Martin
Luther

Weihnachtspostille
1522
Schriften,
10. I.
1. Band
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D.
Martin Luthers Werke Kritische Gesamtausgabe 10. Band Erste Abteilung 1. Hälfte Weimar Hermann
Böhlaus Nachfolger 1910 |
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Schriften, 10. I. 1. Band, Weihnachtspostille
1522
Luther, Martin 1483 –1546
Drescher, Karl
D. Martin Luthers Werke.
Kritische Gesamtausgabe. 10. Band. Erste
Abteilung. 1. Hälfte
Weimar
Hermann Böhlaus Nachfolger 1910
x, 739 p.
[WA s. i]
Einleitendes Material
[Titelseite]
D. Martin Luthers Werke Kritische Gesamtausgabe 10. Band
Erste Abteilung 1. Hälfte
Weimar
Hermann Böhlaus Nachfolger 1910
[WA s. iii]
1910[WA s. iii]
Der vorliegende Band wurde noch unter der Amtsführung meines
Vorgängers Professor Pietsch begonnen, Schwierigkeiten der Ausführung bei der
besonders reichen Textüberlieferung sowie persönliche Behinderungen des
Bearbeiters Professor Köhler-Zürich haben sein Erscheinen bis jetzt
hinausgerückt. Für den Raum unseres Bandes war ursprünglich der Abdruck des
ganzen Winterteiles der Kirchenpostille bestimmt, durch den Umfang der Lesarten
mußte jedoch eine weitere Teilung des Bandes 10 1 und zwar in 10 1 1. und 2.
Hälfte — uns nicht ganz erwünscht — vorgenommen werden. Die Mitverantwortung
für die Lesarten in ihrer jetzigen Form muß ich ablehnen, ich hätte sie
wesentlich vereinfachter gewünscht, wenn sie auch infolge der besonderen
Überlieferung eingehender als sonst üblich verzeichnet werden sollten. Allein,
als ich die Leitung der Lutherausgabe übernahm, war der Variantenapparat schon
zum weitaus größten Teil vollendet, und Professor Köhler konnte sich nicht mehr
entschließen, Änderungen vorzunehmen, nachdem seine Arbeit in der hier
vorgelegten Art soweit vorangeschritten war (vgl. hierzu auch S. IX). In der
Folge werden jedoch auch hier die Lesarten [WA s. iv] vereinfachter und unter
Zusammenfassung der für den jeweiligen Lautstand allgemein giltigen
Gesichtspunkte gegeben werden.
Die wiederum von Professor O. Brenner herrührenden
germanistischen Erläuterungen sind diesmal in den Nachträgen zusammengefaßt.
Der zweite Teil des Bandes 101 wird zunächst den Rest
unseres Textes, ferner die zu dem ganzen Winterteile gehörige Einleitung sowie
die Bibliographie umfassen. Band 21 und 22 Unsrer Ausgabe sollen dann
Sommerteil und Festteil der Kirchenpostille aufnehmen.
Berlin, April 1910.
Karl Drescher.
[WA s. v]
Inhalt.
1910[WA s. v]
Seite
Vorwort III
Einleitung VII
Text 1
Widmung Luthers an Graf Mansfeld 1
Ein klein Unterricht, was man in den
Evangeliis suchen und gewarten soll 8
Epistel zur Messe in der Christnacht, Tit. 2,
11 –15 18
Evangelium in der Christmeß, Luk. 2, 1 –14 58
Epistel in der Früh-Christmeß, Tit. 3, 4 –7 95
Evangelium in der Früh-Christmeß, Luk. 2, 15
–20 128
Epistel am Christtag, Hebr. 1, 1 –12 142
Evangelium in der hohen Christmesse, Joh. 1, 1
–14 180
Epistel am S. Stephans-Tage, Apg. 6, 8 –14 247
Evangelium am S. Stephans-Tage, Matth. 23, 34
–39 270
Epistel am S. Johannes-Tage, Sir. 15, 1 –6 289
Evangelium am S. Johannes-Tage, Joh. 21, 19
–24 305
Epistel am Sonntag nach dem Christtage, Gal.
4, 1 –7 324
Evangelium am Sonntag nach dem Christtage, Luk.
2, 33 –40 379
Epistel am Neujahrstage, Gal. 3, 23 –29 449
Evangelium am Neujahrstage, Luk. 2, 21 504
Epistel am Tage der heiligen drei Könige, Jes.
60, 1 –6 519
Evangelium am Tage der heiligen drei Könige,
Matth. 2, 1 –12 555
Nachträge 729
[WA s. vii]
1910[WA s. vii]
Durch die Forschung von Gustav Bossert (Theol. Studien und
Kritiken 1897: Die Entstehung von Luthers
Wartburgpostille. Kritisch-historische Untersuchungen) ist nach dem
Vorgange von Bertheau und v. Dommer endgültig festgestellt worden, daß von dem Winterteile der Lutherschen Kirchenpostille,
umfassend die Predigten von Advent bis Epiphanien, die Serie der mit Weihnachten beginnenden Predigten (sogen.
Weihnachtspostille) vor der Adventspostille bearbeitet und ausgegeben worden
ist. Bossert erhob die Frage: “Soll in der Weimarer Ausgabe die
Weihnachtspostille vor der Adventspostille gedruckt werden?”, und gab die
Antwort: “vom Standpunkt des Interesses der historischen Forschung wird die
Frage unbedingt bejaht werden müssen.” Aber er stellte sofort die andere Frage
daneben: “Aber gibt es nicht noch andere Gesichtspunkte, welche berücksichtigt
werden müssen und für Beibehaltung der Anordnung in allen Ausgaben mit Ausnahme
der Urdrucke sprechen?” Nach sorgsamer Prüfung beider Fragen haben wir uns zur
Bejahung der ersten entschlossen und der Geschichte damit ihr Recht gegeben;
die “anderen Gesichtspunkte” erwiesen sich als solche wesentlich praktischer
Art, die zurücktreten mußten hinter der grundsätzlichen Forderung
chronologischer Anordnung. Freilich haben sie ihren Tribut dennoch verlangt und
erhalten. Wir sahen uns bei dem Umfange der Kirchenpostille, dem starken
Variantenapparate, den zahlreichen Anmerkungen genötigt, zu teilen; es konnten
nicht Weihnachts- und Adventspostille nacheinander in einem Bande mit
vorausgehender Einleitung geboten werden, die Weihnachtspostille allein
beanspruchte einen Band. Wenn damit die Adventspostille einem zweiten Bande
zugewiesen werden mußte, so ergab sich daraus die weitere Notwendigkeit, diesem
zweiten Bande auch die Einleitung zuzuweisen; denn diese hatte den
Entstehungsprozeß der ganzen Winterpostille vorzuführen, es ist unmöglich oder
nur auf Kosten der Unvollständigkeit oder beständiger Wiederholung möglich, zur
Weihnachts- und Adventspostille jeweilig eine besondere historische Einleitung
zu schreiben, für Luther selbst ist die Winterpostille ein Ganzes gewesen, und
er hat die Adventspostille nie aus dem Auge gelassen, als er die [WA s. viii] Weihnachtspostille
schrieb. So wird der zweite Band mit der Adventspostille die Gesamteinleitung
mit der Bibliographie (diese mit der Einleitung zu verbinden, empfahl sich u.
a. auch um deswillen, weil die Einleitung auf die Bibliographie zurückgreifen
muß) usw. bringen; zur vorläufigen Orientierung kann auf Bosserts Abhandlung
verwiesen werden.
Zur Erläuterung der in vorliegendem Bande gebrauchten Siglen
für die einzelnen Drucke sei folgendes bemerkt:
A = Urdruck d. h. der bei Johann Rhaw (alias
Grunenberg) 1522 erschienene Druck der Weihnachtspostille allein. Er ist
unserer Ausgabe zugrunde gelegt; wo im Texte von ihm abgewichen wurde, ist
seine Lesart im textkritischen Apparate verzeichnet. Ergänzungen im Texte sind
durch [ ] gekennzeichnet.
G bedeutet die weiteren Ausgaben Grunenbergs. Und zwar
G = die Ausgabe der Postille (Predigten von Advent bis
Ostern) von 1525.
G = die Ausgabe der Postille (Predigten von Advent bis
Ostern) von 1527.
G = die Ausgabe der Postille (Predigten von Advent bis
Ostern) von 1528.
P = die Ausgabe der Postille (d. h. der alten
Adventspostille, vgl. Bd. 7, 458 ff. und der Weihnachtspostille) von Adam Petri
1522.
F = die Ausgabe von Amandus Farckall 1523 (ihre
Zusammensetzung ist die gleiche wie bei P).
Lo bedeutet die Ausgaben von Michael Lotther. Und zwar
Lo = die Ausgabe von 1525,
Lo = die Ausgabe von 1526,
Lo = die Ausgabe von 1528,
Lo = die eigenartige, stark selbständige Ausgabe von 1530,
Lo = die Ausgabe von 1531,
Lo = die Ausgabe von 1532,
Lo = die Ausgabe von 1533,
Lo = die Ausgabe von 1535.
Lo enthält die Advents- und die Weihnachtspostille; Lo, Lo,
Lo, Lo, Lo, Lo und Lo enthalten die Predigten von Advent bis Ostern.
Lu bedeutet die Ausgaben von Hans Luft. Und zwar
Lu = die erste Ausgabe von 1528,
Lu = die zweite Ausgabe von 1528,
Lu = die Ausgabe von 1530,
Lu = die Ausgabe von 1532,
Lu = die Ausgabe von 1540,
Lu = die Ausgabe von 1543.
Sämtliche Ausgaben enthalten die Predigten von
Advent bis Ostern.
Wi = die auf dem Titel ohne Angabe des Druckers als
Wittenberger Druck gekennzeichnete Ausgabe von 1526, enthaltend die Predigten
von Advent bis Ostern.
[WA s. ix]
W = die Ausgabe von Nikolaus Wolrab von 1544, enthaltend die
Predigten von Advent bis Ostern.
K = die Ausgaben von Wolph Köpphel. Und zwar
K = die Ausgabe von 1527,
K = die Ausgabe von 1529,
K = die Ausgabe von 1531,
K = die Ausgabe von 1542.
Sämtliche Ausgaben enthalten die Advents- und
Weihnachtspostille, als ersten Teil einer Postille “durch das gantz jar auß”.
S = die Ausgabe von Peter Seitz von 1535. Sie umfaßt die
Predigten von Advent bis Ostern.
Stimmen sämtliche Ausgaben eines Verlegers in der Lesart
überein, so ist nur das einfache Siglum (ohne beigefügte Ziffer) gesetzt; also
z. B. Lo = sämtliche Drucke von Lotther (1 –8), Lu = sämtliche Drucke von Luft
(1 –6), K = sämtliche Drucke von Köpphel (1 –4).
B bedeutet die lateinische Übersetzung der Postille von
Martin Bucer 1525 und 1526. Sie ist in reichem Maße herangezogen worden,
einesteils zur Erläuterung Luthers — sie vertritt hier stellenweise einen
Kommentar — andernteils zur Kennzeichnung Bucers als Übersetzer.
Die Siglen α, β, a, b, c, d, e, f wurden verwandt
für Sonderdrucke gewisser Abschnitte der Postille. So sind S. 88 ff. unter a —f
die Drucke des “Gloria in excelsis deo” gemeint, S. 504. ff. unter α der
Druck: “Auszlegung des Euangelij an des Newen Jares Tag. Luce am andern.”
Breslaw 1523; S. 674 ff. unter α, β die Drucke: “Unterscheyd des
rechten und falschen Gottesdiensts”; S. 725 ff. unter α der Druck: “Vonn
dreyerley Weysze menschenlere zu meydenn.” Breslaw 1523.
Näheres über diese und die übrigen Drucke, sowie eine
Charakterisierung der Bucerschen Übersetzung wird die Bibliographie bezw.
Einleitung zum zweiten Bande bringen.
Der Lesartenapparat ist im vorliegenden Bande
außerordentlich groß. Das erklärt sich einmal daraus, daß die Zahl der zu
berücksichtigenden Drucke noch bei keiner der in unserer Ausgabe
veröffentlichten Lutherschriften so groß war wie in der Postille, sodann
daraus, daß ich mit der Kollationierung schon begonnen, ja, sie vielfach schon
abgeschlossen hatte, als die vereinfachenden Bestimmungen in Bd. 12 und die sie
weiterführenden in Bd. 102 (vgl. Bd. 18) erschienen. Eine Vereinfachung des
schon wesentlich festgestellten Apparates nach diesen Grundsätzen erwies sich
als untunlich. Überflüssige Arbeit ist nicht geleistet, es ist an der Hand des
mitgeteilten Lesartenapparates ein sorgsames Bild der einzelnen Drucke zu
gewinnen ermöglicht, zudem wird im zweiten, die Adventspostille bringenden
Bande O. Brenner seine zusammenfassende Übersicht über die germanistische
Eigenart der Drucke z. T. auch an dem Apparate dieses ersten Bandes erläutern.
Im einzelnen ist meine Kollation so angelegt: in der sogen.
“Widmung” sind sämtliche oben angegebenen Drucke berücksichtigt, und zwar so
eingehend, daß auch die Umlaute (z. B. konig] Koenig) notiert wurden; in dem
“kleinen Unterricht” sind ebenfalls sämtliche Drucke berücksichtigt, aber ohne
Angabe der Umlaute. In den Predigten selbst hingegen ist nur eine Auswahl von
Drucken berücksichtigt, [WA s. x] nämlich P, F, G (die drei Drucke stimmen hier
überein, benutzt wurde das Stuttgarter Exemplar von G), Lo, Lo.7.8, Lu, Lu, W;
die übrigen Drucke sind zu unselbständig, um eine Berücksichtigung weiterhin zu
rechtfertigen. Lu, W wurden separat gesetzt, weil Lu die von Luther selbst
verbesserte, vielfach gekürzte Ausgabe von 1540 darstellt, deren Abweichungen
besondere Beachtung verdienen. W wurde hinzugesetzt, da dieser Druck Lu folgt.
In den Fällen, in denen die Bibelzitate von Lo oder auch anderer Drucke mit LuW
übereinstimmen, wurden die betreffenden Siglen der Einfachheit halber LuW
beigefügt. Stets wiederkehrende Eigentümlichkeiten der Drucke (wie z. B. die
Umwandlung der Endung -ickeit (gerechtickeit) in -igkeit (gerechtigkeit), je
statt ye usw.) wurden nicht angegeben; darüber wird die germanistische Einleitung
Brenners berichten. Die Randbemerkungen (zumeist kurze Inhaltsangaben)
einzelner Drucke wurden, weil unwesentlich, nicht berücksichtigt.
Auf die Anmerkungen habe ich besondere Sorgfalt verwandt;
wenn es nicht gelungen ist, alle Rätsel zu lösen, so hat es wenigstens an
Bemühung dazu nicht gefehlt. Einen Kommentar hatte ich nicht zu geben, sehr
häufig diente, wie gesagt, B zur Erläuterung. Den Herren Professor D. Greving
in Münster, Monsignore D. Nik. Paulus in München, D. Dr. G. Bossert in
Stuttgart habe ich für freundliche Beihilfe zu danken. Nicht minder Herrn
Professor Dr. Drescher für das, oft unter schwierigen Verhältnissen, stets
gezeigte Entgegenkommen.
Zürich
Walther Köhler.
[WA s. 1]
Jhesus.
1522 [WA s. 1]
Dem Edlen und wolgepornenn herrnn, herrn Albrecht Graffen tzu
Mansfellt, herrn tzu Schrappel unnd Helderungen &c. meynem gnedigenn
Herrnn. Martinus Luther. Gnad und frid gottis. Amen. Der heylig konig Dauid, da
er seynes kuniglichen stuels erben eynsetzen wollt, macht er eyn solch ordnung,
das unter seynen kindern der iungist ßon nach yhm das reych gantz alleyn solt
besitzen, damit das kunigreych Israel eynig und untzurtrennet bliebe. [1 Kön.
1, 30 ff.] Unnd wo des selbigen iungstenn ßons stam vorfiele, solt des nehisten
iungsten [WA s. 2] bruders stam an seyn statt sitzen. Alßo macht er Salomonen
seynen iungsten ßon fur allen andern tzum konig, und bleyb das konigreych ynn
Salomonß stam [2. Kön. 11, 1 ff.] biß auff den konig Joas, tzu wilchs zeytten
die wuetige konigyn Athalia, da ynn yhrem ßon Ochosias Salomons stam vorfallenn
war, den gantzen stam Dauids vortilget, das nitt mehr bleyb denn der eynige
funcke Joas, wunderbarlich [2. Sam. 5, 14, Luk. 3, 31] von gott behallten von
dem stam Natan, Salomons iungster bruder, [2. Sam. 7, 12 ff.] umb Christus
willen, der da war Dauid vorsprochen von seynem fleysch und blutt tzu kommen.
Wie wol nu diße ordnung sich ansehen lessit als widderwertig [5. Mose 21, 15
–17] dem gesetz Mosi, wilchs dem erstenn ßon gibt die hirschafft ubir seyne bruder
und tzwey stuck des erbes, ßo war es doch nit da wider, denn Dauids [2. Sam.
13, 1 ff.] erster ßon Ammon war schon erwurgt von seynem bruder Absalom, und
ist vorursacht solch ordnung zu machen, das er sahe, wie sich seyn kinder umbs reych
tzu beerben drungen, doch vil mehr umb Christus willen eyne figur zu bereytten,
wilcher der recht Salomon unter allen gottis kindern der iungst und [Matth. 11,
11] kleynist ist, wie er selb sagt Matt. 11., das keyne grosser sey
auffgestanden [WA s. 3] unter weybes kinden, denn Johannes der teuffer, aber
der kleynist ym hymelreych ist grosser denn er; der selb kleynist ist alleyn
Christus. Niemant ist yhe ßo tieff ernydrigt, Niemant hatt sich selb ßo seher
vorkleynet als Christus, [Matth. 11, 29] daher auch er alleyn thar sagen:
Lernet von myr, ich byn sanfftmutig und demutig von hertzen, wilchs wort hatt
noch mag keyn heylige ymmer mehr sagen, noch die meysterschafft der demut und
sanfftmutickeyt yhm tzu messen. [11. Kor. 11] Sie bleyben alle sampt schuler
unter dißem meyster, alßo das auch S. Paulus, da er zu den Corinther spricht:
Folget myr nach, setzt er bald hyntzu den rechten meyster, und spricht: gleych
wie ich Christo nach folge, das er nit sich als Paulum, ßondern Christum yn
sich und sich yn Christo furbildet. Darumb ist auch nu Christus erhaben und eyn
konig gesetzt fur allen seynen brudern; [Ps. 45, 8] das sind wyr vnd alle
Christen, wie Ps. 44. sagt: Deyn gott hatt dich gesalbet (das ist tzum konige
geweyhet) fur allen deynen mitgenossen, und ist also die figur Salomonis ynn
yhm erfullet, und nit alleyn erfullet, ßondern auch uns tzum exempel gesetzt,
das wyr der Euangelischen lere hewbtstuck an allen ortten [Matth. 23, 12, =
Luk. 14, 11] furgepildet sehen sollen, wilchs da ist, das Christus sagt: Wer
sich demutiget, [WA s. 4] der wirt erhaben. Item: Wer do will unter euch der
grossist seyn, der sey [Luk. 9, 48] der kleynist. Auch das Euangelium ist gantz
nit mehr denn eyn historia von [1. Kor. 2, 2] dem kleynisten ßon gotis und von
seyner vorkleynung, wie Paulus sagt. 1. Cor. 2: Ich hab mich unter euch nichts
lassen duncken, das ich wisse, den Jhesum Christum und den selbigen
gecreutzigt.
Das hab ich,
gnediger herr, darumb eyngefurt, das, syntemal ich myr furgenommen meynes
geblutts lands herrn diß buch zuzuschreyben, nit seltzam wurd angesehen, das
ich wider synnisch der welt nit an den eltisten M. G. herrnn, ßondern an dem
iungsten beydes stammiß ansahe; denn es hatt die artt dißes buchs erfoddert,
darynnen nit mehr denn das kleynist und iungist wirt ymer furgehalten, das ich
auch die vorrehde yhm gleych stellet und ßo vil sichs leyden wolt nit ließe
mißhallen.Da mit ich auch solch lere des Euangeli nit ynn wortten schweben,
ßondern der selbigen tzum wenigsten eyn kleynis wercklin sehen ließe. Syntemal
den grossen herren auff der wellt wol nott ist, die on unterlaß ynn yhrem
forteyl und ansehen yhrer hohe und grosse faren, sie tzu weylen auch nach dem
Euangelio yhres nachteyls und vorkleynung [WA s. 5] fur gott erynnern, wie wol
sie nichts anders denn desselbigen wartzunehmen schuldig und durfftig sind fur
allen andern. Ich solt auch wol lengist als eyn land kind mich gegen E. G.
ertzeygt haben. Es ligt aber das Euangelium auch ym weg und, unangesehen
menschen recht und gut duncken, spricht: Die [Matth. 19, 30, 20, 10] letzten
sind die ersten, und die ersten sind die letzten. Auch ist den mißgonnern [
Und das yhe diße
vorrhede allenthalben dem Euangelio gemeß sey, ist der schreyber auch eyn
vorachtet und vordampte person. Ich bynn von gottis gnaden ynn des Bapsts bann
und aller hohisten ungnaden, datzu yn grossem vormaledeyen und hasß seyner
lieben iunger, das ich hoff, es stehe myr nit ubel an, ditz vorachte, kleyne,
geringe buch des Euangeli von dem kleynisten, vorachtisten kind gottis tzu
handelen, und die hohen, grossen, langen bucher des dreykronigen koniges tzu
Rom tzu lassen, und ob myrs schon nitt wol anstund, Syntemal doch alle hohen
schulen, stifft und kloester an den dreyen kronen hangen und das iungist
kleynist buch, das Euangelium, ligen lassen, [WA s. 6] foddert unnd tzwingt die
nott, das tzum wenigsten eyner des ungekroneten vorachten gottis ßon buch
angreyffe, es gelinge yhm wol odder ubel. Es mag yhe nit gantz mißlingen, E. G.
hatt gesehen die Bulla von Rom unnd das urteyll der Parrhißer, on allen
tzweyffell auß ßonderlicher gottis ordnung beyde außgelassen, das die wellt
greyffen sollt, wie mechtig die warheytt yhre feynde schenden unnd blenden kan
durch eygene werck und wort der selbigen feynd. Meyn wuntsch ist nit geweßen,
das sie alßo groblich narrenn unnd sich schendenn sollten, doch mag ichs wol
leyden, der warheytt tzu gutt, das dem sprichwort gnug geschehe, das da nit
ferne vom Euangelio lauttet: Die gelerten, die vorkereten.Es will das Euangeli
an tag unnd beweyßen, das die weyßen narrenn, die narrenn weyße sind, unnd die
man ketzer schillt Christenn sind, unnd die sich Christen rhumen, ketzer seyen.
Das sag ich darumb G. H., das ich acht, E. G. musse odder werde meynett halben auch villeicht sich eyn wenig rauchs
beyssen lassen und von den hochgelarten klugenn iungernn des Bapsts hoeren, alß
sey ich eyn schand unnd unehr E. G. hirschafft, das ist eyn gering gantz
Euangelisch voracht asschen proddel; denn ßo genaw suchen die heyligen leut
ursach tzu lestern und schmehenn, das sie auch ubir myr die frumen unschuldigen
leutt tzu Sangerhußen der grentz halben nit [WA s. 7] haben muegen ungeschendt
lassen, ßo es doch noch unuorurteyllet ist, ob Cuntz schmid odder der graw sperling
erger ketzer oder katzen sey. Es ist Johannes Huß, Hieronymus von Prag und viel
mehr ynn deutschen landen vorprennet, aber biß auff dißen tag noch nit eyn
harbreyt ubirwunden. Es ist eyn leufftig prophecey vom Endchrist, das er die
Christen soll mit fewr vorprennen, die muß alßo erfullet werden. Darumb wollt
E. G. hie abermal gedencken des Euangelij, das es alles umbkeret und
widdersynnisch gehet. Was sie schand heyssen, das ist ehre, was sie ehre
heyssen, das ist schande, unnd die da vorprennen, [Matth. 5, 22] sind des
fewris wirdig, und die vorprant werden, sind des [WA s. 8] gericht stuls
wirdig, den werden sie auch am iungsten tag besitzen, denn wirt [Ps. 18, 27]
offinbarlich ersehen werden, was da sey, das der prophet Ps. 17. sagt: Mit den vorkereten
vorkeret sich auch gott. Weyll sie widdersynnisch faren unnd richten mit
unrecht, ßo feret er auch unnd richtet widdersynnisch mit recht. Hie mit befilh
ich E. G. und gantze hirschafft sampt allen liebhabernn des Euangeli ynn gottis
gnaden, der sie fur menschen leren gnediglich behuten und auff gottlicher lere
richtig und fest behallten wollt ynn freyem Christlichem glawben, Amen.
Denn was ich
mehr tzur vorrhede sagen wollt, das der brieff nit tzu lange wurde, hab ich
gestellet ynn diße nehist folgende unterricht. E. G. wollt yhr meyn arme
erbietung nit nach wirdickeyt, ßondernn nach gunst gefallen lassen. Geben ynn
der wusten am tage sanct Elisabeth. 1521.
Es ist eyn starcke gewonheytt, das man die Euangelia tzelet
und nennet nach den buchern, unnd spricht, es sind vier Euangelia, daher ists
kommen, das man nit weyß, was .S. Paulus und Petrus ynn yhren Epistelln sagen,
unnd wirt yhr lere gleych geacht alß tzusetze tzur lere der Euangelia, wie auch
eyn prologus Hieronymi sich hoeren lessit. Darnach ist noch eyn erger
gewonheytt, [WA s. 9] das man die Euangelia und Epistel achtet gleych wie
gesetz bucher, darynnen man leren soll was wyr thun sollen, unnd die werck
Christi nit anders denn alß exempel unß furgebildet werdenn. Wo nu diße tzwo
yrrige meynungen ym hertzen bleyben, da mag widder Euangeli noch Epistel
nutzlich unnd Christlich geleßen werden, bleyben eyttel heyden wie vorhynn.
Darumb soll man
wissen, das nur eyn Euangelium ist, aber durch viel Apostel beschrieben. Eyn
iglich Epistel Pauli und Petri, datzu Actuum Luce, ist eyn Euangeli, ob sie wol
nit alle werck und wort Christi ertzelen, ßondernn eynß kurtzer unnd weniger
denn das ander begreyfft. Ist doch auch der grossen vier Euangelia keyniß, das
alle wort unnd werck Christi begreyfft, ist auch nit not. Euangelium ist und
soll nit anders seyn denn eyn rede oder historia von Christo, gleych wie unter
den menschen geschicht, das man eyn buch schreybt von eynem kuenige odder
fursten, was er than und geredt unnd erlitten hatt ynn seynen tagen, wilchs man
auch mancherley weyß mag beschreybenn, eyner ynn die lenge, der ander ynn der
kurtze. Alßo soll und ist das Euangeli nit anders denn eyn Chronica, historia,
legenda, von Christo, wer der sey, was er than, geredt und erlitten habe,
wilchs eyner kurtz, der ander lang, eyner ßonst der ander ßo beschrieben hatt.
Denn auffs kurtzlichst ist das Euangelium eyn rede von Christo, das er gottis
ßon und mensch sey fur unß worden, gestorben unnd aufferstanden, eyn herr ubir
alle ding gesetzt. Szo viel nympt S. Paulus fur sich ynn seynen Epistelln und
streycht das auß, lest anstehen alle die wunder und wandel, die ynn den vier
Euangelijs geschrieben sind, und begreyfft doch gnugsam und reychlich das gantz
vol [Röm. 1, 1 –4] Euangeli, wie das ym gruß ad Ro. klerlich unnd feyn tzu
sehen ist, da er sagt, was das Euangelium sey und spricht: Paulus eyn knecht
Jhesu Christi, [WA s. 10] beruffner Apostel und vorordeneter tzum Euangelio gottis,
wilchs er tzuuor hatt vorsprochen durch seyne propheten ynn der heyligen
schrifft von seynem ßon, der yhm geporn ist auß dem samen Dauid, nach dem
fleysch, der da vorkleret ist eyn ßon gottis ynn der krafft nach dem geyst der
heyligung auß der aufferstehung von den todten, der do ist Jhesus Christus
unßer herr &c..
Da sihestu, das
das Euangelium eyn historia ist von Christo, Gottis und Dauids ßon, gestorben
und aufferstanden unnd tzum herrnn gesetzt, wilchs da ist summa summarum des
Euangeli. Wie nu nit mehr denn eyn Christus ist, ßo ist und mag nit mehr denn
eyn Euangelium seyn. Weyl auch Paulus und Petrus nichts anders denn Christum
leren auff vorgesagte weyße, ßo muegen yhre Epistell nichts anders denn das
Euangelium seyn, Ja auch die propheten, die weyl sie das Euangelium vorkundigt
und von Christo gesagt [Röm. 1, 2] haben, alß hie. S. Paulus meldet und yderman
wol weyß, ßo ist yhr lere an dem selben ortt, da sie von Christo reden, nichts
anders denn das ware lautter recht Euangelium, alß hetts Lucas oder Mattheus
beschrieben, alß do [Jes. 53, 2 ff.] Isaias sagt ca. 53., wie er fur unß
sterben unnd unßer sund tragen sollt, hatt er das lautter Euangelium
geschrieben. Und ich sage fur war, ßo nit yemand dißen wahn vom Euangelio
fasset, der wirt nymmer muegen ynn der schrifft erleucht werden noch den
rechten grund ubirkomen.
Zum andernn, das
du nit auß Christo eynen Mosen machist, alß thu er nit mehr denn lere unnd gebe
exempel wie die andern heyligen thun, alß [WA s. 11] sey das Euangelium eyn
lere oder gesetz buch. Darumb solltu Christum seyn wort, werck und leydenn
tzweyerley weyße fassen. Eyn mal alß eyn exempell dyr furgetragen, dem du
folgen sollt und auch alßo thun, wie .S. Petrus [1. Pet. 4, 1, vergl. 2, 21]
sagt .1. Pet. 4: Christus hatt fur unß gelitten, darynn uns eyn exempel gelassen;
alßo wie du sihest, das er bettet, fastet, den leutten hilfft und liebe ertzeyget,
ßo solltu auch thun dyr und deynem nehisten. Aber das ist das geringst vom
Euangelio, dauon es auch noch nit Euangelium heyssen mag, denn da mit ist
Christus dyr nichts mehr nutz denn eyn ander heylig. Seyn leben bleybt bey yhm
und hilfft dyr noch nichts, und kurtzlich, die weyße macht keynen Christen, es
macht nur gleyßner, es muß noch gar viel hoher mit dyr kommen. Wie wol itzt lange
tzeyt ditz die aller beste weyße, dennoch seltzam geweßen ist zu predigen. Das
hewbtstuck und grund des Euangelij ist, das du Christum tzuuor, ehe du yhn tzum
exempel fassist, auffnehmist unnd erkennist alß eyn gabe und geschenck, das dyr
von gott geben und deyn eygen sey, alßo das, wenn du yhm tzusihest odder
hoerist, das er ettwas thutt odder leydet, das du nit tzweyffellst, er selb
Christus mit solchem thun und leyden sey deyn, darauff du dich nit weniger
muegist vorlassen, denn alß hettistu es than, ia alß werist du der selbige
Christus. Sihe, das heyst das Euangelium recht erkennet, das ist, die
ubirschwencklich gutte gottis, die keyn prophet, keyn Apostel, keyn engel hatt
yhe muegen außreden, keyn hertz yhe gnugsam vorwundern unnd begreyffen, das ist
das grosse fewr der liebe gottis tzu unß, dauon wirt das hertz unnd gewissen
fro, sicher unnd tzufriden, das heyst den [WA s. 12] Christlichen glawben
predigt. Dauon heyst solch predigt Euangelium, das lautt auff deutsch ßo viel,
alß eyn froliche gute trostlich bottschafft, von wilcher bottschafft die
Apostelln genennet werden tzwellff botten.
[Jes. 9, 6] Dauon sagt Isaias. 9: Eyn kind ist uns geporen,
eyn ßon ist uns geben. Ist er uns geben, ßo muß er unßer seyn, ßo mussen wyr
unß auch seyn [Röm. 8, 32] annehmen alß des vnßernn. Und Ro. 8: Wie hatt er unß
nit alle ding sollen geben mit seynem ßon? Sihe, wenn du alßo Christum fassist
alß eyn gabe dyr tzu eygen geben unnd tzweyffillst nit dran, ßo bistu eyn
Christen, der glawbe erloset dich von ßunden, tod und helle, macht, das du alle
ding ubirwindist. Ach, da kan niemant gnug von reden, da ist die klage, das
solch predigt ynn der wellt vorschwigen ist, und doch alle tage das Euangelium gerumet
ist. Wenn du nu Christum alßo hast tzum grund und hewbtgutt deyner selickeytt,
Denne folget das ander stuck, das du auch yhn tzum exempel fassist, ergebist
dich auch alßo deynem nehisten tzu dienen, wie
du sihest, das er sich dyr ergeben hat. Sihe, da gehet denn glawb und
lieb ym schwanck, ist gottis gepott erfullet, der mensch frolich unnd
unerschrocken tzu thun unnd tzu leyden alle ding. Drumb sihe eben drauff,
Christus als eyn gabe nehret deynen glawben und macht dich tzum Christen. Aber
Christus als eyn exempel ubet deyne werck, die machen dich nit Christen, ßondern
sie gehen von dyr Christen schon zuuor gemacht.Wie ferne nu gabe und exempel
sich scheyden, ßo fern scheyden sich auch glawbe und werck, der glawb hatt
nichts [WA s. 13] eygens, ßondern nur Christus werck und leben, Die werck haben
etwas eygen von dyr, sollen aber auch nit deyn eygen, ßondern des nehisten
seyn.
Darumb sihestu,
Euangelium ist eygentlich nit eyn buch der gesetz und gepott, das von uns
foddere unßer thun, ßondern eyn buch der gotlichen vorheyssungen, darynn er uns
vorheyssett, anbeutt und gibt alle seyne gutter und wolthat yn Christo. Das
aber Christus und die Apostoln viell gutter lere geben und das gesetz außlegen,
ist tzu rechnen unter die wolthat wie eyn ander werck Christi, denn recht leren
ist nitt die geringst wolthatt. Darumb sehen wyr auch, das er nit grewlich
dringt und treybt, wie Moses thut ynn seynem buch und des gepots art ist,
ßondern lieblich und fruntlich leret, sagt nur, was tzu thun und lassen sey,
was den ubelthettern und wolthettern begegnen werd, treybt unnd tzwingt niemant,
Ja auch ßo senffte [Matth. 5, 3. 5] leret, das er mehr reytzet denn gepeutt,
hebet an und sagt: Selig sind die armen, Selig sind die sanfftmutigen &c..
Und die Aposteln brauchen auch gemeynicklich der wort: Ich vormane, ich bitte,
ich flehe &c.. Aber Moses der spricht: ich gepiete, ich vorpiete, drewet
und schreckt daneben mit grewlichem straffen und penen. Auß dißem unterrichten
kanstu nutzlich die Euangelia leßen und horen.
Wenn du nu das
Euangeli buch auffthuist, lisest odder horist, wie Christus hie odder dahynn
kommet odder yemandt tzu yhm bracht wirt, solltu da durch vornehmen die predigt
odder das Euangelium, durch wilchs er tzu dyr kommet odder du tzu yhm bracht
wirdist. Denn Euangeli predigen ist [WA s. 14] nichts anders, denn Christum tzu
uns komen odder uns tzu yhm bringenn. Wenn du aber sihest, wie er wirckt unnd
hilfft yderman, tzu dem er kommet unnd die tzu yhm brachtt werden, solltu
wissen, das solchs der glawbe yn dyr wircke und er deyner seelen eben die
selbige hulff und guette an beutt durchs Euangeli. Heltistu hie still und
lessist dyr gutt thun, das ist, ßo du es glewbist, das er dyr wol thu unnd
helff, ßo hastu es gewiß, ßo ist Christus deyn und dyr tzur gabe geschenckt;
darnach ists nott, das du eyn exempel drauß machist und deynem nehisten auch
alßo helffist und thuest, Seyest auch yhm [Jes. 40, 1. 2] tzur gabe und exempel
geben, dauon sagt Isaias 40: Seytt getrost, seytt getrost meyn liebes volck,
spricht ewr herr gott. Sagt yn das hertz Hierusalem und berufft sie, yhr ist
vorgeben yhre sund, Eyn ende hatt yhr missethatt, sie hatt tzwiffach gutt
empfangen von der handt gottis fur alle yhr sunde &c.. [5. Mose 21, 17]
Diße tzwiffach gutter sind die tzwey stuck ynn Christo: Gabe und exempell, wilche
auch sind bedeutt durch die tzwey stuck des erbteylls, die das gesetz Mosi tzu
eygent dem ersten ßon, und durch vil ander figur.
Wie wol es sund
und schand ist, das mit uns Christen dahyn komen ist unnd wyr ßo unvleyssig ym
Euangelio geweßen sind, das myrß nit alleyn nit vorstehen, ßondernn auch aller
erst bedurffen, das man uns mit andern buchern und außlegung tzeyge, was
drynnen tzu suchen und tzu gewartten sey. [WA s. 15] Syntemal die Euangeli und
Epistel der Apostel darumb geschrieben sind, das sie selb solche tzeyger seyn
wollen und uns weyßen ynn die schrifft der propheten und Mosi des allten
testaments, das wyr alda selbs leßen und sehen sollen, wie Christus ynn die
windel thucher gewicklet und yn die krippen gelegt sey, das ist, wie er ynn der
schrifft der propheten vorfassett sey. Da sollt unßer studirn und leßen sich
uben und sehen, was Christus sey, wo tzu er geben sey, wie er vorsprochen sey,
und wie sich alle schrifft auff yhn tziehe, als er selb [Joh. 5, 46] sagt
Johan. 5: Wenn yhr Mosi glewbetet, ßo glewbetet yhr auch myr, denn [Joh. 5, 39]
von myr hatt er geschrieben. Item: forschet und suchet die schrifft, denn die [Röm.
1, 2] selbige ists, die von myr getzeugniß gibt. Das meynet sanct Paulus Ro.
1., da er ynn forn an ym gruß spricht, Das Euangeli sey von gott vorsprochen durch
die propheten ynn der heyligen schrifft. Daher geschichts, das die Euangelisten
unnd Apostel ymer dar uns ynn die schrifft weyßen unnd sprechen: Alßo ists geschrieben. Item: das ist
geschehen, das die schrifft der propheten [Apg. 17, 11] erfullet wurden
&c.. Und Act. 17. da die Tessalonier das Euangeli mit aller lust horten,
spricht Lucas, das sie haben ynn der schrifft gestudirt und [1 Petri 1, 10 –12]
geforschet tag und nacht, obs alßo war were. Alßo da S. Petrus seyn Epistol schreyb,
mitten ym anfang spricht er: Von dissem ewrem heyll habenn die [WA s. 16]
propheten sich beforschet, die da von dißer gnad ynn euch geweyssagt haben und
ersucht, auff wilche odder waßer tzeyt yhn tzeychete der geyst Christi, der ynn
yhn war, und vorkundigt durch sie die leyden, ßo do sind ynn Christo, und die
nachfolgende klarheyt, wilchen es auch ist offenbart, denn nit yhn selbs,
ßondern uns haben sie solche ding dargethan, wilche itzt sind gepredigt unter
euch durch den heyligen geyst, der vom hymel gesand ist, wilche ding auch die
engel begeren tzuschawen. Was will hie mit S. Petrus, denn uns ynn die schrifft
furen? als solt er sagen: wyr predigen und offenen euch die schrifft, durch den
heyligen geyst, das yhr selbs mugt leßen unnd sehen, was [Apg. 3, 24 [!]]
drynnen ist, unnd von wilcher tzeytt die propheten geschrieben habenn, wie er [Luk.
24, 45] auch sagt Act. 4: Von dissen tagen haben alle propheten geredt, von
Samuel an, die da yhe geweyssagt haben. Drumb spricht auch Lucas Luc. ult., das
Christus hab den Apostoln den vorstand auffthan, das sie die schrifft
vorstunden. [Joh. 10, 2 ff.] Und Christus Johan. x. sagt: Er sey die thuer,
durch yhn muß man eyngehn, und wer durch yhn eyngeht, dem thut uff der
thuerwarter (der heylig geyst), [WA s. 17] das er findet weyde und selickeyt.
Alßo das endlich war ist, wie das Euangeli selbs tzeyger und unterrichter ist
ynn die schrifft, gleych wie ich mit dißer vorrede gerne das Euangelium tzeygen
und unterricht geben wollt.
Aber sihe tzu,
wie feyn tzart frume kinder wyr sind; auff das wyr nit durfften ynn der
schrifft studirn und Christum alda lernen, halten wyr das gantz allte testament
vor nichts, als das nu auß sey und nichts mehr gelte, ßo es doch alleyn den
namen hatt, das es heylige schrifft heyst, Und Euangeli eygentlich nitt
schrifft, ßondern mundlich wort seyn solt, das die schrifft erfur truge, wie
Christus und die Apostel than haben; Darumb auch Christus selbs nichts
geschrieben, ßondern nur geredt hatt, und seyn lere nit schrifft, sonder
Euangeli, das ist eyn gutt botschafft odder vorkundigung genennet hatt, das nit
mit der feddernn, ßondern mit dem mund soll getrieben werden. Alßo faren wyr tzu
und machen auß dem Euangeli eyn gesetz buch, eyn gepott lare, auß Christo eynen
Mosen, auß dem helffer nur eynen lerer. Was solt nit gott vorhencken ubir solch
thum vorkeret volck? Es ist billich, das er uns ynn des Bapsts lere unnd
menschen lugen hatt faren lassen, da wyr seyne schrifft liessen faren und an
statt heyliger schrifft eyns lugenhafftigen narren und boßen schalcks Decretales
lernen musten. O wollt gott, das bey den Christen doch das lautter Euangeli
bekant were, und diße meyne erbeyt nur auffs schrifft kein nutz noch nott
wurde, ßo were gewiß hoffnung, das [WA s. 18] auch die heylige schrifft widder
erfur keme ynn yhre wirdickeytt. Das sey gnug tzur vorrhede und unterricht
auffs kurtzist gesagt, ynn der außlegung wollen wyr mehr davon sagen. AMEN.
Jhesus.
1522[WA s. 18]
Es ist erschynen die gnad gottis und unßers
seligmachers fur allen menschen unnd leret uns, das wyr sollen absagen dem
ungottlichen weßen und weltlichen begirdenn, das wyr nuchternn, rechtfertig und
gottlich leben ynn dißer welt, und warten der seligen hoffnung und tzukunfft
der klarheyt des grossen gottis und unßers seligmachers Jhesu Christi, wilcher
sich selb hat fur uns gegeben, auff das er uns erloßet von aller
ungerechtickeyt unnd reynigette yhm eyn erb volck, das da emsig were tzu gutten
wercken. Solchs predige und ermane ynn Christo Jhesu unßernn herrnn.
[Neh. 4, 16 ff.] Es ist geschrieben ynn dem buch Nehemie
.4., da sie Hierusalem widder baweten, das sie mit eyner hand bawettenn, ynn
der ander hand eyn schwerdt hetten umb der feynd willen, die den baw hyndernn wolten;
das legt [Tit. 1, 9.] S. Paulus ad Tit. 1. alßo auß, das eyn Bischoff, pfarrer
odder prediger soll mechtig seyn ynn der heyligen schrifft tzu leren und
vormanen, datzu auch den widdersprechern tzu weren; Alßo das man das wort
gottis brauche ynn [WA s. 19] zweyer weyß, alß des brots und als des schwerds,
tzu speyssen und tzu streyten, tzu frids und tzu kriegs tzeytten, und alßo mit
eyner hand die Christenheyt baw, bessere, lere, speyße, mit der andernn dem
teuffel, den ketzernn, der wellt widderstand thue. Dan wo nit wehre ist, da
hatt der teuffel die weyde bald vorterbet, wilcher er gar feynd ist. Drumb
wollen wyr, ßo gott gnade gibt, die Euangelia auch der massen handellnn, das
wyr nit alleyn unßer seelen drynnen weyden, sondernn auch die selben alß eynen
harnisch leren anthun und damit fechten wider alle feynde, auff das wyr mit
weyde und wapen gerust seyn.
Zum ersten leret
S. Paulus ynn dißer Epistelnn, was Titus und eyn iglicher prediger dem volck
predigen sol: Nemlich Christum und nichts anders, das das volck erkenne, was
Christus sey, warumb er kummen sey, und was [Tit. 2, 11] er uns fur frucht
geschafft hatt, und spricht: Es ist erschienen die gnad gottis &c.., das
ist, sie ist offenbart und vorkleret.Wie ist das tzugangen? Durch die Apostell
und yhre prediger ist sie vorkundigt yn aller wellt, denn ehe Christus
aufferstund, war sie nach vorporgen und Christus alleyn ym Judischen land
wandelt noch unuorkleret; Aber nach seyner auffart hatt er [Joh. 16, 14] den
heyligen geyst geben, von dem er tzuuor gesagt. Johan. 16.: Der geyst der
warheyt, den ich senden wird, der wirt mich vorkleren. Ist nu die meynung des
apostels: Christus ist kummen, nit das er alleyn fur sich selb [WA s. 20] hie
auff erden wandellt, sondernn uns tzu gutt; drumb hatt ers auch nit bey und yn
yhm bleyben lassen noch behalten, sondernn nach seyner auffart lassen vorkundigen,
predigen, sagen, offentlich ynn aller wellt fur yderman solch seyne gutte und
gnade. Auch solch offenbarung und vorkundigung nit thun lassen, das alleyn dabey
bleybe und nur eyn rede odder gehoere sey, sondernn frucht bringe ynn uns. Denn
es ist eyn solch offenbarung und vorkundigunge, die uns weyßet, das wyr sollen
absagen, vorsachen und ablegen allis, was ungottlich ist, und alle yrdische
weltliche lusten oder begirden, und also hynfurt eyn nuchtern, rechtfertig,
gotlich leben fueren.
[Tit. 2, 11.] Der recht text hatt also: Es ist erschienen
die heylwerttige gnade gottis &c.. Damit er der welt und menschen gnade
vordampt, als die do sey schedlich, vordamlich und untuchtig, will dadurch uns
tzu begirden der gotlichen gunst und gnaden raytzen und uns leren vorachten
menschlich gunst unnd gnaden. Denn wer gottis gnaden und gunst haben will, der
muß sich aller [Matth. 10, 22.] ander gnaden und gunst erwegen, wie er selb
sagt Matt. 10: yhr werdet umb [Ps. 53, 6.] meynis namens willen von allen
menschen gehasset werden, Und Ps. 52.: Gott hatt yhr gepeyn tzurstorett, die
denn menschen gefallen wollen. Und Paulus [Gal. 1, 10.] Gal. 1.: Wenn ich denn
menschen hett bißher wollen gefallen, ßo were ich nit [Tit. 2, 11.] Christus
knecht. Drumb wo die heylpar gnade gottis erscheynd und vorkundigt wirt, da muß
die schedlich gnade der menschen vorschwigen und vortunckelt [WA s. 21] werden,
und wer ihne will erkennen und schmecken, der muß dieße vorachten und
vorgessen.
[Tit. 2, 11] Er spricht, sie sey fur allen menschen
erschynen oder vorkundigt; [
Mochst aber
sagen: ist doch das nit geschehen zu der Apostel tzeyt, ist doch deutschland
bey acht hundert iaren nach den Apostelnn bekeret worden, und itzt newlich viel
inseln und land funden, wilchen nichts bißher ynn funffzehenden hundert iaren
erschienen ist von solcher gnaden?2 Antwort: der [WA s. 22] Apostel redt von
der artt deß Euangelium; denn es ist eyn solch prediget, die alßo angefangen
ist und datzu verordnet, das sie ynn alle welt kummen solt, und zu der Aposteln
zeyt schon ynß groste und beste teyl der welt kummen war. Aber vorhin ist kein
predigt der art angefangen noch vorordnet; denn das gesetz Mosi war vorfasset
ynß iudissche volck allein. Drumb weyl das meyste dran geschehen was und
vollend geschehen must, wie es dennoch geschicht, so nennet es die schrifft alß
sey es geschehen; denn die schrift hat ein weiß zu reden, die hyest Synecdoche
fast gemein, das ist, wen man von eynem gantzen ding redet, des nur eyn stuck
alßo ist . Alß das Christus drey tag und drey nacht ym grab sey gelegen, so er
doch nur eynen tag, zwo nacht, [Matth. 23, 37.] und zwey stuck von zweyen tagen
drynnen lag. Alßo spricht er Matt. 23., Hierusalem steynige die propheten, ßo
doch eyn groß teyl frummer leut drynnen [WA s. 23] waren. Alßo spricht man, die
geystlichen seyn geytzig, ßo doch viel frummer unter ihn sind, und ist eyn fast
gemeyne weyß yn allen sprachen also reden, ßonderlich in der heyligen schrifft.
Also ist das Euangelium zu der zeyt allen creaturn prediget; denn es ist ein
solch predigt, die fur alle creaturen tzu kummen außgangen, angefangen und
vorordent ist. Auff die weyße mocht eyn furst sagen, wenn seyn botschafft
abgeferttigt an seynem hoff und hinnauß auff die straß kummen ist: die
botschafft ist dahyn, zu dem oder zu dem, so sie doch noch nit gar dahyn ist. Alßo
hatt gott seyn Euangelium auch fur allen creaturn lassen außgehen, obß wol nit
ßo bald allis geschehen. Drumb [Ps. 19, 5.] hatt der prophet Ps. 18. nemlich
gesagt: In alle land ist außgangen yhre stym, spricht nit: in alle land ist sie
schon kummen, ßondernn: sie ist auff dem wege und gaht auß yn alle landt. Alßo
meynt Paulus auch, es werd gepredigt und werd offenbar on unterlaß fur allen
menschen, unnd ist schon auff der ban und geschehen, doch nit gar.
[Tit. 2, 11] Zwey stuck leret uns solcher gnad erscheynen,
als hie S. Pau. sagt: entsagen dem ungottlichen weßen und weltlichen lusten,
die mussen wyr [WA s. 24] vorkleren. Das wortlin Impietas, das der Apostell
auff kriechis nennet Asebia, unnd auff hebreichs heysset Resa, kan ich mit
keynem deutschen wort erlangen, drumb hab ichs genennet eyn ungotlich weßen,
wiewol auch das latinisch unnd krichisch nit erlangt gnuglich das hebreisch.
Denn Resa heyst eygentlich die sund, das man got nit ehret, das ist, das man
yhm nit glewbt, trawet, furcht sich, yhm nit ehr gibt, yhn nit lessit walden
und eyn gott seyn; yn wilcher sund wol tieff sticken die groben euszernn
sunder, aber viel tieffer die weyssen, heyligen, gelerten, geystlichen, die fur
der welt und yhn selbs frum seyn, auff yhre werck bawen, kurtzlich, alle, die
nit auff die blosse gutte und gnade gottis sich ergeben und leben, sind alle
Impij, ungottlich, ob sie gleych fur grosser heylickeyt todten auffweckten,
Junpfrawen und aller tugent voll weren. Ich mocht gernn, das man sie nennet
gnadloß oder glawbloß menschen; wolan, wyr wollen sie nennen gottloß, denn
darumb spricht Paulus, [Tit. 2, 11.] das die heylwertig gnade sey erschienen
den gnadloßen menschen, auff das sie gnadreich unnd gottreich wurden, das ist,
das sie gott glawben, trawen, furchten, ehren, lieben und lobe, unnd alßo das
ungotlich weßen ynn eyn gotlich weßen kereten.
Denn was were es
nutz, das die heylwertige gnade gottis erschiene, ßo yemand durch etwas anders
furnehm frum tzu werden odder gottlich weßen [WA s. 25] tzu furen? Szo hie s.
Paul. sagt, sie sey darumb gepredigt und offenbart, das [Tit. 2, 12.] wyr nit
durch uns noch auß uns selb, sondernn durch sie sollen absagen dem ungottlichen
weßen und hinfurt gottlich leben; darumb schmeht niemand dieselb gnad hoher,
widderspricht auch solcher erscheynung niemant grewlicher denn die gleyßner und
gotloße heyligen, die nit wollen yhr
ding lassen nichts, sund und vordampt seyn, finden noch viel guttis ynn yhn
selbs und wircken on gnad viel vordienste nach yhrer gutten meynung, alß sie
dunckt. Aber got will keyn werck gut achten, ist auch nit gutt, das er selb nit
ynn uns wirckt durch sein gnade; darumb das er derselben viel wircke ynn uns
allen, [Tit. 2, 11] und unßere werck auffhoeren, hatt er seyn heylwertige gnade
fur allen menschen offenbart.
Szo ist nu das
erst boeß stuck aller menschen, das sie gotloß, heylloß, gnadloß seynn, darynn
begriffen wirt tzum ersten das glawbloß hertz, darnach alle gedancken, wort,
werck und gantzes leben, das auß unnd ynn solchem glawbloßen hertzen gefuret
wirt, das der mensch, yhm selb gelassen, nur auß naturlichem vormuegen und
vornunfft lebt unnd wandlet, wilchs doch ßo schon und groß etwan gleysset, das
auch die rechten heyligen nitt so gleyssenn. Aber darynnen suchen sie nur yhr
eygenthun, muegen auch nit got tzu ehren leben und wandelnn, ob sie gleych sich
des rumen, stellen und duncken lassen mehr denn die rechten heyligen, dauon die
schrifft viel sagt; denn es ist gar eyn großweytleufftig, doch seher subtiel
ubel solch gotloß gnadloß weßen, das die, ßo drynnen wandellnn, nymer muegen
erkennen, glewbens auch nit, ßo mans [WA s. 26] [Ps. 32, 2.] yhnen sagt, das
der prophet Ps. 31. nennett es nit eynn vornunfftig, weltlich, fleyschlich,
sondernn eyn geystliche list, die nit alleyn die vornunfft, ßondernn auch den
geyst des menschen betreugt. Und kurtzlich, man muß es mehr glawben denn
fuelen; denn ßo gott seyn gnad lest vorkundigen allen menschen, das sie sollen
absagen dem gottloßen weßen, muß man yhm glawben, als dem, der unser hertz baß
erkennet denn wyr, und bekennen, wenn nit unser ding gotloß, vordamlich were,
ßo wurd er gnade nit lassen außschreyen solchs tzu wenden. Es were eyn narr,
der eyn ertzney gebe dem, der nit krang were. Drumb muß gott tzu eynem narren
werden fur denen, die nach yhrem guttduncken und fuelen wollen glawben, das
alle yhr ding gotloß, vordamlich unnd seyner heylwertigen gnaden durfftig sey,
das gar schrecklich [Matth. 21, 32 ff.] ist. Drumb spricht er Matt. 21: Wie die
ubirsten priester, gelerten und geystlichen nitt haben geglawbt johanni dem
tauffer, der sie hieß buße thun, aber sie wolten von keyner sund wissen. Alle
propheten sind hirob erwurgt, das sie das volck umb diße sund strafften, aber
niemand wolt yhn glauben, meynet niemant, das solch sund ynn yhn were; denn sie
richten nach yhrem fuelen und duncken und wercken, nit nach gottis wort und
gericht, das er durch die propheten furtrug.
[Tit. 2, 12.] Drumb setzt S. Paul. hie gar ein wacker wort
auff kriechiß: Pedefusa, [WA s. 27] das heyst unterweyßen, wie man die kinder
unterweyset, von neweß an, das sie vorhyn nie gehort noch erkennet haben, wilch
auch nit nach yhrer vornunfft, ßondernn nach dem wort des vatters sich richten,
was derselb ihn nutzlich oder schedlich deuttet, das halten sie alßo, glawben
und folgen yhm. Aber den vorstendigen und grossen tzeygt man ursach an, das sie
mit der vornunfft begreyffen, was nutz oder unnutz. Solche kinder will auch tzu
schuelernn haben die heylwertige gnad gottis, das, obs uns nit dunckt, doch yhr
glewben sollen, das unßer weßen gotloß und vordamlich sey, und alßo die gnad
empfahen [Matth. 18, 3.] unnd yhr folgen. Darumb spricht wol Christus Mat. 18.:
Werdet yhr nit umkeret und gleych wie die iungen kinder, so muegt yhr nit
eyngahn yn das [Jes. 7, 9.] hymelreich. Und Isaie. 7.: Wo yhr nit glewbt, ßo
muegt yhr nit bestehen. [Tit. 2, 11. 12.] Alßo erscheynet die gotliche
heylwertige gnade, nit alleyn uns tzu helffen, ßondernn leret auch uns
erkennen, das wir yhr durffen, dieweyl sie mit yhrem erscheynen antzeygt, das
alle unßer weßen ungottlich, gnadloß, vordampt [Ps. 119, 29 ff.] sey; daher
bitt ßo fast der Ps. 118., das gott yhn wolt seyn gericht, seyn gesetz, seyn
gepot leren, auff das er ia nit nach seynem gutduncken und fuelen [5. Mose 12,
8.] wandlet, wie das got vorpotten hat Deut. 12.: Du solt nit thun, was dich recht
dunckt.
[Tit. 2, 12] Das ander boß stuck ynn menschen nennet er die
weltlichen begirden, begreyfft darynn alle das unordige weßen, das eynn mensch
gegen sich selb [WA s. 28] und seynen nehisten füret, gleych wie das erst das
gotloße weßen begreyfft, alle unordnung gegen got. Sihe aber tzu, wie dapffer
auch diße wort gesetzt sind: Begird, weltlich; denn weltlich nennet er sie, das
er alle boße begird begreiff, es sey der gutter, lust ehre, gunst, und als, was
die weltt haben mag, daryn sich eyn mensch vorsundigen mag mit begirden. Auch
ßo spricht er nit, das wyr sollen absagen den weltlichen guttern oder yhrem
brauch; die gutter sind gut und gottis creaturn, ßo mussen wyr yhreß diensts
geprauchen tzu essen, trincken, kleydernn und andere noddurfft, ist der auch
keynis vorpotten, ßondernn die begirde
derselben, das ankleben, der anhang, das ist [Tit. 2, 13.] vorpotten, dem
mussen wir absagen; denn dasselb fueret uns ynn alle sund widder uns selb und
unßernn nehisten.
Auch wirt damit
aber der gotloßen gleyßner weßen vordampt, wilch, ob sie wol ynn schaffs
kleydernn gahn und etwa boß that lassen anstehen auß furcht der schand oder
helle peyn, ßo sticken sie doch voller boßer begirden des guts, der ehre, der
gewalt; Und ist kein mensch, der diß leben ßo fast liebt, den todt so seher
furcht und so gernn hie auff dißer welt bleybt, alß dieselben; noch achten sie
solcher weltlichen begirden, daryn sie ersoffen sind, nicht, thun vil werck nur
vorgebens. Es ist nit gnug hie alleyn die weltlichen werck oder wort abzuthun,
es sollen die weltlichen begirden abseyn, das wir dißes lebens und allis, das
drynnen ist, nur brauchen und seyn nit achten, nur hynauß [WA s. 29] [Tit. 2,
13.] gedencken yn ihenis leben, wie dan folget in dißer epist., das wir warten
sollen der zukunfft &c..
Hie sehen wir
aber, das die gnad gots offenbart, wie alle menschen voller weltlicher begirde
sticken, ob gleych etlich dieselben mit gleyßen bergen. Denn wenn yemand
derselben on were, ßo durfft die gnad nit offenbart seyn worden, durfft auch
nit heylwertig seyn, solt auch nit allen menschen erschienen seyn, auch nit
weyßen, das solch begirden abtzulegen seyen; denn wer sie nit hat, darff sie
nit ablegen, den trifft auch dißer spruch Pauli nit. Er muß auch keyn mensch
seyn, ßo ist yhm die gnad auch nit nodt nach nutz, darff yhm nit erscheynen.
Was mag er denn seynn? an tzweyffel ein teuffel, ewig vordampt mit aller seiner
heilickeit und reinickeit. Wiewol, wenn sie alle weltlich begird bergen, so
muegen sie doch die nit bergen, das sie gernn yn dissem leben bleyben, ungern
sterben, damit sie antzeygen, wie gnadloß sie seyn und alle yhr weßen gotloß
und welltsuchtig sey, noch sehen sie nit yn solch yhren gnadloßen ferlichen
geprechen.
[Tit. 2, 12.] Er spricht auch: Wyr sollen absagen oder
entsagen; damit er vil nerrischer weyß abethut, die durch menschen erfunden
sind frum zu werden.Denn ettlich lauffen yn die wusten, etlich yn kloster,
etlich sondernn sich von den leutten und geben fur mit leyplicher flucht dem
ungotlichem weßen und weltlichen [WA s. 30] lusten entlauffen. Etlich mit
marternn und vorterbung des leybs, das sie ihm mit hunger, durst, wachen,
kleydernn, erbeyt haben mehr zuthan, denn die natur tragen kundt; ia, wenn das
gotloßen weßen und weltliche begirde weren an des hauß wand gemalet, so mochstu
drauß lauffen, oder weren in den rotten rock gestrickt, szo mochstu yhn
auszthun und ein grawen anthun, odder wuchßen dyr ynn denn haren, ßo mochstu
dich lassen bescheren und eyn platten machen, odder werenn ynß brott gepacken,
ßo mochstu wurtzell dafur essenn. Nu sie aber ynn deym hertzen sticken und dich
durch unnd durch besitzen, wo wiltu hyn lauffen, dahyn du dich nit mitnehmist?
Was wiltu anthun, da du nit unterbleybist? Was wiltu essen und trincken, da du
nit bey seyest? Kurtzlich, Was wiltu thun, da du nit selbst seyest, wie du an
dyr selbst bist? Lieber mensch, die großt reytzung ist ynn dyr und must von dyr
[Jak. 1, 14.] selbs am ersten lauffen und fliehen, wie s. Jacob sagt: Eyn
iglicher sundigt von seyner selbs begirden gereytzet und vorfurtt.
Darumb ists nit
die meynung, das man alleyn die eußerlich ursach tzu [Tit. 2, 12.] sundenn
fliehe, sondernn, wie hie S. Paulus sagt: Abgesagt soll es seyn, das die
begirdenn ynn uns getodtet werden, ßo mag uns keyn eußerlich reytzung schaden;
das ist recht geflohen. Szo die nit getodtet werden, ßo hilfft keyn fliehen
eußerliche reytzunge. Ja, wyr mussen bleyben mitten unter den reytzungen und
alda leren durch die gnad absagen den begirden und gotloßen weßen, wie [WA s. 31]
[Ps. 110, 1.] der Ps. 109.: Du sollt hirschen odder obligen mitten unter deynen
feynden, streyt, nit fliehen, erbeyt, nit ruge muß hie seyn, sollen wyr die
kron erwerben. Szo leßen wyr von eynem alltuatter, der mocht ym kloster nit
bleyben fur unleyden der reytzungen, gedacht ynn der wusten mitt frid gott tzu
dienen; da er nu drynnen war, fiel yhm eyn mal seyn wasserkruglin umb; Er
richts widder auff, es fiel aber umb, da wart er tzornig und tzuwarff den krug
auff eyntzelen stucken, da schlug er ynn sich selb. Sih, sprach er, Ich kann
mit mir alleyn nit frid haben, nu sihe ich, das ynn myr der geprechen ist, und
hynn widder ynß kloster, gab sich ynn leyden der reytzung, und leret hynfurt
nit mit fliehen, ßondernn mit absagunge die weltlichen begirdenn dempffen.
[Tit. 2, 12.] Weytter tzeygt er, wie wyr leben sollen nach
abgesagtem gotloßen weßen und weltlicher begirden, und spricht, das wyr
nuchtern, rechtfertig, gottlich leben auff dießer welt. Wie gar eyn feyn gemeyn
regel und leben gibt er allen stenden gemeß und ebenn. Richtet keyne secten
auff, macht keyn unterscheyd unter den
menschen, wie die menschenlere thun. Das erst ist nuchterkeyt, darynnen er
allis begreyfft, was den menschen betrifft gegen yhm selbs zu thun, wilchs
stett darynnen, das er seynen eygen leyb casteye und woll tziehe. Unßer text
nennet solchs allen enden Nuchterkeyt, das S. Paulus [WA s. 32] sophron nennet
auff kriechisch, wilchs nitt alleyn nuchterkeytt, ßondernn messickeytt heysset
ynn allem wandel des leybs odder fleyschiß, alß da ist: essen, trincken,
schlaffen, kleydernn, wortten, gesicht, geperdenn, wilchs man auff deutsch
nennet eyn erber leben und eyn woll getzogen mensch, das sich ynn allen solchen
stucken weyß feyn messig, tzuchtig und tapffer tzu hallten, das nit der mensch
eyn wild, frech, frey, unordig weßen fuere, ynn fressen, sauffen, [Tit. 2, 3.
4] schlaffen, wortten, gesicht, und geperdenn. Alßo spricht er auch droben, das
die allten matron sollen die iungen weyber leren und tzihen tzu solcher
erberkeyt und redlickeyt.
War ists, das
fressen, sauffen und voll seyn solchs erber leben am aller meysten hyndert und
vorstoret, widerumb nuechternn seyn eyn groß fodderung und hulff datzu ist.
Denn ßo bald der mensch tzu voll ist, mag er nymmer bey yhm selb bleyben,
werden alle funff synn wild und ungetzogenn, wie die erfarung leret, das, wenn
der bauch voll speyß und tranck ist, ßo ist das maul auch voll wort, die oren
voll lust tzu horen, die augen voll lust tzu sehen, der gantz leyb fawl,
schlefferig und unlustig oder alltzu wild und wust, und alle gelid gleych auß
der tzucht und vornunfft getretten und keyn regiment [Tit. 2, 12] noch maß mehr
da ist. Darumb ists nit gantz ubel ynn unßerm text vorlatinischt: Nuchterkeyt,
denn auch ynn kriecher sprach Asotos unnd sophron gegen ander lautten, wie ym
deutschen vollerey und messickeytt. Auch wenn man das latin recht ansihet, ßo
heyst sobrius nit alßo nuchternn, das man des morgens nichts gessen odder
getruncken habe, Szondernn sobrius und ebrius sindt auch gegen ander, wie ym
deutschen trunckenheyt odder vollerey und [WA s. 33] nuchterkeyt. Auch wir
deutschen den nuchtern heyssen, der nit truncken odder voll ist, ßondern feyn
bey yhm selbs und messig, ob er gleych gessen und truncken hat.
Nu sihe, was der
Apostell fur gutt werck lere; er heysset nit wallen, lauffen, vorpeutt nit
disse odder disse speyß, leret nit solch odder solch kleyder tragen, nit den
odder den tag fasten, wie die thun, die durch menschen gesetz sich selbs
außschiessen und yhr geystlich gutt leben ynn verstellung der kleyder, der
speyß, der hahr, der tag grundenn, wollen damit frum seyn, das sie nit ynn
gemeyner weyß faren mit kleydernn, stetten, speyssen, tzeytten, geperden, und
haben eynen rechten namen ym Euangelio, das sie Pharisei, die außgeschossen [Ps.
80, 14] oder abgesonderten [heissen], Wilch der prophet Ps. 79. nennett Monios,
das heyst: eyn sonderling, das heyssen sie fur wilde sew, die alleyne und sonderlich
geht; wyr wollen sie hynfurt auch sonderlinge nennen, das man sie erkenne
muege. Sie vorwusten auch grewlich den gottis weynberg, wie derselb [Ps. 80, 9
ff.] psalm klagt; denn solch pharisei und sonderlinge mit yhren auffsatzen und ßonder
erwelten eygnen kleydernn, speysen, tagen, geperden, gleyssen seher und tzihen
leychtlich den hauffen von der rechten straß auff yhre wege, das, wie [Matth.
24, 24] Christus sagt, auch die außerweleten nit fur yhn bleyben muegen.
Drumb last unß
hie lernen von S. Paulo, das keyn speyße, keyn tranck, [WA s. 34] keyn farbe,
keyn kleyd, keyn tag, keyn geperde vorpotten noch bestympt ist, ßondern ist
alles frey yderman, nur das man nuchtern und messig sich [Tit. 2, 12] drynnen
hallt. Nit seyn die ding vorpotten, (wie droben gesagt,) ßondern die unordnung,
der ubirfluß, der mißprauch ist vorpotten. Wo aber ist eyn ßonderung und
außtzihen der speyß, kleyder, stett, tage, da seyn gewißlich menschengesetz,
und ist die Euangelisch Christliche lere und freyheyt nit, und wirt tzuletzt
nur heucheley und gleyssen drauß, werden doch nit messig noch nuechternn. Drumb
brauch alliß dings auff erden, wilchs, wenn und wo du [Tit. 2, 12] wilt, und
danck gott, wie S. Paulus leret, hutt dich nur fur ubirfluß, unordnung,
mißprauch odder untzucht ynn denselben, ßo gehistu die rechte strasse; laß dich
nit yrren, das heylige vetter haben orden und secten eyngesetzt, solch und
solch speyß und kleyder tragen, ßo und
ßo than. Sie habens nit than, sich außtzußondern fur andernn, sie weren sonst
nit heylig, ßondernn es hatt yhn ßo wol gefallen, und yhr messickeyt daryn
geubt; ube du sie auch, warinn du willt, und bleybe frey, bind dich nit an
solche weyßen und weßen, alß seyen es rechte wege eynß gutten lebens; denn du
wirst eyn ßonderling und vorleurist die gemeynschafft der heyligenn, da hutt
dich fur mit vleyß fasten muß man, wachen muß man, erbeytten muß man, gering
kleyder tragen muß man. &c.. Aber thu das, wenn dich dunckt deyn leyp tzu
casteyen und messigen bedarff, setze nitt benante tag odder stett datzu,
ßondern thu es, [WA s. 35] wilchen tag es die nodt und messickeyt foddert, das
heyst denn recht fasten und ist alle tag gefastet, und den welltlichen begirden
absagen; ßo leret das Euangelium, das ist des newen testaments volck.
[Tit. 2, 12.] Das ander, das wyr ym leben seyn sollen
rechtfertig, da wirtt aber keyn werck noch tzeyt bestympt und außgeßondert, das
yhe die gottis strasse frey und gemeyn bleybe, unnd wirt alliß heymgestellet
ynn eyniß iglichen eygen auffsehen, das er recht thu, frey, wenn, wo, und
wilchem sichs begibt zu thun. Denn ynn dißem stuck leret S. Paulus, wie wyr unß
gegen [Matth. 7, 12] unßerm nehisten hallten sollen, dem seyn wyr gerechtickeyt
schuldig, die steet ynn den tzweyen, das wyr yhm thun, was wyr wollten von yhm
unß than haben, und lassen, was wyr von yhm wollen gelassen habenn, das ist, ßo
wyr yhm keyn schaden noch leyd thun an seynem leybe, weybe, kinden, freunden,
gutt, ehren und allem, das seyn ist, widderumb yhm helffen und beystehen, wo
wyr sehen, das er unßer darff, mit leyb, gutt, ehre, und allem, das unßer ist;
denn gerechtickeyt ist, das man thut eym yeden, was yhm gepurt. O wie eyn kleyn
wortt ist das, und ßo weytt umb sich greyfft, o wie wenig [Tit. 2, 11. 12]
wandeln disenn weg der gerechtickeyt, die doch ßonst wol leben!4 Alle ding thun
wyr, on solchs, was die heylwertig gnade unß offenbart und weyßet tzu thun.
Diß stuck muß
man alßo außbreytten, das auch unßer feynd durch den nehisten vorstanden werde.
Aber dießer weg ist gantz vorwachßen, viel mehr denn der weg der messickeytt,
wiewol auch derselb durch speyß, kleyder, geperd, prangen ßo ubirschwencklich
und mehr denn ubirflussig eyngerissen gantz vorwustet ist und ungebenett ligt,
effen und nerren unß doch dieweyl mit [WA s. 36] rosenkrentzen, mit kirchen und
lehen stifften, mit meß hoeren, mit feyern und unßer eygen wercklin, da got
nichts von gepotten hatt. O herr gott, [Jes. 5, 14.] wie weyt hatt die hell den
rachen auffgethan, alß Isaias 5. sagt, und wie eng ist die hymelthur worden
durch die vorfluchten lere und fundle der ßonderlingen und phariseen! Die maler
sind propheten, tzeygen unwissend an, wie die sach itzt steht, sie malen die
hell eyn weytt offnen trachenmaul, unnd die hymelthur tzugeschlossen . O wehe
des bildiß! Darumb darffstu nit fragen, was du thun sollt eußerlich: sihe auff deynen
nehisten, da wirstu tzu thun finden, wenn deyner tausent weren. Vorfure dich
nur selb nit, denck nur nitt, das du mit beten und kirchen gehen odder stifften
und gedechnißen wirst gen hymel kummen, ßo du fur deynem nehisten fur
ubirgehist; gehist du hie fur yhm ubir, ßo wirt er dortt ym weg ligen, das du
must widder fur der hymelpfortten ubirgehn, wie der reych [Luk. 16, 19 ff.]
man, der den Lasarum ließ liegen fur seyner thur. O wehe unß pfaffen, [WA s. 37]
Monichen, Bischoffen und Bapst, was predigen wyr? was leren wyr? wie [Matth.
15, 14., Luk. 16, 39] fueren wyr das arm volck von der straß?! Eyn blind furet
den andernn, fallen [Tit. 2, 15] beyde ynn die gruben. Solch ding sollt man
leren, wie auch S. Paulus am end der Episteln sagt.
[Tit. 2, 12] Das dritte stuck, das wyr gottlich leben, das
leret, wie wyr unß gegen gott hallten sollen, ßo seynn wyr volkommen geschickt
gegen unß selb, gegen unßern nehisten, gegen gott. Nu wie droben gnug gesagt
ist, Impietas sey das ungottlich, gnadloß, gotloße weßen, Alßo ist widderumb
pietas das gottlich, gnadreich, glewbichß weßen, das stett ynn dem, das man
gott traw, alleyn auff seynn gnade baw, keynn werck nitt achte, es werd den von
yhm ynn unß mit gnaden gewirckt, das er ynn
unß alßo erkennett, dadurch geehret, gerumbt, gelobt, und geliebt werde.
Und stett kurtzlich ynn den tzweyen, [Ps. 34, 9 10, Ps. 147, 11] das wyr yhn
furchten und yhm trawen, wie Ps. 33. und. 146 singt: Gott hat eyn wolgefallen
ubir die, die yhn furchten und trawen auff seyne barmhertzickeyt. Die furcht
ist, das wyr glewben, all unßer ding sey eyn ungottlich weßen, wie unß seyner
gnaden erscheynen tzeygt, darumb wyr unß fur yhm furchten und auß solchem weßen
eylen tzu kummen und hynfurt dauor unß hueten. Die traw ist, das wyr nit
tzweyffelln, er woll unß gnedig seyn und [WA s. 38] gottlich, gnadreich
menschen machen. Sihe, alßdenn lest der mensch gott den tzawm, ergibt sich yhm
tzu eygen, thutt nichts auß yhm selber, lest gott ynn yhm walden und wircken,
das alle seyn sorg, furcht, bitten und begird ist on unterlaß, das yhn yhe gott
nit laße seyn selbs werck und leben fueren, wilchs er erkennett gotloß und
tzornß werd seyn, ßondernn wolt yhn regieren und ynn yhm mit gnaden wircken;
davon wechst denn eyn gutt gewissen, lieb und lob tzu gott. Sihe, das heyssen
pij, gottreyche, gnadreiche menschen, die nit ynn vornunfft noch natur,
ßondernn alleyn ynn gottis gnaden wandelnn und trawen, alltzeytt furchten, das
sie ia nit erauß fallen ynn yhr vornunfft, eygen dunckel, gutte meynung, und
selb erdachten werck; [Ps. 119] dauon hat Dauid den gantzen Ps. 118. macht, da
alle verß dasselb bitten, der doch wol hundert sechs unnd siebentzig sind, ßo
groß liegt an dießem gottlichen wege. Unnd ßo ferlich stellet yhm nach die
natur, vornunfft und menschen lere, das niemant gnugsam sich furchten und
hutten kan.
Sihe, alßo
foddert gott nit von dyr kirchen pawen, wallen, stifften, meßhoeren, diß oder
das, Szondernn eyn solchs hertz und leben, das ynn seynen gnaden geht und sich
furcht fur andernn wegen und leben, die außer der gnaden gahn. Nit mehr kanstu
yhm geben, denn das ander gibt er allis [Ps. 50, 7 –15] dyr, wie er spricht Ps.
49.: O Israel, meynstu, das ich nach deynen gaben [WA s. 39] unnd opffernn
frage, ists doch vorhynn meyn alliß, was ynn hymel und erden ist, das ist meyn
dinst, das du mich lobist und gebst myr deyn gelubd, ruffist mich an ynn deynen
nodten, ßo will ich dyr helffen, ßo ehristu mich, alß sollt er sagen: du hast
myr gelobd, ich soll deyn gott seyn, das hallt auch, laß mich ynn dyr wircken,
wirck du nichts eygenß, laß mich dyr helffen ynn deynen notten, vorsihe dich
alliß dings tzu myr, das ichs gar alleyn thu, was du lebist, ßo kanstu mich und
meyn gnad erkennen, lieben und loben, das ist die recht straß tzur selickeyt,
ßonst, wenn du selbist wirckist, ßo lobistu dich auch selbiß und achtist meyn
nit, lessist mich nit deyn gott seyn, wirst trewloß und brichst deyn gelubd
&c.. Sihe, das ist der rechte gottis dienst, datzu man keyner glocken,
keyner kirchen, keyneß geseß noch tzyerd, keyner lichte noch kertzen, keyner
orgelln noch gesang, keyniß gemelds noch bildiß, keyner taffellnn noch altar,
keyner blatten noch kappen, keyniß reuchernn noch bsprengen, keyner proceß noch
creutzgangß, keiniß ablaß noch brieffs bedarff. Denn das sind alliß menschen
fundle und auffsetz, die gott nit acht, und den rechten gottisdienst mit yhrem
gleyssen vordunckeln. Es darff nur eynerley, des Euangeli, das man das wol treybe,
und darauß solchen gottis dienst dem volck bekand mache, das ist die rechte
glock und orgelln tzu dießem gottis dienst.
[Tit. 2, 12] Er spricht auch, wyr sollen alßo leben auff
dießer wellt. Zum ersten: Darumb, das nit mit wercken sey außgericht, es soll
das gantz leben alßo [Matth. 10, 22; 24, 13,
Aber vill mehr
sagt er darumb: ynn dißer wellt, anzuzeygen die krafft der heylwertigen gnaden
gottis, das die wellt ßo boeß ist, das eyn gotlich mensch gleych alleyn, on
exempel, wie eyn roß unter den dornen leben muß unnd von yhr allerley ungluck,
vorachten, schand unnd sund leyden. Alß sollt er sagen: wer nuchternn,
rechtfertig, gotlich leben will, der muß sich [1. Mose 13, 12. 13] erwegen
aller feyndschafft und das kreutz an sich nehmen; Muß sich nit [WA s. 41]
lassen yrren, ob er gleych allein, wei Loth tzu Sodoma und Abraham ynn Canaan,
unter eyttelln, vollen, truncken, untzuechtigen, ungerechten, falschen, ungotlichen
menschen sollt leben. Es ist die wellt und bleybt wellt, der muß er sich
eußernn unnd widdersinnisch leben, sie straffen ynn yhren welltlichen begirden.
Sich, das heyst mitten ym schenckhawß nuchternn, mitten ym boßen hawß tzuchtig,
mittem ym tantzhawß gotlich, mitten ynn der mordgrubenn gutlich leben. Solch
wellt macht denn diß leben enge unnd vordrießlich, das der mensch wunscht,
schreyet und rufft nach dem tod unnd iungsten tag und warttet desselben mit
grossem sehnen, wie folget. Eyn solch schwere leben muß die gnade furen. Natur
unnd vornunfft ist hie vorlorenn.
Da tzeygt er an eyn rechten unterscheyd eyniß gotlichen
lebenß von allen andern leben, dabey eyn iglicher mag fulen, wie nah oder fern
er sey von eynem gnadenreychen leben. Tret ertzu alle, die do wol leben, und
last unß fragen, ob yhn diße wortt gefallen, ob sie ßo geschickt seyn, das sie wartten
des iungsten tags, und ob sie nit alleyn denselben fur eyn treglich, ßondernn
auch fur eyn selig ding achten, des mit hohen begirden und trostlicher tzuuorsicht
tzu hoffen sey. Ists nitt war, das alle menschlich natur fur dem tag sich
entsetzt? Ists nit war, wenß an yhn lege, ßo wollten sie der tag keme nymmer
mehr? und tzuuor die gleyßnenden heyligen.Wo ist [WA s. 42] denn nu die natur?
wo ist die vornunfft? wo ist der frey wille, den sie ruemen tzum guten geneygt
unnd krefftig?1 Warumb fleugt er dann unnd entsetzt sich nit alleyn fur dissem
guttenn, ßondernn auch fur der gottis ehre und [Tit. 2, 13] selickeyt, die der
Apostell hie nennet eyn selige hoffnung, darynn wyr selig sollen werden? Was
hyndert yhn hie denn, das er hie mit beschlossen wirt, er fur eyn gottloß,
gnadloß, vordamlich leben, das er doch außer ansehenß disses tags nit will
lassen boß und ungotlich seyn? Was ist ungottlicher, denn widder gottis willen
streben? Strebt aber der nit widder gottis willen, der dissen tag, darynnen
gottis ehre soll offinbar werden, fleugt und nit mit lieb und lust warttet?
Darumb schaw
drauff, wer dißes tags nit begerd, mitt lieb und lust nitt warttet, der ist nit
ynn eynem gottlichen leben, wenn er gleych todten auffweckt; ßo mochstu
sprechen: Ja, ßo wurden wenig menschen ynn eynem rechten leben seyn, tzuuor die
ßonderlinge und geystlichen, die mehr den tag und tod fliehen denn alle andere.
Das ist, das ich droben gesagt hab, wie dieselben ßonderlinge nur sich und
andere von der rechte ban furen unnd gottis wege vorstoren. Denn hie sihet man
klar, wie gar nichts die vornunfft und natur vormag mit allen yhren wercken,
denn gott nur widderstreben, unnd wie nodt sey die heylwertig gnade, das unßer
werck abfallen und gott alleyn ynn unß wircke, das wyr alßo auß unß und unßerm
gnadloßen weßen kummen ynn eyn ubirnaturlich, gnadreich, gotlich leben, das
sich nit alleyn nitt furchte fur dissem tag, ßondernn auch desselben mit
freuden und vorlangen sehenlich und trostlich wartte, wie dauon droben ynn des
andernn sontags [WA s. 43] Euangelio ist weytter gesagt. Sihe, das leret unß
nit die natur noch [Tit. 2, 11]
vornunfft, ßondern die erscheynend gottis gnade. Sihe, dieselb macht nit alleyn,
das wyr den welltlichen begirden absagen, ßondern auch, das wyr eyn grewel an
yhn haben, von yhn tzu seyn begeren und des gantzen lebenß ubirdrussig werden,
datzu eyn gotlich weßen anricht ynn unß, das wyr ynn aller tzuuorsicht tzu gott
mitt freuden bitten unnd hoffen seyne tzukunfft. Alßo soll es gethan seyn umb
unß.
[Tit. 2, 13] Nu laß unß die wort bewiegen.Er nennet es eyn
selige hoffnung; das setzt er gegen dißem elenden unseligen leben, darynnen nit
mehr denn alle ungluck, fahr unnd sunde unß iagen und marttern, ßo wyr wollen
frum seyn, das billich allis, was hie ist, unß soll vordrießlich seyn und solch
[Tit. 2, 12] hoffnung stercken, allß denn auch denen geschicht, die sich
redlich uben, nuchtern, rechtfertig, unnd gotlich tzu leben. Denn die wellt
leydet sie nitt [Röm. 5, 3 —5] lange, mussen allen leutten ungenehm seyn, wie
Paulus Ro. 5. sagt: Wyr lassen unß die vorfolgung eyn kostlich ding seynn und
rumen unß derselben; denn wyr wissen, das die voruolgung ist nutz, die gedult
zu leren, die gedult aber macht unß bewerdt, die bewerung aber macht unß
hoffen, die hoffnung lest unß nit tzu schanden werden. Alßo stehen unßer augen
tzugethan fur den welltlichen, sichtlichen dingen und hoffen gegen die ewigen,
unsichtlichen dingen; das macht allis die gnade durch das Creutz, dareyn unß
bringt das gotlich leben, das der wellt unleydlich ist.
[WA s. 44]
Die tzukunfft nennet S. Paulus Epiphaniam, das ist,
erscheynung [Tit. 2, 11] odder offinbarung, wie er droben die gnade erscheynen
und offinbart gesagt hat: Epephane &c.. Drumb ist das wortlin tzukunfft
nitt gnugsam ym latin. Denn der Apostell will eyn unterscheyd machen dißer
letzten tzukunfft von der ersten. Die erst ist gewest ynn demut und vorachtung,
das yhn auch wenig erkennet haben, unnd ist der wellt nitt weytter denn ym
glawben durchs Euangelium offenbart worden. Er ist noch ymer vorporgen. Aber am
iungsten tag wirt er erscheynen ynn heller offenbarer klarheyt und ehre, das seyne
klarheyt unnd ehre wirtt allen creaturn offinbar seyn und ewiglich also offinbar
bleyben. Denn der iungist tag wirt eyn ewiger tag seyn, wie er am ersten
augenblick erscheynet, da wirts allis offen stehenn, alle hertzen, alle ding;
das heyset er die erscheynung seyner klarheyt oder seyner ehre, da wirt man
nymmer predigen noch glewben, da wirt yderman sehen unnd fulen, [Tit. 2, 13]
wie am hellen tage, alle ding. Drumb spricht er auch: Des grossen gottis. Nit
das etwa eyn ander gott sey, der do kleyn sey, ßondern, das got biß an den tag
noch nit ertzeygt hatt seyne groesse, seyne Maiestet, seyn glorie, seyne klarheyt;
itzt sihet man yhn ym Euangelio unnd glawben, das ist, eyn kleyn eng gesicht,
da ist got kleyn und wenig begriffen. Aber dann wirt er sich sehen lassen nach
seyner groesse und Maiestett. [WA s. 45]
[Tit. 2, 12] Das seyn trostliche wort allen, die do
nuechtern, rechtfertig, gotlich leben; denn er spricht, die klarheyt werd nitt
seyn unßers feynds oder richterß, ßondern unßerß seligmacherß Jhesu Christi,
der unß alßdann volkomlich wirt selig machen und auch darumb den tag hallten
und ßo groß erscheynen will, das er unß erloße vonn dißer wellt, darynnen wyr
ßo viel leyden mussen umbs gutten lebens und seynen willen. Auff das wyr,
angesehen solche tzukunfft und groß ehrlich erloßen, deste kecker und
troestlicher der wellt vorfolgung, marter, schand, schaden und todt ertragen
mugen und bestendiger ym gotlichen leben beharren, mit vorlassen und trotzen
auff solchen seligmacher Jhesum Christum. Widderumb schrecklich seyn die wort
den wellthertzen und gotloßen menschen, die nit wollen der wellt vorfolgung
umbs gotlichen lebens willen leyden, ßondern wollen hie leben mit friden und
alßo frum seyn, das yhn niemant soll feynd oder schweer seyn. Aber die
rauchloßen, frechen, vorstockten menschen achten dieße wort nit, fulen sie auch
nitt, dencken auch nitt an den tag tzu kummen, die lauffen wie die tollen
thier, blind und unbedacht, ynn dißen tag und abgrund der hellenn. Mochtist nu
fragen: Wie komme ich den tzu solchem gotlichen weßen, das ich des tags alßo
muge wartten, dieweyl meyn natur und vornunfft solchs fleugt und nitt vormag? Da
merck nu, was da folgett:
Denn darumb sind die ding dyr ßo groß vorgelegt, das du
musist erkennen und bekennen deyn unmugen, an dyr selbs gantz und gar
vorzweyffelln, [WA s. 46] und alßo ynn rechtem grund und warheyt gedemutigt,
dich erkennen, wie du nichts seyest, ungotlich, gnadloß, heyloß leben furist;
sihe, die demutigung leret die erschienen gnad durchs Euangelium, und dieselb
demut macht dich recht gnadgyrig und heylsuchtig; wo aber solch demutig
gnadgyrickeyt ist, da ist der gnaden die thur auffgethan, da bleybt sie nit
aussen, wie S. Petrus sagt [1. Pet. 5, 5] .1. Pe. 5.: Gott widersteht den
hohmutigen und gibt seyn gnad den demutigen, [Matth. 23, 12 Luk. 14, 11 18, 14]
und Christus viel mal ym Euangelio gesagt hat: wer sich erhebt, der wirt gedemutiget,
wer sich demutigt, der wirt erhohet &c.. Drumb wirt dyr nu [Tit. 2, 11] das
selig Euangelium furgehallten unnd lessit dyr die heylwertig gnade leuchten und
erscheynen, was du weytter thun sollt, das du nit vortzagist; dann das ist das
Euangelium, das ist das liecht und erscheynen der gnad, das der Apostell hie
sagett, nemlich, das Christus sich selb hatt fur unß gebenn .&c.. Drumb
hore tzu, das Euangelium, thu auff deyns hertzen augen [Tit. 2, 11] unnd laß
die heylwertig gnade erscheynen, dich erleuchten und leren, wie du thun sollt;
das ist die predigt, die fur alle menschen vorkundigt ist, wie er droben sagt,
und alhie vorkleret sich selb, was die erschienen gnad sey.
Denn du sollt
den yrrthum weytt von dyr thun, das du meinist, du horist nit das Euangelium,
wenn du die Epistell S. Pauli horist odder S. Peters; laß dich den namen
Epistell nit yrren. Es ist das bloß Euangelium [WA s. 47] allis, was S. Paulus
ynn seynen Epistelln schreybt, wie erß selb nennet Ro. 1. und .1. Cor. 4. Ja,
ich thar sagen, das ynn S. Paulß Epistell das Euangelium [Röm. 1, 15. 16, 1.
Kor. 4, 1] klerer und liechter ist, denn ynn den vier Euangelistenn. Denn die
vier Euangelisten haben Christus leben und wort beschrieben, wilche doch nitt vorstanden
sind biß nach der tzukunfft des heyligen geysts, der yhn vorkleret, [Joh.16,13.14]
wie er selb sagt. Aber S. Paulus schreybt nichts von dem leben Christi, druckt
aber klar auß, warumb er kummen sey, und wie man seyn brauchen soll.
Was ist das
Euangelium anders, denn die predigt, das Christus hab sich selb geben fur unß,
das er unß erloeßet von sunden, das alle, die das glewben, sollen gewißlich
auch ßo erloeset seyn. Und alßo an yhn selbs vortzweyffelln, sich nur alleyn an
Christo hallten und auff yhn vorlassen; wilchs ist gar eyn liepliche,
trostliche rede, geht auch wol eyn ynn solch an yhn selb vortzagte hertzen.
Drumb heyst Euangelium auff deutsch eyn susse, gutte, gnedige bottschafft, die
eyn betrubt, erschrocken hertz erfrewet und erhebt.
Drumb sihe nu
tzu, das du nur glewbist, das war sey, was der Apostell durchs Euangelium dyr
sagt: Nemlich, das Christus sich selb fur dich geben hatt, das er dich erloßet
von aller ungerechtickeyt und macht dich reyn zu eynem eygen erbe. Hie folgt
tzum ersten, das du must glewben und bekennen, das alle deyn weßen sey unreyn
und ungerecht, außer Christo unnd ynn dyr selb, must natur, vornunfft, kunst
und frey will lassen nichts seyn, sonst wurdistu diß Euangelium lugenstraffenn.
Denn Christus nach lautt des [WA s. 48] [Matth. 9, 13] Euangeli hatt sich nitt
geben fur die gerechten und reynen. Were gerechtickeyt und reynickeyt da
geweßen, Warumb sollt er sich dafur umbsonst geben haben? Es were eyn nerrisch
geben geweßenn. Zum andern, mustu auch glewben, das war sey, er hab sich fur
dich geben, das durch seyn geben deyn unreynickeit und unrechtickeyt soll
abthan werden, und du durch yhn reyn und gerecht werdenn. Glewbistu das, ßo
wirckt derselb glawb sollichs allis; Denn seyn geben fur dich mag auff keyn
anderß weyße dich reynigen und [Apg. 15, 9] recht machen, denn durch solchen
glawben, wie S. Peter sagt act. 15.: Durch den glawben macht er die hertzen
reyn; drumb sihestu auch, das man dyr Christum nitt gibt ynn die hand, legt yhn
nitt ynn den kasten, steckt dyr nitt ynn bußen, gibt dyr ynn nitt ynß maul,
ßondern man tregt dyr yhn fur, alleyn mit dem wort und Euangelij, unnd hellt
yhn durch deyn oren fur deyn hertz, und beutt dyr yhn an, alß denen, der fur
dich, fur deyn unrechttickeyt, fur deyn unreynickeyt sich geben hat; drumb
kanstu yhn auch mitt keynem andern, denn mit dem hertzen auffnehmen, das thustu
wenn du auffthuist unnd sprichst mit hertzen, ya ich glewb es fey alßo. Sihe
alßo geht er durchs Euangeli zu den oren
eyn ynn deyn hertz und wonet alda durch deynen glawben, da bistu denn reyn und
gerecht, nit durch deyn thun, ßondernn durch den gast, den du ym hertzen durch
den glawbenn hast empfangen. Sihe, wie reych kostlich gutter das sind. [WA s. 49]
Wenn nu solch
glawb ynn dyr ist, und du nu Christum hast ym hertzen, darffistu nitt dencken,
das er bloeß, arm kumme. Er bringt mit sich seyn leben, geyst, und allis, was
er ist, hat und vormag. Drumb spricht S. Paulus, das der geyst werd geben umb
keyner werck willen, ßondern umb solchs Euangelium willen; wenn das kumpt, ßo
bringts Christum, Christus [2. Tim. 1, 9 10] bringt mit sich seynen geyst, da
wirtt denn der mensch new und gotlich, allis, [Tit. 3, 5] was er denn thut, ist
wol than. Er geht auch nit mussig; denn der glawb ruget und feyrt nit, thut und
redt von Christo on unterlaß, ßo wirtt denn die wellt erweckt wider yhn, die
wills nit horen noch leyden; da geht denn das creutz an, unnd das Creutz macht
denn diß leben vordrießlich und den [Tit. 2, 11] iungisten tag begirlich. Sihe,
das ist das Euangelij und erscheynen der heylwertigen gnade gottis.
Wie mag nu eynem
solchen hertzen der iungist tag unnd sterben erschrecklich seyn? wer will yhm
thun, ßo der grosse got und seligmacher Jhesus Christus, des der iungist tag
ist, auff seyner seytten und fur yhn stett, mit aller seyner klarheyt, große,
maiestet und macht? Es ist nit eyn ander, der den iun[g]sten tag wirtt hallten,
denn eben der, der sich selb fur unß geben hatt; ßo wirtt er yhe sich selb nit
leugnen und wirt bekennen, er hab sich selb fur deyn sund geben, wie du
glewbist. Was will denn die [WA s. 50] sund thun, wenn der richter selb
bekennet, er hab sie weggenummen durch sich selbs? Wer will da anklagen? wer
will den richter urteyllenn? wer will yhn ubirwinden? Er gillt mehr denn
untzelich wellt mit allen sunden; wenn er nit sich selbs, ßondern etwas anderß
hett dafur geben, ßo mocht man sich dennoch viel vorsehen; was will aber nu
schrecken, ßo er sich selb dafur geben hat? Es must ehe er selb vordampt
werden, ehe die sund sollt den vordamnen, fur den er sich geben hatt. O groß
gewisse sicherheyt ist hie! Es ligt nur am glawben, das der fest sey und nitt
wancke, Christus wirtt freylich nitt wancken, Er ist fest genug. Drumb sollten
wyr den glawben wol treyben und uben mit predigen, wircken und leyden, das er
bewerdt und fest wurd; denn die werck werden hie nitt helffen, der boß geyst
wirt auch nur den glawben anstossen, weyß wol, das gar daran ligt. O, das wyr
unßer gutter nit erkennen und das Euangelij mit der heylwertigen gnade gottis lassen
ßo liegen ym finsternisse! Wehe abermal euch Bapst, Bischoff, Pfaffen und
munich, was macht yhr ynn der kirchen und auff den Cancelln! Wollen nu die
wortt ynn ßonderheyt bewiegenn.
Er hatt sich selb geben, nit fur sich, ßondern fur unß, tzu
erloeßen; ßo ists gewiß, das wyr gefangen geweßen sind; wie seyn wyr denn ßo
frech und undanckbar und geben dem freyen willen und vornunfft der natur nach
so [WA s. 51] viel?! Sagen wyr, das etwas ynn unß nit gefangen sey ynn sunden,
ßo thun wyr eyn schmach seyner gnaden, die unß erloeßet hat nach lautt des
Euangeli. Wer kan etwas guttis thun, der ynn sunden und unreynickeyt gefangen
ligt? Es scheynet wol gutt seyn unßer ding, aber es ist nitt gutt ynn der
warheyt, odder das Euangelium muß liegen mit Christo.
Unrechtickeyt nennet er Anomias, das ist eygentlich alliß,
was nit nach dem gesetz gottis gaht, und begreyfft beyde ubirtrettung, des
geysts und leybs, des geysts durch das gotloße weßen, das impietas heysset, des
leybs durch die welltlichen begirden; drumb setzt er datzu: Aller, das er
beyde, leybs unnd seel sund und unrecht begreyff, das Christus unß gar unnd
gantz erloeße; das ist gesagt gegen die werckheyligen und ßonderlinge, die
erloeßen sich selb und andere durch gesetz oder yhre vornunfft und freyen wille
von etlichen unrechtickeytten, das ist, die eußern werck lassen und weren sie
wol durch gepott, peyn, straff, oder lohn und genieß, aber das ist der schawm
von der ungerechtickeyt, das hertz bleybt dennoch voll ungotlichs gnadloß
weßens und welltlicher begirden, unnd sind widder an leyb noch seel gerecht.
Christus aber durch den glawben erloeßet von aller ungerechtickeyt, macht unß
wider [WA s. 52] frey zu leben gotlich und hymlisch, das wyr fur gefenckniß der
ungerechtickeyt nit vormochten.
Die sund thut tzween schaden, den ersten, das sie unß
gefangen nimpt, das wyr nichts gutts thun noch erkennen noch wollen mugen,
berawbt unß alßo der freyheyt, des liechts unnd der krafft. Darauß folgett ßo
bald der ander schad, das wyr vom gutten alßo vorlassen, nichts denn eyttell
sund [2. Mose 1, 8 ff.] unnd unreyniß mussen wircken und dem hellischen Pharao
seyn land tzu Aegypten bawen mit sawr schwerer erbeytt. Wenn nu Christus kumpt
durch den glawben, ßo erloeßet er unß von dem gefenckniß Aegypti, macht unß
frey, gibt krafft gutts zu thun; das ist der erst gewynn. Darnach ist die gantz
ubung unßerß lebenß, das wyr die unreynickeyt des gnadloßen, welltlichenn weßens
außfegen auß leyb unnd seel, das diß gantz leben biß ynn den tod sey nit anderß
denn eyn reynigung. Denn der glawb, ob er unß wol erloeßet auff eyn mal von
aller schuld des gesetzs und macht unß frey, ßo bleyben doch noch ubrig boeße
neygung yn leyb und seel, gleych wie der stanck und kranckeyt vom gefenckniß;
damit erbeyt sich der glawb, allis gantz zu reynigen, [Joh. 11, 43. 44] gleych
wie ym Euangelio Joan. 11. Lasarus wart mit eyner stym vom tod erweckt, aber
das todtentuch und bindten must man darnach auch abethun, [Luk. 10, 34. 35] und
der halbtod mensch, den der Samaritan vorpand und heymbracht, must ym stall eyn
weyl liegen und gantz gesund werdenn. [WA s. 53]
Das wortlin periusion heysset etwas eygenß, wie eyn
ßonderlich eygen erbgutt odder habe besessen wirtt. Denn gottis volck wirtt ynn
der schrifft gottis erbgutt genennet, das, wie eyn hawßuatter seyn erbgut
erbeyt, ubet und bessert, alßo Christus auch durch den glawben unßer erbherr,
treybt und erbeyt unß, das wyr teglich besser unnd fruchtparer werdenn. Sihe,
alßo macht der glawb unß nit alleyn frey von sunden, sondern auch Christo tzum eygen
erbgutt, des er sich alß des seynen annympt und beschutzt. Wer mag unß denn
schaden, ßo eyn solcher grosser gott unßer erbherr ist?
Das wir seyn erbgut seyn, ist gesagt gegen das gotloße
weßen, das wyr aber sollen emsig seyn ynn gutten, ist gesagt gegen die
welltlichen begirden; alßo das wyr durch eyn gotlich weßenn und leben seyn
eygen erbe seyn und durch nuchternn und rechtfertig leben gutte werck thun,
durchs erb yhm dienen, durch gute werck unßernn nehisten und unß, doch ehe eyn
erb, den gutt werck; denn gutt werck geschehen nit on eyn gotlich weßen, und
spricht, wyr sollen emsig seyn, zelote, das ist, das eyner den andern ymer
furtzukummen unnd ubirwinden gedenckt mit gutt thun, alß wollten wyr unß drumb
tzancken und dringen, wilcher dem andernn und yderman am ersten unnd meysten
kund gutt thun; das heyst eygentlich zelote. Wo seyn die itzt? [WA s. 54]
O herr gott, eyn nutzlich befelh ist der, das man solch
ding, wie diß Epistell geleret hat, nit alleyn predigen, ßondern auch ymmer
anhallten, vormanen, erwecken sollt, das volck tzum glawben unnd rechten gutten
wercken furen. Es muß ymmer angehallten seyn und vormanet, ob wyrß schon
wissen, auff das gottis wortt ym schwanck gehe. O Bapst, Bischoff, Pfaffen, Munich,
das last euch befolhen seyn, die yhr itzt die kirchen mit fabelln und menschenleren
ubirschuttet hatt! Wie habt yhr ßo ubrig viel tzu predigen, wenn yhr nit mehr
denn diße Epistell und yhren ynnhallt predigt unnd ymmer vormanet und treybt.
Es ist eyn Christlich leben gantz wol hyrynn vorfasset. [Tit. 2, 15] Solchs
solltu predigen und vormanen, unnd keyn anderß, helff gott AMEN.
[Röm. 12, 7.8] Merck, das eynß predigerß ampt tzwey werck
hatt, leren und vormanen; leren die, die es nitt wissen, vormanen die es
wissen, das sie nitt abnemen, fawl werden odder umbfallen, ßondernn fortt faren
widder alle anfechtungen.
Zum ersten streyt man
durch diße Epistell ubir dem artickell, das on gnade keyn gutt werck mug
geschehen, und alle menschlich weßen sund sey. [Tit. 2, 11] Das beweret sich
alßo, das er spricht, Die gnad sey erschienen; ßo ist gewißlich tzuuor keyn
gnad da geweßen; ist keyn gnad da, ßo ist gewißlich [WA s. 55] eyttell tzorn
da; darauß volgt, das on gnad nichts gutts, ßondernn eyttel ungnad und tzornn
ynn unß sey.
[Tit. 2, 11] Item, das er spricht: die heyllwertig gnade,
tzeygt an, das auch schon vordampt sey und on heyl unnd hulff allis, was on
gnade ist. Wo ist denn hie der frey wille? wo sind menschentugent, vornunfft
und gute meynung? Allis on heyll der gnade, allis vordampt, sund und schand fur
gott, obs gleych fur unß und den menschen gleysset kostlich.
[Tit. 2, 11] Das dringt noch aller herttist, das er sagt:
allen menschen, keynen außgenummen; ßo muß gewiß tzuuor, ehe das Euangelium
erkennet wirtt, eyttell [Eph. 2, 3] ungnad da regiert haben ynn allen menschen,
wie er sagt, Ephe. 2.1: Wyr waren vorhynn auch des tzornß kinder, wie die
andernn &c.. Alßo stopfft hie der Apostell das maul unnd stost mit gutem
harnisch tzuruck alle, die da yhr vornunfft, werck, gute meynung und frey willen,
das naturlich licht &c.. on gnad rumen, unnd lest keynen menschen on
vorterben seyn; das sind alle impij, ungotliche, gnadloß, gotloße menschenn.
[Tit. 2, 12] Weytter spricht er, das allen menschen darumb
sey erschienen die gnad, das sie absagen sollen dem ungottlichen weßen und
welltlichen lustenn. Wer mag fur dem harnsch bestehen? was folget hierauß
anderß, denn das on die gnade gottis alle unßer ding ungotlich weßen, welltlich
luste sey? Denn were ynn yemand etwas gotlichs weßens und geystlichs lust, ßo
durfften [WA s. 56] nit alle menschen absagen dem ungottlichen weßen und
welltlichen lusten, were auch nit not der gnaden noch yhrß heyliß erscheynung.
Sihe, alßo muß man die schrifft inn harnsch weyß furen widder die falschen
lerer, den glawben nit alleyn tzu brauchen ym leben, ßondern auch offentlich
tzu schutzen und vorfechten widder yhre yrthumb.
Darumb mussen
hie ernyderligen alle gleyßner, alle geystlichen, ob sie gleych sich tzu tod
fasten, beten, wachen, erbeytten. Es hilfft allis nitt, ungotlich weßen,
welltlich lust bleyben da, ob sie wol von schanden wegen sich decken unnd
bergen, ist doch das hertz nitt gutt; denn ßo es werck, kleyder, kloster,
fasten, betten thun kund, sollt er billich gesagt haben: Es ist erschienen eyn
gepett oder eyn fest, odder eyn wallfartt, odder eyn orden, odder diß oder [Tit.
2, 11] das werck, das unß lere gotlich tzu werdenn. Neyn, neyn, der keynß.
Szondern die heylwertige gnad ist erschienen, Die, die, die alleyn thuts, unnd
sonst nichts.
Darauß
leichtlich ist tzuuorstehen, wie ferlich, vordamlich sind die menschengesetz, orden,
secten, gelubden unnd dergleychen. Denn es sind allis werck, und nit gnaden,
furen doch mit yhrem scheyn alle wellt ynn yrthumb, yamer und nodt, das sie der
gnaden und des glawbens vorgessen und durch solch yrthum meynen frum und selig
tzu werdenn.
Alßo, das eyn
Ander leben sey nach dissem lebenn, streyttet, das er [Tit. 2, 13] sagt, wyr
sollen wartten auff die selige hoffnung und erscheynen der klarheytt des
grossen gottis, darauß klerlich bewerd wirtt, das die seel unsterblich sey, ya
auch der leyb widderkummen muß, wie wyr ym glawben betten: Ich glewb eyn
offirstand des fleyschß und eyn ewigs leben.
[WA s. 57]
[Tit. 2, 13] Streytt, das er sagt: Des grossen gottis und
unßers seligmacherß Jhesu Christi, tzeygt an, das der do kummen soll ynn der
klarheyt des iungsten tags, sey eyn grosser gott und unßer seligmacher Jhesus
Christus.
Unnd ob yemant
hie eyn loch durchbrechenn wollt unnd dem vatter tzueygen, das er vom grossen
gott sagt, ßo behellt doch das widder, das die erscheynung und klarheytt gemeyn
ist dem grossen gott und unßerm seligmacher Jhesu Christo. Wenn er aber nitt
war gott were, wurd yhm sollch glorie
und klarheytt des grossen gottis nit auch tzugelegt; dieweyll es denn eyn
klarheytt, eyn glorie, eyn werck des grossen gottis und unßers seligmachers, [Tit.
2, 13] muß er auch eyn got mit dem grossen gott seyn. Denn er spricht durch [Jes.
42, 8, 48, 11] Isaiam mehr denn eyn mall: Meyn glorie will ich keynem andern
geben, und gibt sie doch hie Christo; so muß Christus keyn ander, denn got sey,
der gottis ehre tzu eygen hatt, unnd doch nitt eyne person mit dem vatter.
[Tit. 2, 15] Item mocht auch hie wider die menschen lere
streytten, das S. Paulus spricht: Szollch ding soll man predigen und vormanen;
denn sollt ettwas anderß haben predigt worden, hett erß auch billich
angetzeygt. Aber itzt meynen unßere Bischoff und Bepst, wenn sie es ynn die
bucher und auff [WA s. 58] papyrn zeddelln schreyben lassen, haben sie gnug
than; dennocht yhr eygen gepott, ßo sie mit eygener stymme das Euangelium on
unterlaß predigen und treyben sollten. O Wehe yhnen!
1522[WA s. 58]
Es ist außgangen eyn gepot von dem Keyßer
Augusto, das vortzeychnett wurd der gantz erden kreyß, und dieselb vortzeychniß
ist die erst geweßenn tzur tzeytt, da Cyrenius ym land Syrien pfleger war, und
haben sich yderman auffgemacht sich zuuorzeychen lassen, eyn iglicher ynn seyne
stadt. Unnd Joseph hatt sich auch auffgemacht von Gallilea auß der stadt
Nazareth, ynn das [WA s. 59] Judisch land, ynn die stadt Dauid, die do heyst
Bethlehem; denn er war von dem hawß und geschlecht Dauid, auff das er sich
vortzeychen ließe mit Maria seyner vortraweten hawsfrawenn, wilche gieng
schwanger. Und ist geschehen, alß sie da waren, sind erfullet die tage, das sie
sollt geperen, und hatt gepornn yhren ersten sohn, und hat yhn ynn tuchle
gewickellt und gelegett ynn eyn krippen, denn sie hattenn keynen andernn rawm
ynn der herberge. Und es waren hirtten ynn derselbenn gegend, die waren ym feld
und wartteten auff die wartt der nacht, ubir yhre hurtte, und nempt war, der Engell
gottis stund hartt ubir yhnen, und die klarheytt des herrnn umbleuchtet sie,
unnd sie sind erschrocken fur grosser furcht, und der Engell sprach tzu yhnen:
yhr sollt euch nitt furchten! Nempt war, ich vorkundige euch eyne grosse freud,
die do alliß volck habenn wirdt; denn es ist euch heutte gepornn der seligmacher,
das ist, Christus der herr, ynn der stadt Dauid; unnd das habt euch tzum
tzeychen: yhr werdet finden das kind eyngewickellt und gelegt ynn eyn krippenn;
und alßbald ist vorsamlet mit dem Engell die menge der hymlischen heerscharen,
die haben gott gelobt und gesagt: Ehre sey gotte ynn den allerhohisten, und
frid auff erden, den menschen eyn wolgefallen.
[Hag. 2, 7. 22] Es ist geschrieben Hagei .2., das gott
spricht: Ich will bewegen hymel unnd
erden, wenn do kummen wirtt, des alle leudt begerenn; das ist heutt erfullet,
da haben sich die hymel bewegt, das ist die engell, die ym hymel sind, unnd mit
gesang gott gelobt, und die erde, das ist, die menschen auff erdenn, das sich
yderman auffgemacht hatt, unnd ist eyn reyssen gewest, da ynn eyn [Luk. 2, 3]
statt, hie ynn eyn statt, ym gantzen land, wie das Euangelium sagt, doch nitt eyn
schedlich, blutige emporunge gewest, ßondernn eyn fridlich, wilche gott, der eyn
gott des frids ists, erreget hat. Ist auch nit tzuuorstehen, das alle landt auff
gantzem erdpodem sich alßo bewegt haben, ßondernn alleyn, was ynn der [WA s. 60]
Roemer gewallt war, das dißer kreyß soll bedeutten nur den kreyß Roemischis reychs,
wilchs noch nitt die helfft des gantzen erdpodenß unter yhn hatte. Datzu ist
keyn land der massen bewegt wie das Judische land, wilchs war ordenlich
geteylet ynn die geschlecht Israel, wiewol tzu der tzeyt das geschlecht Juda am
meysten ym land ware, nachdem die tzehen geschlecht Israel, ynn Assyrien
gefurt, außen blieben.
[Luk. 2, 3] Dieße beschreybung ist die aller erst geweßen,
spricht S. Lucas; denn [Matth. 17, 24 ff.] ym Euangelio Matt. 17. und mehr
ortten findt man, das sie hatt alßo geweret fur unnd fur, das sie auch von
Christo den tzinßpfennig fodderten, [Matth. 22, 17 ff., Luk. 23, 3] auch yhn
mit demselben vorsuchten Matt. 22., darzu am tage seyniß leydens drob
vorklagten, alß hett er vorpotten, denselben tzinßpfennig zu geben; denn die
Juden gaben yhn ungern und mochten solch beschreyben und Keyßers gepott ubel
leyden, gaben fur, sie weren gottis volck und frey vom Keyßer, und hatten groß
disputation drob, ob sie schuldig weren yhn tzu geben, musten doch, unnd
kundten sich mit gewallt nit schutzen. Drumb hetten sie Christum gern ynn die
disputation tzogen und ynn der Roemer gewallt bracht; ßo ist nu ditz
beschreyben nichts anderß geweßen, denn eyn gemeyner auffsatz ynn allen landenn,
das man ierlich von eynem iglichen hewbt hatt eyn pfennig geben, und die
amptleut, die solchs und ander tzoll und tzinß eynnahmen [WA s. 61] und
auffhuben, heyssen publicani, die man deutschet: offenberliche sunder, aber nit
recht.
[Luk. 2, 1. 2] Merck, wie gewiß der Euangelist seyn rede
setzt, das die gepurtt Christi sey geschehen tzu Keyßer Augustus tzeytten unnd
da Cyrenius hewbtman was Roemisches reychs, ym land Syrien, wilchs Syrien land
das Judisch land eyn stuck ist, alß Osterreych eyn stuck des teutschen lands
ist, und ist geschehen ynn der aller ersten beschreybung, das dißer
tzinßpfenning tzuuor nie ist geben, denn eben da Christus sollt gepornn
werdenn, damit er angetzeygt, wie seyn reych gar nichts sollt welltlich seyn
noch ubir weltlich hirschafft weltlich regiern, ßondern sich, seyn elternn,
derselben unterwirfft, und weyl er eben die erste beschreybung trifft, lest er
solchs keyn tzweyffell bleyben; denn hett er wollt das ynn eyn tzweyffell
stellen, ßo hett er mugen hernach ynn eyner andernn beschreybung geporn werden,
das man hett mocht sagen, es were on geferr und tzufellig, on ßonder bedencken
geschehen. Auch wo er hett wollt nit unterthan seyn, hett er mocht tzuuor außer
derselben beschreybung geporn werden. Nu aber alle seyne werck eyttell kostlich
lere seyn, lessit sichs hie nit [WA s. 62] anders wenden noch lencken, denn das
er auß gotlichem rad und fursatz nit welltlich regiern, ßonderm unterthan seyn
will, und das ist der erst puff yn des Pabsts regiment unnd aller der seynen,
das sich mitt Christus reych reymet, wie nacht und tag.
Das Euangelium
ist ßo klar, das nitt viel außlegens bedarff, ßondern es will nur wol betracht,
angesehen und tieff tzu hertzen genummen seyn. Und wirt niemant mehr nutz dauon
bringen, denn die yhr hertz still hallten, alle ding außschlahen und mit vleyß
dreyn sehen, gleych wie die ßonne ynn eynem stillen wasser gar eben sich sehen
lessit und krefftig wermet, die ym rauschenden lauffenden wasser nit alßo
gesehen werden mag, auch nitt alßo wermen kan. Drumb willtu hie auch erleucht
und warm werden, gottlich gnade und wunder sehen, das deyn hertz entprant,
erleucht, andechtig und frolich werde, ßo gang hynn, da du stille seyest und
das bilde dyr tieff ynß hertz fassest, da wirstu finden wunder ubir wunder;
doch anfang und ursach tzu geben den eynfeltigen, wollen wyr desselben eyn
teyls furbilden, mugen darnach weyter hyneynfaren.
Zum ersten:
Sihe, wie gar schlecht und eynfelltig die ding tzugehen auff erden, und doch ßo
groß gehallten werden ym hymel. Auff
erden gehet es alßo tzu: Da ist eyn arm, iungis weyble, Maria, tzu Nazareth,
gar nichts geacht unnd unter den geringistenn burgeryn der statt gehallten, da
wirtt niemant gewar des grossen wunder, das sie tregt; sie schweygt auch still,
nympt sichs nichts an, hellt sich fur die geringste ynn der stadt, sie macht
sich auff mit yhrem hawßherrnn Joseph, haben villeycht keyn magd noch knecht, [WA
s. 63] ßondernn er ist herr und knecht, sie fraw unnd magd ym hawß, haben alßo das
hawß lassen stehen odder andernn befolhenn. Nu laß seyn, sie haben eynen esell
gehabt, darauff Maria gesessen sey, wiewol das Euangelium nichts dauon sagt und
glewblich ist, sie sey zu fussen gangen mit Joseph. Denck, wie sie unterwegen
ynn herbergen voracht geweßen, die doch wirdig war, das man sie mit gulden
wagen und aller pracht gefurtt hette. Wie viel seyn wol der grossen herrnn
weyber unnd tochter tzu der tzeyt geweßen inn guttem gemach und grossem
ansehen, dieweyll hie diße gottis mutter, mitten ym winter, tzu fussen, mit
schwerem leyb ubir fellt reysset; wie ungleych gaht es tzu! Nu ists yhe mehr
denn eyne tagreyße geweßenn von Nazareth ynn Gallileen biß gen Bethlehem ym
Judischen land, sie haben yhe fur Jherusalem ubir reyssen oder durchhyn mussen.
Denn Bethlehem ligt von Jherusalem gegen dem mittag, Nazareth gegen
mitternacht.
[Luk. 2, 7] Da sie nu gen Bethlehem kummen, tzeygt der
Euangelist, wie sie die allergeringstenn, vorachtisten sind geweßen, sie haben
yderman mussen rewmen, biß das sie ynn eynen stall geweyssett mit dem vihe eyn
gemeyn herberg, gemeyn tisch, gemeyn kammer und lager haben mussen annehmen.
Indeß manicher boßer mensch ym gasthawß oben angesessen, sich hat eynen herrn ehren
lassen. Da merckt nach erkennet niemant, was ynn dem stall gott wirckt, [WA s. 64]
lessit die grossen hewßer, kostlich gemach leer bleybenn, lessit sie essen,
trincken unnd guten mutt habenn, aber dißer trost unnd schatz ist yhn
vorporgen. O wilche eyn finster nacht ist ubir dem Bethlehem das mal geweßen,
die eyniß solchen liechts nit ist ynnen wordenn, wie tzeygt gott an, das er ßo gar
nichts acht, was die wellt ist, hat und vormag, widderumb die wellt beweyst
auch, wie gar sie nichts erkennet noch achtet, was gott ist, hatt unnd wirckt!
Sihe, das ist das erst bild, damit Christus die wellt tzuschanden macht, alliß
yhr thun, wyssenn und weßen unß furwerfflich antzeygt, das yhr groste weyßheyt
sey narrheytt, yhr bestis thun sey unrecht, yhr grostis gutt sey nur unfall.
Was hatte Bethlehem, da es Christum nit hatte? was [Luk. 2, 7] habenn sie itzt,
die tzu der tzeytt gnug hatten? was gepricht itzt Maria und Joseph, ob sie tzu
der tzeytt nitt rawm hatten, eyne nacht fuglich tzu schlaffenn?
Es haben etlich hie
das wortlin diuersorium glosiert, alß sollts heyssen: eyn offentlich
gassengewelb, da ydermann durchgeht und gemeyn esell da stunden, meynen, Maria
hab keyn herberg nit ubirkummen; das ist nit recht. [Luk. 2, 7] Der Euangelist
will antzeygen, das Joseph unnd Maria haben darumb inn den stall mussen
weychen, das sie ynn der herberg und ym gemach, da die gest ynnen pflegen tzu
seyn, keynen rawm haben gehabt, alle gest sind ynn [WA s. 65] der herberg
vorsorgt geweßen mit gemach, speyß und lager, on ditz arm volck hatt mussen
enhyndernn ynn eynen stall kriechen, da die thier ynnen pflegen tzu seyn. Denn
ditz wortt diuersorium, das Lucas katalyma nennet, ist nitt anderß, denn eyn
gemach fur die geste, wie das erweyst wirtt auß dem wortt [Luk. 22, 11] Christi
Luce .22, Da er die iunger sandte das abendessen tzu bereytten und sprach: Geht
hynn und sagt dem hawßwirt: der Meyster lest dyr sagen, wo ist katalyma, (das
ist) das gasthawß, da ich mein osterlamp esse mit meynen iungernn?; alßo auch
hie haben Joseph unnd Maria ym katalyma, ym gasthawß, nit rawm gehabt, denn nur
ym stall, ym hoff desselbigen hawßwirts, der auch nitt wirdig ist geweßen, das
er eynen solchen gast hette recht herbergenn und ehren mugen. Es ist nit gellt
noch gewallt da geweßen, drumb haben sie ym stall bleyben mussen. O wellt wie
toll, o mensch wie blind bistu!
Aber die gepurtt
ist noch erbermlicher, das sich solch eynß iungen weybs, die yhr erst mal
geperen sollt, niemand hatt erbarmett, niemand yhren schwangern leyb tzu
hertzen nommen, niemand angesehen, das sie ynn frembden ortten nit hatt das
aller mynste, das eyner kindpetterynn nodt ist. Szondernn alda on alle bereyttung, on liecht, on fewr,
mitten yn der nacht, ym finsternn alleyn ist, niemand beutt yhr eynigen dienst
ann, wie man doch naturlich pflegt schwangernn weybern, da ist yderman voll
unnd toll ynn der herberg, eyn geschwurm von gestenn auß allen ortten, das sich
dießes weybs niemand annnympt. Ich acht auch, sie hab sich selb nitt ßo bald
vorsehen [WA s. 66] yhrer gepurtt, sie were sonst villeicht tzu Nazareth
bliebenn. Nu denck, was mugens fur tuchle geweßen seyn, da sie yhn eynwickellt,
villeicht yhr schleyer odder was sie hatt mugen emperen an yhrem leybe; das sie
aber ynn Josephs hoßen sollt yhn gewickellt haben, alß man tzu Ache weyßet, das
lautt alltzu lugerlich und leichtfertig. Es sind fabelln, der wol mehr ynn
aller wellt sind. Ists nu nit allis ungelegen dingk, das Christus ym kallten
wintter, ym frembden lande, ubir fellt, ßo vorachtlich und ßo armlich geporn
wirtt?
Es disputirn
auch etlich, wie diße gepurt geschehen sey, alß sey sie des kinds geneßenn ym
gepett, ynn grosser frewden, ehe sie es ynnen worden ist, on allen schmertzen.
Wilcher andacht ich nit vorwerffe, villeicht umb der eynfelltigen willen alßo
erfundenn, aber wyr sollen bey dem Euangelio bleyben, das do sagt, sie habe yhn
geporn, und bey dem artickell des glawbens, [WA s. 67] da wyr sagen: der geporn
ist von Marien der iungfrawen. Es ist keyn triegerey hie, ßondern, wie die wort
lautten, eyn warhafftige gepurtt. Nu weyß man wol, was geperen sey, und wie es
tzugehe. Es ist yhr eben geschehen wie andernn weybernn, mit gutter vornunfft und
mit tzuthun yhrer glidmaß, wie sich tzur gepurtt tzymet, auff das sie seyn
rechte naturliche mutter, unnd er yhr naturlich rechter ßon were. Drumb hatt
yhr leyb seyn naturlich werck nitt gelassen, die tzur gepurtt gehoeren, on das
sie on sund, on schand, on schmertzen unnd on vorserung geporn hatt, wie sie
auch [1. Mose 3, 16] on sund empfangen.Der fluch Eue ist nit ubir sie gangen,
der da lautt: ynn schmertzen solltu deyn kindern geperen, ßonst ist yhr
geschehen aller maß, wie eym geperend weyb geschicht. Denn die gnad tzurpricht
nit, hyndertt auch nit die natur noch yhre werck, ya sie bessert und foddert sie,
gleych wie auch naturlicher weyß yhn mitt millich auß yhren brusten geneeret
hatt, on allen tzweyffell nit frembd milch, oder durch ander gelidt, denn die
brust yhm geben, wilch doch ubirnaturlich von gott mit milch on vorseerung und
unreynickeyt erfullet sind, wie wyr von yhr singen: ubere de coelo pleno.Das
red ich darumb, das wyr unßers glawben grund haben unnd Christum lassen seyn [WA
s. 68] eynn naturlich mensch, aller massen wie wyr, und yhn nichts ßondernn an der
natur, on wo es die sund und gnad betrifft. Natur ist an yhm unnd seyner mutter
reyn geweßen, ynn allen glidenn, ynn allenn wercken der glider. Ist auch keyn
weyblich leyb noch gelid yhe on sund zu seynem naturlichen werck kummen, on
alleyn ynn dißer eynigen iungfrawen, da hatt gott eyn mal die natur und yhr
werck tzu ehren gesetzt. Wyr kunden Christum nit ßo tieff ynn die natur und
fleysch tzihen, es ist unß noch troestlicher. Darumb [Luk. 2, 7] was nit widder
die gnad ist, soll man seyner und seyner mutter natur gar nichts ablegen; der
text stett klar alda und spricht, sie hab yhn geporenn, und [Luk. 2, 11] er ist
auch gepornn, sagen die Engell.
Wie hett gott
seyne gute großlicher mocht ertzeygenn, denn das er sich so tieff yn fleysch
und blutt senckt, das er auch die naturlich heymlickeyt nit voracht und die
natur an dem ort auffs aller hohist ehret, da sie ynn Adam und Eue ist am aller
hohisten tzu schanden wordenn, das hynfurtt auch das nu gottlich, ehrlich und
reyn ist, das ynn allen menschen das ungotlichst, schamlichst und unreynist
ist. Das sind rechte gottis wunder werck. Wie hett er auch stercker, krefftiger
unnd reyner bild der keuscheyt mocht unß furlegen, denn diße gepurtt? wie gar
fellt doch dahynn alle boße lust, alle boße gedancken, wie starck sie ymmer
sind, wenn wyr nit mehr thun, denn tzusehen dißer gepurtt und bedencken, wie
die hohe Maiestet ßo mit gantzem ernst, ßo mit ubirschwencklicher lieb und
gutte wirckt und tzuschaffen hatt ynn dem weyblichen fleysch unnd blutt dißer
iungfrawen. Es gibt keyn weybiß bild eynem Man solche reyn gedancken, alß diße
iunpfraw, widderumb auch keynn [WA s. 69] manß bild eynem weyb, alß diß kind.
Eyttell zucht und reynickeyt quillet auß dißer gepurtt, wie man sie ansihet, ßo
man anderß der gotlichen werck drynnenn warnympt.
Was geschicht
aber ym hymel ubir dißer gepurt? Alßo voracht sie ist auff erdenn, ßo hoch unnd
tausent mal mehr ist sie geehret ym
hymel; wenn eyn Engel vom hymel dich unnd deyne werck lobete, ists nit war, du
nemist es fur aller wellt lob und ehre?1 achtist, du mochtist nit gnug demutt
und vorachtung dafur tragen; was ist denn das fur eyn ehre, das alle Engel ym [Luk.
2, 13. 14] hymel fur freuden sich nit enthalten mugen, brechen auß und lassen
sich auch arme hirtten auff dem feld horen, predigen, loben, singen und
schutten auß yhr freude ubirmessiglich?! Was ist aller der zu Bethlehem frewd
und ehr geweßen, ia aller kunig und herrnn auff erden, gegen dißer frewd und
ehre, denn nur eyn solcher unflatt und grewel, des niemand gerne gedenckt, wenn
er diße frewd unnd ehre ansihet?! Sihe, wie gar ubirreychlich ehret gott, die do
vonn menschen vorachtet und gernn voracht werdenn. Da sihestu, wo [1. Sam. 4,
4, 2. Kön. 19, 15, 1. Chron. 14, 6, Ps. 80, 2, Jes. 37, 16] seyn augen
hynnsehen, nur ynn die tieffe unnd nydrigung, wie geschrieben stett: Er sitzt
ubir Cherubim und sihet ynn die tieffe oder abgrund. Die Engel kundten auch
keyne fursten noch gewelltigen finden, ßondernn die ungelereten leyen und aller
nydrigisten leutt auff erden. Mochten sie nit die hohenpriester, die gelereten
tzu Hierusalem, ansprechenn, die doch viel von gott unnd Engelln wissen tzu
sagen? Neyn, es musten die armen hirtten wirdig seyn, solch groß gnad und ehre
zu habenn im hymel, die auff erden [WA s. 70] nichts waren. Wie gar furwirfft
doch gott was hoch ist, und wyr tobenn und rasen nit denn nach eyttler hohe,
auff das wyr ya nit ym hymel zu ehren werdenn, ymer unnd ymer tretten wyr gott
auß seynem gesicht, das er unß yhe nit ansehe ynn der tieffe, da er alleyn
hynnsihet.
Das sey gnug
tzur ursach der betrachtung fur die eynfeltigen. Eyn iglicher trachte bey sich
selb weytter. Alle wort sind eyttel fewr, machen das [Jer. 23, 29] hertz warm,
ßo sie yemand nur dreynn fasset, wie er spricht Hiere. 23: Meyne wortt sind wie
das fewr. Unnd wie wyr sehen, die artt gotlicher wortt ist, das sie unß gott
unnd seyne werck leren erkennen, nur dahynn gericht, das ditz leben nichts sey.
Denn alß er nit lebet nach dißem leben unnd nicht hatt gutter, ehre unnd
gewallt tzeytlichs lebens, ßo acht er yhr auch nitt, ßo redt er auch nit dauon,
ßondern leret nur das widerspiel, wirckt auch widdersinnisch, sihet dahynn, da
die wellt sich von keret, leret, das sie fleugt, hebt auff, das sie liegen
lest. Und wiewol wyr ungern solch werck gottis leyden und nit wollen das gutt,
ehre und leben alßo begeben, ßo muß doch ßo seyn. Denn da wirt nit anderß auß,
got leret und thut nit anderß, wyr mussen unß nach yhm lencken, er wirtt sich
noch unß nit lencken. Auch wer seyn wortt, solch seyn werck, solch seyn
trostung nitt achtet, hatt gewißlich keyn gutt tzeychen der selickeyt an yhm.
Wie mocht er lieblicher antzeygt haben, wie gnedig er sey allen nydrigen,
vorachten auff erdenn, denn ynn dißer armen gepurtt, da sich die Engel von
frewen, und sie niemant denn den armen hirtten kund thut?
Nu wollen wir
auch sehen, was unß fur mysteria, heymliche ding, ynn dießer historien
furgelegt werdenn. Zwey furnemlich werden ynn allen mysterijs angetzeygt, das
Euangelium und der glawb, das ist, was man predigen, was man glewben, wer die
prediger und wer die tzuhoerer seyn sollen; das wollen wyr hie auch sehen.
[WA s. 71]
Ist der glawb, wilcher billich ynn allen wortten gottis tzum
erst erkennet werden soll. Derselb glawb ist nit alleyn, das du glewbist, diße
historien sey war, wie sie lauttet. Denn das hilfft nichts, weyll all sunder,
auch die vordampten, das glewben. Von dem glawben leret die schrifft und gottis
wort nicht, es ist eyn naturlich werck on gnaden. Sondern das ist der recht
gnadenreych glawb, den gottis wortt und werck foddert, das du festiglich
glewbist, Christus sey dyr geporn, und seyne gepurt deyn sey, dyr tzu gutt
geschehen. Denn das Euangelium leret, das Christus sey umb unßer willen geporn und
alle ding umb unßer willen gethan und geliden, wie hie der Engel auch [Luk. 2,
10. 11] sagt: Ich vorkundige euch eyne große frewde, die do haben werden alle
leutt; denn heut ist euch geporn eyn seligmacher, der ist Christus der herr.
Inn dißen wortten sihestu klar, das er unß geporn ist.
[Luk. 2, 10] Er spricht nit schlecht hynn, Es sey Christus
geporn, sondern: Euch, Euch ist er geporn. Item spricht nit: vorkundig ich eyn
freud, ßondern: Euch, Euch vorkundige ich ein große freud. Item wilche freud
wirt nit ynn Christo bleyben, ßonder allen leutten. &c.. Dißen glawben hatt
nit, mag auch nit haben yrgent eyn vordampter odder boßer mensch. Denn das ist
der recht grund aller selickeyt, wilcher
Christum und das glewbige hertz alßo voreynigt, das allis gemeyn wirtt, was sie
haben auff beyden seytten. Was haben sie aber?
Christus hatt
eyn reyne, unschuldige, heylige gepurtt. Der mensch hatt [WA s. 72] [Ps. 51, 7]
yn unreyne, sundige, vordampte gepurtt, wie Dauid Ps. 50. sagt: Nym war, Ich
byn ynn sunden gepildet ynn mutterleybe, und meyn mutter hatt mich ynn sunden
empfangen. Derselben mag nit geholffen werdenn, denn durch die reyne gepurtt
Christi. So kan die gepurtt Christi leyplich nitt außgeteylet werden, wurd auch
nichts helffen; drumb wirt sie geystlich, durchs wortt außgeteyllt yderman, wie
hie der Engel sagt, das alle, die do festiglich glewben, sie sey also yhm geben,
dem soll seyne unreynige gepurtt nit schaden; das ist die weyße und maß reyn
tzu werdenn von unßer elenden Adamß gepurtt. Darumb hatt Christus wollen geporn
werdenn, auff das wyr durch yhn [Joh. 3, 3 ff.] anderweytt gepornn wurden, wie
er sagt, Joan. 3. Wilchs geschicht durch [Jak. 1, 18] solchen glawben, wie
Jacob .1. sagt: Er hatt unß williglich geporn durch seyn wortt der warheytt,
das wyr anheben seyn new Creatur tzu seyn. Sihe, alßo nympt Christus tzu sich
von unß unßer gepurtt und vorsenckt sie ynn seyner gepurtt und schenckt unß die
seyne, das wyr darynn reyn und new werden, alß were sie unßer eygen, das eyn
iglicher Christen mag sich dießer gepurtt Christi nitt weniger frewen und
ruhmen, denn alß were er auch, gleych wie Christus, leyplich von Marien
gepornn. Wer das nit glewbt odder tzweyffellt, der ist keyn Christen.
O, das ist die
große frewd, da der Engel von sagt. Das ist der trost und die ubirschwenglich
gutte gottis, das der mensch sich (ßo er das glewbt) [WA s. 73] solchs schatz
mag rumen, das Maria seyn rechte mutter, Christus seyn bruder, Gott seyn vatter
sey. Denn die ding sind alle war unnd geschehen, ßo wyr sie glewben; das ist
das hewbtstuck und hewbtgutt ynn allen Euangelien, ehe denn man lere der gute
werck drauß nympt. Christus muß fur allen dingen unßer und wyr seyn werden, ehr
wyr tzu den wercken greyffen. Das geschicht nu nit denn durch solchen glawben;
der leret die Euangelia recht vorstehen, er begreyfft sie auch am rechten ort.
Das heysset Christum recht erkant, dauon wirtt das gewissen frolich, frey und
tzufridenn, darauß wechst lieb und lob gegen gott, alß der solch
ubirschwencklich gutter unß umbßonst geben hatt ynn Christo. Da folgt denn eynn
recht williger mutt tzu thun, lassen und leyden allis, was gott wol gefellet,
es sey am leben odder sterben, wie ich [Jes. 9, 6] viel mal gesagt hab. Das
meynet Isaias .9.: Eyn kind ist unß gepornn und eyn ßon ist unß gegeben. Unß,
Unß, Unß geporn und unß gegeben. Darumb sihe tzu, das du auß dem Eueangelio nit
alleyn nehmist lust von der historien an yhr selbs. Denn die besteht nit lang.
Auch nit allein das exempell; denn das hafftet nit on den glawben, ßondernn
sihe tzu, das du die gepurtt dyr zu eygen machist unnd mit yhm wechßlist, das
du deyner gepurtt loeß werdist unnd seyne ubirkomist, wilchs geschicht, ßo du
alßo glewbist, ßo sitzistu gewißlich der iunpfrawen Marien ym schoß und bist
yhr liebes kindt. An dem glawben hastu tzu uben unnd tzu bitten, weyl du
lebist, kanst yhn nymmer gnugsam sterckenn. Das ist unßer grund und erbgutt, darauff
denn die gutten werck tzu pawen sind.
Wenn nu alßo
Christus deyn worden ist, und du durch yhn ynn solchem glawben bist reyn
worden, hast deyn erb und hewbtgutt empfangen, on allen [WA s. 74] deynen
vordienst, wie du sihest, ßondern auß lautter gottis liebe, der seynß ßonß gutt
und werck dyr tzu eygen gibt. Da folgt nu das Exempel gutter werck, das du
deynem nehisten auch thuist, wie du sihest, das dyr Christus than hat. Hie
leren sich nu die gutten werck selbist; denn sag an, was hatt Christus fur gutte
werck? Ists nicht war? das sie alltzumall darumb gutt seyn, das sie dyr tzu
gutt geschehen sind, umb gottis willen, der yhm befolhen hatt, solche werck dyr
tzu gutt wircken, und alßo ist Christus dem vatter darynn gehorsam gewest, das
er unß geliebt und gedienet hatt. Alßo nu du satt und reych bist, hastu keyn
gepot mehr, darynn du Christo dienest unnd gehorsam seyest, denn das du alle
deyne werck dahynn richtist, das sie deynem nehisten gutt und nutzlich seyn,
gleych wie Christus werck dyr [Joh. 13, 34] gutt und nutz seyndt. Darumb sprach
er am abentessen: Das ist meyn gepot, das yhr euch liebet, wie ich euch geliebt
habe. Sihestu hie, dz er unß geliebt und alle seyne werck unß gethan. Darumb,
das wir widderumb nit yhm, (denn er
darffs nicht ) ßondernn unßerm nehisten auch alßo thun sollen; das ist seyn
gepott, das ist unßer gehorsam, alßo macht der glawb, das Christus unßer ist,
unnd seyne liebe macht, das wyr seyn sind. Er liebt, ßo glewben wyr, da wirt
eyn kuch auß.Widerumb, unßer nehister glewbt und warttet unßer lieb, ßo sollen
wyr auch yhn lieben und nitt lassen umbßonst unßer begeren noch wartten. Es ist
gleych eynß wie das ander, Christus hilfft unß, so helffen wir unßerm nehisten,
und haben alle gnug.
Hirauß merck nu
selber, wie fernn die auß der strassen gangen sind, die gutte werck haben
gepunden an steyn, holtz, kleyder, essen, trincken. Was hilffts deynen
nehisten, ob du eyne kirchen von lautter gollt bawen kundist? [WA s. 75] was
hilfft yhn der grossen unnd vielen glocken klang? was hilfft yhn das groß
gleyssen und geperden ynn den kirchen mit meßgewand, heylthum, silbernn bild
und gefeß? was hilfft yhn viel liecht brennen und reuchern? was hilfft yhn viel
gedone, gemurmel, gesang von vigilien und messen? Meynstu, das gott sich mit
glockenklang, kertzenrauch, golltgleyssen und des gleychen geschwurmiß wirtt
lassen tzalen? Er hatt dyr des keyniß gepotten, ßondernn ßo du deynen nehisten
sihest yrren, sundigen, nodt leyden an leyb, gutt odder seelen, Da, da soltu
tzufaren, allis ander lassen faren und dem helffen mit allem, das du bist unnd
hast, kanstu nitt mehr, das du doch mit wortten und gepett helffist. Denn also
hatt dyr Christus than und exempel geben, dyr auch alßo tzu thun. Sihe, das
sind die tzwey stuck, daryn sich eynn Christen uben soll, eyniß gegen Christo,
das er denselben wol ynn sich tzihe unnd durch den glawben yhm tzu eygen mach,
kleyde sich ynn Christus gutter und baw kecklich drauff. Das ander gegenn
seynem nehisten, das er sich tzu dem sencke unnd laß denselbenn auch alßo ynn
seynenn gutternn waldenn, wie er ynn Christus guttern wallet. Wer diß tzwey
stuck nitt ubet, den hilfft nichts, ob er sich zu todt fastet, martert, brennen
ließ unnd alle [1. Kor. 13, 1 –3] wunder thet, wie S. Paulus leret .1. Cor. 13.
Das ander
mysterium odder heymlich lere ist, das ynn der kirchen nitt mehr denn das
Euangelium soll gepredigt werdenn. Nu leret das Euangelium nit mehr denn die
tzwey vorigen stuck, Christum und sein Exempell, zweyerley gutter werck, Die
eynen Christi eygen, dadurch wyr ym glawben selig werden, Die andernn unßer
eygen, dadurch unßerm nehistenn geholffenn wirt. Und wer anderß leret denn das
Euangelium, der vorfuret, unnd wer das [WA s. 76] Euangelium nit nach dissen
tzweyenn stucken leret, der vorfuret noch serer unnd ist erger denn yhener, der
on Euangelium leret, darumb das er gottis wortt [2. Kor. 2, 17 4, 2] schendet
und vorteusschet, wie S. Paulus ubir etlich klagt. Nu hatt solche lere die
natur nitt mugen selb erfinden, mag auch noch nitt erdencken aller menschen
witz, vornunfft und weyßheyt. Denn wer wollt auß yhm selb erforschen, das der
glawb ynn Christo unß mit Christo eyniß macht unnd alle gutter Christi unß tzu
eygen gibt? Wer wollt auch erdencken, das keyne werck gutt sind, denn nur die
an unßern nehisten gelegt, odder doch dahyn geordenet werden? Die natur leret
nit mehr, denn noch den wortten der gepott hynn wircken. Drumb fellt sie auff
yhr eygen werck, das der mit stifften, der mit fasten, der mit kleydernn, der
mit wallen, eyner sonst, der ander ßo, meynet die gepot tzurfullen, und sind
doch nit mehr, denn eygen erleßne, unnutze werck, davon niemand geholffen
wirtt, wie itzt leyder alle wellt vorblendet, yrrgaht durch menschen lere und
werck, das der glawb und die liebe mit dem Euangelio vorgangen ist. Darumb ist
das Euangelium unnd seyn vorstand eyn gantz ubirnaturlich predigt und liecht,
das nur Christum antzeygt.
[Luk. 2, 9] Das ist bedeutt tzum ersten darynn, das nit eyn
mensch dem andern, ßondern eyn Engel vom hymel kam und den hirtten dieße
gepurtt Christi vorkundigt, keyn mensch wuste etwas davon. Zum andern bedeutt
auch die mitternacht, inn wilcher Christus geporn ist, damit er antzeygt, das
alle wellt finster ist ynn seyner tzukunfft, und keyn vornunfft Christum
erkennen kan. Es muß vom hymel offenbartt werdenn. Zum dritten deuttet das das
liecht, wilchs die hirtten umbleuchtet, tzu leren, das gar eynn ander liecht
denn alle [Luk. 2, 9] vornunfft hie seyn muß, und S. Lucas spricht hie nemlich:
Gloria dei, die [WA s. 77] glorie gottis hab sie umbleucht, nennet dasselbe
liecht eyn gloria odder ehre gottis. Warumb das? Nemlich das mysterium zu ruren
und antzutzeygen die artt des Euangelij. Denn dieweyl das Euangelium ein hymlisch liecht ist, das nit
mehr denn Christum leret, ynn wilchem gottis gnade unß geben unnd unßer ding
gar furworffen wirtt, ßo richtet es nur gottis ehre auff, das niemant hynfurt
sich rhumen eynigs vormugenß kan, sondern muß gott die ehre geben unnd yhm den
rhum lassen, das seyn lautter liebe unnd gute sey, das wyr durch Christum selig
werden. Sihe, der gotlich rhum, die gotlich ehre ist das liecht ym Euangelio,
das unß vom hymel umbleuchtet, durch die Apostelln und yhre folger, die das
Euangelium predigen; denn der Engel ist an statt geweßen aller prediger des
Euangelij, und die hirtten an statt aller tzuhoerer, wie wyr sehen werden.
Darumb mag das Euangelium keyn ander lere neben sich leyden; denn menschen lere
ist yrdisch liecht, ist auch menschenn glori, richtet auch menschen rhum unnd
lob auff, macht vormessene seelen auff yhr eygen werck, da das Euangelium auff
Christum, gottis gnade und guette, sich vormessen, auff Christum rhumen und
trotzen leret.
Item tzum
vierden bedeutt das der name Judea und Bethlehem, darynn Christus hatt wollen
gepornn werdenn. Judea heyst auff deutsch bekentniß odder dancksagung, alß wenn
wyr bekennen, loben und dancken gott, das alle unßer gutter seyne gaben sind.
Eyn solcher bekenner und lober heyst Judeus. Solcher Juden kunig ist Christus,
wie seyn reym laut: Jhesus [Matth. 27, 37] nazarenus rex iudeorum. Alßo sagen
wyr auch auff deutsch von eynem [Luk. 23, 38, Joh. 19, 19] danckparn odder
undanckbarn: Er erkennet sich doch, Er erkennet es nit. &c..2 [WA s. 78]
Alßo ist angetzeygt, das keyn lere solch bekentniß mache, denn alleyn das Evangelium,
das Christum leret.
Item Beth heyst
eyn hawß, lehem heyst speyß oder brot, Bethlehem eyn brotthawß, und die statt
hatt den namen darumb gehabt, das sie ynn eynem gutten fruchtparn land gelegen,
kornreych geweßen ist, das sie gleych der umbliegend stet eyn kornhawß geachtet
wartt, wie wyr eyn solch statt heyssen eyn schmaltzgruben, und vortzeytten hieß
sie Ephrata, das ist fruchtpar, beyde namen von eyner ursach, das sie eyn
fruchtpar, kornreychen boden hatte. Damit ist nu bedeutt, das on das Euangelium
eyttell wusteney ist auff erden, auch keyn gottis bekentniß noch dancksagung.
Wo aber das Euangelium und Christus ist, da ist das kornreyche Bethlehem und
das danckpar Judea, da hatt ynn Christo yderman gnug, und da ist eyttell
dancksagung gotlicher gnaden. Aber menschen lere dancken yhn selber, lassen
dennoch durr landt unnd todlichen hunger da bleyben. Es wirtt yhe keyn hertz
satt, es hore denn Christum recht predigenn ym Evangelio, da kumpt er gen Bethlehem
und findet yhn, da kumpt er auch und bleybt ynn Judea unnd danckt seynem gott
ewiglich, da wirt er fatt, da hatt gott auch seyne lob und bekentniß, und außer
dem Euangelio nichts denn undanck, und wyr nichts denn hunger sterben.
Aber auffs
klerist tzeygt der Engel mit seynen wortten das Euangelium, und das sonst nichts
tzu predigen sey inn der Christenheytt, nympt an sich [Luk. 2, 10] das ampt unnd
wortt dem Euangelio gemeß und spricht: Euangeliso, spricht nit: ich predige
euch, ßonder: eyn Evangelium sage ich euch, ich bynn eyn [WA s. 79] Euangelist,
meyn wortt eyn Euangelium. Szo heyst Euangelium, wie droben gesagt ist ym Aduent,
eyn gutte, froliche botschafft, wilchs soll seyn die predigt ym newen
testament. Wovon lautt denn das Euangelium? Hor tzu; [Luk. 2, 10] er spricht:
Eyn grosse frewde vorkundige ich euch, meyn Euangelium sagt von [Luk. 2, 11]
eyner grossen frewd. Wa ist die? Hor weytter: Euch ist geporn eyn seligmacher, Christus
der herr, tzu Bethlehem, ynn der statt Dauid. Sihe da, was daß Euangelium sey,
nemlich eyn frolich predigt von Christo, unßerm seligmacher. Wer den recht
predigt, der predigt das Euangelium und eyttell frewde; was mag eyn hertz
grosser frewde horenn, denn das Christus yhm tzu [Luk. 2, 11] eygen geben
wirtt? Er spricht nit alleyn: Christus ist geporn, ßondern eygent unß seyne
gepurtt und spricht: Ewr seligmacher. Alßo leret das Euangelium nit alleyn die
geschicht und historien Christi, ßondernn eygent und gibt sie allen, die da
dran glewben, wilchs auch (wie droben gesagt ) die rechte eygentlich artt ist
des Euangeli. Was hulffs mich, das er tausent mal geporn were und myr das
teglich wurd gesungen auffs lieblichst, wenn ich nit horen sollt, das myr
dasselb gellte und meyn eygen seyn sollt?!3 Wenn die stym klingt, wie heymlich
und ubel sie klingt, ßo horet meyn hertz mit frewden tzu, das dringt durch unnd klingt hertzlich wol.
Were nu ettwas anderß tzu [WA s. 80] predigen, wurd es der Euangelische Engel
unnd Englischer Euangelist haben auch beruret.
[Luk. 2, 12] Weytter spricht er: Das werd yhr zum tzeychen
haben, yhr werdet das kind finden eyngewicklet unnd ynn eyn krippen gelegt. Die
tuechle sind nit anders denn die heylige schrifft, darynnen die Christliche
warheyt gewickellt ligt, da findt man den glawben beschrieben. Denn das gantz
allte testament hatt nitt anderß ynn sich denn Christum, wie er vom Euangelio
gepredigt ist. Drumb sehen wyr, wie die Apostelln auß der schrifft tzeugniß
furen und beweren damit allis, was von Christo tzu predigen und tzu glewben
ist. Szo [Röm. 3, 21] spricht Paulus Ro .3., das der glawb Christi, durch wilchen
wyr rechtfertig werden, sey betzeugt durch das gesetz und die propheten, und er
selb Christus nach seyner aufferstand offenet er yhn die schrifft und tzeygt,
wie sie von yhm [Matth. 17, 3 [!]] sagt. Item auff dem berge thabor Matt. 16.,
da er sich vorkleret, stunden die tzween, Moses unnd Elias, bey yhm (das ist,
das gesetz unnd prophetenn) [Luk. 2, 12] alß seyn tzween tzeugen, seyn zeychen,
die auff ihn weyßen. Drumb spricht wol der Engel, das tzeychen, dabey man yhn
kenne, seyn die tuchel. Denn es ist keyn ander getzeugniß auff erden der
Christlichen warheytt, denn die heyligen schrifft. Demnach auch Christus
untzurteylicher rock bedeutt die schrifft des newen testaments, wilch ynn
seynem leyden außgeteylet und vorspielet wartt, [WA s. 81] das bedeutt, wie der
Bapst, der widderchrist, wurde die Euangelia nit leugnen, doch alßo tzureyssen
und damit kauckellnn durch falsche glossen, das Christus nitt mehr drynnen
erfunden wurde. Denn die vier kriegsknecht, die den herren kreutzigeten, sind
figurn geweßen aller Bischoff und lerern, ynn vier ortten der wellt, die das
Euangelium tzureyssen, Christum und seynen glawben todten mitt yhren
menschenleren, alß denn nu der Bapst mit seynen Papisten lengist hatt
vollnbracht.
Szo sehen wyr,
das auch das gesetz und propheten nitt recht geprediget noch erkennet werdenn,
wyr sehenn denn Christum drynnen gewicklet. War ists, es scheynet nit, das
Christus drynnenn sey, die Juden sehen yhn auch nitt drynnenn. Es sindt
unanseheliche, geringe tuchle, schlechte wortt unnd vonn geringenn eußerlichenn
sachenn scheynen sie reden, das sichs von yhm selb nit lest erkennen, ßondern
das new testament, das Euangeli, muß antzeygen, [Luk. 2, 10. 11] offenen und
erleuchten, wie gesagt ist. Es muß tzuuor das Euangelium gehoert werdenn und
des Engels erscheynen und stym geglewbt werdenn. Hetten die hirtten nitt von
den Engellnn gehoeret, das Christus alßo da lege, wenn sie yhn tausent unnd
aber tausent mal hetten angesehen, weren sie dennoch nit darauß ynnen worden,
das Christus das kind were. Alßo spricht [2. Kor. 3, 14 ff. [!]] S. Paulus .2.
Cor. 4: Das gesetz bleybt finster und tzugedeckt fur den Juden, biß das sie tzu
Christo bekeret werden. Denn Christus muß tzuuor ym Euangelio gehortt werden,
alß denn sihet man, wie feyn das gantz allt testament auff yhn alleynn stymmet
und reymet sich ßo lieblich, das der mensch sich muß ynn glawben gefangen
geben, und wirtt ynnen, wie war das [Joh. 5, 46] sey, das Christus Joan. 5.
sagt: Moses hatt von myr geschrieben, wenn yhr [WA s. 82] demselben glewbtet,
ßo glewbtet ihr auch myr. Darumb last unß hutten fur allen leren, die Christum
nit leren. Was willtu mehr wissen? was darfftu mehr? ßo du Christum dermassen
weyssist, wie droben ist gesagt, das du durch yhnn gegen gott ym glawben und
gegenn deynem nehisten ynn der liebe wandelst und thuest deynem nehisten, wie
er dyr than hatt, das ist yhe die gantze schrifft auffs kurtzist begriffenn,
das nitt mehr wortt noch bucher, ßondernn nur alßo leben unnd thun darff.
[Luk. 2, 12] Er liegt ynn der krippen. Sihe da, das du yhe
gewiß seyest, es soll nichts denn Christus gepredigt werdenn inn aller wellt.
Was ist die krippen anderß, denn die vorsamlung des Christenvolcks ynn den
kirchen zur predigt?; wyr seind die thier zu dißer krippen, da wirtt unß
Christus furgelegt, davon wir sollen unßer seelen speyßen, das heyst tzur
predigt furen; wer tzur prediget gehet, der gaht zu dißer krippen, ya, es
mussen aber predigt seyn von Christo. Denn nit alle krippen haben Christum,
auch nit alle predigt leren den glawben, ya, es war nur eyne krippen tzu
Bethlehem, da dißer schatz ynnen lag, und war datzu eyn ledige, vorachte
krippen, da ßonst keyn futter ynnen war. Alßo die prediget des Euangelium ist
ledig vonn allen andern dingen, hatt
unnd leret nit mehr denn Christum; leret es aber etwas anders, ßo ist schon
nymmer Christus kripple, ßondern der reyssigen hengst krippen, voll tzeytlicher
lere von leyplichem futter. Das man aber sehe, wie Christus ynn den tuchlen
betzeychne den glawben ym allten testament, ßo wollen wyr etlich exempel
antzeygen.
[Matth. 8, 4] Wyr leßen Matt. 8., da Christus den
außsetzigen reyniget, das er tzu [WA s. 83] yhm sagt: gang hyn, tzeyg dich dem
priester und opffer deyn opffer, das Moses gepotten hatt, yhn zu eynem
getzeugniß. Hie hoeristu, das Moses gesetz sey den Juden geben tzu eynem
getzeugniß odder tzeychen, wie auch hie der Engel sagt. Nemlich, das solchs
gesetz etwas anderß bedeutte, denn sich selb. Was? Christus ist der priester,
alle menschen sind geystlich aussetzig umb des unglawbens willenn; wenn aber
wyr ynn yhn glewben, ßo ruret er unß mit seyner handt, gibt und legt seyne
werck auff unß, dadurch werden wyr reyn und gesund, on allen unßern vordienst,
ßo sollen wyr unß yhm ertzeygen, das ist danckpar seyn und bekennen, das nit
durch unßer werck, ßondernn durch seyn gnade wyr frum worden seyn alßo seyn wyr
denn gegen gott recht gericht, datzu sollen wyr unßer gabe opffernn, das ist,
das unßer dargeben unßerm nehisten, demselben auch wol thun, wie unß Christus
than hatt; das heyst denn Christo gedienet unnd geopffert dem rechten priester;
denn es geschicht umb seynen willen, und yhm zu lieb und lobe. Sihistu hie, wie
feyn Christus und der glawb ynn der schlechten schrifft und figur gewicklet
ist?3 da greyffistu, das Moses mit dem gesetz nur eyn getzeugnis unnd deuttung
auff Christum geben hat. Dermassen soll man das gantz allt testament vorstehen
unnd es lassen seyn dieße tuchle tzu eynem tzeychen, die Christum außweyßen und
bekentlich machenn.
Item, das der
Sabbat ßo streng gepotten war, unnd keyn werck drynnen sollt geschehen, weyßet,
das nit unßer werck, ßondernn Christus werck ynn unß [WA s. 84] seyn sollen;
denn, wie gesagt, nit unßer, ßondernn Christus werck machen unß selig. Nu seyn
dieselben zweyerley, alß droben angetzeygt. Eynerley, die Christus personlich
on unß gethan hatt, wilchs sind die hewbtwerck, darynn wyr glewben; die andern,
die er ynn unß wirckt gegen den nehisten ynn der liebe, das die ersten mugen
heyssen die abentwerck, die andernn die morgenwerck, [1. Mose 1,
Alßo haben wir
die tzwey, den glawben und das Euangelium, angetzeygt, das dieselben unnd
nichts anderß soll gepredigt werdenn ynn der Christenheytt. Nu laß unß sehen,
wer die prediger unnd schuler seyn sollen. Die prediger sollen Engel seyn, das
ist gottis boten, und eyn hymlisch leben furen, alltzeyt mit gottis wortt
umbgahn, das sie yhe nitt menschenlere predigen. Es ist gar eyn unfuglich ding,
gottis bote tzu seyn und nit seyne botschafft [Luk. 2, 9] werben. Angelus aber
heyst eyn bote, und Lucas nennet yhn hie Angelus domini, gottis bote. Es ligt
auch mehr an der botschafft, denn an seynem leben; furt er eyn boß leben, ßo
schadet er yhm selb, bringt er aber eyn falsche botschafft fur gottis
botschafft, ßo vorfuret er und schadet yderman, der yhm zuhoret, und macht
abgotterey ym volck, das sie lugen fur warheyt, menschen fur gott ehren unnd
den teuffel an gottis statt anbeten. Drumb keyn grewlicher plag, yammer, ungluck auff erden ist, denn eyn
prediger, der gottis wortt nit prediget, der itzt leyder alle wellt voll ist,
und meynen doch, sie thun wol und seyn frum, und ist nit anderß yhr weßen, denn
seel morden, gotlestern, abgotterey auffrichten, das yhn viel seliger were, sie
weren dieweyl reuber, morder unnd die ergistenn buben geweßenn, ßo wisten sie
doch, das sie ubel tethen; aber nu gehen sie unter dem priesterlichen,
Bischofflichen, Pebstlichen, geystlichen namen unnd scheyn dahynn und sind nur
reyssende wolff ynn schaffskleydern, das gutt were, yhr predigt wurde von
niemand gehoret. [WA s. 86]
[Luk. 2, 8] Die schuler sind hirtten, arm leut auff dem
felldt; hie hellt Christus [Matth. 11, 5] was er sagt Matt. 11: Den armen wirt
das Euangelium gepredigt, und [Matth. 5, 3] Matt. 5: selig sind die armen, denn
das hymelreych ist yhr. Hie sind keyne gelereten, keyne reychen, keyne
gewelltigen; denn solch volck nympt das Euangelium nitt auff; das Euangelium
ist eyn hymlischer schatz, will nitt bey sich leyden eynen andernn schatz, kan
sich ynn dem hertzen nit vortragen mit eynem yrdnischem gast. Drumb wer eyniß
lieb hatt, muß das ander faren lassen, wie [Matth. 6, 24] Christus Matt. 6.
sagt: yhr kund nit tzugleych gott und dem Mammon dienen. Das tzeygen die
hirtten an, damit das sie ym fellt unter dem hymel, nit ynn hewßen, funden
werdenn, kleben noch hafften nit an tzeytlicher habe; datzu ynn der nacht sind
sie ym fellt, das sie voracht, unbekant seyen der wellt, die do schlefft ynn
der nacht und am tage gernn wandellt und sich sehen lessit. Aber die armen
hirtten gehen ynn yhrem werck bey der nacht; das sind alle die nydrigen, die ein
arm, voracht, unansehelich leben furen auff erden und nur unter dem hymel
wonen, ynn gottis gewallt, die sind des Euangeli begriffig. Das aber nemlich
hirtten sind, bedeutt, das niemand das Euangelium yhm alleyn horen soll,
ßondernn eyn iglicher dem andernn sagen, der seyn nitt weyß denn wer fur sich
selb glewbt, der hatt gnug und soll hynfurtt sehen, wie er andere auch tzu
solchem glawben und erkentniß bringe, und alßo eyner des andernn hirtten sey,
weyde yhn und wartte seynn auff dißer wellt, ynn der nacht dißes lebens. Es
erschreckt auch der Engel tzum ersten die [WA s. 87] hirtten. Denn die natur
entsetzt sich zum ersten, wenn sie ym Euangelio horet, das alle unßer ding
nichts und vordampt sey fur gott, und lest nit gern yhr guttdunckel und
vormessenheyt faren.
Nu hallt eyn
iglicher sich selb gegen das Euangelium unnd sehe, wie nah odder fernn er von
Christo sey, wie es umb yhn stehe ym glawben und lieben. Viel seynt yhr, die
mit trewmender andacht entzundet werden, wenn sie solch armut Christi hoeren,
tzornen fast mit den Burgernn tzu Bethlehem, straffen yhre blindheyt unnd
undanckparckeyt, meynend, wenn sie da geweßen weren, wollten grossen dienst dem
herrnn und seyner mutter ertzeygt und nit ßo erbermlich lassen tzugehen haben.
Aber sie sehen nit neben sich, wie viel yhr nehisten umb sie seyen, die wol
durfften yhrer hulff, die sie doch lassen gehen unnd bleyben, wie sie sein. Wer
ist auff erden, der nit arm, elend, kranck, yrrige odder sundige menschen umb
sich habe? Warumb ubet er denn hie nit seyne liebe? warumb thut er denen nit,
wie yhm Christus than hatt? Es ist erlogen und falsch, das du meynist, du
wolltist Christo viel guttis than haben, ßo du es dießen nitt thuest. Wenn du
zu Bethlehem werist geweßen, du hettist sein eben ßo wenig geachtet alß die
andernn; ya, weyl er nu erkleret ist, wer er sey, ßo willtu dienen; wenn er nu
keme und legt sich ynn die krippen, ließ dyr sagen, er were es, von dem du ßo
viel itzt weyssist, ßo [Luk. 16, 19 ff.] mochtistu was thun, aber tzuuor
hettistu es nit than. Wer dem reychen man ym Euangelio auch gesagt hette, wie
groß der arm Lasarus tzukunfftig seyn wurd, das erß gewiß were geweßen, er
hette yhn nit ßo lassen ligen und vorterben. Alßo wenn deyn nehister das itzt
were, das er werden soll tzukunfftig, und lege denn fur dyr, ßo wurdistu seyn
wol wartten, aber nu das [WA s. 88] nit ist, schlechstu es alles ynn den wind
und kennist deynen herrn yn deynem nehisten nicht, thust yhm nit, wie er dyr
than hatt. Drumb lest dich gott auch blind werden, durch Bapst und falsche
prediger betriegen, das du an holtz und steyn, papyr und wachß gibst und
vorleurist das, damit du deynem nehisten wol hettist mugen helffenn.
[Luk. 2, 14] Zuletzt mussen wyr auch den Englischen gesang handelln,
den wyr ynn der meß teglich habenn: Gloria in excelsis deo. &c.. Dreyerley
ordenen sie ynn dißem gesang: Die Ehre, Den friden, Das wolgefallenn odder
gutten willen. Die ehre geben sie gott,
den frid der erden, das wolgefallen den menschen. Der gute will oder
wolgefallen mocht vorstanden werden von dem gotlichenn gutten willen und
wolgefallen, den er hat ubir die menschen durch Christum. Aber wyr wollenß
lassen bleyben bey dem gutten willen, den die menschen auß dießer gepurtt
haben, wie denn auch die wortt gebenn, die alßo [Luk. 2, 14] lautten: anthropis
eudokia, hominibus beneplacitum. Das erst ist die Ehre gottis; da soll man auch
anheben, auff das gotte ynn allen dingen der rhum und die ehre geben werd, alß
dem, der alle ding thutt, gibt unnd hatt, das niemand yhm selb etwas
tzuschreybe oder sich eynigs dings annehm. Denn die ehre gepurtt niemant, denn
alleyn gotte, lessit sich nitt mit yemand teylen odder gemeyn machen. Die ehre
hatt Adam durch den boeßen geyst gestolen unnd yhm selb tzugeeygent, das alle
menschen drob ynn ungnaden seyn mit yhm, und ist auch noch ynn allen menschen
ßo tieff gewurtzellt, das keyn laster ßo tieff inn yhm ist, alß die ehrsucht.
Niemant wil nichts seyn odder mugen, [WA s. 89] yderman gefellet yhm selb wol,
daher denn aller yammer, unfrid unnd krieg auff erdenn kompt. Die Ehre hatt
Christus gott erwidder bracht, damit das er unß geleret, wie alle unßer ding
nichts sey denn eyttel tzorn und ungnad fur gott, das wyr unß ynn keynen weg
rhumen noch unß selb drynnen wolgefallenn mugen, ßondernn furchten unnd schemen
mussen, alß ynn der grossisten far und schande, das alßo unßer ehre und
selbgefallen tzu poden gestossen und gantz nichts werde, unnd wyr fro werden,
das wyr yhr ßo loß werden, das wyr yn Christo mugen erfunden und behallten
werden, wie gesagt ist.
[Luk. 2, 14] Das ander ist der frid auff erdenn. Denn
tzugleych, wie do muß [Spr. 13, 10] unfrid seyn, wo gottis ehre nit ist, wie
Salomon sagt: inter superbos, unter den hochfertigen, ist alltzeytt hadder,
alßo widerumb, wo gottis ehre ist, da muß frid seyn. Warumb sollten sie
haddernn, wenn sie wissenn, das nichts yhr eygen ist, ßondernn alles was sie
seyn, haben und vormugen, ist gottis, den lassen sie damit waldenn und benugen
daran, das sie eynen gnedigen gott haben; wer do weyß, das allis seyn ding
nichts ist fur gott, der acht seyn auch nit fast, gedenckt auff eyn anderß, das
fur got etwas sey, das ist Christus. Darauß folget, das, wo ware Christen sind,
da mag keyn streyt, hadder, [Jes. 11, 9] unfrid unter seyn. Wie Isaias .11.
vorkundigt und spricht: Sie werden nitt eyner den andern todten noch
beschedigen auff meynem heyligen berge (das ist. [WA s. 90] [Jes. 11, 9] ynn
der Christenheyt); folgt die ursach: Denn es ist die erden voll erkentniß gottis,
das ist, dieweyl sie gott erkennen, das allis seyn ist und unßer ding [Jes. 2,
4] nichts, ßo konnen sie wol frid haben unternander. Wie auch derselb Isaias c.
2. sagt: sie werden yhr schwerd wandelln ynn pflugscharen und yhr spieß ynn
sichlen. Sie werden hinfurtt nit gegenander das schwerd auffheben noch tzum
streytt sich uben. Darumb heyst unßer herr Christus eyn kunig des frides und
ist bedeuttet durch den kunig Salomon, wilcher auff deutsch heist fridreych das
er unß frid macht ynnwendig gegen gott ynn unßerm gewissen durch den glawben
auff sich gebawet und außwendig gegen den menschen, inn leyplichem wandel,
durch die liebe, das alßo durch yhn allenthalb frid sey auff erdenn.
[Luk. 2, 14] Das dritte ist der gutte wille der menschenn.
Hie heist nit der gutte wille, der do gutte werck wirckt, ßondern das
wolgefallen und fridlich hertz, das yhm lessit allis gefallen, was yhm
widderferet, es sey gutt odder boße. Denn die Engell wisten wol, das der frid,
dauon sie singen, sich nit weytter streckt, Denn unter die, ßo ynn Christum
warhafftig glewben; dieselben haben gewißlich unternander frid. Aber die wellt
und der teuffel haben keyn ruge, [Joh. 16, 33] lassen yhn auch keyn frid,
vorfolgen sie biß ynn den tod, wie Christus Joan. 16. [WA s. 91] sagt: ynn myr
sollt yhr frid haben, ynn der wellt werdet yhr gedreng habenn. Darumb war es
den Engelnn nit gnug, tzu singen den frid auff erdenn, [Luk. 2, 14] ßondernn
auch den wolgefallen der menschen, das ist, das sie es yhn allis lassen
wolgefallen, loben und dancken gott, dunckt sie recht und gutt seyn, wie gott
mit yhn feret und faren lessit. Murmelln nit, stehen feyn gelassen und willig
ynn gottis willen, ya, weyl sie wissen, das gott allis thutt und schafft, den
sie doch durch Christum haben ym glawben tzum gnedigen vatter ubirkummen, ßo
rhumen sie und frewen sich, wenn sie voruolget werden. Wie [Röm. 5, 3] S.
Paulus Ro. 5. sagt: wyr rhumen und prangen ynn den voruolgungen. Es deucht sie
allis das beste seyn, was yhn begegnet, auß ubirfluß des frolichen gewissens,
das sie ynn Christo haben. Sihe, eyn solchen gutten willen, wolgefallen,
guttduncken ynn allen dingen, sie seyen gutt odder boße, meynen [Luk. 2, 14]
die Engel alhie ynn yhrem gesang. Denn wo der gutte will nit ist, da bleybt nit
lang fride. Er legt auch alle ding auffs ergist auß, macht alltzeytt das ubel
groß und auß eynem unfall tzween. Drumb wie es gott mit yhn macht, [Ps. 18, 27]
ßo gefellet es yhn nit und wollens anders haben, ßo geschicht denn das Ps. 17: Herr
got, mit dem, der allis fur außerwelt hellt, machstu es auch außerwelt [WA s. 92] (das ist der solchen wolgefallen hatt ynn allen dingen,
den lessistu widderumb dyr unnd allen gefallen), aber mit dem vorkeretenn
vorkeristu dich auch, das, wie yhm du und alle deyn thun und schaffen nichts
gefellet, alßo gefellet er dyr und alle dem deynen widder nicht. Von dem gutten
willen sagt Paulus [Röm. 15, 2[!], 1. Kor. 9, 22[!]] .1. Cor. 3: thut vleyß,
das yhr yderman gefallet, wie ich yderman gefalle. Wie geschicht das? wenn du
dyr alle ding lessist gutt seyn und gefallen, ßo gefellistu widderumb yderman.
Es ist eyn kurtz regel: willtu niemant gefallen, ßo laß dyr niemant gefallen;
willtu yderman gefallen, ßo laß dyr yderman gefallen, ßo fern doch, das du
gottis wort nit drob lessist; denn da horet alles gefallen und misfallen auff;
was aber on nachlassung gottis wortt mag nachgelassenn werden, das laß, auff
das du gefellig seyest yderman, und laß dichs gutt duncken fur gott, ßo hastu
dißen gutten willen, da die Engell von singenn.
Auß dißem gesang
mogen wyr lernen, was die Engel fur Creatur seyn; laß faren, was die naturliche
meyster dauon trewmen, hie sind sie also abgemalet, das sie nit baß mugen
abgemalet werden, das auch yhr hertz und gedancken hie erkennet werdenn. Zum
ersten ynn dem, das sie mit frewden gott die ehre tzusingen, tzeygen sie an,
wie sie voll liecht und fewr sind. Erkennen, wie alle ding gottis allein sind,
geben ihn selbs nichts, mit grosser brunst tragen sie die ehre alleyn dem tzu,
des sie ist. Drumb wie du woltist dencken von eynem demutigen, reynen,
gehorßamen, gottlobenden und frolichem hertzen ynn got, ßo denck von den
Engellenn, und das ist das erst, damit sie [WA s. 93] gegen gott wandellnn. Das
ander ist die liebe gegen unß, gleych wie wyr droben geleret seyn tzu thun. Hie
sihestu, wie gunstig, große frund sie unß seyn, das sie nitt weniger unß
gonnen, denn yhn selbs, frewen sich auch unßers heylß ßo fast, alß yhreß
eygens, das sie furwar ynn dißem gesang unß eyn trostlich reytzung geben des
besten tzu yhn tzuuorsehen, alß tzu den bestenn frunden. Sihe, das ist recht
die Engel nit nach yhrem weßen, damit die Naturlich meyster on alle frucht
umbgahn, ßondernn nach yhrem inwendigsten hertz, mut und sin vorstanden, das
ich nit weiß, was sie seyen, ßondern was yhr hochstis begird unnd stettigis
werck ist, da sihet man yhn ynß hertz. Das sey gnug von dem Euangelio. Was
Maria, Joseph unnd Nazareth bedeutte, ist ym Euangelio Luce .1. tzu sagenn.
In dießem Euangelio ist der artickel des glawbens gegrund,
da wyr sagen: Ich glewb ynn Jhesum Christum, der gepornn ist von Marien, der iungfrawen.
Denn ob derselb artickel wol an mehr ortten der schrifft gegrundet ist, doch an
keynem ort so klerlich und reychlich. S. Marcus sagt nit mehr, denn das
Christus eyn Mutter habe, desselben gleychen auch S. Joannes, sagen beyde
nichts von der gepurtt. S. Matth. sagt, er sey geporn [WA s. 94] von Marie tzu
Bethlehem, lest es auch alda bleyben, on das er die iunpfrawschafft Marie
herlich predigt, wie wyr hoeren werden tzu seyner tzeyt. Aber Lucas beschreybt
sie klerlich und vleyssiglich. Sie ist vortzeytten auch yn den [1. Mose 22, 10]
Patriarchen und propheten vorkundigt, alß da gott zu Abraham sagt Gen̄.
22.: ynn deynem samen sollen gebenedeyet werden alle volcker der erden. Item
tzu [Ps. 89, 4. 5, 132, 11] Dauid Ps. 88. und .131.: Gott hatt Dauid eyn eyd
geschworen ynn der warheytt unnd wirt yhm nit feylen: von der frucht deyneß
leybß will ich eyn kunig machen auff deynem thron; aber das sind finstere
spruech gegen dem Euangelio.
Item, sie ist
auch ynn vielen figurn bedeutt; Alß ynn der mandelruten Aaron, die da blueett
ubirnaturlich, ßo es doch eyn durr holtzstecken war [4. Mose 17, 8] Numeri 17.
Alßo Maria, frembd von aller naturlichen und fleyschlichen blutt, safft, krafft
und wercke hatt ubirnaturlicher weyß doch eynen warhafftigen naturlichen son,
sie, eyn naturlich Mutter, geporn, gleych wie die Rute auch naturliche mandell trug und eyn
naturliche Rute bleyb.
[Richt. 6, 37. 38[!]] Item, durch das fell Gedeon Judic .7.,
wilchs von hymeltaw feucht wartt und das land trocken bleyb und der viel mehr,
die itzt nit nodt sind tzurtzelen. Auch die figur streyttenn nicht, ßondernn
sie schmucken den glawben; denn es muß tzuuor geglewbt und gegrundt seyn, ehe
ich glewbe, das die figur [WA s. 95] datzu diene. Nu ligt an dißem artickel
viel, das wyr ynn der anfechtung unß ihn yhe nit nemen lassen; denn der Boße
geyst fichtet nichts ßo hartt an alß den glawben. Drumb mussenn wyr gerustet
seyn und wissen, wo derselb yn der heyligen schrifft gegrundet sey, unnd seyn
anfechtung dahynn weyßen; ßo ist sie schon matt, denn widder gottis wortt kan
er nicht bestehen.
Es sind auch
viel sittlicher lere ym Euangelio, alß von der demut, gedullt, armut und der
viel mehr, aber die sind gnugsam berurtt, gehoren auch nit tzum streytt, denn
es sind fruchte des glawbenß und gutte werck.
1522[WA s. 95]
[Tit. 3, 4 –7] ES ist
erschynen die freuntlicheytt und leuttselickeyt gottis, unßers seligmacherß, und
hat unß nit nach den wercken der gerechtickeyt, die wyr than haben, ßondernn
nach seyner barmhertzickeyt selig gemacht, durch das bad der widdergepurtt und
vornewrung des heyligen geystes, wilchen er ynn unß reychlich außgossen hatt,
durch Jhesum Christum, unßern seligmacher, auff das wyr durch desselben gnade
gerechtfertigett erbe seyn des ewigen lebens ynn der hoffnung.
Diße Epistell leret und treybet eben das wyr am end des
Euangeli gesagt [Luk. 2, 14] haben vonn dem wolgefallen odder gutten willen,
desselben gleychen auch die liebe tzu dem nehisten, und ist die summa: Warumb
sollten wyr das nit thun, ßo unß zuuor gott hatt alßo than, fur dem wyr weniger
wirdig warenn solcher gutter, den keyn mensch fur unß ist. Wie nu got sich
freuntlich und leuttselig tzu unß gestallt hatt, seyne barmhertzickeytt unß tzu
gebenn, alßo [WA s. 96] last unß den andernn auch thun, ob sie gleych nit
wirdig sind; seyn wyr doch, ihn gleich, auch unwirdig geweßen. Das aber die
Epistell deste baß vorstanden werde, mussen wyr den eyngang und ursach solcher
rede wissen. Hartt tzuuor [Tit. 3, 1 –3] spricht er alßo tzu Tito seynem
iunger: Vormane sie, das sie den hirschafften und ubirckeytten unterthan,
yhrenn ordenungen gehorßam unnd denselben tzu allen gutten werck bereydt seyn,
das sie niemandt lesternn, nit streyttig seyen, ßondern yhn lassen allis
gefallen und alle senfftmutickeytt ertzeygen gegen alle menschen. Denn wyr sind
auch weyland geweßen unuorstendige, ungehorsame, yrrige diener unßer eygen
manicherley begirdenn und wollusten, haben ynn boßheytt und neydt gewandellt,
feyndselige unternander gehasset. Nu aber erschynen ist die fruntlickeytt
.&c.. Hie sihistu, das Sanct Paulus unß hellt gegen got und die menschen,
will, das wyr den ubirn gehorsam, den andern freuntlich seyn sollen,
unangesehen, ob sie boeß, blind, yrrige leutt seyn, ßondernn sollen das yhn fur
gutt haben und unß ihn gefellig machen und eynen gutten willen drynn haben,
angesehen, das unß gott ßo than hatt, da wyr auch waren, wie sie itzt seynn.
[Tit. 3, 4] Das wortle: Erschynen ist gnugsam droben yn der
vorigen Epistell außgelegt, das es bedeut die offenbarung des Euangeli, dadurch
Christus [WA s. 97] erschynen ist ynn aller wellt, wiewol man die Epistell auff
die gepurtt Christi tzeucht, da ligt nit viel an. Er braucht hie nit das wortle
gnade, wie droben, ßondernn tzwey liebliche andere wortt, fruntlickeytt und
leuttseligkeytt, schreybt er dem gnedigen got zu. Das erst heyst auff
kriechisch Chrestotes und ist das freuntlich, lieblich wandelln eynß gutigen
lebens, das yderman gern mit demselben menschen umbgaht unnd seyn geselschafft
fast ßueß yderman tzu gunst und lieb reytzet, der die leutt wol leyden kan,
niemant voracht, niemant mit sawren, hartten, seltzamen geperden oder weyßen
voriagt, mag yderman tzuuorsichtlich umb yhn seyn tzu yhm gahn und mit yhm handelln, gleych wie die
Euangeli Christum abemalen unter den leutten, der yderman fruntlich ist,
niemant voracht, niemant vorsagt unnd gantz schlachtig, merb und genietig ist. Alßo
hatt sich gott auch durchs Euangelium unß ertzeygt, gantz lieblich und
fruntlich, yderman bereytt, niemant voracht, alle unßer untugent unß tzu gutt
halltet, niemant voriagt mit strengheyt. Denn es ist eyttel gnade da
vorkundigt, ynn wilcher er unß tregt und mit unß umbgehet auffs aller
fruntlichst, mit niemant feret nach seynem vordienst und wirdickeytt. Das ist
die tzeyt der gnadenn, da mag yderman zu dem thron seyner [Hebr. 4, 16, Ps. 34,
6] gnaden gehen mit aller tzuuorsicht, alß heb. 4. geschrieben steht. Und Ps.
33: [WA s. 98] Nahet euch tzu yhm und
last euch erleuchten, ewr angesicht werden sich nit schemen, das ist, er wirtt
euch nit umbsonst bitten und kummen, oder mit scham leer heymgehen lassenn.
Das ander heyst
Philanthropia, menschenlieb, gleych wie geytz mocht [2. Sam. 1, 26] gelltlieb
heyssen und Dauid .2. Re. 1. frawenbegird nennet frawenliebe. Alßo nennen die
naturlich meyster etlich thierer menschenlieber odder leuttselig, alß da sind
die hund, pferd, delphin. Denn dieselben thier haben naturlich lust und lieb
tzu den menschen, thun sich auch tzu yhn und dienen ihn gern, alß hetten sie
vornunfft und vorstand gegen dem menschen. Eyn solchen namen unnd lieb eygent
hie der Apostell unßerm gott, und hatt tzuuor [5. Mose 33, 2. 3] auch than
Moses. Deutro. 33., da er von gott sagt: Inn seyner hand ist eyn feurigs
gesetz, er hatt seher geliebt die leutt, das die meynung sey: Gott hat sich ym
Euangelio nit alleyn freuntlich ertzeygt, der yderman umb sich leyden und
annehmen wolle, ßondernn widderumb hellt er sich auch zu yhn, sucht bey yhn zu
seyn, beutt yhn seyn gnade und fruntschafft an; das sind yhe tzwey sueße,
trostliche wort von unßerm gott, das er seyne gnade anbeutt unnd unß
nachleufft, datzu auffs lieblichst auffnympt alle, die sich tzu yhm nahen unnd
seyn begeren. Was soll er mehr thun? Nu, sihe, warumb das Euangelium heysse eyn
trostlich, liebliche prediget von gott ynn Christo. Was mocht [WA s. 99]
lieplicherß gesagt werdenn, den solche wortt, eynem sundigen, elenden gewissen?
o das unß der teuffel durch des Bapsts gesetz solch lautter gottiswortt alßo gar
iamerlich vordruckt hatt!
Man muß aber die
tzwey wort frey und gemeyn lassen und nit eyn unterscheyd der person unter den
menschen machen, das solch gotlich fruntlicheyt und leuttseligkeytt nitt auß
unßerem vordienst oder ansehen, ßondern alleyn auß seyner barmhertzickeyt
herkumme und treffe allis das, das eyn mensch heyst, es sey wie gering es
wolle; denn gott liebt nitt die person, ßondernn die natur, und heysset nit
personselig, ßondern leuttselig, auff das yhm seyn ehre gantz bleybe unnd
niemant sich seyner wirdickeytt rhume, niemant sich seyner unwirdickeyt
entsetze, ßondernn eyner wie der ander sich troste auff die unuordiente gnade,
die er ßo freuntlich, leuttseliglich anbeutt und gibt. Denn sollt yrgent eyn ansehen
odder person wirdig geweßen seyn, weren es billich die, die do werck der
gerechtickeyt than hatten. Nu furwirfft dieselben Paulus [Tit. 3, 5] am meysten
und spricht: Nit nach den wercken der gerechtickeytt, die wyr than haben.
&c.. Wie viel weniger wirtt solch erschynen seyn umb deyner weyßheyt, gewallt,
adel reychtumb und deynes gelben hariß willen! Es ist grosse gnade. Es ist aber
auch blosse gnade, die allen rhum und ehre dempfft und nur gottis ehre
auffricht, der sie den unwirdigen umbsonst geben hatt.
So leret nu diße
Epistel abermal die tzwey stuck, glawben und lieben, odder wolthatt von gott
empfahen und wolthatt dem nehisten ertzeygen, wie denn die gantz schrifft die
zwey treybet, und eyniß on das ander nitt seyn mag. [WA s. 100] Denn wer do nit
festiglich glewbt solcher gnaden gottis, der ertzeygt es gewißlich auch gegen
seynen nehisten und ist fawl, hynlessig, demselben woltzuthun; yhe fester aber
ymand glewbt, yhe fleyssiger unnd williger er ist, seynem nehisten tzu helffen;
alßo treybt der glawb die liebe, und liebe mehret den glawben. Daher sehen wyr,
wie gar nichts wyr ym glawben gahn, die wyr mit anderem wircken, denn wolthun
dem nehistem, vormessen frum und selig tzu werdenn. Erfinden teglich ßo viel
newer werck und lere, das wyr tzuletzt nichts mehr wissen vonn rechtem gutem
leben, ßo doch alle Christlich lere, werck und leben kurtz, klarlich,
ubirflussig begriffen ist ynn den zweyen stucken GLAWBEN UND LIEBEN, durch
wilch der mensch tzwischen Gott unnd seynem nehisten gesetzt wirt alß eyn
mittell, das da von oben empfehet und unten widder außgibt unnd gleych eyn
gefeß oder rhor wirt, durch wilchs der brun gotlicher gutter on unterlaß
fließen soll ynn andere leutt. Sihe, das sind denn recht gottformige menschen,
wilche von gott empfahen allis, was er hatt, ynn Christo, und widderumb sich
auch, alß weren sie der andern gotte, mit wolthaten [Ps. 82, 6] beweißen; da
geht denn der spruch Ps. 81: Ich hab gesagt, yhr seyt Gotter und kinder des
allerhochsten allesampt. Gottis kinder sind wyr durch den glawben, der unß
erben macht aller gottlichen gutter. Aber gotte synd wyr durch die liebe, die
unß gegen unßernn nehisten wolthettig macht; denn gottlich natur ist nit anderß
denn eytell wolthettickeyt und, alß hie. S. Paulus sagt, [WA s. 101] [Tit. 3,
4] freuntlickeyt und leutselickeyt, die yhr gutter ynn alle creatur
ubirschwenglich außschuttet teglich, wie wyr sehen.
Nu sihe tzu, das
du diße wortt lassist dyr gesagt seyn, das gottis freundlicheyt und
leudselickeytt offenbart und yederman angepotten ist, und du auff diße wort
deynen glawben bawist, teglich daran ubist und sterckist, on allen tzweyffel
dafur haltest, es sey alßo, und gott sey und wolle dyr frundlich und leudselig
seyn; ßo ist er dyr gewißlich alßo, magist alßdann bitten und begeren mit aller
zuuorsicht, was du wilt, was dich dringt, was dyr und andernn nodt ist; wo du
aber nit alßo glewbist, were es viel besser, du hettist es noch nie gehoeret;
denn mit dem unglawben machstu dieße thewre, trostliche, gnadreiche wort tzur
lugen, stellist dich damit, alß achtistu sie nit fur warheyt, wilchs gar eyn
hohe, groß gottis unehre und mißbieten ist, das freylich keyn großere sund von
dyr geschehen mag. Glewbistu aber, ßo ists nitt mueglich, das dauon deyn hertz
nitt sollt fur freuden ynn gott lachen, frey, sicher und muetig werden. Denn
wie mag eyn hertz trawrig odder unlustig bleyben, das da nit tzweyffellt, Gott
der sey yhm fruntlich und hallte sich gegen yhm als eyn gutter frund, mit dem
er sich alß mit yhm selbs alliß dings wol vormuege? Es muß solch freud und lust
folgen; folget es aber nit, ßo ist gewißlich der glawb noch nit recht da. Und
das heyst der Apostell [Gal. 3, 2] tzun Galatern den heyligen geyst empfahen
ynn und durchs Euangelium; denn das Euangelium ist ßo eyn lieplich predigt von
gottis gnaden unnd sussickeyt, das es den heyligen geyst mit sich bringt ym
horen und predigen, gleych wie der sonnen glantz naturlich die hitze mit sich
bringt. Wie mocht aber S. Paulus lieblicher susser wort gesetzt haben? Ich thar
sagen, das ich ynn der gantzen schrifft nit lieblicher wort hab geleßen von
gottis gnaden geredt denn [WA s. 102] [Tit. 3, 4] diße tzwey, Chrestotes und
Philanthropia, darynn die gnade also abgemalet ist, dz sie nit allein sund
vorgebe, ßondernn auch bey uns wone, freunklich mit unß umbgehe, willig ist tzu
helffen und urbuttig tzu thun allis, was wyr begeren muegen, alß von eynem
gutten willigen freund, tzu dem sich eyn mensch alliß gutten vorsihet und sich
gantz wol vormag. Erdenck dyr alßo eynen gutten freund, ßo hastu eyn bild, wie
sich gott gegen dyr yn Christo erbeutt, und ist dennoch solchs bild noch gar
geringe, solch ubirreyche gnade furtzubilden.
Wenn du nu alßo
glewbist unnd frolich bist ynn gott, deynem herrnn, lebist nu unnd bist satt
ynn seyner gnaden, hast was du haben sollt, — Was wiltu nu auff erden machen
ynn dißem leben? Du must yhe nit mussig gehen. Ja, es lessit dich solch lust
und lieb gegen gott nit rugen. Szondernn du wirst hitzig und begirig tzu thun
allis, was du nur wistist, daran du solchem freuntlichen holtseligen gott lob,
ehre und danck thettist; da ist keyn unterscheytt mehr der werck, da sind alle
gepot auß, da ist keyn tzwang noch drang, eyttell frolicher wille und lust
woltzuthun, es sey das werck gering odder kostlich, kleyn oder groß, kurtz oder
langk. Zuuor begeristu, das solch erkentniß gotlicher gnaden ander leutt auch
hetten. Darumb ßo bricht deyn lieb auß, thut yederman was sie kan, predigt und
sagt solche warheytt, wo sie kan, furwirfft alliß, was nach dießer lere nit
gepredigt odder gelebt wirt. Sihe, ßo mag denn der teuffel und die wellt solchs
nit hoeren noch sehen, will yhr ding von dyr unfurworffen haben, hengt sich an
dich allis, was do groß, geleret, reych und gewelltig ist, machen dich tzu
eynem ketzer und tollen menschen. Sihe, ßo kumpstu denn gleych wie deyn herr
Christus umb der warheytt willen an das kreutz
unnd must auffs eußerst geschendt werdenn, [WA s. 103] leyb, leben,
gutt, ehre unnd frund allis ynn die fahr setzen, biß das sie dich von yhn auß
dißem leben treyben ynß ewig leben, noch mustu ynn dem allen frolich seyn,
dasselb allis gern dulden und fur gut haben, yhn widderumb freuntlich seyn,
alletzeyt gedencken, das du tzuuor auch, wie sie itzt seyn, fur gott geweßen
bist. Wilchs denn solcher glawbe und liebe auch gewißlich thut. Sihe; das ist
eyn recht Christlich leben, das do andern thut, wie yhm got than hatt.
[Tit. 3, 5] Das druckt hie der Apostell auß, da er spricht,
die frundlicheit gottis sey uns nit erschynen und selig gemacht umb unßer
gerechtickeyt willen, alß sollt er sagen: Seyn wyr unwirdig geweßen und doch
auß barmhertzickeyt auffgenummen unnd gottis wollthat mit grossem unuordienst
unnd ßunden empfangen, —Warumb sollten wyr denn sparen unßer wolthat alleyn
denen, die es umb uns vordienen oder wirdig seyn? Neyn nit alßo, ßondernn
gottis kinder last unß seyn unnd eben unsernn feynden und ubelthetthernn
wolthun, wie gott unß, seynen feynden und ubelthetthern, than hatt und noch
thut. [Matth. 5, 44 –4] Das sagt auch Christus Matth. 5: Liebet ewr feynde,
auff das yhr seydt kinder ewriß hymlischen vatterß, der seyne sonne lessit
auffgehen ubir die gutten [WA s. 104] und boßen und lessit regnen ubir die yhm
dancken unnd nit dancken; denn ßo yhr nur ewr freund liebt, was werdet yhr fur
eynen lohn haben? thun doch das auch die publican und sunder. Und mercklich
furwirfft S. Paulus unß [Tit. 3, 5] nit alleyn der boßen werck halben, Szondern
spricht: nit nach den wercken der gerechtickeyt, die wyr than haben; das meynet
er von denen wercken, die wyr fur gutt haben gehallten, wilchs ist eyn
gerechtickeyt fur unßern und der menschen augen antzusehen unnd macht unß doch
nur ungeschickter tzu gottis gnaden, dieweyl sie an yhn selbs falsch seyn, und
wyr daruber datzu thun, machen eyn tzwyfalltige ßund drauß, das wyr sie vor gutt
achten unnd drauff vorlassen, wilchs gott gar seher erbittert. Alßo erbittern
unß unßer feynd auch am meysten, die do unrecht haben und doch yhr dinck wollen
fur recht erstreytten widder unß; dennoch sollen wir nit yhn vorsagen
woltzuthun, gleych wie unß gott ynn gleychem yrthumb, da wyr auch narren waren,
ließen unß duncken, es were wolthan was wir thetten, auß lautter
barmhertzickeit than hatt; wie er nu unß nit nach unßer vormeynter
gerechtickeyt than hatt, Alßo sollen wyr widderumb yhnen auch nit thun nach
yhrem vordienst odder unuordienst, ßondernn auß lautter lieb und umbsonst, nur
yhnen tzu helffen, den danck und lohn nit bey yhn, ßondernn bey gott gewartten.
Das sey gnug von
der gantzen summa der Epistell. Nu last unß sehen die wort, die er braucht tzu
solcher gnaden preyßung und außreden. Zum Ersten hebt er sie so hoch, das er
auch alle unßere gutte werck und gerechtickeyt [WA s. 105] furwirfft; denn wyr
sollen nit dencken, das er eyn schlecht ding furwerffe mit den wortten,
ßondernn das aller beste, das eyn mensch auff erden thun mocht, nemlich die
gerechtickeyt. Wenn alle menschen yhr grosten vleyß thetten nach der hohsten
vornunfft, weyßheyt, freyen willen wirckten, wie wyr denn leßen von etlichen
heydnischen meystern und fursten große tugent und weyßheyt, die alle wellt
preysset mit schrifften und wortten, alß Socrates, Traianus und dergleychen,
Dennoch ist solch weyßheit und tugent nichts fur gott, denn eytell sund und
vordamlich, darumb das sie nit geschicht ynn gottis gnaden, das ist, derselb
mensch erkennet got nit, ehret yhn auch damit nit, meynet, er hab solchs auß
seynem vormugen than, wilchs niemant denn die gnade ym [Phil. 3, 4 –8]
Euangelio leret. Alßo rhumet sich auch S. Paulus, das er tzuuor hab gewandellt
ynn eynem unstrefflichen leben ubir alle seyne gleychen, meynet auch, er thet
recht, das er die Christen voruolgt, die solchs guttis leben furwurffen. Aber
darnach spricht er, da er Christum erkennet, Er achte solche seyne
gerechtickeyt wie den katt unnd unflatt, auff das er ya muege erfunden werden
nit ynn solcher seyner gerechtickeytt, ßondernn ynn Christo und ym [Kol. 2, 1
ff., Gal. 1, 10 ff.] glawben, wie das alliß Colos. 2. und Gal. 1. weytter er
betzeugt. Darumb legt er hie darnyder allen rhum des freyen willenß, alle
menschlich tugent, gerechtickeyt und gutte werck, beschlewst, es sey alliß
nichts und eytell vorterben, es gleyße,
wie groß es ymer mag, ßondernn alleyn die gnade gottis muß selig machen unnd
macht auch selig alle, die solchs glewben unnd yhr begeren ynn rechtem bekentniß
yhriß eygenß vorterbens und nichtickeyt. [WA s. 106]
Szo mussen wyr
nu der schrifft gewonen, die do tzwo gerechtickeyt setzt. [Tit. 3, 5] Eyne
menschliche gerechtickeyt, wie sie hie s. Paulus nennet und viel mehr ortten.
Die ander eyne gottliche gerechtickeyt, das ist die gottliche gnade, wilch uns
rechtfertiget durch den glawben, wie hie .S. Paulus außdruckt [Tit. 3, 7] unnd
sagt am end dießer Epistelln alßo: auff das wyr durch seyne gnade gerechtfertiget
erbe seyn des ewigen lebens; da sihestu, das gottis gnade unßer gerechtickeyt
ist, die auch darumb gottis gerechtickeit heysset, das er sie uns [Röm. 1, 17]
auß gnaden gibt und unßer wirt, das wyr sie empfahen. Alßo sagt er Ro. 1.: Im
Euangelio wirt geprediget von der gotlichen gerechtickeyt, das dieselb sey durch
den glawben, wie da geschrieben stet: Der gerechtfertige wirt leben durch [1.
Mose 15, 6] seynen glawben. Item, alßo stett auch Gen. 15.: Abraham hatt got
geglawbt, und derselb glawb ist yhm tzu gerechtickeyt gerechnet, alßo das die
schrifft beschleust, das niemant fur gott gerechtfertig ist, denn wer do
glewbt, wie itzt [Hab. 2, 4] gesagt und von S. Paulo antzogen ist auß Abacuc.
2: Der gerecht wirt leben durch seynen glawben, das glawb, gnade,
barmhertzickeyt, warheyt eyn ding sey, das got ynn uns durch Christum und seyn
Euangelium wirckt, Wie [Ps. 25, 10] p̄s 24. steht: Alle gottis wege sind
barmhertzickeyt und warheyt. Gottis wege sind aber, darynnen wyr wandellnn unnd
er ynn uns, wenn wyr seynen gepotten folgen; dieselbige wege mussen alle ynn
gottlicher barmhertzickeyt und
[WA s. 107] warheyt gehen unnd nit ynn unßerm vormugen odder
krefften, wilcher wege [Jes. 55, 9] seynd eyttel tzorn und falscheyt fur gottis
augen. Wie er sagt Isaie 55: Alß hoch der hymel ist ubir der erden, ßo hoch
sind auch meyne wege ubir ewre wege, alß sollt er sagen: Ewer gerechtickeyt ist
yrdenisch und nichts, yhr musset ynn meyner hymlischen gerechtickeyt wandellnn,
sollt yhr selig werden.
Wie muegen die wort bestehen, die do lautten, alß seyen wir
schon selig?1 Seyn wyr nit noch auff erden ym iamer? Antwort: Es ist darumb
also geredt, das die krafft gottlicher gnade und die artt des glawbens wurd außdruckt
tzuwidder den yrrigen werckheyligen, die durch yhre werck die seligkeyt, alß
were sie noch fernn von yhn, holen und erlangen wollen. Nit alßo; Christus hatt
unß auff eyn mal selig gemacht ynn tzweyerley weyße. Zum ersten, er hatt alliß
than, was datzu gehort, das wyr selig werden. Nemlich die sund, todt und helle
ubirwunden und vortilget, das nichts mehr datzu von yemand tzu thun ist. Zum
andernn, das er solchs alleß ynn der tawff hatt uns allen geben, das, wer do
glewbt yn Christum, das er solchs than habe, der hatts gewißlich alßo bald yn dem
augenblick alles, und sind alle seyn sund dahyn mit dem tod unnd helle, das er
nichts mehr bedarff tzur selickeyt, denn solchs glawbens. Sihe, ßo
ubirschwencklich reychtumb schuttet gott ubir unß ynn der tauffe, das er auch
die werck auffhebt, damit die [WA s. 108] narren vormessen den hymel gewynnen
und selig werden. Neyn, lieber mensch, du must den hymel haben und schon selig
seyn, ehe du gutte werck thuist; die werck vordienen nit den hymel, ßondernn
widderumb der hymel, auß lautter gnaden geben, thutt die gutten werck dahynn,
on gesuch des vordienstis, nur dem nehisten tzu nutz und got zu ehren, biß das
der leychnam auch von sunden, todt und hell erloßet werde. Drumb alle das
leben, das eyn recht glewbiger Christen furet nach der tauffe, ist nit mehr,
denn eyn wartten auff die offenbarung der selickeyt, die er schon hatt.
Er hatt sie
gewißlich gantz, aber doch ym glawben vorporgen; derselb glawb, wenn der
abethan were, ßo were sie offenbarlich ynn yhm, wilchs [1. Joh. 3, 2 [!]]
geschicht ym leyplichen sterben, wie .1. Johan. 2. stett: Lieben bruder, wir
seyn schon itzt gottis kinder, aber es ist noch nit offenbar, was wyr seyn
werden; wenn er aber kumpt, ßo wissen wyr, das wyr yhm gleych werden seyn. Und alle,
die dieße hoffnung ynn yhn haben, die heyligen sich on unterlaß, gleych wie er
heylig ist.
Darumb laß dich
die wirckheyligen nit vorfuren, die den glawben furachten, setzen deyne
seligkeyt weytt fur dich und treyben
dich mit wercken sie zu holen. Neyn, lieber mensch: Sie ist yn dyr ynnewendig,
ist schon allis geschehen, [Luk. 17, 21] wie Christus sagt Luce. 17.: Das reych
gottis ist bynnen euch. Darumb ist das ubrig leben noch der tawff nichts
anders, denn eyn harren, wartten und vorlangen, das da offenbartt wird, das yn
unß ist, und das wyr das begreyffen, [WA s. 109] [Phil. 3, 12] das unß schon
begriffen hatt, wie S. Paulus Phil. 3. sagt: Ich folge, auff das ich muge das
ergreyffen, darynnen ich von Christo ergriffen byn, das ist, das ich doch sehe,
was wyr fur gutter ynn dem schreyn des glawbens geben seyn. Es ist nygernn und
yhm vorlangt, tzu sehen seynen schatz, den yhm [Phil. 3, 20. 21] die tauff ynn
dem glawben geben und vorsiglet hatt. Alßo spricht er auch daselbist: unßer
wandel ist schon ym hymel, von dannen wyr auch gewartten des seligmecherß Jhesu
Christi, der unßern vorachtlichen leychnam widder mach [Gal. 4, 9] auffs new,
gleych seynem vorklereten leychnam. Item tzun Galatern .4., das er hatte
gesagt: Ihr habt nu gott erkennet, widderrufft er die wortt unnd spricht: ya,
yhr seytt von gott erkennet, ßo es doch beydes war ist, doch mit unterscheydt;
wyr sind von gott erkennet und schon begriffen, aber wyr erkennen unnd
begreyffen yhn noch nit. Denn unßer erkentnis ist noch ym glawben zugedeckt und
vorschlossen.
[Röm. 8, 24. 25] Alßo sagt er auch Roma. 8: Wyr sind schon
selig, doch ynn der hoffnung, das ist, wyr sehens noch nit; denn wer do sihet
(spricht er), der hoffet nitt, ßo wyr aber hoffen des, das wyr nit sehen, ßo
wartten wyr seyn mit gedullt. [Luk. 12, 35. 36] Item, ßo spricht auch Christus
Luce. 12.: Last ewr lenden begurttet seyn, und habt brennende lampen ynn ewren
henden, und seyt gleych den knechten, die [WA s. 110] da wartten auff yhren
herrnn, wenn er heymkumpt von der wirttschafft, auff das, wenn er kompt und
anklopfft, das sie yhm behend auffthun. Item ßo [Tit. 2, 12. 13] hat auch S.
Paulus ynn der vorigen Epistell Tit. 2. gesagt: Wyr sollen nuchtern,
rechtfertig und gotlich leben auff dießer wellt und wartten der offenbarung der
klarheytt des grossen gottis und unßerß seligmacherß Jhesu Christi. Sihe, die
spruch unnd dergleychen bezeugen alle, das wyr schon selig sind gemacht, das
ein Christen mensch nit sich soll noch wercken umbsehen, dadurch er selig muege
werden. Denn solcher wahn und lere vorblenden yhm seyn Christlich augen,
vortilgen yhm den rechten vorstand des glawbenß, unnd [Tit. 3, 5] reyssen yhn
auß dem wege der warheyt und selickeyt, das heyst hie: Er hat [Tit. 3, 7] unß
selig gemacht nach seyner barmhertzickeyt. Und am end der Epistelln, das wyr
seyn erbe des ewigen lebens ynn der hoffnung. Erben seyn wyr, doch vorporgen ym
glawben, und wartten derselben offinbarungen ynn des hoffnung. Solchs wartten
aber und ubrigs leben nach der tauff geschicht darumb, das er durch unß den
leyp castey, die krafft seyner gnaden beweyße ym streyt widder das fleysch,
wellt und teuffel, und doch das alliß endlich darumb, das er durch unß unßernn
nehisten nutz schaffe und sie auch tzu dem glawben durch unßer predigen und
leben bringe. Denn ob er das wol mocht durch die engel thun, will erß doch
durch uns menschen thun, auff das der glawbe bleybe unnd lieplich tzugehe; denn
es wurd keyn glawbe da bleyben, wenn die Engel sollten on unterlaß bey unß
wandelln; so ists auch nit so lieblich, alß durch die natur, die unß gleich
ist, der wyr gewanet und sie erkennen. Szollten [WA s. 111] wyr auch alle nach
der tawff ßo bald ynn hymel genomen werden, wer wollt die andernn bekeren unnd
tzu gott bringen mitt wortten und guttem exempell?
Daher ists nit
tzweyffell: Es sey des teuffels und Endchrists wundertzeychen; tzeychen das wyr
ßo viel auff das fegfewr wenden und mit vorgessen solchs glawbens vormessen unß
mitt wercken dafur behueten odder erauß loßen gerad alß were die selickeytt unß
noch nit geben und musten sie durch eynen andernn weg, denn durch den glawben
ubirkummen, das wyr doch sehen, wie es widder alle schrifft unnd christlich
weßen streyttet. Denn wer die selickeyt nit auß lautter gnaden empfehet fur
allen gutten wercken, der wirt sie freylich ßonst nymer empfangen. Und wer
seyne gutte werck tzu seynem eygen nutz wendet, yhm selb und nit seynem
nehisten damit tzu helffen, der thut schon keyn gutt werck; denn es ist alliß
glawbloß da und eyttell schedlich yrthum unnd vorfurung, das ich wollt, das
fegfewr were noch nie erfunden odder were yhe nit auff die Cantzel kummen, es
thut altzu grewlichen schadenn solcher Christlicher warheyt und rechtem glawben. Nu
hats der teuffel dahynn bracht, das alle stifft alle kloester, alle meß, alle
gepet, gar nahend alleyn ynß fegfewr wircken, datzu mit solcher gifftiger
meynung, das man durch die werck den sachen helffen und die seligkeyt holen
will. Daruber denn der tawff und des glawbenß reychthum muß vorfinstertt unnd
tzuletzt auß Christen lautter heyden werdenn. O Herr gott des grewliß! Man
sollt die Christen leren, wie Christus und S. Paulus, das sie nach der tawff
oder absolution sich nit anderß hielten, denn alß die alle stund tzum tod
bereytt wartteten auff die offenbarung yhrer empfangen selickeyt; ßo gibt man
yhn durch des [WA s. 112] fegfewriß vorlassen eyn fawl sicherheytt, das sie
dencken, nur diß leben sparen und vortzihen biß an das todtbett, da wollen sie
denn rew und leyd haben und mit stifften, seelmessenn und testamenten yhn auß
dem fegfewr helffen; sie werdens aber wol ynnen werdenn. Folgett:
Wie gar mit vollen wortten preysset er die gnad gottis ynn
der tawff unß geben! Nennet die tawff eyn badt, da nitt alleyn fueß oder hend, ßondernn
der gantz leyb gereyniget wirt; alßo auch die tawff macht den menschen gantz
auff eyn mal reyn und selig, das tzu dem hewbtstuck und erbe der selickeytt
nichts mehr nodt ist, denn solcher glawbe ynn solche gottis gnade, auff das es
yhe lautter gnade, on werck unnd vordienst, sey, das wyr selig werdenn, und
alßo bestehe ynn unß ewiglich reyn lieb, lob, danck und ehre gotlicher
barmhertzickeyt, on allen rhum oder wolgefallen eygenes vormugens oder tzuthun,
wie gnugsam und offt gesagt ist. Menschen gerechtickeyt ist nitt eyn solch
badt, ßondernn nur eyn wasschen der kleyder und gefeß, wie [Matth. 23, 25] von
den gleyssennern Matt. 23. geschrieben ist, dadurch sie nur eußerlich fur den
menschen und yhn selb reyn scheynen, aber ynnewendig voll, voll unflatt [Tit.
3, 5] bleybenn. Alßo nennet er das bad nit eyn leyplich badt, ßondernn eyn badt
der widdergepurtt, das eyn solch bad sey, das nitt obenhynn die hawtt wassche
und den menschen leyplich reynige, ßondernn seyn gantz natur umbkere [WA s. 113]
und wandelle ynn eyn ander natur, das die erst gepurtt, vom fleysch geschehen, vorstorett
werd mit allem erbe der sundenn und vordampnis. Damit aber außgedruckt wyrtt,
das unßer heyl auff eyn mal unß geben wirt und nit mit wercken tzu holen ist.
Denn gepurtt gibt nit alleyn eyn glid, hand odder fueß, ßondernn das gantz
leben, den gantzen menschen, der nit darumb wirckt, das er geporn werde,
sondern darumb und tzuuornn geporn wirt, das er wircken muge. Alßo machen unß
die werck nit reyn, frum noch selig, ßondern wyr tzuuor reyn, frum und selig,
thun die werck frey dahyn gott tzu ehren, dem nehisten tzu gutt.
Sihe, das heyst
die lautter erkenttniß der blossen gnaden gottis. Da leret nu der mensch sich
und gott erkennen, gott loben, sich vorachten, auff got sich trosten, an yhm
selb vorzweyffelln. An wilcher lere fast sehr hyndern, die mit gesetzen,
gepotten und werck die leut treyben und wollen selig machen. Weytter, das diß
bad und diße widdergepurt noch klerlicher werd vorstanden, [Tit. 3, 5] thut er
datzu und spricht: Vornewerung, das eyn new mensch, new artt, new Creatur da
werd, die da gantz anderß gesynnet, anderß liebt, anderß lebt, [Gal. 6, 15]
redt und wirckt denn vorhyn. Wie er auch Gal. 6. sagt: ynn Christlichem stand
gilt nichts, widder beschnytten noch unbeschnytten seyn, (das ist: keyn werck
des gesetzs), ßondern eyn new Creatur, alß sollt er sagen: Es wirtt sich nit
also mussen flicken und pletzen, mit wercken, hie und da. Es muß gantz eyn new
hawtt da werden und die natur vorwandellt werden, alßdenn [WA s. 114] [Joh. 3,
3] folgen die werck von yhn selber. Von der gepurtt sagt auch Christus Joan. 3:
Wer nitt anderweytt gepornn wirt, der mag nit sehen das reych gottis. Hie sehen
wyr auch, das die werck nit thun wollen, die person muß selbs und gantz heran,
sterben und ynn eyn ander weßen kummen, wilchs geschicht durch die tauff, ßo
wyr glewben; denn der glawb ist diße vornewrung. Denn es werden auch die
vordampten anderweytt gepornn werden am Jungsten tag, aber das ist eyn gepurt
on vornewrung; sie werden unreyn seyn,
wie [Tit. 3, 5] sie hie geweßen sind ym allten Adamß lebenn. Drumb ist
ditz eyn bad, eyn widdergepurtt, die do new menschen macht. Von der gepurtt
hatt die schrifft viel rede an viel ortten. Denn gott nennet seyn eygen wortt
unnd Euangelium [Jes. 46, 3] matricem und vuluam, Isaie. 46: Horet mich, yhr
ubrigen von Israel, die yhr getragen werdet ynn meynem utter odder unter meynem
hertzen, wie die weyber sagen von yhrem kindtragen. Wer nu glewbt ynn solch
Euangelium, der wirt ynn gottis utter empfangen und geporn. Dauon eyn ander mal
mehr. Das sind nu allis solch wortt, wie wyr sehen, die die werck und
menschlich vormessenheyt ynn den gepotten nydderschlahen und die artt des
glawbens klerlich abemalen, das der mensch auff eyn mal die gnad gantz empfehet
und selig gemacht wirtt, das nitt die werck datzu kummen, ßondernn folgen
sollen.
Gleych alß wenn
gott auß eynem dorren bloch eyn newen grunenden bawm mechte, der alßdenn seyn
naturliche frucht truge. Es ist gar eyn groß [WA s. 115] starck, mechtig unnd
thettig ding umb gottis gnade, sie ligt nit, wie die trawmprediger fabuliern ynn
der seelen und schlefft odder lessit sich tragen, wie eyn gemallt brett seyne
farbe tregt. Neyn, nit alßo, sie tregt, sie furet, sie treybett, sie tzeucht,
sie wandellt, sie wirckt allis ym menschen und lessit sich wol fulen und
erfaren; sie ist vorporgen, aber yhr werck sind unuorporgen, werck unnd wortt
weyssen, wo sie ist, gleych wie die frucht unnd bletter des bawmß artt unnd
natur außweyßen. Darumb wirtt tzu wenig und tzu gering von yhr gepredigt, ßo
man yhr nitt mehr gibt, denn das sie die werck schmucke und helffe
vollnbringen, wie die Sophisten Thomas, Scotus und das volck yrren und
vorfuren. Sie hilfft nit alleyn die werck thun, sie thutts alleyn, ia, nit
alleyn die werck, sie wandellt und vornewet die gantz person, und yhr werck ist
viel mehr, wie sie die person endere denn wie sie die [Tit. 3, 5] werck der
person vollnbringe. Sie will eyn badt, eyn widdergepurtt, eyn vornewrung
machen, nitt alleynn der werck, ßondernn des gantzen menschenn. Sihe, das heyst
frey unnd voll von der gnade gottis predigt. Denn Paulus spricht nit hie, das
unß gott hab selig gemacht durch werck, sondern mit [Tit. 3, 5] vollem mund
schut er auß: durch eyn widdergepurtt unnd eyn vornewrung. Es gillt nitt
flickens mit wercken. Es gillt gantz umbkeren die natur. Darumb geschichts
auch, das die, ßo recht glewben, mussen viel leyden und sterben, auff das die
gnad yhr art und kegenwerttickeyt beweyße. Sihe, dauon sagt Dauid [Ps. 111, 2] Ps.
110: Die werck gottis sind groß und ersucht noch alle yhrem willen. Wer sind
diße seyne werck? wyr sind sie, yn der tawff gemacht durch seyn [WA s. 116]
gnade, wyr seyn große werck, new werck, new gepornn; denn es ist groß dinck, das
eyn mensch ßo schnell selig wirdet, laß vonn sunden, todt unnd hell ewiglich.
Darumb spricht er: sie sind ersucht noch alle yhrem willen odder begerenn. Das
gott damit erfunden hatt und thut allis, das eyn mensch begeret. Was be[ge]ret
aber eyn mensch mehr, denn selig tzu seyn, von sunden, todt und helle erloßet
seyn?
[Tit. 3, 5] Zuletzt nennet er das badt die widdergepurtt,
die vornewrung des heyligen geystis, das yhe volkomlich außgedruckt werd die
grosse und krafft der gnaden. Alßo eyn groß dinck ist ditz badt, das das keyn
creatur, sondern der heylig geyst machen muß. Ey, wie gar furwirffistu,
heyliger .S. Paul., den freyen willen, die gutten werck und die grossen
vordienst der hofferttigen heyligen, wie hoch setzistu unßer selickeyt und
machist sie doch ßo nahe bey unß, ia ynn unß, wie bloß und lautter predigistu
die gnad! Darumb wirck hynn, wirck her, den menschen tzuuor newen unnd die
person endernn, ist nitt [Tit. 3, 5] muglich, denn durch das badt der
widdergepurt, des heyligen geystis; das sihet man auch wol an den
wirckheyligen, wie keyn unleydlicher, hohmutiger freueler, unglewbiger geyster
sind, denn eben sie; denn es sind ungeprochene, unuornewette, vorstockte,
vorharte, vorbliebene menschen ynn yhrem allten Adam, wilchen sie mit yhren
gutten wercken decken und schmucken und keyn vorenderung yhrer boßen natur,
ßondernn nur der eußernn werck haben. O, das ist eyn gifftig volck und fur gott
ynn grossen ungnaden, ob sie wol ynn seynem schoß [Joh. 3, 5] sitzen
vormeynend! Alßo stympt nu hie S. Paulus mit Christo Johann. 3, [WA s. 117] Da
er diß badt alßo nennet: wer nit anderweytt geporn wirt auß dem wasser und
heyligen geyst, der mag nit eyngehen ynn gottis reych. Hie horistu: das [Tit.
3, 5] wasser, das ist das badt, du horist: anderweyt geporn werden, das ist, die widdergepurt und
vornewrung, unnd den geyst, den hie S. Paulus außdruckt, den heyligen geyst.
Und ist hie tzu mercken, das der Apostell von dem sacrament der firmelung
nichts weyß; denn er leret, der heylig geyst werd [Joh. 3, 5] ynn der tawff
geben, wie auch Christus leret, ia, ynn der tawff werden wyr [Apg. 8, 17 u. ö]
auß dem heyligen geyst gepornn. Wyr leßen wol ynn Act. Apostolorum, das die Apostelln
yhr hend legten auff die hewbt der getawfften, das sie den heyligen geyst
empfingen, wilchs sie tzu der firmelung tzihen, ßo dasselb darumb geschah, das
dieselben den heyligen geyst yn offentlichem zeychen empfingen und mit viel
tzungen reden mochten, das Euangelium tzu predigen. Aber dasselb ist tzeytlich
abgangen und nit mehr blieben denn der gleychen ordnung odder weyhen tzum
priester- oder predigerampt, wie wol auch dasselb ym mißprauch grewlich gehet.
Dauon eyn ander mal.
Sihe, der heylig geyst ist nitt alleyn geben, ßondern
außgossen, nit alleyn außgossen, ßondern reychlich außgossen; der Apostell kan
die gnade und yhr werck nit groß gnug machen, und wyr leyder machen sie ßo
geringe gegen [WA s. 118] unßere gutten werck. Es were eyn schmach gottis und
seynis heyligen geystis, das er yhn solt reychlich außgießen uber unß, und solt
noch ettwas von uns und auß uns gesucht werden, damit wyr rechtfertig unnd
selig wurden, als weren solch gottlich ubirschwencklich werck nit gnugsam
datzu. Szo hett auch Sanct Paulus tzu mild geredt und were billich luegen
zustraffen. Aber nu redt er mit solchen vollen trefflichen worten dauon, das es
klar ist. Es muege niemant tzu viel sich auff solch bad und widdergepurtt
vorlassen, es ist noch mehr da. Niemant ßo viel glauben, er hatt noch mehr da.
Und eben darumb von gott solch groß gutter ynn das wortt und glawben gefassett
sind, das die natur dießes lebens nitt tragen noch begreyffen mocht, ßo sie
solltenn bloß dargeben werdenn; und zugleych auch, wenn sie anheben bloß tzu
werdenn, muß der mensch sterben und diß leben lassen, das er gantz vorsincke
und vorschwind ynn die reychthumb, die er itzt ym glawben, alß bey eynem
kleynen zipffell, ergriffen hatt. Sihe, ßo gar ubirflussig sind wyr on alle
werck gerechtferttigett und geseligett, ßo wyrß nur glewben. Drumb spricht auch
S. Peter [2. Petri 1, 4] 2. Pet. 1: Durch Christum sind unß große und kostlich
ding geben, das wyr mitgenossen werden gottliches weßens; spricht nit: sie
werden unß geben [Joh. 3, 16] werdenn, ßondern: sie sind unß geben. Und
Christus Johann. 3: Szo lieb hatt gott die wellt gehabt, das er seynen eynigen
ßon fur sie geben hatt, auff das alle, die ynn yhn glewben, nitt vorterbett,
ßondernn haben das ewige [WA s. 119] leben. Sihe da, sie haben das ewige leben
alle, die da glewben, ßo sind sie gewißlich gerecht und heylig, on alle yhre
werck, und die werck datzu nichts thun, ßondernn es ist eyttel bloße gnade und
barmhertzickeyt da reychlich ubir unß außgossen.
Mochtist aber
sprechen: wie geht denn das tzu, das so offt ynn der schrifft gesagt wirtt,
das, die do gutt thun, werden selig?! Alß Christus [Joh. 5, 29 [!]] Johan. 6 1:
Die da gutts than haben, werden erfurgehen tzu der ufferstehung des lebens. Und
die da ubel than haben, tzu der ufferstehung des gerichtis. [Röm. 2, 7] Unnd
Paulus Ro. 2: Ehr und lob allen, die do guttis thun, tzornn und ungnad allen,
die do ubel thun, und dergleychen ubir die maß viel mehr. Anttwortt: Wie sollt
es tzugehen? Nit anderß, denn wie die wort lautten on alle gloß: wer wol thut,
der wirt selig, wer ubel thutt, der wirtt vordampt. Das macht aber den yrthum,
das man gutte werck urteylet nach dem eußern ansehen; das thutt die schrifft
nit, wilche leret, das niemant guttis thun mag, er sey denn selb zuuor gut; so
wirt er nit durch gutte werck gutt, ßondern [Tit. 3, 5] werck die werden durch
yhn gutt. Er wirt aber gutt durch diß badt der [Matth. 7, 18] widdergepurtt
unnd sonst ynn keynen weg. Das meynet Christus Matt. 7: Keyn boeßer bawm tregt
gutte frucht, und keyn gutter bawm tregt boeße frucht. [WA s. 120] Darumb macht
den bawm entwedder gutt odder boeße, ßo werden die fruecht auch darnach. Das
ist wol war, das die werckheyligen thun werck, die da gleych seyn den wercken
der newgepornn menschen, ya, sie gleyssen tzuweyllen mehr denn yhener
gutten werck; sie betten, fasten, geben,
stifften, wallen und [Matth. 7, 15] wandelln fast scheynbar, aber Christus
nennet es schaffskleyder, unter wilchen reyssende wolff gehen; denn yhr keyner
ist grund ym hertzen demuetig, mild, [Matth. 7, 16. 20] sanfft und gutt, wilchs
sie auch beweyßen, wenn man sie trifft und yhr werck vorwirfft, da geben sie
denn yhr naturliche rechte frucht, dabey man sie erkennet, alß da sind freuel
urteyl, ungedult, eygenwille, hallstarckeyt unnd affterrede, mit vielen andernn
boeßen stucken. Darumb ists war: wer wol thutt, der wirtt selig, das ist, seyn
seligkeyt wirt offinbar werden, aber er thet nit guts, wenn er nit schon selig
were ynn der new gepurt. Darumb die schrifft nennet solch leutt ettwan nach
yhrem eußern wandell ynn gutten wercken, ettwan nach yhrem ynwendigem weßen,
wilchs solchen eußern wandel gutter werck treybett, unnd spricht, sie seyen
schon selig des ynnerlichen weßens halben und werden selig, wenn sie wol thun,
das ist: ßo sie bestendig bleyben, wirt yhr selickeyt offinbar werden. Drumb
die gutten werck, die noch ynn der allten gepurt und Adamß weßen geschehn, sind
die der Apostell ynn dißer [Tit. 3, 5] Epistel furwirfft und spricht: Nit nach
den wercken der gerechtickeit, die wyr than haben &c.. Es sind gutte werck,
aber nit fur gott, der die personlich gutte [WA s. 121] [Mose 4, 4. 5] ansihet und
darnach die werck. Wie er Gen̄. 4. erst Abel und alßodann seyn opffer
ansahe, und erst von Cain und alßdann auch von seynem opffer sich wandt, wilchs
doch nach eußerlichem ansehen eben ßo wol eyn opffer unnd gutt dinck ware als
Abels opffer.
[Tit. 3, 6] Er setzt auch mercklich dartzu: Durch Jhesum
Christum, unßernn seligmacher, damit er unß unter Christo behallt, wie die
iungen hunlin unter der [Matth. 23, 37] gluckhennen. Denn alßo spricht er selb
Mat. 23: O Hierusalem, wie offt hab ich wolt samlen deyne kinder, wie eyn
glockhenne yhr kuchle samlet unter yhre flugel, und du hast nit gewolt.
Hyrynnen die art des rechten lebendigen glawbenß wirt geleret; der ist alßo
gethan, das nit gnug ist tzur seligkeyt, ob du ynn gott glewbist, wie die Juden
und viel andere thun, wilchen er auch widderumb viel guttis thutt und groß
gaben gibt tzeytlich, Szondernn durch Jhesum Christum mustu ynn gott glewben.
Zum ersten nit dran tzweyffellnn, er sey deyn gnediger gott und vatter, hab dyr
alle sund vorgeben und dich selig gemacht ynn der tawff.
Zum andern doch
daneben wissen, das solchs allis nit umbsonst odder on gnugthun seyner
gerechtickeyt geschehe; denn der barmhertzickeyt und gnade ist keyn rawm ubir
unß und ynn unß tzu wircken, odder unß tzu helffen ynn ewigen guttern und
selickeyt; der gerechtickeyt muß tzuuor gnug geschehen sey[n], auffs aller
volkomlichst, wie Christus sagt Matt. 5: Nit der kleynist [WA s. 122] buchstab,
auch nit das kleynist tuttel wirtt von dem gesetz vorgehen, es muß alliß
geschehen. Denn was man von gottis gnaden und guttickeytt sagt, muß alliß
vorstanden werdenn alleyn auff die, ßo do erfullen seyn gepot auff das aller
reynist, wie er sagt Miche. 2., da die Juden sich yn got viel vormassen [Micha
2, 7] und sprachen alltzeytt: frid, frid. Item: Sollt gott ßo tzornig seyn?
sollt seyn guttiger geyst also von unß abgeprochen seyn? &c.. Anttworttet
er: Ja, ich rede guttis nur von denen, die do recht wandellnn. Darumb mag
niemant tzu der reychen gnade gottis kummen, er habe denn gottis gepotten auffs
aller eußirst gnuggethan.
So ist nu
gnugsam gesagt, das unßere werck nichts seyn fur gott, unnd wyr nit das
geringest gepott ynn eynem werck erfullen mugen, wie viel weniger wyr seyner
gerechtickeyt gnugthun mugen, das wyr seyner gnaden wirdig werden. Dazu ob wyr
schon ßo krefftig weren, alle seyne gepott tzu hallten unnd seyner
gerechtickeytt allenthalben gnugtzuthun, dennoch weren wyr dadurch nit wirdig
seyner gnaden und selickeyt, er were sie auch unß nitt schuldig tzu geben,
ßondernn mocht solchs alliß von unß foddernn alß schuldigen dienst von seyner
creaturn, die yhm tzu dienen vorpflichtet ist. Was er aber [Luk. 17, 7 —10]
daruber gibt, eyttel gnade unnd barmhertzickeyt ist. Ditz hatt Christus Luce.
17. klerlich geleret, da er alßo spricht ynn eyner gleychniß: wilcher ist unter
euch, der eyn ackerknecht odder hirttenknecht habe, ßo er von dem feld kumpt,
das [WA s. 123] er ßo baldt tzu yhm sage: gang hynn, setz dich zu tissche,
ßondern er spricht also zu yhm: bereytte myr das abendmal, schurtz dich und
diene myr, biß ich geessenn und getruncken habe, darnach solltu auch essen und
trincken. Danckt er auch demselben knecht, das er gethan hat, was yhm befolhen
ist? Ich meyniß nicht. Alßo yhr auch, ob yhr alliß thettit, das euch gepotten
ist, so sagt: wyr sind unnutze knechte,
wyr haben than, was wyr schuldig tzu thun geweßen sindt. Szo denn nu denen auß
gnaden und nit auß pflichten wirt der hymel geben, die do alliß thun, was sie
schuldig sind tzu thun, Und auch solchen menschen (ob sie yrgend weren) nit auß
vordienst, ßondernn auß [Matth. 19, 17 [!]] gottlicher gnediger tzusagung der
hymel geben wirt, Wie er vorspricht Matt. 16: Willtu eyngehn ynß leben, ßo
hallt die gepott, — was wollen wyr denn mit unßernn elenden gutten wercken unß
vormessen, preyssen dieselben ßo fast, alß weren sie von yhrer natur und nit
auß lauter gottis vorsprechen und gnedigem tzusagen wirdigk des hymelreychs?
Darumb hatt unß
gott geben tzum ersten eynen menschen, der fur unß alle der gotlichen
gerechtickeyt aller ding gnugthet. Zum andernn auch durch denselben menschen
solch gnade und reychtumb außgeusset, auff das, obwol wir solch gnade umbsonst
und on vordienst, ia, mit grossen unuordienst und unwirdickeyt empfahen, ßo ist
sie unß doch nit umbsonst, noch on wirdigen [Röm. 5, 17 ff.] vordienst geben.
Szondernn, als S. Paulus Ro. 5. leret: Gleych wie wyr durch [WA s. 124] Adam
ynn der naturlichen gepurt on unßer vordienst und eygen vormirckung ynn die
sund kummen, die unß angeporn wirt, Alßo widderumb ynn der widdergepurt on unßer
vordienst und eygen wircken durch Christum ynn die gnade und selickeyt kummen.
Darumb ist der heylig Apostel ßo vleyssig an allen ortten, wo er die gnade und
den glawben predigt, datzu setzen: durch Jesum Chistum; auff das nit yemand
eynher plumpe 1 und sprech: ia, ich glawbe ynn gott und laß dabey bleyben.
Neyn, lieber mensch, du must alßo glawben, das du wissist, wie und durch
wilchen du must glewben, das gott von dyr will haben aller seyner gepott
erfullung unnd gnugthuung seyner gerechtickeyt, ehe er deynen glawben auffnympt
tzur selickeyt, und ob du gnugthun mochtist, dennoch nur auß gnaden, nit auß
pflicht der selickeytt wartten sollist, das deyn stoltzirn unnd vormessenn tzu
poden ernyderlige fur gottis augen. Sihe, datzu dienet nu Christus, durch
wilchen dyr solch gnade unnd selickeyt geben wirt, alß durch denen, der an
deyner statt und fur dich allem gotlichem gepott unnd seyner gerechtickeyt
gnugthan hatt ubirflussig, datzu er auch wirdig ist, das durch yhn auch die
gnad unnd selickeyt dyr geben werde. Das heysset denn eyn rechter Christlicher
glawb.
keyn glawb
gnugsam seyn on Christlichen glawben, wilcher ynn Christum glewbt und allein
durch Christum, und sonst nit, empfehet alle diße tzwey stuck. Nemlich:
gnugthuung gottlicher gerechtickeytt unnd gnade [Röm 4, 25] odder schanckung
der ewigen selickeytt. Alßo spricht Paulus Ro. 4: Christus [WA s. 125] ist
ubirgeben umb unßer sund und aufferstanden umb unßer rechtfertigung willen. Nit
alleyn die sund abtzulegenn und gottis gepott erfullen, sondern, auch, das wyr
wirdig durch yhn wurden, gerecht und der gnaden kinder zu [Röm. 3, 25] seyn.
Item Ro. 3: Gott hatt unß Christum furgesetzt tzu eynem gnadenthron durch denn
glawben ynn seynem blutt. Nitt alleyn den schlechten glawben, ßondernn ynn
seynem blut, damit er ynn unßer person gnugthan hatt und alßo unß worden ist
eyn thron der gnaden, das wyr beyderley empfahenn, ablaß und gnad, on unßer
kost und muhe, aber nit on Christus kost und muhe. Darumb mussen wyr unß unter
dießer gluckhennenn flugel schmucken unnd nit ynn eygenß glawbenß
vormessenheytt außflihen, der kuchelwey wyrt unß sonst schwind fressen. Es muß
nitt durch unßer gerechtickeytt, sondernn, alß ich offt gesagt, yn Christus
selbeygener gerechtickeytt, unß dargepreyttett tzu eynem tabernackel und
fittich, unßer selickeytt bestehen. Denn unß glawb unnd allis, was wyr haben
mugenn auß gott, ist nitt gnugsam, ya, es ist nitt rechtschaffen, es thu sich
denn unter die flugel dießer gluckhennen und glewb festiglich, das nitt wyr,
ßondern Christus fur unß gottis gerechtickeyt gnugthun mag und than habe, und
nit umb unßers glawbens willen, ßondern durch Christus willen unß gnade und
selickeyt geben werde, das alßo allenthalben lautter gnade gottis erkennet
werde ynn Christo und durch Christum unß zugesagt, erworben und geben. Das
meynet er, da [Joh. 14, 6] er sagt Joan. 6: Niemant kumpt zum vatter, denn
alleyn durch mich, und ym gantzen Euangelio thutt er nit mehr, denn zeugt unß
auß unß und in sich, breyttet seyne flugel auß
unnd locket unß unter sich. Das will auch S. Pau. am end dießer
Epistell, da er spricht:
[WA s. 126]
Er spricht nitt: durch unßernn glawben, ßondernn; durch
desselben Christus gnade, das ist, das Christus alleyn fur gott ynn gnaden ist,
allen gottis willen than unnd das ewige leben vordient. Nu er aber das nit fur
sich, ßondern fur unß than hatt, ßo sollen alle, die ynn yhn glewben, seyn alßo
hoch genießen, das durch yhn und seyne gnade sie allis das than geachtet werden
was Christus fur sie than hatt. Sihe, wilch eyn reych unaußsprechlich ding ist
der Christliche glawbe, wilch groß unbegreyffliche gutter er bringt allen glewbigen!
Darauß last unß lernen, wilch eyn kostlich predigt das Euangelium sey, darynn
solchs gepredigt wyrtt, unnd was die fur schaden thun und seelen vorterben, die
das Euangelium schweygen, und gesetz, werck, ya, yhr eygen menschenlere
predigenn. Drumb hutt dich fur falschen predigen, ya, auch fur falschem
glawben, bleyb nit auff dyr selb oder auff deynem glawben, kreuch inn Christum,
hallt dich unter seyne flugel, bleyb unter seynem deckel, laß nit deyn, ßondern
seyne gerechtickeyt unnd seyne gnad deyn deckell seyn, das du [Tit. 3, 7] nit
durch deyne empfangene gnade, sondern, wie alhie S. Pau. sagt, durch [Ps. 91,
4] seyne gnade eyn erbe seyist des ewigen lebens. Alßo sagt auch Ps. 90: Er wirtt
dich mit seynen schuldern ubirdecken und unter seynen flugeln wirtt [WA s. 127] [Hohel. 2, 14] deyne hoffnung bestehen. Und ynn Canti.
spricht er: Meyne brawtt ist eyn tawbe, die do nistet ynn den loechernn des
felßen unnd ynn den maurklufften, das ist, ynn Christus wunden wirtt die seel
behallten. Sihe, das ist der rechte Christliche glawbe, der nit ynn und auff yhm
selber, wie die Naturlichen Sophisten dauon trewmen, ßondern yn Christum
kreucht und unter yhn [Tit. 3, 7] unnd durch yhn behallten wirtt.
Das wyr erbe
sind des ewigenn lebenß ynn der hoffnung, ist gnugsam droben gesagt, wie die
gnad on alle werck alliß gibt auff eynmal, selickeyt, erbe &c.., doch ynn
der hoffnung; denn es ist noch tzugedeckt biß ynn den todt, da werden wyr
sehen, was wyr ym glawben empfangen und besessen haben.
Dieße Epistell streyttet starck unnd mit außgedruckten
wortten widder alle gerechtickeyt und gutte werck menschlicher vornunfft,
vormuegen und freyen [Tit. 3, 5] willen. Die wort sind klar, da er spricht: Nit
auß den wercken der gerechtickeyt, die wyr than haben, ßondernn nach seyner
barmhertzickeyt hatt er uns selig gemacht &c.. Unnd tzwar alle wortt
streytten widder dieselben gerechtickeyt; denn er gibts gantz und gar dem bad
der widdergepurt, der vornewrung, dem heyligen geyst, Jhesu Christo und seyner
gnad &c.. Wie mag fur solchen donnerschlegen noch bestehen yrgend eyne
vormessenheyt ynn uns?
Darumb laß
gleyssen alle welltliche und geystliche recht, laß scheynen aller pfaffen,
muench, Nonnen stand, laß leuchten aller bidderman und weyben erbirß leben, wie
es mag, laß sie gleych todten auffwecken, ist nit der [WA s. 128] glawbe da ynn
Christo, ßo ists schon nichts. Noch vorblendet unnd vorfurett solch gleyssen
die gantze wellt und vortunckellt unß die heyligen Euangelia und Christlichen
glawben. Alß wenig nu helffen tzur selickeyt alle werck der thieren odder
handwerck der menschen, ßo wenig helffen auch die obgenanten scheynende [Matth.
7, 15] werck und stende der menschen. Ja, sie hyndernn datzu auffs aller
schedlichst. Drumb huett dich fur den wolffen ynn den schaffskleydernn und lern
dich an Christum hallten ynn eynem rechten, freyen glawben.
1522[WA s. 128]
Die menschen,
die hirtten, haben unternander geredt: last unß gehen biß gen Bethlehem und
sehen das wort, das da geschehen ist, wilchs got der herr gewirckt unnd unß
kundgethan hatt. Und sind eylend kummen und haben funden beyde, Mariam und
Joseph, und das kindt gelegt ynn eyn krippenn; und alß sie das gesehen, haben
sie kund gemacht die rede, die tzu yhnen geschehen war von dem kindt, unnd
alle, die es hoereten, haben sich vorwundert der rede, die von den hirtten yhn
gesagt wurden. Maria aber hatt alle dieße rede behallten und sie ynn yhrem
hertzen bewegt. Und die hirtten sind widderumb kerett, haben gott geehret unnd
gelobt ynn allen dingen, die sie gehoeret und gesehen haben, wie dann yhn
gesagt war.
[WA s. 129]
Das Euangelium
ist fast leycht auß des vorigen außlegen tzuuornehmen; denn es tzeygt an eyn
exempell und voltzihung der lere, die ym vorigen Euangelio geben ist, da die
hirtten gethan und gefunden haben, wie yhnen von den Engellnn gesagt ist. Drumb
hellt das Euangelium ynnen, was die folge und frucht sind des worts gottis, und
wilchs die tzeychen sind, dabey man erkennet, ob das wort gottis ynn unß haffte
und gewirckt habe.
Das erste und
das hewbt-stuck ist der glawbe; denn wo diße hirtten nitt hetten dem Engel
glewbt, weren sie nit gen Bethlehem gangen, hetten auch der dinger keyniß than,
die von yhn ym Euangelio ertzelet werden. Das aber yemand mocht sagen: Jha, ich
wollt auch wol glewben, wenn myrß eyn engel alßo vom hymel vorkundiget, ist
nichts geredt; denn wer das wortt an yhm selb nit auffnympt, der nympts nymmer
mehr auff umb der prediger willen, wenn yhm gleych alle engel predigten. Und
wer eß auffnympt umb des predigerß willen, der glewbt nit dem wortt, auch nit
ynn gott durchs wortt, ßondernn er glewbt dem prediger unnd ynn den prediger.
Drumb bestehet seyn glawb auch nit lange. Wer aber dem wort glewbt, der achtet nit,
wer die person ist, die das wort sagt, unnd ehret auch nitt das wortt umb der
person willen, ßondern widderumb die person ehret er umb des wortts willen,
setzt ymer die person ubir das wortt, und ob die person untergienge odder
gleych vom glawben viele und anderß predigete, ßo lest er ehe die person, denn
das wortt faren, bleyt auff dem, das er gehort hatt. Es sey person, es kumme
person, es gehe person, wie und wenn es mag und will. [WA s. 130]
Das ist auch der
recht unterscheyd des gottlichen glawbens und menschlichen glawbenß: Das der
menschlich glawbe hafftet auff der person, glewbt, trawt und ehret das wortt
umb des willen, der es sagt. Aber der gottlich glawb widderumb hafftet auff dem
wortt, das gott selber ist, glewbt, trawt und ehret das wortt nitt umb des
willen, der es gesagt hatt, ßondern er fulet, das ßo gewiß war ist, das yhn
niemant dauon mehr reyssen kan, wenß gleych derselb prediger thett; das wirtt
beweysset an den Samaritanen [Joh. 4, 42] Joan. 4.: Da sie tzum ersten von
Christo gehortt hatten das heydnische weyble unnd auff yhr wortt tzu Christo
auß der statt gangen, da sie yhn selb hoereten, sprachen sie tzu dem weyb: Nu
glewben wyr nit mehr umb deyner rede willen. Denn wyr erkennen nu selbs, das
ditz ist der wellt heyland. Widderumb alle, die do Christo glewbten umb seyner
person unnd seyner wundertzeychen willen, die vielen alle ab, da er
gecreutziget wart. Alßo ists itzt und altzeyt geweßen. Das wortt fur sich
selbs, on alles auffsehen der person, muß dem hertzen gnugthun, den menschen
beschliessen und begreyffen, das er gleych drynn gefangen fulet, wie war und
recht es sey, wenn gleych alle wellt, alle Engel, alle fursten der hell anderß
sagten, ya, wenn gott gleych selb anderß sagt, alß er tzuweylen vorsucht seyn
außerweleten [1. Mose 22, 1 ff. 32, 24 ff.] und stellet sich, alß wollt er
anderß, denn er vorhyn gesagt hat; wie dem Abraham geschach, da er seynen son
Isaac geheyssen wart tzu opffern, und [2. Sam. 15, 14 ff.] Jacob ynn seynem
kampff mit dem Engel, und Dauid, da er voriagt wartt von Absalom, seynem ßon.
&c..
[WA s. 131]
Dießer glawb
bestehet, ynn leben und sterben, ynn hell und hymel, unnd mag yhn keyn ding
umbwerffen. Denn er steht auff dem
bloßen wortt mit vorachtung alle personen. Solchen glawben haben diße hirtten
auch [Luk. 2, 15] gehabt; denn sie fallen tzu und hangen ßo gar am wortt, das
sie der Engel vorgessen, die es yhn gesagt haben; sprechen nit: last unß gehen
unnd sehen das wortt, das unß die Engel kundtthan haben, ßondernn: das unß gott
kundthan hatt, der Engel ist schon ßo bald vorgessen, und nur das wortt [Luk.
2, 19] gottis gefasset. Desselben gleychen spricht Lucas ym text von Marien,
das sie hab ynn yhrem hertzen die wortt behalten und bewogen, on tzweyfell hat
sich nichts lassen anfechten die geringe person der hirtten, ßondernn hatt es
alliß fur gottis wortt gehallten. Nit alleyne sie, ßondernn auch die andernn
alle, die solche rede von den hirtten hoereten und sich vorwundertten, wie der
text [Luk. 2, 18] sagt. Alle haben sie nur an dem wort gehangen. Und wiewol das
eyn weyße ist der hebreischen sprach, das, wenn sie von eynem geschicht sagt,
spricht [Luk. 2, 15. 17] sie: Wollen sehen das wort, wie hie Lucas redet,
Darumb das die geschicht ynn die wortt gefasset und dadurch kundgemacht
werdenn, ßo ists doch auch darumb alßo vorschafft von gott, das der glawbe wurd
außgedruckt, wilcher an dem wortt hanget und auff das wortt sich ergibt, das
von der geschicht gesagt wirt. Denn Christus leben und leyden, wo es nit ynn
das wort vorfasset were, daran der glawbe hafften muge, were es keyn nutz
geweßenn, dieweyll alle, die es sahen mit augen, keyn frucht dauon empfiengen
odder gar wenig.
[WA s. 132]
Das ander stuck: Die eynmutickeytt des geystis. Denn das ist
die artt des Christlichen glawbens, das er die hertzen eyniß macht, das sie
eyniß sinnes [Ps. 68, 7] und eyniß willenß sey, wie Ps. 67. dauon gesagt ist:
Gott der herr, Christus, [Ps. 133, 1] unßer gott macht eynmutige woner ym hawß,
unnd Ps. 132: Ey, wie feyn und lustig ists, das die bruder eyniß mittenander
wonen. Von der eynickeyt [Röm. 12, 16, 1. Cor. 12, 4 ff. Eph. 4, 3 [!]] des
geysts redet S. Paul an viel ortten, Ro. 12. 1. Cor. 12. und Ephe. 5. Da er
sagt: seyt yhe vleyssig, das yhr eyniß sinnes, eyniß willenß seydt. Solch
eynickeyt ist nit muglich außer dem glawben. Denn eym iglichen gefellet seyne
weyße wol, drumb ist das land (wie man sagt) narren voll. Das sihet man ynn der
erfarung, wie die orden, stend und secten unternander tzurteyllet sind. Eyn
iglicher achtet, seyn orden, seyn stand, seyn weßen, seyn werck, seyn furnehmen
sey das beste und der rechte weg tzum hymel, voracht den andern unnd nympt sich
seyn nit an; Wie wyr sehen itzt unter den pfaffen, Munchen, Bischoffen und
allem, was geystlich ist. Aber die eynen rechten glawben haben, die wissen, das
es gar am glawben ligt, darynnen stymmen sie eyntrechticklich. Drumb teylen und
uneynigen sie sich umb keyniß eußerlichen stands, wandels odder wercks willen.
Es ist yhnen allis gleych, wie mangerley es auch sey, was eußerlich ist. Alßo
sind hie die hirtten eyniß [WA s. 133] [Luk. 2, 15] synneß, eyniß willens,
reden unterander eyne meynung, eynerley wortt, und sprechen: last uns gehen
&c..
Das dritte ist
demutt, das sie sich erkennenn alß menschen. Drumb [Luk. 2, 15] setzt der
Euangelist hyntzu und spricht: Die menschen, die hirtten &c.. Denn der
glawb leret alßo bald, das allis, was menschlich ist, sey nichts fur gott. Drumb
vorachten sie sich unnd hallten nichts von yhn selbs, wilchs ist ware, grundliche
demutt und seyneß selbs erkennen. Die demutt bringt denn mit sich, das sie
nichts fragen nach allem, das da groß und hoch ist ynn der wellt, und hallten
sich tzu den geringen, armen, vorachten menschen. Wie Paulus [Röm. 12, 16] Ro.
12. leret unnd spricht: Sehet nit nach dem, das do hoch ist, ßondernn [Ps. 15,
4] haltet euch tzu denen, die da geringe sindt. Wie auch Ps. 14. sagt: Der
gerechte vorachtet den vorechter und ehret die gotfurchtigen. Auß dem allen
folgt denn frid; denn wer do nichts achtett alliß, was eußerlich und groß, der
lesset es leychtlich faren und tzanckt mit niemant drumb. Er fuelet wol eyn
bessers ynwendig ym glawben seyneß hertzen. Man findet auch woll eynmuetigkeyt,
frid und demutt unter den mordernn, offentlichen ßundernn, auch unter den gleyßnernn;
Es ist aber eyn eynickeyt des fleysches und nit des geysts, wie [Luk. 23, 12]
Pilatus unnd Herodes mitteynander eynß wurden, gegenander frid und demutt [WA
s. 134] [Ps. 2, 2] hatten. Auch die Juden, wie Ps. 2. sagt: Es sind die kunige
der erden und fursten mitteynander eyniß worden widder Christum. Alßo ist auch der
Bapst, Munch und pfaffen eyniß, wenn sie widder gott streben sollen, die doch
sonst eyttell secten unternandern sind. Drumb heyst ditz eyn eynmuettigkeyt,
demut und frid des geystis, das sie ist
ubir und ynn geystlichen dingen, das ist ynn Christo.
Das vierd ist
liebe tzum nehisten und seynß selbs vorachtung; das [Luk. 2, 16] beweyßen die
hirtten, das sie yhr schaff lassen und gehen hynn, nit tzu den hohen und grosse
herrnn tzu Hierusalem, nit tzu den radtsherrnn tzu Bethlehem, ßondernn tzu dem
armen hewfflin ym stall, ertzeygen und hallten sich tzu den nydrigen, on
tzweyffell willig und bereytt, tzu dienen und thun, was von yhn begerd wurd.
Wer der glaub nit da geweßen, sie wurden nit ßo von den schaffen gangen unnd
das yhre haben ligen lassen, tzuuor ßo es yhn die engel nit gepotten hatten;
denn sie thetten es auß freyem willen und [Luk. 2, 15. 16] eygem radt, wie der
text sagt: sihe haben mitteynander dauon geredt und sind eylends kommen, ßo
doch der Engel yhn nichts befalh, nit vormanet, nicht ried, ßondernn tzeygt yhn
nur an, was sie findenn wurden, ließ ynn yhrem freyen willen, ob sie gehen und
suchen wollten. Alßo thut die liebe auch, die hatt keyn gepot, sie thut von yhr
selb alle ding, eylet und seumet [WA s. 135] nit, ist yhr gnug, das yhr nur
tzeygt wirt, sie darff und leydet keynen treyber. Ach dauon were viel tzusagen!
Alßo sollt eyn Christlich leben gehen freywillig ynn der liebe, seyn selb und
des seynen vorgessen, nur auff unnd tzu dem [Phil. 2, 4 [!]] nehsten gedencken
unnd eylen, wie .S. Paulus Ephe. 5. sagt: Niemant sehe [Gal. 6, 2 [!]] an, was
seyn ist, ßondernn was des andernn ist, Und Gal. 5: Eyn iglicher trage des
andernn burden, und alßo werdett yhr erfullen das gesetz Christi. Aber nu hatt
der Bapst mit seynen Bischoffen unnd pfaffen die wellt voll gesetz unnd tzwangs
gemacht, und ist nichts mehr itzt ynn aller wellt, denn eyttel treyben und
engisten, keyn freywilliger orden odder stand mehr, wie denn vorkundigt ist,
das die lieb vorleschen solt, und die wellt mit menschen lere vorderbet werden.
Das funfft ist
frewd, wilche sich ertzeygt ynn de wortten, das man gernn dauon redet und
hoeret, das der glawbe ym hertzen hat empfangen. Alßo hie die hirtten schwetzen
mitteynander frolich und freuntlich von dem, das sie gehoertt und gleubt
hatten, und machen fast viel wort, alß wollten sie [Luk. 2, 15] unnutz
schwetzen; sie haben nit gnug, das sie sagen: last uns gehen gen Bethlehem und
sehen das wort, das da geschehen ist, thun dazu und sagen: Wilchs gott gethan
hatt unnd unß kund gethan; ists nit eyn ubrig geschwetz, das sie sagen: das da
geschehen ist, das gott gethan hatt? Hetten sie es doch wol mit kurtzen worten
geredt: Alßo last unß sehen das wort, das gott alda than hat. Aber die freud
des geystis geht alß ubir mit frolichen worten, [WA s. 136] und ist doch nichts
ubrig, ia, noch alleß tzu wenig, unnd kunnen es nit ßo [Ps. 45, 2] erauß
schutten, wie sie gernn wollten, wie Ps. 44. sagt: Meyn hertz schluckt erauß
eynn guttis wort, alß sollt er sagen: Ich wollts gern erauß sagen, ßo kan ich
nit. Es ist grosser, denn ichs sagen kann, das meyn sagen kaumet [Ps. 35, 28
[!] 71, 24] eyn schlucken ist; daher kompt die rede Ps. 50. und an mehr ortten:
Meyn tzung wirt eraußhupffenn deyn gerechtickeyt, das ist, mit freuden und [Ps.
119, 171] sprungen dauon reden, singen und sagen &c.. Und Ps. 118: Meyn
lippen werden dyr eyn lob eraußschewmen, gleych wie eyn siedend topffenn
quillet und schewmet.
Das sechst, das
sie mit der that folgen; denn alß S. Paulus sagt 1. Cor. 3: [1. Kor. 4, 20 [!]]
Gottis reich stett nit ynn wortten, ßondernn ynn der thatt. Alßo [Luk 2, 15.
16] hie die hirtten sagen nit alleyn: last uns gehen und sehen, ßondernn sind
auch gangen, Ja, sie thun mehr, denn sie sagen; denn der text spricht: Sie sind
eylend kummen, das ist yhe mehr denn schlecht gehen, wie sie sich vorsprochen hatten.
Alßo thut der glawb unnd die liebe altzeyt mehr, denn er sagt, und yhr ding ist
alliß lebendig, schefftig, thettig und ubirflussig. Alßo soll eyn Christen
wenig wortt und viel that machen, wie er denn gewißlich thut, ßo er eyn recht
Christen ist. Thut er aber nit alßo, ßo ist er noch nit eyn recht Christen.
Das siebend ist,
das sie frey bekennen unnd offentlich predigen das wortt, das yhn gesagt war
von dem kind; wilchs ist das hohist werck ym Christlichen leben, daran man muß
wagen leyb und leben, gutt und ehre; denn recht glewben unnd wol leben heymlich
und bey yhm selbs, fichtet der [WA s. 137] boeß geyst nit ßo hart an. Aber wenn
man will erauß faren und dasselb außpreytten, bekennen, predigen und lobenn,
auch den andernn tzu gutt, das [Luk. 2, 17] mag er nit leydenn. Drumb spricht
Lucas alhie, das sie nit alleyn kommen sind und gesehen haben, ßondern haben
auch vorkundigt von dem kindt, was sie
gehoeret hatten auff dem feld, nit alleyn fur Marien unnd Joseph, ßondernn fur
yederman. Meynstu nit, das yhr viel geweßen sind, die sie fur narren unnd
unsynnige leutt gehallten habenn, das sie sich unterstunden, alß grob ungelerte
leyen tzu reden von Engelischem gesang unnd prediget? Wie sollt ytzt der eyner
empfangen werden, ßo er fur Bapst, Bischoff unnd gelerten furbrecht solch
mehre, ia viel geringerß? Aber die hirtten voll glawbens unnd freud waren gernn
nerrisch fur den menschen umb gottis willen. Alßo thut eyn Christenmensch auch;
denn es muß gottis wortt fur narrheyt und yrthum gehallten werden auff dißer
wellt.
Das acht ist
Christliche freyheyt, wilche an keyn werck gepunden ist, ßondernn alle werck
gleych sind eynem Christen, wie sie yhm furkummen; denn diße hirtten lauffen
ynn keyn wußten, tzihen keyn kutten an, bescheren keyne blatten, wandelln
widder kleytt, tzeytt, speyß, tranck, noch keyn außerlich werck, gehen widder
an yhr hurtten, dienen gott ynn demselben. Denn eynn Christlich weßen steht nit
ynn eußerlichem wandel, es wandellt auch den menschen nit nach dem eußerlichen
stand, ßondernn nach dem ynnerlichen, das ist, es gibt eyn ander hertz, eyn
andernn mutt, willen und synn, wilcher eben die werck thut, die eyn ander on
solchen mutt und willen thutt; denn eyn [WA s. 138] Christen weyß, das es gar
am glawben ligt; drumb geht, steht, ysset, trinckt, kleydet, wirckt, wandellt
er wie ßonst eyn gemeyn man ynn seynem stand, das [Luk. 17, 20.21] man nit
gewar wirt seyniß Christenthumß, wie Christus sagt Luce. 17: Das reich gottis
kumpt nit mit eußerlicher weyße unnd leßt sich nit sagen: Sihe hie odder da,
ßondern das reych gottis ist ynn ewrem ynwendigsten. Widder diße freyheyt
streyt der Bapst und der geystlich stand mit yhren gesetzen und erweleten
kleydernn, speyßen, gepeten, stetten und personen, fangen sich selb und yderman
mit solchen seelstricken, da sie die wellt mit erfullet haben, wie S. Antonius
ym gesicht sahe; denn sie meynen, es lige an yhrem weßen und wercken, das man
selig werde, nennen ander leutt welltliche, ßo sie selb woll sieben mal
welltlich sind, seyntemal yhr ding alliß ist menschenwerck, dauon gott nichts
gepotten hatt.
Das neund und
letzt ist gott loben und dancken; denn keyn werck konnen wyr gott widdergeben
fur solch seyne gutte und gnade, on das lob und den danck, wilchs auch alßdenn
von hertzen geht und nit viel orgelln, glocken unnd plerren bedarff. Der glawb
leret wol solch lob und danck, wie hie von den hirtten geschrieben ist, das sie
sind wider zu yhrer hurtten gangen mit lob und danck, sindt fast wol tzufriden,
ob sie nit reycher worden sind, ob sie nit hoher geehret, nit besser essen unnd
trincken, nit besser handwerck treyben mussen. Sihe, alßo hastu ynn dißem
Euangelio abgemallt eynn recht [WA s. 139] Christlich leben tzuuor nach seynem
eußerlichem weßen, das es außwendig nichts odder gar wenig scheynet fur den
leutten, ia, yrthum und narrwerck ist fur dem mehrer teyl, aber ynnwendig ist
es eyttel liecht, freud und selickeyt. [Gal. 5, 22] Daher sihet man nu, was der
Apostel meynet, da er Gal. 5. die frucht des geystis ertzehlet und spricht: Die
frucht des geystis (das ist die werck des glaubenß) sind lieb, freud, fried,
guttickeyt, leutseligkeyt, gedult, traw, sanfftmuetickeyt, keuscheytt; da wirt
gar kein person, tzeyt, speyß, kleyder, stet odder dergleychen erleßen
menschenwercke ertzelet, wie wyr ynn der papisten leben sehen schwermenn.
Was aber sey
Christum finden ynn solchem armutt, und was bedeutte seyn kindwindel und
krippen, ist ym vorigen Euangelio gesagt, das seyn armut lere, wie wyr yhn
sollen finden ynn unßerm nehsten, dem geringsten und durfftigen. Und seyn
windel sey die heyligen schrifft, das wyr ym wircklichen leben sollen unß tzu
den durfftigen hallten, ym studirn und schawlichen leben nur tzur schrifft,
auff das Christus alleyn der man sey beydes lebenß und an allen enden fur unß
lige. Aristoteles, Bapsts und aller menschen bucher soll man meyden oder alßo
leßen, das wyr nit der seelen besserung darynnen suchen, ßondernn die tzeyt
unnd diß leben damit ube, wie man eyn handwerck odder welltlich recht lernt.
Aber das ist nit vorgebenß geschehen, das .S. Lucas Mariam fur Joseph unnd sie
beyd fur dem kindle [Luk. 2, 16] setzt, spricht: Sie haben funden Mariam,
Joseph und das kindle ynn der [WA s. 140] krippen. Nu ist droben gesagt, Maria
sey Christliche kirche, Joseph der kirchen diener, alßo da seyn sollten die
Bischoff und pfarrer, wenn sie predigeten das Euangelium. Nu wirt die kirch
furgetzogen den prelaten der kirchen, [Luk. 22, 26[!]] wie auch Christus sagt
Luce. 21: Wer unter euch der grosser seynn will, soll der unterist seyn. Wiewol
das nu itzt umbkeret ist, das auch nit wunder ist, weyl sie das Euangelium
furworffen unnd menschengeschwetz erhoht haben. [Luk. 2, 19] Die Christlich
kirche behellt nu alle wort gottis ynn yhrem hertzen unnd bewigt dieselben,
hellt sie gegennander und gegen die schrifft. Darumb wer Christum finden soll,
der muß die kirchen am ersten finden. Wie wollt man wissen, wo Christus were
und seyn glawbe, wenn man nit wiste, wo seyn glawbigen sind? und wer ettwas von
Christo wissen wil, der muß nit yhm selb trawen noch eyn eygen bruck ynn den
hymel bawen durch seyn eygen vornunfft, ßondernn tzu der kirchen gehen, dieselb
besuchen und fragen.
Nu ist die kirch
nit holtz und steyn, ßondernn der hauff Christglewbiger leutt, tzu der muß man
sich hallten und sehen, wie die glewben, leben und leren; die haben Christum
gewißlich bey sich, denn außer der Christlichen kirchen ist keyn warheytt, keyn
Christus, keyn selickeyt. Darauß folgt, es sey unsicher und falsch, das der
Bapst odder eyn bischoff will yhm alleyn geglewbt haben und sich fur eynen
meyster außgibt; denn dieselben yrren alle und muegen yrren. Aber yhr lere soll
dem howffen unterthan seyn. Was sie [WA s. 141] leren, soll die gemeyn
urteyllen und richten, demselben urteyl soll man gestehen, auff das Maria ehe
denn Joseph funden werd, die kirch den [Luk. 2, 19] predigern furgetzogen werd;
denn nit Joseph, ßondernn Maria behelt diße wortt ynn yhrem hertzen, bewigt und
hellt sie tzusammen odder gegenander. [1. Kor. 14, 29. 30] Das hatt auch der
Apostel .1. Corin. 14. geleret, da er sagt: Eyner odder tzween sollen außlegen
die schrifft, Die andernn sollen richten, und wo dem sitzenden wirt ettwas
offinbart, soll der erste schweygen. Aber itzt ist der Bapst mit den seynen
tyrannen wurden, haben solch Christlich, gottlich, Apostolisch ordnung
umbkeret, gantz eyn heydnisch unnd pitagorische weyße auffbracht, das sie
muegen sagen, lulaffen unnd alfentzen, was sie wollen, soll sie niemant
richten, niemant eynreden, niemant sie heyssen schweygen. Und damit haben sie
auch den geyst gedempfft, das man bey yhn widder Maria noch Joseph noch
Christum findet, ßondernn eyttel raddten, meuß, otternn unnd schlangen yhrer
vorgifftigen leren und heuchlerey.
Diß Euangelium
ist nit fast eyn streytt Euangelium; denn es leret Christliche sitten unnd
werck, grundet nit die stuck des glawbenß ßo offentlich, wiewol ynn den
mysterijs, wie itzt ertzelet ist, es starck gnug were; aber mysteria streytten
nit, es mussen offentliche spruch seyn, die klerlich die artickel des glaubens
antzeygen.
[WA s. 142]
1522[WA s. 142]
GOtt, der vortzeytten manchmal und mancher
weyße hat geredt durch die propheten tzu den veternn, der hatt tzuletzt ynn
dissen tagen geredt tzu unß durch seynen ßon, wilchen er gesetzt hatt tzu eynem
erben aller creaturn, durch wilchen er auch gemacht hat die wellt. Wilcher ist
eyn glantz seyner klarheyt und eyn bildtzeychen seynes weßens, unnd tregt alle
ding durch das wort seyner krafft, und hatt gemacht eyn reynigung unßer sund
durch sich selb. Sitzt nu tzu der rechten der maiestet ynn der hohe, ßo viel
besser worden denn die Engell, ßo viel er gar eynen andernn namen fur yhnen
ererbt hatt. Denn tzu wilchem Engel hatt er yhemalß gesagt: Du bist meyn Szon,
ich habe dich heutte geporen? Und abermals: Ich werd seyn vatter seyn, und [WA
s. 143] er wirtt meyn ßon seyn. Und da er abermal eynfurett den erstgeporn ßon ynn
diße wellt, spricht er: Es sollen yhn anbeten alle gottis Engel. Von den
Engelln sagt er wol: Er macht seyn Engel geyster und seyne diener fewrflammen.
Aber von dem ßon: O gott, deyn kunigstuel bestehet von wellt tzu wellt, das
scepter deynes reychs ist eyn scepter der richtickeyt. Du hast die
gerechtickeyt lieb gehabt unnd gehasset die ungerechtickeyt. Darumb hatt dich
deyn gott got gesalbet mit dem oele der freuden fur deynen miterben. Unnd: O
gott, du hast ym anbegynn das erdreich gegrundt, und die hymel sind deyner
henden werck. Sie werden vorgehen, aber du wirst bleyben, und sie werden alle
vorallten wie eyn kleyd, und wie eyn gewand wirstu sie wandelln, unnd sie
werden sich wandlen lassen. Du aber bist derselbe, und deyne iar werdenn nit
ende haben.
Das ist eyn starcke, mechtige und hohe Epistell, die da hoch
herferett und treybt den hohen artickel des glawbens von der gottheyt Christi,
unnd ist eyn glewbwirdiger wahn, sie sey nit sanct Pauls, darumb das sie gar eyn
geschmuckter rede furt, denn S. Paulus an andernn ortten pflegt. Ettlich meynen
sie sey S. Lucas. Ettlich S. Apollo, wilchen S. Lucas rumet, wie [Apg. 18, 24]
er ynn der schrifft mechtig sey geweßen widder die Juden, Act. 18. Es ist yhe
war, das keyn Epistel mit solchen gewallt die schrifft furet alß diße, das eyn
trefflicher Apostolischer man geweßen ist, er sey auch, wer er woll. Nu diße
Epistel thut nitt mehr denn grundet und foddert den glawben von der [WA s. 144]
gottheit Christi, wie ich gesagt habe, das fast keyne ortt der Biblie ßo
krefftig denselben artickel drauff dringt; drumb mussen wyr drauff bleyben und
sie von stuck tzu stuck handellnn.
Zum ersten ist
des Apostols meynung die, das er die Judenn gernn hett tzum Christlichen
glawben brachtt, dringt sie warlich hart, wie wyr hoeren werden, das sie nit
muegen leugnen, Christus sey warer gott. Szo er aber nu Gott unnd gottis ßon
ist und hatt unß nu selb gepredigt, selb fur unß gelitten, ßo foddert es die
nodt und billickeyt, das wir nu viel mehr yhm [Hebr. 1, 1] glewben. Szo die
veter vor tzeytten glewbt haben, da er nur durch die propheten redte. Alßo
hellt er gegenander die prediger unnd schueler, die vetter unnd unß, das sind
die schueler, die propheten und Christum, das sind die prediger, unß predigt
der Szon der herr selbs, Den vettern predigten die knecht. Szo nu die veter den
knechten glewbt haben, wie viel mehr hetten sie dem herrnn selb glewbt? Und ßo
wyr dem herrnn nit glewben, wie viel weniger hetten wyr den knechten glewbt,
unnd treybt alßo eyns durchs ander, das unßer unglawb gar grewlich geschendt
wirt gegen der vetter glawben. Widderumb der vetter glawb gar hoch geehret
gegen unßerm glawben. Unnd [Hebr. 1, 1] das mehret noch sehrer unßer schand,
das gott tzu den vettern nit eyn mal, ßondernn viel mal, nit eynerley weyße,
ßondernn mancherley weyß geredt, und [WA s. 145] sie dennoch alle mal, alle
tzeyt glewbt haben. Und wyr durch solch exempel nit bewegt werden, auch eyn mal
dem herrnn selbs tzu glewben. Sihe, alßo gehet er mit gewalltigen reden eynher,
die Juden tzu bekeren; dennoch halffs nit.
Diße tzwey wort meyniß dunckens haben den unterscheyd, das
manch mal sich dahynn tzihe, das viel propheten geweßen sind nach eynander, und
nit alle prophecien durch eynen propheten noch auff eyne tzeyt geschehen sind. [Hebr.
1, 1] Mancher weyß aber gehoere dahynn, das auch durch eynen propheten, schweyg
denn durch viele, Gott hatt geredt, itzt anderß, itzt ßo, itzt sonst. Alß tzuweyllen
hatt er durch klare wortt außgedruckt, tzuweylen durch bild unnd [Hes. 1, 5 ff.
Jes., 32, 1 u. ö. 11, 1, 4, 2] gesichten. Alß Ezechiel die vier Euangelisten
durch die vier thier beschriben hatt. Item Isaias tzuweylen sagt er klerlich,
Christus werd eyn kuenig seyn. Darnach nennet er yhn eyn Rute unnd blume vom
stam Jesse. Item eyn hohe frucht der erden, und ßo fort an, ist durch
mancherley weyß von Christo [2. Mose 12 –14] geredt. Ubir das ist auch
mancherley weyß darauff gedeuttet, das er dem volck Israel auch tzeytlich tzu
helffen anderß und anderß sagt; denn es war eyn ander weyß, da er sie durch
Mosen auß Aegypten furet, Aber eyn ander, da er sie durchs roette mehr furet.
Anderß, da er Dauid streytten hieß und ßo fortt. Es ist nit eynerley, ßondernn
mancherley wortt geweßen, wie denn die werck auch anderß unnd anders waren.
Aber der glawb war dennoch ymmer eynerley durch alle mal unnd alle weyße.
Wie gar feyn und
sanfft tzeucht und ladet er die Juden ynn dem, das [WA s. 146] er die vetter
furhellt und die propheten und denselben gott. Denn die Juden hallten gar fest
an den vetern, propheten und gott, der vor tzeytten tzu [Hebr. 1, 1] yhnen
geredt hatt. Wollen aber yhm nu nit glewben und nit tzu hertzen nemen, das gott
nit eyn mal, ßondernn viel mal, nit eyner weyße, ßondernn mancher weyße geredt
hatt den vettern, wie sie wol wissen und bekennen mussen. Aber nu er aber eyn
ander mal und auch auff eyn ander weyße redet,
wollen sie nit glawben. Auff diße weyße hatt er tzuuor nie geredt, wirt auch
nymer der weyß reden. Drumb die weyße tzu reden, die sie gern hetten, wirt
nymer geschehen. Syntemal er nach nie keyn mal vortzeytten hatt auff die weyße
geredt, die von yhnen furgeben were; den das hyndertt den glawben und gottis
werck. Man muß yhm befelhen tzeyt, person und [Hebr. 1, 2] weyßen tzu reden und
nur auff den glawben gedencken. Drumb spricht er wol: Zu Letzt; denn da wirtt
keyn ander weyß tzu predigen kummen fur dem iungsten tage. Es ist das letzte
mal und die letzten weyße, die er willn hatt tzu reden, hat das selbige eynige
wort befolhen und hynder sich gelassen, tzu [1. Kor. 11, 26] predigen biß anß
ende, wie Paulus sagt. 1. Cor. 11: Szo offt yhr ditz brot esset und dißen kilch
trinckt, sollt yhr den todt des herrnn vorkundigen, biß [Hebr. 1, 2] das er
komet. Auch sperret er tzu yhr iaffen mit dem, das er sagt: yn dißen [WA s. 147]
tagen, das sie nit durffen iaffen auff andere tzukunfftige tage. Sie sind schon
hie, die tage, darynn das letzte mal und letzte weyße tzu reden ist angangen.
Da hebt er an den letzten lerer, redner, Apostoln, Christum
tzu preyssen und alßo tzu preyssen, das er yhn mit starcker festgrundiger
schrifft beweyße eyn naturlichen gottis ßon unnd herrnn alle ding. Und hie
sollen wyr eynmal recht Christum erkennen leren, wie sichs mit ym hallt ynn
beyden naturn gotlicher und menschlicher, darynnen viel yrren unnd eyns teyl
fabeln treyben auß seynen wortten, die sie der gottlichen natur geben, wilch
doch der menschlichen natur gepurn, blenden sich selb ynn der schrifft; denn
ynn Christus wortten ist das grost auffsehen, wilche der gottlichen, wilche der
menschlichen natur tzustehen, ßo sind sie alle leycht und klar. Aber ehe wyr das
thun, mussen wyr tzuuor die frag hoeren, ßo ettlich tzu myr mochten sagen: Soll
ditz die letzte predigt seyn, Was sagt man denn von Elia und Enoch, das sie
kommen sollen widder den Endchrist? Anttwortt ich: Von der tzukunfft Elie hang
ich tzwischen hymel und erden und wancke viel stercker dahynn, das er leyplich
nit werde kummen, fechte doch nit hart da widder, ich laß glewben odder nit
glewben, wer do will, ich weyß wol, das .S. Aug. an eynem ortt sagt, Es sey
allen Christen fest eyngebilldet die tzukunfft Elie unnd des Endtichrists. Aber
ich weyß auch wol, das keyne schrifft furhanden [WA s. 148] [Mal. 4, 5] ist,
die dasselb betzeuge; denn das Malachias .4. von Elia tzukunfftig sagt, [Luk.
1, 17] dringt der Engel Gabriel Luce .1. auff Johannem, den teuffer, und noch
viel [
Nu, das wyr
widder auff Christum komen, ist tzu glewben festiglich, das Christus sey warer
gott und warer mensch, und tzuweylen redet die schrifft [WA s. 149] und er selb
alß eyn pur mensch, tzuweylen alß eyn pur gott; alß da er sagt [Joh. 8, 58]
Johan. 8: Ehe Abraham wartt, byn ich, das ist von der gottheyt gesagt. [Matth.
20, 23 [!]] Aber da er sagt Matt. 22. tzu Jacob und Johanne: Es ist nit meyn,
das ich euch gebe tzu sitzen tzur rechten hand oder tzur lincken hand, das ist
von der pur menscheyt geredt, gleych alß dieselb yhr am creutz nit helffen mocht,
wie wol ettlich hie groß kunst wollen beweyßen mit yhren finstern außlegen, das
sie den ketzern begegnenn. Alßo ist das auch der mensch Christus, da er [Joh.
14, 28, Matth. 23, 37] sagt: der vatter ist grosser denn ich, Johan. 14. Item
Mat. 23: Wie offt hab ich wollen deyne kindle samlen wie eyn glucke unter yhre flugell. Item [
Alßo ist Christus unßer gott unnd unßer herr; alß eyn gott
schafft er unß, als eynem herrnn dienen wyr yhm, und er hirscht ubir unß. Alßo
ynn dißer Epistel denckt der Apostel von yhm alß eynem waren gott und herrnn
aller dinge zu reden; denn obwol die tzwo natur unterschieden sind, ßo ists
doch eyne person, das alliß, was Christus thut odder leydet, hatt gewißlich
gott than unnd gelieden, wiewol doch nur eyner natur dasselb begegnett ist. Alß
ym gleychniß: Wenn ich sage von eynem vorwundten beyn eynß menschen, sprech
ich: [WA s. 151] der mensch ist wund, ßo doch seyn seel odder der gantz mensch
nit wund ist, ßondernn eyn stuck seynß leybs, darumb das leyb und seel eyn ding
ist. Wie ich nu von leyb und seel reden muß unterschiedlich, alßo auch von
Christo. Item, es ist nitt ubel gered, wenn ich sprech: Ich kenne die Sonne nit
ynn der nacht, ßo ich sie doch mit der vornunfft wol kenne, aber nit mit den
augen. Alßo weyß Christus nichts vom iungsten tag und weyß yhn doch woll
&c..
Sie da, das ist derselb ßon, der eyn erb ist aller dinger
gesetzt nach der menscheyt, unnd doch durch yhn gemacht alle wellt, alß durch
eynen gott; eyne person, tzwo natur, tzweyerley werck; eyn Christus, aber
tzweyerley artt.Hie gehen die hohen wortt an.
Es ist yhe klar,
das der Apostol rede von dem ßon, der eyn erbe gesetzt und durch yhn alle wellt
gemacht ist. Ist denn alles durch yhn gemacht, ßo muß er selb nit gemacht seyn.
So folgt yhe klarlich, das er warer gott sey; denn allis, was nit gemacht ist
und ist doch ettwas, das muß gott seyn. Widderumb allis, was gemacht ist, das
muß creatur und nit gott seyn; denn es hatt seyn weßen nit von yhm selber,
ßondernn von dem, derß gemacht hatt. Aber nu sind alle ding durch Christum
gemacht, unnd er ist durch keyniß gemacht; ßo hatt er gewißlich seyn weßen von
und ynn yhm selbs unnd von keynem gemachten ding, auch von keynem mecher.
Weytter, ßo er
denn eyn ßon ist, ßo mag er nit alleyn seyn, er muß eynen vater haben, unnd ßo
gott durch yhn die wellt gemacht hatt, ßo muß derselb gott, der durch yhn die
welt gemacht hat, nit der seyn, durch wilchen [WA s. 152] er gemacht hat. Alßo
folgt, das tzwo person seyen mussen, der vatter und ßon unterschiedlich, und
doch, dieweyll die gottlich natur nur eyn ist unnd nit mehr denn eyn gott seyn
mag, ßo schleust sichs, das Christus mit dem vatter eyn warer gott ist, ynn
eynem gottlichen weßen, eyn schepffer unnd mecher der wellt, unnd keyn
unterscheyd nit da ist, denn das er der ßon und yhener der vater ist, unnd er
nit gemacht vom vatter, wie die wellt, ßondernn yn ewickeyt geporn seyn muß,
nit kleyner denn der vater, ßondernn ynn
alle weyß und maß yhm gleych, on das er vom vatter und der vatter nit von yhm
gepornn ist. Ob das nu die vornunfft nit begreyff, wie es tzugehe, muß sie sich
ynn diße wortt und dergleychen gefangen geben unnd glewben; denn wo es begreyfflich
were nach der vornunfft, ßo were keyn glaube da; denn es ist [Hebr. 1, 2] klar,
das diße wort von tzweyen sagen, da er spricht: Gott hatt durch yhnen die welt
gemacht; ßo ists auch klar, das der muß gott seyn, der nit gemacht, ßondernn
allis durch yhn gemacht ist. Wie aber das seyn mag, redet nitt und mag die schrifft
nitt außreden, es muß glewbt werdenn.
[Hebr. 1, 2] Nu behellt die schrifft die weyße, das sie
spricht, die wellt sey durch Christum und vom Vatter und ym heyligen geyst
geschaffen, wilchs alliß seyn ursach hatt; wiewol nit gnugsam erforschlich noch
außsprechlich, doch eyn wenig antzufuren, braucht sie solcher weyß darumb alßo
tzu reden, das angetzeygt werde, wie nit der vater von dem ßon, ßondern der ßon
von dem vater das gottlich weßen habe, und der vater die erst ursprunglich
person ynn der gottheyt [Hebr. 1, 2] sey. Drumb spricht sie nit, das Christus
hab die wellt durch den vatter gemacht, ßondernn der vatter durch yhn, das der
vatter die erst person bleybe, und von yhm, doch durch den ßon, alle ding kome.
Auff solch weyß redet [WA s. 153] [Joh. 1, 3, Kol. 1, 16] auch Joh. 1: Alle
ding sind durch yhn gemacht. Und Col. 1: Alle ding [Röm, 11, 36] bestehen durch
yhn und ynn yhm. Und Ro. 11: Alle ding auß yhm, durch [Hebr. 1, 2] yhn und ynn
yhm. Nu sihestu, wie feyn sich die wortt reymen, das er yhn eyn erben nennet
nach der menscheyt; denn wem solten alle gottis gutter billicher tzu erb geben
werden, denn dem, der do ßon ist? Er hatt alle gutter odder creatur mitt dem
vatter tzugleych geschaffen, aber nu er auch mensch ist unnd ßon, beerbett er
sie auch umb des willen, das er ßon ist, unnd ist nu eyn ßon ynn beyden naturn;
wo aber herkompt solch weyße tzu reden, werden wyr ym Euangelio horenn.
Hie druckt er auß, ßo viel es muglich ist, mit ettlichen
gleychnißnen, wie Christus eyn ander person denn der vater und doch eyn eyniger
warhafftig naturlich gott sey, aber die deutschen unnd latinischen wortt
erlangen nit die [Hebr. 1, 3] kriechßen wort des Apostelß gnugsam. Eyn solchen
glantz nennet er yhn, der da außgeht von der klarheyt des vatterß, alß da ist
die auffgehend morgenrodt von der sonnen, wilcher die gantzen ßonnen mit sich
und bey sich hatt und nit eyn stuck des glantzis, ßondernn der gantze glantz
der gantzen ßonnen, von der ßonnen leuchtend und an der ßonnen bleybend. Auff
das alßo mit eynem wort werd vorstanden die gepurt die eynickeyt der natur, die
unterscheyd [WA s. 154] der person; denn Christus wirt on unterlaß ewiglich
geporn vom vatter, geht ymer auß, wie die ßonne am morgen, und nitt am mittag
odder abent. Unnd ist ia nit der vatter nach der person, wie der glantz nit ist
die ßonne, und ist doch bey dem vatter und ynn dem vatter, widder tzuuor noch
darnach, ßondernn gleych ewig mit yhn und ynn yhn, wie der glantz tzugleych mit
und ynn und an der ßonnen ist.
[Hebr. 1, 3] Auch ßo nennet er hie die klarheyt des vatters
doxa; das heyst eygentlich ehre odder glorie, darumb das die gottlich natur
eyttel gloria und ehre ist, alß die alliß von yhr selbs, nichts von yemand hat,
sich von yhr selb ruemen und ehren mag. Nu spricht er, Christus sey eyn gantzer
scheyn, eyn voller glantz seyner ehren, das ist, das er auch ynn sich selb die
gantz gottheytt hat und alles des sich ruemen und gloriernn mag, des der vatter,
on das er vom vatter unnd der vater nit von yhn solchs hatt. Er ist der
außgehend glantz der vetterlichen ehre, das ist, er ist eyn geporner gott und
nit der geperende got, doch voller und gantzer gott, wie und alß der vatter. Sihe,
solch weyße tzu reden gepraucht die schrifft nit von den heyligen, die auch wol
gottis ehre [Hebr. 1, 3] sind, das ist, gott tzu ehren gemacht und geschaffen.
Aber hie, da er fagt, Christus sey eyn scheyn der vetterlichen ehre, tzwingen
die wort dahyn, das die vetterlichen ehre sey ynn demselben glantz, sonst hieß
es nit seyner ehren glantz, unnd was soll ich sagen? Diße wort wollen mehr mit
dem hertzen vorstanden, denn mit tzungen oder feddernn außgedrukt werden. Sie sind an yhn selbs klerer denn alle gloß und
yhe mehr man sie glosiert, yhe finsterer sie [WA s. 155] werden. Das ist die
summa dauon: ynn Christo ist die gantz gottheyt, und yhm gepurt alle ehre alß
eynem gott, doch das er dieselb nit von sich selb, ßondern vom vatter habe; das
ist ßo viel gesagt: tzwo person, eyn got. Denn vom heyligen geyst redet er an
dißem ortt nit, wilcher auch leychtlich glewbt wirt, wenn der mensch ßo weyt
bracht wirt, das er tzwo personen mag fur eynen gott hallten.
[Hebr. 1, 3] Die ander gleychniß, das er yhn nennet eyn bild
oder tzeychen seynes weßens. Ich muß doch urlaub nemen, grob und deutlich tzu
reden. Wenn nach eynem menschen wirt eyn bild gemacht, ßo ist dasselb bild nit
eyn bild des menschlichen weßens oder natur; denn es ist nit eyn mensch,
ßondern steyn odder holtz, und ist eyn bild des steynernn odder hultzen weßens
nach dem menschen gemacht. Wenn ich aber kund des menschen weßen nehmen, wie
der topffer den than und drauß eyn bild machen, das tzugleych des menschen bild
were und auch menschlich weßen odder natur ynn sich gantz begriffe, Sihe, das
were eyn weßenlich bild odder eyn bild des menschlichen weßens.Solch bild ist
ynn keyner creatur denn alle bilder, die da gemacht werden, synd eyniß andernn
weßens und natur, denn das, des bild sie sind. Aber alhie ist der ßon eyn
solchs bild veterlichs weßens, das das vetterlich weßen ist das bild selbs,
unnd wenn sichs alßo tzimete tzu reden, das bild ist auß dem veterlichen weßen
gemacht, das es nit alleyn dem vater gleych und ehnlich ist, ßondernn auch seyn
gantzes weßen und natur vollicklich ynn sich begreyfft. Wie auch vom glantz der
glorien tzu sagen ist, das der glantz auß der ehren gemacht ist und nit alleyn
yhr gleych ist, ßondernn gantz und naturlich ynn sich hatt, das glantz und ehre
eyn ding sey. [WA s. 156]
Nu sihe, wie ich
sage von eynem menschen bild: das ist eyn hultzen odder steynen bild, Alßo sag
ich: Christus ist eyn gottern bild, das, ßo war alß iheniß bild holtz ist, ßo
war ist ditz bild gott; drumb nennet yhn sanct. [Kol. 1, 15 [Hebr. 1, 3]]
Paulus eyn bild des lebendigen unsichtlichen gottis.
Nu, ym hultzen
bild feylet diße volkomenheyt; denn obs woll eyn hultzen bild ist, ßo ists doch
nit des holtzs bild, ßondernn des menschen, tzeygt auch nit das holtz, ßondern
den menschen an. Widderumb, ob der mensch wol ym holtz gepildet wirtt, ßo ist
er doch nit holtz, und seyn weßen ist etwas anderß denn das weßen, darynn seyn
bild ist, unnd ynn allen creaturn ist das bild eynß andern weßen, den der, deß
bild es ist, und ist keyn bild des weßens tzufinden. Aber alhie ist das bild
unnd der, des bild es ist, eyniß weßens, on das der vater nit eyn bild ist;
denn er nit vom ßon oder nach dem ßon, ßondernn der ßon von dem vater unnd nach
dem vatter gepildet ist ynn eynem eynfelltigen, naturlichen, gottlichen weßen.
Solch volkommenheytt feyllt auch an der ßonnen unnd yhrem glantz. Denn die
Sonne hatt eyn eygen klarheyt fur sich selbs, der glantz auch fur sich selbs,
obwol der glantz von der ßonnen das seyne hatt. Aber alhie ist der glantz alßo
der klarheyt, das auß der klarheit (das ich alßo sage) der glantz gemacht odder
genaturt ist, und die klarheyt gantz weßenlich der glantz selb ist, on das der
glantz nit von sich selb, ßondernn von der veterlichen klarheyt alßo genaturt
ist.
[Heb. 1, 3] Nu sihe, noch sind die wort an yhn selbs klerer
denn diße außlegung. Es lauttet ia klar gnug, das er sagt: Eyn bild seyniß
weßens, Eyn scheyn seyner ehre, ßo der mund darnach hie still schweygt und das
hertz drauff [WA s. 157] dencken lessit, unnd ist die hebreisch weyß alßo tzu
reden: pauperes sanctorum .i. pauperes sancti. Virtus dei, idest virtus deus.
Sic Character substantie, idest character substancia subsistens et ipsemet
deus. Sic splendor glorie, idest splendor gloria ipsa. Wie die latinischen das
wol fassen mugen, aber den deutschen und eynfeltigen sey gnug, das, wie sie eyn
bild des gollts nennen, darumb das es auß gollt gemacht ist, alßo sollen sie
auch Christum eyn bild gottis des vatters nennen, darumb das er gantz von gott
und auß gott genaturt ist und außer yhm keyn gott ist, on das er solch gottheyt
und bild vom vatter alß der ersten person hatt und beyde eyn gott sind, Und das
hie feylet ynn der creatur; denn das guldne bild tzeygt nit seyn gollt natur, ßondernn
eyn frembd natur des menschen. Drumb obs wol eyn gulden bild ist, ßo ists doch nit eyn bild des gollts
eygen weßen; denn golt must man mit eynem andernn bild tzeygen, alß durch geele
farbe odder ßonst mit ettwas, das nit gollt ist. Aber hie ist das bild auch das
weßen selbs, des bild es ist, und darff keyniß andernn bildeß denn seyneß
weßenß. Hie ist glawbe nodt und nit viel scharffs spiculirn, die wort sind
klar, gewiß unnd starck gnug. Wilchem diße wortt nit sagen die gottheyt
Christi, dem wirts niemant sagen. Er nennet yhn auch nit eyn schlecht, gemeyn
bild, ßondern caracter, das ist eyn eygen bild, das niemant anderß eben, gleych
wie die controfeyten bild sind. Alßo auch nit eyn gemeynen glantz, ßondernn
apaugasma, eyn eygentlichen scheyn, der sonst niemant eben sey, denn der
klarheyt, dauon er außgeht.
[WA s. 158]
[Hebr. 1, 2. 3] Das ist das dritte mal, das er Christum
eynen gott predigt. Er hatt gesagt tzum ersten, Alle wellt sey durch yhn
gemacht, darnach, er sey eyn gottern glantz unnd gottern bild; hie spricht er,
das er alle ding trage; tregt er alle ding, ßo ist er nit getragen und ettwas
uber alle ding, das muß gott seyn alleyn. Das tragen aber ist, das er alle ding
erneeret unnd enthellt, alß das nitt alleyn durch yhn alle ding gemacht, wie
droben gesagt, ßondernn auch alle ding ynn yhm bleyben und enthallten werden,
wie S. Paulus [Kol. 1, 16 [!]] Collos. 2: Alle ding bestehen durch yhn und ynn
yhm &c.. Unnd gar eyn [Hebr. 1, 3] feyn wortt braucht er, das er sagt: Er
trage, treybt und iagt noch rumort nit.Er tregt senffte und lest alle creaturn
seyner senfften gute genießen, [Weish. 8, 1] wie auch Sap. 8. geschrieben ist:
Die weyßheyt gottis reychet von eynem end tzum andernn krefftlich und beschickt
alle ding sussicklich und senfftlich.
[Hebr. 1, 3] Was aber das sey, das er sagt: durch das wort
seyner krafft, bynn ich nit gewiß. Wenn eyn mensch alßo sagte, ßo sprech ich:
er yrrete, darumb das Christus das wort selbs ist, wie wyr ym Euangelio hoeren
werden unnd er keyn wortt hatt, dadurch er wirke. Wenß ynn des vaters person
geredt were, ßo stymptet es mit der schrifft fast wol; denn der vatter hatt
durch [Ps 33, 6] seyn wortt alle ding gemacht, tregt auch ynn demselben alle
ding, wie Ps. 33. sagt: Die hymel sind durch das wort gottis gemacht. Ich wil
hie meyn vorstand gefangen geben, eynem andern und bessernn den rawm lassen,
nit mehr denn meyn dunckel sagenn. Er mag villeicht darumb ßo sagen, das er die
person menge ynn eyne gottheyt, dieweyl sie eyn gott sind und ditz ynn [WA s. 159]
der person des vatters sage. Sintemal, was gott thutt, eyn iglich person thut.
Alßo tregt gott alle ding durch seyn wort, wilcher gott warhafftig auch
Christus unnd dasselb wort ist. Solch schwind wechßel der personen [Ps. 2, 6.
7] sind wol mehr ynn der schrifft, alß Ps. 2: Ich hab meynen kunig vorordnet auff
meynem heylige berge. Ich wil das gepott predigen, das gott hatt tzu myr
gesagt: du bist meyn ßon &c.. Alhie ist das erst stuck ynn der person des
vatters von Christo gesagt und das ander yn der person Christi vom vatter, und
sind die person gewandelt ynn eyner rede umb des willen, das [Hebr. 1, 3] eyn
gott ist beyde person. Alßo mag auch alhie geschehen, das er eyn bild gottis
ist, sey von Christo gesagt. Das er aber alle ding trag durch seyn wort, sey
vom vatter gesagt ynn eyner rede hynn, on unterscheyd, darumb das beyde person
eyn gott sind on unterscheyd.
Gefellt das nit,
mag ich alßo dencken, das durchs word werd vorstanden alß viel alß eyn thatt
oder geschicht, wie ym nehsten Euangelio Lucas von [Luk. 2, 15] den hirtten sagt:
Last uns gehen gen Bethlehem unnd sehen das wortt, das [Hebr. 1, 3] da
geschehen ist, das ist die geschicht unnd thatt, die da geschehen ist. Alßo mocht
hie der synn seyn, das Christus alle ding tregt durch das wort seyner krafft,
das ist durch die that seyner krafft; denn durch das thun seyner krefft alle
dinck erhallten werden unnd alliß, was da ettwas ist und vormag, das dasselb
nit von sich selb, ßondernn auß der thettige krafft gottis alßo sey unnd
vormuege. Und alßdenn ist abermal hie die krafft und das wortt nit tzu
scheyden, ßondernn das wort und die krafft ist eyn dinck, nit anderß denn ßo
viel gesagt als eyn thettigs oder krefftigis wort, das die krafft sey das [WA
s. 160] weßen und natur des worttis, das ynn allen dingen wirckt; doch hie fare
und folge eyn iglicher, wie er will und kan.
Da trifft er das Euangelium recht; denn alliß, das von
Christo gesagt mag werden, hilfft unß nit, biß das wyr hoeren, wie es allis
sampt unß tzu gutt unnd nutz gesagt wirt. Was were es nodt, unß tzu predigen,
wenn es umb seynen willen alleyn geschehen were? Aber nu gillt es gar und gantz
unß unnd unßer selickeyt; drumb last uns hie mit freuden tzuhoeren, es sind [Hebr.
1, 2. 3] liebliche wort ubir alle maß. Der Christus, der ßo groß ist, eyn erbe
aller ding, eyn glantz gottlicher ehren, eyn bild gottliches weßens, der da
alle ding tregt, nit durch frembd krafft noch hulff, ßondernn durch seyn eygen
thatt und krafft, Kurtzlich, der es gar alleyn allis sampt ist, der hatt unß
gedienet, seyne liebe außschuttet und eyn reynigung unßer sunden tzugericht. Er
spricht: unßer, unßer sund, nit: seyner sund, nit: der sundenn der
unglewbigenn; denn wer solchs nit glewbt, dem ist die reynigung vorgenbeß und
nicht tzugericht. Und dieselbigen reynigung hatt er nitt tzugericht durch
unßern freyen willen, vornunfft odder krefft, nit durch unßere werck, nit durch
unßer rew odder puß — denn das ist alliß nichts fur gott — ßondernn durch sich
selb. Wie durch sich selb? Nemlich, das er unßer sund auffgenommen am heylig
kreutz, wie [Jes. 53, 6. ff] Isaias sagt .c. 53. Aber das ist auch noch nit
gnug, ßondernn auch alßo durch sich selb, das, wer da glewbt ynn yhn, das er
solchs fur unß than [WA s. 161] hatt, durch und umb desselben glawbenß willen
wonet er selb ynn unß und reynigett unß teglich durch seyn selbs eygen werck
alßo, das tzur reynigung der sunden nichts mag helffen oder gethan werden, denn
alleyn Christus selbs. Nu mag er nit ynn unß seyn noch solch reynigung durch
sich selbs wircken, denn nur ynn unnd durch den glawben.
Horet nu tzu,
yhr welltvorfurer und blindenleytter, Bapst, Bischoff, pfaffen, Munch,
gelereten, yhr unnutzen schwetzer, die yhr leret die sund reynigenn durch
menschenwerck und gnugthun fur die sund, gebt ablaßbrieff und vorkeufft
ertichte reynung der sund, hie hoeret yhr, das keyn reynigung der sund sey ynn
den wercken, ßondernn alleynn ynn Christo unnd durch Christum selbs. Nu mag er
yhe durch keyn werck ynn unß bracht werdenn, [Eph. 3, 17] ßondernn alleyn durch
den glawben, alß .S. Paulus sagt Ephe. 3: Christus wonet ynn ewerm hertzen
durch den glawben. Szo muß gewißlich war seyn, das reynigung der sund sey der
glawbe, und wer da gleubt, das Christus yhm seyn sund reynige, der ist gewißlich
gereyniget durch denselben glawben [Apg. 15, 9] unnd sonst ynn keynem weg.
Drumb spricht wol .S. Petrus Act. 15: Er macht yhr hertzen reyn durch den
glawben. Wenn dißer glawbe tzuuor da ist, und solch reynigung durch Christum
selbs geschehen, denn last unß gutte werck thun, die sund hassen und rewen;
denn sind die werck gutt, aber tzuuor dem glawben sind sie keyn nutz unnd
eyttel falsch vortrawen unnd tzuuorsicht; denn die sund ist alßo eyn groß ding,
und yhr reynigung kost alßo viel, das [WA s. 162] eyn solch hohe person, wie
Christus hie gepreysset wirt, muß selb datzu thun und durch sich selb reynigen;
was sollt denn ynn solchen grossen sachen vormuegen unßer arm und nichtigeß
thun, die wyr creaturn, datzu sundige unnd untuchtige vordorbene creaturn sind?;
das were doch eben alß wenn yhm yemand furnehm mit eynem außgeleschten brand
hymel unnd erden vorprennen. Es muß ßo groß tzalung der sund hie seyn, alß gott
selbs ist, der durch die sund beleydigt ist.
Das ist nach der menschlichen natur gesagt, ynn wilcher er
auch der sunden reynigung tzugericht hatt, doch das dennoch war sey, es hab gottis
Son than, unnd die person nit yemand scheyde umb der scheydung der naturn. Alßo
ists auch war, das gottis ßon sitzt tzu der rechten hand der Maiestet, wiewol
das alleyn nach der menscheytt geschicht; denn nach der gottheytt ist er auch
selb die eynige Maiestet mit dem vatter, tzu wilcher rechten hand er sitzt.
Doch wollen solch weyße tzu reden izt lassen, alß die da finster ist, unnd bey
des texts rede bleyben, die da klerer ist. Zu der rechten hand der Maiestet
sitzen, ist gewißlich der Maiestet gleych seyn. Drumb, wo Christus wirt
beschrieben, das er tzur rechten gottis sitzt, da wirt grundlich bewerett, das er warer gott sey. Sintemal gott ist niemand
gleych, denn gott selber; drumb das der mensch Christus wol wirt gesagt, er
sitze tzur rechten gottis, [WA s. 163] [Ps. 110, 1 [!]] ists doch ßo viel
gesagt, er sey warer gott, wie der Ps. 10: Gott hatt gesagt tzu meynem herrnn:
Sitze tzu meyner rechten hand &c.., das ist: Er hatt tzu Christo gesagt,
der eyn mensch ist: Sey myr gleych, das ist: du sollt nit alleyn eyn mensch,
ßondernn auch gott erkennett werden, wie denn alhie der Apostel [Hebr. 1, 13,
Ps. 8, 7] dißen spruch desselben psalmen auch eynfuret. Item Ps. 8: Du hast yhm
unter die fuß geworffen alle die werck deyner hend, das ist: du hast yhn dyr gleych
gemacht, nit das er nu aller erst angefangen hab gott tzu seyn, ßondernn das
der mensch vorhyn nit ist gott und gott gleych geweßen; denn tzugleych er
angefangen mensch tzu werden, hatt er auch angefangen gott tzu seynn, unnd alßo
redet die schrifft gar viel fuglicher von Christo denn wyr und wickelt die
person ßo feyn ynn die natur unnd scheydet widderumb die natur das wenig sind,
die es recht vorstehen, und ich selb offt ynn dißenn und dergleychen spruchen
geyrret habe, das ich der natur habe tzugeeygent, was der [Phil. 2, 6. 7]
person gepurt und widderumb. Alßo Philip. 2: Ob er wol war ynn der gottlichen
form, hatt er doch nit gedacht, er habs geraubt, das er got gleyche war,
ßondern hatt sich desselben geeußert, nit alß eyn gott, ßondernn alß eyn knecht
geperdet, wiewol dißer spruch finster ist. Nu das wyr widder auff den text
komen; Hie hebt der Apostel an grund der schrifft auß dem alten testament tzu
fueren und beweyßen, das Christus gott sey; denn bißher hatt er seyne wort unnd
meynung gesagt auß der schrifft getzogen und spricht, [Hebr. 1, 4] Christus sey
gar viel besser wordenn denn die Engel, denn er ist gott worden und hatt eynen
vielen andern namen denn sie ererbt; das ist alliß gesagt der meynung, das der
mensch Christus hab angefangen, got zu seyn und sey vorkleret und kund worden,
das er gott sey.
[WA s. 164]
[Ps. 2, 7] Der spruch stett ym andernn psalm; drumb, auff
das es klar werd, wie er von Christo gesagt sey, wollen wyr den psalmen gantz
ertzelen, der lautt [Ps. 2, 1 –12] alßo: Warumb emporen sich die leutt und die
volcker tichten unnutz ding? Die kůning der erden richten sich auff, und
die fursten samlen sich widder gott und seynen Christum. Last unß tzureyßen
(sprechen sie) yhre band und von unß werffen yhre last. Der ym hymel wonet,
wirt yhr lachen, und gott wirt yhr spotten. Alßdenn wirt er mit yhn reden ynn
seynem tzornn, und ynn seynem grym wirt er sie erschrecken. Und ich hab meynen
kuenig geordnet auff meynen heyligen berg Zion. Ich will vorkundigen, was do
vorordnet ist, Gott hat tzu mir gesagt: Du bist meyn ßon, ich hab dich hewte
gepornn, foddere von myr, ßo will ich dyr geben die heyden tzu eynem erbe unnd
die end der erden tzu deyner besitzung. Du sollt sie brechen mit eyner eyßern rutten,
und wie eyns topffers faß solltu sie tzuknyrsen. Unnd nu, yhr kuenige, seyt
weyße, unnd yhr richter der erden last euch unterweyßen, dienet gott ynn [WA s.
165] furchten und frewet euch ynn tzitternn. Kusset den ßon, auff das er nit tzornig
werd, und yhr nit vorderbet auff dem wege; denn so da wirt emprennen seyn tzorn
eyn wenig. Selig sind alle, die ynn yhn vortrawen. Hie sihet man klar, das er
Christum nennet, widder wilchen die Juden mit Pilato, [Ps. 2, 7] Herodes und
ubirsten fursten der priester tobeten; tzu dem spricht er: du bist meyn ßon
&c..
Dißem spruch
entlauffen die Juden mit wilden gloßen, unnd dieweyl sie nit muegen leucken,
das dißer psalm sage von eyner person, der eyn kuenig sey und Christus, das
heyst eyn gesalbter, sprechen sie, er rede von Dauid, der auch eyn Christus
was; denn sie nennen alle kuenige Messias odder Christus, das ist, gesalbete.
Aber es besteht nit yhr ding; denn Dauid hat noch nie die heyden gehabt, unnd
seyn reych hatt nit gereycht biß an die end der erden, wie von dißem kuenig der
psalm sagt. So ist auch tzu keynem eynigen menschen [Ps. 2, 7] ynn der schrifft
gesagt: du bist meyn ßon. Ob sie aber schon bekennen, der psalm sey von dem
Messia gesagt, ßo haben sie noch tzwo außflucht; denn sie hallten, derselb
Messias soll noch kommen und sey nicht dißer Jhesus Christus, datzu, ob er wol
gottis ßon genennett werd, sey er drumb nit gott; [Ps. 82, 6] denn auch Ps. 81.
geschrieben stett tzu allen gottis kindernn gesagt: Ich hab gesagt, yhr seyd
gotter unnd kinder des allerhohisten,
und an viel ortten [1. Mose 6, 2. 4, Ps. 89, 7, Matth. 5, 9 45, 1. Joh. 3,
Was wollen wyr
hietzu sagen? Sollen wyr den Apostel ßo lassen stecken, alß der nicht gutt,
klar grund der schrifft auffbringe? das were nit [Ps. 2, 7] feyn. Zum ersten,
das dißer Jhesus der man sey, von dem der psalm redet, beweyßet die erfarung;
denn es ist alßo erfullet und ergangen. Er ist von den kuenigen unnd fursten
vorvolgt. Sie haben yhn wollt vortilgen unnd sind tzu spott drob worden, sie
sind auch vordorben, wie er hie sagt. Szo ist er yhe ynn aller wellt fur eynen
herrnn geachtet, das keyn kuenig fur yhm odder nach yhm weytter und breytter
regierett odder regirn kan. Szo denn die erfullung mit dem psalmen stympt, lest
er sich nit tzwingen auff eynen andernn. Das er aber got sey, obwol ander
heyligen auch gotter und gottis [Heb. 1, 5] kinder genennet werdenn, beweyßet
der Apostel starck gnug damit, das tzu keynem Engel, schweyg denn eynem
menschen, ynn ßonderheytt gesagt sey: du bist meyn ßon; drumb muß das eyn
ßonderlicher ßon seyn, ubir alle menschen unnd engel; denn weyl er yhn nit ynn
gemeyn mit andernn eynen ßon nennet, ßondernn tzeucht yhn auß allen, muß er
hoher seyn denn keyn ander. Nu mag er nit hoher seyn denn die Engel, er sey
denn gott warhafftig, weyl die engel das hohist sind. Ubir das, alle ander
kinder gepiert er durch mittel, [Jak. 1, 18] wie .S. Jacobus sagt: Er hat uns
gutwillig geporn durch seyn wort, und die Engel hatt er auch geschaffen unnd
nit geporn. Aber dißen ßon schafft er nit, ßondernn on alle mittel durch sich
selbs gepiert er yhn und spricht: [Ps. 2, 7] Ich, ich selb, durch mich selb hab
dich hewte gepornn, wilchs er tzu keynen mehr gesagt hatt. Diße eynige,
personlich geperung beschleüßt ein naturliche [1. Chron. 22, 10, Ps. 2, 7]
gepurt; denn er spricht wol .1. Paralip. 22. von dem Salomo: Er soll meyn [WA
s. 167] ßon seyn, ßonderlich aber doch nit tzu yhm: du bist meyn ßon, ich hab
dich geporn, ßondernn Dauid hatt yhn geporn, aber dißen hatt niemant denn gott selber
geporn.
[Ps. 2, 7] Auch spricht er: hewte, das ist: ynn der
ewickeyt; es ist yhe nit muglich, das eyn leypliche gepurt auff eynenn tag
geschehe, wie wyr sehen ynn den menschen unnd allen thieren. Aber auff das er
diße gepurtt ßonderete, setzt er hewte datzu, das gott seyn ßon auff eynmal
gepiert ewiglich und geht tzugleych seyn gepurt und eyn ßon haben, spricht nit:
vor eynem iar hab ich dich gepornn, ßondernn: eben itzt, da du meyn ßon bist,
hab ich dich gepornn; drumb muß es eyn ubirschwencklich gepurtt seyn ynn der
hohen natur, die niemand begreyffen mag.Es stett auch Osee. 11. geschrieben,
das gott spricht: [Hos. 11, 1] Auß Aegypten hab ich meynen ßon geruffen, wilchs
da lauttet, alß sey es eyn ßon, wie dißer psalm redet, unnd die Juden sagen doch,
es sey von dem volck [Matt. 2, 15] Israel gesagt. Aber .S. Mattheus tzeugt es
auch auff Christum, aber es sey wie yhm sey, ßo find man keynen spruch, da tzu
eyner person sey gesagt [Ps. 2, 7] ßonderlich: du bist meyn ßon, schweyg denn
tzu eynem kunig unnd ßo grossem kunige, viel weniger find man, das er sag: Ich
selb hab dich gepornn, unnd hewte hab ich dich geporn. Drumb ists starck gnug
unnd klerlich bewert auß dißem psalm, das Jhesus sey dißer Christus und gottis
warer naturlicher ßon. [WA s. 168]
Hieneben ist mit
ßonderm vleyß tzu mercken, das der Apostell auff die schrifft der massen pocht,
das, wo nit ettwas drynnen ist gesagt, das dasselb [Hebr. 1, 5] nit sey tzu
hallten; denn wo das nit were, ßo schluß seyn rede nichts, da er sagt: tzu
wilchem Engel hatt er yhe mal gesagt &c.. Denn es mochten die Juden sagen:
hatt erß nit gesagt ynn der schrifft, ßo mag man es dennoch wol sagen, Es ist
nit alliß ynn der schrifft gesetzt. Nu er aber will, das, was die schrifft nit
gibt, nicht tzu halltenn sey, sollen wyr auch alßo alle ander lere vorwerffen,
unnd das dienet widder des Bapsts unnd Papisten freuel, die da unuorschampt
widder dissen Apostel furgeben, man muß mehr dings hallten denn die schrifft
habe. Und ßo man sagt: Es sey nit yn der schrifft, drumb solls nit gelten, soll
nit schließen, machen damit dißen grund des Apostels matt, viel mehr denn Juden,
auff das sie iha yhr Concilia, lerer und hohen schulen eynfuren; da hutt dich
fur und sey gewiß, es ist alliß und ubrig ynn der schrifft, was tzu hallten
ist. Was aber nit drynnen ist, da solltu [Hebr. 1, 5] tzu sagenn, wie hie der Apostel: Wenn hatt
gott yhe eyn mal das gesagt?
Und aber:
Dißen spruch haben sie auch matt gemacht, alß weren sie nur
darumb lerer, das sie die schrifft matten sollten, und sagen, das dißer spruch
habe [WA s. 169] tzween vorstand, eynmal sey er von Salomon tzuuorstehen, alß
eyner figurn Christi, das andermal von Christo. Aber wenn das tzugelassen wirt,
das die schrifft nit besteht auff eynem eynfeltigen synn, ßo streyt sie schon
nymer; [1. Chron. 22, 10] muegen die Juden drauff bleyben, es sey von Salomon
gesagt, wie wyr bekennen, ßo ligt der Apostel aber mit guttem scheyn ym sand
unnd schleußt nichts.1 [Ps. 2, 7, Hebr. 1, 5] Drumb ists festiglich tzu
hallten, das es alleyn von Christo gesagt ist, unnd eben wie der vorige spruch
eynen ßonderlichen ßon beschreybe ubir allen andernn ßonen, das auch nit tzu
den Engelln solchs gesagt sey, schweyg den tzu Salomon, wie hie der Apostel
sagt, und sey eyn name, der viel anderß und besser sey denn der Engel, alß er
auch hie sagt, das es ynn keynen weg muge Salomon tzugelegt werden. Nu es ist
unß nit gnug, das wyr dem Apostell glawben, wyr sind schuldig tzu beweyßen, das
er schließlich und mit klarem grund das bewere, alß er furgenummen habe. Darumb
ist tzu wissen, das dißer spruch [2. Sam. 7, 14, Ps. 89, 27. 28] ist genommen
auß 2. Reg. 7. und Ps. 88., wilchs sind prophetische bucher, und an denselben
orttern wirt nur von Christo gesagt, nit von Salomon. Aber [1. Chron. 22, 10]
.1. Paralip. 22., das eyn historisch buch ist, da wirtt von Salomon alleyn gesagt:
Ich will seyn vatter seyn, unnd er soll meyn ßon seyn. Nu ists auch [Ps. 89,
27. 28] bey den Juden bekentlich, das Ps. 88. von dem rechten Christo sagt: Er
wirt [WA s. 170] mich nennen: Meyn vater bistu, und ich will yhn den hohisten
kuenig machen. Item: Wer mag gleych seyn gotte unter den ßonen gottis? das ist:
unter den ßonen gottis ist eyner, der eyn Gott ist, unnd yhm keyn gleycher.