deutro. 18., den [Apg. 7, 37; 3, 22[!]] die Aposteln Actu. 8. 13 und viell mal eynfuren, da er sagt: Gott wirt eynen propheten auffwecken auß dem mittell deyner brueder, den soltu hoeren, wie du mich horist. Hie endett Moses des volcks horen unnd seyn leren [WA s. 386] offentlich auff dissen propheten Christum, das sie hynfurt denselben solten horen, und ist eyn tzeugniß, das Christus eyn liecht und heyland seyn solt noch Moses und on tzweyffell besser denn Moses, sonst wurd Moses an yhm nit seyn leren und furen enden und schweygen lassen, ßondernn neben yhm hynfurt [Jes. 28, 16] strecken. Item Isaias sagt .28: Nempt war, ich wil legen ynn Zion eynen kostlichen, erleßen, grund, ecksteyn, und wer ynn yhn glewbt, der soll nitt tzu schanden werden. Sihe, der und dergleychen sprůch, wie eben und gleych stymmen sie mit dem Euangelio, sagen von Christo eben, das die Apostel von [Luk. 2, 28] yhm predigt haben, das thutt alßo forttan die gantz heyligen schrifft. Darumb muste dießer Simeon eyn allter man seyn, das er der allten propheten voll und eben figur were. Und fassett yhn nitt ynn die hend noch ynn den schoß, ßondern ynn die ellnbogen; wiewol das ettwas tieffers ynn sich hatt, ist uns itzt gnug, das die prophetien und sprueche der schrifft Christum gleych furtragen und yderman anbieten, nitt yhn selbs behallten, wie man thutt mit [Röm. 4, 23. 24; 15, 4] dem, das man auff den ellnbogen tregt. Dauon sagt S. Paulus Ro. 4. und .15, Es sey alles geschrieben nit umb yhren, ßondern umb unßer willen. Und [1. Petri 1, 12] .1. Pet. 1. sagt: Die propheten habenß nit yhn selbs, ßondern uns dargeben, das wyr von Christo gehoret haben.

 

[Luk. 2, 33] Nu hatt Lucas nehmlich nit wollen sagen, das sie sich vorwundert haben des, das Simeon sagt, sondern spricht: der ding, die vom kind gesagt waren, schweygt Simeonß namen, hat uns mit vleyß wollen dadurch von dem [WA s. 387] Simeon tzihen auff diße geystlich bedeutniß, das wyr die spruech der schrifft dadurch vorstunden. Nu dißer spruch vorwundern sich alleyn seyn vatter und mutter. Da hatt der Euangelist aber eyn maltzeychen gesteckt, das er hie schweygt der namen Joseph und Maria, nennet sie vatter und mutter, uns ursach tzu geben an die geystliche bedeuttung. Wer ist nu Christus geystlicher [Mark. 3, 35 [!], Luk. 8, 21] vatter unnd mutter? Er selb nennet seyne geystliche mutter Marci. 4. Lu. 8: Wer da thut den willen meyniß vattern, der ist meyn bruder, meyn schwester [.Kor. 4, 15] und meyn mutter. S. Paulus nennet sich selb eynen vatter .1. Cor. 4: Wenn yhr gleych zehen tausent schulmeyster habet yn Christo, ßo habt yhr doch nit viel vetter; denn ich hab euch yn Christo durchs Euangelium geporn oder getzeuget. So ists nu klar, das die Christliche kirche, das ist: alle glewbige menschen sind Christus geystliche mutter, und alle Apostel und lerer ym volck, ßo sie das Euangelium predigen, sind seyn geystlicher vatter. Und ßo offt eyn mensch von new glawbig wirt, ßo offt wirt Christus geporn von yhnen. Das sind sie, die sich vorwundern ubir den spruechen der propheten, das sie ßo hubsch und strack tzu Christo stymmen und ßo herlich von yhm sagen, das gantz Euangelium ßo meysterlich betzeugen, das keyn grosser lust auff dissem leben ist, denn solchs ynn der schrifft sehen und erfaren. Aber der ander, der grosse hauff der unglewbige, vorachten dissen Simeon, datzu spotten seyn und vorkeren yhm seyn wortt als eynem narren, treyben ynn dem tempel [2. Kön. 16, 10 ff.] yhr affenspiel und mutwil, ia, setzen abtgotter und alltar von Damasco dreyn, wie der kunig Achas thett. Das sind alle, die mit der schrifft yhren mutwillen [WA s. 388] treyben, machen sie tzu schanden, tzihen sie auff menschlichen vorstand und furen den olgotzen, die vornunfft, hyneyn, machen werck, lere und menschengesetz drauß, tzuletzt entweyhen und tzubrechen sie yhn gar unnd treyben alle sund und schand drynnen, wie der Bapst durch seyn Decretal, und die hohen schulen durch yhren Aristotel thun und than haben. Indes sind sie andechtig, weyhen und freyhen viel steynern und hultzern kirchen, capelln und alltar, tzurnen auch widder den Turcken, das er solch kirchen schendet und tzubricht, meynen, gott soll yhn noch lohnen datzu, das sie yhm seynen allerliebsten tempel, der untzehlich besser und ewig ist, Zehen tausent mal erger schenden und vorstoren. Es ist eyn blind, toll volck, plumpt eynhynn; laß sie faren, eyn blind dem andern nach, ynn die ewigen gruben.

 

[Luk. 2, 33] Es mocht villeycht eynen eynfeltigen das bewegen, das Lucas Joseph Christus vatter nennet unnd schewett nitt die iunpfrawschafft Marie.Aber er hatt solchs geredt nach dem brauch, wie sie unter den leutten sind gehallten unnd genennet worden und nach gewonheytt des gesetzs, das da auch stiffvetter vetter heysset, wie denn auch aller wellt brauch ist; viell mehr heysset er billich seyn vatter, weyll er seyner mutter eyniger vortraweter man und breutgam war.Das er aber nit geschewet hatt alßo tzu reden, ist gnugsam ursach geweßen, das er zuuor ßo klerlich yhr iunpfrawschafft hatt beschrieben, das er wol  docht, es kunde niemandt Joseph Christus leyplichen vatter vorstehen; [WA s. 389] drumb, wie es ist on alle ferlickeytt geweßen durch seyn furbawen, alßo hatt erß auch on alle schew geschrieben; denn seyn voriger text ubrig gnug tzwingt, [Luk. 2, 33] das Maria seyn leyplich mutter und Joseph seyn gewonlicher vatter sey und alßo beydis war ist, das er vatter und mutter habe. Folget:

 

[Luk. 2, 34] Und Simeon hatt sie gebenedeyett.

Diße gebenedeyung ist nit anders, denn das er yhn wunschett glueck und heyll, ehre und allis gutt. Er hatt auch nicht alleyn das kind, ßondernn sie [Luk. 2, 34] allesampt, spricht Lucas, kind, vatter und mutter gebenedeyett. Es scheynet diß benedeyen eyn schlecht gering ding seyn; denn auch dermassen die leutt unternander sich benedeyen und wundschen. Aber Christum und seyne elltern zu benedeyen, ist gar eyn hoh, seltzam werck. Auß der ursach, das Christus und natur gantz wider nander seynd. Er vordampt allis, was die welt erwelet, gibt Creutz und allis ubell tzu leyden und berawbt aller wollust, gutt und ehre dißer welt, leret, es sey allis narrheytt und boß, da die leutt mit umbgehen. Sihe, das will und kan denn niemant von yhm leyden, da gehet an vormaledeyung, lesterung, vorfolgung Christi und alle der seynen, und sind gar wenig Simeon, die yhn benedeyen, aber alle wellt voll, die yhn vormaledeyen unnd wundschen yhm alles ubell, schand und ungluck. Denn wer den synn nitt hatt, das er willig alle ding vorachtet und allerley tzu leyden bereytt ist, der wirt nit lang Christum benedeyen und loben, sondern [WA s. 390] sich bald an yhm ergern. Etlich sind wol, die yhn loben und benedeyen, weyl er thutt, was sie wollen, und lessit sie seyn, was sie wollen. Aber da ist er nit Christus, thut auch nit Christus werck mit yhnen, ßondern er ist, was sie seyen und wollen. Wenn er aber anhebt Christus tzu seyn, mit yhn, das sie sollen yhr weßen lassen und das er alleyn ynn yhn sey, da ist eyttell [Luk. 2, 34] fliehen, lestern und vormaledeyen. Desselben gleychen meynen ettlich, wenn sie das kindle Christus mit seyner mutter wie Simeon kegenwertig sehen, wolten sie auch frolich yhn benedeyen. Aber sie liegen, sie hetten sich gewißlich lassen abewenden seyn kindheyt und armutt und seyne vorachtliche form; das beweyßen sie damit, das sie solch armut und forme lassen hassen und vorfolgen ynn den glidmassen Christi, darunder sie doch teglich das hawbt Christum noch finden mochten. Darumb wie sie itzt das creutz und vorachtlich forme fliehen und hassen, ßo thetten sie auch gewiß, wenn er schon noch itzt fur yhrn augen lege. Warumb thun sie nit solch ehre den armen? Warumb [Luk. 2, 34] ehren sie nit die warheyt? Aber Simeon war nit also gesynnet, ergert sich nitt an seyner form, ia, er bekennet, das er eyn tzeychenn des widdersprechens sey, und lessit yhm das wolgefallen, das Christus alle hohe form furwirfft unnd des creutz form furtregt, datzu benedeyet er yhn nit alleyn, ßondern auch seyne glidmaß, mutter und vatter. Darumb ist hie Simeon als eyn prediger und liebhaber des creutz und feynd der welt ynn dißer benedeyung eyn hoch groß exempel, Christum zu loben und ehren ynn seyner vorachten, vormaledeytten, furworffenen form, die er zu der tzeyt ynn seyner eygen person [WA s. 391] und itzt noch furet ynn seynen glidmassen, die umb seynen willen armut, schmach, todt unnd allerley vormaledeyung tragen, und doch niemand sich tzu yhn thutt, sie auffnympt, noch benedeyett, ßondern mit beten und fasten, stifften und wircken, wollen sie frum leut und Christen seyn.

       Hie bricht nu erfur auch die geystliche bedeutnisse, das der geystliche Christus, seyn geystlicher vatter und mutter, das ist: Christliche kirche mit den Apostelln und yhren folgern, unterworffen sind auff erden allerley [1. Kor. 4, 13] vormaledeyung unnd, wie S. Paulus sagt, gleych das kericht, sprew und schawm dißer welt sind. Darumb durffen sie wol, das sie anderßwoher empfahen yhre benedeyung und trost, von dem Simeon ym tempel, das ist: auß den [Röm. 15, 4] propheten ynn der heyligen schrifft, dauon Paulus sagt Ro. 15: Allis, was geschrieben ist, ist uns tzur lare geschrieben, das wyr durch gedult und trost der schrifft ynn der hoffnung bestehen. Sihe, da alßo muß eyn Christenmensch nit gedencken noch yhm furnehmen, seyn sach alßo tzu schicken, das er fur den leutten der welt gelobt und gebenedeyett werde. Neyn, das ist schon beschlossen, schand und vormaledeyung muß er gewartten und sich derselben ergeben und erwegen, gar keyner benedeyung wartten, denn von Simeon ym tempel. Die schrifft ist unßer trost, die lobet und benedeyett alle, die da von  der [Ps. 37, 1 ff.] wellt vormaledeyett werden umb Christus willen; dahynn geht der 36. psalm [Ps. 10, 1 ff.] gantz und gar, item der neunde und viel andere, die da alle singen, wie gott [1. Mose 4, 10 ff.] erloße alle, die da leyden fur der welt. Und Moses Gen. 4. schreybt, das [WA s. 392] gott sich des frumen Habelß nach seynem todt ßo hart annahm, das er auch ungepeten alleyn von seynem blut bewegt wart zur rache, thett viel mehr bey yhm nach seynem todt, denn ynn seynem leben, damit er antzeygt, wie er auch die todten nit lassen kan, ia, die todten weniger denn ßo sie leben, die ynn yhn glawben. Widderumb, da Cayn erschlagen wart, schweygt er stille, nympt sich seyn nichts an. Solch und dergleychen spruech der schrifft sind unßer trost und benedeyung, ßo wyr Christen sind, daran mussen wyr uns halten und benuegen lassen. Da sehen wyr, wie selig sie sind, die da leyden vormaledeyung, wie unselig, die da vormaledeyen. Jhener kan gott nit vorgessen noch lassen, dißer will er nit gedencken noch wissen. Was wolten wyr reycher, groesser trost und benedeyung haben? Was ist der wellt benedeyung und trost gegen dißem trost und benedeyung Simeoniß ym tempell?

 

[Luk. 2, 34. 35] Und er sprach zu Maria seyner mutter: Sihe da, dißer ist gesetzt zu eynem fall und auffstehen vieler ynn Israel und zu eynem widdersprechlichem zeychen. Und deyn selbs seele wirt durchgehen eyn schwerd, auff das da entdeckt werden gedancken auß vielen hertzen.

Warumb sagt er solchs nit auch zum vatter und nennet datzu die mutter bey yhrem namen? Er greyfft hie die natur an, nennet die naturliche mutter und nit den vatter. Darumb hatts der mutter auch alleyn recht naturlich wehe than, was an yhrem naturlichen kind yhr begegnet ist. Auch ists villeycht darumb geschehen, das Joseph nit erleben wurde die zeyt des [WA s. 393] leydens Christi, das alleyn ubir die mutter gienge, und zu allem leyden auch der tzusatz keme, das sie wie eyn arme, vorlassene witwe, Christus wie eyn armer weyße leyden muste, wilchs ubir die maß erbermlich ist, das auch gott [Ps. 68, 6] selb ynn der schrifftt hart ubir witwen und weyßen hellt, sich eynen richter der witwen unnd eynen vatter der weyßenn nennet. Denn Maria hatt alle drey stend gehallten, den iunpfrawstand, den ehlichen stand und den witwenstand, und der letzte ist der elendist, der keynen schutz noch beystand hatt. Eyn iunpfraw hatt yhr eltern, Eyn weyb hatt yhren man, Eyn witwe ist vorlassen, und ynn solchem elenden stand vorkundigt yhr Simeon ßo vil leydens; damit tzeygt er an und vordeutscht yhr selber seyn benedeyung, wie erß meyne. Nemlich, das es eyn benedeyung sey fur gott, nit fur der welt. Denn fur der welt solt sichs umbkeren und nit alleyn ungebenedeyett seyn, ßondern auch yhr kind gleych eyn tzill und maltzeychen werden, da yderman auff tzilet und maledeyett, gleych wie tzu eynem schießtzill alle pfeyll und bogen sich richten. Sihe da, das heysset, meyn ich, gebenedeyett ym tempell. Es ist yhr woll nott geweßen, das sie wider solch geschutz tzukunfftiger vormaledeyung gesterckt unnd getrostet wurd durch geystlich und gottliche benedeyung, dieweyll sie alleyn hatt sollen tragen unnd leyden ynn yhrer seelen solchen grossen sturm der vormaledeyung yhrs kinds.

 

[Luk. 2, 34] Zum ersten spricht er: Christus sey gesetzt tzum fall und auffstehen vieler ynn Israel; das ist der erste trost, den seyn mutter an yhm erleben und ertzihen solt, das sich viel an yhn stossen wurden auch ynn Israel, wilchs [WA s. 394] doch das außerkoren volck war. Drumb ists fur menschen augen gar eyn schlechter trost, das sie des sonß mutter ist, an dem sich ßo viel ergern und fallen solten auch ynn Israel. Es haben ettlich dissen text alßo außgelegt, das sich an Christo viel gestossen haben, und ist yhre hoffartt seliglich gefallen, auff das sie ynn der demut auffstunden, wie S. Paulus fiell und auffstund, wie auch alle werckheyligen fallen und an yhn selb vortzagen mussen und ynn Christo auffstehen, sollen sie anders selig werden. Das ist eyn gutter vorstand, aber nit an dissem ortt gnug. Simeon redet von Christo dermassen, das sich viell Juden an yhm stossen und ergernn, dadurch sie ynn den unglawben fallen worden, wie denn geschehen ist und noch geschicht. Wilchs gar eyn betrubt bild und ansehen, datzu eyn schrecklich vorkundigung tzu horen geweßen ist ynn den oren dißer heyligen mutter. Aber solchs fallens ursach ist Christus nicht, ßondern der Juden vormessenheytt, und gehet alßo tzu: Christus ist kommen, das er eyn liecht und heyland wurd aller wellt, wie Simeon sagt unnd durch den  glawben ynn yhn yderman rechtfertig unnd selig wurde. [Luk 2, 32] Da das sollt geschehen, muste alle ander gerechtickeyt durch uns selb, außer Christo, mit wercken ersucht, furworffen werden. Das mochten die Juden nit [Röm. 10, 3] leyden, wie S. Paulus sagt Ro. 10: Sie erkennen nit die gerechtickeyt, die gott gibt (durch den glawben), und suchen, wie sie yhr eygen gerechtickeytt setzen; drumb sind sie gotlicher gerechtickeytt nit unterthan. Alßo stossen sie sich an dem glawben, fallenn yhe tieffer ynn den unglawben und vorhartten ynn [WA s. 395] yhrer gerechtickeyt, das sie auch auffs aller hohist vorfollgeten alle, die da glawbten. Alßo mussen auch noch alle werckheyligen thun, auff yhrn wercken stehen, sich am glawben stossen und solchen fall thun an Christo, das sie vorprennen, vordamnen, voruolgen alle, die yhre werck furwerffen odder nichts wollen seyn lassen, wie denn itzt wyr am Bapst, Bischoffen, Doctorn und [Joh. 16, 2] allen Papisten sehen. Und das thun sie der meynung, als thetten sie gott eynen dienst, tzu beschirmen die warheyt und zurhalten die Christenheytt, gleych wie die Juden auch furgaben, sie erhielten gottis dienst und das gesetz Mosi, da sie die Aposteln und Christen todten und vorfolgeten.

       Darumb, wie Simeon hie der mutter Christi vorspricht, das nitt aller [Luk. 2, 34] Israel werde yhn tzu eynem liecht und heyland, das er ist, annehmen, auch nit alleyn ettlich odder wenig, sondern viel an yhm sich stossen und fallen, Alßo muß die geystlich mutter Christi, die samlung der Christen, sich nicht vorwundernn, das viell der falschen Christen, tzuuor geystlichs stands, den glawben nit annehmen. Denn das ist eben das volck, das sich auff werck vorlessit und seyne eygen gerechtigkeyt sucht und sich an Christo unnd seynem glawben ergern und fallen soll und muß, daruber auch vorfolgen und todten, was widder sie redet odder thutt. Denn solchs hatt auch der geystlich Simeon lengist tzuuor vorkundigt, das sind die propheten, wilche fast allesampt von [Jes. 8, 11 –15] dissem fall sagen. Isaias .8. sagt alßo: Gott sagt tzu myr mit stercke und leret mich, ich soll nit wandeln ynn dem wege dißis volcks, und heyst mich [WA s. 396] tzu yhn sagen: Ihr solt ditz nit eyn auffruhr oder emporung heyssen; denn allis, was diß volck redet, das ist nur von auffruhr. Aber furchtet euch nit fur yhm und erschreckt nit fur yhm, heyligett gott den herrn, und last yhn ewr furcht und schrecken seyn, ßo wirt er euch tzu eyner heyligung seyn. Und tzu eynem steyn des falleß und tzu eynem felß der ergerniß den tzweyen hewßern Israel, und zu eynem strick und netz den burgern tzu Hierusalem, und viel auß yhnen werden sich ergern, fallen, zubrechen, vorstricken unnd fahen &c.. Der spruech sind viel mehr, darauß wirt beweysset, das Christus muß ein steyn seyn, daran sich die allerbesten und hohisten stossen, wie auch [Ps. 78, 31] Ps. 77. sagt: Er hatt erwurget die fetten von Israel und vorhyndert yhr außerleßen. Denn Christus ist gesetzt eyn heyland und mag nicht weychen noch anders werden; ßo sind diße hofferttigen auch hartt und halstarck, wollen auch nit weychen von yhrem tand, lauffen alßo mit dem kopff an Christum, ßo muß yhe eyn teyll brechen und fallen, Christus aber muß bleyben und kan nit fallen, drum mussen sie fallen.

       Widderumb ßo fest als er stett gegen die werckheyligen und weycht yhn [Jes. 28, 16] nitt, ßo fest steht er auch allen, die sich auff yhn bawen, wie Isai. 28. sagt: Ich will eynen ecksteyn tzum grund legen, und alle, die ynn yhn glawben, sollen nit tzu schanden werden. Und er selb Matt. 16: Auff den felß will [Matth. 16, 18] ich bawen meyne kirche, und die hellischen pfortten sollen nit widder sie ubirweldigen. [WA s. 397] Wie nu der fall und brechen ist nit anders denn unglawb und ynn die werck schwinden, alßo ist auffstehen und bawett werden auff dissen felß nit anders denn glawben und auß den wercken tretten; das sind nu die glewbigen, den alleyn und sonst niemant Christus tzu auffstehen gesetzt ist. Wie nu zu Christus tzeytten viel ynn Israel an yhm auffgestanden sind, Alßo muß es auch bleyben biß anß end der wellt, das durch keyn werck, keyn menschenlere yhemandt auffstehen muge, ßondern alleyn durch Christum, wilchs geschicht mit glewben, wie offt gesagt ist, on alle werck und vordienst, und werck allererst follgen mussen dem auffstehen. Darumb sihistu, wie die gantze schrifft nur auff den glawben treybt und die werck furwirfft als untuchtig, ia, ergerlich und hynderlich zur rechtferttigung und solchem auffstehen. [Luk. 2, 34] Denn Christus will alleyn seyn gesetzt zum auffstehn, oder muß zum fal geradten. Er lest  nichts neben yhm tzum auffstehen gesetzt werden. Ists denn nit eyn grewlich weßen umb der Papisten und geystlichen leben? wilchs alßo streng und strack mit dem kopff an dissen felß leufft und ßo gar widdersynnisch dem Christlichen leben wandelt, das er wol mag des widerchrists weßen und [Luk. 2, 34] regiment heyssen. Diß auffstehen sagt auch der geystlich Simeon der geystlichen mutter Christi. Denn alle propheten leren die Christenheyt, wie nur ynn Christo alle menschen mussen bestehen. Als auch S. Paulus eynfurt [Röm. 1, 17, Hebr. 10, 38] Roma. 1. und Heb. 10. den propheten Abacuck .2: Der gerecht lebet durch seynen glawben.

       Szo sehen wyr nu, wie diß fallen und auffstehen an Christo gantz geystlich ist, unnd das fallen eyn ander volck trifft, denn das auffstehen. Das [WA s. 398] fallen trifft nitt denn eyttell grosse, hochgelerte, mechtige und heylige leutt, wilche altzu fest auff yhn selb stehen, wie uns denn das Euangelium antzeygtt, da Christus mit den sundern gar keyn tzanck noch streyt hatt, sondern geht mit yhn umb auff aller frundlichist. Aber mit den ßonderlingen, schrifftgelerten, fursten der priester kan erß nyrgen fortbringen, hatt yhr auch keyne gnade. Darumb, wie das fallen alleyn denen bekompt, die da schon stehen, alßo bekompt das auffstehen nur denen, die da ligen und gefallen sind, das sind alle die gnadduerstigen, ledigen geyster, die sich selb erkennen, das sie [Luk. 2, 34] nichts und Christus alle ding ist. Und Simeon hatt mercklich das wortlin: Israel dartzu gesetzt; denn Christus ist durch alle propheten alleyn dem Israelischen volck vorsprochen, daneben auch vorkundigt, wie ßo viel auß demselben volck wurden abfallen, alleyn umb yhrer eygen gerechtickeytt willenn. Wilchs furwar auch uns heyden erschrecklich ist, wilchenn nichts ist tzugesagt, ßondernn auß lautter gnaden unbedacht und unuorsehens sind wyr hyntzukommen [Röm. 15, 9] und an Christo auffgestanden, wie S. Paulus Ro. 15. leret und droben gesagt ist ynn der Epistel des andern sontags ym Aduent. 1 Darumb uns dißer fall ynn Israel woll tzu hertzen gehen soll, wie uns der Apostell [Röm. 11, 8 ff.] Ro. 11. furhelt, das wyr nit auch alßo fallen, ia, leyder schon erger gefallen und vorfuret sind durch den Endchrist, denn Juden und Turcken, das wyr den namen Christi nur tzu schanden gottis und unßerm schaden tragen.

 

[Luk. 2, 34] Zum andern spricht Simeon, Christus sey tzu eynem tzeychen, dem da widersprochen wirt, gesetzt. Ists aber nit eyn iamer, das der heyland und das liecht der wellt soll widersprochen, vorurteylet, vordampt werden, dem doch billich solt nachgelauffen und gesucht werden von eynem end der wellt [WA s. 399] tzum andern? Aber daran leret man, was die welt sey, und was die natur mit yhrem freyen willenn thutt. Nemlich des teuffells reych und gottis feynd ist sie und thutt nit alleyn wider gottis gepott, sondern unsynnig und raßend vorfolgett und todtet sie auch den heyland, der yhr helffen soll, gottis gepott tzurhalten. Eyns volgt aber auß dem andern; die sich an yhm stossen, die mussen auch yhm widdersprechen, vormugen nitt anders tzu thun. Widderumb, die an yhm auffstehen, die mussen yhn bekennen, fursprechen und predigen, [Luk. 2, 35] mugen auch nitt anders thun, aber denen gehet das schwerd durch yhr seelen, [Luk. 2, 34] wie folget. Nu werck die wortt: Er spricht nit alßo: Dißem wirt widdersprochen, ßondern: er ist eyn mal gesteckt datzu, das yhm alltzeytt widdersprochen wirtt, gleych wie man den schutzen eyn tziell oder schießmal steckt, das alle bogen und buchßen, pfeyll und steyn drauff gericht und getrieben werden; dasselb ist darumb gesteckt, das die schoesse nit anderßwohynn, ßondern nur auff das tzeychen tzilen. Alßo Christus ist das tzill, das sich yderman anhengt, alles widdersprechen tzielet auff yhn, ßo gantz, und ob gleych die widersprecher unternander auffs hohist uneynß sind, dennoch werden sie darynnen eyntrechtig, [Luk. 23, 12] das sie Christo widdersprechen; das ist beweysset, da Pilatus unnd Herodes todt feynd waren, wurden sie dennoch ubir und widder Christo eyniß. Die Pharisei und Zaducei waren auch ubir die maß uneyniß, aber wider Christum [Ps. 2, 1.2] wurden sie alle eyniß, das David sich vorwundert und spricht davon Ps. 2: Warumb dumlen die leutt also? Und warumb trachtet das volck ßo vorgeblich ding? Warumb tretten die kunige der erden also zusamen, und die fursten werden eyniß widder gott und widder seynen Christum? [WA s. 400]

       Alßo auch alle ketzer, wie mancherley sie unternander und widernander, dennoch waren sie allesampt eyntrechtig wider die Christliche, eynige kirche. Und itzt auch, obwol kein bischoff  mit dem andernn, keyn stifft, keyn orden, keyn kloster das ander achtet. Und gar nahet ßo viel secten und unterscheyd als koepff sind, dennoch sind sie alle eyniß mutts wider das Euangelium, [Ps. 83, 6 ff.] gleych wie der prophet Asaph Ps. 82. schreybt, das auch ubir das volck von Israel sich alle vooelcker samleten, Edom, Ismael, Moab, Hagarim, Gebal, Amon, Amalech, Philistim, Zur und Assur, der doch keyniß mit dem andern eynß ware. Die boßheyt und lugen sind wol unternander uneynß, aber widder die warheyt und gerechtickeyt mussen sie eynß werden, auff das aller streytt, alles widdersprechen, auff ditz maltzeychen und tziel tzuplatzen.Und des habenn sie redlich ursach, als sie dunckt; denn eyn iglich rotte ficht nur widder yhr eygen widderpartt, Pilatus widder Herodem, Phariseus widder Zaduceum, Arrius widder Sabellium, Monch widder Pfaffen. Es hatt aber daneben widderumb eyn iglich rotte yhren anhang und freund und ist nur stucklich yhr hadder unnd frid.Aber Christus ist gantz unhofflich und unuornunfftig, strafft sie alle, gillt yhm Pilatus ßo viel als Herodes, Phariseus ßo viel als Zaduceus, und hellt es mit keynem teyll. Darumb, wie er widder sie alle ist, also widderumb fallen sie auch alle tzusamen widder yhn. Alßo die warheyt ist widder alle lugen und falscheytt. Darumb hengen sich auch alle lugen tzusamen widder die warheyt und machen eyn tziel drauß der [WA s. 401] widdersprechung. Das muß allis alßo ergehen; denn Christus unnd die warheytt findet keynen menschen frum unnd seynes teyls, wie der psalter [Ps. 116, 11] spricht: Alle menschen sind lugener. Drumb muß er sie alle on unterscheyd straffen und yhr ding furwerffen, auff das sie allesampt seyner gnad duerfftig und duerstig werden. Aber das leyden und wollen sie nit alle, ia, das weniger teyll.

       Szo haben wyr nu die beyde Simeon 1; der leypliche Simeon vorkundigt [Luk. 2, 34] der leyplichen mutter, wie Christus ynn eygener person sey eyn tziel den widersprecherrn gesetzt; damit tzeygt er an, was der geystlich Simeon, die propheten, vom Christlichen glawben sagen der Christenheyt, nemlich, das derselb glawb und Euangelium, das lebendige wortt der warheytt, ist eyn felß, daruber viel fallen und auffstehen, und endlich eyn tziell, dem widdersprochen [Luk. 2, 34, Jes. 53, 1] wirtt; das auch Isaias .53. gleych mit wundern dauon sagt: Wer [Jes. 10, 1 ff.; 28, 1 ff.] glawbt doch unßern predigen?, als sollt er sagen: gar wenig. Item .10. und .28. Spricht er, das ßo viell an dissem wort fallen, das kaum die hefen und grundsup2 vom volck selig werde. Es ist ynn den propheten ubirflussig [Luk. 2, 32] beschrieben solch fallen, auffstehen und widdersprechen. Es hatt woll Simeon tzuuor gesagt, wie Christus sey eyn liecht und heyland aller wellt, wilchs die propheten auch sagen; damit ist vorkundigt, was Christus sey, und wie er sich [Luk. 2, 34] stelle gegen der wellt. Aber hie, da er vom fallen, auffstehen und widdersprechen sagt, vorkundigt er, wie yhm solchs gelinge unnd geradte, was die welt sey, und wie sie sich gegen Christo stelle. Szo findet sichs, das Christus wol willig und gnugsam were zu thun als eyn liecht und heyland aller welt, ertzeygt sich auch denselben reychlich und ubirflussig. Aber die welt nympt yhn nit alleyn nitt auff, sondern sie wirt nur erger dauon, datzu widderspricht [WA s. 402] und vorfolgt yhn auffs aller hohist. Darauß man die welt erkennet, wie sie des teuffels reych ist, nit alleyn voller boßheyt und blindheytt, sondern auch [Joh. 3, 19 [!]] liebhaberynn der boßheyt und der blindheyt, wie Christus sagt Joh. 8: Das liecht ist kommen ynn die welt, und die welt hatt die finsterniß lieber denn das liecht. Sihe, ßo sehen wyr, wie unßer wandell auff erden ist unter den teuffelln und gottis feynden, das billich ditz leben uns solt erschrecklich seyn.

       Auß dem lernen wyr nu und werden gewiß, das, wo an unßerm wortt und glawben sich viell menschen ergernn unnd widdersprechen, tzuuor die grossen gelerten und geystlichen, ßo mugen wyr uns unßer hallben trosten [Luk. 2, 34] und froelich seyn. Es ist eyn tzeychen, das unßer wortt und glawbe recht sey, unnd geht yhm, wie Simeon hie unnd alle propheten dauon sagenn. Es muß sich stossen, fallen, auffstehen unnd widdersprechen, da wirtt nicht anders auß. Wer es anders habenn will, der mag yhm eynen andern Christum suchen. Dißer Christus ist gesetzt tzum fall unnd auffstehen vieler ynn Israel unnd tzum tziell oder mal der widdersprechung; ßo muß gewißlich auch seyn glid, eyn iglich Christenn, umb seyniß glawbens unnd wortes willen auch alßo seyn. Es heyst antilegumenos, Widdersprochen. Man muß seyne meynung unnd glawben vordamnen,  vorbannen, vorfluchenn, als die ergist ketzerey, yrthum unnd narreytt; wo das geschicht, ßo ist yhm recht geschehenn. Geschichts nich, ßo ist widder Christus, noch seyne mutter, noch Simoen, noch propheten, noch glawbe, noch Euangelium, noch Christenn da. Was sollt widdersprechen anders seyn, denn nitt alleyn leucken, ßondernn lesternn, vormaledeyen, vordamnen, vorbannenn, vorpieten unnd mit aller schand unnd schmach vorfolgen, als die ergist ketzerey? Aber noch eynen trost gibt das worttlin: [WA s. 403] [Luk. 2, 34] Er spricht, er sey eyn tziell, dem widdersprochenn wirtt, aber nitt umbworffenn odder vortilget wirt. Alle wellt mag myr meynenn glawben unnd wortt vordamnen, ketzerisch außschreyen unnd auffs schmehlichst vorstellen unnd vorkeren. Aber sie muß myr yhn bleyben lassen, kan myr yhn nitt nehmenn, sie bringts nicht weytter mit alle yhrem toben unnd wuetten, denn das sie myr widderspricht, unnd ich muß yhr mal unnd tziell seyn. Dennoch fellet sie, und ich stehe, laß widdersprechen, wieviel sie wollen, Gott der widdersteht und ficht mit seynen wercken widder yhre wort. Wollen sehen, wer hie obligen werde, hie sind werck und gottis werck, die da setzen (das ist) fest unnd starck machen ditz tzeychen auff guttem grund. Es ist eyn tziell gesetzt von gott, wer willß umbstossenn? Dortt aber ist nitt mehr denn fliegende wortt unnd eyn ammechter adem auß dem mund. Die fliegen scharren fast mit yhren fittichen unnd scherffen yhrn schnabell, thun doch nicht mehr, denn beschmeyssen die wand, lassenn sie aber wol stehen.

       Darauß folgt, das des Bapsts, der Bischoffe, der stiffte, der kloster, der hohen schulen lere und glawbe eyttell welltlich und teuffllisch ding ist; denn da ist keyn fallenn, keyn widdersprechenn, sie leydens auch nitt, ßondernn eyttell ehre, gewallt, reychtum, frid und lust, und sind unßers herrgots rechte mastsew auff seynem koben.Es sey denn, das yemandt unter yhn mit geystlichen anfechtungen vom teuffell ym glawben unnd hoffnung gemartertt werdenn, als man denn wol ettlich findett. Denn wo Christus ist unnd seyn [WA s. 404] glawb, da muß widdersprechenn seyn odder ist nymmer Christus; thun es nicht menschenn offenttlich, ßo mussens Teuffell heymlich thun, und das sind gar schwere anfechtungen ynn dem unglawben, vortzweyfflung unnd gottislesterung. Dieße mugen erhallten werden, aber der ander hauff geht hyn on Christus, on Maria, on Simeon, on alle warheyt, hallten doch dieweyl viel meß, singen hoch und nyder, tragen platten und geystlich kleyder, und sind Salomonis affen und Indische katzen. Ja, dieweyl sie nit leyden wollen widersprechen, auch nit wirdig seyn, haben auch nichts, thun auch nit darnach, das yhn mocht widersprochen werden, ßo faren sie tzu und werden selbs widdersprecher. Was sollen sie sonst thun? Es ist yhr eygen werck, die warheyt zuuordamnen, vorpieten, vormaledeyen und vorfolgen. Das sage ich darumb, das ich meyner pflicht will hie mit gnugthan haben und eynem iglichen Christen seyne ferlickeytt betzeygt, das er sich wisse tzu hutten fur des Bapsts, fur den hohen schulen, fur dem geystlichen stand, da nit gottis wort ist ym treyben, als fur des Teuffells eygen reych unnd weßen, hallt sich nach dem Euangelio, sehe drauff, wa widdersprochen ist, und wo loben ist. Ist keyn widdersprechen da, ßo ist Christus auch nitt da. Und solch widdersprechen, das nit vom Turcken, sondern von seynem aller nehisten geschicht. Christus ist nit eyn maltzeychen tzum fall gesetzet vieler tzu Babylonien oder Assyrien, [Luk. 2, 34] ßondern vieler ynn Israel, das ist unter dem volck, da er ynnen ist, und die sich seyn rhumen als die seynen.

 

[Luk. 2, 35] Zum dritten sagt Simeon tzu Maria seyner mutter: Eyn schwerd wirtt durchgehen deyne seele; das ist nitt gesagt vom leyplichen schwerd, ßondern [Ps. 105, 18] gleychwie von Joseph geschrieben stett Ps. 104: Eyssen ist gangen durch seyne [WA s. 405] [Ps. 107, 10] seele, Und Ps. 106: Er hatt erloßet, die da sassen ym finsterniß und schadwen [5. Mose 4, 20] des todt, ynn unterdrucken und ynn eyssen. Item Deut. 4: Ich hab euch auß dem eußern offen Aegypti erloßet. Und ist alßo viell gesagt, das sie groß leyd und wehe ym hertzen tragen wurde, ob sie wol am leybe nit gemartertt wurde; wie das tzugangen ist, weyß yderman wol. Drumb muß man diße rede auffnehmen nach hebreischer weyße, das dieselbige von grossem leyd unnd wehe des hertzen also redet, gleych als wyr auff deutsche weyße solch wehe nennen hertzbrechen, da man sagt: Meyn hertz wil myr brechen, item: meyn hertz will myr tzuspringen &c.. Weytter  dauon tzu sagen mussen wyr sparen biß ynn die Passion, itzt ist gnug, das wyr sehen, wie Simeon [Luk. 2, 35] seyne benedeyung ßo mit eyner bittern gloßen vordeutscht, auff das nitt von tzeyttlicher benedeyung fur der welt vorstanden wurd. Was bedeut aber nu, das Simeon solchs alleyn zu Maria seyner mutter mit namen und nit zu Joseph sagt? Es bedeut freylich, das die Christliche kirch die geystliche iunpfraw Maria bleybt auff erden, wirt nit vortilgett, ob wol die prediger und yhr glawbe und Euangelium, der geystlich Christus, vorfolgtt wirtt; gleych ob wol Joseph tzuuor stirbt und Christus gemartert wirt, das Maria eyn witwe und yhrs kindß beraubt, dennoch bleybet sie, und solcher iamer geht alles durch yhr hertz. Alßo bleybt die Christlich kirch eyn wittwe alltzeytt, unnd das yhr [WA s. 406] Joseph, die heyligen vetter sterben und das Euangelium gemartert wirt, geht durch yhr hertz, sie muß das schwerd leyden und dennoch biß an iungisten tag ymmer bleyben. Was mag eynem Christlichen hertzen bitterer seyn, denn das es sehen unnd erfaren muß, wie grymmig die tyrannen und unglewbigen das Euangelium Christi vorfolgen und vortilgen, wie denn itzt unter dem Bapst mehr geschicht, denn noch yhe geschehen ist. Da geht es denn yhr nach yhrem namen; denn Maria heyst eyn bitter meher, darynn außdruckt, das nit alleyn bitterkeyt ynn yhr ist, sondern viel und eyttell bitterkeyt, das nit eyn tropflin, ia, nit eyn fluß, ßondern eyn gantzs mehr der bitterkeytt sey; denn alles leydenn ubirschwemmet sie, das sie wol Maria, eyn bitter meher, heysset.

 

[Luk. 2, 35] Zuletzt spricht Simeon, solchs allis geschehe darumb, das entdeckt werden auß vielen hertzen die gedanckenn. O eyn selige, nottige frucht dises fallis und widdersprechens! Das wyr aber das vorstehen, ist tzu mercken, das tzweyerley ergerniß und vorfurung sind unter den menschen. Die eyn ist grob, ynn den groben sunden, als da sind: Elltern ungehorsam seyn, todten, unkeuscheyt, stelen, liegen, lestern, &c.., und das sind sunde widder die ander taffell Mosi. [Luk. 2, 34] Hie ist nit nodt, das sie sich stossen an eynem tzeychen des widdersprechens, yhr gedancken sind schon am tage durch solch yhr boßis weßen. Von dißem ergerniß redett die schrifft wenig. Die ander aber, fraw Cosbi, die hubsche tochter des fursten Zur von Madian, ubir wilcher vierundtzwentzigtausent [4. Mose 25, 6 ff.] auß Israel erschlagen wurden, wie Moses schreybt Numeri. 25, das ist die rechte ergernisse und vorfurung, ynn den heyligen und schonen sunden der [WA s. 407] gutten werck und gottisdienst, die bringt alle wellt ynn alle ungluck, und mag sich niemant fur yhr gnugsam hutten. Das sind sunde widder die ersten tafell Mosi und widder den glawben, widder gottis ehre und seyne werck. Denn es ist keyn grosser, ferlicher, gifftiger ergerniß, denn das eußerliche gutte leben ynn gutten wercken und geystlichem wandel; da sind eyttel redliche, vornunfftige, erbare, frume leut ynnen, das nit muglich were eyne seele erredtet odder unuorfuret bleyben, wo nit diß zeychen und tziel gott setzet, daran sie sich stiessen und endeckten yhr hertz.Hie sihet man durch yhr hubsch wort und schone werck ynn yhr hertz und findett, das solch grosse [Luk. 2, 35] heyligen und weyße leutt heyden unnd narren sind, darumb das sie den glawben vorfolgen umb yhrer werck willen, wollen ynn yhrem weßen ungestrafft seyn. Szo entdecken sich yhr gedancken und lassen sich sehen, wie sie auff yhr werck und sich selb bawen und alßo nit alleyn widder die ersten gepott on unterlaß sundigen, ßondern auch feynd seyn und streben tzuuortilgen und vorstoeren allis, was dem glawben unnd gott tzustehet, doch nicht anders, denn umb gottis willen und die warheytt tzurhalten. Sihe, der artt sind itzt Bapst, Bischoff und fast alle geystlichen, habenn die wellt voll, voll, voll strick und ergeniß gelegt mit yhrem schonen gleyssen und ferben des geystlichen lebens, da doch keyn glawb, ßondern eytell werck ynnen sind, keyn Euangelium, ßondern eytell menschengsetz regirn.

 

[Matth. 7, 13] Mit dissem ergerniß hatt die gantz schrifft zu schaffen, da streyttett gott [4. Mose 25, 15] widder mit allen propheten unnd heyligenn. Ditz ist das rechte hellthor und die breytte landstraß tzur vordamniß. Darumb heyssett dieselbige hure wol [WA s. 408] Cozbi, mendacium meum, Meyne lugen. Es leugt und treugt allis, was da gleyssett, aber yhr hubsche tzierde unnd schmuch betreugt auch die fursten von Israel. Und heyst wol nit alleyn mendacium, sed meum mendacium, Meyne lugen, darumb das solch triegen fast liebet und reytzet yderman. Auff das uns nu gott hiefur behuette, hatt er seynen Christum tzum tziell auffgericht,  daran sie sich stossen sollenn, fallen unnd widdersprechen, auff das wyr nit, durch yhr werck und wortt vorfuret, yhr leben fur gutt auffnehmen unnd folgen, ßondernn erkennen, wie fur gott keyn wircklich leben tuchtig sey on den glawben. Und wo nitt glawbe ist, das da eyttell Cozbi, eytell lugen unnd trug sey, wilchs an yhn offenbar wirtt, ßobald man solchs widder sie predigt und yhr ding kegen dem glawben fur nicht acht. Sihe, alsdenn mustu mit deynem glawben eyn ketzer seyn, da brechen sie erfur unnd geben yhr hertz dyr tzurkennen on yhren willenn und wissenn, das du sihest, wilch eyn grewlicher grewell des unglawbenß unter dem schonen leben ligt, wilch eyn wollff unter der wollen, wilch eyn hure unter dem krantz, das sie gleych unuorschampt wirt und will solch yhr schand und laster fur eyttell ehre und tugent gehalten haben, odder will dich todten; das gott durch Hieremiam wol tzu [Jer. 3, 3] yhr sagt: Du hast eyn hurnstirn ubirkommen, wilt dich nit schemen, unnd [Jes. 3, 9] Isaias .3: Sie haben yhr sund nit deckett, ßondern predigt wie Zodoma und [WA s. 409] Gomora. Were es nit eyn tolle, unuorschampte hure, die yhr ehebrecherey yhr ließ singen zu ehren auch fur yhrem ehlichen mann?1 Alßo thun alle die werckprediger und glawbloße lerer, die unuorschampt die werck predigen, datzu den glawben, die ehliche keuscheyt vordamnen, yhr hurerey soll keuscheyt seyn, und rechte keuscheyt soll hurerey seyn. Sihe, das bliebe alles vordeckt, natur und vornunfft mocht solch untugent nit erfaren, die werck sind zu hubsch und die geperden zu feyn. Ja, die natur erdenckt solchs allis, hatt yhr lust drynnen, meynett, es sey recht und wol than, bleybt drauff und vorharttet drynnen.

       Darumb setzt yhr gott eyn tzeychen, daran sie sich stoß und yderman lerne, wie viel hoeher eyn Christlich leben sey, denn die natur und vornunfft ist. Alle yhr tugent sind sunde, alle yhr liecht ist finsterniß, alle yhr wege sind yrthum. Es muß yn eyn ander hertz, hawt und natur getretten seyn, [1. Sam. 5, 1 ff.] ditz hertz endeckt sich nit anders, denn das es gottis seynd sey. Das ist vortzeytten bedeut ynn den Palestiner, die gott plagt, das ynn yhr daerm unten auß giengen, da sie gottis arcken bey sich hatten. Die daerm sind diße gedancken des unglewbigen hertzen, wilche brechen erfur, ßobald die arche gottis tzu yhn komptt, das ist: Wenn das Euangelium und Christus predigt wirt, das muge[n] sie schlechts nit erleyden. Alßo geschicht es, das diser heyligen, [WA s. 410] die niemant ynn yhn selbs erkennen kan, wenn man Christum kegen sie helt, [1. Kor. 2, 15] ist auch yhr hertz offenbar, das wie S. Paulus sagt .1. Cor. 2: Eyn geystlicher mensch richtet alle menschen, und er wirt von niemand gerichtet. Denn er weyß, wie sie gesynnet seyn und wie yhr hertz stehet, darauß, wenn er horet, das sie gottis wortt und glawben nit auffnehmen. Folget ym, text weytter:

 

[Luk. 2, 36. 37] Und es war eyn prophetissen mit dem namen Hanna, eyne tochter Phanuel, von dem geschlecht Aser, die war wol betagett. Und hatte mit yhren man gelebt sieben iar von yhrem iunpfrawschafft an. Und sie war eyne witwe biß ynß vierundachtzigst iar, dieselbe kam nymmer vom tempel und dienet gott mit fasten und beten tag und nacht.

Mocht yemand hie sagen: In dißer Hanna sihestu, das die gutten werck gepreysset werden, als fasten und betten unnd tzur kirchen gehen. Drumb mussen sie yhe nit also zuuorwerffen seyn. Antwort: Wer hatt denn gutte werck yhe furworffen? Wyr furwerffen nur die falschen, scheynenden gutte werck; fasten, beten, tzur kirchen gehen sind gutte werck, wenn sie recht geschehen. Aber das ist der geprechen, das die blinden koepff alßo ynn die schrifft fallen, mit stiffeln und sporn eynhyn plumpen, sehen nur auff die werck und exempell der lieben heyligen, wollen ßo bald dauon leren und folgen. Da werden denn eyttell affen und gleyßner drauß, denn sie sehen nit auch [WA s. 411] [1. Mose 4, 4] an, wie die schrifft antzeygt die person viel mehr denn die werck. Habels opffer und werck lobet auch die schrifft, doch tzuuor die person viel mehr. So lassen sie die person ligen und ergreyffen nur das exempel, damit fassen sie nur die werck und feylen des glawbens, esszen die kleyen und vorschuetten [Hos. 3, 1] das mel, wie auch der prophett Osee 3. sagt: Sie sehen noch eynem andern gott und lieben die trestern von den drawben. Wiltu mit disser heyligen Hanna fasten und beten,ist wol gutt; aber sihe tzu, das du tzuuor der person follgist und darnach den wercken, werdist zuuor auch eyn Hanna. Aber laß uns sehen, wie S. Lucas die werck und person handel, das wyr das exempell recht fassen.

 

[Luk.2, 36]  Zum ersten spricht er, sie sey eyn prophetin geweßen; on tzweyffell eyn heylige, frum prophetynn, ßo ist gewißlich der heylig geyst ynn yhr geweßen, dadurch ist die person on alle werck tzuuor gutt und rechtfertig geweßen, darumb sind die folgende werck auch gutt und rechtfertig geweßen. So sihestu, das damit S. Lucas nit will, das sie durch werck sey frum und eyn prophetyn worden, ßondern tzuuor eyn frum prophetynn, und alsdenn durch sie auch die gutten werck worden. Warumb wiltu denn das exempel und das Euangelium stucklen und vorkeren, tzuuor und alleyn die werck leßen, ßo Lucas zuuor die [Luk. 2, 37] person, nit alleyn die werck beschreybet? Zum andern lobt er sie als eyne wittwen, die auch yhrs wittwenstands gepuerlich werck than hatt und bey yhrem beruff blieben. Aber damit malet noch sundert er diße werck nit, als seyen sie alleyn die rechten gutten werck und gottis dienst und alle ander [1. Tim. 5, 3 –6] furworffen. Sanct Paulus beschreybt .1. Timo. 5. der wittwen leben alßo: Die wittwen solltu ehren, die da recht wittwen sind. Denn ßo eyne witwe [WA s. 412] ist, die kinder oder kindsgenossen hatt, die sol zuuor lernen yhr hauß Christlich regirn und yhr elltern widder gutts thun, das ist gott angenehm und gutt. Wilch aber eyn rechte wittwe und eynsam ist, die setzt yhr hoffnung ynn gott unnd hellt an am gepett tag und nacht. Wilche aber ynn wollusten ist, die ist lebendig todt &c.. Hirauß sihestu, das diße Hanna muß eyne wittwe eynsam, on kinder und elltern geweßen seyn, der sie nit hatt duerffen wartten, sonst hette sie nit gotte, sondern dem teuffell gedienett, das sie nymmer von der kirchen kommen were und hette yhr hauß gottlich tzu regirn lassen anstehen. [Luk. 2, 37] Und das gibt auch Lucas an, da er schreybt, sie sey eyne witwe geweßen biß ynß vierundachtzigst iar, damit er wil, das yderman leycht rechnen kan, wie yhr elltern mussen todt geweßen seyn unnd yhr kinder vorsorgt, das sie als eyn allte mutter von yhn vorsorgt geweßen ist unnd hatt hynfurtt nichts mehr durffen thun, denn beten und fasten und aller wolust vorsagenn.Denn Lucas sagt auch nit, das sie die gantze vierundachtzig iar alßo gelebt hatt, ßondern tzu der tzeytt, das Christus ist geporn und ynn tempel bracht, das sie allererst hatt angefangen alßo tzu wandelln, da sie aller dinge, alle kind und elltern vorsorgt und gantz eynsam worden ist.

       Darumb ists gar ferlich ding, wenn man nur die werck ansihet und sihet nit an widder person noch den stand odder beruffenn. Es ist gott gar unleydlich, das yemandt die werck seynis ruffs oder stands faren lest und will der heyligen werck angryffen.Drumb ßo eyn ehlich weyb wolt dißer [WA s. 413] Hanna folgen, mann und kind, hauß unnd ellternn lassenn, auff das sie wallet, betet, fastet und tzurkirchen gienge, Was were das anders denn gott vorsuchen? Elichen unnd wittwen-stand mengen, eygenen beruff lassen und frembden wercken anhangen, das hieß eben auff den oren gangen, die fuesse schleyern unnd den kopff stiffelln, und alle ding vorkeren. Gutte werck soll man thun, beten und fasten, ßo fernn das deyneß beruffs und stands werck dadurch nit vorseumet noch vorhyndert werden. Gottis dienst ist nit an eynß oder tzwey werck gepunden, auch nit ynn eynen odder tzween stend gefasset, ßondernn ynn alle werck und alle stendt geteyllet. Hanna unnd yhr gleychen eynsamen witwen werck ist eyttell fasten und beten, wie alhie [1. Tim. 5, 4] S. Lucas mit S. Paulo stympt. Eyner ehlichen frawen und yhrs gleychen werck ist nit eyttel beten und fasten, ßondern kinder und hawß gottlich regirn, der elltern wartten, wie S. Paulus sagt. Das hatt auch den Euangelisten bewegt, da er von diser Hanna werck schreyben wolt, das er mit ßo viel wortten, ßo vleyssig, yhrn stand und allter außstreycht, das er damit zuruecktstiesse alle, die auff die werck platzen wolten und gifft auß den roßen saugen und sie tzuuor yhrs beruffs ermanett.

 

[Luk. 2, 36] Zum dritten, auß derselben ursach schreybt er auch, sie habe sieben iar mitt yhrem mann gelebt von yhrer iunpfrawschafft an; damit lobet er auch yhr ehliches weßen unnd desselben stands werck, das nit yemandt decht, er wollt alleyn beten und fasten fur gutte werck haben. Denn sie hatt solchs nitt than, da sie mitt yhrem mann gelebt hatt, auch nitt ynn yhrer iunpfrawschafft, ßondern da sie eyn wol betagte, eynsame witwe worden ist. Und ist [WA s. 414] doch yhr iunpfer- unnd ehlicher standt mit seynen wercken auch gelobt und tzum exempel gesetzt als rechte gutte werck; warumb wolltistu denn dieselben [Luk. 2, 36, 37] alßo faren lassen und alleyn an den wittwischen werckenn kleben? Auch hatt der Euangelist nit umbsonst tzuuor gelobt yhrn eh  lichen stand und darnach den wittwenstandt, das er yhe alle lucken ubirflussig zustopfft den blinden werckheyligen. Es ist eyn frum iunpffer, eyn frum weyb, eyn frum witwen geweßen, ynn allen dreyen stenden yhrer gepuerlichen werck gewarttett. Alßo thu du auch, sihe deynen stand an, so wirstu guter werck gnug zu thun finden, ßo du wilt frum seyn; es hatt eyn iglicher stand werck gnug, das er frembde [Luk. 2, 37] nit darff suchen. Sihe, alsdenn ist das war, das man gott dienett, wie hie Sanct Lucas spricht, Hanna habe gott mit fasten und betten dienet tag und nacht. Aber die wirckeler dienen nit gott, sondern yhn selb, iah dem teuffell, darumb das sie yhrer werck nit wartten und werden abtruenig von yhrem beruff. Sihe, also gar hangt alle guette der werck an den personen und beruffen, dauon auch droben ym Euangelio an S. Johannes tag gesagt ist; darumb sey des itzt gnug. Wollen nu sehen, was diße Hanna geystlich bedeutte.

       Simeon, wie droben gesagt ist, bedeutt die heyligen propheten, die von Christo reden ynn der heyligen schrifft; ßo muß Hanna die bedeutten, die dabeystehen und solchs hoeren und eben dasselb bekennen und von sich [Luk. 2, 38] sagen, wie hie disse Hanna thutt, die dabeysteht, da Simeon redet von Christo. [WA s. 415] Szo ist nu disse Hanna nichts anders denn die heylige Synagoga, das volck von Israel, des leben und geschicht ynn der Biblien geschrieben ist. Denn ym tempel, das ist: ynn der schrifftt, findet sich disse Hanna, unnd gleychwie Maria bedeutt die Christenheytt, das volck gottis nach Christus gepurt, Alßo bedeutt Hanna das volck fur Christus gepurt. Darumb ist Hanna allt unnd ubir hundertt iar nah bey yhrm todt, Maria ist iung unnd nah bey yhrer gepurtt, darumb das die synagoga tzu Christus tzeytt am ende und die kirche am anfang ware. Szo ists nu gesagt alßo viel, das die lieben heyligen fur Christus gepurtt die propheten vorstanden unnd glewbt habenn, und alßo allesampt ynn Christo unnd seynem glawben behallten sind, das auch Christus [Joh. 8, 56] Johannis .8. selber sagt von Abraham: Abraham, ewr vatter, hatt begerd tzu [Luk. 10, 24] sehen meynen tag, Er hatt yhn auch gesehen und sich gefrewett. Item Luce. 10: Vill propheten und kunige haben begerd zu sehen, das yhr sehet und tzu hoeren, [Hebr. 13, 8] das yhr hoeret. Item Paulus Heb. 13: Christus heutte und gistern und [1. Cor. 10, 1 –4] ynn ewickeytt. Und noch viel klerer .l. Cori. 10: Ihr sollt wissen, lieben brueder, das unßer vetter alle sind unter der wolcken geweßen, sind auch alle durch das rotte mehr gangen und sind alle unter den Mosen getaufft ynn der wolcken und mehr, haben auch alle geessen dise geystliche speyß und getruncken disen geystlichen tranck, sie truncken aber von dem felß, der tzukunfftig nach yhn kommen solt, derselb felß ist aber Christus. Diß unnd [WA s. 416] [Hebr. 11, 4 ff.] dergleychen spruech tzeygen, wie fur Christus gepurtt alle heyligen auch ynn Christo, gleych wie wyr, sind selig worden. Und daher ertzelet er Heb. xi. viel exempell yhrß glawbens; von Habel, Enoch, Noe, Abraham, Mose und dergleychen, das alle yhr leben ynn Christo und auff Christum gangen ist, wilchen sie gehoret, durch die propheten vorstanden, geglawbt und seyner tzukunfft gewarttet haben.n

       Daher kompts auch, das alle historien des allten testaments ßo lieplich und hubsch sich auff Christum reymen und allesamptt yhn mit der thatt [Luk. 2, 38] bekennenn, stehen umb yhn her, gleych wie disse Hanna leyplich umb yhn stund, das es grosse lust ist tzu leßen und tzu hoeren, wie sie alle auff den [1. Mose 22, 11 ff.] Christum sehen und tzeygen. Und das wyr der eynß sehen tzum exempel: Isaac wartt von seynem vatter geopffertt und bleyb doch lebendig, kam an seyne statt eyn stier, den sah Abraham hynder sich mit den hornern ym gepusch hangen. Da ist Christus gottis ßon bedeutt, der ist aller ding gleych eynem sterbenden menschen, gestorben am Creutz, und die gottlich natur bleyb doch lebend und wart fur sie geopffert die menschlich natur, wilche wie der stier mit yhren hornern (das ist, mit predigen, darynnen sie stieß unnd strafft das rauch, puschig, unordig volck der schrifftgelerten und priestern) ynn denselben puschen hieng unnd war hynder Abraham tzukunfftig nach yhm. Unnd ist viell groß [1. Mose 37, 27 ff. 39 ff.] dings mehr ynn dißer historien begraben.Item: Das Joseph ynn Aegypten wart vorkaufft und nach seynem gefengnis eyn herr ubir dasselbe land, ist allis auff Christum geschehen und geschrieben, der durch seyn leyden eyn herr ynn aller welt worden ist, und wer mocht ßo viel tzeyt haben, das er alle solch historien auffthett und sehe, wie Samson, Dauid, Salomon, Aaron und dergleychen ßo eygentlich und feyn den Christum al leyn mit allem ernst [WA s. 417] meynen? Darumb hatt S. Lucas allhie eyn wacker worttlin gesetzt, das dieße [Luk. 2, 38] Hanna: Epistosa, das ist: sie stund ubir odder neben und bey solchem geschicht, das da geschach ym tempel mit Christo. Nit wie ym latin steht: superueniens, das sie datzu kommen sey, wiewol es auch war were. Aber ditz ist besser, das sie ubir solchem geschicht gestanden ist; das lautt gleych, als das sie sich hyntzuthan hatt, mit grossem vleyß sich hyntzudrungenn, yhn tzu sehen, gleych als man auff deutsch sagt: Ey, wie dringen sich die leutt ubir dem ding &c.. Alßo thun alle historien der heyligen schrifft ubir Christum, das sie seyn figur sind.

       Doch darynn weren sie nit selig geweßen, und mocht seyn, sie hetten selb nicht alle gewist tzu der tzeytt, das yhr thun auff Christum alßo sich reymete. Denn figurn und deuttungen sind nit gnug den glawben tzu grunden, er muß tzuuor gegrundett seyn mit klarer schrifft, eynfeltiglich vorstanden nach lautt und meynung der wortt. Und alsdenn, nach solchen wortten und grund des glawbens, sind solch deuttung der geschicht auff den glawben zu pawen und yhn damit begissen und stercken. Darumb, wie ich gesagt, ist nitt yhr weßen alleyn Christus figur geweßen, das sie eußerlich gefurtt haben ynn wercken, dadurch niemant were heylig worden, ßondernn sie haben auch ym hertzen glawbt ynn den tzukunfftigen Christum, durch klare spruech und gottis wort, on figurn vorstanden.Als Adam und Heua hatten diße tzusagung [1. Mose 3, 15] nach yhrem fall, da gott sagt tzur schlangen Gen̄. 3: Ich wil eyne feyndschafft [WA s. 418] legen tzwyschen dyr und dem weyb, tzwischen deynem samen und yhrem samen. Er soll dyr deyn hewbt tzurtretten und du wirst seyne fueßsolen tzurtretten. Inn dissem spruch und tzusagung ist Adam und Heua behalten, haben ynn den samen glewbt des weybs, der da solt der schlangen hewbt zutretten, biß [1. Mose 6, 18] auff Noe, der ubirkam weytter eyn ander tzusagen Gen̄. 6, da gott sagt: Ich will meyn bund mit dyr machen. Darumb, da heua gepar yhren ersten ßon Cayn, wartt sie fro und dacht, das were der same, da gott von gesagt hatt, [1. Mose 4, 1] und sprach froelich: Ich habe ubirkommen den man gottis, als solt sie sagen: das wirt der man freylich seyn, der same, der widder die schlangen fechten soll; sie hetten Christum gern gesehen, aber es war noch nitt tzeytt; darnach sah sie wol, das erß nit war, und must yhren glawben weytter strecken auff eyn ander weyb.